Einzelbild herunterladen
 

Nr. 235

Erstes Blatt

Samstag, Pen 6. Oktober 190b

15. Jahrgang

F-z"L8r°-,, ÄS.S,S.5äa?» -°- S^rJa -®3 = 5=.3?S

. "So 8=a.»'s»

imb He Siel etter Geis entlaste (»AcheEch).

S*eM»a ^.Hchuvterprdittsn: Gieße», Delteesweß 86.

Ftr«sPvech«Nschl»h W». 3*8.

tchi^ner U«gevriM)

KnaSgängige Hageszeitung

(Michener Zeitung)

Q 2 /^^^ ^ 2

5= = o0E3'S'5 ---- " 3 n

2 §5?

-^ S-a

Q 3

H S §

r: »K ^2 »Xe 2 2 hr§> ^5 3 (yfc* cr<yg s 2

2 2.m _ 2 §

Z^Z-eLSSS? 2.s?âaa=" KZ -'ZzZWx

E^'ä?®3^ 3 3.x® ; 2 So Q

^« 3 £s 0® 5 "MM;Z? »£3 gsv" 5t i^M

?S?g"Sg<

U^B

9

2 S

^iim®:

<fcn?35?s??C

Z2"°--ß

-âl?

®r - 2 CD

3 0^5

VW

3 V.

e 2

s :® @5

iS §5^ ?:

ME:S

%^w XW 48«^?

& - 5lKß? ?«A&^!^ -ö^Mk «WWr

I § ^^^

WsW^ ; :l s«

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großb. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Poli,eiamies Gießen und anderer VebSrden p"n Öhcrf>r^n

politische Rundschau.

Deutsches Reich«

Der Kolonialverwaltung ist es gelungen, für den Handels-Verkehr mit Dcutsch-Südwest-Afrika Erleichterungen zu schaffen. Durch zweckmäßige Abfertigung der Transporte m Hamburg wurde es möglich, die Liegegebühren in Swakop- mund, die ein Gegenstand vieler Beschwerden waren, zu be- seittgen. Es treten jetzt keine Anstauungen und Stockungen des Verkehrs mehr ein, so daß die von Liegegebühren freie Zeit für die Schiffe zur Löschung der Ladung ausreicht.

* Die sächsische Regierung beabsichtigt, eine Toleranz- Berordnrmg für das Königreich Sachsen zu erlassen, die bei Beerdigung Andersgläubiger auf katholischen oder pro­testantischen Friedhöfen gleichmäßig den Geistlichen beider Konfessionen die Vornahme der Begräbnisfeierlichkeit ohne besondere Genehmigung gestattet.

* Der in Nürnberg tagende Bund Deutscher Frauen­vereine nahm eine Resolutton folgenden Inhalts an:

Der in Nürnberg versammelte Bund deutscher Frauen­vereine gibt seiner tiefen Empörung Ausdruck über die jeder Gesittung Hohn sprechenden Greueltaten, die in Rußland aus Rassenhaß und im Jntereffe der Aufrechterhaltung der Auto- ttatte fortgesetzt an wehrlosen Frauen und Kindern verübt werden. Er gedenkt ferner mit hoher Bewunderung derjenigen russischen Frauen, die an dem gewaltigen Ringen ihres Volkes' um persönliche und bürgerliche Freiheit so heldenhaft teil­nehmen."

Russland«

** Auch die neueren Berichte lauten wieder trostlos. Die Unsicherheit mehrt sich in erschreckender Weise. Aus der nachfolgenden Meldungen läßt sich nur eine Zunahme bei Revolution und der Anarchie erkennen.

Moskau, 5. Oktober. Der Hauptmann Dsjankowsff wurde auf offener Straße von einem jungen Menschen durch drei Revolverschüffe getötet. Dsjankowsk: hatte diß Kompagnie, welche vor kurzen: die im hiesigen Gefängnis ansgebrochene Revolte der Politischen Häftlinge unterdrückte, wobei zwei Gefangene getötet wurden, zu befehligen. Der Mörder ist entkommen.

Ufa, 5. Oktober. Gestern abend um 8 Uhr wurde von 40 bewaffneten Personen ein Ueberfall auf einen Post- zua ausgeführt. In der Nähe der Brücke über den Bjela- flutz hielten die Uebeltäter den Zug an, töteten einen Soldaten, verwundeten 3 Eisenbahnkassierer und raubten 250 000 Rubel. Die Räuber entkamen.

fürst Bütows Hb sage an die Metten.

Die von verschiedenen Seiten gehegten Erwartungen, daß der Herzog von Cumberland den braunschweigischen Thron besteigen werde, werden nunmehr durch amtliche Erklärungen als vollständig nichtig bezeichnet.

Der Reichskanzler hat aus Homburg v. d. Höhe auf das Schreiben des Braunschweigischen Staatsministeriums und die damit übermittelte Resolution des Landtages geantwortet. In den: Schreiben des Reichskanzlers heißt es:

Dem Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgischen Staats' Ministerium beehre ich mich auf das an mich als Reichskanzler ge­richtete Schreiben vom 25. vorigen Monats zu erwidern, daß ich den Bundesratsbeschluß vom 2. Juli 1885, durch welchen die Regierung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig für nicht vereinbar erklärt worden ist mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung, für mich solange als maßgebend behandeln muß, als derselbe nicht durch einen neuen Beschluß des Bundesrats aufgehoben oder abgeändert worden ist. Einen solchen aufhebenden oder abändernden Be­schluß herbeizuführen, sehe ich mich nicht in der Lage. Dem­gemäß habe ich die Möglichkeit einer Uebernahme der Regierung von Braunschweig durch den Herzog von Cumberland unter der obwaltenden Sachlage außer Betracht zu lassen.

In einem zweiten Schreiben, das Fürst Bülow als preußischer Minister der auswärtigen Angelegenheiten eben­falls an das braunschweigische Staatsministerium richtet, wird der gleiche Standpukt festgehalten. Die preußische Regierung würde einem etwaigen Antrag auf Aufhebung oder Abänderung des die Herrschaft des Herzogs von Cumberland aus­schließenden Bundesratsbeschlusses ihre Zustimmung versagen müssen. Als Begründung wird angeführt, daß in dem Ver­hältnis des Herzogs zu Preußen eine entscheidende Aenderung nicht eingetreten sei. Auch beständen noch immer, und zwar unter nlindestens stillschweigender Duldung des Herzogs, welfische Bestrebungen, die sich in ihrem Endziel auf die preußische Provinz Hannover erstrecken. Es könne aber Preußen nicht zugemutet werden, daß es in dem benachbarten Bundesstaat eine welfische Regierung dulde, durch die der preußische, unter dem Schutze der Reichsverfassung stehende Besitzstand gefährdet werden würde.

B j e l o ft o k, 4. Oktober. Zwei Unbekannte drangen heute in die Wohnung eines Arbeiters ein und verwunderen durch mehrere Revolverschüsse zwei Personen tödlich aus Rache für die Angabe der Organisatoren des Fabrikstreiks.

Tiflis, 4. Oktober. Bei der Explosion einer Bombe in der Nähe des Woronzow-Denkmals wurde ein Offizier getötet, ein anderer Offizier und einige Privat­personen verletzt.

Odessa, 5. Oktober. Während der Beerdigung der bei.der Feuersbrunst im russischen Theater umgekommenen drei Studenten gaben gestern einige Mitglieder der Schwarzen Bande" mit dem Rufe:Schlagt die Juden!" mehrere Schüsse ab, was eine große Panik verursachte, b ^ft t Ruhestörer wurde durchgeprügelt

. ** Allen Erwartungen entgegen, ist der wieder in Peterhof eingetroffen. Bisher hieß Rückkehr erst nächste Woche erfolgen sollte.

Kleine politische Nachrichten.

und darauf

Zar bereits es, daß die

Berlin, 5. Oktober. Der niederländische Gesandte in Berlin hat, wie aus dem Haag verlautet, von seiner Re­gierung Weisung erhalten, zu versuchen, von der preußischen Regierung die Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von

Dos und Gesellschaft.

Gelegentlich seiner bevorstehenden Reise nach Schloß Meerholz zur Teilnahme an der Hochzeit des Prinzen Albert zu Schleswig - Holstein wird der Kaiser der Stadt Gein- hausen einen kurzen Besuch abstatten. Aus diesem Anlasse trifft der Monarch am 14. d. M. auf dem dortigen Bahn­höfe ein, fährt durch die Stadt bis zum Zingeltor, wo der Empfang durch den Magistrat stattfindet. Hierauf besichtigt der Kaiser die Kirche, das romanische Haus und die Burg. Im Anschluß hieran wird mittels Automobils die Weiter­fahrt nach Schloß Meerholz angetreten.

Nach aus Homburg in Berlin eingetroffenen Nach­richten wird der Reichskanzler Fürst Bülow noch vor Ablauf des Monats Oktober nach Berlin zurückkehren und die Geschäfte der Reichsverwaltung wieder in vollem Umfange übernehmen.

*** Landwirtschaftsminister von Podbielski ist in Berlin angekommen und hat seine Amtsgeschäfte wieder über­nommen.

*** Für die Ausschmückung der Stadt anläßlich des Kaiserbesuches in München bewilligte das Gemeindekollegium 40 000 Mark.

vv||iiuny uci Belize vie ^lNsUyr von 1 «'holländischem Vieh zu erlangen.

Goslar, 5. Oktober. Zu dem morgen beginnenden I nationalliberalen Parteitage sind zahlreiche Fremde ein- J getroffen. Nach den Wohnungsbestellungen werden etwa ! 560 Vertreter am Parteitage teilnehmen. Der Zentral- t Vorstand tritt heute um 5 Uhr zu einer Sitzung zusammen.

Wien, 5. Oktober. Der Wahlreformausschuß des Lster- j reichlichen Abgeordnetenhauses lehnte den Anttag, betreffend $ das Pluralwahlsystem, ab.

; Paris, 5. Oktober. Das Blatt^r.manitc" des sozialistischen Führers Jaicrès fünbigt das Aufhören seines ; Erscheinens wegen finanzieller Schwieiügkeiten an. Jaurès

erklärt, daß er vor einigen Tagen 200 000 Franks zur Weiter­führung des Blattes hätte bekommen können, unter der Be­dingung, den Kampf gegen die russischen Werte einzuftellen.

Soziales Leben.

X Tuberkulose ° Fürsorge. In einem Ministerialerlaß betr. eine weitere Ausdehnung der Fürsorge für Tuberkulose wird auf Grund der Feststellungen der wissenschaftlichen Depu, tation für das Medizmalwesen in Preußen die Schaffung be, sonderer Heilstätten für Schwerkranke, sowie besonderer Räume 'für Tuberkulose in den allgemeinen Krankenhäusern für nötig erklärt; auch wird empfohlen, Konzessionen für Krankenhaus, Neubauten künftig nur zu erteilen, wenn für Tuberkulose be­sondere Einrichtungen nach den in den Volksheilstätten er­probten Erfahrungen getroffen werden. Die Gemeinden werden zuAeußerungen über die bevorstehenden Anforderungen ersucht.

London, 5. Oktober. Das KanonenbootLandrail" ging gestern in der Nähe von Portland unter. Mit großer Mühe wurden fast alle Mannschaften gerettet. Nur ein Matrose ertrank. Die Ursache des Unfalles ist unbekannt.

Constantina (Algier). Unter dem Verdacht der Spionage wurde hier ein Deutscher namens Otto Albasser verhaftet. Sein Gepäck wurde konfisziert. Albasser hatte Freundschaft mit mehreren Offizieren der Kolonialarmee geschlossen und die Befestigungen mehrerer Forts photographiert.

Nab und fern.

t Aus Sorge um die Fran hat sich der Kapitän zur See und Kommandant des PanzersKurfürst Friedrich Wilhelm", Karl von Levetzow in Berlin erschossen. Dis Gattin des Offiziers war seit längerer Zeit leidend, so daß sie schließlich ein Sanatorium aufsuchen mußte. In den letzten Tagen hatte sich ihr Befinden verschlimmert. Die Nachricht hiervon trieb ihn zum Selbstmord. Der Tote, der sich in Marinekreisen allgemeinen Ansehens erfreute, war Inhaber der Rettungsmedaille, weil er drei Menschen unter eigener Lebensgefahr dem sicheren Tode in den Wellen ent­rissen hatte.

t Abgclehnte Steuer. Die Vorlage des Berliner Magistrats über die Erhebung einer Billet- und Lustbarkeits- steuer wurde von der Stadtverordneten-Versammlung fast ein« stimmig abgelehnt.

t Ein gefährliches Paket. In einem Eisenbahnwagen, der zwischen Mainz und Wiesbaden verkehrt, wurde ein Palet Dynamit und andere gefährliche Sprengstoffe gefunden, Glücklicherweise waren die Sprengstoffe, bi: in Zeitungspapier eingeschlagen waren, völlig durchnäß: und daher ungefährlich, De betreffenbe Zeitung stammt aus Neunkirchen und dürfte der Sprengstoff auch von einem dortigen Bergwerk herrühren, Die Nachforschungen nach dem Eigentümer waren bisher erfolglos.

t Opfer eines Geisteskranken. Der unter dem Verdacht des Mordes an Miß Lake in Essen verhaftete Musiker Funke scheint geisteskrank zu sein. Funke, dessen Händeabdrücke mit denen am Halse der Leiche übereinstimmen, wie auch seine Fußspuren mit den am Tatorte, kann für die Zeit von 7 bis 81/2 Uhr abends des Mordtages sein Alibi nicht nach­weisen.

t Emilia Galotti auf dem Dorfe. Die 16jährige Babette Bickelhaupt in Gadernheim in Hessen unterhielt seit längerer Zeit mit dem Arbeiter Marquardt ein Liebesverhältnis, das jedoch die Billigung des Vaters nicht fand. Die jungen Leute hatten nun dieser Tage nachts ein Uhr eine Zusammen­kunft verabredet; als sie am Platze erschienen, wurden sie von dem alten Bickelhaupt überrascht, der seiner Tochter nach kurzem Wortwechsel sein Taschenmesser in die Brust stieß. Das Mädchen wurde in hoffnungslosem Zustande dem Krankenhause zugeführt. Der Täter, welcher wegen Körper­verletzung mit tödlichem Ausgange bereits vorbestraft ist, wurde in Haft genommen; wird aber demnächst zur Be­obachtung seines Geisteszustandes einer Irrenanstalt über­wiesen werden, da er infolge starken Alkoholgcnusses als unzurechnungsfähig gilt.

t Unaufgeklärter Unglücksfall. Auf der Rombacher Hütte stürzte ein 22 jähriger Arbeiter in einen glühenden Hochofen und verbrannte sofort zu Asche. Zwei Mitarbeiter, die mit dem Verbrannten zusammen den Ofen bedienten, wurden verhaftet.

f In der Notwehr. Als der Gendarm in Ars a. Mosel die Wohnung des Arbeiters Boratzki betrat, um ihn zu ver­haften, wurde er von B., seiner Mutter und seinen Freunden überfallen. Der Gendarm wollte von seinem Seitengewehr Gebrauch machen, es wurde ihm aber entrissen. Als die wiederholte Drohung, bei weiterem Widerstande zu schießen, keinen Erfolg hatte, gab er zwei Schüsse ab, von denen die zweite Kugel den Boratzki in den Unterleib drang, so daß der Betroffene bald darauf verstarb. Nach allgemeiner An­nahme war das Vorgehen des Gendarmen durchaus gerecht­fertigt, da er sich in der Notwehr befand.

f Kämpfende Zigeuner. Zwei Zigeunerkarawanen gerieten auf dem Pferdemarkt im Dorfe Buttstädt in Differenzen, woraus ein wütender Kampf entstand, der mit Revolver, Dolch und Säbel ausgefochten wurde. Die Feuerwehr mußte mit Schläuchen die Zigeunerschlacht beenden. Drei Zigeuner wurden schwer verwundet, 13 verhaftet.

f Bergmanns Los. 70 Grubenarbeiter wurden in der Westzeche der Pokohontas-Kohlen-Gesellschaft in Bluefield, West-Virginien, von schlagenden Wettern ereilt. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsarbeiten gelang es, nur 10 zu retten. Die Leichen von 19, meist Ungarn, wurden bereits geborgen. Es wird als sicher angenommen, daß die übrigen noch ver­mißten Bergleute nicht mehr am Leben sind. Giftige Gase und lodernde Gluten machen das weitere Vordringen der Rettungsmannschaften unmöglich.

r^f Unter schwerem Verdacht. Bei Nantes ertränkten sich Sie Kassiererin einer Zeitung und deren Bruder, der Steuer- emnrhmer in Bouaye in der Loire. Von der Gerichtsbehörde ist eine Untersuchung der den beiden anverttauten Kassen an» geordnet worden.

Bunte Eagce-Chronih.

Breslau, 5. Oktober. In Herrnstadt ermordete der ^jährige Barbier Göbel seine 21jährige Ehefrau, indem er >hr den Leib aufschlitzte. Der Mörder ist verschwunden.

Michelbach, 5. Oktober. Der Dachstuhl des Köhlschen lteubaues stürzte ein. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei inbere schwer verletzt.

Neudorf, 5. Oktober. Auf der Chaussee zwischen Grud' 'chütz und hier wurde der Sattlermeister Simon und dessen weijährige Enkelin von einem Automobil überfahren. Das ^ind wurde getötet, Simon erlitt lebensgefährliche Ver» etzungen.

Magdeburg, 4. Oktober. In Altengrabow brannte das , Bahnhofshotel Truppenübungsplatz" mit Nebengebäuden lieber.

Löwen, 5. Oktober. In dem Dorfe Erps-Querbs sind ieben Personen von einem tollen Hunde gebissen worden. Die Verwundeten, von denen mehrere stark zerfleischt sind, ourden zum Pasteurschen Institut nach Brüssel befördert.

Zürich, 5. Oktober. Am alten Septimerpaßweg (Gran- Änden) wurden in einer engen Höhle drei menschliche Skelette lefunden, die seit vierzig bis sechzig Jahren dort liegen