Mittwoch, 30. Dezember 1931
Der preußische Innenminister antwortet.
Auf Vie kleine Anfrage des Abgeordneten Wein- rich wegen der Vorgänge vor dem Hause der Kasseler Gaugeschäftsstelle der NSDAP, hat der preußische m^nifter des Innern dem Landtaaspräsidenten mitgeteilt. Der Bericht des Abgeordneten Weinrich entspricht nickt den Tatsachen Im übrigen schwebe wegen der Vorgänge ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren, und wegen des polizeilichen Verbots des Heraushängens der großen Hakenkreuz- fabne ein Verwalmngsstreiwersahren.
Eine unterschiedliche Behandlung der verschlede- nen Kreise der Bevölkerung findet nicht statt.
Seile 2 — 1. Beilage
Film der Unfälle
Schwerer Motorradunfall. An der Einmündung der Skruthbach- in die Holländische Straße fuhr heute morgen infolge der Glätte und Dunkelheit ein 32jäh- riger Schlosser aus Wahnhausen mit seinem Motorrad gegen ein städtisches Kleinauto, wobei er hoch im Bogen von der Maschine auf den Fahrdamm flog. Er zog sich durch den Sturz einen komplizierten Bruch des Unterschenkels und Gesichtsverletzungen zu und wurde durch die Sanitätshauptwache in das Marien- krankenhaus eingeliefert.
Der glatte Fußboden. In der Holländischen Straße hatte ein löjähriges Friseurlehrmädchen aus der Fiedlerstraße das Unglück, auf dem frisch gebohnerten Fußboden auszugleiten und sich das Kniegelenk auszukugeln, sodaß es von der Arbeitersamariterkolonne in das Landeskrankenhaus gebracht werden mußte.
Ein böser Sturz. In Simmershausen stürzte die auf dem Futterboden arbeitende Ehefrau Anna Eberhardt die Treppe hinunter. Erst eine Weile später wurde sie aufgefunden und, da sie einen schweren Schädelbruch davongetragen, durch die Arbeitersamariterkolonne in das Marienkrankenhaus befördert.
Was der Gckuvo notiert
Vermißt wird seit Montag der 27 Jähre alte Fran; Frickmann, Ziegenstraße 16. Der Vermißte der Epileptiker ist, ist 1,75 Meter groß und hatte beim Weggehen von zu Hause schwarze Schnürstiefel, eine feldgraue, gesfickt« Hose und eine graugrüne Strickjacke an, und als Kopfbedeckung eine graue Mütze mit Ohrklappen. Zum letztenmal ist der Vermißte am Montag, um 11,33 Uhr in der Germaniastraße gesehen worden. Zweckdienliche Angaben sind an die Kriminalpolizei zu richten.
Billiger Schinken. Heute nacht wurde die Schaufensterscheibe eines Metzgerladens in der Hohen- zollernstraße eingedrückt. Es wurden aus dem Schaufenster 3 Schinken und 3 Schinkenstücke entwendet. Die Täter sind unerkannt entkommen.
Oie Ente als Sparbüchse
' Kurz vor Weihnachten schlachtete ein Bäckermeister in Holzhausen eine Ente. Als er das Tier ausnahm, fand er zu seiner großen Ueberraschung im Magen der Ente 12 stark abgegriffene Geldstücke. Zur Beruhigung fei aber für die, die jetzt vielleicht ihre Gänse und Ente Machten, gesagt, daß das auf diese Weise gefundene Geld keine Goldstücke waren.
Wir gratulieren
Ihnen siebzigsten Geburtstag feiert heute in körperlicher und geistiger Frische die Witwe des
Gendarmeriewachtmeisters Wilhelmine G ö - bei ht Dörnberg.
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Silberjubrläum Albert GöllnerS. Am 1. Januar 1907 begann Albert Göllner in unserer Stadt seine Tätigkeit als Magnetopath. Im Laufe von nunmehr 25 Khren hat er mit wahrhaft segensreichen Händen unzählige Gequälte von Krankheit und schmerzen zu befreien vermocht. Seiner gütigen Menschlichkeit und steten Bescheidenheit sei an diesem Tage herzlichst gedacht. Möge er noch vielen Leidenden durch seine Kräfte Heilung bringen und In ihrem Dank den Segen seiner Tätigkeit spüren.
*
Der Eisenbahnbeamte i. R. E. S ch n b ert, Lange- straße, feiert heute in körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag. Möge ihm ein langer Lebensabend beschicken sein.
Kasseler Treueste Nachrichten
Unsere Heimat
ftämme" ausg
Ein wund abends aus
nchmen ihre Plätze ein und so geht es fort bis um Mitternacht. An jedem Abend geht es so und wer etwa glaubt, dix Bäckereien hätten sich nicht darauf vorbereitet, der irrt. Hunderte von allen Gebäcksorten werden am Tage frischgebacken und abends aus- gewürselt. Die Bäckermeister haben zwischen den Jahren den besten Geschäftsgang des ganzen Iah-
Die Kirchhainer Bevölkerung, ohne Standesun- terschiede, eilt zwischen den Jahren, wenn die Dämmerung über den alten trauten Gaffen träumt, in die Bäckereien und Gastwirtschaften, setzt sich in Hunter Reihe rund um die Tische und wartet, bis der Meister oder der Wirt die Würfelbecher bringt und Bretzel, Berges, Kuchen und Kringel aufträ.z, die an mehreren Tischen ausgewürfelt werden, t
Gewürfelt wird mit drei Würfeln nach der alten Regel: jeder der sich Einsatz beteiligt hat, kann solange Würfeln, bis zwei der Würfel die gleiche Zahl haben. Wer nun in der Runde die höchste Atmenzahl geworfen hat, ist Gewinner und kann den Stollen oder Berges in Empfang nehmen.
Kommt es nun vor, daß zwei oder mehrere Personen die gleiche Augenzatzl der Würfel aufzuweisen haben, so müssen sie „stechen", also nochmals werfen bis einer die Höchstzahl hat. In sehr vielen Fällen aber teilen sich die .Stechenden" in den Gewinn.
Nun ist es bei diesem Würfelspiel aber nicht etwa so, daß nach einigen Runden das Spiel zu Ende
Bom Polizeipräsidium. Am Sonnabend, dem 2. Januar ist im Polizeipräsidium der Dienst wie an Sonnlagen geregelt und das Dienstgebäude dementsprechend für das Publikum nur für die Erledigung dringender Angelegenheiten von 9—12 Uhr geöffnet.
Zur Jahreswende. Unmittelbar vor Anbruch des neuen Jahres wird in bei Lutheckirche abends um 11 Uhr eine Feierstunde sein.
res.
Je näher aber die Svlvestevnacht herankommt, der Höhepunkt der-«Würfelabende, desto feiner wird das Gebäck und in den letzten Jahren wurden an diesem Abend die schönsten Torten und „Baum-
ürfelt.
ares Klappern der Würfel hallt in Gastwirtschaften und.Bäckereien durch die Gasfsn. Starker Verkehr kennzeichnet die Ditte nach außen. Der echte Kirchhainer muß doch zwischen den Jahren einmal würfeln und sein Glück versuchen und niemand überrascht es, wenn das Stadtoberhaupt ebenfalls mit umgeht und hier
Würfelspiel zwischen -en Jahren
Bei den Würflern in Kirchhain
■ß 8. Im Kreise Kirchhain und besonders in den I ist, sondern Gewinner und Verlierer brechen auf Städten Kirchhain und Schweinsberg hat sich durch und gehen weiter, dafür rücken neue Trupps an und die Jahrhunderte eine schöne Sitte, das Würfeln, ' ** 1""i> ""
erhalten, das heute noch wie ehedem geübt wird und den Beweis erbringt, daß der hessische Volksstamm doch nicht so leicht geneigt ist, alte Sitten und Gebräuche, die ihm von seinen Urvätern überliefert und echtes Volksgut sind, in unserem Zeitalter der Technisierung und Mechanisierung aufzugeben.
Senkung -er Strompreise für Erwerbslose?
Der Gewerkschastsbund der Angestellten hatte bet dem Magistrat der Stadt Kassel bezw. bei den Städtischen Werken A. G. beantragt, den Erwerbslosen, mindestens aber den Krisen- und Wohlfahrtsunter- Mtzungsempfängern, den Großabnehmerpreis für Gas- und Strom einzuräumen. Die Begründung für eine derartige Forderung liegt ohne weiteres auf der Hand, denn durch die Länge der Wirtschaftskrise, deren Ende auch heute noch nicht abzusehen ist, wird die Not in den Kreisen der erwerbslosen Angestellten und arbeitet immer drückender. Bedauerlicherweise haben die Städtischen Werke A. G. den Antrag abgelehnt, da derartige Maßnahmen ein völliges Durch brechen der bestehenden Strom- usw. Tarife und damit ein Durcheinander bedeuten würde. Abgesehen davon Müden der Stadt und den Werken Mittel |ür eine derartige zusätzliche Hilfe nicht zur Verfügung.
Durch die inzwischen erlassene Nowerordnung werden ja nunmehr auch die Preise für Gas- und Strom in der Stadt Kassel, die beträchtlich über dem Reichsdurchschnitt liegen, einer Revision unterzogen.
Kahrplari-Aenderung
Weaen ungenstqenber Besetzung fällt 6er Znschutzmg 61« W Warburg «Wests.) — Kassel (ab 5.09 USr) vom 2. Januar 1932 ab aus. Bom gtuckien Tage ab verkehrt » toi von Warburg ab Warburg «Wests.) ab 4,37, Haueda ab 4,44, Liebenau ab 4,49, LamcrLen ab 4,56, Eberichutz. ab 5,01, Stimme ab 5,14, Hofgeismar ab 5.22, Grebenstein ab 5,30, Immenhausen ab 5,38, Mönchebof ab 5,45, Obervellmar 5,51, Harleshausen ab 5,57, Kassel Hbf. an 6,03 Uhr.
AufsichtSrats-Sihung der Hessischen Leimstätte und Hessischen Heimat
Aus -em Landkreis Kassel
Oberzwehren. Silberne Hochzeit und Todesfall. Der ehemalige Eisenbahnbodienstete H. Hochhuth konnte mit seiner Gattin Elise, geborene Siebert, das Fest des silbernen Ehejubiläums begehen. Ein bitterer Wermutstropfen fiel dadurch in dieses „Fest", daß ine Mutter der Jubilarin am Tage vorher für immer die Augen schloß.
Aus -em Kreis Hann. Mün-en
Hann. Münden. Adolf Aren« f. In ven Sielen verstorben ist, noch nicht 60jährig, einer der angesehensten Vertreter des alteingesessenen Mündener Handwerks, Herr Bäckermeister Adolf Arens. Der Heimgegangene hat sich trotz eines Herzleidens der altgewohnten Weihnachtsarbeit widmen wollen und wurde vor seinem Backofen vom Schnitter Tod erreicht. Die seit zehn Geschlechtern ihr Bäckerhandwerk betreibende Familie gehört zu den führenden ihres Berufes, der Verstorbene hat seine Werkstätten mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet. Aber
Bor kurzem sand eine gemeinsame Sitzung ber Auf- sschtsräte der vrovinziellen Wohnungsfürsorge-Geselliwaft Hessische Heimstätte und der provinziellen «ledlungsgeüll- toaft Hessische Heimat statt. Aus dem Bericht des Geschäftsführers iit zu entnehmen, daß bte Hessische Heimstätte tu diesem Jahr über 800 Bauvorhaben bearbeitet hat. und daß es möglich war, die hierdurch entstandenen sinanzielleu Verbindlichkeiten restlos ,u erfüllen. Die, Versammlung konnte seststellen, daß die Liauidität Ser Hessilchen Heimstätte eine denkbar günstige ist und daß die Gesellichast in der Lage ist, neue Ausgaben, die ihr — rote z. B. tm Falle der Stadtrandsiedlung — von Staats wegen gestellt werden, zu übernebi..v... 2?-.. "
Bortrag des Ge'chästssübrers über einige Siedlungsvor- 8oben der Landsiedlungsgesellschast, aus dem die Am»esen-
uud dort den Würfelbecher schwingt.
So war es bisher und so wird es heute noch geübt in dieser friedlichen hessischen Kreisstadt im Ohmtal und es zeigt sich hier deuMch, daß alte schöne Sitten erhalten bleiben, wenn die Behörde, nicht wie so vielerorts, das Hergebrachte durch schöne Reden zu erhalten sucht, sondern die führenden Männer und Kreise in eigener Person die Gebräuche üben und so auf die beste Weise für ihre Erhaltung sorgen.
den zu ihrer Zufriedenheit entnahmen, daß auch diese Gesellschaft ihrem volkswirtschaftlichen Zweck, gegenüber dem Groß- und Kleingrundbesitz, nachgekommen ist. Auch die Hessische Heimat konnte trotz der schweren Risiken, die augenblicklich im Erwerb und Verkam von Ländereien liegen, ein gutes finanzielles Ergebnis melden.
auch sonst bedeutete er int öffentlichen Leben Mün- , dens eine Persönlichkeit, er war Kirchenvorsteher an Interesse war weiierhtn der ßj. Aegidii, vor Jahren Schützenkönig, war im Fach- „6er sziedlunasvor. | verricht an der Gewerbeschule tätig und in der
Innung einer der ersten. — Eine besondere Ehrung in Gestalt einer Ehrenbüchse verlieh der Verba hessisch-nassauischer Kleinkaliberschützenvereine dem Kreisschießleiter des Kreises Münden, Herrn Dtto Holzheid, für seine besonderen Verdienste. Der Geehrte hat int Jahre 1931 nicht weniger als 13 neue Vereine int Bezirk begründet.
Aus -em Kreise Witzenhausen
Witzenhausen. Weihnachtsbescherung. Am heiligen Abend fand die Weihnachtsbescherung für die Wohl- fahrtsempfänger seitens des städtischen Wohlfahrtsamtes statt. Durch die Not der Zeit ist die Zahl gegenüber den Vorjahren erheblich gestiegen. Unter Mitverwendung der von privater Seite gespendeten Mittel konnten rund 200 Familien und Einzelpersonen mit zirka 12 Zentnern Weizenmehl, 4 Ztr. Grieß, 4 Ztr. Christstollen, 300 Stück Broten, 2% Ztr. Zucker und V/i Ztr. Schmalz bedacht werden. Auch der Vaterländische Frauenverein verteilte in diesem Ja! re in größerem Umfange Lebensmittel, Kleidungsstücke und Wäsche an Hilfsbedürftige. Insgesamt find etwa 100 Familien damit beschenkt rooroen. Die Kleidungsstücke sind zum großen Teil an den regelmäßigen Nähabenden des Vereins hergestellt worden.
Heff.-Lichtenau. Ueberfahren. In Fürstenhagen wurde ein sechsjähriger Junge von einem Personen- trafttoanen auf der Leipzigerstraße so schwer verletzt, daß er von den hiesigen Samaritern in das Kasseler Landeskrankenhaus überführt werden mußte.
Friedensbrück. Vorsicht mit kochendem Wasser! Bei der Handhabung mit kochendem Wasser zog sich die Witwe L. erhebliche Verletzungen zu. Die Bedauernswerte war im Begriff, einen Topf zu entleeren, der ihr aus der Hand rutschte, wodurch sich das kochende Wasser über sie ergoß. Die starken Brandwunden machten die Inanspruchnahme ärztticher Hilfe erforderlich. t a
Romwcrode: Theaterabend. Der Tbeater-A^ub .des Rommeroder Manüolineuklubs Kumeradichast brachte einen vollen Erfolg. Im Mittelvunkt ber sachlichen Bottrags- folae stand Las bocbdramatische Volksstück „Der Glockenguß von Breslau" mit dem Vorsvruck Bleichen Titels. Mit sinnreicher uni lebenswahrer Gestaltung der einzelnen Svieler lief das Drama in ergreifenien Blldern Über bte Bühne. Erstaunlich war es, wie mit Wenig ein Btel und mit einsachen Mitteln Schönes erreicht wurde.
Au« dem Kreis Melsungen
Melfungen. Die Winterhilfe ist noch nicht gänzlich zum Abschluß gekommen, da einige Gemeinden wegen Fehlens der Transportmittel bisher ihre gesammelten Gegenstände noch nicht abgeliefert haben. Zur Ablieferung sind bisher 800 Zentner Kartoffeln, 30 Zentner Getreide, 6 Zentner Hülsenfrüchte, 1 Zentner Speck, Aepfel, Gemüse und andere Sachen gekommen. In der Stadt selbst sind ungefähr 800 Mark bar gesammelt worden. Ungefähr bte Hälfte der gesammelten Gegenstände ist verteilt worden. Zu Weihnachten wurden ven Bedürftigen 251 Pakete zugesandt.
Aus -em Kreise Fritzlar
Fritzlar. Anmeldung von landwirtschaftlichen Angestellten. Die Hessen-Nassauische landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft gibt bekannt, daß Betriebsunternehmer, welche Angestellte (Eutsverwalter, Forstschutz- beatnte usw.) beschäftigen, verpflichtet sind, dieses binnen 4 Wochen nach Beginn der Beschäftigung dem Sektionsvorstand anzumelden und alljährlich eine Nachweisung über die Bezüge derselben einzusenden.
AV weiß alles
■ Roman von Ludwig v.Wohl
außer sich, steht sie im
einen Gruß aus", sagt sie Unterkleid über den Kops
gar. es ist widerlich —
»Dann richten Sie auch während ihr die Alte das zieht.
Splitternackt, empört.
vorbin „So Für Sie
Boden.
Die
dem großen — übrigens — ich soll Sie von Mr. A. X. grüßen, ist mir aufgetragen..."
Bon A. X?.
A. X. follte Liese Geschichte hier inszeniert haben?
Lill läckelt spöttisch, sie bringt das fertig, obwohl diese alte Kröte sie jetzt absucht wie eine Diebin — jeden Zentimenter ihrer Kleidungstücke, ihr Haar so-
Zimmer.
»Grüßen Sie Mr. Trevor", stößt sie hervor.
.Wen?"
»Jetzt tun Sie unschuldig! Mr. Trevor! Ich bin auck nickt von gestern..
Die Tür wird aufgerissen, mit einem Anfschrc flüchtet Lill in die Ecke.
Aber Dan Webster, breit, stiernackig, hat andre Dinge im Kopf als mangelhaft bekleidete junge Mädchen.
„Mach fertig hier — nebenan sind wir gleich fo- weit".
Die Tür knallt nach diesen phthifchen Worten wieder, zu. und die Frau sagt:
„Kenn' keinen Mr. Trevor. Mer Sie könn' mir vielleicht verraten..."
In diesem Augenblick kommt von draußen lautes Gepolter.
Unterdrücke Stimmen, ein Wutschrei dazwischen, ein schwerer Köcker fäfft iu SP^nen Wirrt und eine Stimme brüllt: „Alle ansassen! Rob. Dan. hierher! Der Kerl baut um fick wie'n G^ul".
Und Steffens Stimme aus deutsch: »Ich werd' euck was..
Der Schluß ist ein Aufstöhnen.
„Steffen! schrei« Lill „Steffen...!*
Das Gevolter verdoppelt sich nebenan wird eine Tür aufoerissen. der Kampf zieht sich dort hinein, aber er scheint schon zu Ende, denn die Stimme von
sagt:
— leichte Arbeit war da« nicht*.
Lill ist das nun dock zuviel.
ist einfach vornüber gesunken und liegt am
Decke über sie.
Dann wuchet sie aus dem Zimmer, Las sie ab- schließt, und tritt nebenan ein. wo der Große und der Kleine stehen mit ziemlich ran*onferten Kleidern und auf den Rücken gekesselten Händen, der Große dazu noch mit einer langen Mutenben Schramme aue’- über die eine Backe wea.
Der Raum ist voller schwitzender, schwer atmender Männer, einer sitz« zusammengekrümmt in einer Ecke und wimmert leise
Dan W-bster Me Alte fragend an, und sie schüttelt leise den Kopf.
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Es ist schließlich keine Kleinigkeit, mitten aus ahmmgslosem Zusehen heraus gepackt und in einem Taxi gerissen zu werden, neben einem wildfremden Kerl zu sitzen, der einem feine riesige Mote vor den Mund preßt, daß man kaum Atem holen kann.
Aber Lill ist nicht das Mädchen, das sich so etwas ganz ohne weiteres gefallen läßt.
Hundert Meter weiter hat sie den ersten Schreck überwunden und gibt das zuerst einmal dadurch zur Kenntnis, daß sie den Kerl sehr energisch in die Finger beißt.
Er flucht wild und will nach ihr greifen.
„Lassen Sie das", befiehlt Lill — auf deutsch unwillkürlich
Aber der Mann sckeint verstanden zu haben.
„Was soll dieser Unsinn", fährt sie englisch fort. »Halten Sie sofort an"
„Sony", sagt der Mann nur und grinst, was ihn nicht gerade verschönt. »Geht nick anders. Miß".
»Zehn Pfund, wenn Sie anhalien".
»Si- wissen nid), was Sie wert sind, Miß".
z „Aber...'
»Shut uh! Oder ich muß wieder zufassen — aber so,daß Sie nick beißen könn'! Bleiben Sie hübsch yittten im Schatten, verstanden?*
Wirre Gedanken schießen durch Lills Hirn.
Was bedeutet diese Sacke?
Was will man von ihr?
r Die zerwühlten Hotelzimmer in Paris sollen ihr ein — sie ha« mit Steffen und Klaus immer wieder darüber gefvrocken — es muß da Zusammenhänge geben — oder ist das hier doch nur ein gemeiner Raubüberfall, nickis weiter?
„So is aut. Miß", sagt ber Kerl neben Hr zufrieden. „Wenn Sie weiter hsibfck ruhig sind, tow’n wir ^chn' den Kops nick abreißen*.
Lill bat Mühe, seinen furchtbaren Cockney-Dialekt Au verstehen. ,
Jetzt bient der Tari ein — immer Wicker sieht der Mann hinten durch das Ochsenauge htnaus — sie dreht sich mit um .. .
„Kaps nach vorn. Miß!" befiehlt er scharf.
Also ist hinten etwas zu sehen.
Vielleicht haben Steffen und Klaus doch noch reck zeitig gemerkt, was geschehen ist.
Meder eine Biegung.
Plötzlich, mit einem Ruck hält der Wagen
„Steigen Sie ans. Miß!" sagt der Kerl jetzt wieder ganz freundlich. . .
Zögernd steigt Lill aus — sieht eine schmierige alte Hausfront vor sich, eine Tür acht nach innen auf — der Mann b:n«er ihr schickt sie hinein, bevor sie mehr erkennen kann, ein halbdtrMer Hausflur,
in dem es beklemmend nach Moder riecht — eine »wacklige Stiege.
„Da hinauf, Miß!"
Und während sie emporsteigt, sieht sie: tm Flur unten kauern an den Wänden acht, zehn, zwölf Männer, nur schattenhaft erkennbar — die warten auf jemand — und plötzlich begreift sie — sie warten auf Steff und Klaus.
Das Ganze ist eine großangelegte Falle.
Sie will zurück, aber der Mann hinter ihr drängt sie unwiderstehlich weiter nach oben. Sie will schreien — aber seine Hand leg« sich ihr wieder auf den Mund, und diesmal vergeht ihr wirklich der Atem —
Als sie zu sich kommt, tastet eine dicke schwammige Hand an ihr umher, durchsucht ihre Kleider.
Sie fährt hoch.
„Ruhig! So kann ich nid) suchen*.
Es ist eine Frauenstimme — und jetzt erst sieht Lill: ein altes, unförmlich dickes Weib steht vor ihr, sie liegt auf einem schmierigen Sofa in einem win zigen Zimmer, dessen Tapeten streifenweise herab- häitgen, man bat ihr Schube und Strümpfe auSge- zogen. und außerdem hat sie Schmerzen. Sie greift nach ihrem Hals.
„Nistv hat wobl 'n bißchen zu derb zugefaßt", erkundigt sich die Alte rrrhig. »Na, das bann nie was schaden — umdrehen!"
»Was fällt Ihnen überhaupt ein*.
. Lill ist jetzt soweit.
Sie steht schon wieder und bringt erst einmal ihre Kleider in Ordnung.
„Wo haben Sie meine Sdhrbe hin ..
Die Alte sicht ruhig da, ein kompakter bösartiger Fleisckberg. _ ,
„Macken Sie lein' Unsinn, Miß", sagt sie heiser. »Lassen Sie mich rubia kucken — oder soll ich Dan und Nifttz 'reinholen? Ist Ihn' doch lieber io, nich! Affo! Hinlegen! Umdreben!*
Statt aller Antwort stürzt Lill zur Tür. reißt sie auf. Zwei Männer stehen draußen, der Kerl aus dem Tari ist dabei.
Sie wirst die Tür wieder zu.
Die Alte hat sich nicht aenrbrt
„Wird's hold?" fragt sie nur.
Lill beißt die Zähne aufeinander. *
„Was wollen Sie denn eigentlich?"
»Nichts Besonderes Miß. Ein kleines Papierchen so'n dummen Wisch, mit ’n paar Zeilen Geschreibsel drauf".
»...Geld? Ich habe nur zwölf oder dreizehn Pfund bei mir*. _
»91 ein nein — Geld nick. So sind wir gar mch. So 'ne nette kleine Schrift. Los. los. Miß. wir haben keine Zeit. Mit den Herren unten sind sie womöglich sckon fertig*.
»Mit den Herren?" _ .
„Wie sie unschuldig tut, die kleine Miß Mtt Ihren beiden Freunden natürlich, dem klein n und
___Alte reißt sie bock, mit erstaunlicher Kraft, scklepvt sie wieder auf das Sofa und wirft eine alte
„Was ist mit dem Mädchen?" würgt der kleine Klaus heraus.
»Das hängt von euch ab", sagt Dan Webster. „Bis jetzt ist ihr nichts Passiert, nicht wahr Betz?"
Die Alte nickt.
Steffens Brust geht tote ein Blasebalg auf und nieder.
Zu zehn haben die Kerle Mühe genug gehabt, mit ihnen beiden fertig zu werden
Er ist unten tm Flur gar nicht erst dazu gekommen, feinen Revolver zu ziehen. Mer die ganze Treppe hinaus hat er um sich geschlagen und getreten — und der kleine Burian auch, man sollt's nicht glauben —
Nie in seinem Leben ist Steffen so wütend gewesen.
Zwar, er hat Lills Stimme nicht gehört, dazu war der Lärm zu groß — aber sie in diesem verfluchten dreckigen Haus zu wissen, unter diesen Schweinen, wehrlos —
Er erkennt feine eigne Stimme nicht, als er nun losbrüllt .deutsch und englisch durcheinander — er Weitz auch kaum, was er sagt.
»Seien Sie still Heldruv!" saa- der kleine Klaus gepreßt. „Sparen Sie sich doch Ihre Lust".
Mer Steffen kann nickt still fein.
Er mutz ihnen sagen, daß sie Dreck sind. Hunde, eine gemeine Aasbande, Vieh —
Inzwischen suchen flinke Hände ihre Tafcken durch, legen alle Gegenstände auf einen Tisch und da wieder sichtet sie ein schmächtiger Burscke. der eine Schirmmütze tief in die Stirn gezogen hat
Aus Steffen rechter Roctt"'cke wird ein dicker Brief zutage gefördert, ein versiegelter Brief, den der Schmächtige sofort aufreißt und zu lesen beginnt.
Er nickt Dan Webster zu.
Der tritt zu ihm hin. sie flüstern, ihre Gesichter erhellen sich.
Und dann winkt Wckster, und alle verlassen den Raum.
Der Kerl in der Ecke wimmert noch immer, er kann nicht auf Er hat von Steffen einen Fußtritt gegen den Leib bekommen.
Sie schleppen ibn mit heraus.
Auch die Alte geht.
Von draußen fl rrt ein Schlüssel herum.
»Was zum Teufel .."
»Still, Heldruv — noch nicht!"
Schritte draußen sie werden leiser — die Kerle steigen die Treppe hinab.
Dann wird es ganz still.
»Haben Sie den Brief gesehen?" flüstert Steffen. „Den versiegelten Bries?"
„Natürlich. Wa« ist damit?"
„Ich habe keine Ahnung wie der in meine Tasche gekommen ist!"
„Was?"
»Keinen blassen Schimmer*. ' ।
„So was!"
(Fortsetzung folgt.!
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