Nr. 212
Montag, Pen 10. September 190b
15. Jahrgang
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Gießener
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Wenefle Wachrichten
(Gießener HagevtaiD Mnaöyängige Tageszeitung (Gießener Weitung)
Eigene Postpaket-Abfertigung. - Reichsbank-Giro-Kouto. • Telefon Nr. 59.
Teil-Ansicht unserer mech. Weberei und Spinnerei, Saal Nr. 3.
str^Overhesim und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großb. Polizeiamtes Gießen unb anderer Behörden von Ob ermessen
Sechs Millionen deterrebuß.
Es gibt kaum einen Großstaat, dessen Budget so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen wäre, wie das Reich. Das tat auch seinen ausreichenden Grund: Die Einnahmen des Reichs fließen aus Zöllen und indirekten Steuern, nur zu ei nem sehr geringen Teil aus diretten oder den direkten gleich zu achtenden Abgaben. Aber nur diese zeigen eine gewisse Stetigkeit, wachsen mit der zunehmenden Bevölkerung; jene sind in ihrem Ertrag von den wechselnden Konjunkturen ab- Kingig^ Wenn Handel un^ Industrie stark beschäftigt sind.
Reform des Strafprozesses, einem Anträge des ^ep. mar Prof. Dr. von Liszt-Berlin nachzugeben. Danach soll eine Studienkommission nach England und Schottland zu Studienzwecken entsendet werden, um das gewonnene Material bei der Reformierung des Sttafprozesses zu verwerten. Die Kommission soll auch Dänemark und Schweden besuchen. Die Versammlung erklärte sich ferner für den Erlaß eines deutschen Reichs-Auslieferungsgesetzes. Der Vorstand wurde ermächtigt, diesen Beschluß dem Reichskanzler zu unterbreiten. Professor Frank aus Tübingen wurde beauftragt, einen Entwurf auszuarbeiten.
* Auk dem Delegiertentag des Reichsvcrbandcs der
Rom, 8. September. An Stelle des verstorbenen Gene, rals der Jesuiten P. Martin wurde zum Ordensgeneral P. Wernz, ein Deutscher, gewählt. Er war bisher Rektor der Gregorianischen Universität in Rom.
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Neuheiten der Saison
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* Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, wird Kolonial- orrektor Dernburg, der neue Leiter der Kolonialverwaltung, rn Kürze die Kolonien besuchen, um sich persönlich zu informieren.
* Die in Frankfurt a. M. tagende Landes-Versammlung ioer kriminalistischen Vereinigung beschloß zur Frage ^er
Jonathan.
in Hannover erstattete der Vorsitzende, )en Geschäftsbericht. Danach ist die 58 auf 64 gestiegen mit 10 113 Mit- beträgt 11, der Abgang 5 Vereine, ttzende eine kritische Besprechung der Haltung der ReichStagsfraktion recht- sführungen Abg. Bassermann und die gsfraktton Kammergerichtsrat Schiffer, nburg sollte ein Parteitag der mecklen- raten innerhalb der Landesgrenzen ungen von Mecklenburg-Schwerin und ben jetzt für den Bereich ihrer landes- Parteitag verboten. Dieser wird m.
it ihres Bestehens hat die Fahrkarten- sehen ist, dem Reichssäckel erhebliche :ößere Bahnhöfe haben 500 000 Mark Das genaue Ergebnis muß noch er-
Russland*
suchen die Bauern zur Zerstörung der ß eine allgemeine Hungersnot miaue* sgedehntc Unruhen werden die Folge risten sind überdies wieder kräftig an enden Meldungen zeigen:
7 . September. In der letzten Nacht e-Ofsizier in einem Wagen derStraßen- Tätern gelang es, zu entfliehen.
, 8. September. Hier wurden wegen )en Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch 't, von denen vier wieder entkamen. Man Plan seiner Villa und das gegen ihn een gefällte Todesurteil.
, 8. September. Ein an das deutsche Petersburg gehender Geldbrief mit cerklärliche Weise verschwunden.
September. Heute versuchten Revo- chen Verbrecher Pokotilow aus dem -gerichts zu befreien. Der Anschlag utionäre wurden verhaftet, Pokotilow ;urückgeführt.
September. Anläßlich der Verhaftung im es zwischen einer Volksmenge und 'nstößen. Das letztere gab mehrere Personen wurden getötet, zahlreiche
eine hübsche Reihe von Gewalttaten : beginnenden Beruhigung.
beiden Wochen wurden .3000 Ver- scher Vergehen vorgenommen. Alle t. — In der Staatsbank zu Wladi- ag von über hunderttausend Rubel Betrug erbeutet.
Hfriha.
immt eine alarmierende Nachricht aus Rogabor hat sich der Kalif Anfloos Lande niedergelassen und terrorisiert ie Europäer. Es heißt sogar, daß 'Uon ausgebrochen ist. Der Kalif stadt an, in welche sich der Gouverneur raten geflüchtet hat. Der französische n Tanger nach Mogador abgegangen, l Mächte haben bei ihren Negierungen egsschiffen beantragt.
Amerika.
lensschalmeien, die Präsident Palma Lage auf Kuba unverändert ernst zu en erringen Vorteile über Vorteile, gierung wissen lassen, daß er keinen n und die Feindseligkeiten nicht eher Regierung das Versprechen abgen i jedes Jahr und zwar im W
den. Die Streitkräfte Pino Gm, < 6 die Einwohner der Meinung sino, cht imstande sein, den Aufstand zu
—io als einzige Rettung: Bruder
Kleine politische Nachrichten.
Paris, 8. September. Der Minister des Innern Clemenceau erklärte, daß in Frankreich niemals eine Kirche gesperrt werden soll, solange er Minister sei. Er werde sich im vorkommenden Fall anderer Mittel bedienen.
Dos und Gesellschaft.
*** Zum 80. Geburtstag des Großherzogs vonDade^ war eine Deputation von 40 früheren Badensern aus Amerika eingetroffen. Sie wurden auf der Insel Mainau vom Groß. Herzog empfangen und überreichten als Geschenk ein Meister- stück der Feinschmiedekunst, ein großes reichgeschmücktes Etul aus Metall. In der kostbaren Hülle die kunstvoll gefertigte Huldigungsadresse, die sechshundert Unterschriften der dem Großherzogpaar huldigenden alten Badener enthält. — Die Stadt Konstanz und die anderen am badischen Ufer des Bodensees gelegenen Ortschaften veranstalteten eine glänzende Knnd- gebung. Am Abend verließen drei Festdampfer mit 1600 Personen Konstanz. Hunderte mit Lampions geschmückte Fischerboote umschwärmten das Hauptschiff der Stadt Konstanz,' auf dem ein Transparent angebracht war. Als die Schiffe vor der Insel Mainau angelangt waren, trugen die Männergesangvereine einige Chöre vor. Schloß Mainau erstrahlte in bengalischer Beleuchtung. Der Großherzog und die Großherzogin dankten für die Huldigungen durch Tücherschwenken.
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In Forti (Italien) istdiePrinzeffinFriederike
Wilhelmine von Hohenzollern,
Witwe des
Marchese Pepoli, g e st o r b e n. Die Verstorbene gehörte der älteren fürstlichen Linie des Hauses Hohenzollern an, war eine Tochter des Fürsten Karl von Hohenzollern-Sigmaringen und war am 24. März 1820 geboren.
*** Nach beendeter Knr ist König Eduard von England von Marienbad nach England zurückgelehrt und bereits in Windsor eingetroffen.
Soziales Leben*
X Städtische Rechtsauskunftsstelle. Infolge eines Be- 'chlusses der Stadtverordneten wird am 1. Januar 1907 in Luskirchen (Rheinland) für die unbemittelten Klassen eine öffentliche unparteiische Rechtsauskunftsstelle eröffnet.
X Deutsches Seekrankenhaus. An dem zum hamburgischen Amte Ritzebüttel gehörenden Sahlenburger Sttande wurde im Beisein der Behörden das erste deutsche Seekrankenhaus eröffnet. Es trägt die Bezeichnung „Nordheimstiftung", da rür seinen Bau und seinen Unterhalt anderthalb Millionen Mark aus dem Nachlaß des verstorbenen Markus Nordheimhamburg zur Verfügung gestellt worden sind. Dieses See- Hospiz ist ein wirkliches Krankenhaus an der See, das nur Mnder aufnimmt, die an ausgesprochener Skrofulose oder Tuberkulose leiden, und das während des Sommers und • Winters gleichmäßig betrieben wird.
X Boden-Reform. Der 16. Bundestag deutscher Boden- ceformer wird am 20. und 21. Oktober in Düsseldorf abgehalten werden. Oberbürgermeister v. Wagner aus Ulm wird aus der Praxis einer bodenreformerischen Gemeinde-Verwaltung sprechen; ferner werden behandelt die Reform des preußischen Bergrechts und das Thema „Baugewerbe und Bodenreform". In geschlossenen Mitgliederversammlungen soll eingehend über Fragen der Taktik und Organisation beraten werden. Die deutschen Vodenreformer versprechen sich von diesem Kongreß, der als erster im rheinisch-westfälischen Industriegebiet tagt, große Förderung ihrer Bestrebungen.
Kaisermanöver 1906.
PL Breslau, 8. September.
Es war zu erwarten, daß die gestrige Paradetafel dem Kaiser Gelegenheit zu einem Dank an die Armee geben würde, die im Begriff steht, auf historischem Boden den Manöver, kampf auszufechten. Dieser Dank ist denn auch erfolgt. Del Kaiser hat sein Glas den Regimentern geweiht, die vor ihn in Parade gestanden hatten und dabei u. a. folgendes geäußert: „Wer heute die seit 36 Jahren zum ersten Male auf Kriegs zustand gebrachten Bataillone im ehernen Tritt ihren iturmge. peitschten neuen Fahnen folgen sah, der konnte ermessen, das jedenfalls die letzten 10 Jahre Friedensarbeit nicht umsonst qe. arbeitet worden ist, und daß, soweit aus der Parade auf Ausbildung und Haltung der Regimenter zu schließen ist, das Korpr' in vorzüglicher Verfassung sich befindet. In ihm stehen Regt' menter mit hohen und herrlichen Namen, Chiffren ihres Königs tragend, vor allem das älteste Regiment der Armee, mein Leib- Kürassier-Regiment. Sie dienen iu Garnisonen auf historisct geweihtem Boden! So mögen denn die Regimenter des Korp( im Manöver zeigen, was sie auf der Parade versprochen haben Mir aber ist es eine besondere Freude, gerade in diesem Jahr, einen Beweis dafür zu besitzen, daß in meiner Armee frisch uni flott gearbeitet wird. Hundett Jahre sind es her, seit unter der furchtbaren Prüfungen, die der Himmel uns auferlegte, dar Vaterland zusammenbrach und die alte fridericianische Arme, zu Grunde ging. Der heutige Tag hat gezeigt, daß wir nicfji vergessen haben, daß wir arbeiten müssen, und daß, wenn wn Gelegenheit haben, das ^halten werden, was wir in drei Feldzügen versprochen haben.
General Woyrsch banste mit dem Gelübde, daß das VI. Armeekorps jederzeit und allerorts bereit sein werde, zu sterben mit dein Ruf: Seine Majestät der Kaiser und König, unser allergnädigster Kriegsherr, hurra l hurra! burra 1