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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 302 *
21. Jahrgang
Montag, 28. Dezember 1931
Direkte Fühlungnahme Macdonalds mit Laval
Amerikas //Nichteinmischungspolitik" / Abschluß der Stillhalteverhandlungen erst in vierzehn Tagen / Oie Gebührensenkung der Reichspost
Oie englische These
Eigen«, Drahtbericht.
Der gordische Knoten
Bon Staatssekretär z. D. Frhr. v. Rheinbaben.
Paris, 28. Dezember.
Ministerpräsident Maedonald hat dem sran- göfischen Ministerpräsidenten ein Schreiben überreichen lasten, in dem er dem Wunsch« Ausdruck gibt, vor der bevorstehenden Regierungskonferenz eine persönliche Aussprache stattfinden zu lasten.
Der außenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris" Pertinax erinnert in diesem Zusammenhang noch einmal an die ergebnislosen Besprechungen zwi- schen dem französischen Finanzminister Flandin und Leith Rotz.
Die englische These ginge dahin, Deutschland ein fünfjähriges Moratorium zu gewähren und Frankreich zu dem Verzicht auf seine Reparationsforderungen einschließlich des ungeschützten Teiles zu bewegen, und es auf der anderen Seite durch die Aufhebung seiner Schulden an Amerika schadlos zu halten.
Finanzminister Flandin machte demgegenüber geltend, daß Deutschland mindestens den ungeschützten Teil der Reparationen zahlen müsse, der ihm unter Umständen in Form eines Kredites an die Reichsbahn wieder zur Verfügung gestellt werden könne, wie dies bereits gelegentlich des Hoover,iwratoriums der Fall gewesen ist Nach Wiederherstellung besserer wirtschaftlicher Verhältnisse solle Deutschland jedoch die Reparationszahlungen in vollem Umfange, wieder ausnehmcn und nur vom ungeschützten Teil befreit werden, wenn Amerika seinerseits auf seine Schuldenforderungen verzichte.
Die beiden Finanzsachverständigen wurden sich darüber einig, daß Schritte unternommen werden müßten, um die Gläubigermächte Deutschlands nach Gewährung eines Moratoriums von der Schulden- zahlung an Amerika zu befreien. Die von Mac- douald angestrebte Unterredung mit Laval scheint auch in erster Linie der Lösung dieser Frage zu dienen.
Pertinax erklärt hierzu, daß die Ausstellung einer gemeinsamen englisch-französischen Front sehr wohl möglich sei. Maedonald habe seine sozialistischen Mitarbeiter über Bord geworfen. Wenn er sich nun auch dazu entschließe, sich auch von den deutschfreundlichen Anhängern zu befreien, so sei eine Einigung zum besten Europas (?) sehr wohl möglich.
Amerika europamübe!
Washington, 28. Dezember.
An höchsten Washingtoner, mit dem Weißen Haus und dem Staatsdepartement in engster Verbindung stehenden Amtskreisen wird erklärt, daß Amerika keinen Vertreter zur Haager Konferenz entsenden werde. Die Hooverregierung beabsichtige, Europa gegenüber solange eine Richteinmischungspolitik zu verfolgen, als es sich nicht für die Sicherung der deutschen Zahlungsfähigkeit und für die Vorbereitung zur Wiederkehr der europäischen wirtschaftlichen Erholung verbürge. Die Opposition im Kongreß gegen jegliches Zugeständnis in der Schuldenfrage zwinge die Regierung, ihre ganze Kraft den inneren Wirtschaftsfragen zuzuwenden. Augenblicklich sei selbst die Entsendung eines Beobachters zweifelhaft.
Im Zusammenhang mit der Ankündigung des Staatsdepartements, von einer Teilnahme an der Reparationskonferenz abzusehen, erfährt „Herald Tribüne" aus offiziellen Kreisen, die Regierung sei der Ansicht, daß Europa vor allem zwei Aufgaben lösen müsse: Die Frage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands und die Aufstellung eines Programmes zur wirtschaftlichen Erholung Europas. Würde ein solches Stabilisierungsprogramm zustande kommen, so sei die Regierung geneigt, die S ch u l- denfrage in Erwägung zu ziehen. Dabei werde sie jedoch die Zahlungsfähigkeit der einzelnen Länder individuell berücksichtigen. Keinesfalls beabsichtige die Regierung, irgendwie die Folgen einer Einstellung der Reparationszahlungen auf sich zu nehmen
Deutschland braucht Atempause
s London, 28 Dezember.
Zum Baseler Sachverständigenbericht sagt „$inte8", der Bericht sei vielleicht etwas mager, wirke aber durch seine strenge Sachlichkeit äußerst etndrucks- t»ll. Ws die wichtigsten Schlußfolgerungen des Be- rich.s erscheinen dem Blatt, daß der Youngplan die MögliöUeit einer schweren Krise nicht in Rechnung gestellt habe, und daß Deutschland nicht imstande sein werde, im nächsten Sommer die Zahlung auch nur der ungeschützten Annuitäten wieder aufzunehmen. Wenn Deutschland keine ausreichende Atempause er- -alre, um wieder zahlungsfähig zu teertest, würde
es nicht imstande sein, irgend etwas zu bezahlen. Die Wiederherstellung des deutschen Kredits erfordere mehr als ein bloßes Moratorium von zwei, drei oder auch fünf Jahren. Wenn die Reparatjonsschuld Deutschlands nicht auf eine Summe festgesetzt werde, die den Ausländer ermögliche, Deutschland weiterhin vertrauensvoll Geld zu leihen, dann werde Deutschland außerstande fein, Reparationen zu bezahlen. Ein bloßes Morawrium. sagt „Times", das Deutschlands endgültige Verbindlichkeit unberührt läßt, würde lediglich die Krankheit verlängern und zu einer neuen, gefährlichen Krise führen. Aus diesem Grunde habe die britische Regierung in ihrer neulichen Antwort energisch auf eine dauerhafte Lösung dieser Frage gedrungen.
Der liberale .News Chronicle" erklärt, es handele sich jetzt nicht nur um eine deutsche Frage, sondern um ein Weltproblem. Ohne eine befriedigende Regelung der deutfchen Finanzlage werde der H a n- del völlig ins Stocken kommen und die finanzielle Lähmung der Welt werde andauern unb sich verschlimmern.
„Financial Times" schreibt, der Bericht gebe einen deutlichen Wink, daß die Gläubiger Deutschlands nach einem Verzicht aus ihre Reparationseinnahmen nicht imstande fein würden, die Last ihrer Zahlungen a" die Bereinigten Staaten weiter ;rr . •rn* tf-ct
hinzu: Wenn die Vereinigten Staaten nicht Zuge ständnisse machen, die über das Hoover-Jahr hinaus- gehen, könnte Europa sich gezwungen sehen, die Initiative zu ergreifen.
Wir erinnern uns alle der Geschichte vom gordischen Knoten. Alexander der Große hieb ihn mit dem Schwerte durch, einmal, weil die Stricke des Ochsengespannes so sehr ineinander verwickelt waren, daß ein Auseinandertrennen auf natürlichem Wege nicht möglich war, und zweitens, weil nach der Weissagung für denjenigen, der den Knoten „löste", die Weltherrschaft in Aussicht gestellt war. Kamt diese alte Legende auf die heillose Verstrickung der internationalen Schulden, die finanzielle Weltkrise und insbesondere auf die deutsche Lage und Aufgabe in ihr angewandt werden? Gehen wir zur Klärung unserer Gedanken hierüber einmal unabhängig von dem umstrittenen Ergebnis des Baseler Gutachterkonsiliums auf einige einfache Ueberlegungen und Tatsachen zurück.
Zunächst sollte man sich immer wieder sagen, daß die sogenannten „Reparationsleistungen" ganz überwiegend politischen Charakter haben. Zwar mutzten 1919 zunächst die Versailler Kriegsschuldthese (Artikel 231), die Zerstörung des vierjährigen Schlachtfeldes in Frankreich und Belgien sowie für England der Verlust eines großen ’-*TJ£5 feiner Handelsflotte dazu bcrhalten, um in •V I Fonnelr '
■*- L eine Zitrone — laßt Deutschland zahlen, saß es aületscht", uns eine scheinbar finanziell begründete Kriegsentschädigung aufzuerlegen. Aber spätestens im Jahre 1923 stellte sich in der frevelhaften -Ruhr-
Nach der
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eihnachtspaufe
Von unserer Berliner Schriftleitung.
th. Berlin, 28. Dezember.
Die Weihnachtstage sind in Berlin in politischer Hinsicht in vollkommener Stille verlaufen. Einige Mitglieder des Reichskabinetts haben kurze Urlaubsreisen angetreten. Der Reichskanzler hat sich in der Umgebung von Berlin aufgehalten. Heute, spätestens morgen wird das Reichskabinett seine Arbeiten förtsetzen und sich zunächst mit dem Bericht des Baseler Sonderausschusses beschäftigen. Das Hauptinteresse konzentriert sich jedoch auf die
Stillhalteverhandlungen,
die heute bereits ihren Fortgang nehmen, und die nach der Voraussage des Kanzlers noch etwa vierzehn Tage dauern werden. Der Verwaltungsrat der R e i ch s p o st wird wahrscheinlich am morgigen Dienstag die Einzelheiten der angekündigten Postgebührensenkung endgültig festsetzen. Es liegen einige Mitteilungen vor (stehe die weiter unten mitgeteilte Meldung!), in denen bereits der veränderte Posttarif int wesentlichen angegeben ist, doch dürften diese Mitteilungen zunächst mit Vorsicht aufzunehmen sein, da durchaus die Möglichkeit besteht, daß vom Verwaltungsrat noch einige Aenderungen vorgenommen werden.
Nach dem Abschluß der Stillhalteverhandlungen erwartet man
für die zweite Hälfte des Januar die große Regierungskonferenz
für die vom deutschen Standpunkte aus nach wie vor die gemeinsame Behandlung der Reparations- und Kreditfrage gefordert wird. Ob biefe Konferenz, wie ber „Petit Paristen meint, am 18. Januar im Haag beginnen wirb, ist vorläufig noch ungewiß. Es han- belt sich bei biefen Angaben lediglich um eine Vermutung des bekannten Pariser Blattes, unb in Berlin liegt bafür noch keine SBegrünbung vor. Das Datum würbe jebensalls ber denkbar früheste Termin sein, ba erst ganz kurz vorher bie Stillhalteverhanb- lungen beendet fein werden. Der Ort ber Konferenz ist jebensalls noch umstritten, unb von englischer Seite ist bereits erklärt wotben, baß ange- ichts der schlechten englischen Valuta Holland für England ein etwas zu teuerer Boden fein werde, lieber Ort und Beginn der Konferenz, sowie über die Beurteilung des Baseler Berichts u bie dipto matische Fühlungnahme zwischen ben europäischen Hauptstädten in ben nächsten Tagen beginnen. Das Programm für bie
offiziellen Feierlichkeiten beim Jahreswechsel
ist noch nicht in allen Einzelheiten festgestellt, ba es im Augenblick noch unsicher ist, ob ber Kanzler feine Absicht aussührt, die Tage um die Jahreswende herum zu einer Urlaubsreise zu benutzen. In diesem Fall« würde ein anderes Kabmettsmitglied die Se-
grüßungsansprache beim Empfang, den der Reichspräsident abhält, übernehmen. Die Reihe der offiziellen Empfänge beim Reichspräsidenten wird auch diesmal wie immer am 1. Januar mittags 12 Uhr vom diplomatischen Korps eröffnet und bann folgt ber Empfang des Reichskabinetts, sowie ber Vertreter bes Reichstags, des Reichsrats, der Reichsbank und der Reichsbahn. Für diesen Neujahrstag ist außerdem vor der Reihe der offiziellen Empfänge ein Besuch ber Vereinigung ber Halloren aus Halle beim Reichspräsidenten vorgesehen. Damit wirb an eine alte Trabition wieder angeknüpft, denn diese Vereinigung hat feit 1914 jetzt zum ersten Male wieder um einen Neujahrsempfang beim Reichs überhaupt nachgefucht.
Am Silvesterabend 9 Uhr 30 wird der Reichspräsident die bereits angekündigte Rundfunkansprache halten, wobei man aunimmt, daß er diesmal besonders aus die außenpolitische Lage ein- gehen wird.
Oie Gebührensenkung bei der Reichspost
Berlin, 28. Dezember.
Anfang ber Woche werden der Arbeitsausschuß und der Verwaltungsrat ber Reichspost zusammentreten, um die vorgesehene Gebührensenkung im einzelnen festzulegen. Wie der „Berliner Lokalanzeiger" in Ergänzung ber bisherigen Mitteilungen meldet, wird dem Arbeitsausschuß ein Vorschlag vorliegen, der u. a. eine Ermäßigung der Bebührenderechnung für Pakete Vorsicht. Die Zustellungsgebühr, bie bisher in allen Zonen 20 Pfennig betrug, soll in Zukunft auf 15 Pfennig herabgesetzt werden. Dadurch würde sich die Paketgebühr bei einem Paket bis zu 5 Kilogramm in der ersten Zone von 50 auf 45, in ber zweiten Zone von 60 auf 55 unv in ber britten bis fünften Zone von 80 auf 75 Pfennige ermäßigen. Bei Paketen mit anderen Gewichten würoe eine ent» fprechende Herabsetzung eintreten. Eine weitere Neuregelung soll dahin gehen, daß sich der Empfänger bie Pakete selbst abholen unb bamit bie Zustellungsgebühr von 15 Pfennig sparen kann.
Im Fernsprechwesen soll bie Grundgebühr unangetastet bleiben, bagegen eie Gesprächsgebühr von 0,10 auf 0,09 RM. herabgesetzt werden. Die einmaligen Kosten ber Errichtung eines Fernsprechanschlusses, bie 50 RM. betragen, sollen nicht herabgesetzt werben. Im Telegrammverk hr soll bie Gebühr für ein Wort von 0,15 auf 0,12 RM. herabgesetzt werben. Die Druck fachen gebühr, bie bisher für 20 Gramm 4 Pfennig betrug, soll auf 3 Psg. gesenkt werden. Weiter soll bet Wurfsendungen, die bisher 2 Pfennig betrugen, eine gestaffelte Herabsetzung eintreten. Bei Wurfsendungen über 1000 Stück werde bie Gebühr künftig 1,5 Pfg. betragen. Briefe, Zahlungsverkehr und Rundfunkgebühren sollen bei der Gebührensenkung nicht berücksichtigt werden.
invaston ber politische Charakter der stets i« erster Linie von Frankreich vertretenen „Reparationsforde- rung" klar heraus. Das Rheinland sollte abgetrennt und mit Hilfe unerfüllbarer Geldforderungen bet beutsche Staat enbgültig zerschlagen werben. In äußerster Selbstwehr Deutschlanbs unb durch das Eingreifen ber beiben angelsächsischen Mächte wurde diese Politik vereitelt. Deutschland bezahlte fortan mit geborgtem Gelbe. Es ruinierte schließlich sich selbst unb bie Weltwirtschaft dazu. ,
Wäre bas Hoover-Feierjahr am 1. Juli 1931 nicht in Kraft getreten, bann wäre damals schon bas ganze internationale Verschulbungssystem zusammengebrochen, bas ja bekanntlich gegen unseren Willen darauf aufgebaut ist, daß Deutschland bie Schulten feiner europäischen Gläubiger an Amerika bezahlt plus 612 Millionen Mark „unbebingter" jährlicher Leistung, von denen allein F r a n k r e i ch den Löwenanteil von 400 Millionen Mark erhält, mit denen es nicht zuletzt feine gegen Deutschland gerichteten enormen Rüstungen finan« ziert! Da Deutschland, wie auch immer bie Entscheidung der auf Grund des Baseler Gutachtens im Januar 1932 einzuberufenben Reparativns- n 4 formalrccbw* -wsfa«en maa.
aus keinen Fall ab 1. Juli 1932 die Zahlungen Bong-Planes wieder anfnehmen wtrd, sehen sich die^ -HH europäischen Gläubiger — es soll der Einfachheit halber hier nur von Frankreich unb England gesprochen werben — gezwungen, ihr eigenes Schuldverhältnis zum letzten Gläubiger, Amerika, zu rebibieren, wenn sie nicht ohne Empfang teutscher Tribute plötzlich aus eigener Kraft bie seinerzeit zwischen ihnen und Amerika — unter erheblichem Nachlaß zu ihren Gunsten -* abgeschlossenen Rückzahlungsverträge erfüllen sollen. Dazu hat zunächst England nicht die geringste Lust, zumal es infolge Abrutschens seiner Währung zur Abdeckung feiner Goldschulden mitten in schwerster Wirtschaftskrisis so erhebliche Steuern ausschreiben müßte, daß mit dem allerschärfsten Widerstand seiner öffentlichen Meinung zu rechnen wäre. Frankreich sieht durch den infolge Zahlungsunfähigkeit Deutschlands eiugetreteneu Wandel gleich zwei schwere Gefahren: Einmal droht ihm die politische Waffe ter Tribntforderung gegen Deutschland zu entgleiten, unb zum unteren würbe es ihm Amerika gegenüber sehr schwer fallen, toieber wie in den ersten Nachkriegs- jahren die Rolle des „armen, vergewaltigten, zerstörten Schützers von Gerechtigkeit und Zivilisation" zu spielen und etwa auf Grund ber Moratoriumsklausel in seinem Schulbvertrag mit Amerika zu behaupten, es könne bei einem Rüstungsetat von 3,3 Milliarben Mark im Jahre 1921 (Der Rüstungsetat 1932 wirb noch höher sei ') seine Kriegsschulden nicht weiter abzahlen. Um dieser Situation zu begegnen, kämpfte der französische Delegierte Rist in Basel politisch gegen wirtschaftliche Vernunft und Tatsachen, soll nach dem Wunsche des Herrn Laval der Bonng-Plan formal auf jeden Fall aufrechterhalten und eine provisorische „Depressionslösung" gefunden werden, wird seit Monaten in ter französischen Presse und in sprupellosester Auslandspropaganda die Behauptung verbreitet, Deutschland habe sich, je nachte..: leichtfertig ober mit böser Absicht, Milliarben gepumpt unb sie absichtlich vergeudet, um sich seinen Verpflichtungen auf Grund „geheiligter Verträge" zu entziehen!
Soweit in großen Zügen bie Lage unb Entwicklung bes Schuldenproblems, wie sie als Unter- unb Hintergrunb ber Gutachtertätigkeit der Baseler Experten sich darbot. Unb während bie hohen Herren an ihren Berichten herumfeilten, kam aus Washington die Trauerkunte von einem Verhalten des amerikanischen Kongresses, das nach einem treffenden Wort des englifchen Times-Korrespondenten „bie Uhr rückwärts stellte", b. h. an das Verhalten des Kongresses im Jahre 1920 erinnerte, als Präsident Wilson desavouiert wurde und die verhängnisvolle Periode der Abkehr Amerikas von Europa begann. Der Kongreß bewilligte zwar nachträglich das Hoover-Feierjahr vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932, er sprach sich aber ausdrücklich gegen Streichung oder Herabsetzung auswärtiger Schulbenverpslichtungen aus. Hiermit nahm er auch gegen ben Prästbenten Hoover selbst Stellung, ber natürlich amtlich genau über bie ungeheure» Schwierigkeiten ber europäischen Schul- ben-Verhältnisse unterrichtet ist unb als Sicherheitsventil bent Kongresse vorgeschlagen hatte, bie seinerzeit nach dem Kriege geschaffene Schuldenkommission, erneut zu ernennen, beten Aufgabe es sein sollte, bie Verhältnisse eines notleibenben Schuldners zu „überprüfen" . . .
Was nun? Im Aoung-Plan gibt es im Anhang ein Memorandum und, daraus gestützt, ein Abkotn- .