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Ar. 239

Donnerstag, pen 11. Oktober 190b

15. Jahrgang

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NeaKgängige Uag«s;eitnng

(^iejenw Weitung)

str Oberhesieu und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzelger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisters GieH-n, >e^ w^H. -I^li^inmteS Giesten und anderer Bebclrden van ^d<-r^e"'-n

/ politische Indiskretionen.

G9. Berlin, 10. Oktober.

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Der Kaiser hat, wie bekannt, dem Fürsten Philipp Hohen­lohe, dem ältesten Sohn des verstorbenen Reichskanzlers Fürsten Chlodwig Hohenlohe, schärfste Mißbilligung darüber ausgesprochen, daß die Niederschriften des Fürsten Hohenlohe Vater, die zum Teil den Kaiser betreffen, ohne dessen vor­herige Erlaubnis veröffentlicht worden sind. Der Tadel, den der Kaiser ausgesprochen hat, war scharf, sehr scharf, aber ganz gewiß nicht unverdient. Dabei bleibe dahingestellt, ob der von dem Kaiser ausgesprochene Vorwurf höchster Takt­losigkeit, Indiskretion und Jnopportm,ität auf dem Füsten Philipp Hohenlohe haften bleibt oder einen Andern trifft.

Diskretion ist eine notwendige Tugend schon im bürger­lichen und gesellschaftlichen Verkehr. Wir würden auch im L vertrauten Umgang jedes Wort auf die Wagschale legen und 8 unser ganzes Verhalten auf das größte Mißtrauen einrichten müssen, hätten wir gewärtig zu sein, daß jedes ohne beson- deren Bedacht hingeworfene Wort, jede Aeußerung einer g augenblicklichen Laune schriftlich niedergelegt und veröffent- licht werden könnte. Der Zustand, der hieraus erioüchse, 8 wäre geradezu unerträglich. Wir müssen uns darauf ver- lassen können, daß unsere nächsten Freunde, mit denen wir ? harmlos umgehen und harmlos Meinungen austauschen, diese 7 Meinungsäußerungen nicht weitergeben und namentlich nicht in ' die Oeffeutlichkeit bringen. Selbst bei genauester Wiedergabe ( ist eine Entstellung garnicht zu vermeiden, eine Entstellung, die r manches Mal einer direkten Fälschung gleichkommt. Es kommt ) vor, daß wir irgend ein Urteil aussprechen, nicht weil wir i es ernstlich meinen, sondern weil wir damit eine Frage oder eine Gegenrede provozieren wollen, weil wir uns einen Scherz erlauben oder weil wir in besonders guter oder auch in be- I sonders schlechter Laune sind. Wenn nun diese Aeußerung £ weitergetragen wird, losgelöst von den Umständen, unter denen sie getan worden und die einen ungesprochenen Kommentar bilden, wenn sie in der Oeffentlichkeit gleichsam wie eine be­schworene Zeugenaussage erscheint, so hat sie ihren Charakter ganz und gar verändert und gewinnt leicht eine Bedeutung, die der Absicht des Urhebers völlig fremd war. Gilt das : schon von dem gewöhnlichen bürgerlichen Verkehr, wieviel mehr ist bedingungslose Diskretion Vorschrift für den diplo- I matischen Verkehr und für den Verkehr und die Umgebung der Souveräne. Zwar hat der römische Kaiser Augustus seinen Angehörigen vorgeschrieben, sie dürften kein Wort sprechen, das nicht in dieacta diurna" ausgenommen werden könnte. Seine Angehörigen aber haben diese kaiserliche Vor­schrift nicht beachtet, und die spätere Geschichte hat manche Indiskretion verzeichnet, die Aeußerungen auf uns brachte, denen man nicht nachrühmen kann, sie seien hosjournalfähig gewesen. So sehr kann auch kein Mensch seine Ziuige hüten. Es ist eine alte Vorschrift, die für unverbrüchlich gilt: Des Königs Rat muß geheim sein. Wohl jeder hat im Kreise feiner Bekanntschaft schon einmal erlebt, daß eine In­diskretion, die in solchem Falle besser ein böser Klatsch ge- nannt wird, schlimme Folgen, arge Zerwürfnisse nach sich zog. Man übertrage das auf die Verhältnisse der Herrscher, und man wird erkennen, daß unabsehbares Unheil die Folge sein kann.

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Der Kaiser selbst hat das beste Beispiel gegeben. Ganz sicher hat auch der Kaiser den Wunsch gehabt, die Vor- kommniffe aus den Märztagen 1890, da Fürst Bismarck das Reichskanzlerpalais verlief in voller Klarheit und Wahrheit darzulegen. Er hat es auch getan, aber nicht der Oeffent- Uchkelt gegenüber, sondern für die Geschichte. Ein damals aktiver Staatsmann (wir dürfen wohl die Vermutung aussprechen, daß es der Herr Staatssekretär v. Boetticher war) erhielt den Auftrag, alle Einzelheiten aiederzu sch reiben. Die Feststellung der historischen Wahrheit war unmöglich, ohne daß hier und da Empfind­lichkeiten verletzt oder an einem Prestige gerüttelt wurde, das pnn nationalen Besitzstand gehört. In Rücksicht hierauf hat sich der Kaiser die Genugtuung der Veröffentlichung versagt Dieses Beispiel sollte allgemeine Beachtung und Nachahmung sinden. Wir wollen noch ein zweites Beispiel anführen: Der greife Geschichtsforscher Mommsen hat zahlreiche Korrespon­denzen hinterlassen, aber verfügt, daß sie erst 30 Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden dürfen. Was der Gelehrte getan, das sollten auch Je Staatsmänner tun, und die Hinterbliebenen der Staatsmänner sollten es sich zur un­verbrüchlichen Regel machen.Des Königs Rat soll geheim sein!" Diese Vorschrift gilt auch über den Tod der ge­heimen Räte eines Königs hinaus.

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Zur braunschweigischen frage. ^

{ Des Kaisers Hntwort an den Prätendenten.

Durch eine offiziöse Kundgebung wird ein aufsehen- L erregender Briefwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem ! Herzog von Cumberland bekannt gemacht. Es handelt sich! selbstverständlich um die Regelung der Thronfolgefrage in Braunschweig. Die Initiative hat der Herzog von Cumber- land ergriffen, indem er sich am 2. Oktober schriftlich direkt an den Kaiser wandte.

In dem aus Gmunden dauerten Briefe des Herzogs heißt es nach der üblichen Einleitung und nach Bezugnahme auf die Resolution der braunschweigischen Landesversammlung:

Es ist mein Wunsch, eine endgültige Ordnung der Regierungs» Verhältnisse im Herzogtum Braunschweig aus dem Wege herbei­geführt zu sehen, daß ich und mein ältester Sohn Prinz Georg Wilhelm unsere Rechte auf die Regierung im Herzogtum aus meinen jüngsten, nach braunschweigischem Hausgesetz volljährigen Sohn, Prinzen Ernst August übertragen, und daß dieser als Herzog die Regierung übernehme. Mir und meinem ältesten Sohne, sowie dessen Deszendenz würde die Sukzession in Braun­schweig für den Fall vorbehalten bleiben, daß die Linie meines jüngsten Sohnes erlöschen sollte. Die Verzichtleistung auf den braunschweigischen Thron würden ich und mein ältester Sohn aussprechen, sobald die Gewißheit besteht, daß der Regicrungs- übernahme meines jüngsten Sohnes keine Hindernisse entgegen- stehen.

Der Herzog bittet weiter den Kaiser um geneigte Unter- stützung seines Wunsches. Bereits am 6. Oktober wurde das kaiserliche Antwortschreiben aus Rominten abgesandt. Es hat (unter Weglassung der Höflichkeitsformeln zc.) folgenden Wortlaut:

Die Regierung in Braunschweig ist durch Bundesrats- beschluß vom 2. Juli 1885 in der, nach Lage der Verhältnisse, durch die Interessen des Reichs geboteneu Weise geregelt. Als berufener Hüter dieser Interessen muß ich An stand nehmen zu einer Neuregelung die Hand zu bieten, solange die Sach- und Rechtslage, die zu dem gedachten Bundesratsbeschluß geführt hat, unverändert fortbesteht. Der Inhalt Euerer Königlichen Hoheit Schreiben bietet aber keinen Grund, diese Lage als ver- ändert anzusehen. Ich sehe mich daher außer stande, der mir von Euerer Königlichen Hoheit ausgesprochenen Litte näher zu treten.

Neben dem Briefe des Herzogs von Cumberland an den Kaiser ging ein Schreiben an den Reichskanzler ein, in dem Fürst Bülow ebenfalls um Unterstützung der Cumberländischen Vorschläge gebeten wird. Anolog dec kaiserlichen SteVimg- nähme antwortete der Kanzler dem Herzog in einem Schrift­stück vom 7. Oktober ab Homburg v. d. H.

Bemerkenswert ist, daß in dem Gesuch des Herzogs nirgendwo die Rede von der Berzichtleistung auf Hannover ist. Man muß annehmen, daß auch bei einer Thronbesteigung des jüngsten Sohnes des Herzogs in Braunschweig diese ver­meintlichen Ansprüche bei den übrigen Mitgliedern des Hauses bestehen bleiben sollen. Bei dieser Sachlage war eine andere Antwort Kaiser Wilhelms und seiner Regierung kaum zu erwarten. ____________

Der schwarze Tag von Jena?

Erinnerungen an Deutschlands bitterste Zeiten.

J>lm 1. August des unheilvollen Jahres 1806 war das heilige römische Reich deutscher Nation zu Grabe getragen worden. Hinter seinem Sarge hatten die Rheinbundfürste« das Banner deskleinen Korporals" getragen und Napoleon war unumschränkter Gebieter in ganz Westdeutschland. Ge. demütigt, aber noch nicht ganz unterworfen stand Preußen mit seinen wenigen Verbündeten zwar außerhalb der fränkische» Machtsphäre, aber schon ballten sich die Wolken, aus denen der vernichtende Strahl auf das Erbe Friedrichs des Großen herniederzucken sollte. Am Hofe, in den Stuben der Ministerien zauderte man. Stein, Arndt, Fichte predigten tauben Ohren. Und doch mußte die Abrechnung kommen, die politische Entwickelung der ersten Jahre des neuen Jahr- hunderts drängte mehr und mehr der Katastrophe zu.

Aus Paris meldete der preußische Gesandte Lucchesini, Napoleon beabsichtige Hannover an England zu geben. Diese Nachricht im Verein mit den französischen Truppenbewegungen in West- und Süddeutschland rief endlich die Leiter der preußischen Regierung auf den Plan. Aber nur Sachsen und das keine Weimar leisteten die erbetene Hilfe, die übrigen norddeutschen Staaten versagten, auf Oesterreich, Rußland und England war nicht zu rechnen.

Langsam begann am 10. August die Mobilmachung. Die Unüberwindlichkeit der Armee setzte man ohne weiteres voraus man hatte nicht ungestraft sich jahrzehntelang in Selbstverblendung gewiegt. 30 000 Mann ließ man unnötiger* Weise im Osten des Staates stehen. Die Truppenkontingente, welche die sieggewohnten Legionen des großen Korsen schlagen sollten, zersplitterte man in drei Armeen, statt sie zu impo­nierender Macht zusammenzufassen. Die Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig sammelte sich bei Naumburg, wo das Hauptquartier errichtet wurde, in dem sich auch der König aushielt. Endlose Konferenzen, Beratungen und Auseinander­jetzungen begannen. Der die zweite Armee befehligende Fürst Hohenlohe vereinigte sich mit den sächsischen Truppen und ließ sich, von seinem unfähigen Generalquartiermeister Massenbach beeinflußt, in ein zweckloses Hin- und Hermanöverieren ein. Die dritte Armee unter General Nüchel stand bei Eisenach.

Es würde zu weit führen, wollte man den Unter­nehmungen der einzelnen Truppenteile folgen. Die preußische Armee befand sich am 7. Oktober in folgenden Stellungen: Die Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig von Gotha bis Erfurt mit 60 000 Mann; 20 000 Mann unter Nüchel zwischen Eisenach und Langensalza; Blücher mit H 12 000 Mann darüber hinaus nach Westen bis Kreuz- 6^9; Hohenlohe mit 38 000 Mann an der Saale mit der Vorhut in Stadtilm und endlich Tauentzin bei Hof und Saalburg mit 7000 Mann.

Fürst Hohenlohe, der den Angriff Napoleons auffangei füllte, widerstrebte den Befehlen des oberkommandierende, Herzogs von Braunschweig. Ueber Etikettefragen, Drist

Paraden und Konferenzen versäumte man, sich genügend,

Kenntnis vom Feinde zu verschaffen. Napoleon kannte di, '

preußischen Stellungen, die Stärkeverhältnisse und die Ad sichten der Führer ganz genau.

Mit gewohnter Energie ließ er bei Saalfeld feinen Marschall Lannes über die Avantgarde der Hohenloheschev Armee unter dem Prinzen Louis Ferdinand von Preuße» herfallen und zersprengte sie vollständig. Prinz Louis Ferdinand blieb auf dem Felde. Als die Kunde nach Jena kam, trat an die Stelle der bisherigen unbegründeten Siegesgewißheil völlige Verzagtheit und Planlosigkeit im Hauptquartier.

Napoleon rückte bedachtsam vor und besetzte in der Nach! zum 14. Oktober die Bergkuppen an dem Ufer der Saale, die seltsamerweise von den Preußen aufgegeben waren. Im preu' ,'chen Lager schlief alles in guter Ruhe. Drüben aber lenkte Aonaparte selbst die Operationen, ließ Artillerie auf die c öhen schaffen, Infanteriewaffen in die Gefechtslinie rücken, ordnete seine Streiter in zwei Treffen und blieb fast die ganze Nacht im Sattel. Um sechs Uhr gingen die Franzosen im Nebel vor. Um acht Uhr schwand der Nebe! und die Schlacht entbrannte in voller Wut. Ueberall wurden die preußischen Truppenverbände gelockert. Einige imponierende Gegenangriffe konnten an dem allgemeinen Resultat nichts ändern. Und dieses war das Zurückweichen auf der ganzen Linie. Der zur Unterstützung sehnlichst erwartete General Nüchel, der nur wenige Kilometer entfernt gestanden hatte, kam und kam nicht. Viele Ofsiziere und einzelne Bataillone zeichneten sich durch heldenmütige Tapferkeit aus, aber das Schlachtenglück wird dadurch nicht gezwungen. Mehr und mehr verloren die unteren Befehlshaber den Kopf, die oberste Leitung war schwankend und unbestimmt. Hohenlohe selbst setzte sich in verwegener Weise dem Kugelregen aus, doch diese Tollkühnheit konnte den Mangel an sachgemäßen Dis- Posittonen nicht wettmachen.

Allmählich ergriff panischer Schrecken die vom feindlichen zielbewußten Feuer dezimierten Soldaten, die Reihen lösten sich in wilder kopfloser Flucht auf. Einige Bataillone standen noch heldenmütig, als Rüchel endlich nahte. Er hatte solange Zeit gebraucht, weil es für nötig befunden worden war, die Kom­pagnien wie auf dem Exerzierplatz ausgerichtet marschieren zu lassen. Sein tollkühner Angriff im Parademarsch den steilen Berghang von Groß-Romstädt hinaus war vergeblich, forderte nur neue zwecklose Opfer. Die Schlacht war verloren, das Schicksal Preußens besiegelt. Die Trümmer des vernichteten Heeres strömten nach Jena, der Weg war mit weggeworfenen Waffen und Monturstücken bedeckt. Doch auch in der stillen Stadt kam nicht das Gefühl der Sicherheit über die Ge-< schlagenen, alle Bande der Ordnung waren gelöst, weiter unb weiter floh man, um der vermeintlichen Umklammerung durch den siegreichen Feind zu entgehen. Dieser machte viele Tausende von Gefangenen und Napoleon^ hatte von nun an keinen ernsthaften Gegner mehr in Deutschland. Die Fremd­herrschaft war eine vollendete Tatsache und erst nach Jahren kam dem Lande und dem Volke in der glorreichen Erhebung der Freiheitskriege die Errettung. A. v. P,

' politische Rundschau. ^ . ;

. - Deutsches Reiche $

* Die zunehmende Fleischtenerung hat wieder unsere Stadtverwaltungen zum Vorgehen veranlaßt. Der Nürn­berger Magistrat beschloß eine Eingabe an die Staatsregierung, um Maßnahmen zur Abwendung der Fleischteuerung und insbesondere die Gestattung der (Anfuhr von Schlachtvieh zu erreichen. Die Stadtverordneten ° Versammlung zu Frank» furt a. M. beschloß einstimmig, den Magistrat zu ersuchen, bei der Reichs- und Staatsregierung wegen sofortiger Er­greifung aller zu Gebote stehenden Mittel zur Herab­minderung der aufs Unerträglichste gesteigerten Fleischteuerung vorstellig zu werden. Der Oberbürgermeister erklärte sich mit dem Beschluß einverstanden.

* Die Errichtung einer internationalen Kontrollkommission für Arbeiterschutz war auf der Berner Konferenz von einer Reihe von Staaten als wünschenswert angeregt worden. Deutschland hat im Verein mit Oesterreich-Ungarn und Belgien dieser Kommission widersprochen, so daß von einem Beschluß abgesehen wurde. Deutschland ist bei seiner ablehnenden Haltung von dem Gedanken ausgegangen, daß eine derartige Kommission zu einer reinen Beschwerde-Instanz auswachsen könne. Außerdem erschien die Konttolle heimischer Ein­richtungen durch Vertreter fremder Staaten durchaus un­erwünscht.

* Die Generalversammlung des in Graudenz tagenden Evangelischen Bundes hat einen Beschluß gefaßt, der sich wider die auf dem Essener Katholikentag erhobene Forderung ^Zusammenschluß der Gott- und Christusgläubigen aller Konfessionen zum Kampfe wider den Unglauben und Umsturz" richtet. Jene Essener Aufforderung verlange den politischen Zusammenschluß der gläubigen Christen. Dieses Ansinnen weise der Evangelische Bund als verhängnisvoll für das Vaterland und die evangelische Kirche zurück. Es bedeute nur eine Stärkung der Zentrumspartei. Vom Kaiser lief auf