Nr. 237
Dienstag, den 9. Oktober 1906
15. Jahrgang
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1906.
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oder sonstiger Verwaltn» Verwalter statt des Elp cantwortlich (Artikel 85 K Gemeinde Gießen seine ch' ecändert unter Angabe de ezogenen Wohnung insm ch den nach 4 zunächst^ 10 Tagen nach der Wo^ Gesetzes vom 4. Dez. Ml | ibere bei sich in Schläfst^ ahme binnen 24 Stuck' ,es). __________
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M Oberhesim und die Kreise MarbRrg und Wetzlar; LokKlKmeiger für Gießen und Umgehm «H,. an, Blicken Brk«nntma<bn«aen der Großd. Bürgermeisterei Gießen, des «Mb. PnLi^einmre« W^n ^b an^r-r ^^n n-i ^^'â
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Lesebuch, 1 Samen* * Arbeitsbeutel, 1 Paa^ . r und 1 Brille.
Portemonnaie, braun «i Schlüssel» und ca. 1M* ehernes $»rtc”Dn* 1 Fünszigmarkschew * jieumtanfapparats. rL«-Ä Miriam« •W' |
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fraucn-fragen.
Der Bund deutscher Frauenvereine hält augenblicklich in Nürnberg seine 7. Generalversammlung ab. Bundesvereine aus allen Teilen Deutschlands haben ihre Delegierten geschickt, die berichten sollen, was seit dem Berliner Kongreß von 1905 in ihren Kreisen geleistet und was angestrebt worden ist. Ferner sollen Anregungen ausgetauscht werden über Dinge, für die die Initiative der Einzelvereine nicht ausreicht und die Energie des Bundes eintreten muß.
A c Reform der höheren Mädchenschule, die im Vorjahre auf dem Berliner Kongreß lebhaft diskutiert wurde, hat Dank der rührigen Arbeit der Lehrerinnenvereine, die die Kaiserin für ihre Pläne zu interessieren wußten, erfreuliche Fortschritte gemacht. In weiteren Kreisen ist das Verständnis dafür geweckt worden, daß die zum großen Teil zur Berufsarbeit erzogenen Mädchen für ihren Lebensweg etwas mehr als den üblichen ästhetischen Gesinnungsunterricht brauchen. Die Forderungen zur weiteren Reform der höheren Mädchenschule wurden in eine Resolution zusammengefaßt, die für Mädchen zur Erlangung der Nniversitätsreife im wesentlichen eine Gleichstellung des Lehrganges mit dem der Gymnasien und Realgymnasien verlangt, ferner einen gleichwertigen Lehrgang in allen anderen höheren Mädchenschulen mit dem in den höheren Knabenschulen. — Mit der Einführung von obligatorischen Fortbildungsschulen für gewerbliche Arbeiterinnen hat sich die Arbeiterinnenschutz-Kommission beschäftigt. Positive Erfolge sind auf diesem sehr wichtigen Gebiet noch nicht gezeitigt worden. Da der gewerblichen Arbeiterin aber nach der Uebereinstimmung aller mit den Verhältnissen betrauten Personen nur damit zu helfen ist, daß man sie allnrählich aus der ungelernten Hilfsarbeiterin für die verschiedensten Industriezweige zur gelernten Qualitätsarbeiterin für ein bestimmtes Arbeitsgebiet macht, wurde beschlossen, in der Verfolgung a^er dahin zielenden Arbeiten fortzufahren.
Der Wohnungshygieneistvon derselben Kommission vielAuf- merksamkeit geschenkt worden. Hier hatten die Frauen ein Feld nutzbringender Tätigkeit; denn vielen Uebelständen konnte durch verständigere Anordnung, durch sanitäre Aufklärung abgeholfen werden. Einer fleißigen Agitation für Anti-Alkoholismus ist es gelungen, daß der Herzog von Sachsen-Meiningen für sein Land die obligatorische Einführung des Anti-Alkohol-Unterrichts angeordnet hat. Die Errichtung alkoholfreier Gasthäuser ist in ständiger Zunahme begriffen.
Von eingehenden Vorarbeiten zeugen die Vorschläge zur Revision des Strafgesetzbuches. Verlangt werden besondere Kinder-Gerichtshöfe, die aus einem Kollegium von Männern und Frauen bestehen. Frauen sollen als Laienrichter, ebenso wie die Männer, herangezogen werden; die gerichts- oder po'izeiärztliche Untersuchung von Frauen soll durch weibliche Aerzte geschehen. Das Strafmündigkeitsalter soll auf 16 Jahre er' ht, das Scbutzalter weiblicher Personen auf 18 Jahre heraufgesetzt werden.
Alle Souderbestimmungen für Frauen — nachteilige, wie solche, die ihnen als geringwertig scheinbar günstig sind, — sollen aufgehoben werden. Aufgehoben soll auch die Todesstrafe werden, da einmal von Aufhebungen die Rede ist. Wie in der Stille gearbeitet wird, zeigen die Berückte aus Bremen. Die Fürsorgetätigkeit der Frauen an jugendlichen Verbrechern bat sich dort io aut bemährt. dasi sie von den Behörde
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Nachdruck verboten.
Kreuz uw quer durch Giessen.
In unsrer guten Musenstadt, — die jetzt so saub're Straßen hat, — ist's wahrlich eine Lust zu sein; — und dann, tut's erst ein bischen ichnei'n — bann frieren, regnen und aufthau'n — wie wird das höchlich uns erbau'n! Wir nehmen Alles gar nicht krumm — wir find ein harmlos Publikum, — wir lassen Alles mit uns machen, — und wären's selbst die tollsten Sachen, — wir halten still uud mit Vergnügen — genießen wir in vollen Zügen — komm' es, wies mag, ob Lust ob Leid — die wonnevolle Winterszeit ! — Viel neues ist nicht zu berichten — doch find es sicher uns're Pflichten — an manch' Geschehnis doch zu denken, — des Lesers Sinn darauf zu lenken. — So hat man jüngst zu Grab getragen — ein Mann, der starb in Herbstestagen; Friedrich von Trais war er geheißen — und diese sollen preisen, — den
WrtaSSängigk Hagtszeitung
erkannt und gefördert wird. Es werden jetzt in vielen Großstädten Frauen zur Uebernahme von Vormundschaften offiziell ersucht. Die Einführung von besoldeten Waisenpflegerinnen in Hamburg hat sich bestens bewährt. Das Verlangen nach einer Mutterschaftsversicherung fand allgemeine Zustimmung. Der von Frau Fürth-Frankfurt a. Main eingebrachte Antrag will alle Personen weiblichen Geschlechts mit einem Familieneinkommen unter 3000 Mark versicherungspflichtig machen. Die Versicherung soll eine Arbeitsruhe von 4—6 Wochen vor und von 6—8 Wochen nach der Niederkunft vorsehen, bei einem Wöchnerinnengeld in höhe des Durchschnittsverdienstes. Als Träger der Der- Scherung, die den Krankenkassen angegliedert werden soll, find vorgesehen die Versicherungspflichtigen, die Krankenkassen, Arbeitgeber und Kommunen, die Alters- und Invaliditäts- Versicherung und das Reich. Die Beseitigung der rechtlichen Ausnahmestellung der unehelichen Kinder, die an dieser Stelle mitgefordert wurde, gehörte wohl besser zu den Vorschlägen der Rechtskommission. In der geplanten Mutterschafts- Versicherung konnte doch eine solche Forderung nur auf die materielle Seite der Versicherungsgleichheit angewandt werden.
Wenn auch hier und in einigen anderen nicht einzeln aufgeführten Forderungen das richtige Maß noch nicht eingehalten worden ist, so sieht man doch überall so viel sicheres Streben, so ernste, ruhige Arbeit, daß man der Weiterentwickelung der Bewegung mit Vertrauen entgegensetzen kann. Es sind so viele Kräfte selbstlos bemüht, anderen fortzuhelfen, und dem kommenden Geschlecht die Wege zu ebnen, daß man ihnen Bewunderung nicht versagen kann. Auch der praktisch« Erfolg wird bei fortgesetzter Klärung und Selbstbeschränßm^ tucht ausbleiben.
Der Kongreß der Kadetten.
WL Helsiugfors, 7. Oktober.
Ist die russische Revolution tot? — Die uneingeschränkte Beantwortung dieser Frage mit „Ja" würde zu weit gehen. Dennoch läßt sich nicht bestreiten, daß tatsächlich die Aktionsfähigkeit der revolutionären Elemente auf einem Tiefstand angelangt ist, der durch die Häufung politischer Gewalttaten und Unternehmungen gegen höhere und niedere Beamte vielleicht nur gekennzeichnet wird. Denn die aKerortâ' noch vorkommenden Untaten tragen zu sehr den Stempel der Zerfahrenheit, der unüberlegten Handlungsweise Einzelner, um den Eindruck zielbewußten Vorgehens zu erwecken. Die Regierung hat im Augenblick vei der unzweifelhaft eingetretenen Stärkung ihrer Position gegenüber der revolutionären Propaganda in ganz anderer Weise als vor einigen Monaten Gelegenheit, durch positive Reformen ihre moralische Stellung zu befestigen. Denn das Volk ist müde des ewigen Blutvergießens, die Arbeiter wollen weder in einen Generalstreik eintreten, noch gegen die Paläste marschieren. Entmutigung auf der ganzen Linie in den radikal-oppositionellen Kreisen, das ist die Signatur der augenblicklichen Lage.
Diese Stimmung kam auch auf dem augenblicklich hier tagenden Kongreß der Kadetten, d. h. der konstitutionell demokratischen Partei, 311m unverkennbaren Ausdruck. Der Kongreß sollte zuerst in Petersburg abgehalten werden, wurde aber dort verboten und wandte sich nach hier, nach Rinfanh
Dichter, der es wohl verstand, — manch' Herz in unserm Hessenland — durch Wetterauer Sang und Klang — Hoch zu erfreu'n in stillem Drang. — Nun wird sein Grab vom Reif betaut, — verstummet die Lieder, froh und traut, — doch bleibt sein Name unvergessen — im Herzen aller treuen Hessen. — Was er dem Volke schaffend gab, — legt ihm den Lorbeer auf sein Grab! — So reißt hinweg Mutter Natur — gar manchen von des Lebens Flur, — der es in diesem Erdenwollen — sich ließe gerne noch gefallen; — doch schenkt sie auf der Lebensreise — auch hohes Alter manchem Greise. — Wir haben hier in unsrer Mitten — Einen, der lang schon überschritten — die „Hundert, — kürzlich auch noch „ein", — drum wollen wir ihm heute weih'n — an dieser Stelle ein Gedenken, — mög' ihm der Himmel förder schenken — in Güte noch der Jahre viele — eh' er am End' des Lebens Ziele! — Um uns des Winters kleine Plagen — zu^lindern, helfen zu ertragen, — Erschloß man des Theaters Pforten, es regt die Kunst sich allerorten; — es singt und klingt in allen Ecken — im Winter heit're Lust zu wecken — Und Fest reiht sich an Fest in Kürze — das ist des Daseins schönste Würze! — Zu Gott und auch des Nächsten Ehren — wirken allhier zwei Feuerwehren, — die rastlos, unermüdlich üben — zum Schutze vns'rer Stadt, der lieben; doch jüngstens war bei einer Uebung — zu aller Wehrmänner Betrübung — die große Leiter so vermessen, — sich ganz und garnicht zu vergessen, — daß sie in trägem StiUvecharren — sich weigert' mit nach Haus zu fahren, das war gewiß
(Hietzener Aeitungr
um zu den Zeilsragen Stellung zu nehmen. Schon aus der Eröffnungsrede des Vorsitzenden Fürst Dolgorukow klang ein elegischer Ton. Er glaubte die 171 Delegierten begrüßen zu müssen, wenn auch die Tagung nicht aus front Boden der Heimat stattfinden könne. Unentwegt müsse man trotz aller Hindernisse an die Entwickelungsfähigleit des konstitutionellen Gedankens glauben. Der Delegierte Nabokow erklärte, die Duma habe ihre Kräfte überschätzt und dadurch ihre Niederlage hervorgerufen. Andere Redner besprachen den Wyborger Aufruf, den die Mitglieder der Duma nach der Auflösung verfaßten. Der Aufruf sei historisch und politisch notwendig gewesen. Seine Leitidee sei streng konstitutionell, der empfohlene passive Widerstand der teste Weg zur Wahrung der Volksrechte, wenn auch vorläufig nur ein Mißerfolg eingetreten sei.
Di^ Kadettenpartei, sagte der Deputierte Miljakow, sei nicht revolutionär, sie beabsichtige kein -aktives Vorgehen. Für den Erfolg der Ideen des Wyborger Aufrufes sei sehr wenig getan worden, und das Wenige nicht von den Kadetten, welche kein moralisches Recht besäßen, das Signal zu gebem Erst wenn der Existenz der Volksvertretung unabwendbare Gefahr drohen werde, sei der Augenblick gekommen, dieses Signal zu geben. Man könne nie 3 weiter tun, als sich auf die bevorstehenden Dumawahlen -bereiten. Das Wahlprogramm sei gegeben: „Revision der Grundgesetze auf legislativem Wege".
Alan will also im demnächstigen Parlament seine Ansprüche geltend machen. Damit ist die Unterwerfung unter die Taktik der Regierung eigentlich vollendet — denn etwas anderes sagte diese auch nicht in ihrem Auflösungsdekret. Die bisherige Duma, mit der die Regierung nicht verhandeln konnte, soll ersetzt werden durch eine verständigere und maßvollere Duma.
Dieses Verlangen der zarischen Regierung wird von den Kadetten anerkannt durch ihre Stellung zur Wahlfrage. Der Sieg bleibt also bei den Verteidigern der jetzigen Ordnung, sie haben sich nichts abtrotzen lassen. Das alte Regime hat sich stark genug erwiesen, um dem Ansturm standzuhaltcn, der seit Beendigung des japanischen Krieges gegen seine Grundvesten tobte. Das Volk ist erschreckt und erbittert gegen die unter dem Deckmantel politischer Beweggründe sich bergenden Verbrechen und sehnt sich' nach Ruhe. Zwar haben die Revolutionäre in der Schreckenszeit vom Februar 1905 bis zum Mai 1906 34 Generalgouverneure oder Polizeipräfekten, 38 Polizeimeister oder deren Adjunkte, 204 Polizeioffiziere und Unteroffiziere, 206 Schutzleute, 184 Gendarmerieoffiziere getötet oder schwer verletzt. Aber die gefallenen Beamten sind durch andere erseht worden, und das Ministerium Stolypin hält die Zügel straffer in den Händen — die Revolution ist nicht tot, aber geschwächt und entmutigt. — Wenn vie Männer am Ruder mit weiser Einsicht das unbedingt notwendige Maß an politischen Freiheiten freiwillig geben, entziehen sie dem gewaltsamen Umsturz manchen Fußbreit Landes. Die Entschließungen in Petersburg bestimmen vorläufig den Gang der Ereignisse — im guten wie im bösen. Das ist der Stand der Dinge, wie er deutlich auf dem Kongreß der Kadetten gekennzeichnet wurde.
nicht sehr gebührlich — von ihr und sie bekam natürlich — vom Kommandanten ihre Rügen — und ausgeschlossen vom Vergnügen — im neuen Saalbau, mußt sie trauern — im Turmhaus tief ihr Tun bedauern ! — Mit hoher Freude konstatieren — nun alle, die da Wagen führen, — die beim Kutschieren noch was denken — und auf ihr Augenmerk hinlenken — zu den bekannten Warnungszeichen — die mahnen, recht hübsch auszuweichen, — und auch recht Vorsicht zu bewahren — und recht schön stets im Schritt zu zu fahren — die all' befolgen diese Weisung — damit es nicht kommt zur Entgleisung, — die alle künden's laut und offen: — die richt'ge Schrift sei jetzt getroffen, — die früh'ce sei es nicht gewesen, — die neue könne man doch lesen’ — So bat ein Fingerzeig genügt — mit einem Hinweis ganz vergnügt — Jetzt prangt die Schrift klar w!e ein Stern, — das freut die „Gießener Latern." Württemberger.
Briefkasten der „Latern."
Herrn R. W. hier. Der Verfasser des s. Zt. veröffentlichten Gedichts „die Ferschteredd" sind wir nicht. Wir hatten dieses einer deutsch-amerikanischen Zeitung entnommen, doch ist mit Gewißheit anzunehmen, daß es von einem Gießener herrührt. —
Willi H. hier. Sie wollen wissen, woher die betr. Verse stammen. Sie finben solche im Deutsch- Amerikanischen „Skizze-Bichelche" von Georg Osmus aus Gießen, der vor einiger Zeit in Amerika gestorben ist. Z