Hue den Parlamenten.
Schluß Leè badischen Landtag«. Im Auftrage des Groß- berzogs wurde der Badische Landtag durch eine Amprache Lg Staatsministers Freiherrn von Duich geschloßen. In der Abschiedsrede wurde auf die befriedigende Gestaltung der Verhältnisse zwischen Reich und Einzelstaaten hmgewresen.
bine neue Partei in Amerika.
(Sonder-Bericht.) Wm. Newyork, L August.
Zwei große Parteien stehen bei uns einander gegenüber • die Demokraten und die Republikaner. Die Parteibezeichnungen drücken nicht das aus, was man in Deutschland darunter verstehen würde. Die demokratische Partei entspricht ungefähr der konservativen in Deutschland. Natürlich mit gewissen Unterschieden. Seit beinahe einem halben Jahrhundert, mit nur einer ganz kurzen Unterbrechung, sind in den Vereinigten Staaten die Republikaner an der Regierung. Die Demokraten haben es nicht verstanden, sich populär zu machen oder die ihnen einmal zugefallene Popularität zu erhalten. Auch haben sie das Mißgeschick gehabt, sich mit den Freunden der Silberwährung zu identifizieren, und das ist ihnen übel bekommen. Die Entwicklung der politischen Parteiverhältuiye in den Vereinigten Staaten hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der Entwicklung der Parteien in England. Auch in England hat es seit dem Bestehen der Magna Charta nur zwei Parteien gegeben: die Whigs und die Torries, die einander in der Regierung ablösten. Da beide Parteien den höchsten Wert darauf legten und legen mußten, regierungs fähig zu sein, so wurden sie mit der Zeit einander sehr ähnlich, so daß es schließlich eine Mittelschicht gab, die der einen Partei ebenso gut angehören konnte, wie der andern, und ihre Wahl in der Hauptsache nach Familienttadittonen traf.
Aber ungefähr gleichzeitig hat sich in England, wie in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Partei aufgetan, eine Arbeiterpartei. Bei den jüngsten Wahlen zum englischen Unterhaus sind Abgeordnete in nicht unbeträchtlicher Zahl gewählt worden, die zwar mit den Liberalen zusammengingen, aber gleichwohl sich ausdrücklich Arbeitervertreter nannten. Dank der ungewöhnlichen Größe des Sieges, den die englischen Whigs bei den vorigen Wahlen davongettagen haben, besitzen sie im Unterhaus, auch ohne die Arbeitervertteter, eine sichere und geschlossene Mehrheit. Doch dieses Zahlenverhältnis kann sich über kurz oder lang ändern. — Man darf übrigens Arbeitervertretung nicht für identisch mit Sozialdemokratie halten; das ist weder in England noch in Amerika der Fall. In England hat die Sozialdemokratie unter den Arbeitern nie Boden zu gewinnen verstanden, und in den Vereinigten Staaten rekrutiert sich ihre Anhängerschaft zum größten Teil aus Zuzüglingen.
Die amerikanische Arbeiterpartei hat sich bis vor kurzem selbst als unpolitische Partei betrachtet und ausgegeben. Ihre Organisationen beschäftigten sich ausschließlich mit Arbeiterfragen und lehnten sogar die Erörterung jeder politischen Frage ab. Vor wenigen Jahren erst fügte es ein Zufall, daß in Kalifornien ein Streik der Eisenbahnleute zu einer Teilnahme der Arbeiter an den Kommunalwahlen führte und im ersten Anlauf einen der ihrigen zum Bürgermeister machte. Der Versuch wurde an mehreren Stellen erneuert, fast überall mit dem gleichen überraschenden Ergebne. Nun kam der Appetit beim Essen. Die Führer der Arbeiterpartei gaben ohne alles Zögern ihren unpolitischen Charakter auf. Anlaß oder Vorwand für sie bot sich darin, daß gewisse Sozialgesetze der Union — z. B. der Maximalarbeitstag — in der Praxis nicht innegehalten wurden. Präsident Roosevelt hat sofort verfügt, daß die Sozialgesetze aufs genaueste beobachtet werden sollten. Darin spricht sich sicherlich zunächst der gesetzliche Sinn des Präsidenten aus, zugleich aber doch wohl eine gewisse Besorgnis davor, daß die Arbeiterpartei ein allzu starker politischer Faktor werden möchte.
Noch einmal: die sozialdemokratische Partei ist mit der Arbeiterpartei in den Vereinigten Staaten durchaus nicht identisch. Im Gegenteil. Die Sozialdemokraten behaupten, daß die Arbeiter in ihnen schon eine politische Vertretung hätten, und daß eine zweite Vertretung nur eine Störung bedeute. Einstweilen wollen die Mitglieder der Arbeiterpartei das noch nicht einsehen und aller Wahrscheinlichkeit nach werde« sie sich gegen diese Einsicht auf die Dauer ablehnend verhalten, Doch auf die Gesetzgebung der Vereinigten Staaten werde« die Arbeiter Einfluß zu gewinnen suchen, und wahrscheinlich wird ihnen das in höherem Maße gelingen, als den Republb kauern und den Demokraten lieb sein mag.
Russische fraucn.
(Sonder-Bericht). Petersburg, 7. August.
In der Revolutionsbewegung, die seit Jahren Rußland in Atem hält, spielt die Frau eine nicht unbedeutende Rolle, allerdings weniger die Frau der Gesellschaft, als die Studentin und teilweise die Frau aus dem Bürgerstande.
Man muß hier drei Klassen von Frauen unterscheiden, die in der Lebensführung sich ganz bedeutend von einander unterscheiden: Adel, Bürgerstand und Bauerschast. Die Töchter des Adels werden von ausländischen Gouvernanten erzogen und reisen bis zum elften Lebensjahre mit ihren Eltern von einer Großstadt zur anderen und von Seebad zu Seebad. Dann treten sie in eines der Institute für adlige Töchter ein und bleiben daselbst bis zum Alter von 18 Jahren. In diesen aristokratischen Instituten ist das Leben ebenso streng wie in einem Kloster. Wenn das junge Mädchen endlich wieder heraus darf, sehnt es sich nach Freiheit und nach Unabhängigkeit. Seine erste Emanzipattonstat ist, Zigaretten zu rauchen und französische Romane zu lesen. Dann wird es von seiner Familie bei Hof vorgestellt, und man bemüht sich, für die vollendete junge Dame entweder eine Stelle als Hofdame zu erlangen oder sie zu verheiraten. In dieser Gesellschaftsklasse verheiratet man sich gewöhnlich mit 18, spätestens mit 23 Jahren. Mit 25 Jahren wird es schon schwerer. Nach ihrer Verheiratung hat die junge Russin das Bestreben, sich gründlich zu vernachlässigen. „Wozu soll ich mich schön machen? Ist doch nur mein Mann da, der mich bewundern könnte!" — und sie verwendet keine Sorgfalt mehr n"; ihre Toilette und auf sich selbst. Sie ist dazu gewöhn! noch eine schlechte Hausfrau, und darin liegt zum Teil die Ursache so vieler „Unglücksehen" in den hohen Kreisen.
Die Töchter des reichen Bürgerstandes werden in den Regierungsschulen erzogen und heiraten, wenn sie eine gute Mitgift haben, leicht in den Adel hinein. Was die Töchter der vermögenslosen Beamten und Militärs betrifft, so rekrutiert sich aus ihnen die Elite der (Stubentinnen und der Revolutionärinnen. Sie verheiraten sich schwer, und die Gehälter der Frauen, die im Post- oder im Eisenbahnfach tätia, sind,
sind so schlecht (sie betragen höchstens 50 Mark für den wconar), daß sich kein gebildetes Mädchen um eine solche Stellung bewirbt. Da diese Mädchenklasse also von einem normalen und friedlichen Leben nicht viel zu erwarten hat, führt sie ein Leben, in welchem nur der Zufall regiert. Einige dieser Mädchen haben ein unbestimmtes Ideal von künftigem Glück für ihr Vaterland.
Die Frauenemanzipatton hat bis jetzt in Rußland auf dem Gebiete der Literatur und der Kunst noch keine geistig hervorragende weibliche Persönlichkeit hervortteten lagen. Zu erwähnen wären höchstens Hermione von Poltoralsty, Nadedia Jakowlew und die Fürstin Meschtschersky, die alle französisch schreiben. In der Politik haben sich etliche junge Frauen durch ihre fortschrittlichen Ideen und durch ihren Mut hervorgetan. Die russische Studentin ist, alles in allem, noch der sympathischste weibliche Typus ihres Landes.
Man bewundert die Selbstverleugnung, mit der diese jungen Wesen sich für die Freiheitsidee einsetzen und kann ihn n die Sympathie selbst da nicht versagen, wo sie sich auf gefährliche oder falsche Bahnen begeben. S. M.
Ptab und fern.
^.Zng-Entgleisuna. In Bahnhof Blankenburg bei Berlin fuhr ein Güterzug auf einen andern dort haltenden auf. Der Zugführer und der Lokomotivführer des ersten Zuges wurden leicht verletzt. Der Zusammenstoß ereignete sich, weil der auffahrende Zug das auf Halt stehende Einfahrtsignal nicht beobachtet hatte.
f In einer Regentonne ertrunken. In einem Lauben- arundstück bei Charlottenburg war ein vierjähriges Mädchen beim Spielen in eine gefüllte Regentonne gefallen und konnte nur als Leiche aus der Tonne herausgezogen werden.
t Der Maurermeister als Brandstifter. In Lötzen wurde der Maurer- und Zimmermeister Teichmann, ein vermögender und angesehener Mann, plötzlich verhaftet. Er wird der vor- atzlichen Brandstiftung in zahlreichen Fällen beschuldigt. So 'oll er mehrere kleinere und größere, in den letzten Jahren n Lötzen entstandene Brände angelegt, u. a. den Rathaus- brand, den Brand des Volksschulgebäudes, einen Scheunen- und Schuppenbrand, sowie zwei weitere Brände. Bei Ausübung seiner letzten Tat ist er ertappt worden.
t Eine Tragödie in der Tragödie. Während der Auf- führung des Hauptmann'schen Schauspiels „Fuhrmann Hentschel" im Stadttheater zu Winterberg in Böhmen ertönte, als eben die letzte Szene des dritten Aktes gespielt wurde, plötzlich ein scharfer Schuß. Der 21jährige Steueramts- Prakttkant Hans Holzweber, der sich im Zuschauerraum befand, hatte sich eine Revolverkugel in den Kopf geschossen. Es entstand eine Panik und ein Teil des Publikums flüchtete. Das Motiv zu der verzweifelten Tat soll Liebeskummer gewesen fein.
t Bei der „Sirio-Katastrophe sind 328 Personen verloren gegangen, die man wohl als tot anzusehen hat. Darunter befinden sich 14 Mattosen. Es scheint also nicht wahr zu sein, daß die gesamte Besatzung gerettet wurde.
Die Nachricht, daß der Bischof von Sao Paulo in Brasilien sich unter den Ertrunkenen befindet, wird jetzt amtlich dementiert. Bei der Katastrophe ist auch deutsche Post, nämlich 19 Briefsäcke mit 448 Einschreibsendungen mit verloren gegangen. Es ist bis jetzt noch nicht festgestellt, wo die Postsäcke verblieben sind. Den Kapitänen der beiden Schiffe Joven Miguel und Vincente Lacomba, die in so heldenhafter Weise die Mehrzahl der Schiffbrüchigen des „Sirio" gerettet haben, ist vom König von Spanien der Orden für Verdienste zur See verliehen worden. In Cartagena wurde bei einem Stiergefecht für die Opfer der Katastrophe gesammelt, der Torreador Bienvinida verzichtete zu ihren Gunsten auf sein Honorar von 2400 Mark.
t Große Hitze in Amerika. Eine verheerende Hitze lagert über Newyork. Zu Hunderten werden die Hitzschläge gemeldet. Die Bevölkerung leidet schwer. Das Vieh, namentlich die Pferde, fallen aus den Sttaßen um. Die Feuerwehr bespritzt alle Pferde und Hunde, auf die sie trifft. Tausende verbringen die Nächte aus den Sttaßen, da der Aufenthalt in den Häusern unerträglich ist. Die Menschen gehen in leichtester Kleidung, alle Etikette hat aufgebört. Die Kinder dürfen überall in den Springbrunnen baden. Die Schulen geben abends auf den Dächern Unterricht. Es herrscht Milchnot, da die Behörden 150 000 Quart durch die Hitze verdorbene Milch hat vernichten lassen. Die Eisfabriken haben die Notlage benutzt, um durch Bildung eines Ringes die Preise für Eis in die Höhe zu treiben.
Bunte Cagcs-Cbromk.
Emmerich a. Rh., 8. August. Aus Unvorsichtigkeit erschoß hier der Schreinermeister Kerst seine eigene Mutter.
Langfuhr, 8. August. Beim Ausschachten' eines Brunnens wurden drei Arbeiter durch herabfallende Erdmassen schwer verletzt. Auf dem Transport nach dem Stadtlazarett starben zwei von ihnen, während der dritte am Leben bleiben dürfte.
Hamburg, 7. August. Auf der Reise nach Europa wurden einer Frau aus Rio de Janeiro auf dem Dampfer 9000 Mark bar und ein Depotschein über 15 000 gestohlen. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Völlig mittellos mußte die Frau die Rückreise antreten.
St. Louis, 7. August. Große Überschwemmungen sind in Süd-Texas vorgekommen. 25 Personen sind ertrunken, hunderte sind obdachlos. Der Schaden an Grundeigentum wird auf 500 000 Dollars geschätzt.
Köln, 8. August. Die Ehefrau des Bergmanns Kostmann in Mörs wurde erdrosselt aufgefunden. Der Mann wurde unter dem Verdacht des Mordes verhaftet.
Vermischtes.
= Ein Wurst-Skandal. In einer Wurstfabrik in der Swinemünderstraße in Berlin sind fünf Faß „Pferdefleisch" beschlagnahmt worden. Der Fleischermeister, der laut Reklameprospekten „nur reines Rind- und Schweinefleisch" verarbeitet, läßt, wie Feststellungen ergeben haben, wöchentlich bei Ambos in Reinickendorf 25 Pferde schlachten, außerdem bezieht er in I der Woche von dem Roßschlächter Fleischer in Dernau etwa '1 Zentner Pferdefleisch, sodaß dessen wöchentlicher Gesamt- uerb rauch an Pferdefleisch sicherlich 150 Zentner beträgt. — Warum schimpfen wir so über Chikago, wenn wir in Berlin ähnliche Zustände haben.
— Eine köstliche Stylprobe lieferte ein biederer Schwaben' jüngliug in einem Schulaufsatz über den „roten Fingerhut". Darin heißt es wörtlich: „Der rote Fingerhut hält sich bei uns hauptsächlich ihm Schwarzwald auf. Auf der Alb ist
der rote Fingerhut meistens Gelb. Wenn mann in isst, so nt er ser Giftig und muß sterben. Aber das Vieh ist nicht 0 dumm auf der Weide und schnubpert nuhr an im herum. Aber der Dockter verschreibt einem manichmal ein Fingerhut, das das Herz still stehen soll, wenn es so arg tut. Und der Dockter und der Abedeger machen aus dem Gift eine Artzue-. und man dentt dann an das Sprüchlein: „Ein Türlem ja es noch so klein, Es kann dem Menschen nützlich sein.
— Ein naiver Selbstmörder. Um den Verdacht des Selbstmordes von sich abzuwenden, hat kürzlich ein alter Mann, der tot aus der Unstrut gezogen wurde, folgendes in sein Notizbuch geschrieben: „Ich Heiße B. B., ersofen habe ich mich nicht, habe blos baden wollen."
= Ter bettelnde Rentier. Ein „vierstöckiger" Hans- *, besitzer aus Erfurt wurde beim Betteln abgefaßt. Der mobb , habende Mann, der von seinen Renten lebt, jedoch schmutzig geizig ist, ging, ziemlich anständig gekleidet, von Haus :u Haus — und bettelte, bis ihm die Polizei das Handwerk legte.
— Der Vielweiberei angeklagt ist ein gewisser Antoine I Laparre aus dem Arriège-Departement, der in Südfrankreich 1 drei Gattinnen hat. Er heiratete die erste vor 24 Jahren in j Saint-Giron, die zweite vor 14 Jahren in Oran und die i dritte, die Tochter einer Magisttatsperson in Bordeaux, vor ) zwei Jahren. Das Vermögen aller drei hat er in abenteuere | lichster Weise durchgebracht. Vor den Assissen in Fioix er- ! scheint nur die zweite Frau, die als Zeugin vorgeladen ist, aber große Lust zeigt, die Rolle der Anklägerin zu übernehmen.
— Der erste Gentleman Englands, König Eduard, bat der englischen Gesellschaft wieder eine neue Mode bescheret. Auf dem Rennen von Goodwood wurde beachtet, daß er einen weißen steifen Filzhut und weiße Lederhandschuhe trua, die, wie sein Hofschuhmacher erklärt, bisher nur vom König be» stellt worden sind. Sie find aus weißem Rehleder gefertigt, haben Zehenklappen aus braunem Juchtenleder und kosten, um auch das zu erwähnen, fünf Guineen (über 105 Mary das Paar. Ueberhaupt hat der König das Tragen leichter Sommerkleidung für Herren auf den fashionablen Rennen von Goodwood durch sein eigenes Beispiel ermöglicht. Zum weißen Filzhute und den Weißen Schuhen trug er einen be. quem sitzenden Hellen Jackettanzug, während sonst Zylinderhui und langer Gehrock in Goodwood unerläßlich waren.
— WaS eine Herzogm im Hanbtäschchen hat. Db Herzogin von Braganza hat ihr Handtäschchen in Wien vev Loren. Nach ihren Angaben enthielt dasselbe: ein dunkeb grünes Portefeuille mit Papiergeld, ein Portemonnaie mit Kleingeld, ein silbernes, rundgebogenes Zigaretten-Etui, eint Kalenderbrieftasche, eine zweite kleine Brieftasche mit vev goldeten Beschlägen, enthaltend Visitenkarten mit dem Name« Der Herzogin, ein Nottzbuch, ein kleines, violett ledernes Portefeuille mit der Inschrift: „Leiters"; eine kleine silberne Likörflasche (!) ein Taschentuch mit Monogramm und Krone; in der inneren Seitentasche ein silbernes und ein vergoldetes Zündholzbüchschen, ein kleines, vergoldetes Taschenmesser, einen silbernen Bleistift, einen zusammenlegbaren Kamm, einen kleinen Spiegel und zwei Kofferschlüssel an rosa Band. — Besonders klein scheint das Handtäschchen nicht zu jein.
Die Sünden eines plimsters.
Enthüllungen aus dem ungarischen Panama
Der Minister unter Anklage. — Erpressung und Ranb. — Ein« gefährliche Reise. — Unklare „Erklärungen". — Das Sündenregister. — Polony und sein schwarzes Kabinett. — Belohnte Sünden.
Budapest ist um eine Sensation reicher geworden: Gegen den Honvedminister v. Jekelfalussy ist bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Erpressung und Raubes erstattet worden. Daß gegen einen aktiven Minister in solcher Weise vorgegangen wird, dürfte jedenfalls nicht alle Tage vorkommen, kein Wunder also, daß das Ereignis und seine Vorgeschichte den allgemeinen Gesprächsstoff bildet.
Herr V. Jekelfalussy hatte eines Tages einen seiner Güterbeamten, namens Kovacs, wegen angeblicher begangener Jnkorrettheiten entlassen. Während einer Urlaubsreise für* nachher, sah er diesen Kovacs, der ihm angeblich noch 180 Kronen schuldig war, in demselben Eisenbahnzuge. Rasch entschlossen, telegraphierte Jekelfalussy an das Gendarmeriekommando der nächsten Statton, man möge Kovacs verhaften. Dies geschah, ttotz seines Protestes wurde Kovacs eingesteckt und erst — wieder auf Befehl des Ministers — frei gelassen, nachdem er bei der Gendarmerie den Schuldbettag erlegt hatte.
Begreiflicherweise war Kovacs mit dieser Behandlung nicht einverstanden. Er ließ die Regierung durch Vermittlung eines Anwalts im Parlament interpelliren, erreichte aber nichts. Vielmehr verschob der Minister seine Antwort aus den Herbst. Inzwischen hat Herr v. Jekelfalussy eine Erklärung veröffentlicht, in der er neuerdings nachweist, daß Kovacs ihn betrogen habe. Diese Erklärung zeigt, daß sich der Honvedminffter über sein Verschulden oder seinen Verstoß gegen das Gesetz gar nicht klar ist. Nicht darum, ob Kovacs betrogen hat oder nicht, handelt es sich, sondern darum, ob der Honvedminister befugt war, ihn ohne Intervention der kompetenten Behörden einsperren zu lassen. Daß dies geschehen ist, gibt der Minister zu. Aber er findet darin nichts Inkorrektes, sondern scheint dies für ganz natürlich zu halten. Der Ministerpräsident scheint allerdings anderer Ansicht zu sein, denn das Ergebnis ist vorläufig die Sttafanzeige, der bald die Entlassung des Ministers folgen dürfte.
Der Regierung wird bei dieser Gelegenheit ein ziemlich langes Sündenregister vorgehalten und es scheint, daß die Zustände in Ungarn einige Aehnlichkeit mit „Panama" haben. So heißt es u. a., der AckerbauministerDaranyi habe für dieBeamten seines Ministeriums sowie die staatlichenTierärztevon Amts wegen Massenabonnements auf das Hauptorgan der Agrarier, „Az Orszag", unter dem Titel „Kanzleispesen" bezahlen lassen, wodurch dieses Blatt eine Subventton von etwa 30 000 Kronen bezieht. Justtzminister Polonyi habe ein Attentat auf die Preßfreiheit begangen und ein „schwarzes Kabinett" errichtet. Als nun die Budapester Advokatenkammer dagegen Protest erhob, habe Polonyi den Anwalt der Kammer, Dr. Marcell Baracs, dadurch mundtot gemacht, daß er ihn in die Kodifikationsabteilung des Justizministeriums berief, was mit einem Honorar von 4000 Kronen jährlich verbunden ist. Kossuth habe als Herausgeber der Reden seines Vaters diesen zensuriert und die Reden hoffähig zugestutzt. Und doch sollen Polonyi, Kossuth und der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Justh am 18. August zu Geheimen Räten ernannt werden. Man weiß noch nicht, was an obigen Anklagen Wahrheit ist. Sollten sie sich bestätigen, so würde die Regierung kaum umhin können, eine gründliche Reinigung vorzunehmen.
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