Rr. 264.
Freitag, den 9. November 1906
15. Jahrgang
Gratisbeilage«: Oberhesfifche Familie«zeitv«g (täglich) und die Gieße«er Teife«blase« (wöchentlich).
I& z«t>aktisn u. HMchtexpebitioo: Gießen, Selters weg 83.
^er»sprecha«scht»ß Nr. 362.
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(Gießener Dngevtntt)
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lle L°*handh;iih Die Geburt des hessischen Thronerben
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für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; LokalauZeiger für Gießen und Umgebrmg. Enthält alle amtliche» BekarmtmachuHgen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Moglet M Hit im ganzen Lande lebhafte Freude wachgerufen, von SISS. Lottes j allen Seiten gingen Glückwünsche an daS hohe Elternpaar ab, die Zeitungen bringen warmgehaltene Artikel. DaS le TllsMl! w Fürftenkind, aus dem Hlssens Hoffnung ruht, ist der ^vers. inPostkE nste Thronerbe, der nach mehr denn Hundert Jahren als iJ^M I ßohn deS regierenden Landessürsten geboren wurde. Die jg^g^Mreube ist eine ungetrübte, da der Prinz und seine hohe EFffimjfr Mutter sich Wohlbefinden. Das zuerst herausgegebene
Metin lautet:
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Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin sind heute Vormittags 6 Uhr 30 Min. von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Ihre Königliche Hoheit, sowie der Prinz befinden sich wohl.
Happel Pfannenstiel.
DaS mittags ausgegebene Bulletin sagt:
Neues PalaiS, 12 Uhr 30 Min.
DaS Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und deS Erbgroßherzogs ist ein gutes.
Happel Pfannenstiel.
k Sehr hübsch feiert auch das Regierungsorgan, 2 „Turmftäder Zeitung" die Geburt deS Erbgroßherzogs
Ä folgendem Gedichte:
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Hessens erster Jubelgruß.
WaS will dieser Donner, was rufen die Glocken
Und klingen die Lieder im jubelnden Chor;
Im Lande der Katten welch helles Frohlocken, DaS dringt als Gebet zu dem Himmel empor?
WaS Hessen ersehnet in Hoffen und Bangen — „Gott schenk unS in Gnaden ein grünendes Reis!" — Gestillt und erfüllt ist das heiße Verlangen: Ein Sproß an der Eiche! Dem Himmel sei Preis!
Blick aus ihn, o Ew'ger, den Du uns gegeben, Beschütze das Reislein im Sturme der Zeit; Behüt und bewahre sein schlummerndes Leben, Mach stark es und tüchtig, zu Hohem bereit:
Daß treulich es wandle den Weg seiner Ahnen: Stets mit seinem Volke und für eS zugleich, Damit unser Hessen auf glücklichen Bahnen Bleib würdiges Glied am gewaltigen Reich!
O Himmel, zum Glücke die Schritte ihm lenke!
Noch wacht an der Wiege der tapfere Leu: Das Hessenvolk, das ihm zum Patengeschenke Ein Kleinod bewahret: die hessische Treu!
Nainz, den 8. November 1906.
*
Philipp See.
Aul begaeole
Vom Gesamtkirchenvorstand Gießen ist folgendes Telegramm abgegangen :
Ew. Königl. Hoheit übermittelt die evangelische Kirchliche Vertretung der Provinzialhauptstadt Gießen die herzlichsten und untertänigsten Segenswünsche zur Geburt des Erbgroßherzogs. Gott schütze und segne das Groß- herzcgliche HauS und unser Hessenland!
Der Gesamtkirchenvorstand Gießen: I. V. Euler. Dr. Cäsar.
♦
Aus die Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog überlebten Glückwünsche der Provinzialvertrelung der Provinz Oberhessin^erhielt der Provinzialdirektor folgendes Telegramm:
Darmstadt, den 9. November 1906.
Geheimrat Dr. Breidert Gießen.
3n der Großherzogin und meinem Namen danke ich herzlichst für die treuen Glückwünsche des Provinzialtags und des Provmzialausschusses der Provinz Oberhessen.
Ernst Ludwig.
Sofort nach Bckonnlwerdtn der frohen EreignisfeS hat mch der Kommandeur unseres Regimenter, Oberst von
ZlnaöhÄtgig« Tageszeitung
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Lindenau, telegraphisch die besten Glückwünsche im Namen des Regiments nach Darmstadt gesandt. Daraufhin ging heute Vormittag folgende Antwort ein:
Für die guten Wünsche, die Sie und Ihr Regiment uns zum Ausdruck gebracht haben, danke ich auch im Namen der Großherzogin wärmstens.
Ernst Ludwig.
Am Abend fand im Offizierskasino eine größere Festversammlung statt, in deren Verlauf ^nachstehendes Telegramm an Seine Königl. Hoheit den Großherzog zur Absendung gelangte:
An Se. Königliche Hoheit den Großherzog von Hessen und bei Rhein
Darmstadt.
Ew. Königl. Hoheit und Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin erlauben sich die anläßlich der Geburt des Thronfolgers im Offizierkasino festlich versammelten Vertreter der Behörden, Universität, Stadt und Garnison in tiefster Ehrfurcht und Liebe die aufrichtigsten Glückwünsche alleruntertänigst zu Füßen zu legen.
Breidert. Bostroem. Emmelius. v. Lindenau.
♦
Aus das vom Oberbürgermeister Mecum namens der Stadt Gießen abgesandte Glückwunschtelegramm lief folgende telegraphifche Antwort ein:
Oberbürgermeister Mecum, Gießen.
Für die treuen Glückwünsche ver Stadt Gießen sage
ich herzlichen Dank.
♦
Ernst Ludwig.
Auf ein von dem Bureaupersonal Großh. Kreisamts Gießen gestern an Seine Königliche Hoheit gerichtetes Glückwunschtelegramm traf folgende Drahtantwort ein:
Darmstadt, 8. November 1906, 4 Uhr 56 Min. N.
KreiSamt Gießen.
Dem Bureaupersonal lassen Seine Königliche Hoheit für die freundlichen Glückwünsche bestens danken.
Hofmarfchallamt.
Der Großherzog hat aus Veranlassung der gestern erfolgten glücklichen Geburt des Erbgroßherzogs der Heidenreich von Sieboldschen Stiftung für arme Wöchnerinnen den Betrag von 5000 Mk. gespendet.
*
Hoffen wir denn, daß alle Wünsche und Hoffnungen sich erfüllen, damit der Erbprinz dermaleinst mit kräftiger Hand das Werk unseres Großherzogs fortführen kann, dem Lande zum Wohle, der Menschheit zum Vorbilde.
Regierungskrise in Resten.
Rascher als man erwarten konnte, hat der national- liberale Protest gegen die Bestätigung E'ßnerts die erste seiner Wirkungen gezeitigt: die regierungSoff^iöfe „Darmst. Zeitung" brachte das schon gestern mitgeterlte Demissionsgesuch des hessischen Ministeriums.
Eine eilfertige Presse, so schreibt das „Wormser Tagebl." Hat diesem Rücktrittsgesuch soviel Bedeutung beigelegt, daß sie z. B. in Worms auf roten Extrablättern diese sensationelle Nachricht dem staunenden Publikum mitteilte. Wir nehmen daS Gesuch ebensowenig tragisch wie seine Ablehnung; beides war für taktvolle Minister und für einen vornehm und vorurteilsfrei denkenden Landesherrn selbstverständlich, nachdem die nationalliberale Partei deS Landes, auf die sich, wie Graf Oriola am Sonntag in Darmstadt sehr richtia sagte, Regierung, Großherzog und Reich doch zuletzt verlassen müssen, dem jetzigen Ministerium weaen seiner Behandlung einer wichtigen Angelegenheit ein scharfes Mißtrauensvotum glaubte auSsprechen zu müssen. Wir fassen das Entlassungsgesuch/aber als rein formelles auf, als ein Ersuchen an den Großherzog um ein Vertrauensvotum, das dieser trotz des nationalliberalen Protestes unmöglich einem Ministerium versagen konnte, mit dem er in der fraglichen Angelegenheit einer Meinung war. Bedeutet demnach das Demiffionsgesuch einen selbstverständlichen Erfolg der nationalliberalen Kundgebung, so ist in seiner
(Gießener Beitunfl)
Ablehnung keiueèwegS fine Unterschätzung der Bedeutung dieses Protestes zu erblicken. Mimfttr ruft und entläßt man nicht wie Schulbuben Der Großherzog kann nicht anders handeln, als dem Ministerium Gelegenheit zur Verteidigung seiner Politik und zur Rechtfertigung seiner Haltung in der BestätigungSfrage zu geben. DaS aber kann nirgends anders geschehen, als in der Kammer vor den berufenen Vertretern des hessischen Volkes. Vor dem Zusammentritt deS Landtages von einer MinisterknsS zu reden, wäre darum durchaus falsch. In der Kammer erst wird eS sich zeigen, ob die nationalliberale Stellungnahme zum Falle Eißnert einseitige Parteiauffassung ist, ob der Protest einer künstlich erregten Mißstimmung gegen das Ministerium entsprang, oder aber ob die nationalliberale Kundgebung der Ausdruck einer Meinung war, von der die bürgerlichen Kreise mit Ausnahme der politischen Eigenbrödler spontan ergriffen find.
Wir bedauern eS, daß das Verhältnis unter den liberalen Parteien in Hessen sich durch den Fall Eißvert in einer Weise zugespitzt hat, die der erstrebenswerten liberalen Annäherung nicht förderlich sein kann. Aber in diesem Falle blieb, so schreibt weiter daS „Wormser Tagebl.", der national- liberalen Partei keine andere Möglichkeit zu zeigen, daß sie in nationalen Dingen keinen Spaß versteht.
politische Rundschau.
Deutsches Kelch»
* Der Handelsvertrag des Deutschen Reiches mit bei Republik Guatemala, der bereits einigemale gekündigt worden war, soll weiterlaufen. Die Regierung von Guatemala hcck sich damit einverstanden erklärt, daß dieser Vertrag, der vom 20. September 1887 datiert, bis zum 15. März 1911 weiter- läuft.
* Die in den letzten Tagen umlaufenden Gerüchte über eine teilweise Amts-Entlastung des Reichskanzlers werden halbamtlich wie folgt dementiert: „In verschiedenen Blättern ist von Plänen zur Entlastung des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten Fürsten von Bülow die Rede. Es heißt, daß ein Vizekanzler eingesetzt oder daß das Präsidium des preußische« Staatsministeriums von dem Reichs kanzleramt getrennt werden solle. Wir können versichern, daß an keiner maßgebenden Stelle solche Pläne gehegt werden."
Anscheinend im Gegensatz zu dieser Verlautbarung bleiben einige Berliner Blätter bei der Behauptung von einer KanzkerkrisiS. Als Nachfolger des Fürsten v. Bülow wird Helmuth V. Moltke, der Chef des Großen Generalftabes genannt. Von anderer Seite werden diese Gerüchte bestritten. Dagegen scheint der Rücktritt des preußischen. Landwirtschaftsministers V. Podbielski Tatsache zu sein, wie folgende Meldung aus Berlin zeigt:
„Nach hier verbreiteten Gerüchten ist die Enthebung des Llmdwirtschaftsministers v. Podbielski vom Amte auf seinen Antrag erfolgt."
* Dem Bundesrat wird in Kürze eine Reichsgeschnovelle rur Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen zur Beschluß- sassung vorliegen. Die in dem Entwurf vorgeschlagenen Aenderungen des bestehenden Gesetzes beziehen sich besonders auf eine erhebliche Erweiterung der Befugnisse der Veterinärpolizei. Ferner sollen diejenigen Seuchen, welche erst in den letzten Jahren wissenschaftlich in ihrem Wesen festgesteüt worden find, ebenfalls in das Gesetz ausgenommen werden, so die Rindertuberkulose, die Schweineseuche und die Geflügel- cholera.
* Mit Rückficht auf die Zunahme der Bevölkerung hält der preußische Kultusminister eine Vermehrung der Mothekcu für angemessen. Der Minister hat die Oberpräsidenten darauf hingewiesen, die Regierungspräsidenten um entsprechende Maßregeln zu ersuchen.
* In Berlin tagte Mittwoch der Zentralverband für Hebung der dentschen FInß- nnd Kanalschiffahrt. Die Versammlung beschäftigte sick mit der von der Regierung vorgeschlagenen Schaffung von Landeswasserstraßen beträten und forderte beim Bau des Großschiffabrtsweges Berlin-Stettin die Anlage möglichst großer Schleusen.
* In den Räumen des Reichsgejundheitsamtes ist gestern das „Deutsche Weinparlament" zw'ammengetteten. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich, siebzig Vertreter der einzelnen Bundesstaaten. Regieintngskommissare, wissenschaftliche Fachmänner und Vertreter solcher Anstalten, die mit der Ueberwachung des Werkverkehrs betraut sind, sowie eine Anzahl Vertreter des praktischen Weinbaues und Weinhandels nehmen daran teil Im Vordergründe der Beratungen stehen die im Reichstage wie in den einzelnen Landtagen laut gewordenen Wünsche nach einer Beschränkung des bei der Weinbereitung rugelaffenen Zuckerwasserzusatzes und einer einheitlichen, wirksamen Gestaltung der Kellerkontrolle-
Oesterreich-Uti§ame
** Die kaum begonnene Wahlreformdebatte im Ab-