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Zweites Blatt

Samstag, Pen 6. Oktober 1906

15. Jahrgang

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Pr Oèerhesies Mld die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalameigsr für Gießen und Unmebima

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörde v

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Schreibungen unbW^ m Bureau des MR > 3, auf, und können R wogen werden. 1 litei 1.11. nuM her 1906, abt°M bi« XVI bis Ton«»' einzureichen bei dem erstand $mJ*

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. , ' ÄBitte warten!

^ Leiden und freuden am fern sprech Apparat.

Geschimpft wird doch! Strickende Aufsichtsdamen. Auch ein bonntagsvergnügen. Holde Schöne, hör diese Töne. Ablösung vor! Mit meiner Mandoline. Vettauschte Rollen. Trost im Leid.

Seit einigen Tagen ist in Berlin auf sämtlichen Fern- ßwechämtern das kurbellose System durchgeführt. Der un- zeduldige Teilnehmer hat also keine Möglichkeit mehr, seinem Nerger durchdrehen" Luft zu machen, er muß sich damit: begnügen, zu schimpfen und er darf nicht einmal schimpfen, wenn ihm dreimal die holde Maid am Apparat ihrBesetzt bitte warten l" entgegengeflüstert hat und sich dann nicht mehr meldet. Der Berliner Fernsprechanschlußteilnehmer ein hübsches Wort schimpft also jetzt ohne Kurbel. Er mag sich trösten: in Paris schimpft man auch, obwohl man dort noch kurbeln kann nach Herzenslust.

Ein Pariser Journalist erklärt nun auch, warum die Fernsprecher nicht nach Wunsch funkttonieren. Er sagt: Wißt ihr, warum es euch unmöglich ist, eine Verbindung zu er­langen - Wißt ihr, warum man euch die Verbindung mit­leidlos abschneidet, wenn ihr sie zufällig erlangt habt? Wißt ihr, warum ihr stundenlang klingelt, ohne daß man euch antwortet? Wißt ihr, warum das Läutewerk euch an den Apparat ruft, ohne daß ihr je erfahren könnt, wer euch zu sprechen wünscht? Wißt ihr, warum? Weil die Auf­sichtsdamen stticken müssen. Jawohl, sie müssen stricken! Amtlich ist ihnen das Stricken während der Dienststunden streng verboten, aber da das männliche Aufsichtspersonal galant ist und die Abonnenten eine fast engelhafte Geduld besitzen, brauchen sie sich um das Verbot nicht zu flimmern und können ruhig weiter stricken. Anstatt die Telephondamen Ku überwachen, stricken sie mit ihren flinken Fingern Socken für ihre llltänner, Strümpfe für den eigenen Bedarf, Jäckchen für die kleinen Kinder der Armen. Wie soll aber in einem Dienst Ordnung herrschen, wenn die Damen, denen die Auf­sicht obliegt, Strümpfe stticken?

Endlich hat nun die Oberbehörde diese Sttickarbeiten wochentags verboten. Nur Sonntags nachmittags dürfen die Damen stricken. Zu dieser Zeit wird nämlich erfahrungs­gemäß wenig telephoniert. Wenn man aber an einem solchen Nachmittag mit einem Abonnenten sprechen will, muß man warten, bis das Telephonfräulein die bestimmte Anzahl Maschen heruntergesttickt hat. So will es die anitliche Ver­ordnung. Man wird sich mit dem Gedanken trösten müssen, daß dieselbe Verordnung ihnen für die übrige Zeit jede Be­schäftigung untersagt, daß die Oberaufseher sich außerordent­lich streng zeigen und darauf achten sollen, daß die Damen nicht untereinander schwätzen oder Mandoline spielen. Ja­wohl, Mandoline spielen 1 Kein Mensch konnte denken, daß die Verbindungen nur deshalb so schlecht sind, weil die Auf­sichtsdamen stticken und die Telephonfräulein Mandoline spielen. Jeder hat sich gewiß schon einmal in Gedanken, während er auf eine Verbindung wartete, das Innere eines Telephonamtes vorgestellt. Man sah bedauernswerte junge Mädchen, die von allen Seiten auf einmal gmifen werden unb nicht wissen, wem sie zuerst antworten sollen. Und während man sich so den Kopf zerbrach, war ein Teil des

Uni rem iS mit Strümpfestticken und der andere mit Mando- ttnespielen beschäftigt.

Daher kam es auch, daß die ohnehin schon schlechten Telephonverbindungen zwischen 12 Uhr und 12 Uhr 20 mittags ganz besonders schwer zu erlangen waren. Das ist nämlich die Ablösungszeit der Telephondamen. Wenn diese Zeit kam, mußten doch die Aufsichtsdamen ihr Sttickzeug wegpacken und die Telephondamen ihre Mandolinen. Die neu angekommenen Damen aber mußten erst ihr Sttickzeug aus dem Handtäschchen nehmen und ihre Mandolinen stimmen. Das alles erforderte Zeit. Jetzt aber gibt es strenge Befehle: die abgelösten Damen dürfen ihre Instrumentewir meinen! nicht die Mandolinen, sondern die Telephoninstrumente[ erst dann verlassen, wenn die Ablösung wirklich Platz genommen hat. Das alles war übrigens längst Vor­schrift,- und wenn man in den Aemtern dagegen^ handelte, so geschah es, weil im Dienst eine bedauerliche Laschheit eingetreten war. Die Musik mildert die Sitten, und die männlichen Aufseher haben sich durch die Klänge Der von den Damen auf der Mandoline gezupften Tänze so ein­lullen lassen, daß sie sich selbst durch das Sturmläuten der Abonnenten nicht aus ihren süßen Träumen wecken ließen. Und da laut Verordnung das Stticken ausdrücklich nur der Aufsicht" und das Mandolinespielen ausdrücklich nur den Telephondamen verboten worden ist, so erscheint es nicht aus­geschlossen, daß die Damen die Rollen tauschen und die alten Klagen bald wieder beginnen.

Ganz so schlimm ist es also bei uns noch nicht. Die zappelnden Menschen, die am Telephon nervös werden, wenn sie einmal warten müssen, mögen nach Paris blicken und sich dann sagen: Unsere Telephonistinnen find doch bessere Menschen! E. 0.

Der modische Herme!.

Modeplauderei von Emma Neichen.

Die Machart des Aermels bestimmt heutzutage Charakter des Kleides. Er verrät das Alter einer Toitt^e.

den

Jetzt können die Damen nicht so leicht sich brüsten, daß ne dieses Gewand bereits seit vier Jahre:: und jenes sch»n sieben besäßen. Der Aermel erzählt, welcher Mode es «ngehörr, und straft die Tugendheldinnen Lügen. Freilich muß zu­gegeben werden, daß die Aermel der neuen Mode angepaßt werden können, und ihr Modernisieren ist eine «rll tägliche Be­schäftigung der Sch-«-iderinnen.

Wie sehen nun die Aermel aus, die man gegenwärtig mit dem Attribut modisch belegt? Zuerst ist es wohl wissens­wert, daß sie allgemein kurz getragen werden oder vielnuwr halblang. Ihre Form ist durchschnittlich sehr ähnlich. Man unterscheidet nur drei bis vier Abarten. Da ist der Pu r= oder Ballonarmel, der am Ellbogen abgebunden ist; d-r Aermel des Schneiderkleides, der eng oder weit, je nach Be­lieben sein kann und mit einer breiten Manschette schl-eßt. Diese wird noch mit einem schmalen Plissee umrandet. S)min der Spitzenärmel, welcher sich aus übereinander fallenden Volants zusammensetzt und endlich der Aermel, der am Ell­bogen nur eine schmale Prise hat, und der von zwei bis drei kleinen dufttgen Spitzenplissees begrenzt wird.

Immer wieder finden sich diese Arten vor, und nur der

Stoy des Kleides entscheidet, welche Form zu wählen ist. Schließt man den Aermel, der zum Schneiderkleide gehör:, aus, eignen sich alle andern für Kleider aus Wolle, Seide, Sammet und Spitzen. Es ist wohl bekannt, daß unter bcm Namen Schneiderkleid alle jene Kostüme gehen, die englischen Schnitt haben, also anliegend in der Taille sind, welche noch besonders herausgearbeitet wird. Aber auch der Straßen- anzug, aus Rock und Jacke bestehend mit dazu gehöriger Bluje, heißt Schneiderkleid. Die Aermel der Jacke unterliegen also dem hier aufgestellten Gesetze, während die Aermel der Bluse der Phantasie preisgegeben sind. Hat das Jackenkleid französischen Stil, ist es reich garniert und besetzt, so muß auch der Aermel halblang sein, während es wohl praktischer ist, die englische Jacke mit langen Aermeln zu versehen. Die englische Taille behält aber den halben Aermel bei.

Der Schneiderärmel, wie man kurz sagt, steigt in flachen Falten bis zur Schulter hinauf, legt sich weich um den Arm und wird am Ellbogen mit einer Manschette versehen, die cw? ähnlichem Stoff wie das Kosttim gefertigt ist. Oftmals wählt man sie in einer konttastierenden Farbe. Hätt man den Aermel einheitlich zum Stoff, so wird die Stulpe mit einem kleinen Taffetplissè umsäumt, wodurch ein graziöser und jugendlicher Eindruck erweckt wird. Beim Puffärmel vermag durch die Abwechslung im Abschluß des Ballons ein ganz verschiedenes Aussehen erzielt zu werden. Besteht der Puff^aus Spitzen, so bindet man ihn mit Band in der Farbe des Gürtels ab oder in der des Kleides. Gestickte Borden ersetzen gern das Band. Die Farbe des Abschlusses muß aber stets in gewissem Zusammenhang mit der Toilette stehen, darf nicht unbegründet plötzlich zu Tage treten. Die Aermel, die aus über­fallenden Volants gebildet werden, bleiben zumeist für Gesell­schaftskleider reserviert. Es werden zwischen den Spitzen­volants kleine Plissees aus Crèpe chiffon eingeschoben. Be­suchskleider für den Nachmittag zeigen Ballonärmel, die am Ellbogen mittelst einer schmalen Stoffprise sich verengen. Will man sie eleganter gestalten, gibt man ihnen kleine Rüschen aus Valenciennespitzen.

Im Zimmer legen die Damen sehr bald die langen Hand­schuhe ab und haben Gelegenheit, wertvollen Schmuck, Arm­bänder und Ringe zur Schau zu stellen. Eine stische Rose im Gürtel gehört wieder einmal zur Vervollständigung der Toilette.

Vermischtes.

= Deutschlands erste Tageszeitung. Die erste Zeitung, die in Deutschland täglich, mit Ausnahme der Sonntage, er­schien, war derFriedens- und Kriegs-Courier", der zu Nürnberg 1781 von dem Magister S. Würfel herausgegeben wurde. Das Blatt kostete dem Leser jährlich drei Gulden. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Zeitungen jetzt täglich erscheinen, sollte man es kaum für möglich halten, daß erst 125 Jahre verstrichen sind seit Gründung der ersten Tageszeitung.

Rauflustige Stadtvâter scheint es in Prag zu geben. Im dorttgen Rathause beriet die städtische Kommission über den Kauf eines Grundstücks, das dem ehemaligen Prager Bürgermeister-Stellvertreter Seifert gehört. Das Grundstück ist für den Bau einer Kaserne bestimmt. Seifert forderte für

'peisekarioffeln,

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u einigst* 1*1 bis zu«/

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Bekanntmachung.

Die unterm 8. September 1906 angeordnete Sperre der Plockstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Herberg.

BekNNKIMKÜMAg.

Die unterm 12. September 1906 angeordnete Sperre des Riegelpfades zwischen Ebel- und Querstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen

Herberg.

BetaNAtmaäung.

Die unterm 7. September 1906 angeordnete Sperre der Bergstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Polizeramt Gießen.

Herberg.

Arbeitsvergebnng,

Nachstehende Arbeiten zum Neubau des Stadt- theaters in Gießen sollen im Wege des öffentlichen Angebotes vergeben werden.

L Steinbildhanerarbeiten.

2. Lieferung von Grauirfteiuen ca. 15 cbm

Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen, Bedingungen und Angebotsformulare liegen im Bureau des Architekten Hans Meyer, Westanlage 6 dahier, zur Einsicht offen und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden

Die Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am

Donnerstag, den 18. d. Mts., vorm. 11 Uhr mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns einzureichen.

Gießen, den 3. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Bekanntmachung.

Der Spengler und Installateur Wilhelm Stork dahier ist zur Ausführung von Anlagen im Anschluß an das Gas- und Wasserwerk auf Grund der Be­stimmungen vom 29. Dezember 1902 zugelassen worden.

Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Bezirksspurkasse Gießen

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Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Bezirks- ongehörigen, daß vom 1. Oktober L Js. ab bei unserer Kasse die tägliche Verzinnung der Emlageu zur Ein­führung gelangt und daß jeden Werktag von vor­mittags 81 tetyr und Nachmittags von 34^/s Uhr

8 Alusit- §

Bekanntmachung.

Aus der Friedrich Bücking-Stiftung sind um Weihnachten d. J. 10 Gaben von 150 Mk. oder 100 Mk. an bedürftige und würdige Bewohner Gießens, Familien­häupter oder einzelstehende Personen, zu vergeben.

Anmeldungen sind bis spätestens 30. November 1906 beim städtischen Armenamt, Neuen-Baue 25, Zimmer Nr. 2 einzureichen.

Gießen, den 4. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Curschmann. _____

Mittags 8 li^r

^ie Kasse geöffnet

jl Gießen, den

22. September 1906.

Direktiorr der Bezirkssperrkaffe Gießen

Doering.

freunden ist durch ein neues Unternehmen eines bedeurenden Verlages die Möglichkeit geboten, sich nach eigner Wahl und auf angenehme Weise eine

Masik-Bibliothek

zu verschaffen. Nähere Auskunft, Prospekte,

Kataloge 2c. nur durch die General-Vertretung

C. M. Kühn (Arth. Fadum) Inh. Paul Meier

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Bârwtmachâg.

Vom 9. lfd. Mts. ab bis auf weiteres beginnt der Auftrieb von Vieh auf dem Viehmarktplatz um 8 Uhr vormittags.

Der Schluß des Auftriebs von Großvieh ist auf 10 Uhr, von Schweinen auf 11 Uhr festgesetzt.

Ende des Marktes ist am 1. Tag um 12 Uhr, am 2. Tag um 1 Uhr mittags.

Gießen, den 3. Oktober 1906.

GroßherzogUcheS Polizeiamt Gießen.

Herberg.