^Seile r - 1 Beilage
Kasseler Neueste Nachrrchien
Freitag, L Dezember 1931
Aus interessanten Vorträgen
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an dem die Mitglieder des
Stunden und weniger
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft
Das Ende des Augabewesens.
Aus der große« sozialen Erhebung des ETA.
Die Arbeitszeit des Angestellten ist enischeiüenb für die Gestaltung seines persönlichen Lebens, für die Erhaltung seiner Arbeitskraft und seine Teilnahme an öffentlichen Aufgaben! Rund ein Drittel ^der erfaßten Angestellten arbeitete 1929 über 48 Stunden. 39,4 v. H. sind über tzie regelmäßige Arbeitszeit Hinaus ZU Ueberstunden verpflichte!. Häufigkeit uwd Länge der Ueberstunden nehmen mit 6ei Länge der regelmäßigen Arbeitszeit zu.
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Massenversammlungen der SPD.
Am Mittwoch fanden in Kassel 17 Versammlungen statt, di« von der sozialdemokratischen Partei und dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund einberufen waren. An allen Versammlungen, die außerordentlich stark besucht waren, wurden betsol- gmde Resolutionen angenommen:
.Die Versammlung hat mit größter Entrüstung von den Mord- und Hungerplänen der National: o- zialisten in Hessen Kenntnis genommen und erwartet von der Reichsregierung und der preußifchen Regierung rücksichtslose Bekämpfung dieser staats- und wirtschaflszerstörenden Bewegung. Die Versammlung ist überzeugt, daß di« Enthüllungen daS Gesamrprogramm der NSDAP, darstellt, und diese Partei bewußt auf den Bürgerkrieg hinarbeitet. DaS Verhalten des Oberreichsanwaltes Dr. Werner ist ein Skandal. Sollten die verantwortlichen Behörden diesem Treiben weiter tatenlos zusehen, würde die Arbeiterschaft gezwungen sein, zur Selbsthilfe zu schreiten. Die arbeitend« Bevölkerung ist nicht gewillt, di« Sklaverei des dritten Reiche» mit seinem Banditentum über sich ergehen zu lassen. Die Verantwortung für die Folgen tragen die zur Wahrung der Verfassung zuständigen Stellen."
.Alle wehr- und waffenfähigen republikanischen Männer haben sich unverzüglich dem Reichsbanner zur Verfügung zu stellen, um Republik, Verfassung und die Freiheit des schaffenden Volles gegen alle Leinde zu schützen."
Die Mieter fühlen sich entrechtet llm -en Mieterschutz
Es folgte ein Vortrag ües Geschäftsführers Dr. Lauterbach, her sich gegen die verfehlte Wohnungs- pMtik unserer heutigen Regierung wandle. $■
Weihnachten in Bethel
Es ist doch wahr. Hatz durch da» Kind oon Bethlehem ein neuer schein in die dunkle Welt gekommen ist! Wenn Tausende sagen, fte sähen nichts davon, wenn in dieser schweren Seit viel« Herzen sich dem 9i6t der andern Wei verschließen, ko hört es darum doch nicht auf zu leuchten. Und wenn die heilige Nacht aufs neue zu uns kommt, dann 6riitSt in alles Leid und allen Kampf der Erde ihre Stete denbotichatt tief hinein: ..Also bat Gott die Welt geliebt."
Datz wir an diese Liebe Gottes glauben dnrf — allem gibt uns in Leihet Mut zu unserem Dienst. Er ikt
immer noch am Wachsen. Fast 6000 Epileptische und Gemütskranke, Arbeits- und Heimatlose werden zu Weihnachten an unseren Tischen sitzen. Biele von ihnen sind ganz einsam. Allen möchten wir gern eine kleine Freude bereiten. Sie soll ein beicheidener Abglanz der himmlischen Lieb« sein, die in dem Christkind offenbar geworden ist.
Darum Wauen wir wieder aus nach fröhlichen Mithelfern beim Weihnachtsd.enst von Bethel. Alles ist uns sehr willkommen: Kleidungsstücke, Mäntel, Strümpfe uno Schuhe, vor allem für Männer: ebenso Lebensmittel jeder Art, Spielsachen für Kinder und Gesellschaftsspiele für Erwachsene. Bücker oder Bilder. Sehr wertvoll ist uns auch Strickwolle. Unserem „.Weihnachttzans" wird das Bertei- len sehr erleichtert, wenn uns die Gaben so früh wie möglich gesandt werben. iAnfchrift: Weihnachtsbaus Bethel bei Bielefeld, Bahnstation Brackweüei. Will uns aber lemand lieber das Einkäufen überlasien, freuen wir uns auch über jede Geldgabe (Postscheckkonto Hannover 1904).
Mit herzlichen, dankbaren Weihnachtsgrützen
S. v. Bodelschwinab, P.
Abbau des Mieterschutzes, der scheinbar auf dem un- umstötzlichen Programm der Regierung zu stehen scheint, müsse durch geschlossenes Eintreten der Mieterschaft aufgehalten werden. Der Abbau der Haus- zinsfteuer sei der schwerste Schlag für den Mittelstand selbst, denn er entzieht der Wirtschaft die Mittel, aus denen in den letzten 10 Jahren die nachstelligen Hypotheken für Neubauten gegeben werden konnten. An die Stelle der Hauszinssteuerhypctheken wisse auch der Hausbesitzer nichts zu setzen, so daß ein völliges Erliegen der Neubautätigkeit und große Arbeitslosigkeit die Folge des Abbaues der Hauszins- steuer fern werde, ganz abgesehen davon, vatz der Abbau der Hauszinssteuer ein außerordentliches Unrecht gegenüber den früheren Hypothekengläubigern und eine nicht zu verankwortenoe Bereicherung des Gvunidbesitzes darstellen würde.
Die Versammlung faßte einstimmig nachstehend« Entschließung:
„Die zu einer Kundgebung im großen Saale des Restaurants „Stadt Stockholm" zusammengelretene Mieterschaft der Altstadt Kassels fordert von der Reichs- und Landesregierung: Sofortige Schaffung des vom B. D. M.-Vereine geforderten sozialen Mietrechts, Senkung der Mieten aus jcven Fall, Schutz der Gewerberaummieter gegen zu hohe Mieten und mutwillige Kündigungen, ausreichende Mietszuschüsse an minderbemittelte Alt- und Neubaumieter, Schaffung des Wohnheimstättengesetzes, Umbau der Haus- zinsstouer zu einer Jnflatronsgewinn-Rente, Beseitigung der Millionengewinne des Hausbesitzes an der Hauszinssteuer durch Aenierung der Veranlagungsgrundlage, ausreichenden Vollstreckungsschutz für unverschuldet in Mietrückstand geratene Mieter.
PerfonalveräNdermtgett in 6tt Justuverwaltttug. Ernannt: ®erlStsafieffoi Dr. Rotberg zum AmtSgertchtörat in Amöneburg. Ju!ti.zbüroassisten: Herge» in Neuhof zum Justiz'ekretär. Zustizsekretär Dottschling ist endgültig 6i Amtsgericht in Rotenburg a. $. überwiese«.
gut gelungener Nachmittag, . ____je8 Wehlheider Hoftheaters
tatkräftig zur Erheiterung der Stimmung beitrugen. Ter Saal war dicht gefüllt, sodaß der materielle Erfolg erfreulich fein dürste. Auf einem lange» Tisch
BerufsfttttHiä«, Setttle«. Am DtenStas 20 Ufir spricht im Sefemuleum r6erlanie?«erldj!?r«t Dr. c-aBer über daS juristische, und Kirckenrat Pfarrer Eisenberg über daS theo- logifche etuiium. ergänzend grau M. Schleppen über die Bit ar m.
Den deutschen Kolonien
Kundgebung der Iler Artilleristen fit den Kolouial- gedanke«.
Zu einem Lichtbildervortraa hatte Mittwoch abend der „Verein ehemaliger (Elfer“ eingeladen. Im Geiste seiner vaterländtschen und kameradschaftlichen Ziele galt dieser Abend dem Deutschland in llebersee, das wir im Ringen gegen eine Welt von Feinden verloren haben. Oberpostsekretär Neubauer sprach über Tsingtau und seinen Heldenkampf 1914 ans eigenen Erlebnissen, da er als Postbeamter des Gouvernements Tsingtau in die geschicht. liche Tragödie unserer schönsten Kolonie mit verwickelt war. Er schilderte in fachlicher Weife den Aufbau der deutschen Stadt Tsingtau und der Chinesenstadt Tapautau anstelle des alten kümmerlichen Fischerdorfes. Bis 1914 war Tsingtau nicht nur einer der besten Häsen des Fernen Ostens geworden, sondern auch eine blühende, herrliche Stadt, in der neben den deutschen viele englische, russische, französische und japanische Firmen und viele chinesische Kaufleute und in Pension lebende reiche Chinesen sich niedergelassen hatten. 40000 (Elinelen wohnten in Tapautau; der Strand von Tsingtau war ein Weltseebad für den ganzen Osten geworden, die Aufforstung hatte aus der Küste eine liebliche Oase gemacht. Als im Juli 14 die Lage in Europa kritisch wurde, dachte für Tsingtau im Osten niemand an Krieg, auch die Engländer nicht, die sehr zahlreich zur Hochsaison anwesend waren. Noch weniger dachte man an einen Krieg mit Japan. Aber er kam doch! Was bas 3. Seebataillon mit den Deutschen des Fernen Ostens, kaum 4000 Mann mit wenig, meist unmodernen, Geschützen und sehr, sehr wenig Munition in dem zur Verteidigung gegen einen modernen Gegner nicht geschaffenen Tsingtau in Heldenkämpfen von Mitte September bis zum bitteren 7- November geleistet hat, gehört zu den größten Taten der Weltgeschichte. Auch Günther von Plüschows Ruhm ward dort begründet. 18 000 Mann Verluste hatten die Japaner, die mit 60 000 Mann und ihrer Flotte das kleine Tsingtau bestürmten. Große Kulturwerte, die Deutschland im Pachtgebiet und im Hinterland geschaffen, wurden zerstört. Dem Redner, der als Kriegsgefangener den Japanern noch Dienste als Telegraphenbeamter tun mußte, gelang es bann, nach China zu entfliehen.
Der Vorsitzende des Vereins betonte in feinem Schlußwort nochmals die Notwendigkeit, den Kolo« nialgeoanken wachzuhalten und dauernd zu pflegen. Die Stammkapelle der „Elfer“ unter Gustav Neth verschönte den Abend durch famose Bläserdarbietungen. lb.
Der vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz hielt im großen Saal des früheren ev. Vereinshauses einen Unterhaltungsnachmittag zu Gunsten ihrer Winterhilfe ab. Es war ein gut gelungener Nachmittag,
fallen würden.
In einem anderen Falle verurteilte das Amtsgericht einen Möbelhändler zu einer Geldstrafe von 150 Reichsmark ober 10 Tage Hast, weil er feinen Zeitungsanzeigen ben Wortlaut gab: „Wir kommen .ich. Geld hat, kaufe bei mir“, unb
„Es ist nicht aufzuhalten, darum kaufe man jetzt“.“
Der Mieterschutzverein Kassel hielt im vollbesetzten Saale der Stadt Stockholm eine Versammlung der Altstad.mieter ab. Der Vorsitzende Becker wies auf die außerordentliche Not der deutschen Bevölkerung hin. Dann sprach Direktor Brehme, Leiter des städtischen Wohnungsamtes, über die Sanierung der Altstadt. In diesen außerordentlich aufschlußreichen Aussührungen trat das Elend in unserer Altstadt klar hervor und man sah, welch wohltuende Wirkung die stille, aber unverdrossene Arbeit der durch das Wochnungspflegegesetz des Jahres 1918 eingesetzten Wohnungsinspektion, eines Teiles des Wohnungsamtes, der auch nach der Lockerung der Zwangswirtschaft weiter bestehen bleiben mutz, hatte. Aus den in» einandergeschachtelten, auf die letzte Ausnutzung des Bodens gerichteten Wohnhöhlen der Altstadt werben durch Freilegung der Hinterhöfe Gärten und Bleich- Plätze gewonnen. Licht bringt in bie Wohnungen, in die jahrzehntelang niemals ein Sonnenstrahl kam. Energisch greift das Wohnungsamt durch, wenn die Wohnkultur des betreffenden Wohnungsinhabers nicht den heutigen hygienischen Ansprüchen genügt. Es kann wirklich jedem Kasseler Bürger empfohlen werden, sich diesen Vortrag, der am 10. Dezember, 20 Uhr, im Gildehaus wiederholt wird, anzuhören. Die Lichtbilder sprechen eine eindringliche Sprache. Es muß dem Leiter des städtischen Wohnungsamtes in jedem Falle darin beigepflichtet werden, daß für die Altstadts anievung unbcöingt größere Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen — sobald es überhaupt Mittel gibt —, damit dieses Wohnungselend erst beseitigt wird.
waren Über hundert Geschenke aufgebaut, die auf dem Weg der Verlosung gewonnen werden konnten. Selbst die Nieten vermochten in Anbetracht des guten Zwecks die frohe Stimmung nicht zu beeinträchtigen. Den Gipfel der Segeifterung für die Kasse der Winterhilfe aber erreichte bie Versteigerung einer niedlichen Schlafpuppe, bereit Wert sich allmählich auf 35 Mark steigerte, immerhin ein nettes Sümmchen. Der Saal unb bie Tische waren reizend geschmückt und wenn bie Darbietungen auch nicht adventsmäßig waren, so erfüllten sie ihren Zweck, bie Versammelten zu unterhalten aufs Vortrefflichste. Nach betn von Frau Krause gesprochenen Prolog fang Herr Saunte in feiner frischen Art ein Stück aus einem Singspiel unb gefiel ungemein. Die Arie aus „Mabame Sutterfln“ trug Frau Kraus« recht nett vor, bann erregte bas Terzett „Die drei alten Schachteln“ gesungen von ben Damen Werner, Krause unb Bernhard große Lustigkeit. Satti Schmidt, der unsere Kasseläner Sprache in mehreren Gedichten verherrlichte, die slietzend seiner behenden „Ichnudde“ entsprangen, schoß natürlich den Vogel ab, ihm hätten wir noch stundenlang zuhören können! Es folgten noch Lieder von Fran Werner, ein Tanz der Jugendabteilung deS vaterl. Frauenvereins, ein Lied aus „Der Kongreß tanzt“ und nach der Pause ein Tanzschlager aus dem „Weißen Rötzl“, ferner ein gut gelungener Ungarischer Tanz in Originalkostüm und anderes mehr. Die Mitwirkenden hatten den reichen Beifall redlich verdient. — So kann nun wieder in einigen Fällen dem Ruf nach Hilfe Folg- geleistet werden, sind doch der Hände, die sich danach ausstrecken, gar viele.
Man schreibt uns: In diesen Tagen hat nach langen Erwägungen das Zugabewesen eine reichsgesetz- liche Regelung erfahren. Genau genommen wird aber nur einem Unwesen gesteuert, das neuerdings mit unter diesem Titel segelte. Der Zugabe im echten, eigentlichen Sinne bleibt ihr altes Recht. Das tst ein uraltes Gewohnheitsrecht, wenn wir einem Italic» nisch-beutschcn Sprachbuch vom Jahre 1424 glauben dürfen, das ihrer zuerst gedenkt. Ta heißt eS: „Es ist der deuszen gebanheit (Gewohnheit), ez duncat ein deuszcn. er hiet (hätte) nicht chaufs (Kauf) gemacht, ob er nicht zugab hiet.“
Auch weiterhin bleibt eS alfo einem wohlwollenden Kaufmann unbenommen, etwa einem Kinde, das bei ihm Birnen „einholt“, eine — für den Weg - obendrein zu geben. In Wirklichkeit hat freilich die Zugabe schon während des Weltkrieges faß von selbst aufgehört. Und schon vorher war sie im Verlause der Jahrhunderte immer kleiner geworden. Vor Zeiten rechnete man mit dem Großhundert (120), die Eierfrau zählte ihren Kunden eine „Bauernmandel“ (16) in den Korb, der Getreidehändler, häufte das Maß. Daraus ist das Hundert: die Wandel (15) und das „gestrichene“ Maß geworden. Alle diese Abstrich« geschahen in kargen Zeiten. Wenn man in besseren wieder ein gehäuftes Maß ober eine Bauernmanbei erhielt, war bas — Zugabe. Sie wurde leichten Herzens angenommen und so noch manches andere. Die Schuljugend bekam beim Einkauf von Heften und Federhaltern ein Abziehbild oder ein Hauchblatt zu. Die Bäcker legten am Sonntagmorgen ein Milchbrötchen mit in den Frühstücksbeutel. Das war älteste Form der Kundenwerbung. Solche kleine Geschenke erhielten die Freundschaft.
Aber nicht nur im Handel wurde zugegeben. Noch immer sagen wir: „Jahr uno Tag“, die uralte ovr- mel für die Ewigkeit. Und wird nicht immer noch von Gerichtswegen statt auf 45 Tage auf sechs Wochen und drei Tage Haft erkannt? Jeder vierzehntägigen Frist wird da ein Tag hinzugesetzt; eine wenig angenehme Zugabe! Jakob Grimm fuhrt das in seinen „Deutschen Rechtsaltertümern“ aus die Einstellung unserer Ahnen zu allem Rechnerischen — der Zeitrechnung wie der Zahlenrechnung — zurück. Er sagt: „So galt ihnen eine bestimmte Frist erst als verstrtchen, wenn in die außer ihr liegende Zeit eingctreten ist; darum »noch ein Stück der neuen Zeit hinzugeschllMn zu
>tt“. Damit erklärt er auch die ausfällig« Bevorzugung der ungeraden Zahlen, namentlich im altdeutschen Rechtsleben. Um die Wahrheit zu bekräftigen, müssen es drei sein: zwei Zeugen und der Beschuldigte oder der Kläger. Richt anders erklärt sich die einstige große Wichtigkeit der Sieben: drei uno biet — und ein.
Und bis in di« neueste Zeit der 101. 101 Kiebitzeier erhielt Fürst Bismarck viele Jahre hindurch von den „Getreuen in Jever“ an jedem 1. April als willkommenes Geburtstagspräsent. Wie kamen sie darauf? Als sie die erste Sendung beschlossen, fragt« einer: „Wieviel sollen es sein?“ Da antwortete der Kaufmann Wilhelm Metger, vtzr vaz sorgfältige Prüfen und Einpacken besorgte, schlagfertig und reimgewandt: „Hundertundetn!“ und schon war di« Sache klar. Er dachte dabei wohl an die 101 Schüsse beim Kaisersalut. Aber wie ist man darauf gekommen? Darüber wird eine merkwürdige alte Geschichte erzählt.
Beim Einzüge Kaiser Maximilians in Augsburg soll der Offizier, der den Salut kommandiert, zuletzt nicht mehr ganz sicher gewesen sein, ob schon 100 oder erst 99 Schüsse abgefeuert waren, und so gab er „für alle Fälle“ einen zu. Die Nürnberger Abgesandten, bi« zugegen waren, hatten aber genau gezählt, und da Nürnberg hinter AugSburg nicht zurückstehen wollte, gab man auch dort 101 Scküfle ab, und so fort durch alle Zetten. So nett das klingt, ist es doch erst eine nachträgliche, künstliche Deutung.
Zum launigen Ende noch folgende Geschichte von Einem, der keine Zugabe haben wollte. Im Jahre 1577 bewarb sich ein biederer Btärker, Andreas Röbel, beim Kurfürsten Johann Georg von Branden- bürg um irgendein heißbegehrtes Amt. Da gelobte er u. a.: „Desgleichen will ich mich des VollsaufenS enthalten und uff jeder Mahlzeit mit zween ziemb- lichen Bechern Biers oder Weins die Mahlzeit schließen. Jnfall ick aber, ohn ihr Churfürstliche Gnaden erlaubnis diese übertreten, vnd ich brunten befunden wurde. Als soll vnd will ick mich, sobaldt ich gefordert werde, in der Kirchen einstellen vnd mir vierzig Streiche weniger einen mit der Rutte geben lassen^ — Vierzig weniger einen! Der Mann wußte jedenfalls genau, wieviel er vertrug.
Dr. Johannes Kleinpaul.
Der Richard-Wagner-Berbmrd deutscher Frauen, Ortsgruppe Kassel veranstaltet am Sonntag, 20 Uhr, in der Kreuzkirche ein Kirchenkonzert, dessen Ertrag als Winterhilfe für notleidende Künstler bestimmt ist. Durch die allgemeine Wirtschastsnot herrscht auch in Künstlerkreisen oft bitterste Not. Durch den Besuch des Konzertes ist nun weitesten Kreisen Gelegenheit geboten, ein Scherflein dazu beizutragen, daß liefen vöm Schicksal Benachteiligten Zum bevorstehenden Fest tine Heine Weibnachisfrouve bereitet werben kamt, zumal der Eintrittspreis den Zcirverhält- nissen entsprechend niedrig gehallten ist. In uneigennütziger Weise haben sich namhafte Kasseler Künstler in den Dienst bet Sache gestellt. Außer bem Kasseler A-Capella-Chor unter Leitung von Dr. Robert Längs sind als Mirwirkende Frieda Schumann und ihr Streichorchester, Kammersänger Hans Wu;4l, Hellcnut von Dir'ngshosen und Fr. Katriofsky (Orgel) gewonnen, sodaß ein genußreicher Abend bevorsteht. Verbürgt doch ine unter bewährter Leitung der Freifrau v. Buttlar stehende Ortsgruppe des Richard- Wagner-Verbandes deutscher Frauen für eine erlesene PortragSfolge.
Berufskundliche Borträge.
Soziale Berufe
Ml überzeugten und warmherzigen Worten bc- handelle diesmal Bezirksjugendpflegertn Fräulein Rohrbach das Thema; .Soziale und sozialpäda- gogische Berufe“.
Gegensätze zu überbrücken, HUfc zu leisten, unb auch in dem ärmsten Menschen Den Volksgenossen zu sehen, ist der Sinn unb das Wesen der sozialen Arbeit. Nie versiegender Op.im.smns, Meu'chenkennt- nis, körperliche und seelische Kraft sind nötig, um soziale Arbeit berufsmäßig aue-zuüden. Einsetzung des ganzen Menschen und Wissen um bie Not des einzelnen unb ganzer Volks"chichten sind Voraussetzung, ebenso wie der Wille, diese Schäden zu h-ilen.
Groß, umfassend unb vielseitig ist das Gebiet der sozialen Arbeit. Kinder-, Kranieu, Säuglings- und Wöchnerinnen-Pflegerin, Hebamme, Strafanstaltspflegerin sind die einfachen, sozialen Berufe, die eine gute Volksschulbildung erfordern. Obersekundareife erfordern die gehobenen sozialen Berufe wie Hortnerin, Kindergärtnerin, Jugend-Leiterin, Wohlfahrts- und Gemeindepflegerin, Landpflegerschwester und Polizistin.
In der Jugend- und Gesundheitsfürsorge, der Wirtschafts- und Bernfsfürsorge findet die auf sozialem Gebiet arbeitende Frau Betätigung.
Ein noch ziemlich junges, aber hochinteressantes Gebiet der sozialen Arbeit der Frau ist die weibliche Polizei. Schwer und anstrengend ist die Arbeit, aber auch dankenswert und interessant.
Pädagogische Begabung, Liebe und Geduld auch für schlecht erzogene Kinder und Geschicklichkeit in Handfertigkeiten sind die Voraussetzungen für die Kindergärtnerin, Hortnerin und Jugendleiterin. Da die Verwendungsmöglichkeiten der Jugendleiterin in Kindergärten und Kinderheimen, Waisenhäusern und Kinderpflegerinnenschulen groß ist, so sind hier die Aussichten als durchaus gut zu bezeichnen. Da fast alle sozialen Berufe eine gründliche hauswirtschaftliche Ausbildung im Haushalt oder einer Haushaltungs- fhule vorauSsetzen, so ist eine 1—2jährige Fachausbil- ung erforderlich. Wertvoll ist daS Abitur für Säug- lingS- und Krankenpflegerinnen, da hier Stellungen in UniversttätSkliniken in Frage kommen können. In je- btm Fall erspart eS ein Jahr Praktikum, während bei Obersekundareife zwei Jahre Vorschrift sind. Gefucht und gute Aussichten hat die Pfarrgehilfin, doch bedingt ihre Arbeit in der Gemeinde große Vielseitigkeit. Nie kann soziale Ausbildung und Schulung schaden, da sie eine ungeheure Bereicherung für den Menschen ist.
Ehret Euere Meister! Man schreibt uns: Der Verein für Volksbildung und fein Sil- ch e r ch o r veranstalteten letzten Sonntag einen Ehrenabend für den Altmeister des deutschen Volksliedes Friedrich Silcher (1789-1860) unb für bie Mitglieder des Silcherchoies, die 70 Jahre unb älter sind. Der Silcherchor unter Chormeister Köhlers Leitung als Träger der Veranstaltung fand mit feinen schlichten Volksliedern den Weg in die Herzen der Zuhörer. Besondere Erwähnung verdient die „Silcherseier“, ein Zyklus der bekanntesten, von Silcher vertonten Volkslieder, zu denen W. A n e l l die verbinbenden, inhaltlich ergreifenbett Worte sprach. Fräulein Hilbegard Köhler stellte ihr beachtliches Können durch vollendeten Vortrag einiger Sopran-Lieder von Brahms, Trunk usw. in den Dienst der Veranstaltung. Das Orchester der Volksbühnenspiele unter Leitung von L. Schwarz um» rahmte mit Konzertstücken aus verschiedenen Opern in vorzüglicher Weise bas Ganze. Höhepunkt des Abends bildete die Ehrung der „Alten Herren“ des Silcherchores, deren Gesamtalter über 1100 Jahre betrug. Es waren dies dem Lebensalter nach: W. Sommer, K. Stoppler, W Jmmendorf, 51. Martinsohn, H. Förtsch, E. Zindel. E. Lünemann, Ä. Wolfram, H. Flemming, W. Eckardt, H. Ludwig, I. Frey, Ch. Schreiben und E. Göbel. Ein Harmonium- vorspiel, durch das sich das Lied „Aus der Jugendzeit“ hindnrchzog, leitete über zu den herzlichen Worten, die der Vorsitzende des V. f. V. Stadtschulrat Betting, an die Jnbilare richtete: Morte des Dankes für die in langen Jahrzehnten bewiesene Vereinstreue. Den Dank der Jnbilare faßten W. Sommer unb E, Zinbel in teils ernsten, teils launigen Morten zusammen. Abschluß des Abends bildeten ein von W. SSueU einstubierter unb nett zur Aufführung gebrachter Schwank sowie humoristische Vorträge von H. Müller. Dann tanzte man noch.
Allerlei vom Tage
Polizeiliche Kennzeichen an Kraftfahrzeugen.
In letzter Zeit ist bie Polizei in zunehmendem Matze genötigt, gegen Kraftfahrer einzuschreiten, bei deren Kraftfahrzeugen die Buchstaben der Kennzeichen durch Rost oder Verwitterung schwer lesbar geworden sind oder bei denen die Beleuchtung des hinteren Kennzeichens nicht ausreichend ist. Jeder Kraftfahrer ist nach Par. 16 der Kraftsahezeugverordnung bafur verantwortlich, daß die polizeilichen Kennzeichen ieber- i«it in Ordnung sind, und insbesondere auch dajur, daß das Hintere Kennzeichen bei Dunkelheit in vor geschriebener Weise, d. h. für ein normalsichnges Auge auf eine (Entfernung von mindestens 15 Metern, noch deutlich erkennbar ist. Wer sich deshalb vor Weiterungen schützen will, sorge dafür, datz die polizeilichen Kennzeichen und bie Hintere Be euchtung seines Kraft- fahrzeuges zu Beanstandungen lein Anlaß bieten.
Der Verband vereinigter Kaninchenzüchter von Kassel und Umgegend hält vom 5. bis 7. Dezember tm Lokal Diehmann, Niederzwehren (Endstation der Linie 7), seine Kreisvcrbands-Ausstellung nut Pro- duktenlchau ab, welche dem Verein Niederzwehren Überträgen ist. Die Leitung der Ausstellung liegt in Händen erfahrener Züchter des Kreisverbandes, lieber 420 Tiere aller Rassen stehen zur Schau bie bem werten Publikum zur Besichtigung empfohlen werben. Die angeglieberte ProbuktensSau veranschaulicht bie vielseitige Verwenbungsmoglichkett bes Kaninchenfelles. Die angefertigten Gegenstände sind eigenes Fabrikat der Züchterfrauen.
PachtgSrten für Erwerbslose. Dom Städtischen aeamt wird mitgeteilt: Die Stadt Kassel beab- jt städtisches Gelände in größerem Umfange an erwerbslose Kleingartenpächter zu verpachten. In allen Stadtteilen sollen Pachtflächen, von den Wohngebie« ten aus leicht erreichbar, bereitgestellt werden. Erwerbslose Kleingärtner, die Flächen erpachten wollcn, können sich auf dem Städtischen ©artenamt (Kleingartenabteilung), Rathaus, Zimmer 167, in die De- Werberliste einzerchnen
Snteutrune der Bleiben- unk Fübrerausweise. Bte der Amtlich« Preußische Pressedienst mittete, macht der Retchsverband f ü r deutsche Ingen dHerber, gen darauf ausmerkiam. daß mit JahtcSIchluß die TJH.» MitgliadSkarten. Bleibcnausweise und Führeraurweis« un. gültig werden. Es wi^d emvfvhien, dies« Ausweis« recht. Özu «rncuern und nicht erst zu warten, dir die nächst« ersaht» angetreten wird. Das neue ReichShetberzen. Verzeichnis erscheint zum 1. Februar 1932.
„Maßnahmen gegen Gerüchtemacher"
Der Sparkassenyerband für Hessen-Nassau schreibt:
Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Leute auf, bie butd) unfaltbare Gerüchte betn Publikum Angst um bie zurückgelegten Selber machen, sehr oft in bet wohlerwogenen Absicht, es babutch zum Kauf ihrer — in ben wenigsten Fällen notwenbtgen — Ware zu veranlassen.
Die Gerichte haben sich in letzter Zeit des öfteren mit solchen „Gerüchtemachern“ befaßt. So hat ein sächsisches Amtsgericht einen Hänbler zu einer emp- finblichen Eelbstrafe verurteilt, weil et ben von ihm besuchten Leuten empfohlen hatte, bie Sparguthaben von bet Sparkasse abzuholen, weil sie zur Hälfte ver-
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