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Erstes Blatt
Samstag, den 8. Dezember 1906
15. Jahrgang
iMNnv. H«upt«xp editton: Gieße», Selter-we- 8b. Wet*fSrt*e*NH*t Ihr. MS,
Gießener
Gratisbeilage«: Qberheffifche ^**ri!U*jtit«*g (tigH* und die Gieße«er Eeiie«blaie« (w-chnrMch).
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Meuche Nachrichten
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5§ , für Oberheffeu und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. V u Ob*' Guchtlt e0< amtlichen Bekanntmachungen der Grvhh. Bürgermeisterei Gießen, des Kroßh. Polizeiamteè Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
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Politische Rundschau,
Deutsches Reich»
* Da infolge des UngiltigkeitsantrageS der WahlprüfuNgS- Commission der Reichstagsabgeordnete Raab, Wahlkreis ^s-dwcge-Schmalkalden, sein Amt niedergelegt hat, wird dem- uLHst eine Nachwahl stattzufinden haben. Interessant ist die Verschiebung der Parteiverhältnisse in dem Kreise seit dem ^a^re 1887. Damals trat die Sozialdemokratte zuerst auf der Plan mit 1475 Stimmen, während der freikonservatibe Can bibat mit 10542 Stimmen gewählt wurde. In der engeren Wahl ging 1890 der Kreis an die Freisinnigen über, d« Mann 9714 Stimmen gegen 7009 freikonservative erhielt. 1894 wurde der antisemitische Bewerber mit 6879 gegen
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4832 freikonservative Stimmen gewählt. Im Jahre 1898 siegte in der Stichwahl wieder der Freikonservattve mit 9216 pegen den Sozialdemokraten, der 6429 Stimmen aufbrachte. 190-3 ging der Freisinnige mit 10 348 Stimmen gegen 7039 sozialdemokratische Wähler in den Reichstag. Die letzte Ersatzwahl 1904 brachte dem jetzt zurückgettetenen Angehörigen der Wirtschaftlichen Vereinigung Raab das Mandat mit 9861 gegen 7649 sozialdemokratische Stimmen.
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Italien»
♦• In Neapel fanden große Studentennnruhen statt. Die Studenten stürmten die Universität, schlugen das große Tor ein und griffen die Professoren an. Truppen wurden requiriert, unb es kam zu einem heftigen Kampf auf der Straße. Viele ktudenten wurden von Kavallerie überritten. Ein Offizier wurde tödlich verwundet. Spät nachts wurde die Ordnung
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" Russland*
•• Nach der kurzen Ruhepause macht sich abermals eine Birang tu den Judustriebezirken bemerkbar. Besonders be* . irohlicH ist die Lage in Russisch-Polen. In Lodz bauern die Ermordungen von Arbeitern fort. Am Donnerstag wurde wf der Straße ein Arbeiter schwer verwundet, ein anderer im Wirtshaus durch Revolverschüsse getötet. Die Fabrik von
Deutscher Reichstag.
(138. Sitzung.) CA Berlin, 7. Dezember.
Die heutige TageSordmmg des Reichstags wies an erster
Stelle die
Generalakte von Algeciras
auf. Die Ausführungsbestimmungen dieses internationalen Abkommens, das bis auf weiteres die Grundlage für die weitere Entwicklung Marokkos bildet, unterliegen, soweit fie deutsche Staatsbürger betreffen und die Beteiligung des Deutschen Reiche- an der marokkanischen Bank vorsehen, der Genehmigung des Reichstags. Der Staatssekretär des Aus- wärttgen, Freiherr von T s ch i r sch k y, der mit dem Staatssekretär des ReichSamtè des Innern, Grafen Posa- dowsky, die Vorlage vertrat, ersuchte mit kurzen Worten, in denen er der Hoffnung auf ftiedliche Entwicklung Marokkos Ausdruck gab, um die Zustimmung des Reichstages. Von allen Seiten, eS sprachen Dr. Bassermann für die Nationalliberalen, Abg. v. Vollmar für die Sozialdemokraten, Dr. Spahn für das Zentrum, Dr. Wiemer für die Freisinnige Volkspartei, Schrader für die Freisinnige Vereinigung, Porzig für die Konservativen, Blumenthal für die Süddeutsche Volkspartei, von Dirksen für die Reichspartei, wurde diese Zustimmung erklärt. Dr. Bassermann bemängelte die Politik Deutschlands in der Marokkofrage und begehrte zu wissen, lob das jetzige
Vorgehen Frankreichs und Spaniens
fmit dem Abkommen von Algeciras vereinbar sei Staatssekretär Freiherr von Tschirschkh bejahte dies. Das Vorgehen Frankreichs und Spaniens, bemertte er, habe nur den Zweck, die Bevölkerung Marokkos zu beruhigen; Truppen sollten nur im äußersten Notfälle gelandet : Werben. Irgend welcher Anlaß, sich gegen dieses Vorgehen zu wenden, liege nicht vor. Der sozialdemokratische Abgeordnete von Vollmar betonte, der Reichstag müsse
tärischer Eskorte z »m Mausoleum im yafanengarten. Dem Sarge folgten im Wagen der Großherzog mit Prinz Eitel. Friedrich von Preußen als Vertteter des Kaisers, die Groß. Herzogin, der Sohn des Verstorbenen Graf v. Rb-ma sowie die Fürstlichkeiten und hohen Offiziere und Beamten. Im Mausoleum hielt der Oberkirchenratspräsident Helbing eine Trauerandacht ab, dann wurde der Sarg in die Gruft getragen.
Die Ebe des Herzogs uh b der Herzogin Georg von Leuchtenberg ist geschieden worden; die geschiedene Herzogin Anastasia ist eine geborene Prinzessin von Montenegro. Der Zar hat bereits seine Genehmigung zu einer Heirat der Herzogin mit dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, dem Oberkommandierenden der Truppen im Petersburger Militärbezirk, erteilt. Die Hochzeit soll in aller Stille gefeiert werden.
83.
Einfluß auf die auswärtige Politik zu gewir Das Vorgehen Frankreichs sei nicht unbedenklich.
gewinnen trachten.
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AZirrsyaus ourcy Jteooiüeqanqie geuneu yauiu uun * hozilansky wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen, 7452 m J 2 Arbeiter wurden entlassen. Die Wiedereröffnung der Fabrik ' hi? i ^ngt von den Entschließungen des Verbandes der Fabrikanten CT den Arbeitern Bedingungen stellen wird.
England*
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he Borer n ■ erwiderte, diese Annahme sei gänzlich haltlos. Jede von der . .hbr de: 1 Regierung der Vereinigten Staaten vereinbarte Konvention i-lt den N unterliege der öffentlichen Beschlußfassung des Kongresses.
Solylitp »ei das Gerücht ohne jede Grundlage.
** Im Unterhause wurde eine Anfrage gestellt über das törichte Gerücht, daß eine Konvention oder eine Abmachung zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika mb Deutschland bestehe darüber, daß im Falle einer
v^geruchen Verwicklung Deutschlands die deutsche Handelsmarine unter die Flagge der Vereinigten Staaten treten solle. Der Staatssekretär des Auswärtigen Sir Edward Grey
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** Aufsehenerregende Erklärungen über ein britisch, v'stafrikanisches Kolonialreich machte der Unterstaatssekretär t^ Kolonialamts Winston Churchill. Er erklärte in einer sied-e zu Manchester, das Kolonialamt wünsche dem Baumwollbau innerhalb des brittschen Reiches jede mögliche ^r Gerung angedeihen zu lassen. Der Tag sei nicht fern, an lern das britische Publikum für den Gedanken der Ber- dlrkuchung dessen, was ein westafrikanisches Reich darstellen buroe, erwachen werde; früher oder später müßten die Citizen Besitzungen in Westafrika zu einem Ganzen ver- nUen werden.
Kleine politische Nachrichten.
Berlin, 7. Dezember. Assessor Brückner, der Beamte der .olamlatabteilung, den der Abgeordnete Roeren als „jungen Men Assessor" bezeichnete, wird ein Disziplinarverfahren legen sich selbst beantragen, wobei Herr Roeren als Zeuge kruommen werden kann.
Posen, 7. Dezember. Nach den Feststellungen polnischer klälter beträgt die Anzahl der streikenden Schulkinder in len Provinzen Posen, Westpreußen und Schlesien 120 000.
Stuttgart, 7. Dezember. Von den sechs Stuttgarter ranidtagsmandaten fielen drei der Sozialdemokratte, eins der «ttnspartei, eins den Nattonalliberalen und eins den Kon- sno.rttven zu.
Paris, 7. Dezember. Die französische Deputiertenfammer , mit 537 abgegebenen Stimmen einstimmig die Algeciras- i!le ratifiziert, nachdem der Minister Pichon nach einer Rede ^tte, die Absichten Frankreichs seien durchaus
Nevyorl, 7. Dezember. Das Gesetz über den Wieder Verschönerung Valparaisos ist gestern ver- Unitlicht worden. Es ermächtigt die Regierung zur Auf- whme einer Anleihe von 22 000 000 Mark.
Quinto (Ecuador), 7e Dezember. Aus den Bezirken von Mi?,ca und Azogues wird der Ausbruch einer revolutionären 1 Gwegung gemeldet, an deren Spi«- hie Obersten Vega, MtUjala und Cordova stehen.
darüber wachen müssen, daß die friedlichen Versicherungen Pichons, des französischen Ministers des Auswärtigen, fick auch bewahrheiten. Dr. Spahn bemängelte, daß dem Reichs, taae die Note Frankreichs und Spaniens über ihr Voraekjer wider Marokko bisher nicht zugegangen sei. Der Staatssekretär des Auswärtigen erwiderte, nachdem Frankreich die Note veröffentlicht habe, werde sie vollinhaltlich dem Reichstage bekannt gegeben werden. Abgeordneter Blumenthal erklärte: Nach dem Abkommen von Algeciras könne von der Unabhängigkeit des Sultans von Marokko nicht mehr gesprochen werden. Das Abkommen müßte eigentlich die Ueber- schrlst führen: „Reglementierung der Unabhängigkeit des Sultans von Marokko/ Deutschland habe bei weitem nicht das bekommen, was es haben wollte. Daran sei die deutsche Diplomatie und der Reichstag schuld, der sich zu wenig um diese Angelegenheit gekümmert habe. Darauf wurde die Vorlage in erster und zweiter Lesung unverändert angenommen.
Nunmehr wandte sich das Haus der Behandlung der von dem Zentrumsmitgliede Speck eingebrachten Jnter- pellatton zu, die in der
Einschränkung der schwedischen Eisenerzausfuhr einen Verstoß gegen den deutsch - schwedischen Handelsvertrag erblickt. Abgeordneter Speck begründete die Inter- pellatton, wobei er betonte, daß das Verhalten Schwedens, wenn auch nicht dem Wortlaute, so doch dem Geiste des deutsch-schwedischen Handelsverttages widerspreche. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, um hier Abhülfe zu schaffen, müßten die schwedischen Eisenbahntarife geändert werden, aber dies sei eine innere Angelegenheit Schwedens, in die sich das deutsche Reich nicht mischen dürfe.
Er hoffe jedoch, daß Schweden Sorge tragen werde, den lautgewordenen Klagen die Berechttgung zu entziehen. In der sich anschließenden längeren Debatte wurde von allen Rednern erklärt, daß allerdings die Beschränkung der Eisen- «z«^Lhr mit dem Geiste des deutsch-schwedischen Handelsvertrages nicht in Einklang zu bringen sei und von allen Seiten wurde der Erwartung auf Abhülfe Ausdruck gegeben. Die Nationalliberalen und Sozialdemokraten betonten, wie wichtig die Erzausfuhr Schwedens für die deutsche Industrie, besonders für die Thomas-Eisenindustrie sei, während die Konservattven als Repressivmaßregel gegen Schweden einer Ausfuhrzoll auf Kohlen forderten. Mit der Erledigung dieser Interpellation schloß die heutige Beratung; die nächste Sikuna imdet Montaa ilnH "
Dos und Gesellschaft
Der Kaiser ist Donnerstag abend wieder auf der Station Wildpark eingetroffen. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise waren zum Empfang anwesend.
*** Gestern nacht ist die Prinzessin Rupprecht von Bayern von einem toten Mädchen vorzeitig entbunden worden. Die Prinzessin ist schwach, jedoch ihr Zustand nicht besorgniserregend.
e% Die BeisetzungSfeierlichkeiten für den Prinzen Karl von Baden begannen gestern in Karlsruhe mit einem Trauergottesdienst in Anwesenheit des Großherzogs, der Großherzogin und der großherzoglichen Familie, der Hofftaaten usw. Zwölf Unteroffiziere trugen den Sarg zum Leichenwagen, dann bewegte sich J)er Zug unter mili=
>$ de« Rerkbtsfaal.
Schöffengericht.
Rechtsanwalt Grünewald contra Rechtsanwalt Metz-Nidda.
Zur näheren Orientierung unserer ßefer sei mitgeteilt, daß der Prozeß auf Grund einer Bemerkung des Rechtsanwalts Metz-Nidda sich entspinnt, die dieser in der Verhandlung über das Duell dec Herren Metz und Beck gemacht, durch die Rechtsanwalt Grünewald sich getroffen fühlt, da er anmhmen mußte, daß er der Urheberschaft der anonymen Postkarte bezichtigt würde. Die Folgen waren schwere für den Rechtsanwalt Grünewald. So wurde ihm u. a. die Korpsschleife aberkannt, die ihm später, als der Urheber der anonymen Karte sich meldete, aber wieder zugesprochen wurde. Das nachteilige Gerücht war jedoch, wie aus dem Gang dieses Prozeßes hervorgeht, trotzdem nicht völlig unter, drückt. Und so wird dieser Prozeß geführt, um den Tatbestand von gerichtlicher Stätte zweifelsfrei festzustellen.
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H. Gießen, 7. Dezember.
(N a ch m itt a g S si tzun g )
Kurz nach 3 Uhr wird die Sitzung bei dicht besetztem Saal wieder ausgenommen und in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Zeuge Geh. Justizrat Hirschhorn : Im Herbst erschien H^rr Geilfuß auf meinem Bureau und zeigte mir einen Brief, über dessen Inhalt ich sehr erstaunt war. In dem Briefe war dec Vorschlag gemacht worden, Herr Geilfuß möge sich an einen älteren Kollegen um Rat wenden, und zwar war ich als solcher genannt. Ich hielt den Weg aber für ungangbar. Ich empfahl Herrn Getlfuß, er möge Herrn Rechtsanwalt Metz von seiner Täterschaft Mitteilung machen. Der Vorsitzende: Haben Sie Herrn Geitfuß gefragt, wie er dazu gekommen, die anonyme Karte zu schreiben? Zeuge: Nein. — Zeuge Direktor Zobel sagt auf Befragen des Privatklägers aus, daß ec im Etsen- bahnkoupee eine Unterredung mit angehört, aus der Hervocging, daß man nach wie vor Rechtsanwalt Grünewald immer noch als den Urheber dec anonymen Postkarte betrachtet. Ich halte Herrn Grünewald einer solchen Tat aber nicht fähig. — Zeuge Wehn: Ich habe im Auftrage des Herrn Geilfuß mit Herrn Gutmann gesprochen, um zu versuchen, die Sache beizulegen. Es war aber vergeblich. — Vorsitzender: Halten Sie Herrn Geilfuß für fähig, daß er die zur Verhandlung stehende Sache für Herrn Rechtsanwalt Grünewald auf sich nimmt oder daß er von ihm abhängig ist? — Zeuge Nein. — Zeuge Kommerzienrat Gail glaubt ebenfalls nicht, daß Herr Gailfuß die Sache des Rechtsanwalts Grünewald aus irgendwelchen Gründen auf sich genommen. — Zeuge Jäger: So wie ich Herrn Gml- fuß kennen gelernt habe, hätte ich ihn nicht für fähig gehalten, eine solche Karte zu Schreiben, ebensowenig wie ich annehmen kann, daß er für Herrn Rechtsanwalt Grünewald eingetreten. — Zeuge Pcof. Becker Worms läßt sich über die in Frankfu-t abgehaltene Versammlung der alten Herren aus, zu der Rechtsanwalt Grünewald keine Einladung erhalten. Das Vorgehen Grünewalds, zu dem sich dieser daraufhin entschlossen, hält er für korrekt. — Zeuge Kaufmann Gutmann erklärt, daß er 1899 Klient des Rechtsanwalts Grünewald und später auch dessen Jagdgast wurde. Später sind aber jagdliche Differenzen ausgebrochen. — Vorsitzende: Glauben Sie, daß Rechtsanwalt Gcünewald die anonyme Postkarte an Ihren Schwiegervater geschrieben.
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