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Ikr 291 / Einundzwanzigster Jahrgang

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Kasseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 12/6onnfag, 13. Dezember 1931 / 2. Beilage

Die letzten Handweber von Eschenstruth

Bilder aus dem alten hessischen Weberdorf

Prächtige Haustür in Eschenstruth

Don der Winterhilfe!

gestiftet

Zentner

Auch ohne Mundstück

schk. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages hallte Feuerlärm durch die Straßen Wolfha- gens. Kurz nach sechs Uhr morgens war in dem Hause des Schuhmachermeisters Heinrich Nolde, das außer diesem auch der Ziegeleia^beiter Martin Tripp mit seiner Familie bewohnt, Feuer ausgcbrochen, das so­fort den ganzen Dachstuhl ergriff. Im Nu stand das Haus in hellen Flammen so schnell, daß seine Be­wohner zunächst nur an eine Rettung des nackten Le­bens denken konnten. Im Hemd liefen die kleinen Kinder der Familien in die Eiseskälte hinaus von freundlichen Nachbarn schnell ins eigene Bett gesteckt.

Phot. K. N. N.

Unterdessen versuchten die Großen zu retten, was noch möglich war. Die Wolfhager freiwillige Feuerwehr war mit zwei Spritzen und zwei Leitern schnell zur Stelle und es gelang dem angestrengten Bemühen der Wehr, den Braird einzudämmen. Unser Bild, heute vormittag ausgenommen, zeigt die Löschungsarbciten. Wenn auch ein vollkommenes Niederbrennen des Hau­ses durch das tarkrästige Eingreifen der Wehr verhin­dert werden konnte, so bedeute: der Verlust des Hauses doch einen schweren Schicksalsschlag für die betroffenen Familien, zumal auch Möbelstücke mitverbrannt sind und nicht aller Schaden durch Versicherung gedeckt ist.

lich, das Drehen des Fadens und sein Aufwickeln zu gleicher Zeit zu erledigen. Der Faden wurde auf die Haspel gewunden und von da auf den Webstuhl ge­leitet, hier waren oft schon mehrere Leute erforderlich, wenn die Einrichtung mit der Kette vorlag. Die Weife", ein wagerccht liegendes Haspelrad, trug den Faden für den Schuß oder Einschlag. Bei schwierige­ren Geweben arbeiteten mehrere Männer an einem Webstuhle, die Kinder aber mutzten die Gewichte und die Zugleinen versorgen. So kam es, datz oft die ganze Familie bei der Hausweberei mithelfen mutzte, die Entlohnung war äutzerst gering, in den fünfziger und sechziger Jahren waren Wochenlöbne von 1 Taler üblich. Trotzdem kann von einem Weberelend in dem Umfang wie man es im schlesischen Eulengebirge kannte, nicht die Rede sein, weil meist ein kleiner Grundbesitz vorhanden war und außerdem schützte die kurhessische Regierung die Qualitätsarbeit der hessi­schen Leineweber durch sogen. Leinenleggen, das waren amtliche Prüfungsstellen, die Qualität der Ware und entsprechenden Preis festsetzten. Eine ge­wisse Sorte von Gewebe trägt noch heute die Be­zeichnungHessians". ein Nachklang der alten hessischen Exporiindustrie der Erzeugnisse der Leine­weberei.

Im Laufe der Zeit verschwanden die Handweb­stühle aus den Häusern. Ms nach dem Jahre 1866 die staatliche Gewerbepolitik ihr Ende gefunden hatte, richtete die Firma Siegmund Aschrott in Kassel einen Leinengroßhandlung in Kassel ein sie verdiente in

den Jahren <0/71 an Kriegslieferungen in großem eine mechanische Weberei mit 14 Webstühlen entstehen Maße* und richtete ihr Hauptmerk auf die Haus- " ' - - - -----

Weberei in Eschens. Sie unterstützte die Hausweber, stellte ihnen moderne Webstiihle auf, versorgte sie mit

guten Garnlieferungen und gestaltete den ganzen Be­trieb rationeller. Im Jahre 1881 stellt die genannte Firma ihren Betrieb ein und die Firma Gottschalk u. Co. (der spätere Kommerzienrat Gottschalk hatte bei Aschrott gelernt) setzte das Unternehmen fort. In der Hauptsache wurden Schwertextilien hergestellt, nahtlose Säcke, Markisendrelle u. a.

Noch bis zum Jahre 1885 blühte die Handweberei in E., dann aber kam die Konkurrenz der mechanischen Webereien, die Baumwolle war eingeführt, alles ge­staltete sich somit anders. So verlief ziemlich glatt die Umstellung von selbständigen Handwerkern zu Arbeitern in industriemäßigem Großbetrieb; auf der guten Grundlage des Handwerks baute sich ein guter Stamm von Industriearbeitern auf. So kam im Jahre 1903 auch der Großbetrieb in E. auf. Dieterici und Lebon hieß die Firma, die dicht an der Haltestelle

Die heutigen Verhältnisse haben auch in E. ihr Bernichtungswerk gezeitigt und eine große Zahl Ar­beitsloser hofft auf eine bessere Wirtschaftslage, die ihnen wieder Verdienst und eine ihnen Lebensmut vermittelnde Arbeitsmöglichkeit bieten möge.

Eschenstruth, dieses kleine, freundlich am Berges­hang hingelagerte Heffendörschen hat in seiner Ge­schichte manch' Interessantes aufzuweisen, und es ver­lohnt sich schon, einmal etwas über seine Vergangen­heit zu erfahren. Erst im neunzehnten Jahrhundert streifte diese Dorfgemeinde ihren Charakter als ehe­maliger Besitz eines Klosters, des Stiftes Kaufungen, ab. Der Name deutet auf einen früher noch erheb­licheren Baumbestand an Eschen hin, Eschenwald,in der Eschenstruth", wie es im Volksmunde hieß. Das Dörfchen ist hoch gelegen (340 Meter über N. N.), an seinem Bergfuße strömt in raschem Laus die in reichen Windungen reizvoll das Wiesental durcheilende Losse dahin.

Seit alten Zeiten war in dem Dorfe E. die Leine­weberei heimisch. Es ist anzunchmen, daß sich das Stift Kaufungen oder die hessischen Landgrafen für eine starke Betreibung dieses Handwerkes einsetzten, denn die Leineweber wurden mit keinerlei Diensten belastet. So gab es im Jahre 1777 an Leinewebern 47 Mann, dazu kamen 14 einzelne Frauen, die sich vom Spinnen erhielten und ein Garnhändler. Ehe wir weiter hieraus eingehen, sei ein eigenartiger Er­werbszweig erwähnt, der vielleicht seinen eigentlichen Ursprung bei dem Handwerk der Leineweber hatte: die Blutfinkenzucht . . . Blutfink oder Dom­pfaff genannt. Zunächst haben sich wohl die Leine­weber an dem Gesänge der Vögel bei ihrer eintöni­gen Arbeit erfreut, später erkannte man wohl den Handelswert der Vögel, die im Jahre 1812 von einem Vogelhändler gehalten und später von einem anderen Vogelhändler abgerichtet nach England, Amerika und den Niederlanden exportiert stvurdcn. Da heute der Fang dieser schönen Tierchen verboten ist, erfolgt nur noch eine Aufzucht derselben. Kurz sei auch noch die Schäfereigerechtigkeit des Dorfes E. ge­streift, die in alten Dokumenten zu gleicher Zeit mit dem Flachsbau erwähnt wird und daraus den Schluß ergibt, daß alles im Dorf, vom Rohstoff zum fertigen Gewebe, selbst erzeugt wurde. Es ist durch die Not der Inflationszeit dahin gekommen, daß eine große Anzahl der ganz alten Werkzeuge und darunter vor­nehmlich der Webstühle als Brennholz ver­wandt worden sind. In älteren Tagen tanzte die Spindel auf dem Fußboden, im 15. Jahrhundert erst kam das Spinnrad auf, das eine wesentliche Ver­besserung bedeutete, war es doch durch dieses rnög-

Mutter spinnt .

Sämtliche Bilder eigene Aufnahme« der Kasseler Neuesten Nachrichten

ließ. Das Werk kam zu keiner rechten Blüte, sein Umfang war ein zu geringer, der unrentable Betrieb wurde bereits im Jahre 1905 von der Firma Gott­schalk u. Co. A.-G. übernommen und gänzlich umge­staltet. Aus dem Jahre 1926 hören wir 260 Webstüh­len mit den nötigen Vorbereitungsmaschinen, es ar­beiteten damals 7 Meister und 250 Arbeiter, die Hälfte der Zahl, die bei entsprechender Nachsrage beschäftigt werden könnte. Hergestellt wurden: Segeltuche für Wagenplanen, Zelte, Zuckerfabriken, für die chemische Industrie Filter und Preßtuche, Leinen für die Schuh- und Kofferfabrikation. Ferner entstanden die für Farben- und Pozellanfabriken notwendigen Stoffe und die Segeltuche, die für die Bereifungen in den Gummiwarenfabriken benötigt werden.

Für die Winterhilfe wurden in der letzten Zeit vom Einzelhandels-Verband monatlich 600 Briketts, von den Firmen Kaiser's Kaffee­geschäft und Schüle Hohenlohe Mtiengesellschaft grö­ßere Mengen Lebensmittel. Ferner von den Firmen:

Großfeuer in Wolfhagen

Ein Wohnhaus in der Torstraße eingeäfchert

Eines der wenigen Handwebstühle, die heute noch in Betrieb sind... und ein alter Weber

Wir gratulieren

Heute begeht unser langjähriger Zeitungsträger in Gudensberg, Johannes Theiß, mit seiner Ge­mahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wün­schen dem Jubelpaar für diesen Tag und die Zukunft alles Gute.

Auszahlung der Unterstützung für Kleinrentner und Jnvalidenrentenempfänger.

Vom Stöbt. Presseamt wird mitgeteilt:

Die Auszahlung der zweiten Hülste der Unter­stützung für Dezember findet unter Vorlage der grü­nen Ausweiskarte im Boseheim, Luisenstratze 5, und in den Büroräumen der Rentnerfürsorge, Holländische Straße 19, am Montag, Dienstag und Mittwoch statt.

Die Auszahlung der Jnvalidenrentenempfänger unter Vorlage der gelben Ausweiskarte findet im Boseheim, Luisenstrage 5, am Donnerstag, Freitag und Sonnabend statt.

Weitere wichtige Lokalmeldungeu siehe Sportfeste.

Schuhhaus Mendershausen 120 Paar Schube und 50 Paar Ueberschuhe, Firma S. Katz u. Söhne Klei­dungsstücke. Deutsch-Amerikanische Petroleumsgesell­schaft monatlich bis einschließlich März je 400 Liter Petroleum. Das R. G. I stiftete Wäsche, Bücher und Spielsachen. Das Residenz-Kaufhaus hat sich bereit erklärt, jeden Monat einmal 2 Prozent der Tagesein­nahme an die Winterhilfe abzuführen. Die Kasseler Maler-Zwangsinnung stiftete 20 Mark und die Fi­liale der Singer-Nähmaschinen A.-G. 100 RM.

Hoffentlich finden diese Beispiele wahrhafter Nächstenliebe recht viel Nachahmung. Jedenfalls sei den vorstehend genannten Stiftern auch an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Ausweise zeigen lassen.

Zur Zeit ist noch eine Hausgeld-Sammlung der Winterhilfe im Gange. Die Sammler sind mit weißer Armbinde sowie mit Ausweisen, die von der Win­terhilfe und der Polizei gestempelt sind, versehen. In allen Fällen, wo angeblich für die Winterhilfe gesam­melt, wird, empfiehlt es sich, sich die Ausweise vor­zeigen zu lassen. Damit hat man die Gewähr, daß das gegebene Scherslein wirklich der Winterhilfe zu- sließt. _______

Wappen

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Sölten gab es so gute Zigaretten

Stolze Ozeandampfer bringen die Auslese der Tabakernten des Orients über die Meere zu un­seren Speichern. Be­gabte Fachleute be­reiten daraus dann bei uns ein Mischungs­kunstwerk von der Vollkommenheit unserer

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