Einzelbild herunterladen
 

Nummer 303

21. Jahrgang

Dienstag, 29. Dezember 1931

Kasseler Neueste NaE

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

WMMMWLLSMSMW ®

amntelnummer 6800. Juristische Svrechstunden Dt'nstas und Frettaas 1719 Uhr Sölntschc Strabe 10, L nungöbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt"al Di. SWL

Oer Endkampf um die neuen Postgebühren

Llm Briefporto und Fernsprechgebühren / Oer Kanzler auf Neujahrsurlaub / Oie Vorbereitungen zur Reparationskonferenz

Vor der Sitzung des Verwaliungsrats

Eigener Drahtbertchi.

Berlin, 29. DezemLer.

&n letzter Stunde hat der Reichsverband der Fern- sprechterlnehmer Deutschlands e. V. an den V e r- waltungsrat der Deutschen Reichspost, der am z ?en Dezember, die neuen Posttarife wstsetzi, folgendes Telegramm gerichtet:Ehe die Entscheidung über die neuen Postrarife fällt, weisen wir den Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost nochmals dringend auf die in unserer Eingabe vom 15. Dezember geforderten Erleichterungen im Fern­sprechverkehr hm. Da alle Waren postalisch vorbe­lastet find, halten wir außerdem eine sofortige Sen- Eung aller Scotti, bor allem auch der Vriestporti für unbedingt erforderlich, denn ohne Ermäßigung' des Briefportos wäre auch eine durchgreifende Senkung der Warenpreise in Frage gestellt".

In einem Schreiben an den Reichskvmmissar für Preisüberwachung, Dr. G o e rd ele r, hat der Reichs- vcrdand der Fernsprechteilnehmer Deutschlands e V «Ibenfalls auf die wirtschaftliche Gefahr hingewiesen' die ein unverändert hohes Briefporw mit sich brin­gen würde.

llnb die Personentarife?

Berlin, 29. Dezember.

Die große Gürertarifsentuna bei der Reichsbahn M von allen interessierten Kreisen mit Genugtuung ausgenommen worden. Die Forderungen nach einer «enkung der Pe r so ne nta ri s e find dadurch aber nicht verstummt. Kurz vor Weihnachten wurde erne gemeinsame Denkschrift derHessischen In­dustrie- und Handelskammer" und derHessischen Verkehrsverbandes" der Reichsbahn zugeleitet, die tu sehr konkreter Form Vorschläge für die Senkung der Personentarise enthält. U. a. wird eine gene­relle Senkung der Normalsätze der Personentarife um 10 Prozent verlangt, ferner ein Verzicht der Ab­rundung der Fahrpreise nach oben. (Die Denkschrift beziffert die Mehreinnahmen der Reichsbahn aus dieser Abrundung aus rund 20 Millionen Mark) Ferner wird empfohlen, die Zuschläge für die Gil- und Schnellzüge herabzusetzen und die bisherigen Mindestfahrpreise in der dritten Klasse von 20 auf 15 Pfennig und m der zweiten Klasse von 3o aus 20 Pfeimi« zu ermäßigen.

Wie wir erfahren, wird diese Denkschrift gegen­wärtig in der Tarif ab teil ung der Reichs­bahn einer sehr ge nauen Prüfung unterzogen. Man steht zwar auf dem Stand­punkt, daß nach der großen Gütertarifsenkung eine Senkung der Personentarife finanziell kaum zu ber antworten ist. Immerhin find Vorschläge der Ta mfabteilung zur Verbilligung der Personentarife nicht unmöglich. Reben dem starken Druck der öffentlichen Meinung nv'^t sich auch ein Druck der Reichsregierung geltend, die nach Möglich keit ihrer Preissenkungsaktion zur Durchführung verhelfen will. Die Entscheiduna der Tarifabteilung wird rn Form eines Gutachtens in 8 bis 10 Tagen den zuständigen Stellen mitgeteilt werden. Tann dürfte soso« das Reichsverkehrsministerium zu ihr Stellung nehmen.

KobinetiSsihung ohne Brüning

th. Berlin. 29. Dezember.

Während der Urlaubstage des Kanzlers, der am Sonntag abend Berlin verlassen hat und in den ersten Tagen nach Neujahr wieder zurückkehren

Washington, 29. Dezember.

Präsident Hoover hatte am Montag nachmittag mit S t i m s o n und Mills eine längere Bespre­chung über die Schuldenfrage. Eine amtliche Mit­teilung wurde nicht ausgegeben.

Einflußreiche Regierungsbeamte vertreten die An- sich, daß die Interessen der Vereinigten Staaten in der Frage der Schuldenrevision oder der Ver­knüpfung der Kriegsschulden mit den Tributen ohne Rücksicht auf den Kongreß vertreten werden müßten. Die Entsendung amerikanischer Vertreter zur Tribut- konferenz werde für den Fall, daß sich diese Konferenz ausschließlich mit der Tributfrage beschäftigen sollte, als unwahrscheinlich erklärt. Sollte die Konferenz dagegen auch die Frage der langfristigen Schulden die Währungsfrage sowie europäische Handelsfragen erörtern, so wäre eine amerikanische Teilnahme nicht ausgeschlossen. Die kurzfristige Schuldensrage solle durch die Banken geregelt werden.

wird, liegt die Leitmtg des Reichskabinetts zunächst in den Händen des Vizekanzlers Dr. Dietrich, und da dieser ebenso wie der Reichsinnenminister Dr. Grü­ner, gleichfalls einen Neujahrsurlaub antreten wird, so wird dem dienstältesten Minister, dem Reichspost­minister Dr. Schätze! die Aufgabe zufallen, die Neujahrsansprache namens des Reichskabi­netts an den Reichspräsidenten von Hindenburg zu richten. Außerdem wird der Reichspostminister vor­aussichtlich den Vorsitz in der Kabinettssitzung führen, die heute oder morgen stattsinden soll, um eine Reihe kleinerer Angelegenheiten zu erledigen, die an den Termin des 31. Dezember gebunden sind. Dinge von großer Politischer Bedeutung befinden sich nicht auf der Tagesordnung.

Hindenburgs Rundfunkansprache.

Zur Vorbereitung für die Rundfunkansprache, die der Reichspräsident am Silvesterabend 9,30 Uhr hal­ten wird, ist jetzt eine Mikrophonanlage im Arbeits­zimmer des Reichspräsidentenpalais eingebaut wor­den. Es ist das erstemal, daß der Reichspräsident in seiner Amtszeit eine derartige Rundfunkansprache hält. Er hat lediglich vor feiner Wahl im Frühjahr 1925 einmal durch den Rundfunk gesprochen. Es ist ferner beabsichtigt, aus Anlaß biefer Neujahrsan­sprache eine photographische Aufnghmß her- ;ustellen, die den Reichspräsidenten am Mikrophon des Rundfunks zeigen wird und die dann selbstver­ständlich sofort veröffentlicht werden soll. Man sieht dieser Ansprache des Reichspräsidenten mit beträcht­lichen Erwartungen entgegen, besonders, da er wahr­scheinlich auf die schwebenden außenpolitischen Probleme eingehen wird.

Rings um de» Baseler Bericht.

In außenpolitischer Hinsicht beschäftigt man sich gegenwärtig in Berlin mit dem Echo, welches der Baseler Bericht in Amerika und Frankreich ge­funden hat. Allerdings ist in biefer Hinsicht wenig Anlaß zur Zufriebenheit vorhanben. benn in beiden Ländern zeigt sich eine allzu starke Zurück­haltung bzw. Gegnerschaft gegenüber dem Plane einer gemeinsamen Revision der Reparationen und der in­teralliierten Schulden.

DieGermania" erwidert heute auf eine Aeußerung des PariserT e m p s", indem sie unter anderem fragt, ob man sich in Frankreich schon einmal Rechenschaft darüber abgelegt habe, daß das Ein­greifen des Staates in das Getriebe der freien Wirt­schaft durch die völlig anormalen Zustände erzwun­gen worden ist, in welche Deutschland durch die Ver­tragsbestimmungen von Versailles, durch die Repara­tionsausblutung seiner Wirtschaft und durch die stän- dtgen polttischen Beunruhigungen gestürzt worden ist.

Gegen die Z u r ü ck h a l t u n g der A m e r i k a n e r wendet sich derV o r w ä r t s", der unter anderem letont, die Haltung der Vereinigten Staaten zu dem Reparations- und Schuldenproblem fei alles andere als erhebend. Die europäischesStaaten würden aus Amerika dauernd mit mehr ober ntinber guten Rat­schlägen versorgt, unb wenn es gelte, aktiv einzu­greifen und zu helfen, bleibe bann regelmäßig eine grandiose Drückebergerei. Nur politische Kindsköpfe könnten sich in Deutschland über unfrcunb« liche Worte oder Handlungeit freuen, die von ameri­kanischer Seite gegen Frankreich gerichtet sind, denn praktisch wirkten sich solche Demonstrationen immer nur gegen das deutsche Volk aus.

Senator B o r a h lehnte eine Teilnahme erneut ab indem er wiederum darauf hinwies, daß nur eine völlige Streichung der Tribute Zweck haben würde.

London, 29. Dezember. Rach dem Pariser Mit­arbeiter derTimes" wird in Paris die Möglichkeit eines gemeinsamen englisch-französischen Schrittes in Washington erwogen. Wenn gewisse Anzeichen nicht trügen, so solle man Washington den Vorschlag unter­breiten, bet kaum einen Zweifel darüber lasse, daß weniger eine Bitte an Amerika als vielmehr eine von der Rotwendigkeii diktierte Feststellung gemacht werde

Haag oder Lausanne?

London, 29. Dezember.

Times" meldet: Der französische Botschafter de Fleuriau sprach gestern nachmittag im Foreign Cffice vor und wurde vom Staatssekretär des Aeußcren empfangen. Es verlautet, daß die fran­

zösische Regierung dringend wünscht, mit möglichst geringer Verzögerung zu einer Vereinbarung über die Einberufung der internationalen Reparationskon­ferenz zu kommen. Die französische Regierung ist der Meinung, daß die Konferenz frühestens am 20. Ja­nuar zusammentreten kann, weil die Kammer am 12. Januar ihre Arbeiten wieder aufnimmt. Sonst würde das Datum der Eröffnung der Reparations­konferenz dem Beginn der Genfer Völkerbundsrats­tagung am 25. Januar sehr naherücken, und eine Woche später soll in Genf die Abrüstungskonferenz beginnen. Es ist daher angeregt worden, Lausanne für die Reparationskonserenz zu wählen.

¥

Berlin, 29. Dezember. Wie von hiesiger zuständi­ger Stelle mitgeteilt wird, ist die Frage, wann und wo die bevorstehende Tributkonferenz stattsinden soll, zur Zeit noch vollkommen offen. In politischen Krei­sen wird jedoch erklärt, daß der H a a g als Konferenz­ort für alle Teilnehmer durchaus zweckmäßig liegen würde. In den gleichen Kreisen wird die dritte Ja­nuarwoche als Zeitpunkt für den Beginn der Kon­ferenz genannt.

Doch Verschiebung

-er Abrüstungskonferenz?

Genf, 29. Dezember.

Die englische Regierung hat, wie hier ver­lautet, in den letzten Tagen bei den meisten euro- päijchcn Regierungen und auch in Washington diplo-

Moskau, Ende Dezember.

lieber die Führerschaft des Bolschewismus herr­schen im Auslande sehr unklare Vorstellungen. In Sen folgenden Zeilen sollen die gegenwärtigen Macht­haber charakterisiert weiden. Natürlich kann ich in diesem kurzen Bericht nur kleine Streiflichter geben. Die alte Garde der großen Revolutionäre ist fast aus- gestorben. Man würde sich aber täuschen, wenn man annimmt, daß jetzt nur noch CItobermänner an der Spitze stehen. Im Gegenteil find die meisten alte Bolschewiken, die bereits zur Zeit der Spaltung in der Redaktion der ZeitungIskra" (Funke") aus Sie Seite Lenins traten, also nicht erst durch die rnen- schewistische Schule liefen. Allerdings handelt es sich um Männer, die in den damaligen Zeiten keine übe« ragende Rolle in der Partei gespielt haben.

Vorausnehmen will ich Tschitscherin, der einem alten Landadelsgeschlecht entstammte und wäh­rend seines Aufenthalts in Berlin in die Streife der emigrierten russischen Studenten und somit in die revolutionäre Bewegung kam. Zweifellos war er der hervorragendste Diplomat der Bolschewiken, der die Technik der Politik blendend beherrschte. Ein schwe­res Zuckerleiven hat ihn endgültig von bem Schau­platz seiner Tätigkeit verbannt. Sein Nachfolger Litwinow ging nach bem Abiturium soso« in die Arbeiterbewegung, wurde später in Kiew verhaftet und gelangte aus dem dorttgen Gefängnis nach einer sehr abenteuerlichen Flucht als Emigrant nach Eng­land. Er gehört wie sein Kollege für asiatische Fra­gen, » arachan, ehemaliger Berufsjournalist, den Vorkriegsbolschewiken an. Krestinsski, der di­rekte Stellvertreter Litwinows, interessiert uns be­sonders als ehemaliger Sowjetbotschafter in Deutsch­land. Bereits als revolutionärer Student schloß er sich 1903 Lenin an. Er gehört zu den wenigen, die nie in Emigration lebten, wohl aber oas Gefängnisle­ben uns das Exil in Sibirien kannten. Bei Ausbruch des Weltkrieges wurde er nach dem Ural verbannt. Der gegenwärtige Sowjetbotschafter in Berlin, C h i n t s ch u k, gehört nicht zur alten Garde. Er war noch am Jahre 1917 als Menschewik Vorsitzender ses Arbeiter- und Soldatenrats in Moskau. Erst später trat er aus Die Seite der Bolschewiken über. In seiner revolutionären Lausbahn kam er durch die radikale Konsumgenossenschaftsbewegung nach vorn. Soweit die führenden Sowjetdiplomaten.

Ter tatsächliche Führer, der Gaorgier Stalin oder Dshugaschwili, war bereits aus dem Priester­seminar als fünfzehnjähriger Bengel wegen seiner radikalen Ansichten hinausgeworfen worben. Selbst- verstänidlich war er nachher erst recht dem Radikalis­mus ausgeliesert. In der Emigration hat er tue ge­lebt; er hat daher keine unmittelbare Kenntnis vom Leben im Auslande. Ein wirklicher Veteran ist Ka­linin, nach deutschen Begriffen im Range eines Reichspräsidenten. Von Geburt ist er ein Bauer aus öem Gouvernement Twer, dann wurde er Arbeiter und durch sie Arbeiterbewegung der Revolution in die Arme getrieben. Er ist ein netter alter Herr ge-

inatische Schritte unternommen, um den Standpunkt der einzelnen Regierungen zu dem Beginn der bevor­stehenden diplomatischen Konferenzen festzustellen. Auf englischer Seite hält man nach wie vor an der Aufsas- snng fest, daß ein zeitliches Zusammenfal« len der Tributkonserenz mit der Abrü­stungskonferenz vermieden werden müsse. Man befürchtet, daß die voraussichtlich am 18. Januar beginnende Tributkonferenz unter dem Druck des naheliegenden Zeitpunktes der zum 2. Februar einbe­rufenen Abrüstungskonferenz gezwungen fein würden, ihre Arbeiten mit einer nicht wünschenswerten Be­schleunigung bis zum Beginn der Abrüstungskonferenz abzuschließen.

Man hält im Hinblick auf die außerordentliche Be­deutung der zur Verhandlung kommenden finanzpolt- tischen Fragen eine derartige zwan^smäßlgc Be­fristung der Arbeiten nicht für wünschenswert, insbe­sondere, da bereits am 25. Januar der Völkerbunds- rat und am 21. Jan. die Europakommtsston tn Gens zusammentreten, an denen nach den bisherigen Gepslo- aenheiten die Außenminister der Großmächte tetlneh- inen. In den Verhandlungen sollen die Regierungen keinerlei grundsätzliche Bedenken gegen eine z w ei - bis dr ei Wöchige Verschiebung der Abrüstungs­konferenz geltend gemacht, es jedoch abgelehnt haben, in dieser Angelegenheit die ersten Schritte zu tun. Auf Grund dieser Verhandlungen hängt nunmehr die Ent­scheidung über eine etwaige Vertagung der Ab­rüstungskonferenz von der weiteren Stellungnahme der englischen Regierung ab.

worden, der auch jetzt noch in Fühlung mit den Bau­ern geblieben ist. Die Emigration und das Ausland lernte er nicht kennen. Nach deutschen '-Begriffen ist Molotow der Kanzler. Sein Name ist ein Pseu- sonym für Skrjabin. Er ist auch mit dem bekannten Komponisten gleichen Namens verwandt, entstammt einer reichen staufmannSfamUie und wurde wie viele andere Wirrköpfe bereits als Student von der da­mals modernen revolutionären Welle erfaßt. Inter­essant i-st vielleicht an Molotow, daß er als einziger nicht verhafteter Rcvolittwnär während des Ausbru­ches der Februarunruhen in St. Petersburg war. Der Vizekanzler Kuibyschew ist ebenfalls ein alter Vorkriegsbolschewik, der allerdings wie die meisten gegenwärtigen Machthaber damals keine besondere Rolle spielte. Neben Stalin ist der einflußreichste Parteimann K agano witsch, Mitglied des Polit­büros (also der offiziell höchsten Parteibehörde), Se­kretär des Zentralkomitees und Führer der moskauer kommunistischen Organisation. Sein Berufsleben be­gann als Zuschneider einer moskauer Schuhmacherei. Historisch ergänzens sei hinzugefügt, Saß es noch heute in Moskau Arbeiter gibt, die Kaganowitsch an- lernten. Zu den Bolschewiken kam er durch seinen Verkehr mit den radikalsten Elementen der Arbeiter­bewegung. Auch er kennt nicht Emigration und Ausland, Wohl aber sehr gut Sibirien, lieber den alten, mit allen Wassern gewaschenen, mit allen Tü­chern getrockneten und trotzdem in Ungnade gefallenen Revolutionär Sinowjew, der stets ein radikaler Schriftsteller gewesen war, brauche ich, glaube ich nicht viel zu sagen: Vor kurzer Zeit schien es, daß Sinowjew als altbewährtes Stehaufmännlein wieder eine glänzende Zukunft vor sich habe. Die Gegenwart scheint aber viese Annahme Lügen zu sttafen. Die Karenzzeit wird wohl für Sinowjew noch eine ganze Weile dauern. Etwas glücklicher ist das Schicksal seines Berufskollegen Radek, des _ gerissensten Schriftstellers der Bolschewiken, für dessen Beweis­führungen Weiß und Schwarz keine Unterschiede sind. Er war zunächst polnischer, dann deutscher So­zialdemokrat und schloß sich erst während des Krie­ges, Morgenluft witternd, den Bolschewiken an.

Im Parteisinne einflußreich ist auch der Eisen­bahnminister Andrejew, dessen Laufbahn als Pic­colo in einem Restaurant begann, woran allerdings nur noch seine Vorliebe für Sas Billardspiel erin­nert. Er kam durch die radikalen Elemente der Ge­werkschaftsbewegung zu den Bolschewiken. Lew Bo­rissowitsch Kamenew, ein ewiger Oppofttionär innerhalb des bolschewistischen Tiadochenkampfes, geistreich, aber keine Führernatur, ist ein altes Par­teimitglied und ein ehemaliger Rechtsanwalt, der viele Revolutionäre im Zarenreich verteidigte. Sein heutiger Gegenpol ist Ser erft kürzlich vom Staatsan­walt zum Sowjetrechtminister erhobene Rikolaj Was­siljewitsch K r y l e n k o, sattsam bekannt durch den Schachtyprozeß und ähnliche massenhaft Todesurteile fordernde Schauprozesuren. Richt allgemein bekannt dürfte es sein, daß er als Abram für die Bolschewitt

Amerika und die Reparaiionskonferenz

Englisch-französischer Vorstoß in Washington?

Oie bolschewistische Führerschaft

Von unserem Moskauer Korrespondenten Karl-Hans Görbing.