Einzelpreis 10 Pfennig
KaMer Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
erfSehtungSweffe: w0<9entltd) fetbsmol naLmtttas«. flhonnementBoretB: tat Den Monat »JO * bet tret« Ru. fttUung tni Haus in bei ©efeäftäfteQe abgebolt 3.10 Jt Durch bte Pott monatlich 2.30 J auSschliehlich Zu» fteCungsgebübi. jn Fällen von böbetet Gewalt beftebt kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf fflüdia6(ung de» Sezuasoreties Verlag Sdtrtftlettung und Druckerei: Sölutfche Strobe 10. — Telephon: Gammel »um wer 6800 3uttirtf®e Lvrechttundeu Dienstag und drei tag» 17—16 Uhr ttölntftbe 6 trabe 10. L
Hessische Abendzeitung
«nzetgenvreife: Sefchäftr. und KamiNen-Anzeigen dte 80 nun «Sette 11 vfennig Kleine Anzeigen «6b Kassel da» Wort 7 A Auswärtige Kleine Anzeigen die 80 mm breite Seile 11 A. Anzeigen iw Reklameteil die 78 mm breite Zeile 45 A Offertgebübr 25 A (bei Zustellung 85 JE — Kür das Erscheinen von Anzeigen tu bestimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine Seroäbi. Rechnungsbeträge innerhalb von 6 Zagen zahlbar Gerichtsstand Sattel. — Postscheckkonto Svaakfurt a. Bl 6880
Nummer 292 *
Moniaa, 14. Dezember 1931
21 Jahrgang
Oer Ka»upf um das Hooverfeierjahr
Entscheidung des Kongresses nicht vor Mitte Januar? / Frankreich und die Baseler Verhandlungen / Oer Prozeß gegen die österreichischen Putschisten
Optimismus im
'XV
eißen Haus
(Eigener Drahlbericht.)
Washington, 14. Dezember.
Obgleich wegen der vom 22! Dezember bis zuin 4. Januar dauernden Kongreßferien mit einer Entscheidung über die Annahme des Hooverseier- j a h r e s wahrscheinlich erst Mitte I a n u a r zu rcch- uen ist, herrscht doch schon jetzj in Regierungskreisen hinsichtlich dieser Angelegenheit der größte Optimts- inus,
Unterstaatssekretär Mills wies in einer langen Erklärung darauf hin, daß seinerzeit 68 Senatoren und 276 Abgeordnete dem Hooverplan zugestimmt hätten. Es sei nicht ausgeschlossen, daß das Staats- departement von sich aus am Montag die diplomatischen Vertreter der Schuldnerstaaten nm#tid> davon in Kenntnis setzen werde, daß man sic u Anbetracht der eingetretenen Ratifizierungsverzögerung nicht als im Rückstand mit ihren Zahlungen anseh" ch.Uls erklärte, daß Anfragen bereits in diesem Sinne beantwortet seien, wobei er hinzufügte, daß man am Sonnabend von dem Kongreßmitgliedern keine bindende Erklärung verlangt habe, sonder« sie lediglich von der geplanten Verbalnote unterrichtet habe, um ihre Ansicht dazu zu hören.
Senator Smoot will am heutigen Montag eine Entschließung einbringen, derzusolge e§ ve» Schul» uerländern gestattet sein soll, Zablungc.t i» Silber zum Marktpreise zu leisten.
Da die Widerstände gegen die Ratifizierung des Hoovtrmoratoriums besonders vom Senat ausgehen, darf die folgende Londoner Meldung Anspruch auf besondere Beachtung erheben: In einem Leitartikel nimmt die „Times" zu der (in unserer Sonnabend - Ausgabe veröffentlichten) Erklärung Mellons Stellung und schreibt, daß die Hoffnung, Hoover werde die Führerrolle übernehmen, sich nicht erfüllt habe. Man müsse mit dem sehr ernsten Widerstand des Senats gegen die Wiedereinrichtung der Schuldenkommission rechnen. Der Senat habe gezeigt, daß er die engen Zusammenhänge zwischen dem wirtschaftlichen Zusammenbruch in Amerika und der übrigen Welt nicht sehe, obwohl es klar sei, daß die Wiederbelebung des Handels überall in der Welt die notwendige Voraussetzung auch für Amerikas Wohlergehen sei. „Times" schließt mit einem Appell an den Senat, dir Lage eingehend zu untersuchen und seine Meinung zu ändern, denn die Schwierigkeiten, die sich aus Tributen, Kriegsschulden, Rüstungen und Zolltarifen ergäben, seien nicht unüberwindlich.
„Morning Post" erkennt die staatsmännische Klugheit'der Mellonschen Aeußerungen voll an, meint aber, daß nach wie vor der erste Schritt zur Revision der Kriegsschulden von Amerika und nicht von England getan werden müsse. „Daily Telegraph" erblickt dagegen in den Worten Mellons eine Aufforderung an England, seinerseits mit Vorschlägen herauszukommen. Auf lange Sicht bleibe die vollständige Streichung aller Regierungsschulden das einzige Mittel, um die Wohlfahrt in der Welt wieder herzustellen.
Borah erneut für Revision der Verträge
London, 14. Dezember.
Der Sonderkorrespondent des „Daily Herald" berichtet aus einer Unterredung, die er mit Senator Borah hatte, daß dieser der Ansicht sei, eine Besserung der europäischen Lage könne nur durch eine Annäherung Frankreichs und Deutschlands auf der Basis eines solchen Programms erfolgen, das Deutschland wieder Lebensmöglichkeiten gäbe. Was bezüglich der Reparationen getan werden könne, liege fast ausschließlich bei Frankreich. Allerdings setzt die Durchführung eines solchen Programms, auf das die ganze Welt warte, eine Kursänderung der jetzigen französischen Politik voraus.
Senator Borah, der betonte, er glaube nach wie vor an die Notwendigkeit einer Revision des Versailler Vertrages, legte im Laufe der Unterredung dann dar, daß er deshalb für die Gewährung «des Hoover-Moratoriums eingetreten fei, um Europa die Möglichkeit zu geben, sich einen gesunden Wirtschaftsplan zu schaffen. Er sei jedoch nur für ein einjähriges Moratorium gewesen, denn, so sagte er, im gegenwärtigen Augenblick sei ein Punkt erreicht, wo eine Moratoriumsregelung, die die Zahlungsfähigkeit zur Grundlage habe, die Schwierigkeiten nicht aus der Welt zu schaffen imstande ist. Helfen könne jetzt nur mehr eine Schulden st ret- chung.
Borah schloß, er wolle noch die Abrüstungskonferenz abwarten, die seiner Meinung nach in Wirklichkeit eine Wirtschaftskonferenz sei. Ohne eine Verminderung der Rüstungen sei eine Wirtschaftskonferenz zwecklos.
Frankreich gefährdet die Baseler Beratungen
th. Berlin, 14. Dezember.
Die Vorgänge in Basel und Washington werden in Berlin selbstverständlich ausmerksanr verfolgt. Der Reichskanzler Dr. Brüning hat in der Rede, die er am Sonnabend abend auf dem Bankett der Berliner Handelskammer in Berlin halten wollte, die er aber wegen Unpäßlichkeit durch den Reichswirtschaftsminister Warmhold verlesen ließ (siehe Seite 2!), die Formel geprägt „Entweder man läßt uns exportieren, dann können wir bezahlen, oder man verringert unfern Export, dann macht man uns die Zahlung politischer Schubsen selbst unmöglich." Aus dieser Aeußerung des Reichskanzlers und auch aus anderen Aeußerungen, die aus Berliner politischen Kreisen kommen, hat man in Paris den Schluß gezogen, daß Deutschland seine bisherigen Reparationszahlungen endgültig einstellen will, und man nimmt diese „Nichterfüllungspolitik" als Anlaß, von der im Haager Abkommen vorgesehenen „Zerreißung des Youngplanes" zu sprechen, durch die die Franzosen die Möglichkeit haben würden, auf die im Haag seinerzeit mehrfach erörterten Sanktionen zurückzukommen. Dadurch ist natürlich
eine außerordentliche Erschwerung der Baseler Verhandlungen eingetreten, und der französische Standpunkt, daß für jede Konzession auf dem Reparationsgebiet eine gleich große Konzession auf dem Gebiete der interalliierten Schulden erfolgen müsse, trägt dazu bei, die Möglichkeit eines praktifchen Ergebnisses in Bafel weiterhin zu verringern.
Dieser französische Standpunkt hat selbswerständ- lich vor allem in 21 tn e r i! o unliebsames Aufsehen erregt. Die Vorgänge in Washington haben deutlich gezeigt, wie schwierig es auf Grund der bisherigen Haltung geworden ist, den Gedanken des Hooverjahres beizubehalten, und wenn auch nach der au der Spitze der heutigen Ausgabe veröffentlichten Meldung heute in Washingtoner Regierungskreifen wieder starker Optimismus herrscht, so hat der Gang
der Kongreßverhandlungen für Hoover doch eine Enttäuschung bedeutet. Präsident Hoover hatte zwar seinerzeit, als er im Juni seine große Aktion unternahm, sich die Zustimmung nicht nur der republikanischen Partei, sondern auch der demokratischen Opposition durch Erklärungen der führenden Parlamentarier geben lassen, aber jetzt stellte es sich zunächst heraus, daß diese damaligen Erklärungen von den Parteien selbst doch nicht in allen Punkten innegehalten weiden. Jedenfalls ist diese nachträgliche LHpo- sition gegen den Vorschlag Hoovers, der mit der glatten Erledigung dieser Angelegenheit im Kongreß gerechnet hatte, vor allem darauf zurückzuführen, daß man in Amerika inzwischen offenbar zu der Erkenntnis gelangt ist, wie schwer der Gedanke des Hoover- Feierjahres durch die französischen Gegenwirkungen beeinträchtigt worden ist.
Die amerikanischen Steuerzahler find keinesfalls geneigt, den Franzofen Zugeständuisse in der Frage der Schulden an Amerika zu machen, wenn nicht die Franzosen Entgegenkommen zeigen.
Präsident Hoover hat nun vorgeschlagen, die ganze Angelegenheit aus dem Parlament heraus vor eine neue Schuldenkommission zu bringen, wie sie bereits im Jahre 1922 existierte. Damals war aber Frankreich finanziell in einer außerordentlich schwachen Position, während sich jetzt die Verhältnisse genau umgekehrt haben.
Selbstverständlich werden durch diese Vorgänge in Basel die Möglichkeiten zu einem baldigen Abschluß der Baseler Verhandlungen verringert. Trotzdem hofft man, daß es dem beratenden Sonderausschuß in Basel noch gelingen wird, unmittelbar vor Weihnachten einen Abschluß seiner Ar- beiten zu erzielen.
Diese außenpolitischen Vorgänge nehmen zurzeit das Hauptinteresse der Reichsregierung vollkommen in Anspruch. Jnnerpolitisch dagegen ist der in der neuen Notverordnung angekündigte Burgfrieden schon in vollem Umfange eingetreten. Ei
nige Ausschüsse und Fraktionen werden zwar Reichstag noch Sitzungen abhalten, so z. B. heute die Sozialdemokraten, aber wenn am Mittwoch oder Donnerstag der Aeltestenrat zusammentritt, wir» er, wie dies jetzt feststeht (siehe Seite 21), die Eiuberu- fung des Reichstages ablehnen, und es wird weit bis in den Januar hinein innerpolitisch vollkcmmene Ruhe herrschen.
Oie österreichischen Putschisten vor Gericht
Graz, 14. Dezember.
Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen acht führende Mitglieder des Heimatschutzes, die wegen des Putschversuches am 13. September des Verbrechens des Hochverrats angeklagt sind. Der Haupträdelsführer ist der Bundesführer des Heimatschutzes Dr. Walter Pfrimer, Rechtsanwalt in Judenburg. Er ist nach dem mißglückten Putsch ins Ausland geflohen und erst am 7. Dezember nach Oesterreich zurückgekehrt. Mit ihm angeklagt sind dann noch der Landtagsabgeordnete Konstantin Kammer- hofer, Oberst der Reserve Richard Flechner, Oberst der Reserve Viktor Hofer, Hauptmann der Reserve Franz Harter, Karl Harant, Franz Seltner und Oberst der
im Reserve Johann Riedlechuer. Sämtliche Angeklagte - sind unbescholten.
Dr. Psrimer gab bei seiner Vernehmung in der Voruntersuchung die ihm zur Last gelegten Handlungen im wesentlichen zu, bekannte sich jedoch de« Hochverrats nicht schuldig.
Das neue japanische Kabinett
Tokio, 14. Dezember.
Das neue japanische Kabinett setzt sich unter anderem aus folgenden Persönlichkeiten zusammen: Ministerpräsident: Jnukai, Außenminister: Joschi- sawa, Kriegsminister: Araki, Landwirtschaftsminister: Jamanasi, Innenminister: Adatschi, Minister für Volksbildung: Katojama, Wirtsehaftsm-inister: Majeda. Die übrigen Minister sind noch nicht ernannt.
Nanking, 14. Dezember. Marschall Tschiana- k Lische k teilt mit, daß er das zweite Ultimatum das von dem japanischen Oberkommando aus Mulden wegen der Räumung Kintschans an ihn ger chtet wurde, abgelehnt habe. Er erklärte, daß er Kim- schau nicht ohne Kampf räumen werde.
Nach einer amtlichen chinesischen Mitteilung, hat die japanische Kavallerie die chinesischen Stellungen nördlich von dem Fluß Ljao angegriffen. Die Chinesen haben den japanischem Angriff zurückgeschlagen.
Oie Lehren des Kernostkonflikts
Von Professor Dr. K. Haushofer-München.
Das Juterette für die Vorgänge im Fernen Osten droht stark vernackläistat m werden. Das ist nur w verständlich, weil Deutschland und Vnrova genug mit eigenen Sorge« beschäftigt sind. Aber der Ostkomlikt -ft mit feinen Begleiterscheinungen «Versagen des Völ- cerbnndes oh».) von grundsätzlicher Bedeutung für die gesamte Weltpolitik. Wir haben deshalb de» hervorragenden Senner Oftastens, Profettor, va «s Hofe r , der in Sattel durch ferne Vortrage m der « « r- bef fischen Gesellschaft f «r 8» «ft «nd Wissenschaft besonders bekannt ist, gebeten. e>»- mal aus dem Mandsrharel-Aonflikt die Lehre« für Carova z« ziehe«.
Durch den Triebsand der chinesisch-japanischen Reizzustände in der Mandschurei vom Auslaufen des russifchen Pachtrechts 1923 bis zum Versagen des Völkerbundes 1931 gibt es nur eine feste und zwar die geopolitische Führungslinie: Von der Schaffung des Unfugs der Fremdgewalt-Eingriffe in der Mandschurei 1895 bis 1898 geht die Entwicklung abwärts, bis die letzte vom Bürgerkrieg unzer- riffen: Million Quadratkilometer chinesischen Kolonialbodens 1931 auch unterm Beile lag, oder vielmehr unter dem japanischen Zugriff nach allen ihren Lebensadern.
Datz dieser Zugriff aber auf Gru.td von 142 Raubund Mordfällen an japanischen Untertanen int Einzelnen und in Gruppen, und 57 Eifenbahn-Ueber- fällen in sauberen Aktenmappen — mit einem Schein von schwer angreifbarem internationalen Recht erfolgen konnte, daran trifft Japan keine Schuld und kein Verdienst. Beide treffen die Unordnung in China überhaupt, und im Besonderen an der Quelle die zwei chinesischen und russischen Würdenträger L i Hung Tschang und Fürst Lobanow, die 1896 eines der unre.uuchsten Vertragsim'trf mente auskoch- tm, das jemals Unheil in der Weltpolitik gestiftet hat. In diesem Li-Lobanow-Vertrug ist zuerst das Stammland der Mandschu-Dynastie mit wesentlichen Souveränitätsrechten den Fremden, und zwar den Russen ausgeliefert und die Anomalie einer fremdbesetzten Eisenbahnlinie auf chinesischem Boden durch Chinas Rachebedürfnis an Japan für 1894/95 und Rußlands Ländergier geschaffen Worten. Daraus entsprang folgerichtig alles weitere Uebel dessen Urheberschaft Japan deshalb vor andere Türen legen kann.
Uralter chinesischer Volksboden freilich — wie dem gläubigen Mitteleuropa von einer sehr geschickt geleiteten chinesischen Propaganda zur Verteidigung des Vaterlandes gelegentlich erzählt wurde — ist das Stammland der letzten fxrmden, deshalb vertriebenen Ta-Tsing-Dynastie nicht.' Erst 1643 ist von dort aus China erobert und eine Personal-Union hergestellt worden. Dabei ist die Mandschurei von den tätigsten Wellen ihrer kriegerischen Bewohner verlassen worden; ihr Stammland blieb fast leer gewandert zurück (tust etwa 6 Millionen Einwohnern an der Jahrhundertwende). Den Chinesen war die Einwanderung verboten; erst seit 1900, bann mit größeren Massen seit der Aufschließung durch die Japaner 1905 und dem Stur; der Dynastie 1911 ergossen sich die Unterwanderungswellen aus Shanting in das furchtbare, aufblühende Land," zuletzt zwischen 1 und 2 Mill.; sie hoben tie Bevölkerung auf etwa 31 Mill. Die Fremdkörper aber: rund 250000 Japaner, 160000 weiße und rote Russen, zwischen 750 000 und iy. Mill. Koreaner und eine Handvoll andere Weiße ertainfen langsam in der chinesischen Flut. Sie fühlen das und versuchen, von den früher
errungenen wirtschaft ssp o l i t i s ch e n Vorrechten durch die Macht ihrer Staaten so viel zu retten, als sie können. Daher vor zwei Jahren die Anläufe der Russen, die ostchinesische Bahn so weit unter Kontrolle zu behalten, als möglich; daher 1931 der japanische Griff nach den herrschenden Stellen des süd- nnd mittel-mandschurischen Bahnnetzes (das'die Chinesen auszubauen versuchten) von 150 bis über 500 Kilometer über die eigentliche Vertragsstellung ihrer südmanschurischeu Eisenbahn und ihres Unterneh- mungs-Gerüstes hinaus.
Weit mehr als 22 000 Quadratkilometer der chinesischen Verwaltung vollkommen emtzagene Verkchrs- bänder schneidet diese fremde Eisenbahn mit ihren Begleitsstreisen, Bauten und Werken aus dem leben- dischen Fleisch des weiten mandschurischen Landes heraus, das sich diesem fremden Joch entwinden möchte, aber freilich auch den Fremden seine Erschließung, feine Wirtschastsblüte und einen Wirt- schatsswert von 30 Milliarden verdankt.
Die gewaltsame Verlängerung der südmandschurischen Pacht über 1923 hinaus bis 1993 ist von Japan zugleich mit den andern sogenannten 21 Forderungen während des Weltkrieges erpreßt worden. Aus dem Wunsch, die „ungerechten Verträge" ab zuschütteln» entstand schon 1919, namentlich seit 1925, eine gewaltige chinesische Volksbewegung, die im Stande war, durch nationalen Boykott und Abwehrstreik dem ja= panischen Chinahandel so furchtbare Schläge zuzu- fiigen, daß sich ein vorsichtigerer Teil japanischer Staatsmänner auf den Gedanken einer Koperation mit China umstellte, darunter der Außenminister Baron Shidehara. Aber dieser vielleicht weitsichtigere Teil mit feiner Zukunstsrechnung war nicht stark genug, um dem Gegenwartsdrängen jener japanischen Parteien und Soldaten Widerstand zu leisten, die glaubten, jetzt oder nie mehr die erzwungenen, in schweren Kriegen auf Sein oder Nichtsein gewonnenen japanischen Fremdrechte festlandswärts sichern zu können. Aeußere Anlässe, sich dabei dem Buchstaben nach den Schein des bedrohten Rechts zu sichern, gab es genug. Denn der heutige Rechtszustand Chinas macht den Gedanken Briands utopisch, eine Räumung durch die Japaner müsse mit der Sicher- he,it der japanischen Untertanen durch China Hand in Hand gehen; d ie chinesische Regierung in Nanking kaum vor den Toren ihrer Regierungsgebäude ihren eigenen Außenminister schützen, geschweige denn Japaner draußen im Lande.
Es ist in der Mandschurei nicht nach dem Satz: „Mark ist gleich Mark" und „2 o I b a t gleich S o l- d a t" zu verfahren, sondern bei Heeren von 60—80000 Chinesen am Nonni müssen einige Qualitätsabzüge gemacht werden, sonst härten ja auch nicht die Japaner freilich von aller modernen riegSteufelei unterstützt, ihre Eisenbahn-Operationen mit 10800 Mann gegen ein Provinzialheer von mindestens 250000 beginnen können! Aber die Landesnatur der Mandschurei begünstigt an vielen Stellen einen Guerillakrieg ungemein, wenn er von einem weitgehenden Rückhalt in den breiten Volksschichten getragen wird.. Die Versuche, eine japanfeindliche Autonomie-Bewegung ins Leben zu rufen, sind offenbar bisher geringer Gegenliebe begegnet, obwohl die drei großen mandschurischen Länder Fengtien (Muk den), Kirin und das weiträumige Steppenland Hei-