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Kummer 301*

Donnerstag, 24. Dezember 1931

21. Jahrgang

Lösung der deutschen Frage oder Katastrophe!

Das Gutachten des Baseler Sonderausschusses: Das deutsche Problem in weitem Maße Ltrsache der finanziellen Lähmung der Welt

Einigung in Basel

Basel. 24. Dezember.

I« den Besprechungen, die der gestrigen aus 8J4 Nhr vorverlegten Schlußsitzung des Beraten­den Sonderausschusses voraufgingen, ist eine vollständige Einigung über den Gesamttext des Schlußberichtes erzielt worden.

Der Bericht wurde gestern abend gegen 10 Uhr in einer nichtöffentlichen Vollsitzung des Ausschusses unter Vorsitz von Pros. Beneduee (Italien) von sämtlichen Mitgliedern des Ausschusses unter­zeichnet. Der Bericht trägt nunmehr die Unterschriften folgender Persönlichkeiten: Beneduee (Italien), Melchior (Deutschland), Lahton (Großbritannien). Rist (Frankreich), Francgui (Belgien) Colijn (Holland). Rydbeck (Schweden). Bindschedlcr (Schweiz). Djuritsch (Jugoslavien), Rogara (Japan). Die Mitglieder des Ausschusses haben größtenteils sofort nach Beendigung der Sitzung Basel wieder verlassen.

Oie vier Ka^iiet

Basel, 24. Dezember.

Das Gutachten des BJZ.-Ausschuffes umfaßt 24 Seiten. Zahlreiche Anlagen find beigefügt.

Deutschland in Der Krise

Kapitel 1 gibt einen Ueberblick über die gegen­wärtige Lage Deutschlands und ihre Entwicklung. Die Ausfuhrüberschüsse der letzten Zeit haben ein gewis­ses Gegengewicht gegen die jüngsten Kreditabzüge ge­schaffen. Es erscheint aber zweifelhaft. die wirt­schaftlichen Bedingungen Ausfuhrüberschiifie in der bisherigen Höhe weiter gestatten

Ein Drittel des wirtschaftlichen Le. Vens Deutschlands hat ausgehört. Die Arbeitslosigkeit ist am 1. Dezember auf fünf Millio­nen gestiegen. Die Landwirtschaft mit ihrer hochver­zinslichen Verschuldung hat die Zinsen kaum erarbei­ten können, sodaß moratoriumsähnliche Maßnahmen ergriffen werden mußten, «m ihren Zusammenbruch zu verhüten. Diese Krise hat auch für die öffentlichen Finanzen eine kritische Lage geschaffen. Die Steuer- l a st ist nach Auffassung des Ausschusses so hoch ge­stiegen. daß für eine weitere Erhöhung kein Raum mehr ist. Die Wirtschastsschrumpfung zeigt sich auch in den Einnahmerückgängen der

Reichsbahn.

Ter zur Berichterstattung über die Lage der Reichs­bahn eingesetzte Unterausschuß ist indessen zur Schlußfolgerung gelangt, daß die Reichsbahn i m Grunde ein gesundes Unternehmen ist und künftig bei Beachtung kaufmännischer Grundsätze einen Betriebsüberschuß zu erzielen in der Lage ist, wie ihn die übrigen großen Auslandsbahnen erzie­len, wenn in späterer Zeit einmal Deutschland und die Welt das Gleichgewicht wiedergewonnen haben und normale wirtschaftliche Verhältnisse eingetreten sind.

Ursachen und Wirkungen

Kapitel 2 behandelt die Umstände und Verhält­nisse, die zu der gegenwärtigen Lage geführt haben. Wie alle anderen Länder hat auch Deutschland unter den Folgen dcsautzerordentlichenPreis- st n r z e s gelitten, der für das Wirtschaftsleben der Welt seit 1929 charakteristisch ist. Der Rückgang in der Konsumkraft breiter Massen hat eine Verminderung oder eher ein vollständiges Verschwinden der Renta­bilität, große Arbeitslosigkeit und einen Niederbruch in den Börsenwerten herbeigeführt. Zahlreiche Banken gerieten in Gefahr. Diese Bankenkrise wiederum führte zum Abzug von Auslandskapital aus den Ländern Zentraleuropas..

Diese Ursachen unv die Aufgabe des Gold­standards in einer Reihe von Ländern haben neue Unruhe geschaffen und die allgemeine Tensen; zur Ansammlung von Gold gefördert. Deutschland hat einen starken Kapitalbedarf, um die durch den Krieg, seine Nachwirkungen und durch die Inflation geschaffenen Lücken auszufüllen. Start gestiegen find die öffentlichen Schulden, die 1931 insgesamt 24 Mil­liarden betrugen. Als die Krise die Steuereinnahmen verminderte, ergab sich bei dem hohen Ausgaben­niveau ein entsprechend großer Fehlbetrag. Die st e i - gende Ausgabenpolitik ist oft kritisiert wor­den, ebenso wie das System des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern und Gemeinden, das die Kontrolle über die Ausgaben von der Verantwortung für die Erhebung mindestens eines beträchtlichen Teiles der Einnahmen trennt.

Gedämpfter Optimismus

Am Schluß dieses zweiten Kapitels wird eine a l l- gemeine Betrachtung angestelll. So außer­gewöhnlich jetzt auch die Krise fei, so sei doch noch im­mer nach jeder Krise ein Aufscywung er­folgt. Ebenso wenig wie von der Grundlage einer Hochkonjunktur könne man die künftige Entwicklung eines Landes von der Grundlage einer schweren Krise aus beurteilen. Man würde an der Zukunft verzwei­feln müssen, wenn man annehmen wollte, daß dieses- mal das Gleichgewicht der in allen Ländern und in allen Banken in Unordnung geratenen Haushalte nicht Wieder erreicht würde. Was von anderen Länder»

gilt, gilt auch für Deutschland. Die stark« wirt­schaftlich« Aufrüstung Deutschlands kann jetzt zwar nicht voll ausgenutzt werden, aber wenn man auch den Zeitpunkt der wirtschaftlichen Stabili­tät nicht voraussehen kann, so ist es doch nicht weni­ger sicher, daß dies« Stabilität erst mit Hilfe der in Kapitel vier gemachten Vorschläge erreicht werden kann.

Kapitel 3 schildert die d«utsch«n S on der­maß nah men Mr Bekämpfung der Krise. Der Ausschuß hat sich einen Ueberblick über diese Maß­nahmen verschafft. Der Ausschuß ist der Ansicht, daß die zur Verteidigung und Auirea/.erhal.ung oer staoili- tät der Währung und des Haushaltes getroffenen Maßnahmen den entschlossenen Willen der Reichsregier-ung zu erkennen geben, der Lage gerecht zu werden.

Oie Schlußfolgerungen

Das Gutachten kommt dann in Kapitel 4 zu folgenden Schlußfolgerungen: Es steht fest, daß Deutschland den aufschiebbaren Teil der Jahresraten nach Ablauf des Hoover- jahres nicht zu transferieren vermag. Der Ausschuß weist auf die beispiellose Schwere der

th. Berlin, 24. Dezember.

Der Bericht des Baseler Sonderaus­schusses hat in den maßgebenden Politischen Krei­sen starken Eindruck gemacht. Es ist ursprünglich zweifelhaft gewesen, ob in Basel überhaupt ein e i n- heitlichez Gutachten Zustandekommen würde, denn von den Franzosen wurde bis in die letzte Stunde lebhafter Widerstand geleistet. Gerade des­halb ist es sehr wichtig, daß nun doch alle Delegierten und zwar ohne Vorbehalt den vorliegenden Bericht unterschrieben haben.

Der Ausschuß hat sich zwar formell durchaus im Rahmen der durch den Youngplan vorgeschriebenen Befugnisse gehalten, aber in seinen Feststellungen er­klärt der Bericht unumwunden, daß

Der Noungpla» zur Behebung der Wirtschaftskrise nicht ausreicht,

da seine Voraussetzungen nicht zutreffend und seine Mittel unzulässig find. Ebenso wichtig ist die Feststel­lung, daß dasdeutsche Problem" (gemeint ist selbst­verständlich die Reparationsfrage) in weitgehendem Maße die Ursache für die Weltwirtschaftskrise ist. Da­mit ist, was man in der Wilhelmstraße besonders nachdrücklich beachtet, der euge Zusammenhang zwischen dem Reparationsproblem und der Kreditfrage, also zwischen den politischen und den privaten Zahlungsverpflichtungen, in aller wünschenswerten Deutlichkeit aufgezeigt.

Der Ausschuß hält sich zwar von allen Emp­fehlungen an di« Regierungen fern, aber in seinen Schlußfolgerungen gibt «r sehr werwolle Hin­weise, die vielfach durchaus den deutschen Anträgen entsprechen. Das gilt z. B. für die Mahnung, bei der Bekämpfung der Krise wirtschaftliche Momente in den Vordergrund zu stellen und politische Momente auszuschalten, ferner für den Hinweis, daß die Kris« weit schwerer geworden ist. als man es bei Abfassung des Aoungplanes überhaupt vorauSsehen konnte. Auch der Hinweis aus die

Steigerung des Wertes der deutschen Leistungen um nicht weniger als vierzig Prozent

durch die Entwicklung des Goldpreises, ist vom deut­schen Standpunkt« aus sehr bedeutsam. Ebenso die Forderung nachAnpassung" der Kriegsschulden an die zerrüttete Weltwirtschaft. Von einer Streichung der Kriegsschulden wird im Hinblick aus die Vor­gänge in Amerika nicht gesprochen, deshalb hat man in Basel das WortAnpassung" geivählt. Aus der Wahl dieses Wortes geht allerdings hervor, daß man sich in Basel anscheinend mit dem Gedanken abfindet, in der Reparations- und Schuldensrage auch diesmal wieder nut zu einer Zwischenlösung zu kom-

Krise hin, beten Ausmaß unzweifelhaft diever­hältnismäßige kurze Depression" über­steigt, die der neue Plan ins Auge faßt. Der neue Plan ging von der ständigen Aus­dehnung des Welthandels aus, innerhalb derer die Reparationszahlungen ein Faktor von abnehmender Bedeutung werden würden. Tatsächlich ist das Ge­genteil eingetreten. Nicht nur ist der Umfang des Welthandels Msammengeschrumpft, sondern das au­ßerordentliche Fallen des Goldpreises hat die tat­sächlichen Lasten der deutschen Jahresraten wie alle in Gold festgesetzten Zahlungen um 4 0 v. H. erhöht.

Das d e n t s ch e lP r o b l e m, das in weitem Maße die U r s a ch e für die steigende fin nzieüe Lähmung ber Welt ist, erheischt ein gemeinsames Handeln, das nur von den Regierungen ausgehen kann. Der Wig- gin-Ausschuß hat bereits im August eine außer­ordentlich ernste Warnung ausgesprochen. Die Er­eignisse warteten nicht. D'<> Krise hat gewaltige Di­mensionen angenommen. Wenn nichts geschieht, wer­den die eingetretenen Schwierigkeiten Vorboten weiterer Katastrophe» sein. Durch die Rückwirkungen des wirtschaftlichen Lebens auf die politische Lage und umgekehrt w'rd die allaemeiue Sane noch mehr verwirrt. Bes diesem verwickelten Problem müssen von den Regierungen die Tatsache» berücksichtigt wer­den, die der wirklichen Lage entsprechend nur nach wirtschaftlichen Gesetzen behandelt werden können.

Der einzige Schritt von Dauer, der das Vertrauen wieder Herstellen kann, ist die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulde» (Reparationen und an­dere Kriegsschulden) an die gegenwärtige zerrüt­tete Lage der Welt. Endlich sind Schritte not­wendig, um den energischen Maßnahmen, mit denen die deutsche Regieruna die Stabil«^ ihrer Währung verteidigt, dauernde Wirkung zu sichern. Der Aus­schuß richtet an die Regierungen den Appell, unverzüg­lich zu Entscheidungen zu kommen und dow't neue Hoffnung auf ein Besserung der schweren Krise zu erwecken, die gleichermaßen auf allen lastet.

Während diese Feststellung zum Teil den deutschen Interessen entsprechen, haben die Franzosen beson­deres Gewicht darauf gelegt, daß auf jede Krise ein neuer Aufschwung zu folgen pflegt. An diese Festsiellungen wollen die Franzosen die Forde­rung anknüpfen, daß man unter dem Eindruck der gegenwärtigen deutschen Wirtschaftskrise noch nicht zu einer Streichung der Reparationsschnldcn gelangen dürfe, da ja in einem späteren Zeitpunkt Deutschland wieder leistungsfähig sein könnte. Eine Stabilifle- rungsmöglichkeit für die gesamte Weltwirtschaft wird von den Sachverständigen durchaus zugegeben, aber nur unter der außerordentlich wichtigen Voraus­setzung, vaß van den Schlußfolgerungen nachkommt, die in dem Baseler Bericht enthalten sind. Damit wird die Verantwortung den Regierungen wieder ju° geschoben.

Oie Meinung der Weltpresse

Die Pariser Presse zeigt sich mit dem Ab­schluß der Baseler Verhandlungen im allgemeinen zusrteüen. Pertlnax lajteibt tmEcho öc Paris", daß die Erleichterungen für Deutschland zeitlich be­grenzt werde» müßten, da nach Feststellung des Sach- verftändigenausschusses das industrielle Rüstzeug DeurslUands voll auSgetoertet werden könne, wenn die Weltkrise gelöst sei.

Das Plädoyer zugunsten eines längeren als des Youngmoraloriums bilde ein Zugeständnis des fran­zösischen Delegierten. Petit Parisien nennt den Bericht eine wirtschaftliche Arbeit ersten Ranges, Oeuvre" betont, daß auch ferner die Reparationen ihre Vorrecht« behalten hätten.P o p u l a i r e" ist skeptisch, undM a t i n" weist darauf hin, daß Deutsch­land aufgrund des Berichtes mit Recht erklären könne, es sei nicht in der Lage, im nächsten Reparationsjahr den geschützten Anteil zu bezahlen.

Die Londoner Blätter stellen zum Teil, wie dieMorningpost" einen taktischen Sieg der Franzosen fest, weil der Bericht keine Empfeh­lungen an die Regierungen zur Behandlung der Krise in Deutschland enthalt«. Firnes" meint, daß das Baseler Ergebnis immerhin die Aussichten für die Reparationskonferenz etwas günstiger gestalte, ob­wohl auch dieses Blatt die Hoffnung ausgibt, daß auf Lieser Konferenz etwas Endgültiges erreicht werden könne.News Chronicle" erblickt die Bedeutung des Berichtes in der einmütigen Feststellung, daß die Tri­bute von Deutschland durch kein Steuersvstem der Welt erfüllt werden könnten und daß die Tribut- und Schuldenfrage jetzt in ein praktisches Verhältnis zur tatsächlichen Wirtschaftslage der Welt gebracht werden müßte. Ansersalls sei die Katastrophe unausbleiblich.

Oer:

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idersinn des Houngplans

Von unserer Berliner Schriftleitung.

men, während die Reichsregierung selbstverständlich nackt wie vor auf eine definitive Lösuna binftrebt.

Oer brennende Baum

W. P. Nun ist es wieder so weit: Ein Heller Schein, ein strahlender Glanz fällt in das Dunkel der Tezembernachl, Glockenklänge schwingen sich über die Lande, die Weihnachtsbotschaft wird von neuem der Menschheit verkündet. Sie wendet sich an alle, sie will nicht, daß irgendeiner von den Millionen ausgeschlos­sen werde, sie wirbt bei iedem um Glauben. Liebe und Hoffnung. Aber da sind die vielen kalten und dunkle» Zimmer, in denen die Hoffnungslosen, die Geplagten und mit Sorgen Beladenen wohnen, dies« Stätten der Not, in denen diesmal kein Weihnachts­baum geschmückt ist und keine Weihnachlskerz« ange- znndet wird. Da sind die Tausende und Abertausende, die keinen Sinn mehr in einem Leben, das ihnen Arbeit und Brot verweigert, zu finden vermögen, und da ist ein ganzes Volk, das im schweren Kampf um seine Existenz steht, das Opfer über Opfer bringen - muß und doch immer noch nicht das Ende seines Lei­densweges steht. Friede aus Erde und den Menschen ein Wohlgefallen? Was einst frohe Gewißheit war, ist heute eine bange Frage geworden, und mit diesem Zweifel ins Reine zu kommen, ist eine Aufgabe, die Dich und mich und uns alle in gleicher Weise angeht.

Notweihnachten das Won ist uns nicht mehr fremd. Es hat über den stillen Feiern gestanden, die wir in jenen Jahren begingen, als das gewaltige Sperrfeuer des Krieges Deutschland einkreiste, und es hat auch den Weihnachtsfesten der Nachkriegszeit ein ernstes Gepräge gegeben. Und doch steht zweifellos fest, daß es niemals soviel Daseinsberechtigung gehabt hat wie in diesem Jahre, in dem Welten in Trümmer gingen, in dem materielle Größen, die für unabsehbare Zeit Bestand zu haben schienen, zusam­menfielen ,und in dem alle geistigen und seelischen Werte in chaotische, Bewegung gerieten. Hätte man nicht vor zwölf Monaten noch den verlacht, der die Leistungsfähigkeit der deutschen Großbanken in Zwei­fel gezogen hätte? Haben wir damals nicht alle ge­hofft, daß nun der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Ab­wärtsentwicklung erreicht sei, und fini» wir nicht alle der Ansicht gewesen, daß die Lebenshaltung des deut­schen Voltes keine weiteren Einschränkungen vertrüge? Heute find wir um manche bittere Erfahrung reicher: Der 13. Juli, der Tag der großen Winschaflskata- strophe, die dann Dämme und Deiche lockerte und zer­störte, ist noch frisch in Erinnerung; unvergessen ist das Mißgeschick des Zollunionplans, dieses ersten Versuches, der deutschen Wirtschaft neue Impulse zu­zuführen und einen größeren Lebensraum zu sichern, und längst noch nicht überwunden sind Die Opfer, die dem deutschen Volke durch die Notverordnungen auferlegt worden sind. Nein, es ist in diesem Jehre S nicht viel geschehen, was dem Menscben wohl- g gewesen wäre; und wer hineiuhorcht in das Leben unseres Volkes, wer sich umbltcki in der gro­ßen, weiten Welt und die Zeichen zu deute» versteht, utuß zwangsläufig zu der schmerzliche» Erkenntnis gelangen, daß die Verheißung der Weihnachtsbot­schaftFriede auf Erden" noch keine Erfül­lung gefunden hat. Die Reichsregierung hat für die Weihnachtszeit auf dem Verorvnüngswege Burgfrie­den geboten. Das also ist unter innerpolitischer Friede: es muß notverordnet Werden, was eigentlich Selbstdisziplin und Berantwortungsbewußtsein von sich aus sicherstellen müßten, und es gehört wenig Prophetengabe dazu, um voranszusagen, daß nach

Unsere Weihnachtssonderbeilage

enthält u. a. folgende Beiträge:

Friedrich Hielscher:

Weihnachtsgleichnis: Stirb und werde j Deutsche Notweihnacht:

1813 bis 1931

Weihnachtsfreude nun erst recht

Laßt uns von den Kindern lernen

Kasimir Edschmid:

Ein Dichter findet sein Herz

Dostojewski:

Christkinds Weihnachfsbaum

Hans Watjlik:

Das Wunder des heiligen Wolfgang

Otto Ehrhardt-Dachau:

Mein Dackel und ich feiern Weihnacht in den Bergen

Aus dem übrigen Inhalt

der Weihnachtsnummer:

Weihnachtsumfrage: Die für uns am heiligen Abend auf dem Posten sind

Herbert Hoover, Präsident der USA,:

Vertrauen tut not

Brief aus Bethlehem: Weihnachten im Heiligen Land

Handelsteil: Krisenjahr 1931 / Der Erdiutsch an den Weltwarenmärkten

Sportteil:Duell auf Motoren* von Rudolf Gläser