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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung JÄL Hessische Abendzeitung

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Jlummer 294 * Miiiwock, 46. Dezember 1934 21 Zahrgang

Rätselraten um die preußische Notverordnung

Gerüchte über die preußischen Sparmaßnahmen / Hitler kritisiert Brüning / Heute Durchsührungsbefiimmungen über die Mietensenkung

Reue Alarmmeldungen

(Von unserer Berliner Schriftleitung).

Hitlers Antwort an Brüning

Eigener.Drqht bericht.

f th. Berlin, 16. Dezember.

Die Arbeiten an den Durchführungsbe- pimmungen zur neuen Notverordnung werden mit Beschleunigung weitergeführt, aber es ist trotzdem noch nicht möglich gewesen, das besonders in­teressierende Kapitel über die M i e t e n s e n k u n g zu veröffentlichen. Nunmehr ist mit Bestimmtheit für den heutigen Tag das Erscheinen dieses Teils der Durch­führungsbestimmungen in Aussicht genommen wor­den. Der Gedanke, daß evtl. noch eine neue ergän­zende Notverordnung erforderlich sein könnte, um einige noch ungeklärte Punkte zu klären, wird von den amtlichen Stellen nicht aufgegriffen werden, da man dort die Auffassung vertritt, daß für alle noch zu verhandelnden Fälle der Weg der Durchführungs­bestimmungen vollkommen ausreicht.

Heute Aeltestenrat

Der Reichskanzler hat gestern an einer Sitzung der Z e n t r u m s f r a k t i o n teilgenommen, wo ihm abermals das Vertrauen der Partei ausge­sprochen wurde. Er hatte über die Einzelheiten der Notverordnung und über die gesamte politische Lage referiert, während Arbeitsminister Stegerwald in der­selben Sitzung über die sozialpolitischen Fragen in­nerhalb des Rahmens der Notverordnung gesprochen hatte. Selbstverständlich hat das Zentrum sich auf den Standpunkt gestellt, daß es die vorzeitige Einbe­rufung des Reichstags ablehnt, und nachdem gestern auch die Fraktion der C h r i st l i ch - S o z i a l c n, in der der Reichsverkehrsminister Trevrranus einen Vor­trag hielt, sich auf den Standpunkt stellte, daß die Fraktion kein Interesse an einer Einbe­rufung des Reichstages vor Weihnachten habe, sind nunmehr von allen in Betracht kommenden Parteien die Erklärungen über ihre Stellungnahme zur Parlamentseinberufung vorhanden. Daraus er­gibt sich, daß der Aeltestenrat des Reichstags, der im Laufe des heutigen Tages zusammentritt, mit derselben Mehrheit wie vor 14 Tagen, die Reichs­tagseinberufung ablehnen wird.

Besonderes Interesse wendet man gegenwärtig den Verhandlungen der preußischen Regierung zu, die, wie gestern bereits gemeldet wurde, in den nächsten Tagen eine besondere Notverordnung zu verkünden gedenkt, um damit den preußischen Etat ins Gleichgewicht zu bringen. Diese neue Skotverord- nung der preußischen Regierung wird nunmehr vor­aussichtlich Anfang der nächsten Woche er­scheinen.

lieber ihren Inhalt wurde bisher gemeldet, daß vor allem die Schlachtsteuer zum Ausgleich des Etats nach bayrischem Vorbild nun auch in Preußen eingeführt werden solle. Es scheint jedoch, daß darüber noch nicht die letzten Beschlüsse des preußischen Kabi­netts gefaßt sind, sondern der preußische Finanz­minister wird erst noch bestimmt: wirtschaftliche Er­wägungen anstellen, ehe die preußische Regierung ab­schließend zu dieser Frage Stellung nimmt.

Schließung der Siaaisiheaier?

Der Sozialdemokratische Pressedienst ist in der Lage, eine Reihe Einzelheiten aus dem vor­aussichtlichen Inhalt der neuen Notverordnung mit­zuteilen, jedoch wird man diesen Meldungen gegen­über starke Reserve bewahren müssen» weil diese Dinge offenbar noch aus einem sehr schwankenden Grunde stehen. Es ist an sich schon auffallend, daß die Mitteilungen dieser sozialdemokratischen Korrespon­denz heute lediglich von zwei rechtsstehenden Blät­tern und einem linksstehenden Blatte in Berlin ver­öffentlicht werden, nicht aber, wie man in erster Linie annehmen sollte, vomVorwärts", der von diesen Meldungen überhaupt keine Notiz nimmt.

Aus dem Inhalt sei erwähnt, daß die neue preu­ßische Notverordnung zunächst die Kürzung der Be­amtengehälter auf Grund der neuen Notverordnung verfügt, und daß darüber hinaus ein Verwal­tungsabbau auf Grund der Ermächtigungsver­ordnung vom 6. Oktober vorgenommen werden soll lieber das Ausmaß dieses Abbaues wird jedoch nichts Näheres mitgeteilt. Es sollen 4 0 Oberförster­stellen dem Abbau verfallen.

Mit besonderer Vorsicht ist die Mitteilung aufzu­nehmen, das sämtliche Staatstheater in Preußen, mit Ausnahme des staatlichen Opern­hauses und des staatlichen Schauspielhauses in Ber­lin, geschloffen werden sollen, währeno noch vor weni­gen Tagen Mitteilungen über eine organisatorische Zusammenlegung z. B. der Sraatslheater in Kassel und Wiesbaden ausgegeben wurden. Diese Frage be­darf unbedingt noch der Klärung.

Der Plan der Schließung zahlreichei pädago­gischer Akademien ist schon vor längerer Zeit

bekannt geworden und außerdem sollen 3040 kleinere Amtsgerichte verschwinden. Ferner ist in den letzten Tagen davon die Rede gewesen, daß die preußische Regierung im Rahmen dieser neuen Notverordnung eine Herabsetzung der Altersgrenze der Beamten von 65 auf 62 Jahre beabsichtigt. Eben­so bestand der Plan, zahlreiche Landkreise mit anderen Landkreisen zusammenzufassen und auf diese Weise das System zu vereinfachen.

lieber beide Fragen ist der letzte Beschluß der preußischen Regierung noch nicht gefaßt und es scheint z. B., daß die Herabsetzung der Alters­grenze im Augenblick noch nicht beab­sichtigt ist. Auch in dieser Hinsicht wird man die weiteren Beschlüsse der preußischen Regierung abwar­ten müssen, sodaß den Mitteilungen des Sozialdemo­kratischen Pressedienstes vorläufig nur ein sehr be dingter Wert zugemessen werden kann.

*

Eine Alarmmeldung jagt die andere. Gestern ver­langte man, in Wiesbaden und Kassel eine halbe Million einzusparen, heute wird mit völliger Schließung gedroht, mit einer Maßnahme, die mehr zerstört als ausbaut, da der Rie- senattfwand für Pensionen, Arbeitslosenunterstüt­zung und Gebäuseerhaltmtq wahrscheinlich an die Summe heranreichen würbe, die der Staat für seine Theater als Zuschuß einsetzt, ungerechnet den wirt schastlichen Schaden, der die Stadt durch een Umlauf der im Theater mngesetzten Millionen trifft.

Wir sind gewiß, daß diese Erwägungen in Berlin ebenso gestellt worden sind wie in Kassel und Wies­baden uu6> es ist deshalb, rechnet man bei Regie- rungsentschlüssen mit vernünftigen Beweggründen, anzunehmen, daß die Drohung ein Druckmittel auf die Städte fein soll, den Staatszuschutz auf die eigenen Schultern zu nehmen (in Kassel bekannt­lich ganz undiskutabel!) oder ein Druck auf das Per­sonal der Theater, die Gagen raortal abbauen zu können, ein Ziel, das freilich auch mit dem Zwang zu Einsparungen erreicht werden könnte.

Wie bekannt wird, weiten Oberpräsident Haas und Oberbürgermeister Dr. Stadler zur Zeit in Berlin, um in einer Aussprache mit dem Finanzmini­ster Dr. Klepper alle diese Dinge zu behandeln. Auch diese Tatsache spricht dafür, daß Entscheidun­gen in dem Sinne, wie der genannte Pressedienst an- kündigt, noch nicht gefallen sind.

München. 16 Dezember.

Die als Sondernummer des »Völkischen Beob­achters" veröffentlichte Antwort Hitlers auf die Rundfunkrede des Reichskanzlers Brüning besagt zunächst, die Partei sei jederzeit bereit, vom Reden abzugehen und die Verantwortung zu über­nehmen.

In der Frage d-r Legalität sei er mit allen Führern und Parteigenoffen in voller Ueber- einstimnmng, ausgenommen von jenen, die ihm von anderer Seite als Spitzel in die Partei hineingeschickt worden seien für die aber nicht er verantwortlich zu machen sei. Es habe freilich in seiner Partei einzelne Füh­rer gegeben, die mit feiner Legalitätsauffassunq nicht übereinstimmten, erklärt aber, daß diese Führer engere Beziehungen zu amtlichen deutschen Stellen gehabt hätten, als er selbst und sagt, daß solche Männer ohne weiteres aus der Partei entfernt wor­den feien.

Hitler richtet bann an den Reichskanzler die Frage, ob es außenpolitisch richtig und klug sei, eine Bewegung, die nationalpolitisch gesehen, den einzigen Aktivposten Deutschlands für eine wirk­liche nationale. Außenpolitik überhaupt darstelle, planmäßig der Welt gegenüber als eine illegale und verderbliche Räuberbande vorstellen zu lassen, ohne aber auch nur im geringsten den Sieg dieser Bewe­gung verhindern zu können.

Hitler nimmt dann Bezug auf die Stelle der Rede des Reichskanzlers, in der es heißt, der Kanzler lehne es als Staatsmann ab, daß die Natwnalsozialistcn, legal zur Macht gekommen, die Regalität durchbrechen könnten. Wenn die deutsche Nation die national» sozialistische Bewegung legitimiere, eine andere Verfassung als- die heutige niederzulegen und zum Gesetz unseres Lebens werden zu lassen, dann könne es der Reichskanzler nicht verhindern. Die national­sozialistische Bewegung habe den Geist der heutigen Verfassung richtiger erfaßt als das derzeitig herr­schende System.

Er verspreche schon jetzt, daß die Nationalsozia­listen, die jeweils gültige Verfassung auch dem Sinne nach treuer respektieren, als das heutige System die von Weimar,

Der Vor Wurf der Illusionen treffe nicht die

Bott ohne Jugend

Son Dr. Friedrich Burgd-rser. Direktor tm Sto« tiftiW» Reichsamt Berlin, erichewt demnach» ein Buch ..Volk ohne Ingen»', dessen bevolkernngsstaN- itische tzrovbezcinngen anherordentliches «niseben er­regen dürften. Direktor Bnrgdörfer bat unseren Mitarbeiter Egon Larsen cnwfanflcn nnb tbrn die wesentlichsten Punkte ,einer Arbeit ausgetuhrt:

Es gibt drei Grundformen der Bevölkerungs­struktur: das jungt, wachsende Volk, das alternde, stationäre Volk und das überalterte, fchrumpfende Volk. Stellt man biefe drei Grundformen graphisch in der Art dar, daß die wagerechte Ebene die Bevöl­kerungszahl, die senkrechte die Atersjahre bedeutet, so zeigt das junge Volk die Form einer Pyramide, das alternde die Form eines Zuckerhutes und das über­alterte die einer Zwiebel; das heißt: je älter ein Volk ist, desto breiter ist die Bevölkerungsquote der älteren Menschen auf Kosten der Jugend.

Eines der wichtigsten Spezialgebiete der Bevölke­rungsforschung ist dieBereinigung der Lebensbilanz", d. h. die Umrechnung der sich aus der Statistik ergebenden scheinbaren Geburts­und Sterblichkeitsziffern in das wirkliche Verhältnis. Deutschland hatte 1930 auf 1000 Einwohner 17,5 Ge­burten und 11,5 Sterbefälle, mithin ein scheinbares Plus von 6 pro Tausend Dieser Geburtenüberschuß ist jedoch trügerisch, und zwar infolge der Eigenart unseres heutigen Lebensaufbaus, der durch Krieg und Krise unterminiert ist. Zwar sind die mittleren Jahr­gänge der Bevölkerung heute besser besetzt als im Jahre 1910 aber

die Basis der Bevölkerung, die jugendlichen Jahr­gänge, ist außerordentlich dünn besetzt, und dieser Schrumpfungsvorgang ist nicht etwa im Schwinden begriffen, sondern hat, nach kurzer Nach- kriegs-Geburtenfreudigkeit, seit 23 Jahren von neuem eingesetzt.

Die Ursachen sind einleuchtend. Während des Krieges, als die Männer im Feld standen, als Mil­lionen jahrelang ober für immer aus den Reihen bet

Familienväter ausschieben, setzte ein außerordentlich starker Geburtenrückgang ein; vier Kriegsjahrgänge sind kaum zur Hälfte besetzt, 3% Millionen Kinder blieben ungeboren. Diese Lücke, die heute in den Reihen der 1216jährigen klafft, deformiert den gan­zen. Unterbau der Bevölkerungsstruktur. Sie rutscht mit den Jahren immer höher hinauf und wird im Jahre 1945 das kritische Stadium erreichen: nämlich dasHeiratsalter" von 2530 Jahren. Von da an wird sich der Geburtenrückgang, der Schrumpfungs­und Ueberalterungsprozetz erst in feiner vollen Schwere bemerkbar machen, bis zum Jahre 2000, wenn Die letzten Ueberübenben ber Kriegsjugenb verschwun- ben fein werben. Das kommende Jahrtausenb würde also, wenn keine anderen Umstände vorliegen wür­den, von neuem dasZuckerhutbild" eines stationären Bevölkerungsstandes aufweisen.

Leider aber haben die allerletzten Jahre gezeigt, daß dieser günstige Fall kaum eintreten dürste. Die Krise seit 1929 hat die Zahl ber Eheschließungen unb Geburten dezimiert, und nach den heutigen Verhält­nissen und denen der nahen Zukunft zu schließen, wird dieser Schrumpfungsprozeß eher fortschreiten als ab­nehmen. DerZuckerhut" des Jahres 2000 wird also höchstwahrscheinlich zurZwiebel" werden einem Volkskörper mit schwach besetzten jugendlichen und starkbesetzte» alten Jahrgängen. Dieser Voraussage ist die Fortdauer des Geburtenrückganges, der seit drei Jahren etwa 25 Prozent beträgt, zugrunde ge­legt. Die Folgen sind heute schon ziemlich klar vor- auszusagen.

Die Bevölkerungszahl Deutschlands wird von ihrer heutigen Basis von 65 Millionen bis 1945 auf 67 Millionen steigen, um sann rapide zu finken.

Im Jahre 2000 würde Deutschland nur mehr 46 Millionen Einwohner haben! Im Jahre 1945 werden doppelt soviel Menschen sterben

nationale Opposition, sondern zu allererst das heutig« System.

Die neue Notverordnung werde sich in W Hoff­nungen, die man an sie knüpfe, als eine Zllu- sion erweisen.

Er habe keine Veranlassung, diese seine Auffassungen einem System gegenüber zu begründen, das von sich selbst überzeugt sei, die sachliche Vernunft zu verkör­pern, während man die Opposition als in Traum- und Wunschbildern befangen hinstelle.

Zum Schluß besaßt sich Hitler mit den in ber letz­ten Notverordnung getroffenen Maßnahmen zum Schutze bes inneren g-riebens. Die Entwaff­nungsbestimmungen würben niemals die Unanständi­gen vom Angriff zurückhalten, unb noch niemals habe ber Unanständige die Waffen abgegeben, sondern immer nur der Anständige. Durch diesen Teil der Notverord­nung dürste ber Terror und die öffentliche Unsicherheit eine abermalige Steigerung erfahren. Auch die Wir­kung dieser Notverordnung werbe, obwohl anders ge­dacht, mithelfen, seiner Partei den Sieg »u verleihen.

Wir sind keine Zauberkünstler"

Berlin, 16. Dezember.

D e P e y e r i m h o f f, ber französische Führer im deutsch-französischen Wirtschaftsausschuß, besten erste Unterkommission gestern zum erstenmal zusammengc- treten ist, erklärte einem Mitarbeiter des .Porsen- knriers" in einer Unterredung, angesichts ber kata­strophalen Sage ber Weltwirtschaft sei es dix Pflicht alter verantwortlichen Männer, gemein) am ben Weg aus der gegenwärtigen Unordnung zu finden, die nicht nur den allgemeinen Wohl­stand, sondern auch das soziale Gleichgewicht der Völ­ker bedrohe.

Wir sind keine Zauberkünstler, so führt« Peyerimhoss weiter "ans, wir sind nicht in ber Lage, auf einen Schlag bem erschütterten Europa wieder zur Gesundung zu verhelfen. Es ist auch unmöglich, in drei Tagen die ftansofisch-dtu.tschen Be­ziehungen auf eine so ersprießliche Basis der Ztz- fammenarbMt zu stellen, wie wir uns das zum Ziel gesetzt haben. Woraus es ankommt, das ist: Das uns Gemeinsame auch gemeinsam sichtbar zu machen.

als heute, nämlich 600 000, und diese Zahl wird von Jahr zu Jahr steigen. DieHypothek des Todes" lastet auf unserem heutigen scheinbaren Geburtenüber­schuß, unb sie wird eingelöst werben müssen. Diese Ueberalterung" bes Volkskörpers ist die wesentlichste Frage. Die Zahl ber älteren Menschen wird sich in ben nächsten Jahrzehnten verdreifachen. Was das für die Alters-, Invaliden- und Krankenversicherungen bedeutet, läßt sich heute noch nicht entfernt ermessen.

©reift man die Zahlen für Berlin heraus, s» bietet sich ein merkwürdiges Bild.

Unter allen Weltstädten der Erde hat Berlin augenblicklich schon den größten Sterbeüberschutz

Von fünf Kindern, deren Geburt zur Erhaltung ber augenblicklichen Bevölkernngszabl Berlins (4,2 Mil­lionen) notwenbig wäre, werden nur zwei geboren. Wird die Einwohnerzahl Berlins nicht durch Zn-.- Wanderung anfgesrischt, so wird sie 1955 nur mehr 3 Millionen, 1985 nur mehr 1,5 Millionen und 2015 nur mehr eine halbe Million betragen; im Jahre 2075 wird sie auf 100 000 gesunken fein. Es ist aber nicht anzunehmen, daß dieser Fall eintreten wird; die Zuwanderung wird ein allzu starkes Absinken ber Einwohnerzahl verhindern. Allerdings das Ber­lin der Zukunft wird nur noch einen Bruch-, teil wirklicher Berliner aufweisen.

Alle anderen deutschen Groß-, Mittel- und Klein­städte werden stärker oder schwäch:r die gleiche ab­steigende Bevölkerungstenden; zeigen; nur das flache Land wird nach wie vor Geburtenüberschuß aufwei­sen. Das wird die Frage aufwerfen, ob die Beoölke- rungspolitik besser Daran tut, ben Zuwachs vom Laube in bic Städte hinüberzulerten oder ihn auf

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Geflüchtete Millionen in Liechtenstein

Heute zweiter Artikel