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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Donnersiag, 17. Dezember 1931

21 Jahrgang

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Hoover veröffentlicht den Hindenburg-Brief

Der Kampf um das Hoovermoratorium / Parteiführer-Konferenz im Weißen Haus / Eine Kasseler Denkschrift zur Theaterfrage

Nach sechs Monaten...

Eigener Drahtbericht.

braucht Deutschland dringend Hilfe. Die Hilfe muß sofort kommen, wen» nicht ein Unglück uns und alle anderen heimsuchen soll. Unserem Volke mutz die Mög­lichkeit gewährleistet sein, unter erträglichen Bedin­gungen zu arbeiten.

th. Berlin, 17. Dezember.

Gestern abend ging in der Berliner Wilhelmstraße die Meldung aus Washington ein, datz das ameri­kanische Staatsdepartement einen Brief des Reichspräsidenten von Hindenburg an den amerikanischen Präsidenten Hoover ver­öffentlichen werde. Diese Mitteilung rief zunächst einige Ueberraschung hervor, well an den amtlichen Stellen nichts davon bekannt war, datz in den letzten Monaten irgendein Schreiben oder ein Telegramm des deutschen Reichspräsidenten an den amerikanischen Präsidenten abgegangen ist. Alsbald stellte sich jedoch heraus, datz es sich bei dieser Veröffentlichung um den vor nunmehr rund sechs Monaten ge­schriebenen Brief des deutschen Reichspräsiden­ten handelt, den dieser am Sonnabend, den 20. Juni, telegraphisch an den Präsidenten Hoover übermitteln ließ.

Am Sonntag, den 21. Juni, wurde die Nachricht von dem Schritt des amerikanischen Präsidenten Hoo- ver bekannt, der damals der gesamten Weltöffentlich­keit seinen Vorschlag eines Moratoriums bezw. eines Reparations- und Schuldenfeierjahrrs unterbreitete^ der Brief des deutschen Reichspräsidenten gehört in diesen Zusammenhang mit hinein. Auf Wunsch der Reichsregierung hatte Hindenburg kurz zuvor von seinem Gute Neudeck aus einen Brief an den ame­rikanischen Präsidenten geschrieben, in welchem er den Appel an Hoover richtete, er möge Deutschland zu Hilfe kommen, um schweres Unglück zu vermeiden, denn Hoover sei in der Lage, die notwendigen Schritte zu unternehmen, durch die eine sofortige Aenderung der Situation herbeigeführt werden könne. Da noch im Laufe desselben Sonntag das Hoover-Moratorium bereits bekanntgegeben wurde, hat der amerikanische Präsident im damaligen Zeit­punkte davon abgesehen, den Wortlaut des Briefes des deutschen Reichspräsidenten der Oeffentlichkeit zu

übergeben. Angesichts der jetzigen Widerstände inner­halb seines eigenen Parlaments ist Hoover nun zu dem Entschluß gekommen, sich auf den damals vom deutschen Reichspräsidenten an den amerikanischen Präsidenten gerichteten Bries zu berufen und diesen zu veröffentlichen.

Appell an die Vernunft

In den Brief Hindenburgs, der von Staatssekre­tär S t i m s o n in der gestrigen Sitzung des Finanz­ausschusses verlesen wurde, heißt es u. a.: Ich habe mit den außerordentlichen Vollmachten, die mir die Reichsverfassung einräumt, Maßnahmen in Kraft ge­setzt, die die Erfüllung der notwendigsten Ausgaben des Staates sicherstellen und die Lebensmöglichkeit für unsere Arbeitslosen aufrechterhalten sollen. Diese Maßnahmen haben tief in alle wirtschaftlichen und so­zialen Beziehungen eingeschnitten. Sie verlangen schwerste Opfer von allen Teilen unse- rerBevölkerung. Jede Möglichkeit, unsere Lage durch eigene Maßnahmen, ohne Hilfe von außen zu verbessern, ist ausgenutzt worden. Die wirtschaftliche Krise, an der die ganze Welt schwer leidet, trifft das deutsche Volk, das seiner Kraftreserven durch die Kri­sis beraubt worden ist, mit besonderer Wucht.

Wie die Entwicklung der letzten Tage zeigt, hat die Welt das Vertrauen verloren, datz die deutsche Wirtschaft angesichts der Lasten, die sie zu tragen hat, im Stande ist, zu arbeiten. Große Kredite, die das t'lusland uns gegeben hatte, sind abgezogen worden. Die Tüchtigkeit und der Arbeitswille unseres Volkes rechtfertigen das Vertrauen, daß Deutschland sich diesen starken Eingriffen von außen gewachsen zeigen und seine privaten Verpflichtungen erfüllen wird, die auf uns lasten und nicht ge­ändert werden können.

Um Deutschlands Mut in feiner Lage und das Ver­trauen der Welt in unseren Willen zu erhalten,

Die notwendige Hilfe würde in ihrer Wirkung auf die Krise eine Wohltat für alle Länder fein; sie würde die Verhältnisie in den anderen Ländern verbessern und wesentlich die Gefahr vermindern, die durch Not und Mangel an Hoffnung für Deutschland heraufbe­schworen ist.

Die Parteiführer im Weißen Haus

Washington, 17. Dezember

Präsident Hoover hat zahlreiche Parteiführer zu einer Konferenz ins Weiße Haus berufen. Er forderte sie dabei auf, für die schleunigste Verabschie düng der Moratoriumsvorlage und die baldmög­lichste Einsetzuna der Körperschaft für den Wieder­aufbau der amerikanischen Wirtschaft einzutreten.

Der Führer der Republikanischen Staatsgruppe, ©neH, erwiderte dem Präsidenten, daß das Morato­rium wahrscheinlich noch in dieser Woche angenom­men werden würde. Dagegen werde es kaum mög­lich sein, die finanziellen Notmaßnahmen noch vor Weihnachten in Angriff zu nehmen.

England antwortet...

London, 17. Dezember.

Aus die französische Meinungsäußerung über Re­parationen und kurzfristige Kredite, die am 4. Dezem­ber dem Foreign Office zugestellt worden war, hat nunmehr die englische Regierung eine An t - w o r t n o t e übersandt, die im Laufe des heutigen Donnerstags in den Händen der französifchen Regie­rung fein wird. Sie gibt, wie dieTimes"' glaubt melden zu können, die Gründe an, weshalb England die kurzfristigen Kredite vor den Repa­rationen bevorzugt. Es wird ferner darauf hingewiefen, daß zudem in der französischen Rote aufgeworfenen Punkten nicht eher eine endgültige Erklärung abgegeben werden könne, als bis der Son­derausschuß der B. I. Z. seinen Bericht über die deutsche Zahlungsfähigkeit fertiggestellt habe.

Warum braucht Kassel sein Etaatstheater?

Eine wichtige Denkschrift -er Kasseler Negierung an das preußische Ministerium

Das Problem Kasseler Staatstheater wächst sich zu einem peinlichen Rätselraten aus: Alarmierende Mel­dungen und keine Gewißheit. Das Neueste ist in der nächsten Stunde schon nicht mehr neu und wahr. Der Grund für diese Unsicherheit ist einfach genug: Die extremen Nachrichten fußen auf Referenten ent­würfen im Preußischen Fittanzministerium, die heute nach dieser, morgen nach jener Richtung hin nei­gen, die heute Schließung des Theaters verlangen, morgen, mit Rücksicht auf die enormen Unterhaltungs­kosten auch nach einer Schließung, nur rücksichtslose Sparforderungen, lieber allem steht der Finanzmini- ster, der rigoros zu Einsparungen entschlossen ist, sich aber auch den kulturellen Ansprüchen und Forderungen nicht ganz verschließen kann.

Bei all diesen Erwägungen und Forderungen ist eines bisher immer noch nicht genügend unterstrichen worden:

die enge Verbundenheit der Existenz des Staats­theaters mit der Existenz der Stadt Kaffel selbst.

§Wie unsere Berliner Schriftleitung mel­det, liegt derade zu diesem wichtigen Thema eine grundsätzliche Erklärung des Kasseler Regierungspräsi­denten Di. Friedensburg beim preußischen Kul­tusminister und den übrigen preußischen Regierungs stellen vor. Die Richtlinien dieser Erklärung sind fol­gende: Der Regierungspräsident geht von Der Rechts­frage aus, die er indes nicht für entscheidend hält, ob­wohl bei der Uebcrnahme des kurhessischen Staats- und Thronvermögens int Jahre 1866 von preußischer Seite die Aufrechterhaltung der kurhefsischeit Einrichtungen zugesagt worden ist. Die Stadt Kassel ist auf Grund dieser geschichtlichen Tatsache gegenüber den meisten Grobstädten verhältnismäßig weitgehend staatlich gefördert worden; die Schlösser und Gärten im Stadtgebiet, die zahlreichen Museen, das Ttaatsthea- ter, die verhältnismäßig vielen höheren Schulen, Die höhere technische Staatslehranstalt für Hoch- unD Tief bau, die Kunstgewerbeschule und die Kunstakademie, endlich im vergangenen Jahre die Pädagogische Aka­demie, die Tatsache, datz Kassel der Sitz aller überhaupt in Frage kommenden höheren preußischen Behörden blieb bezw. wurde, haben Kassel erMbltch bevorzugt. Wenn daraus auch schwerlich ein daMrnder Rechtsan­spruch, namentlich für eine so kritMe Zeit wie die jetzige, abgeleitet werden kann, so dar, die Ltaatsregie- runa nicht übersehen, daß die Entwicklung der stadi nicht zuletzt auf diesen Grundlagen beruht und daß

ein auch nur teilweise erfolgender Abbau dieser Einrichtungen Nachteile für die Stadt und ihre Um gebung zur Folge haben mutz, Die die innere Struktur, ja geradezu die Existenzfahtgkeit der Stadt in Frage stellen. Für den gegenwärtigen Augenblick kommt «..sonders erschwerend hinzu, datz auch die Kasseler Industrie, namentlich tue Eisenbahnversorgungsbetriebe, in höchstem Matze N o t leiden.

Kaffel ist aber seiner Hauptbedeutung nach weniger eine Industriestadt, als eine Stadt, die früher als Re­sidenz, jetzt als P r o v in z h a u p t st a d t und zugleich als geschäftlicher und k u l t n r e 11 e r M t l 1 e l- punkt für ein verhältnismäßig großes Santigebiet gewachsen ist, und auch heute noch im wesentlichen von dieser Voraussetzung lebt. In einem Umkreis von fast 200 Kilometer gibt es keine Städte von mehr als 50 000 Einwohner»; Kassel weist also e i» a u s s i ch a n g e - wiesenes Verkehrsgebiet auf, wie Wohl keine andere Stadt in Teutfchland. Tie Bevölkerung des Gebietes ist dabei in kultureller Hinsicht verhältnis- mätzig anspruchsvoll. Das Tarniederliegen der In­dustrie verschiebt den Schwerpunkt der Kasseler Ent­wicklung immer stärker auf das Behörden- und Kul­turleben. Es liegt im Wesen Der Kulturlebens, Daß Die Stadt gegen Abbaumaßnahmen aus diesem Gebiete nicht nur im Augenblick Der jetzigen Krisis, sondern vor allen Singen auch nir die Tauer gegen jede Be­einträchtigung besonvers empfindlich ist. Eine unter­brochene kulturelle Entwicklung läßt sich weniger leimt wieder aufnehmen, als eine Durch zeitweilige Rück­schläge unterbrochene Wirtschaitsentwicklung.

Tie Erklärung der Kasseler Regierung zählt dann die bereits erfolgten Abbaumaßnahmen aus, dte bis­her in Der Schließung Der Pädagogischen Akademie gipfeln und sich auch in Der übrigen Bildungsarbeit Der Stadt gefährlich auswirken. Tie Krisis der Staatsfinanzen bat, so heißt es in Der Denkschrift dann weiter, für Kassel zunächst Die völlige Einstellung der Pädagogischen Akademie zur Folge gehabt, die am 1. 4. 1932 einstweilen geschloffen wird. Mit Sicherheit wird auch im kommenden Fabre eine wesentliche Ein­schränkung der Unterhaltungsmaßnahmen an Den staatlichen Gärten erfolgen müffen: das ist eine Maßnahme, die noch verbältmsmäßig leicht für vorübergehende Zeit wird ertragen werden können. Zehr viel größer wiegt schon eine drohende Ein­schränkung in dem Betrieb der staa liehen höheren Lehranstalten, sowie die in der Presse erörterte Ge­

fahr, daß die staatliche Kunstakademie wesentlich eingeschränkt werden wird. Auch der Abbau an Schulstellen auf den Volks- und Mittelschulen be­deutet eine nicht unwesentliche Verschlechterung der Bildungsarbeit in Kaffel.

Der Rcgierungspiäsideut zeichnet bann, hu Ein­klang mit Den auch von Seite» Der Kasseler Presse und der Stadt erhobene» Sparvorschlägen, de» Weg, auf dem das Staaistbeater mit verminderten Zu­schüssen seinen vollen Betrieb ausrechterbalten kann.

Zum Schluß kommt er zu folgenden Feststel­lungen :

Selbstverständlilh wird sich kein verständiger Bürger scharfen Sparmaßnahmen auch auf dem Ge­biet des Staatstheaters widersetzen. Tie Behörde Lasten, die das Staatstheater verursacht, daduich zu kann aber nicht vorschlagen, etwa die finanziellen Lasten, die das Staatstheater verursacht, dadurch zu erleichtern, datz man sie zum Teil auf andere Schul­ter» legt. Die ©ladt Kassel ist völlig außer­stande, einen auch nur irgendwie erheb­lichen Teil dieser Lasten zu überneh­men; die Kommunalaufsichtsbehörde mußte sogar scharfen Einspruch gegen jeden Versuch dieser Art erheben, zumal die Stadt Kaffel ohnedies nicht mehr aus eigener Kraft in der Lane ist. ihre Verpflich­tungen zu erfüllen, und auf Beihilfen aus Reichs und Staatsmitteln angewiesen ist. Dagegen kann der Staatstheaterbetrieb offenbar mit gewissen Beschrän­kungen die jeder in der jetzigen Zeit, zumal wenn sie vorübergehend sind, als unvermeidbar hinneh- men wird, recht wohl in seiner wesentlichen kul turellen Bedeutung aufrecht erhalten werde».

Schlechte Aussichten.?

lieber den gegenwärtige» Stand der Verhandlun­gen unterrichtet eine telephonische Mitteilung des zur Zeit in Berlin weilenden Oberbürgermeisters Dr. Stadler, in der gesagt wird, datz betreffs der Schließung des Kasseler Staatstheaters »och keine endgültigenEntschtüfse gefaßt wurden. Wei­ter teilt Oberbürgermeister Tr Stadler aber »och mit. daß wenig Aussicht auf Erhaltung des Staatstheaters besteht.

Oberbürgermeister Dr. Stadler ist heute noch ein mal beim Kultusminister vorstellig geworden, nach dem er gestern Den Finanzminifter ausgesucht hatte.

Alle Wege führen nach Genf

(Von unserer Berliner Schrift!eitung.)

Dr. Th. Kaum Hal der Reichskanzler Dr. Brüning nach dem Erlaß der großen Notverordnung ein wenig innerpolitische Ruhe gefunden, so muß der Außenmi­nister Dr. Brüning sich bereits in verstärktem Maße den Auseinandersetzungen zuwenden, Die jetzt über die Reparations- und Schuldenfrage in Gang gekom­men sind. Bevor der Reichstag im Februar wieder Zusammentritt (Die Januartagung gilt bereits jetzt für unwahrscheinlich) sind sehr bedeutsame Vorarbeiten für die außenpolitischen Entscheidungen zu leisten, die Der Anfang des nächsten Jahres bringen wird. Basel und Berlin, Washington und Paris sind gegenwärtig die Orte, an denen Die vorbereitenden Zusammen­künfte und Diskussionen, zuni Teil in recht tempera­mentvollen Formen, ftattfinben, und diese Städte werden auf diese Weise gewissermaßen zu Etappen auf dem Wege nach Genf, denn wenn auch über den Ort und den Zeitpunkt der kommenden großen Schuld enkonferenz noch keine endgültigen Abmachungen vorliegen, so gilt es doch gegenwärtig allgemein als sehr wahrscheinlich, daß diese große Konferenz noch im Januar oder spätestens Anfang Februar nach Genf einberufen wird, wo bekannt­lich am 2. Februar die feit langem vorbereitete Ab­rüstungskonferenz eröffnet wird, an deren Termin nicht gerüttelt werden soll. Aus diese Weise wurde die Heimstätte des Völkerbundes im Anfang Des nächsten Jahres in einem bisher noch nicht gekannten Matze zum Mittelpunkt aller politischen Auseinan­

dersetzungen werden.

So mannigfaltig die Orte und Probleme Der ge­genwärtigen Vorkonferenzen sinD, so einheitlich'ist die Tendenz erkennbar, alle diese Fragen- auf. einer ge- «neinfamen großen Zusammenkunft der Lösung naher zu bringen,' Vorläufig streitet man sich an den ver­schiedenen Orten und unter verschiedenen Gesichts­winkeln noch über die Einzelfragen, wobei pch ledoch das Reparationsproblem schon sehr deut­lich als das verbindende Kernstück der Gesamtausgabe erwiesen hat. Man weitz vorläufig noch nicht, zu wel­chem Ergebnis der beratende Soiiderauslchuß der B. F Z in Basel gelangen wird. Die Mitglieder Der deutschen Delegation haben alles Material über die öffentliche unD die privateFinanzwirtlchait; w Deutschland dargelegt, und es ist nun dte Umgäbe be Sachverständigen, sich ein Urteil über die deussA Lei­stungsfähigkeit zu bilden. I» den Haager Vercinva- rungen vom Januar 1930 ist ausdrücklich vorgesehen daß dieser Ausschuß die Lage unter allen Gesichts­punkten untersuchen und den Gläubigerregternugei sowie der B. I. Z. die Matznahmon Vorschlägen. die hinsichtlich der Anwendung des Aoungplanes (gemeint sind vor allem die Moratoriumsbestimmun- gen) zu ergreifen sind. Der Bericht des -^usschuffes wird vielleicht noch Ende dieser Woche zu erwarten sein, und wenn die Tachverstandigen ihre Au, gäbe sinngemäß erfüllen wollen, so können pe^zufeinem anderen Ergebnis gelangen, als zu der yeihtenung, daß die deutsche Leistungsfahlgke1t. un­ter keinen Umständen ausreichD u.» ne­ben der Rückerstattung der jetzt durch das Ltillhalte- ablommcn erfaßten Auslandskreditc auch noch poli­tische Reparationszahlungen an Die Gläubiger Mächte abzuführen. Der Ba­seler Ausschuß brauchte sich nur au; den Bericht de Wiqqin-Lavton-Ausschuffes zu beziehen, der stho» vor Monaten mit aller wünschenswerten Deutlichkeit viele

Feststellung getroffen hat.

in diesem Falle ein Vertreter Frankreichs an der Abfassung des Berichtes mitwirkt so ist zu be­fürchten, daß das bevorstehende Ergebnis von Ba,el au Klarheit und Eindeutigkeit hinter dem damaligen zurückbleibt. Tenn in Paris liegen nach rote vor die stärksten Widerstände gegen Die Anerkennung der Tat­sache, Daß die Reparationsverpslichtnngen auch in der durch den Youngplan getroffenen Regelung inzwi­schen zu einer Unmöglichkeit und zum stärk,tcn Hin­dernis in dem allgemeinen Kampfe gegen die Welt­wirtschaftskrise geworden sind. Aus politischen Erwä­gungen hält das Kabinett Laval, getrieben von der Rechtsopposition der französischen Kammer, starr am Scbema «es Poungplanes fest, aber man durste ,tch auch in Frankreich mit der Zeit davon überzeugen, daß dieses Verfahren zu einer wachsenden ^fcLerung der französischen Politik in diesen prägen führt, nits daß auch die gegenwärtige Vorherrfchaft Franlretchs auf dem Golomarkte nicht ausreichen dürfte, um die sch ädlichen Wirkungen einer solchen Isolierung auf die Dauer auszugleichen. Ter Gegensatz, der in dieser Hinsicht zwischen Den Anschauungen in Paris unD in Washington herrscht, gewinnt für Die Franzosen eine eminent praktische Bedmtung durch die inzwischen unlösbar gewordene Verknüpfung des Reparationsproblems mit der Frage Der interal­liierten Schulden. Der amerikanische Stand punkt ist in dieser Hinsicht seit langem sehr klar und eindeutig. Nur wenn Frankreich einen entsprechen Den Nachlaß an Deutschland gewährt, sind die Amen-