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Kasseler Neueste Nachrichten

Seite 2 1. Beilage

Sonnabend, 19./Svnntag, 20. Dezember 1931

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Sonnabendnacht, uwternahm die einen Spaziergang. Auspurer

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«rteratur: Wttbekm Nennecke ..Das Hoftbeater in Kanel : Hans Aktmüller ..Das alte Kasseler Theater": Paul Seide'backDas neue Sostheater in Kassel": Heffen- >c ud: Verschiedene zeitgenössische Theaterberichte aus öem Jahrgang 1909.

tr- es hätte ein namenloses Unglück geb« können, 1

Kunstakademien, außer der Berliner sollen geschlossen werden an den Rand der Vernichtung gebracht wird. Gleichzeitig sei erwähnt, daß uns das Ob et» landesgericht wahrscheinlich erhalten bleibt, Ministerialdirektor Dr. Hübner und Gene- ralintendent T i e t j e n werden voraussichtlich nächste Woche nach Kaffel kommen, um gemeinsam mir dem Oberbürgermeister und dem Obeiprästdenr Mittel und Wege zu Prüfen, wie durch Umorganisierung und sonstige Maßnahmen das Theater wettergeführt werden kann.

Dr. Stadler wird sich mit dem Kaffeler Intendan­ten in Verbindung setzen, um einen gedrosselten Etat aufzustellen, der die Mindesterfordernisse zur Aufrechterhaltung des Theaters umfaßt.

Die Berliner © eiten begrüßen diesen Schritt des Oberbürgermeisters, den Dr. Stadler schon lange zu tun gewillt war, ohne daß er mit diesem Vorschlag durchgedrnngen wäre. Auf Stillegung des Schauspiel­hauses in Berlin wurde unter Zugrundelegung des seltsamen Argumentes verzichtet, daß nächstes Jahr

Mr berichteten über eine Verhandlung, in der es sich um Unregelmäßigkeiten im Waffendepot der Kasseler Schutzpolizei handelte. Damals wurden sechs Beamte bestraft: der Polizeimeister Mi. wegen Amtsunterschlagun

Die Abenteuer -es Oesrau-anien

Haina-Brüffel-Wehlhel-en

Handtasche, in der sich der Rest des Geldes befand. Hebet Antwerpen kam Tusch wieder nach Brüssel zu­rück. DieFreunde" nahmen ihm die letzten Brocken ab und verschwanden dann. Bei Tusch war der Rausch verflogen. Er meldet seine Selbstgestellung nach '» Hut verkaufte er, um die 58,60 iach Aachen zu bekommen.

Papiere war das nicht so elüsach. Ein Taxichauffcur wußte einen Ausweg: bis an Hie Zollschranke fuhr er Tusch und rotes ihm dann den Weg über die soge­nanntegrüne Grenze". Aus dem Mege über Wie­sen und Lecker kam der Flüchtling nach Holland hin­ein. In Maastricht, der ersten Stadt, wechselte er das erste Geld um und fuhr dann nach Amsterdam wei­ter. Hier kam die Ernüchterung über ihn.

Nach tagelangem Umherirren, geriet er in _ tönern kleinen, dunklen Kaffeehaus an einen Franzosen na­mens Piärre, der gleich ihm das Licht des Tages M scheuen hatte. Der Defraudant bekam kleinbürger­liche Neigungen: er wollte ein kleines Kaffeehaus oder einen Kolonialwarenladen kaufen, um wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Aber auch das ging nicht ohne Papiere. Pierre wußte Rat, er kannte die .Zleppensabriken". Jedoch nichi in Amster­dam, sondern in Brüssel. Also auf nach Brüssel. Hier war schnell der richtige Mann gesunden, aber ehe die Papiere abgeliefett werden, sich Tusch mitten drin in einer Clique internationaler Gauner. Man lebte auf

Gegen 22,30 Uhr brach am Donnerstag in den Scheunen des Bäckermeisters Heinrich Böhl Fe aus. In kurzer Zet, standen die Gebäude in hei Flammen und schon drohte das Feuer auf das La­gerhaus des anliegenden Schneidermiesters überzu- reifen, als es der Feuerwehr rechtzeitig gelang, mit der neuangeschafften Motorspritze dem Feuer Ein­halt zu gebieten. Das Pich konnte von dem Besitzer und hilfsbereiten Nachbarn gerettet werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Hebei die Ur­sache stehl noch nicht fest.

rireiherrn von und zu Gilsa gewirkl hatte, schien die Weiterführung des Theaters bedroh: Wenn heute Vorwürfe erhoben werden, können sie nur der Ge­neral. ntendanz in Berlin gelten, die versäumte, zur rechten Ze:: den rechten Mann mit der Führung des kasseler Theaters zu betrauen. Ter ständige Wechsel in der Leitung der nunmehrStaatlichen Schauspiele" hat ncher zum großen Terl Schuld an seinem stnan- SieBen Zusammenbruch. Man erinnert sich gern, daß «t de« wahren nach Friedensschluß das Haus am ?5iiedrichsplatz durchaus rentabel arbeitete. Die vie­len Herten, die das Szepter am Friedrichsplatz seit jener Zeit übernahmen, aber vergaßen, sich den ver­änderten Zeitläuften rechtzeitig anzupaffen. Sie hat­ten wohl auch nicht die Zeit dazu so schnell half ihnen das ..Sprungbrett Kaffel" zu höherem Amt. Sie vergaßen, daß das kasseler Theater in einer Zeit höch­ster Blüte geschaffen wurde daß seine ganze An­lage den damaligen Geldverhältnissen angemessen ist daß sein Mitarbeiter- und Künstlerstab diesen damals gerechtfertigten Ausmaßen angepaßt wurde und daß heute ein solches Haus ein wahres Da­naergeschenk darstellen würde.

. Am Montag wird mit der Veröffentlichung der neuen Preußischen Notverordnung die endgültige Ent­scheidung über das Wohl und Wehe unseres Musen­tempels fallen Wie sie auch fein mag: die Vergan­genheit des kasseler Theaters lehrt, daß Tiefen stets glückhaft überwunden wurden. Soll sich ein 1832 wiederholen so. hoffen wir auch auf weitere An­gleichung des damaligen Geschehens: Wiederer­öffnung im neuen Gewand

Ed. SchuIz=Keffel.

Das Präsidium der Genossenschaft deutscher Büh­nenangehöriger teilt mit:Nach Mitteilung der Ta- gespresse hat das preußische Staatsministerium be­schlossen, in Verfolg der allgemeinen Sparmaßnal.men bas Staatliche Schillertheater in Berlin und die Staatstheater in Kassel und Wiesbaden mit Ablauf dieser Spielzeit zu schließen. Gegen diese Ab­sicht muß aus kulturellen und sozialen Gründen auf das schärfste protestiert werden. Abgesehen von der Mißachtung der zum mindesten moralischen Verpflichtung, die die preußische Staatsregierung durch Uebernahme der genannten Bühnen auf sich genommen hat, wäre eine solche Schließung ein vernichtender Schlag gegen die gesamte Schauspielkunst und ihre Vertreter, denn nicht nur die preußischen staatlichen Bühnen würden durch eine solche, in ihrer Rigorosität einzig dastehende Maßnahme betroffen werden,, son­dern sie müßte ein Signal sein für die staatlichen mb städtischen Behörden int Reich, mit ihren Bühne.--in ähnlicher Weise zu verfahren. Damit wäre die auf anerkannter Höhe befindliche deutsche Theater­kultur zerstört, deren Erhaltung und Entwick­lung ohne Kontinuität unmöglich ist, aber auch die Vernichtung des gesamten Standes der Bühnenkünst­ler hätte diese Maßnahme zur unausbleiblichen Folge. Wir wenden uns an bie Oef fentlichkeit um Hilfe. Wir wenden uns aber auch an das Plenum des P-eußischen Landtages, da wir nicht annehmen, daß auch nur eine Partei die Verantwortung für die Vernichtung des für das ganze Volk lebenswichtigen Kulturbestandteils auf sich nehme."

Berlin ist das gleichgültig:

Kassel ist Fremdenftadt!

Nach der soeben abgeschlossenen Fremdenver­kehr s st a t i st i k belief sich die Zahl der in den Kasseler Beherbcrgungsbetrieben polizeilich gemelde­ten Fremden int Monat November 1931 auf 6662 ge­genüber 6847 Fremden im November 1930. Die Stabt Kassel hat also trotz der anhaltend denkbar ungünsti­gen angemeinen Wirtschastsverhältnisse 97,3 Prozent des Fremdenverkehrs gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres halten können. Wenn sieb hiernach auch die Kopfzahl der Fremden nur unerheblich ver­ringert hat, so zeigt sich doch auf der anderen Seite, daß die Finanzkraft des reisenden Publikums weiter im Sinken begriffen ist; denn die Zahl bei in den Kasseler Hotels abgestiegenen Fremden fiel in ben- eiben Zeiträumen von 5018 auf 4172, währenb ber Verkehr in den Gasthäusern von 257 auf 411, in den Herbergen von 776 auf 785 und in den Vereinshäusern und Hospizen von 796 auf 1294 stieg.

Sonnabendnacht, unternahm bie fügende Gesellschaft einen Spaziergang. Auspurer Langeweile, so er­zählten sie, nahmen sie unterwegs eine große Kanne mit Karbolinenm mit sich und steckten den Inhalt in der Nähe einer Hauptstütze der nach dem Basaltwerk Bransrode am Meißner führenden Drahtseilbahn an. Der,Zux" reichte noch nicht aus, darum wurde an einer anderen Stelle ein auf dem Acker stehengebliebe- ner Pflug auseinanberaenommen und bet Vormagen kurzerhand an bas Drahtseil ber Bah» gehängt. Ohne sich um weiteres zu kümmern, schlugen bie jungen Burschen den Heimweg ein. Am nächsten Morgen hatte einer jedoch Angst und lief aufs Feld hinaus. Er kam zur rechten Zeit, denn zwei Arbeiter des Ba­saltwerks faßen in einem För«rkorb ber Seilbahn, um die gewöhnliche wöchentliche Reparatur vorzuneh­men. Ehe ber an bas Seil gehängte Pflugwagen Um heil anrichten konnte

Mann, der bis dahin als ein zuverlässiger und flei­ßiger Beamter galt, hatte die 32 000 JDlarl unterschla­gen und war auf und davon. Die Jagd hinter ihm her war ergebnislos. Es war ein durch merkwürdige Umstände bedingter Zufall, daß Tusch und der ihn verfolgende Kasseler Kriminalbeamte zwischen Brüssel und Antwerpen auf der Landstraße aneinan­der vorbeigefahren sind, ohne zu wissen, welche Be­gegnung hier vor sich gegangen war. Nach wenigen Wochen schrieb Tusch an das Kasseler Polizeipräsi­dium, daß er sich in Aachen freiwillig stellen werde. Und prompt an dem angekündigten Tag fand sich der Flüchtling auch in Aachen ein, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche, zerlumpt, zerfetzt und halb ver­hungert. . .

Was sich zwischen dem Tage der Flucht und dem .. Selbstgestellung abgespielt hat, das erzählte Tusch Freitag vor dem Schöffengericht, wo er sich unter ber Anklage der schweren Urkundenfälschung und des Betruges zu verantworten hatte. Schwere Urkundenfälschung darum, weil alle Dokumente, auf Grund deren die Auszahlung der 32 000 Mark be­wirkt worden war, eigene Erzeugnisse des Landes- ffststenten gewesen find. Nach seiner Darstellung hat ole Tat keine unmittelbare Vorgeschichte, nur sozusa­gen eine mittelbare. Er'tte sich in seiner Stellung licht wohl, bas Gehalt reichte hinten und vorne nicht, inglückliche Familienverhältnisse und Schulben taten hr übriges, um ihm das Leben sauer zu machen. In :inen Jugendjahren hatte er die ganze Welt bereist, eitbem war ein Hang zu plötzlichen Entschlüssen in 'M. Und einem dieser plötzlichen Entschlüsse ver- anke die Tat ihr Werden.

Von Kassel fuhr Tusch über Hannover und Köln mich Aachen. Er wollte nach Holland. Aber ohne

Am Vormittag des 28. Mai bestieg auf dem Hauptbahnhof Kassel ein Mann in den mittleren Jahren mit großer Hast den Schnellzug nach Hanno­ver. An der Sperre hatte der Mann eine Durchgangs­fahrkarte nach Brüssel vorgezeigt und wurde dal, er auch mit einigem Respekt behandelt. Bei sich hatte ber merkwürdige Fahrgast nur eine einfache Hand­tasche, die er auch im Abteil nicht aus der Hand legte. Denn diese Tasche enthielt in barem Gelds den Betrag von 32 000 Mark. Und der Mann war der 41- jährige Landesassistent Ludwig Tusch, bis ,dahin Beamter in der Verwaltung des Landeshospitals Haiiia.

Knapp eine Stunde vor Abfahrt des Zuges war Tusch in den Kassenräumen der Landeskreditkatze er­schienen und hatte dort einen ordnungsmäßig ausge­stellten Scheck in Höhe von 32 000 Mark vorgezeigt und unter Berufung auf einen Brief vom Vortage, ein voraufgegangenes Ferngespräch und einen ein­wandfreien Ausweis die Auszahlung des großen Be­trages gefordert. Die Landeskreditkasse war auf die Auszahlung vorbereitet. Einmal forderte das Lan- beshospital Haina jeden Monat seinen Geldbedarf in der gleichen Höhe an. Wenn auch bas Geld bisher überwiesen worden war so war die aus Haina ge­kommene Mitteilung, daß ber Landesasststent Tusch anläßlich einer Dienstreise nach Kassel bas Geld zun Zwecke der Ersparnis Der Porto- und Ueberweisungs- kosten persönlich abholen werde, keineswegs auffällig um so weniger, als die Briefe ordnungsgemäß ge schrieben, gestempelt und von zwei Beamten gezeichnc waren und such ber Scheck eine durchaus korrekt Ausfertigung auswies.

Als der Landesassistent nicht nach Haina zurück kehrte, ergab sich sehr bald die bittere Wahrheit. Der

das Goethejahi fei und Goethe für die Eröffnung des Schauspielhauses feinerjeit den Prolog geschrie­ben habe (!). Wenn die Finanzminister dieser künst- liehen und rein gefühlsmäßigen Begründung sich nicht verschlossen hat, begreift man in Kassel nicht, daß er sich den viel zwingenderen Gründen verschließt die für die Beibehaltung des Kaffeler Theaters spre­chen: Berlin verfügt über eine ganze Reihe von Büh­nen, während Kassel nur feine eine Over Hai Und dieses eine, notwendige Theater braucht nur einen kleinen Bruchteil des Zuschusses, den die Berliner Staatsbühnen in Anspruch nehmen. Lediglich ber Landtaa kann noch einqreifen.

Proteste - aber Berlin?!

Der Surhelttsche P r e s s e v e r b a n d , die Crganttotlon der kurhellifchen Redakteure und Journalisten. ist mit einem geharnischten Brotest gegen die beabsichtigte Zertrümmerung der Kaffeler Kunst- und fiultutftatren auf den Plan getreten und bat folgendes Schreiben an den Finanzminister Steppet gesandt: Sehr geehrter Herr Minister!

Mit stärkster Entrüstung haben wir davon Kennt­nis genommen, daß in Ihrem Ministerium die Entschei­dung für eine Schließung des Staatstheaters in Kassel gefallen ist. Trotz ber Not ber Zeit, die wir bestimmt nicht unterschätzen, stehen nach unserer Auf­fassung bie Ersparnisse, die sich aus ber Schließung des Staatstheaters in Kassel ergeben sollen, in keinem Verhältnis zu dem kulturellen Schaden, den sie aus- lyst. Die wohlwollende Behandlung bet Staatsthea­ter in Berlin, trotz ihrcr vielfältig höheren Unkosten, bilbet zudem einen auffälligen Gegensatz zu bet Be­handlung des Staatstheaters in Kassel. Kurhessens Hauptstadt Kassel wirb butch eine Stillegung bes Staatstheater, in Verbindung mit ber Schließung bet Kunstakabemie und bet Pädagogischen Akademie in ihrer geistigen Führerrolle jetzt und in Zukunft aufs schwerste beeinträchtigt. Der Kurhessische Pressever- band, der schon durch seinen Narn-n Träger einer alten Ueberlieferung ist, erhebt schärfsten Einspruch dagegen, daß diese Ueberlieferung durch einen Feder­strich aus der Welt geschaffen werden soll und fordert, als Stimme ber offensichtlichen Meinung ganz Kur- hessens. eine rechtzeitige Regelung auf anderer, ber kurhessischen Hauptstadt würdigerer Grundlage.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst

Kuthaflischet Presseoerband, L A. gej. Walter, 1. Vorsitzender.

Dienst bei den Postanstalten

Schalterdienst: Sm 30. Dezember wie Sonntag», auSer­be m Paketannahme und --Ausgabe bei den Postämtern I (ftönigsolrtr.f, 2 (Hohen,ollernstraffk), Kaffcl-Bettenbaulen und Kaffel-Wilbelmshöbe von 1118, bei den Zweigpost­ämtern 4 (Krankfurterstrahe). ) «Satferplatzi. ti (Holländische Straffes und 7 (am Hauvtbabnboss sowie bei den Bororts- ppftnnricrn Harleshausen. »irKbttmolb, Niederzwehren und Rotbenditmold von 1113 und 1«16: Annahme von Ein­schreibebriefen und Wertzeichenoerkans beim Poitamt 1 (flöniasplaB) von U18.

Kommunistisches Waffenlager ausgehoben

Auf bet Suche nach versteckten Waffen ist die Kasseler Polizei Freitag nachmittag auf einen befon- ders Auffeher erregenden Fund gestoßen. Gegen 5 Uhr nachmittags erschienen plötzlich im Haufe Zie- gengaffc 21 Beamte der Kriminalpolizei und der Schufpvlizei, um in der Wohnung des 36jährigen Bauarbeiters Christoph Knöchel eine überraschende Durchsuchung vorzunehmen. Bei dieser Untersuchung stieß die Polizei sehr bald auf ein forgfältig versteck­tes Waffenlager. Und zwar wurden zu Tage gekör- bert: insgesamt 13 Gewehre verschiedener Modelle, zum Teil auseinandergelegt, ältere Militärgewehre, Jagdgewehre, Kleinkaliberbüchsen, ferner 2 alte Trom­melrevolver, dazu mehrere hundert Schuß 8-Muni- tion, Jagd- und Revolvermution, schließlich noch 5 Sprengpatronen Ammonit und größere Mengen Sprengstoff und eine Reihe von Sprengkapseln. Außerdem wurden noch mehrere Stöße ülegaler kom­munistischer Druckschriften vorgefunden.

Der Wohnungsinhaber, der mit zweien seiner Be­kannten beim Kartenspielen saß, war von der Durch- uchung vollkommen überrumpelt worden. Ex wurde mit den beiden Bekannten owie mit seiner Frau von den Polizeibeamten festgenommen und zunächst der Revierwache am Renthos zugeführt. Don dort er­folgte nach der ersten Bernehrnung die Ueberführung in das Polizeipräsidium. Da Knöchel als Mitglied der Kommunistischen Partei bekannt ist, dürfte es stch nicht nur um ein privates Waffenlager gehandelt haben, sondern um ein sozusagen parteiamtliches. Die Untersuchungen nach dieser Richtung sind naturgemäß noch nicht abgeschlossen.

Oer rote Hahn in Frankenberg

Die Tat, so sagt et vor Gericht, ist ihm selbst ein Rätsel.Eine Verkettung unglücklicher Umstände" meint er. Auf den Vater beruft er sich, bet im Irrenhaus gestorben ist, auf den Großvater, bei sich im Wahnsinn selbst erschoß. Man ging über seine Worte nicht hinweg. Er war in bet Zwischenzeit sechs Wochen in Marburg gewesen. Prof. Dr. Jahrmär- fer erstattete ein eingehendes psychiatrisches Gut­achten: eine Geisteskrankheit liegt bei Tusch nicht vor, wohl aber eine ausgesprochene geistige Minder­wertigkeit, bie bie Zubilligung milbernber Umstände rechtfertigt. Der Schluß ist kurz: ber Staatsanwalt beantragt 3 Jahre Gefängnis unb 5 Jahre Ehrver­lust. Der Verteidiger hält bie Hälfte dieses Straf­maßes für eine ausreichende Sühne.

Das Gericht erhebt sich schon, da nimmt Tusch noch einmal das Wort. Er breitet einige Zettel vor sich aus unb beginnt mit peinlich roirtenber Deklamation zu flogen: über seine Stellung in Haina, über die Rücksichtslosigkeit ber Verwaltung, bie ihn nicht seinen Wünschen und Fähigkeiten entsprechenb beschäftigt habe. Das Wort vom guten unb reinen Gewissen hört man unb anberes mehr.

Nach kurzer Beratung hört Tusch ben Spruch des Gerichts: bei Zubilligung mildernder Umstände für die schwere Urkundenfälschung in Tateinheit mit Be­trug 2 Jahre 4 Monate Gefängnis unb 3 Jahre Ehr­verlust. Eine so hohe Strafe, weil bie Veruntreuun­gen öffentlicher Gelder in gefährlichem Ausmaß zu­nehmen unb man in biesem Falle nicht nur die mög­liche Besserung bes Täters, sonbern mehr noch bie ab­schreckende Wirkung im Auge haben mußte. Ehe der Justizwachtmeister ibn abführt, droht Tusch noch mit ber Faust zu bem Vertreter ber Landesverwaltung hinüber:Das ist mein Unglück, lach' auch noch. Du Kerl!" Mit einer wilden Gebärde verschwindet er hinter ber Tür. .,

Vergebliche Verhandlungen Or. Stadlers

Der Oberbürgermeister erklärte, trotz der Vorstel­lungen war der Finanzminister nicht von dem Gedan­ken der S ch l i e tz u n g abzubringen, da der preu­ßische Etat noch vollkommen ungesichert sei. Selbst der Einwand, daß in der nächsten Zeit durch die Schlie­ßung bes Theater« keine Ersparnisse zu erzielen find, und daß die teilweise bis 1933 laufenden Verträge, bie Bewachung und bie Erhaltung bes Hauses und die sonstigen unerläßlichen Ausgaben immer noch einen Aufwand von 596 000 Mark erfordern, konnte den Finanzminister nicht umstimmen. Obwohl bei den zuständigen Ministern zugegeben wurde, daß Kassel durch diese Maßnahme in seinem kulturellen Leben stark beeinträchtigt würde, ist der Finanzmini- fter mit seiner Auffassung im Kabinett vurchgebrnn» gen, unb die Sonnabend zn erwartende preußische Notverordnung wird keinen anderen Beschluß als bie Schließung des Staats­theaters bringen.

Ein Zuschuß der Stadt für das Kasseler Staats- theater wäre in sofern bedeutungslos, als bie Stabt ja selbst auf Beihilfen vom Staat angewiesen ist. Für Kassel besteht nun bet seiner isolierten Lage auch keinerlei Möglichkeit, sich mit anderen Städten thea­termäßig zusammenzuschließen.

Der Kultusminister hält allerdings die Fort­führung beb Theaters in anderer We ife für möglich, er hat sogar schon eine Schen­kung an die Stadt vorgeschlage», doch wäre eine Hchkukung solange zwecklos, als der Stadt nicht gleichzeitig eine Quelle für die Mittel zum Betrieb X3 Theaters zugewiesen wird

Am 4. Januar wird sich in Kassel eine Der sammlung der Beteiligten mit dem Problem be­fassen. Ferner hat sich der Ministerpräsident bereit erklärt, Anfang Januar den Oberpräsidenten und den Oberbürgermeister noch einmal zwecks Rück­sprache zu empfangen.

Auch in der Oessentlikeit muß alles getan werden, die Schließung des Theaters zu verhindern, beson­ders, da. Kassel kulturelles Leben durch die drohende

ämtsunte rschlagung unb wegen Ver­gehens gegen das Waffengesetz zu insge­samt 3 Monaten Gefängnis, die Polizeihauptroacht- meister K. und Sch., sowie die Polizeiwachtmeister I. K. und M. wegen Hehlerei an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 1 Woche zu 30 Reichs­mark Geldstrafe, außerdem der Wachtmeister K. noch wegen eines törichten Diebstahls zu 50 Mark Geld-

feine Kosten. Die Geldscheine flatterten für Sektge­lage, Autofahrten unb für Frauen dahin.

In fünf Tagen hatte Tusch über 8000 Mark aus» gegeben. SeineFreunde" überredeten ihn zu einer Spritztour nach Paris. Das Sündenbabel an ber Seine öffnete für ben Defraudanten alle Pforten aber mit einem Male war alles aus. Einer aus sei­ner Suite, ein Pole, namens Michel, stahl Tuschs

Am 34. SSalterschlnff btb W Ubr. «nnabme von Test- Bramme« und Gespräche» bei den Postämtern 1 unb 3 wie werktags. Am 36. unb SS. wie Sonntage. >m h Januar wie Sonntags. leb och Markenverkauf bet ben Policimrsin l unb 3 unb bei ben Borortsvostämtern von 11.8012,30.

Briefzustellung: Am 24. unb 31. Dezember unb 1. Ian. zwei Ortsszustellungen, am 35. unb 37. le eine, am 26. keine.

Gelbznftellnng rubt am 20., 26. unb 37. Det.ember so­wie 1. Jan. Am Ai. eine Gelbzustellung in beschranktem Umfange.

Pakct-ulielluna am 20. unb SS. ie eine. , ,

Brieffaftenleernngen am 35. Dezember eine (ab 4,301: Ortsbrieffenbungen baraus kommen in b.e Bormlttaasiu- iteHung; am 26. Dezember zwei (rote Sonntag»), am L Januar drei (1 3. unb 5. Werktagsleerung): am 24. Der. nachmittags statt 4. unb S. Leerunb nur eine (ab 17,30): am 31. Dezember von 728 Uhr Leerungen in iweiftünbtge» Abftanb.

Cltier über den Wochenmarkt

Durchschnittsnotierungeu im Hieinbanbel vom 19. Dezbr.

Sfunb: Weißkohl 58 «fa Wirsingkohl 810. Rotkohl 810. Grünkohl 1015. Rosenkohl 2030, Schwarzwurzeln 2030. Rote Rüben 1012, Zwiebeln 1015, Möbreu 8 bis 10, Svinat 1215, Rützchen 5070, Sellerie 2025, Porree 1520, Meerrettich 3010, Unterkohlrabi 810. Stück: Blumenkohl 2550, ausl. Salat 2830, Enbioien 1015. Pfunb: Kartofeln 3*21, Tomaten 3040, Bana­nen 2535. Aevfel I 1015, II 510, Birnen I 1220, II 812, Weintrauben 4050, Zroetschenmus 4050. Birncu- mus 3040, Walnüsse 4060. Haselnüsse 5060, Molkerei­butter 130140, Landbutter 120180, Kochkäse 5055, Kase­matte 3035. Stück: 58. Avfrlsinen 515, Hühnereier 12 bis 15, Enteneier 1415, Taube 6080. Pfunb: Hasen im Fell 5060, Reh im Fell 5560, Rehkeule-Rücken 100 bis 110, Rehblatt 8090, Rehkochroild 4060, Ganse 7085. Enien 90100, Hühner 7085, Hahnen 80-90. Rinbfleisch 5070, Kalbfleisch 6080, Hammelfleisch 6070, Schweine­fleisch 60 80, Tveck mag. ger. 8090, Speck fetter ger. 75 bis 80. Zervelatwurst 120140. Leberwurst 7080. Blut­wurst 5070, Schmalz 8090, Ziegenfleisch 3035, Schell­fisch 8085. Kabeljau 8085, Seelachs 3035, Goldbarsch «, Rotzunge 6065, Sluffbecht 100110, Barbe 60 i, Weißfische 3540, Grüne Heringe 2225.

In ber Weihnachtsrooche finden für ben ausfallenden EonnabendSroochenmarkt am Dienstag. Mittwoch und Don­nerstag Wochenmürkte aut dem Königs- unb Marttnsplatz statt.

Schon wieder im Gefängnis

Vor einigen Tagen berichteten wir darüber, daß man in der Karlsaue zwei junge Leute festgenom­men hat, die sich durch ihr Verhalten und durch Weg­werfen von Weinflaschen verdächtig gemacht hatten und die von der Polizei in Gewahrsam gehalten wur­den, weil sie im Verdacht stehen, an dem in die Wein­kellerei des Wirtevereins verübten Einbruch betei­ligt gewesen zu sein. Diese beiden jungen Leute und das ist eine kleine Ueberraschung sind die beiden Kumpane, die sich vor einigen Monaten vor dem Schwurgericht unter der Anklage des Bankraub- Überfalls auf die Deposttenkasse am Bahnhof Wil- helmshöhe zu verantworten hatten und die mangels ausreichenden Beweises freigesprochen wurden: Hans Krauß und Bernhard Schmitz, die Spießgesellen so mancher Tat. Nur hat der Untersuchungsrichter wie­der einmal über sie zu befinden genabt. Das über den Einbruchsdiebstahl vorliegende Material schien reich­lichdick" zu sein, jedenfalls hat der Untersuchungs­richter Haftbefehl erlassen.

Waffendiebstahl hatte dieser Fall nichts zu tun. er wies auch feine irgendwie geartete besondere Sette, wie etwa eine politische, auf. Es handelte stch ledig­lich darum, daß der Polizeimeister Mi. zugelassen hatte, daß einige jüngere Beamte aus dem zur Ab­lieferung gelangenden Waffenjchrott zur Befriedigung ihres noch immer nicht ganz ausgerotteten Spiel­triebs einige Waffen und Waffenteile herausgesucht und an stch genommen und daß die beiden Haupt- wachtmeister jeder einmal eine Mauserpistole für Jagdzroecke aus dem Depot entliehen hatten.

Daß das ungehörige Dinge waren, haben mir in unserem Bericht vom 25. September gesagt. Aber auch, daß diese kleinen Nachlässigkeiten keinerlei Grund zu wüsten Alarmmeldungen oder zu Mißtrauen gegen die Schupo geben konnten. Was bei genauer Prü­fung duran ist, hat die von den Verurteilten ange­rufene Große Strafkammer nun feftgestellt: sie hat auf Grund neuen Beweismaterials die Verurteilun­gen wegen Amtsunterschlagunaen und Hehlerei auf­gehoben und nur Geldstrafen wegen Vergehens gegen das Waffengesetz (Ueberlajfung und Erwerb von Waffen ohne Waffenerwerbsschein) verhängt. Unb damit der ganzenAftäre" den Charakter auf- gedrückt, der ihr von vornherein innewohnte. Punktum!

Auch Kommunisten sollen Weihnachten feiern!

Wir nehmen es ihnen nicht Übel: auch ber wildeste Moskauer" kann sich dem Willen Weihnachtszauber nicht entziehen. Denn sonst hätten die drei Angeklag­ten aus dem Arbettskraw^ll-Prozeß die Aufhebung des Haftbefehls nicht mit je strahlenden Augen be­grüßt und wären nicht mit ihren Familienangehörigen tn trauter Eintracht abgezogen, wie |te es getan haben.

Aber auch sonst trafen bie Angeklagten bei der Strafkammer auf Weihnachtsftimmung: die Strafen, die gegen Sch. auf 1 Jahr Gefängnis, gegen M. unb H. auf je 9 Monate und gegen Z. auf 3 Monate Ge­fängnis lauteten, wurden ermäßigt, unb zwar behiel­ten Sch. 7, H. 6, M. und Z. je 2 Monate Gefängnis, auf die bei Sch., M. H. noch die Untersuchungshaft angerechnet werden soll.

Sind das wirklich noch Lausbubenstreiche?

Mit einer Milde, bie sich auch nur aus bet Weih­nachtsstimmung erklären läßt, ist das Schöffengericht gegen sechs junge Burschen aus Laudenbach vorgegan­gen. Was hatten sie angestellt?

In ber Nacht vom 26. zum 27. September, einer

wurde die Geschichte wieder in Ordnung gebracht.

Der Staatsanwalt ging mit bei GHelljchaft. die ihie jugendliche Unreife mehr als hinlänglich bewie­sen hatte, schaif ins Gericht: Ihnen müsse zum Be­wußtsein gebracht roerben, daß sie ihre FinAer ein für allemal von Drahtseilbahnen zu lassen hatten. In­folgedessen: wegen gemeingefährlicher Sachbeschädi­gung für jeden Täter 2 Monate Gefängnis unb 20 Mark Geldstrafe.

Das Gericht konnte sich indes zur Anerkennung ber gemeingefährlichen Sachbeschädigung nicht entschlie­ßen, sondern nahm bie ganze Geschichte mehr al» einen Dummenjungenstreich an. Es läge nur einfache Sachbeschädigung unb grober Unfug vor. Für beide v ....... . .... Delikte erhielt leder Angeklagte zusammen 45 Mark

strafe. Mit dem bis heute noch nicht aufgeklärten I Geldstrafe zudiktiert.