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Zweites Blatt

Samstag, Pen 11. August 190b

15. Jahrgang

^Min u.Haupterpedition: Gießen, Selter sw eg 88.

^er«sprecha»schl»ß Nr. 363.

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(chießener Uagevtatt)

Nnaößängige Tageszeitung

(Hießener Leitung)

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Kr Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Kokalauzsiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von ^vW^

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Die frau in der Politik.

Betrachtungen zum Kopenhagener frauenkongreee.

Frauen im Existenzkampf. Das »Gibson girl-. Weibliche Zerr filier. Die Schönheit der Irländerin. Kätzchen und Hexchen - Kindererziehung per Telephon. Politische Verschwörerin. Lom Blümlein traut zur Broterwerberin. Das Heim bei deutschen Frau.

Der gegenwärtig in Kopenhagen tagende Kongreß bei internationalen Frauenwahlrechtsvereinigung läßt die Frage Wiederaufleben, inwieweit sich eine Betätigung der Frauen auj politischem Gebiet mit der natürlichen Bestimmung des weib­lichen Wesens verträgt. Die beste Gelegenheit, Antwort aus diese Frage zu finden, bietet sich in Amerika, wo den Frauen bereits ein gewisser Anteil an der Politik gewährt ist.

Jenseits des großen Teiches ist unter der Einwirkung des Existenzkampfes, der die Frauen gleich den Männern mitten ins Leben stellt, aus dem anmutigen weiblichen Wesen das Gibson girl geworden, das wohl auf den ersten Blick noch zu fesseln vermag, in seiner ausgesprochenen Verrohung and Schnippigkeit auf die Dauer indessen des dauerhaften Reizes entbehrt. Indessen dieses Stadium bildet nur einen Uebergang. In weiterer Folge find dann jene Typen ent­standen, die aller und jeder Anziehungskraft entbehren und jene Zerrbilder repräsentieren, von denen sich jeder, der

inniges Behagen sucht, mit Grausen wendet. Da haben wir die eifernde Temperenzlerin, die kein Kompromiß kennende labaksfeindin, die unentwegte Predigerin gegen die Theater and jedes, auch das bescheidenste, erlaubte Sonntagsvergnügen, die Gesundbeterin, die wütende Wissenschaftlerin, die Reise- tolle, die leidenschaftlich Moderne, die Alleskönnerin und Lllestadlerin. Unter der Einwirkung dieser Typen lernte die imerikanische Frau ein hochmütiges Selbstbewußtsein, sie wurde kalt und berechnend, höhnisch und spitz. Mit der Ent- irtung des Weibes gingen auch die edlen Künste zurück und wachten sterilisierten und eingepferchten geistigen Errungen­schaften Platz. Der Intellekt wurde zu einem Speicher für profitable Berufskenntnisse.

In England ist man auf bem Wege zu ähnlichen Ent­wicklungen begriffen, wenn man auch dort noch vor den 'chlimmsten Auswüchsen bewahrt geblieben ist. Immerhin nimmt ruch bei unseren Vettern jenseits des Kanals, dank der Richtung, )ie die Entwicklung der Frauenfrage dort genommen, die Sinförminfeit. der Konvent'", '^äinnL immer mnbr r'-ü^b""^

Aus den Familien flüchtet Anmut und Liebenswürdigkeit, statt der heiteren Freude macht sich die Herzensleere breit. Man wird das so recht gewahr in einem Vergleich der eigent­lichen Engländerin mit ihrer Schwester von dergrünen Insel", wo sich die holde Ursprünglichkeit des weiblichen Geschlechts noch bewahrt hat. Noch immer ist die Schönheit der Irländerinnen, ihr Liebreiz sprichwörtlich. Sie erobern jedes Männerherz mit bcm Zauber ihrer Erscheinung, ihrer unwiderstehlichen Geistesfrische. Ihre Anmut hat etwas vom Kätzchen und vom Hexchen. Die Musik ihrer Stimme zittert durch jedes ihrer Worte. Aber die Quintessenz ihres Charms ist ihre Natürlichkeit und Naivität. Woraus erklärt sich der Zauber ihres Wesens? Sie sind noch nicht von derHexe Politik" in deren Bannkreis gezogen, während die Engländerin sich bereits mit Riesenschritten der Entweiblichung nähert. Die Zeiten sind nicht mehr allzufern, da das englische Familien­heim sich auflöst. Die Mahlzeiten werden nicht mehr im Hause bereitet, sondern von Gesellschaften geliefert werden. Die Kinder werden per Telephon erzogen. Und da politische Frauen überhaupt nicht mehr Mütter zu sein begehren, so wird England seinen Nachwuchs von anderswoher beziehen, aus dem Transvaal, aus Südrußland, je nachdem Parlaments­akte darüber entscheiden. Diese radikalen Reformen werden zuletzt den Charakter des Weibes ganz umbilden. Die Frau wird exklusiv, abstoßend, stolz, in einem Wort entweibt werden.

Dasselbe Schauspiel der ihrem Geschlecht entrückten Frau entfaltet sich in Rußland. Unter dem Drucke der Verhältnisse wird sie dort zur reizlosen Wiffenschaftlerin und zur gefähr­lichen politischen Verschwörerin.

Und bei uns in Deutschland? Wohl ist auch hier so manches nach Maßgabe der Zeit anders geworden, wie es früher gewesen. Unsere Mädchen sind zwar nicht mehr die stillen poetischen Blümlein, die im Garten der Familie blühten, nur nm mit ihren Farben und ihrem Dufte Herz und Sinne der Männer zu erfreuen. Nicht mehr das Spielzeug, das keine andere Aufgabe kannte, als die Tändelstunden der Herren der Schöpfung zu füllen. Nicht mehr die ungelehrten, naiven Geschöpfchen aus dem Natur- und Feenreiche, an denen der Dichter einst seine innigste Lust fand. Ein ernstes Streben ist über sie gekommen, der Wunsch, aus ihrem engumgrenzten Bereich herauszutreten und an den Taten und Ideen, die die Welt erfüllen, ihren berechtigten Anteil zu nehmen. Von

Brotempfängerinnen sind sie vielfach zu selbständigen Brot- erwerberinnen eniporgestiegen. Aber in ihrem Streben nach Selbstbestimmung und Selbstäußerung haben sie doch nichts eingebüßt, dessen Verlust allzuschmerzlich bedauert werden müßte. Noch steht das alte deutsche Heim in gewohnter Festigkeit und Würde da. Noch ist die deutsche grau, wie immer, als Gattin und Mutter die edle Walterin am häus­lichen Herd. Wo einmal eine Gestalt sich zeigt, die von den Zerrbildern etwas an sich trägt, wie das Ängelsachsentum hüben und brühen, wie die Moskowiterei sie hervorgebracht haben, da handelt es sich um Ausnahmen, die den Spott herausfordern, nicht aber um die Regel.

So möge es bleiben! Die Frauenwelt kann, wie das Beispiel der deutschen Frauen zeigt, ihre Aufgabe auch in der modernen Zeit erfüllen, ohne in die Extreme zu verfallen.

I Dr. Maximilian Wolff.

Vermischtes.

^"^ kern Freitag. Daß der Aberglaube bei umt­uchen Anlagen noch eine Rolle spielen könnte, wird man kaum glauben, und doch hat sich in Bernburg ein derartiger £ ereignet. _ Oberbürgermeister Leinweber gab in der letzten Gemeinderatssitzung die Erklärung ab, daß ihm persönlich zwar jeder Aberglaube fernliege, daß er aber dem Volks-^ empfinden Rechnung tragen wenn er einpfehle, die Ein-, fuhrung des neuen Stadtrats nicht an einem Freitag vor­zunehmen I

= Moderne Schatzsucher. Der DampferXenia" hat Gravesend mit einer geheimnisvollen Bestimmung, die selbst der Mannschaft vorerst noch verborgen war, verlassen. Die Xenia" war prächtig ausgestattet, und die Offiziere trugen glänzende Uniformen, sodaß die Neugier des Publikums leb­haft erregt wurde und man sich die abenteuerlichsten Dinge erzählte. Es wird auch behauptet, daß das Schiff nach einem sorgfältig geheim gehaltenen Orte gehen soll, an dem wert­volle Diamantenlager gefunden sein sollen. Der Mannschaft wurde St. Helena als Bestimmungsort angegeben; aber dies ist sicherlich nicht das Ziel. Das Schiff führt Sprengstoffe und Apparate für Bergwerksbetrieb und eine Anzahl von Bergarbeitern mit sich.

916 (200) 36 52 ft 69 112 272 457 Stil

Bekanntmachung.

EmÄ Der Elektrotechniker Fritz Jung dahier ist zur 443 694 Tw 6<1 Ausführung von Anlagen im Anschluß an das städtische ^tt Elektrizitätswerk auf Grund der Bestimmungen vom

42 65 885 2 21V

50 445 546 48 621' 3143 61 87- 7 62 78 583 62

3 372 687 829 B' [7 81 283 377 658

12132 90 (200) « 48 635 65 942 71 !

13 408 27 2 5 7 ;

3 94 727 912 $ {

20. September 1900 zugelassen worden.

Gießen, den 9. August 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum.

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Verkauf von Bauplätzen an der Licherstraße.

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ms; Die Stadt Gießen läßt:

,Ä** Mittwoch, den 22 August, nachmittags 3 Uhr

«> «y® auf dem Großherzoglichen Ortsgericht zwei nebeneinander

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S 630 48 893 *

gelegene Bauplätze an der Licherstraße, Ecke der Land-

1605 742 8 MI«? 284168 272 \ 3 470 616 64 *

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Wnnstraße von rund 600 und 480 qm öffentlich meist­bietend versteigern.

Gießen, den 9. August 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

i^ Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird ^7alt die Maulburg von heute an bis auf weiteres für den -M^ Fuhiverkehr gesperrt.

^iiii^ Gießen, den 10. August 1906.

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Großh. Polizeiamt Gießen.

J. V - Roth.__

Berdingang.

Herbst-Pfervemartt zu Gieken.

Am Dieustaq, den 11. September 1906, vormittags, findet auf den städtischen Marktanl^ge« nächst der Rodheimer- strafe Pferdemarkt statt. Stallungen sind in der Nähe des Marktes ausreichend vorhanden, wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoslohakutscher Huhu-Gießen wenden.

Für die Prämmiirrung des besten Pferdematerials stehen 1670 Mk zur Verfügung. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Weinhändler August Schwan zu Gießen zu beziehen. Die Vreisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12^2 Uhr. Omnibusverbinduna von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück Von lu Uhr ab Konzert u«d Restauration auf d.m Marktplatz.

Am 12. September, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadlknabenschule eine

Verlosung

statt von Pferden. Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Ge­rätschaften, Fahrrädern, Nähmaschinen, Haushaltung- und Gebrauchs­gegenständen.

Der Generalvertrieb der Lose â 1 Mk. ist dem Herrn Richard Buchttlter-Gießeu übertragen

Gitßen, den 25. Juli 1906.

Die städtische Pferdemorkt-Kommission:

Jean Kirch.

ArbeitsvergebuNg.

Die zur Erneuerung der Kesselanlage in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten nötigen Maurerarbeiten nämlich Einmauerung von 4 Niederdruckdampfkesseln, werden hiermit unter Zu­grundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 öffentlich ausgeschrieben.

Die Angebotsunterlagen können auf unserem Amt, Stephanstraße Nr. 18, eingesehen und von dort gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden.

Die Angebote sind bis Mittwoch, den 15» August vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermin, mit entsprechender Aufschrift versehen bei uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, den 30. Juli 1906.

Großh. Hochbauamt Gießen.

J. V. Heyer.

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Die zur Herstellung eines transportablen Unter- kllnftsraumes für die städtischen Wiesenarbeiter nötige Holz- und Bretter Lieferung soll

Dienstag, den 14. August, vorw. 11 Uhr öffentlich verdungen werden.

Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Lordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen.

Gießen, den 10. August 1906.

Städtisches Hochbauamt.

G e r b e l.

Carl Geißler, Gießen I übernimmt

schriftliche Arbeiten, Vermittelung von An* und Verkäufen, Vermietungen, Aufnahme von Vermögens Verzeichnissen, Vermögens* und g | IDachiassnerwaltungen, freiwillige Versteiger­ungen, Inkasso und Beitreibung von Forder­ungen, bei mässigem Honorar und fachge­mässer Ausführung.

Geschäftsstube :Hotel Einhorn,

Vergebung von Dachdeckerarbeiten.

Die zum Umdecken eines Teiles des Daches auf dem Proviuzial-Arresthaus zu Gießen nötigen Dachdeckerarbeiten (ca. 300 qm Schieferdach) nebst Materiallieferung werden hiermit unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 zur Vergeb­ung ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen bei unterfertigtem Amte zur Einsicht offen und können letztere, soweit der Vorrat reicht, von dort bezogen werden.

Angebote sind bis zum Eröffnungstermin Mittwoch, derr 15. August 1906, vorm. 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, bei uns einzu­reichen.

Zuschlagsfrist 2 Wochen.

Gießen, den 1. August 1906.

Großherzogliches Hochbauamt.

J. V.: Heyer.

XAQ^AWNIA^EIFE.

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