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Zweites Blatt. Samstag, ven I. September 190b
15. Jahrgang
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Unabhängige Tageszeitung
(chietzener Zeitung)
für Dberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und NnMbiim.
Enthält sie amtliche« Bekanntmachungen der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Bvlizeiamtes Gießen und anderer ^efmrh^ von c-v,^a^.
Der amerikanische Staatsschatz.
— 6in Besuch im Schatzamt zu CUafbington. —
Striegel ei djen. — Jeden Tag eine Million Dollar. — letzte Zählung. — Altes Papiergeld. — Bei der Bernichtungsmaschine. — Ein tastbares Gewölbe. — Manteltaschen als Tresors. — Die unüberwindliche Festung.
Hd. Newyork, im August.
Der Aufstand auf der „Perle der Antillen", auf Kuba, gewinnt mehr und mehr an politisier Bedeutung. Die politischen Gespräche drehen sich augenblicklich fast nur noch um die Frage, ob und wann die Vereinigten Staaten Nordamerikas mit ihrem starken Arm in den Gang der Ereignisse eiiigrcifen werden. Der kubanische Rebellenführer Oberst klSbert droht in einem Ultimatum, das Eigentum der Ausländer anzugreifen, um eine Intervention der Vereinigten Staaten zu erzwingen und die Amerikaner auf Kuba rufen in dringender Weise den Schutz der Bundesregierung an. Ein Kriegszug mit Kuba scheint also unmittelbar bevor- zustehen. Zum Kricgftihren gebraucht man in erster Linie Geld. Da gewinnt das große Portemonnaie der IlnionSstaatcn zu Washington besonderes Interesse. Das Schatzamt in Washington ist ein imposanter Bau aus Sandstein und Granit, mit hohen jonischen Säulen und Pilastern, welche der Front ihr stolzes Gepräge verleihen. Dieser 450 Fuß lange und 250 Fuß tiefe Monumentalbau umschlicht 200, sehr mannigfachen Tätigkeiten dienende Rimmer. An langen Korridoren reihen sich Bureau an Bureau, in welchen Hunderte von Schreibern eine fieberhafte Tätigkeit entfalten. In erster Linie ist das Haus aber Nationalbank. Doch um die verschiedenen Funktionen dieser ungeheuren Verwaltungsmaschinc kennen zu lernen, muß man auch das „Bureau of Engraving and Printing" besuchen, das in einem besonderen Gebäude untergebracht ist und das etwa unserer Reichsdruckerei entspricht.
Das eigentümliche seidenfaserige Papier der amerikanischen Dollar-Bills wird selbstverständlich nur für den Staat her- gcstellt ; schon der Verkauf oder die Herstellung dieses Papieres für andere Zwecke wird aufs schwerste bestraft. Jeden Morgen, um 9 Uhr, wird das Papiergeld im Betrage von einer Million Dollar mittels eines aus Stahl gebauten Wagens nach dem Schatzamt [überführt und der Emissionsabteilung übergeben. Im Schatzamt erfolgt das Zählen und das Prüfen der Banknoten überhaupt nur durch weibliche Beamten. Drei Qöhlprinnpn ftpffpn aiinörfiff hprt ^Trhiist her pinripsTprprfprr
Patele fe|t, seren feDeS wieder 1000 Bogen enthalten muß. Im Siegelzimmer werden diese mit dem roten Siegel des Schatzamtes versehen. Eine Schneidemaschine trennt die Bogen in je vier Noten, und nun wird das Papiergeld in neuen Pakelen zu je 4000 Blatt seiner letzten Zählung im Schatzamt unterworfen. Es geht durch die Hand von fünf Zählerinnen, wird also fünfmal gezählt. Jetzt gelangt das Geld in die Hand des Siegelbeamten, der die Bankuolcu- paketc in braunes Papier einschlägt und jedes derselben mit dem Siegel des Schatzamtes versieht. Der gesamte ihm übergebene Geldbetrag muß am Susiuß des Tages genau soviel ergeben, wie das am Morgen von der Staatsdruekerei eingelieferte. Die tägliche Arbeitsleistung ist vollkommen geregelt. Das neue Geld wird in dem Rescrvcgcwölbc für Papiergeld niedergelegt, und jedesmal, wenn ein neuer Posten dem Gewölbe eiuverleibt wird, wird ein anderer im gleichen Betrage dem Tresor entnommen und durch die Nationalbank in Umlauf gesetzt. Nun zur EinIösungsabteilungl Die Einlösung des alten, abgegriffenen, schmutzigen, zerknitterten und zersetzten Papiers erfordert die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln gegen Irrtum und Verlust. Für jeden alten Dollar, der hier in Empfang genommen wird, muß ein neuer Dollar bezahlt werden, ganz gleichgültig, in welchem Zustande sich der eingelieferte Schein befindet. Gefälschte Scheine werden nicht eingelöst, aber aufgehoben, um die Fälscher ausfindig zu machen. Die kontrollierten Pakete werden durch ein Maschinenmesser halbiert. Die eine Hälfte jedes Pakets wandert in die Registratur, die andere in das Bureau des Schatzamts-Sekretärs. Beide Hälften werden für sich gezählt, und erst wenn diese letzte Zählung mit der ersten übereinstimmt, gelangt das Geld in den Mazerierkessel zur Vernichtung. Der Mazerator ist eine unersättliche Maschine, welche alljährlich viele Millionen Dollar bertilgt. Es ist ein großer, runder, mit Wasser gefüllter Stahlbebâlter, in welchem 150 Messer rotieren, welche die Dollarscheine in Papierbrei verwandeln. Fünf Tage lang kneten und schneiden die Messer den Dollarbrei; dann erscheint aufs neue die Kommission und öffnet ein Ventil, worauf der äußerst feine Papierbrei in eine Grube stießt, aus der er in die Staatsdruckerei zurückrefördert wirs.
Nun geht es in das Allerheiligste, die Vaults (Gewölbe, Tresors). Die Räume sind nicht sehr umfangreich. Das eine der Obligationsgewölbe enthält die von den Nationalbanken als Sicherheit für ihre eigenen kursierenden Noten deponierten Obligationen der Vereinigten Staaten. Dann haben wir im Kellergeschoß zwei Gewölbe, das eine
für silberne Scheidemünze und Gold; letzteres für den Bedarf des Columbia-Distrikts. Aus den Regalen und den Schränken sind die Bills in braunen Päckchen vereint. Der Beamte überreichte uns wiederholt derartige Päckchen, welche 50 000 oder 100000 Dollar enthalten, damit wir ihr Gewicht prüfen sollen. Es wäre nicht schwierig, eine halbe Million in den 1 Manteltaschen unterzubringen, falls cs unbemerkt geschehen könnte. Großartig ist das Ucberwachungssystem des Schatzamtes durchgeführt. 68 Wächter, welche in drei Abteilungen einander ablösen, durchwandern das Hauß bei Tag und Nacht, und vor dem Haupttor harrt bei Tage ständig eine Wache, die für den Fall unerwarteter Ereignisse stets zur Hand ist. Der Kapitän der Wachmannschaft erhält durch die Wachem halbstündlich ein Glockenzeichen und steht einerseits wieder mit dem Chef der Polizei, mit dem Fort Myer und dem Arsenal in Verbindung, sodaß jederzeit Polizei, Artillerie und Kavallerie Iser beigerufen werden kann. Waffen findet man in jedem Raum des Hauses, wo große Summen durch die fmnde der Beamten gehen, sodaß der Kapitän sofort 1000 ewaffnete Leute in Bewegung setzen kann. Nach Schluß der Geschäftszeit, um 6 Uhr abends, können nur noch die ersten Beamten das Gebäude betreten. Aber auch sie sind nicht ohne Bewachung. Sie find genötigt, beim Betreten und Verlassen der Räume gewisse geheime elektrische Signale zu geben. Andernfalls würden automatische Vorrichtungen sofort die Alarmglocken in Bewegung fetzen und die Wachen herbeirufen. Das Schatzamt bildet somit eine Festung, für deren Unüberwindlichkeit die besten Vorkehrungen getroffen find.
Hub dem GerichtesaaL
§ Der Nachfolger des Müller? Arnold. In dem Dorf Tuchen bei Bicsental fühlt sich ein Müller in seinem Gewerbe geschädigt, weil die Gemeinde verschiedentlich aus dem Mühlen- Nieß durch Gräben usw. Wasser entzogen und das Gefälle verringert hat. Der Müller hat sich zunächst an den preu- ßsschen Finanzminister gewandt und will eventuell im Prozcß- wege sein Recht fuchen. Der Fall erinnert an jenen des Müllers Arnold, der unter Friedrich dem Großen langwierige Prozesse mit dem Fiskus führte und schließlich aus Befehl des Königs 1358 Taler einziehen durste.
§ Teure Küsse. Zu 20 Mark Geldstrafe wurde in Wcißcnsee ein Mann verurteilt, weil er in die Wohnung seiner 50jährigen Nachbarin eingedrungen war und ihr, trotz ihres Sträubens, fünf Küsse geraubt hatte. Die würdige
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Submission.
Für die Klinik für psychische und nervöse Krank- liiten in Gießen soll für das Rechnungsjahr 1906 die Sicfetung von:
in. 7000 Ctr. Hüttenkoaks in der Korngröße 6—10 cm
. 800 „ Nußkohlen
M' dem Wege der öffentlichen Submission vergeben heben.
Die Bedingungen liegen an den Wochentagen von 3-5 Uhr nachmittags auf dem Verwaltungsbureau zur Ansicht offen.
Offerten sind verschlossen und mit entsprechender Nusichrift versehen bis zum Eröffnungstermin
Montag, den 10. September 1906, vorw. 12 Uhr wf dem erwähnten Bureau abzugeben.
Der Zuschlag erfolgt bis zum 12. September 1906.
Gießen, den 24. August 1906.
Großh. Direktion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten.
Dr. Dannemann.
Wunderbar leichte Entbindung verschafft nachweislich Frau Prof. Mathilde Schmidt’g ,.Frauentrost“ bei Wohlbcf. v. Mutter u. Kind. Segen f. d. Fnauenwelt! I Schönste Anerkenn Berlin, Kottbuserstr. 1&.
Herbst-Pferdemarkt zu Gissten.
Wie in früheren Jahren beabsichtigen wir auch bei dem am Dienstag, den 11. September ftattfinbenben Pferdemarkt eine Pferdeschau mit Prämiierung abzuhalten und zwar speziell für im Privatbesitz befindliche Reit-, Wagen- und Arbeitspferde; dieselben können unter dem Reiter, ein-, zwei- oder vierspännig auch im Geschirr vorgeführt werden.
Die Prämiierung beginnt vormittags ll1/» Uhr, die Vorführung und Pceisverteilung vormittags 12'/-Uhr in dem hierfür vorgesehenen Prämiierungsring.
Während der Vorführung findet Konzert der hiesigen Feuerwehrkapelle statt. — Es gelangen nur Ehrenpreise zur Verteilung.
Anmeldungen haben bis zum Montag, den 10. September bei Herrn August Schwa», Wcinhäud- ler zu Gieße« zu erfolgen.
Pferdebesitzer laden wir zur Beteiligung ergebens! ein. Gießen, den 25. August 1906.
Die städtische Pferdemarkt-Kommissiou:
Jean Kirch.
Bergebung von Pflasterarbeiten.
Die zur Herstellung Don Gossen rc. in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten nötig werdende Pflasterarbeit wird hiermit unter Zugrundelegung des M nisterialcrlasses vom 16. Juni 1893 öffentlich ausgeschrieben.
Die Angebotsunterlagen können in unserem Amtslokal eingesehen, Angebotsformulare zum Selbstkostenpreis dorther bezogen werden.
Offerten mit entsprechender Aufschrift sind bis zum Eröffnungstermin
Samstag, den 8. September 1906, vorm. 11 Uhr bei uns einzureichen.
Gießen, den 25. August 1906.
Grotzherzogliches Hochbauamt.
I. V.: Heyer.
K fatothlk- -. Marmor- Jatasfrie x»
Kalkwerke : Abenditern. — Telefon 84.
Feinet« Bau- und Dtlngekalke in Stücken und gemahlen.
Prima Hartbrand- Ziegelsteine D. N. F.