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Areitag, 4. »exemter 1931

Kasseler Neueste Nachrichten

eeite 3-1 Beilage

Ltnfere Heimat

Aus -em Lanokrets Kassel

BergShaufen. Diebe am Werk. Im Ort wurde ein frecher Wnbrucb begangen, indem dem Landwirt Hose 11 fstte Gänse gestohlen wurden Die Diebe konnten bis jetzt noch wicht ermittelt werden.

Hoof. Verlegung der Postagentur Durch ven Tod des bisherigen Inhabers der T ostagentur ist ein Wechs eingetreten. Der neue ' ngent (Sieü- macher Schmidt) har den Dienst in -rn r au je (Schmiedegaste) ab 1. 12 auigenomme

Hoof. Schulzahnpflege auf dem Lande. Einige Schulen des Baunaiales denken daran, Vie Jchulzahn- pflege auf Grund eines freien Vertrages zwischen Dentist und Kind einzuführen. Die Gerne i'üe, welche heme itoe Belastung ves Gemeindesäckels ablehnt, wird auf diese Werse umgangen. Bei etniretcnoer Besserung ver Gemeindefinanzen soll dann für die leistungsschwachen Kinder freie Behandlung einire en.

Aus dem Kreis Hann. Münden

Hann.-Münden. Die Sperruno des Weges vom Forsthaus Blümerberg bis zum Kaffeehaus Hede ist aufgehoben. Die Schiffahrtssperre auf der Werra von km 87,6 bis zur Werraschleuse in Hann.-Münden ist aufgehoben.

Dransfeld. Vermißt. Ein in Oedelsheim zu Be­such weilendes junges Mädchen aus Bochum wird vermißt. Dasselbe ist 28 Jahre alt, trägt hellgrauen Mantel und keine Kopfbedeckung. Zuletzt ist das Mädchen im Walde zwischen Löwenhagen und Burs- fetbe gesehen worden. Die Angehörigen der Ver­mißten sichern eine Belohnung von 500 Mark für Vie Auffindung zu. Etwaige Mitteilungen sind so­fort an das Bürgermeisteramt Oedelsheim (Telefon Nr. 7) zu richten.

Beseitigung der Ltnwetterfchäden

bei Hedemünden.

Der vom Unwetter int Mai schwer betroffene Teil der Chaussee Münden Witzenhausen wird zur Zeit von den Wegewärtern des Kreises Münden er­neuert. Die Kurven werden alle überhöht Leider reichen die Mittel nicht für eine Tecrdecke aus, so daß nur eine Steinschlagdecke eingewalzt werden kann. Diese Wegestrecke gehörte seit dem Unwetter zu de« schlechtesten Stellen der Strecke Kassel Halle und werden deshalb die Kraftfahrer über diese Aus­besserung besonders erfreut sein. Auch an der Straße nach Oberode wird der in die Werra gerutschte Stra- ßentevl wieder aufgebaut. Hier sind die Chauffee- arbeiter des Kreises damit beschäftigt, eine Trocken­mauer gls Uferböschung zu bauen. Leider stehen für diese Arbeit nur 8000 Mark zur Verfügung, so daß es fraglich ist, ob mit diesem geringen Betrage die Arbeit wird beendet werden können

Aus dem Kreis Messungen

Melsungen. Senkung der Schlachtgebühren. Die Schlachtgebühren werden ab 1. 12. 1931 für Schweine um 50 Pfg. und für Kälber um 20 Pfg. je Stück herabgesetzt.

DLelsungen. Der Obsterlös des gesamten Kreises betrug in diesem Jahre 31 440 Mark. An der Spitze rangiert Melsungen mir 6959 Mark. In weitem Ab­stand folgt Neuenbrunslar mit 1625 Mk., dann Neu­morschen mit 1180,80 Mk. Die kleinste Summe verein­nahmte Lobenhausen mit 16,10 Mk.

Malsfeld. Die Sammlung für die Winterhilfe hatte folgendes Ergebnis: 30,50 Zentner Kartoffeln, 6 Zentner Obst, 36 Pfund Speck, 51 Pfund Bohnen, 24 Pfund Brot, 10 Pfund Erbsen. 12 Pfund Mehl, 1 Paar neue Schuhe und 8120 Mark in bar. Preisschießen. Beim Preischießen verbunden mit Familienabend des Schützenvereins A.S.B., bei dem elf Preise (in der Hauptsache Geflügel) ausgeschossen wurden, errang mit 29 Ringen (3 Schutz) Gustav Dröll den ersten Preis.

Bergheim. Sparmaßnahmen. In ihrer letzten Sitzung beschlossen die Gemeindevertreter, das Gehalt des Bürgermeisters von 550 auf 300 Mark jährlich zu kürzen.

Aus dem Kreise Rotenburg

Breitau. Der Spar» und Darlehnskasfenverem hielt unter Vorsitz des Landwirts B. Diegel seine Herbstoersammlung ab. Lehrer Kanngießer wurde zum Schriftführer, CH. Ewald zum Stimmzähler gewählt. Der Rechner, Pfarrer Hartwig, gab einen lieber» blick über die Geschäftslage. Dr. Hag-Kassel hielt einen Vortrag, der beifällig ausgenommen wurde.

Bebra. Neuer Schuttabladeplatz. Der an der Goechestraße gelegene Bauplatz ist zum Abladen von Schutt freigegeben worden.

Schwarzenlzasel. Eine Folge des Krieges. Der 48jährige Landwirt Georg Schmidt wurde morgens in seinem Bett tot aufgefunden, nachdem er am Abend zuvor sich munter und lebensfroh zur Ruhe begeben hatte. Sein plötzlicher Tod ist auf Granat­splitter zurückzuführen, die Schmidt seit 1916 in der linken Kopfseite trug. Ihre Entfernung war wegen der Gefahr her Erblindung und Taubheit nicht mög­lich Sie wanderten und brachten dem kräftigen Mann den schnellen Tod.

Aus dem Kreis Hofgeismar

Hofgeismar. Neue Schietzstände der Garnison. Vor kurzem wurden die' Schleßstände der Garnison, die erneuert und zu zwei Schießbahnen erweitert wurden, fertiggestellt. Es erwies sich, daß eine Schieß­bahn zu gering ist und eine zu lange Schiebdauer in Anspruch nahm. Außerdem besteht schon der Schieß­stand feit langen Jahren und war eine gründliche Er­neuerung notwendig. Die Arbeiten wurden von dem Banqeschäft Müller h'erselbst ausgeführt.

Trendelburg. Tödlicher Unfall. Gin Arbeiter der Gutsverwaliung saß beim Einfahren von Runkel- rüben auf dem vollen Wagen. Durch die Erschütte- runa kamen die Runkeln ins Rutschen. Der Mann fiel vom Wagen und wurde überfahren. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er alsbald seinen Geist aufaab.

Aus Asckwege und Llmaebuna

Eschwege. Fleischverbrauch. Im städtischen Schlachthot wurden im November 55 Kühe, 2 Ochsen, 11 Jungvinder, 142 Kälber, 51g Schweine, 39 Schafe, 7 Ziegen und 1 Pferd oeWIacfi et.

Eschwege. Vom Fremdenverkehr. In der Her­berge zur Heimat haben im November 353 durch­reisende Handwerksburschen übernachtet. Der Stadt sind dadurch rund 176 Mark Kosten entstanden. Die Zahl der Durchreisenden hat sich auch im vorigen Monat erhöht.

Falken. Unfug. An der Treffurter Straße wurde in der Nacht zum Montag eine Anzahl junger Obst­stämme abgebrochen. Da Baumfrevel in hiesiger Flur schon öfters vorgekommen ist, wird man mit allen Mitteln versuchen, die Täter zu ermitteln.

Erhöhung der Biersteuer

in Waldkappel.

Der Magistrat hat bekannt gegeben, daß die Bür­gersteuer auf Grund der Notverordnung auf das Dreifache und die Wersteuer auf das Doppelte des Landessatzes erhöht worden ist. Die Erhöhung der Diersteuer tritt mit dem 1. Dezember in Kraft. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich seinerzeit gegen die Erhöhung der Btersteuer ausgesprochen. Um den Haushaltsplan auszugleichen, ist vor eini­gen Wochen vom Regierungspräsidenten die Erhe­bung der S euern in der jetzt vom Magistrat bekannt gegebenen Höhe angeordnet worden.

Aus dem Kresse Wolfhagen

Wolshagen. Der Ziegenzucht-Kreisverband Wolf- Hagen hielt seine Herbstaeneralversammlung ab Dipl.- Landwirtschaftslehrer Klaus-Stöhner erstattete den Geschäfts- uni) Kassenbericht, der eine gute Entwick­lung des Verbandes zeigte. Die Zahl der angeschlos­senen Vereine erhöhte sich durch Beitritt der neuge- gründeten Vereine Wettesingen und Zierenberg auf 19. Die Abfatzverhältnisse sind günstig. Nach meh­reren anderen Berichten sand Wiederwahl des

Vorstandes statt. Wie der Geschäftsführer noch be­kannt gab, hofft man auf Grund der Vorarbeiten auf Anerkennung durch die Deutsche Landwirtschafts- Gesellschaft im Frühjahr.

Aus öem Kreis Wihenbaufen

Bad Sooden Rllendorf. Autozusammenstoß. Bei der Tammunterführung In der Nähe des Tonimhau- ses stießen zwei Personenwagen zusammen. Die Au­tos wurden derart schwer beschädigt, daß sie abge­schleppt werden mutzten. Die Personen kamen mit dem Schrecken davon.

Aus 0em Kreise Fritzlar

Fritzlar. Vom Fortbildungsschulwefen. Der Kreis, der auf Grund der Fortbildungsschulsatzung vom 30. 8. 23 Die Trägerschaft für das Fortbildungsschulwesen Übernommen hat, richtete besondere Bezirksforivil- dungsschulen gewerblichen und ländlichen Gepräges für oie männliche Jugend ein. So bestanden 1930 neun gewerbliche Fortbildungsschulen mit 23 auf stet- genden Klassen, in welchen ea. 500 Schüler unterrich­tet wurden und weitere 9 ländliche Schulen selbiger Art mit 10 Klassen, die von etwa 100 Schülern de- sucht wurden.

Fritzlar. Bürgermeisterversammlung. Die Bür- aenmeifter des Kreises versammeln sich am Montag, den 14. Dezember d. I. im alten Kreishause in Fritz­lar zu einer Bürgermeisterversammlung.

Niedermöllrich. Ein Fahrrad geangelt. Bei Veen Landwirt Wicke in Waßmuthshausen wurden vor ei­nigen Tagen zwei Fahrräider entwendet. Nun fand in der Nähe von Niedermöllrich ein Angler eines der Räder in der Eder und konnte durch den Landjäger dem früheren Besitzer ausgehändigt werden.

Aus Oem Kresse Ziegenhain

Schlierbach. Neuer Fleischbeschauer. Der Posten eines Fleischbeschauers wurde frei. Im Gegensatz zu früher wird dieser Posten heiß umkämpft. 14 Bewerber, kleine Landwirte und Handwerker, die schwer um ihre Existenz zu ringen haben und auf jede sich bie-ende Erwerbsquelle angewiesen find, bewar­ben sich um diese Verdienstmöglichkeit. Vorn Holz­einschlag. Im Jnteressentenwald hat seit einer Wo­che der Holzschlaa begonnen. Von der staatlichen Aufsichtsbehörde aus wurden 400 Meter als Maxi- malab'chlaq festgesetzt. Jedoch ist man sich in Inter­essentenkreisen nrch nicht schlüssig, ob bei den derzei­tigen billigen Holzpreisen die zugebilligte Menge Holz zum Abschlag kommen soll.

Aus Waldeck

Bad Wildungen. Handelskammerwahl. Für das statutenmäßig ausscheidende Mitglied der Haudels- icmtmer Hotelbesitzer M. Möhns fand eine Ersatz­wahl statt. Aus der Wahl ging einstimmig wiederum Hotelbesitzer Möbus hervor.

Aus dem Kresse Kirchhain

Kirchhain. BevöUerungKzunahme. Bei der Per­sonenstandsaufnahme am 10. Oktober 1931 wurden in Oer S.aSt Kirchhain 3115 ortsanwesende Personen gezählt; das bedeutet eine Zunahme von 8 Personen gegenüber dem Vorjahre.

Kirchhain. Verdoppelung der Bürger- und Erhö- hung der Biersteuer in Kirchhain. Der Magistrat hat beschlossen, den Fehlbetrag im Haushaltsplan in Höhe von 27 000 Mk. durch Erhebung von 200 Prozent Bürgersteuer für das laufende Jahr, einer öOprozen- tigen Erhöhung der Biersteuer ab 1. Januar 1932 und Einziehung der erheblichen Rückstände zu decken.

Großseelheim. Selbsthilfe. Um einen besseren Preis für schlachtreifes Vieh zu erlangen, sind die Landwirte dazu übergegangen, Selbstschlachtungen vorzunehmen. Hierdurch wird ein Verkaufspreis von 55 bis 60 Pfg. pro Pfund erzielt.

Wetter. Die Kriegsbeschädigten und -Hinterblie- denen tagen. Die Ortsgruppe oes Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter uns -Hinterbliebener ver­anstaltete eine Versammlung. Der Vorsitzende be­grüßte die Gäste und Oie Mitglieder und gab einen Üeberblick über die gegenwärtige außenpolitische Lage und über die innenpolitischen Verhältnisse. Er ver­suchte nachzuweisen, daß die Rentenversorgung zu ei­nem variablen Problem geworden fei. Die allgemeine Rechtsunsicherheit in Deutschland und der ständige Rückgang in den Steuereingängen lasse eine weitere Rentenkürzung befürchten. Am Schluß der Tagung

wurde über die Festsetzung der Zusatzrenten gespro; chen. Hierbei wurde betont, daß die seitherigen Sätze der Viehhaltung und der ländlichen Produkte nicht mehr aufrecht zu halten seien, da der größte Teil der ländlichen Erzeugnisse heute schon weit unter dem Friedensstand lägen.

Aus dem Kresse Frankenberg

Frankenberg. Prüfung von Sanitätern. Am Sonntag fand in der Turnhalle eine Prüfung von neu ausgebildeten Sanitätern statt, an der neun Mann teilnahmen, die durch Dr. Oppenheimer ausgebildet waren, und 19 Mann aus den Ortschaften der Umge­bung von Frankenau, die durch Dr. BraudesHranke- nau ihre Ausbildung erfahren hatten. Dje Prüfung selbst überwachte Oberstabsarzt Dr. Krause-Kassel. Sie bestand in einem theoretischen und einem praktischen Teile. Es wurde sich über die Leistungen recht lobend ausgesprochen. Auch der anwesende LandrcK von Winterfeld tat dieses, indem er noch betonte, daß es eine erfreuliche Tatsache sei, wenn sich in unserer Zeit noch Männer finden, welche ihre Aufgabe in den Dienst der leidenden Menschheit stellen.

Aus dem Kreise Marburg

Marburg. 20 Jahre Straßenbahn In diesem Jahre fintb es 20 Jahre her, daß die Straßenbahn ein- gerichtet wurde. Aus 6er Geschichte derselben set zu erwähnen, daß man in den 90er Jahren mit einem Pferdeomnibus angefangen hat, piese Einrichtung je<doch in 1903 durch eine Pferdebahn abgelöst wurde. Im Jahre 1911 hat man bann die Bahn in eine elek­trische umgewandelt. Die Gesamtkosten bi liefen sich auf über 200 000 Ult., Welchen Betrag man im Wege einer Anleihe aufnahm. Heute ist bu* Bahn eine wichtige Verbindung innerhalb des St.tdtringes und Wirb auch durch den 10 Psg.-Tarif gut benutzt.

Aus Oherhesseu

Rodheim. Rektors Abschied. Rektor Geora Hel­wig wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1982 ab in den Ruhestand versetzt. Die besten Wünsche beglei­ten den sehr geachteten Manu in den wohlverdiente» Ruhestand.

Aus dem Kresse Biedenkopf

Hartenrod. Auf den Spuren unserer Vorfahre«. In der Gemarkung Tringenstein hat man in der letz­ten Zeit mit Ausgrabungen begonnen. Es handelt sich hier um die Freilegung von alten Gewölben und unterirdischen Gängen, die von der ehemaligen, jetzt zum Teil noch erhaltenen Burg der Raubritter 6er« rühren. Erwerbslose sind gegenwärtig damit be­schäftigt. die Ueberreste freizulegen.

Rundfunk

Wir bitt« am Sonuabead. den 5. Dezember: ]

Frankfurt-Sasse I:

6.15: SBettemteliuna. Morgensomnaitck I unb II an» (Lllehend: KrüLkoirzert ,

10.20'0.50: Schulfunk- ..Sagboervachinng in »lein-Wie. fenbach Eine GemetwderatSfikung Hörbild von AetiraliS

12.05: ilnterbaltunsslonzert

15.15: Stunde der Jugend

16.00: Aus dem Cafe Rumpelmaoer: Unterhaltungsmusik der Kapelle Jose Degen

17.05: Historische Marsche und Marschmusik

17.30: Aus einem Stuttgarter Privatbause: Hausmusiken VI. Abend

18.40: Stunde der Arbeit:Bevölkerungsbewegung zwischen siebt und Land". Bortrag von Stadtrai Ernst Kahn

19.05: Spanischer Sprachunterricht

19.35: Kleiner Wegweiser durch Weibnachtsbücher. Bon Willy Haas 8. Neues für die Frau.

19.45: Aus der Werkstatt von Käte Kruse Mikrovbon» bericht von Dr. Paul Laven

20.15:Soeben erschienen!" Ein bunter Abend Zu­sammenstellung und Leitung: Karl Köstlin

21.15: «eitere Tänze

21.45: Bon Karlsruhe: Handbarmonika-Konzert

280.30: Aus den Universum-Lichtspielen: Nacht-Kabarett zugunsten der Winterhilfe

Ä d n i g 8 ro u ft c r 6 o u f c it: 20.20: Von Köln: Lu-

<K Konigsberg-tzcilsberg: 20.JO: Volkstümliche .Abendunterhaltung. <$> Langender s: Aus dem Lchützenhof-§aal. Münster: Luttiacr «benb. <*> W t en: 20.15:Ttlus", Opera seria in zwei Ak- narb Pielro Metastasio und Caterino Mazzola. 25.80: Abendkonzert.

ML-

Und wenn sie. ehe sie einschlief, amüsiert vor sich hinlacht e was sie ein paarmal tat dann klopfte es sanft und schnell mit der Zimmerecke: die unab­änderliche Reak.ion, mit der Tarka immer sein Ein­verständnis ausdriickte, wenn er seine Herrin bei froher Laune wußte.

Vor dem Parktor standen zwei Gendarmen, rauch ton Zigaretten und guckten in den Mond.

Der eine spuckte aus und sagte: .Verrückt!"

»Wer?"

»Der Amerikaner."

»Alle Amerikaner sind verrückt, Baptiste".

.Klar. Wer nicht alle suchen nachts Pilze und stellen sonderbare Fragen".

.Wer hat dir sonderbare Fragen gestellt?"

Der Gendarm zeigte mit der Zigaret e hinter sich in den Park. .Der lange Junge da. Weißt du, was er von mir wissen wollte?"

.Na?"

»Er wollte wissen, ob es mich aufregen würde, wenn es bei Tag durch ein Fenster schießt. Ich sagte ich würde es nicht ganz in Ordnung finden. Und dann fragte er weiter, ob ich es denn mehr in Ord­nung finden würde, wenn ein Mann nach.s im Park spazieren geht".

Eine dumme Frage!"

»Nicht wahr? Was sollte ich sagen? Ich sagte, es käme darauf an. Und da roch er an den Pilzen die er aufgesammelt batte und murmelte vor sich hin Ich konnte wahrhaftig nicht alles verstehen. Aber ich hielt es für französisch".

Sie lach en.

Ich verstand bloß, wie er meinte: manchmal sei es gerade umgekehrt, als eS den Anschein hätte und manchmal seien die harmlosesten Situationen die bedenklichsten!" Er spuckte in weitem 8ogen aus und sagte tiefsinnig: .Wet en. daß er verrückt ist?"

Und der andere wiederholte: .Alle Amerikaner sind verrückt!"

38.

Der nächste Morgen brachte einen ? tt'-avben- boten. er klingelte tarnt als er von seinem Rad al stieg und Janet sprang vom Frühstücks isch auf und rannte hinaus.

»Für Sie", rief der Mann lächelnd und hielt ihr efat Formular hin

Roch vor ihm s ebenv riß si- e? ans Cranbourne und Anderson tarnen ihr eiligst nach.

Und dann stand sie betroffen da und reichte das Telegramm wortko- ihrem Vormund.

Die beiden Herren lasen:

»erfahre eben daß mac Norton verhaftet, platze vor Neugierde bitte gib sofort Nachricht deine täte. .Verhaftet!" stammelte Onkel Martin,Mac Norton verhaftet! In Teufels Namen" die Adern auf seiner Stirn begannen zu schwellen..... Dieser

Hund! Haben Sie doch recht gebabt, Major!"

Cranbourne zuckt« lächelnd die Achseln. Deine Angen blickten kühl.

»Entschuldigen Sie, mein Herr", sagte es hinter ihnen.

Sie wandten sich um und da stand der junge Tele­graphenbote noch uttb drehte unschlüssig ein Papier zwischen seinen Fingern.Hier ist noch ein Tele­gram für das Schloß! Wohnt denn dieser Herr auch hier? Ich kenne den Namen nicht..." gestand er verlegen lächelnd und reichte das Blatt dem Direktor hin

Unb in btefem Augenblick spielte sich eine merk­würdige S$ene ab. Janet sah Lytton Praycott im Tor des Schlosses stehen. Er warf einen Blick auf die Gruppe um den Poshoten. In der nächsten Se­kunde war er bei ihnen und riß dem Direktor mit einem jähen Ruck das verfchlossene Telegramm aus der Hand.Stimm- schon für mich!" sagte er kur; itnb schritt ins Haus zurück Mer ehe er eintrat, sah er noch einmal über die Schulter zurück.

Janets Blicke gingen Zwilchen LYtwn Praycott und Mar in Anderson hin und her

Das Gesicht des Direktors hatte sich verfärbt. Er starrte den Amerikaner wortlos an. Und über dessen .singe huschte ein halb verlegenes, halb spöttisches ßächrin. Tann verschwand er.

Cranbourne fragte erstaun:Was bedeutet das?"

An wen war das Telegramm denn adressiert?" erkundigte sich Janet mit einem erschrockenen Blick in das verstörte Gesicht Onkel Martins.

Tas sammelte sieb zu einem grimmigen Lächeln: Ach so", sagte er durch die Zähne,so also hängt das ;ujammen. Nun w.rd mir vieles klar" Sein Blick siel aus die beiden, die ihn fragend ansahen. Er mach e e ne abwehrende GesteSpäter", sagte er finster.Ich werde es euch erklären. Jetzt muß ich it chdenken!" Er ging mit festen Schritten in sein Zimmer.

Was bereife ba*?* st->'?derbol'7 brr Major (St a'n Janet, die tz.ftlos neben ihm stand, bet der HatÄ.

Nicht", sagte sie, von einem unangenehmen Gefühl übermannt.Komm, Tarka!"

Sie schritt langsam zum Strand hinunter um das Haus herum. Am Himmel über dem Meer kroch e.ne flache Wolke, seitlich wie ein Taschenkrebs. Unter? halb des Felsenwalles, auf dem das Haus stand, blieb Tarka stehen und blickte plötzlich aufmerksam in die Höhe nach dem Efeugerauke, das die Hinterwand bedeckte. Er zog ein paarmal die Luft durch die Nase ein und gab den hellen hohen Jagdlaut von sich.

Amh Janet war stehen geblieben.Was ist?" Sie sah unwillkürlich an der Mauer hinauf. Und da gewahrte sie, fast verborgen unter dem Bläter- vorhang, daß bi« kleine Türe, die sie vorgestern ent­deckt hatte, nicht ganz geschlossen wax. Ein kleiner Spalt klaffte.

Du bleibst hier, Tarka!" sagte sie in einem festen Ton, den Tarka kann e. Er wußte, daß er nicht pro­testieren durfte. Er heulte leise und aufgeregt, als sie den schmalen Pfad zu der Fclsenkante hinausstieg und zu der Tür kam. Sie stieß sie vorsichtig auf. Der schmale Treppenschacht lag verlassen da. Sie be­trat die Treppe, bei jedem Schritt ängstlich bestrebt, das Knarren zu vermeiden. Ganz deutlich vernahm sie aus her D:ele, wie Tante Betsy und Violet mit­einander tnrachen.

Und dann war sie an der staubigen Luke vprbei- gestiegen unb stand oben vor der Tür zur Rumpel­kammer. Janet neigte den Kops, sie hör.e eine Stimme, eine tiefe narale Stimme, die sie kannte. Unb dann hörte sie eine andere.

Und es war ihr. als ob sie gerade das erwartet hätte schon damals, als sie das erstemal hier oben stand.

Nur den Revolver muffe ich haben!" dachte sie flüchtig sonst war sie eiAalt.

Sie hörte die Stimme der Frau, die sie zuerst vor dem Wirtshaus auf der Landstraße, später in Gar- iand's Green und zuletzt auf dem Postbüro in Dieppe gehört hatte.

Die Frau sag«:Also heute noch. Ich bin so glücklich, Jack!"

Und bet Monn sag'«: »Ich gar nicht. Anderson las meinen Namen auf dem Telegramm. Wir sind durchschaut, Martha. ES ist Zeit, daß etwas ge­schieht!"

39.

Mebr hörte Janet nicht. Das Blut saust« ihr in den Obren. Ihr« Knie wurden schwach unb sie mußte sich hinsetzen. ba wo sie gerabe stand. Sie hielt die Lände auf ihr klopfendes Her; gepreßt.

Wie schon einmal wünschte sie sich, es wäre alles ein Traum und sie erwachte in der Coventry Street unb nichts von allem, was inzwischen ge­schehen war, sollte wahr sein unb Lytton Praycott ober wie immer er hieß

Unb da^ war das Cn '"etzl'ckste. Lytton Praycott. Sie sag e soriwch.end vor sich fctt: »Nicht gerade Lytton Praycott!"

Ein schrecklicher Schmerz drohte sie zu zerreißen. An einer unbarmherzigen Klarheit sah si« plötzlich Enet Gregory vor sich, wie sie sie nie gesehen hatte. Sie tastete mit der Hand nach dem Geländer

Tarka blaffte unten int Geröll vor Freude, als er ft« wtederkommen sah. Sie achtet« nicht auf ihn. Sie ftanb an der Tür, den Whang unmittelbar zu ihren Füßen und davor das weite Meer, unb rührte sich dinr ihre Lippen bewegten sich und über ihrem Gejtchi lag em fremder Ausdruck.

Sie sagte: ,J<h lieb« diesen Mann."

ütijo so ist das: ich hin Janet Gregory, ich hab« eine Gümnastikschule in der Coventry Street, London W 1. Ich bin 19 Jahre alt geworden und habe mich nie um Männer gekümmert. Und nun b«be ich mich in einen ziemlich gewöhnlichen Verbrecher verliebt. So .

Sie wurde ganz ruhig und geftihllos. Ihre Liv« Pen spitzten sich und ließen einen leisen Pfiff hören. Sie schritt mit unbeschreiblicher Sicherheit die Felsen- tante entlang unb ans ihr Zimmer.

Sie ty.na ;um Nachttisch, nahm ben Revolver her­aus, betrachtete ihn eine Sekunde und steckte ihn zu sich.

Sie ging durch di« Diele in den Hinteren Gang und klopfte an Direktor Andersons Tür.

»Onkel Martin ich muß dich sprechen. Ich habe dir etwas Dringendes zu sagen!"

jetzt! Die Sach« duldet keinen Aufschub". Sie war selbst erstaunt, wie eisig ihr« S imme Ilana Der Schlüssel drehte sich im Schloß unb Martin Anderson stand vor ihr. Er war sehr blaß und sah sie mit einem durchdringenden Blick an. »Was hast du, Kmd? fragte er wie zerstreut.

Und dann ließ ein Ruf von der Terrasse sie auf» horchen. Es war Cranbourne, her schrie: Direktor Anderion! Janet! Kommt schnell her!"

Der Ton war so dringend, daß sie ihm Folge letste- ten. Cranbourne saß auf der Brüstung der Terrasse, ^-sn e Betsn stand bei Ihm unb alle beide starrten in ben Park hinaus nach ber Richtung, in bte Cran- bournes Arm wieS.

»Es kommt jemanb!" rief Crandonrne ben beiden iu, die aus dem Haus getreten waren »Sehen Sie mal^dorthin!"

Sie wandten ihren Blick in ben Park. Auf dem Hauptweae. noch sehr weit entfernt, kam eine Gruppe auf das Schloß zu. ES waren drei Männer und einer von ihnen, ein sehr großer, breiter, stützte den Manu der in der Mi te ging. Der dritte aber

»Mei« Gott", sagte Janet, gespannt vorwärts-- gebeuat.

<«orne8una fokal.)