Nr. 181
Zweites Blatt
Samstag, Pen 4. August 190b
15. Jahrgang
""-best,,
> Ai»
i«?“*M
•"Mm Ji
*' Siete
reue
re
ener
WchaMou uHauptervedition: Gießen, Seltersweg 88.
Fer»sprecha«schl«ß Nr. 362.
•««ti#ietl^re, ebetleffif*« gamUttapttaat WW und bit CUieeer Ceife«bl«fea (Bi^raUW.
(Hießener Tagektatt)
Unabhängige Tageszeitung
(Gießener Zeitung)
a»$»
*<i5
b»tm.ioin
Kellergeschoß ^^geschoß
J öb-rgeschos
d75 qm ft
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Bebörden von ^rr^n.,.
DU
lm Bodenplatl! èen Don 155
n
I qm
und Bedinge uns zur U daselbst erhält, l uns einzurei^
uw
- an» Cham anèstraße zH
Berliner bundstags-Briefe.
Plaudereien aus der Reichshauptstadt von S. Pötter.
Allerlei ßadzreisendc.
Der Ehemann mit Kind und Kegel: Die erste Klage wird drei Tage vor dem Urlaub gestöhnt, wenn die Packerei anhebt und dies und das, von der teuren Hälfte als unvermeidlich angesehne Reiserequifit angeschafft werden muß. Der 'Etat wird schon vorher gewaltig angerissen und schmerzvoll blickt das Auge dem entrollenden Golde nach. Das Schlimmste ist die Abfahrt. Die Koffer und Körbe I Sogar die Betten müssen mit, denn auf den Betten da draußen rann doch kein anständiger Mensch sechs Wochen lang schlafen. Endlich ist der Zug in Bewegung. Nun hebt die Klage mit den Göhren an; das ißt und trinkt alles durcheinander! Noch ist man nicht am Ziel und schon rebelliert ihr Magen in erschrecklichem Maße. Landet man dann endlich nach qualvoller Fahrt in dem Nest an der Ostsee, — zum Besuch eines großen Ostseebades reicht es meist nicht — beginnt der Rummel von neuem. Am dritten Tage endlich ist man unter Dach, man kann Schlaf finden und hofft Ruhe zu haben. Hat aber der Großstädter im kleinen Ostseebade seine Ruhe? Ja und nein. Wenn er sich ganz zurückzieht, kann er sie haben. Er zieht sich aber meistens nicht zurück, kann es nicht, weil die lieben Bekannten, die man natürlich in Masse trifft, keine Ruhe geben. Also muß man sich buchstäblich in Berlin dann oft von den Strapazen im Seebaüe erholen! Das ist selbstverständlich in noch stärkerem Maße erforderlich, wenn man nach Norderney, Ostende, Scheweningen oder in eins der eleganten Weltbäder geht, die eine Ausstattung für sich erfordern, wenn man nur einigermaßen „ftanh^emö*"
(luttreten will. Und trotzdem kann der Großstädter heute nicht mehr ohne seine Badereise leben. Sie gehört zum guten Ton und gilt als absolut notwendig, um die erschlafften Nerven zu stärken. Früher galt es als Zeichen unbestrittenen Reichtums, wenn jemand ins Bad fuhr; heute reist auch der Mittelstand, und die Zeit scheint nicht mehr fern, wo auch der „kleine Mann" auf seiner Badereise besteht . . . Wie dem aber auch sei, — sicher ist jedenfalls, daß ein Gefühl der Erleichterung über den Ehemann kommt, der mit Kind und Kegel im Sommer ins Bad fuhr, wenn wieder der Train am Fahrsteig hält und ein ermüdeter Schaffner ruft: „Stettiner Bahnhof! Alles anssteigen!" Dann zahlt er auch gern die teure Nachtdroschke: nur erst wieder daheim sein, in den eigenen vier Pfählen!
einer eleganten, arg verschminkten Frauensperson bei der Reunion gesehen habe. . ." Und dann geht's los. Die harmlose Mieze mit ihren neunzehn, die so frisch ist wie eine Psirsichblüte, soll also eine „arg verschminkte" Frauensperson, sein! Diese Meyer mit ihren vierzig hat freilich nie so anständig ausgesehen. Außerdem, was geht ihn die Mieze an. Er kennt sie ganz zufällig und — bewahre ihn der Himmel: nie litt einer unschuldiger unter schmählichem Verdacht . . . Natürlich wird die Korrespondenz immer interessanter. Vier Wochen wollte er bleiben ; er hatte die Ruhe so nötig: — nun muß er schon nach vierzehn Tagen heim, sonst passieren womöglich Dummheiten, die keiner mehr gut machen kann.
»rm. 11 Uhr
dingungen lie luf Zimmer Ni rdrulk, der dast orgenannten K iber Aufschrift» agssrist 5 Wo»
iWëitei
kellerè im t»««
titen,
I ebm Mau« Mich rc, M MinisteriaiM isgeschriebâ - liniern totes!
1 S-lbstlM" lufschrift ^® rW. 11W : Tage.
to««*^
itung in ^
E ... WßA m A„tèE
Der Ehemann solo: Wenig Gepäck und viele wehmütige Abschiedsworte 1 Eine halbe Stunde winkt die Gattin noch, die teure, mit dem weißseidenen Spitzentuch, — dann ein erleichtertes Aufatmen. Die Zigarre wird angesteckt und geschäftsmäßig die letzte heimatliche Zeitung durchflogen .... Es ist eine Lust zu leben 1 Wenn die Pflicht nicht zwänge, täglich einen Brief zu schreiben, wäre die Lust noch größer. Und sie wäre am größten wenn's keine Post gäbe und man sich nicht täglich ärgern müßte. „Seit du nicht mehr hier bist, kommt der Prokurist täglich später ins Geschäft und verläßt es täglich früher", schreibt Madame und fügt hinzu, daß sie beni Dienstmädchen habe kündigen müssen, weil sie neulich erst um drei Uhr nachts nach Hause gekommen wäre. „Frech wurde die Person auch noch, — wenn man Euch braucht, seid ihr Männer nie da." Am andern Tag eine vierzehnseitige eng geschriebene Gardinenpredigt: „Frau Meyer hat mir geschrieben, daß sie dich gestern mit
Der Junggeselle: Er geht auf Freiersfüßen. Schon seit zwölf Jahren. Da die Glatze naht, wird die Sache brenzlich. Jung soll sie sein; hübsch soll sie sein; Geld soll sie haben. Das ewige Uzen von Tanten muß ein Endd haben. Man ist es sich schuldig, in diesen Jahren zu heiraten. Hier in X hat Emil seine Klara gefunden und ist mit ihr glücklich geworden, — also versuchen wir's! Beim letzten Pump bei Tanten — eben für die Reise — fragte sie ironisch und unter Hinweis auf das lange vergebliche Suchen: „Wie soll sie denn eigentlich sein?" Und er hatte das Register aufgesagt: jung, hübsch und Geld. Die Antwort der klugen alten Frau war blamabel ausgefallen: „.. also willst du 'ne Wahnsinnige! Denn wenn sie fung und hübsch ist und Geld hat und dich nimmt, — muß sie verrückt sein!" . . . Jetzt gilt es Tanten belveisen, daß man denn doch noch nicht zum alten Eisen gehört . . . Nach sechs Wochen landet er wieder an der Spree — völlig unverlobt. Was er wollte, wollte ihn nicht; was ihn wollte, wollte er nicht. Aber die nächste Wintersaison muß ja die Lösung bringen!
122® 60jährige Jubelfeier â des Turn-Vereins Giessen
Festplatz: Oswaldsgarten
vom 4.—6. August 1906
Samstag, den 4 August: Nachmittags: Empfang auPvärtiger Gäste. Abends 7'/- Uhr: ZapfenMich durch die Stadt.
Abends 8 Uhr:
Eröffnungsfeier in der Festhalle Festrede, Uebergabe einer neuen Fahne, turnerische und gesangliche Aufführungen. Konzert auf dem Festplatz.
Sonntag, den 5. August:
Morgens 6 Uhr: Weckruf.
Von Vormittags 71/» Uhr ab: Empfang auswärtiger Turner und Gäste an der Bahn und Einrua in die Stadt mit Musik.
Vormittags 10 Uhr: Kampfrichtersitzung in der Turnhalle (gegenüber dem Festplatz).
Mittags 12 Uhr: Festessen in der Festhalle und Konzert.
Nachmittags l1/» Uhr: Aufstellung des Festzuges am Walltor.
Die Musik wird an sämtlichen Festtagen ausgeführt von der
= FEST-PLAN: =
Festzug durch die Stadt nach dem Festplatz.
Daselbst: Begrüßungs-Ansprache, allgemeines Lied, Aufmarsch zu den Freiübungen, Musterriegenturnen, sowie Schauturnen geübterer auswärtiger und hiesiger Turner.
Großes Konzert auf dem Festplatz und irr der Festhalle,
in letzterer auch turnerische Aufführungen.
Abends 7 Uhr: Preisverteilung bezw. Aushändigung der Ehren- und Erinnerungstafeln.
Abends 9 Uhr:
Festspiels
„Deutsche Helden und Turner"
m der Festhalle.
Abends: Großes Konzert in der Festhalle und auf dem Festplatz.
------Tanz- und Volksbelustigungen.------
Festplatz: Oswaldsgarten
Montag, den 6. August:
Morgens 8 Uhr: Spaziergang durch die Stadt.'
Morgens 10 Uhr: Frühschoppenkonzert auf dem Festplatze.
Nachmittags 4 Uhr: Großes Konzert in der Festhalle und auf dem Festplatz.
Großes Volksfest. Turnerische Aufführungen.
Abends 9 Uhr:
Wiederholung des Festspiels „Deutsche Helden u. Turner"
in dec Festhalle.
VM" Tanz auf dem Festplatze. "®S
Großes Brillant-Feuerwerk auf dem Festplatze.
Eintrittspreise
- . - _ - . , - ganzen Kapelle des 2. Großh. Hess, Jnf.-Regiments Nr 116
und der Kapelle des Dragoner-Regiments Nr. 24 in Darmstadt unter Kettung des Großh.
Juxplatz an der Lahn.
unter Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn C. Krauße L Musikdirektors Herrn Stützel.
Familien: Tauers «te mit 2 Beikarten (für 3 Personen) Mk. 2.25, im Vorverkauf Mk. 2.—. Weitere Beikorten 50 Pfq. (ou» für Söhne von 14—17 Jahren. Einzel-Dauerkarte Mk. 1,25, im Vorverkauf Mk. 1.—. Tageskarte für Sonntag 75 Pfg., für Montag 50 Pfg. Eiamaliger Eintritt Samstag 20 Pfg. Sonntag 50 Pfg., Montag «0 Pfg. Für Mitglieder des Turnvereins findet Freitag, den 3. August, von nachmittags 2 Uhr ab in der Turnhalle
OA -------------- ein Vorverkauf von Eintrittskarten statt: Familieu-Dauerkarte mit 1 Beikarte (2 Personen) Mk. 1—. Weitere Beikarten 40 Pfg. Eiuzel-Dauerkarte
Pfg., für Zoglmge 50 Psg. Die Dauerkarten berechtigen zu allen Veranstaltungen.
$^Dt*toÉl?f Olifâft'^ff^tt ^r Dauerkarte« «ud Festschriften sind eingerichtet bei den Herren Louis Althoff, Walltorstraße, Cafe Amend, Babnhofstraße, Richard Buchacker, Neuen-Bäue, / Ernst Challier, Neuenweg Karl Eichmann, Nord-Anlage, Wilhelm Haas, Bleichstraße, Jakob Hauser, Ludwigstratze, D. Hnl Nachfolger, Lindenplatz, Ernst Jung,
Marttplatz, L Kalkhof Nachs., Westanlage, Friseur Lotz, Bahnhofstraße, Philipp Mootz, Neustadt, Wilhelm Semmler, Seltersweg, Karl Seibel, Franksurterstraße, Johann Seibel, Luowigsplatz.
Am 1. Festtag ständiger Omnibusverkehr von der Bahn nach dem Fesipiafz und zurück.
Alles Nähere (Feftordnuiig, Z«gord«ung, Programm ic.) durch die Festschrift 6V Preis 25 Pfg. -W