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Aelte 2 - 1 Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Dienstag. 1. Dezember 1931

Am Heiligabend

BADEN

aus die

irfoK aufmerk-

NACH HÄUSE

nicht im letzten Augenblick kaufen! Auch die Ange» stellten wollen feiern.

Was unsere Leser wünschen

i&flr Me unter dieser Rubrik veröffentlichten ..6tngefanitl* Übernimmt die Scbriftleituna kcine<ci Verantwortung^

Für »ufere gefallenett Kinder,

Das neue Gesetz gilt nicht nur für die Universi­täten, sondern auch für die übrigen wissenschaftlichen Hochschulen, wo bisher gesetzliche Bestimmungen fehl­ten. Den übrigen Disziplinarvorschriften entspre­chend, kann der Kultusminister sowohl die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen einen Studenten

die SiS in den Tod gekämpft haben, «erden den Kriegs- opfern fetzt pro ------- MM

und Miete gezal. Kriegereltern mit .... -

Winterbethilfe bezeichnet. Das ______ ... —

jt-h-i-N. ich--, allerhand au« 5« porigen ÄtvtV usidNo

Tag 43 Pfg. zum täglichen Lebensunterhalt ihlr. 1 Ztr. Briketts wird den 70t übrigen tt 3 Mark in Abzug gebracht und «'st,.als bezeichnet. Das macht bei ca. wt»awui..r,

Berlin, 1. Dezember. z«^Lna!iDn^fD$ialiW «Angriff- ist vom Poli­zei Präsidenten wegen ölnes am -Sonnabend erschiene­nen Artikels des Reichstagsabgeordneten Goebbels bis zum 7. Dezember verboten worden.

.^^ Berlag des »Angriff« hat gegen das Verbot den üblichen Beschwerdeweg beschnitten. Der Presse

£crIi*' Reichstagsabgeordne- ter Hinkel, wird versuchen, durch Interventton bei oem Relchsinnenmlnister Groener die Aufhebuna des Verbotes zu erwirken. 19

Walkers Effektengeschäfte werden untersucht Der en ausgEattete swatliche ^t|1td?Umfl6du^u6-L ver die skandalaugeleaen- ^^EN der Neuyorker Stadtverwaltung nachprüft har ** Morganbank aufgefordert, l«1 »<n'J*ICm ^Ektengcschäfte des Bürgermeisters terurfadrttrehCn' ®*t ®°rfaa 6<tt »rohes Aufsehen

Marttnshalle, sondern vor dem Geschäft Kaiser, also mehr nachdem Marttnsplatz hin, angefchossen worden. Die Einwohner haben von ihren Fenstern Kameraden Kuhlmanns erst auf den Vorfall

fterzs gegen einen Studenten veranlassen als auch seinerseits Berufung einleaen. Gür den Berufungsfall sieht der Entwurf eine Be- rufungslaimner vor. Das Straftnsystem ist verein­facht wordxn, Karzerstrafe, Geldstrafe sowie Andro­hung der Entfernung von der Universität soll es nach

eingelegt, dort werden Nebensächlichkeiten wie das Lied des Nikolaus „Er hat 'ne Puppe von Tragant« oder das Diener-Couplet des letzten Aktes gestrichen, die Verwandlungsmusik vom Vorspiel zum ersten Akt wird beziehüngsvoll wiederholt, nämlich vor dem jedesmaligen Erscheinen des Lutter-Kellers, Hoff­manns himmelstürmendes „Die Liebe, die uns zart umflicht, gibt's nicht« wirkt deplaziert, weil hinter den Kulissen gesungen und dient später als Ballett- mustk — kurzum, von dem eigentlichen Offenbach in Originalgestalt ist nicht mehr viel übrig geblieben. Dafür aber ist es echt Reinhardt. Und das ist auch schon was wert.

Zu den herkömmlich geschmackvollen, nur zeitwei­lig eine eigene Note suchenden reichen Dekorationen voir O. Strnad gesellte sich ein wahres Massenaufge­bot von bedeutenden Künstlern. In den Hauptrollen der stark tremolierende, in der Höhe prächtige Hoff­mann des Carl H a u ß, als Niklaus der nichtsingcndc Schauspieler Hermann T h i m i g, unter den vier Geliebten am besten Jarmila R o v o t n a nehen Friedel Schuster, Tatjana Menotti und der trefflichen Göta Ljungberg, dazu Georges Baklanoff als dämonischer Gegenspieler, ganz hervorragend in der Spiegel-Arie. In den komischen Rollen Paul Graetz und Hans Watz mann. Vor­bildlich die musikalische Leitung von Leo Blech. Die Tanzchoreographien von Nijinskaja und Anton Solin waren mitunter mehr operettenmäßig als opernbaft.

Das Publikum ging selbstverständlich begeistert mit. Offenbach hat schon oft genug auf dem Sezier­tisch der Regie gelegen. Warum sollte ihm nickt schliehlich auch die Reinhardtsche Operation ganz gut bekommen, zumal da dem Auge oft mehr geboten wird als dem Ohr?

Dr. Fritz Stege.

Der Schulbeginn

' Bekanntlich hat der Minister die Provinzial­schulkollegien in Preuhen ermächtigt, für die höheren Schulen, bei denen der Bormittagsunterrricht während der dunklen Jahreszeit erst um 8.30 Uhr beginnen kann, die Dauer der einzelnen Stunden aufsSMinuten herabzusetzen. Das Provinzialschulkollegium in Kassel hat daher angeordnet, dass alle höheren Schulen der Provinz, auf die jene Voraussetzung zutrifft, in der Zeit bis einschließlich Sonnabend, den 13. Februar 1932, diese Verkürzung vornehmen. Es bleibt aber den Schulen freigestellt, auch im Winter früher als um 8.30 Uhr mit dem Schulunterricht zu beginnen. Viel­fach ist das wegen der Zugverbindungen der auswärti­gen Schüler sogar erforderlich.

Kuri Lthlig als „Liliom"

Kassel, 1. Dezember.

Obwohl Kurt Uhlig .,im Schatten" Hans Albers' stand, obwohl einige schleppende Szenen, die Albers durch Improvisationen, durch immer neue Ausbrüche seiner Vitalität üppig ausfüllte, bei Uhlig etipas schwach gerieten, hatte die gestrige Aufführung von Molnars ^ßiliom“ Format. Es fehlte der Star, Uhlig fügte sich vollkommen dem Enjemble ein, hell«

sam gemacht. Die Zeugen haben den Täter nicht er­kannt, bekunden aber, daß er sich sehr schnell entfernt hat. Im Gegensatz zu dem Zeugen E. bekunden sie alle, daß der geheimnisvolle Schütz« eine blaue Schirmmütze ge ragen hat. Diese AnHaben wur­den von anderen Zeugen unterstützt, die die Vor­gänge vom Martinsplatz und von der Mittelgasse her beobachte: haben. So bekundete ein Polizeioberwacht­meister, der von dem Straßenlärm aus dem Schlaf ausgeschreckt worden war, daß er den Schützen deut­lich an der Ecke Marktgasse gesehen habe. Der Mann sei erst mit der Menge aus der Markgasse in die Mittelgasse eingebogen, dann aber nach wenigen Schritten an die Ecke zurückgekehri und habe daraus 3 bis 4 Schüsse in die Marktgasse hinein abgegeben. Unmittelbar vor dem Hause des Zeugen sei der Tä­ter dann einen Augenblick stehen geblieben, um seine Waffe zu verbergen. In diesem Augenblick hat der Zeuge dem Mann ins Gesicht sehen können.

Es sei nicht Melis gewesen.

Uebrigens sei der Mann »wie ein Hase« davonge­laufen.

Was die Alibizeugen bekundeten

Die letzte Gruppe der Zeugen bildeten die Per­sonen, die der Angeklagte zur Stützung seines Alibi­beweises aufgeboten hatte. Da war auch die Zeugin Fanny Wank, jenes junge Mädchen, das sich am Abend des 10. Juni in der Begleitung des Angeklag­ten befunden hat und auch mit ihm nach Hause ge­fahren ist. Die Zeugin, die mit einem forschen »Rot Front« den Gerichtssaal betrat, war erst in der vor­hergegangenen Nacht aus Berlin gekommen, und zwar aus Veranlassung der kommunistischen Partei­leitung. Bisher war die Zeuoiin noch nie genannt worden, ebensowenig hatte sie sich selbst gemeldet, ob- wohil ihr Zeugnis im Vorverfahren entscheidende Be­deutung gehabt hätte.

Diese Zeugin und andere Zeugen verschiedener Art machten darauf Aussagen, die genau mit den An- een übereinstimMen, die der AngeAagte Wer seinen ,'en.halt an beiden Abenden gemacht hatte. Es folgten 'dann die

Anklage- und Verteidigungsreden

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Hennings führte ein­leitend aus, daß sich wohl niemand der Erschütte­rung entziehen könne, die der tragische Tod des jun­gen .-joftzeiibeamten ausgelöst habe. Es sei

eine feige und brutale Xai

geschehen, die strenge Sühne heische. Jin längeren Ausführungen begründete der Ankläger seine Auf­fassung, daß die Aussage des Zeugen E. keineswegs erschüttert worden sei. Man müsse ihr glauben. weil man den anderen Aussagen nicht unbedingt folgen könne. Mindestens schlössen diese Aussagen der an­deren Zeugen nicht aus, daß Melis am Abend des 10. Juni doch noch von seiner Wohnung in die Alt- ’toht rurüchaekebri sei. M

_ Das preußische Staatsministerium hat soeben dem Staatsrat den Entwurf eines Gesetzes bettefsend die Rechtsverhältnisse der Studenten und die Disziplin auf den staatlichen wissenschaftlichen Hochschulen zu­geleitet. Das Gesetz schließt sich weitgehend an das bisher gellende Gesetz vom Jahre 1870 an. Seine wesentlichen Abweichnungen liegen darin, daß die durch die Enttvicklung und die Zeitverhältnisse über- holten Bestimmungen ausgeschieden und die rechts­staatlichen Grundsätze verstärkt sind.

•

ergeben' "VW rkkigdfützrten Zahlen von 1921 eine Ge­samtstärke von 40 947 Offizieren und 796 584 Mann, während die für 1931 theoretisch nach den Tabellen 30 270 Offiziere und 610 437 Mannschaften betragt. Fürwahr doch eine stattliche Abrüstung! Nur eins ist übersehen: das Gesetz vom 7. August 1913 hatte die Heeresstärke einschließlich der nordafrikanischen Trup­pen auf 674 292 Mann festgesetzt. Diese Zahl, die den französischen Machthabern trotz des damals noch vor­handenen alten deutschen Heeres groß genug für die Sicherheit Frankreichs erschien, ist um 160000 Mann geringer, als die in den Tabellen aufgeführt«, titele Kriegsformationen enthaltende von 1921.

Bei den in Tabelle 1 aufgeführten, im Heimatge- beit untergebrachten Landstreitkräften, wird ein Un­terschied gemacht zwischen denen „zur Verteidigung des Heimatgebietes« und denen für „Uebersee« be­stimmten, wodurch die Zahl der ersteren sich um 70 000 Mann verringert. Daß diese Teilung irre­führend ist, weiß jeder aus dem Weltkrieg, wo das Umgekehrte eintrat und die Kolonialtruppen in Europa kämpften. Daß dieses auch für die Zukunft

Berlin, 1 Dezember.

Meist dient die Inszenierung 6an Zweck, ein Kunst­werk aus dem Geiste seines Schöpfers neu erstehen zu lassen. Mttunter ist aber das Kunstwerk nur Mit­tel, um den Regisseur selbst in Szene zu setzen. Wenn Max Reinhardt Offenbach inszeniert, fo wirb eben aus Offenbach Reinhardt.

Was da Reinhardt alles auf die Bühne bringt, übersteigt di« kühnste Fantasie des sicherlich nicht fan­tasielosen Offenbach bedeutend. Wir erleben nicht nur unter Zuhilfenahme des Sprechdialogs die ver­blüffendsten Einzelheiten über feie drei bekannten Er­lebnisse E. T. A. Hoffmanns mit Anwendung popu­lärer Witze wie die Erweckung der Vorstellung von einer Olympia, feie Königsberger Klopse kocht, nein, wir nehmen sogar Teil an der dramatisch wesentlich erweiterten Rahmenhandlung. Stellas Liebesge­schichte umschlingt die drei Hoffmannschen Erzählun­gen von dem AngeWlick, wie sie vor dem Opern- hause feen Bries mit feem Schlüssel Hoffmann in die Hände zu spielen sucht bis zu ihren mehrfachen Be­suchen in der Schänke von Lutter und Wagner und der großen Eifersuchtsszene im Opernhaus« selbst, wo Hoffmann zwischen den Kulissen als Rachegott ans- täudtt und mitten in die Ausführung des „Citce-Bal- letts« hineinpladt wie eine Feuerwerksrakete. Ein fabelhafter Knalleffekt. Eigentlich sollte zwar die Stella in Mozarts „Don Giovanni« singen, während Hoffmann den Studenten in Lutters Keller seine Lie­besgeschichten erzählt, aber um des besseren äußeren Eindrucks willen hängt Reinhardt an die „uninteres­sante« Mozart-Oper noch ein Ballett heran.

Alles, was bei Offenbach nur angedeutet ist, wird bei Reinhardt breit ausgeführt. Der Verkauf des Spiegelbildes wird genau demonstriert. Auch alles andere ist echt Reinhardt: Die Großartigkeit der Lagunenstadt Venedig mit dem karuffelfahrenden Palast, der die mangelnde Beweglichkeit der Gon­deln ersetzen und den mit Hoffmannscher Fantasie begabten Zuschauern den Eindruck einer nächtlichen Gondelsahrt vortäuscht, der Aufmarsch der Statisten, lie Balletteinlaqen: im Olympia-»« ein Tanz der Automaten, im zweiten Akt ebenfalls eine Tanzszene.

Musik gibt es auch ab und zu. Ter letzte Akt wirkt sogar geradezu als richtig« Oper. Im Übrigen aber reicht Offenbachs Originalmusik längst nicht aus, um Reinhardts Kolossalgemälde zu illustrieren. Ta wer­den hier Rezitative und «nee aus andern Opern

Wenn letzt in mein Zimmer ein Herr cinträte P?0 *«Iin0e. laut über „Neue Wege zur Fabrikation künstlicher Oele und Fette« zu sprechen, so würde ich ihn sehr höflich ersuchen, sich diese Gedanken aus dem Kops zu schlagen und ein Glas Portwein mit nur zu trinken.

Man denke daran, wieviele sensationelle Erfin­dungen aufgekornmen und bald darauf wieder ver- ichwunden sind. Die Rollschuhe, der Kubismus und das Radfahren beispielsweise. Ich habe in meiner Jugend den Geheimen Kommerzienrat Goldberger auf dem Zweirade gesehen; und wo fährt heute noch em Geheimer Kommerzienrat auf dem Zweirad?

Dabei ist das mit dem Radio sicher eine gewaltige unb geheimnisvolle Sache. Daß die Wellen und die Klänge durch alle Tinge gehen, daß jetzt, während ich hier stillsitze, jemand vielleicht den Rosenkavalier durch meinen Leib spielt! Cs ist gewaltig, aber etwas uu

Ein Opfer des Verkehrs

Der Tod auf der Landstraße.

Auf feer Provinzialstraße Bergholz—Borgentreich wurde feer Mechaniker P. aus Bergholz mit schweren Verletzungen bewußtlos aufgefunden. P. hatte die Straße mit einem Fahrrad zur Nachtzeit passiert und war von einem Kraftwagen angefahren worden. Der Wagenführer hatte sich nicht um den Schwerverletz­ten gekümmert und war weitergefahren. Erst gegen Morgen fanden Passanten den P. und sorgten für Ueberführung in ein Krankeihaus. Hier starb er nach wenigen Stunden, ohne das Bewußtsein wiederer­langt zu haben.

Oer ungetreue Landbriefträger

erhält 1 Jahr Zuchthaus.

Ein Landbriefträger in Gladenbach hatte sich vor feem Schöffengericht wegen Unterschlagung von AmlS- gelfeern in Höhe von 300 Mark zu verantworten. Et hatte sich ein Haus erstellt und kam in finanziell Schwierigkeiten. Diese wollte er feami durch beu „Trunk« vergessen. Jetzt erhielt er eine Strafe von 1 Jahr Zuchthaus. Die Berufung gegen dieses Ur­teil wurde verworfen.

Wieder Freispruch im Aufruhrprozeß

Verurteilung nur wegen unbefugten Waffenbesitzes

Oie Sterne im Dezember

Zunächst einige wichtige Werte aus der Fixsternen- welt: Der der Sonne am nächsten stehende Stern ist der hellste im Centauren, an der südlichen Himmels- kugel, mit einer Entfernung von 4. 3 Lichtjahren. Man mißt die Fftsternemfernungen in Lichtjahren, da man bei Rechnung in Kilometer zu große Zahlen erhalten würde. Ein Lichtjahr - 9,5 Billionen Kilo­meter. Die Parallaxen drücken die Entfernuna aus Die Parallaxe ist bet Winkel, dessen Scheitel beim Stern liegt und dessen Schenkel die beiden äußersten Punkte der Erdbahn berühren. Je kleiner dieser Win- kel ist, desto größer die Entfernung, je größer der Winkel, desto kleiner di« Entfernung. Die Par^are betragt selbst bei dem der Erde nächsten Fixstern nur 0,763 Bogensekunden, die oben erwähnte Entfernung. ~<er Polarstern ist 40, der fernste für uns sichtbare einige tausend Lichtjahre entfernt. Dies« Sterne ge­hören jedoch noch zum Milchstraßensystem, während es außerhalb dieses Systems noch unzählige andere gibt.

Sternenhimmel um 22 Uhr: Der Südostquadrant wird beherrscht von den Wintersternbildern Orion, Großer und Kleiner Hund. Die Plejaden ober Gluck­henne ftnb jetzt gut sichtbar im oberen Teil des Stie­ren. Diese Sterngruppe ist Gegenstand vieler Sagen geworden zumal die Zahl sieben Besitz fast aller Mythologien ist. Sieben Sterne sieht man mit dem Auge, 400 zeigen die Fernrohre. Ihre Entfernungen betragen ungefähr 400 Lichtjahre. Den S. W Qua­dranten erfüllen Walfisch, Widder, Perseus und Andromeda. Im Nordwesten stehen Kassiopeia, Schwan und Drache, im Nordosten Kleiner und Großer Bär.

Planeten: Merkur erreicht am 3. mit 21,3 Grad Abstand von der Sonne größte östliche Elongation. Er geht zuletzt 1,5 Sid. vor der Sonne auf. Venus strahlt während der Dämmerung am S. W. Horizont, gelangt am 19. mit Saturn in Konjunktion. Mars ist nicht zu sehen. Jupiter geht anfangs um 22, dann um -0 Uhr unter. Saturn verschwindet im Dunst der Abenddämmerung. Uranus taucht kurz nach Mitter­nacht unter, während Neptun einige Stunden vorher aufgestiegen ist.

Mond: letztes Viertel am 2., Neumond am 9., erstes Viertel am 16., Vollmond am 25. Vorüber­gänge: 10. an Merkur, 11. an Venus, 27. an Jupiter.

Sonne: Abweichung der Tagesbahn vom Aequa- kor: 1.—21. 6 Grad, 15.—23. 2 Grad, 31.—23. 2 Grad. Am 22. tritt sie aus dem Schützen in den Steinbock über. Ms Sternschnuppenschwarm fallen in den Nächten vom 5. bis 15. die Geminiden aus der Gegend Kastors in den Zwillingen. W. Strohmeier.

„Hoffmanns Erzählungen" als Revue

Max Reinhardt inszeniert Offenbach.

Spiel vorbildlich ineinander griff. Uhligs Stärke lag in den gefühlsbetonten Momenten: die unbändige Freude über „sein Kind", bei Albers eine Szene höchster Akrobatik, war nicht gespielt, sondern stark und echt erlebt. Albers' elementare Derbheit war herabgemildert bis zu dem Grade, den Molnar wohl seinem Lilion zugedacht hat, wie Überhaupt bei Uhlig, vom lärmenden Austakt bis zum märchenhaften Aus- klang alles taktvoll gedämpft ist.

Wie bei der Premiere hatten die geradezu klassi­schen Dienstmädchengespräche zwischen Dörte Par eil und Ruth Reimer den lautesten Lacherfolg. Eine Leistung, die damals unbeachtet blieb, sei hier lobend herausgestellt: die kleine rührend echt gespielte Rolle der Marie Clever. Franz Sauer, der neben Albers leicht übertrieb, war jetzt ebenfalls vpn dem guten Ensemblegeist zu menschlich echterer Charakteri­sierung bestimmt worben. Alles in allem eine sehr erfreuliche Aufführung, an der nut eines auszusetzen war: der schwache Besuch. V.

Radiokniik

Von

Victor Auburtin.

. Der englische Romanschriftsteller Wells hat in an US'. behauptet, daß der Radioverkehr bald Beliebtheit verlieren und zum größten Teil tier- ichwinden würde. Das Radio sei nie eine so wert- * Einrichtung wie das Grammophon gewesen, und man werde feiner bald überdrüssig werden.

Wells ist ein Denker von Gewicht und hat viele kttige Worte über die Zukunft gesprochen. Doch scheine ich ihm, was die Zukunft betrifft, noch vor­aus zu fein, denn bei mir hat der Radioverkehr schon lange an Beliebtheit abgenommen.

Der erste Radiovortrag, den ich hörte, fand bei einem Freunde statft der einen Lautsprecher hatte, »sir saßen aus dem Sofa, und der Lautsprecher sprach mut und vernehmlich einen Vortrag über: Neue SScflc in der Fabrikation künstlicher Oele und Fette.« . Mein Freund erhob belehrend den Finger und sagte: „Es ist so, als ob er hier bei uns im Zimmer laße.«

so war es; aber vielleicht mache ich mir «erabe deshalb fo wenig daraus. Denn ich verstehe unter einem Zimmer einen von allen Seiten abschlftß- buren Raum, im Winter heizbar, in dem nicht über: Feeue Wege tu der Fabrikation künstlicher Oele und tfette gesprochen werben barf.

Es scheint das Schicksal der in Kassel verübten politischen Blut.aten zu sein, daß sie keine Sühne finden. Auch der feige und hinterhältige Mord an dem jungen Polizeiwachtmeister Kuhlmann hat bis- lang n.cht aufgeklärt werden können. Die sich bis in die Mitternach ssunbe hinziehende Schwurgerichis- aufregenben Junitage wieder erstehen, aber nirgenb- verhandlung zwar noch einmal alle Einzelheilen jener aufregenden Junitage wieder erstehen, aber nirgend­wo ergab sich ein Anhaltspunkt, der einwandfrei auf den Angeklagten Melis als den wirklichen Täter hin­wies. Man weiß es jetzt aus einwandfreien Dar­stellungen von Zeugen, baß gefährliche Elemente in der Altstabt ein überaus verwerfliches blutiges Spiel getrieben haben Man hat zwar in einzelnen Fällen Mitläufer gefaßt und abgeftraft, aber bie wirklichen Aufrührer und vor allem bie moralisch Verantwort lichen für die beklagenswerten Junivorgänge haben sich immer im Hintergrund haben können.

Der Mord an dem Stadtverordneten Messerschmidt der brutale Totschlag an dem Stahlhelmmann Leck und jetzt die hinterhältige Bluttat an dem jungen Polizeibeamten — sie sollen anscheinend ungesiihnt bleiben, weil die Täter ihr Handeln so einzürichlen wußten, daß sie nickt entdeckt werden kann en. Soll man bas geheimnisvolle Dunkel, bas über diesen furchtbaren Verbrechen liegt, nicht doch noch einmal lüften können?

Waö die Belastungszeugen zu sagen hatten

Ms Hauptstütze der Anklage gegen Melis trat bet 19jährige Kaufmann Heinrich Ellenberger aus. Das war jener junge Mann, der bereits am Abend des 11. Juni ber Polizei gegenüber den Angeklag en Me­lis Äs den verhängnisvollen Schützen angegeben unb feine Festnahme veranlaßt halte. —

Bevor ber Zeuge aufgerufen wurde, mußte oas Gericht bie gegen bie Glaubwürdigkeit dieses Zeugen vorgebrachten Einwände einer Prüfung unterziehen.

Nach diesem Vorspiel wurde unter allgemeiner Spannung ber Zeuge selbst aufgerufen. Staatsanwalt­schaftsrat Dr. Hennigs erhob sich und wies den Zeu­gen nachdrücklich noch einmal darauf hin, welche Be­deutung seiner Aussage zukomme, er folle sich daher genau überlegen, was er unter seinem Eide sagen könne. Der Zeuge versprach, nur bie reine Wahrheit zu sagen. Dann schilderte er bie Vorgänge wie folgt:

Ich brängte mich aus Neugier durch die Menschen­menge. Ms ich etwa in ber Höhe der »Marttnshalle« war, kamen vom Graben her die Polizeibeamten Ich stellte mich in den Torbogen ber »Marttnshalle«. Die Menschenmenge war zum größten Teil schon zurück- geflu et, aber einzeln« Leute befanden sich immer noch tn ber Marktgasse.

Die Beamten hatten eben den Graben überschritten als ein zwei oder drei Schritt von mir entfernt stehender Mann einen Revolver zog und in Richtung auf die Beamten einen Schutz abgab. Im nächsten Augenblick sah ich auch schon den Polizeiwach meister Kuhlmann in bie Knie sinken. De« Schütze war in­zwischen verschwunden. In ihm habe ich einwand­frei den Angeklagten Melis erkannt.

Er stanb nur zwei bis drei Schritte von mir ent­fernt, das aus dem Hause fallende Licht beleuchtete .sein Gesicht ganz deutlich, außerdem nahm ich ein« nest. Es wird jedoch hinzugefügt, daß diese Zahl in den letzten Jahren nicht erreicht sei, sondern daß ein Jahrgang mit 201 567 Mann zu Hebungen einberufen worden ist. Auch hier ist wie bei den Angaben über die aktiven Heeresstärken die Tendenz erkennbar, das gesetzlich Zulässige außerordentlich h o ch zu bezif­fern, um dadurch auf der Konferenz die Möglichkeit zu haben, sich etwas abziehen zu lassen, ohne daß es weh tut, und ohne daß die bisherige tatsächliche Rüstung verringert wird.

Zum Schluß sei noch berührt, daß alle n o ch n i ch t 6 Monate Dienende als unausgebildet in der französischen Völkerbunds-Tabelle erscheinen. Einerseits setzen die Franzosen sich mit dieser Be­griffsbestimmung der Unausgebildeten selbst in Widerspruch zu ihren Vorschriften, sie verlangen daß der Soldat nach vier Monaten als voll ausgebildet zu gelten hat, andererseits ist ohne weiteres klar, daß auch lüner ausgebildete Mannschaften, die vor dem aktiven Dienst stoch eine sehr eingehende militärische Vorbereitungsausbildung gesetzlich durchwachen müssen, für den Kriegsfall als vollwertig zu be-

Preußens abgebaute Pädagogische Akadewieu pro­testieren. In Halle wurde in einer Konferenz bet Stubentenschaft ber fünf vom Abbaubefchluß bes Preußischen Innenministeriums betroffenen Aka­demien gegen den Abbau starker Widerspruch erhoben. Durch den Beschluß des Staatsministeriums, fünf Akademien vorübergehend zu schließen und an den restlichen Akademien Ostern 1932 keine Neuauf­nahmen vorzunehmen, ist eine für die junge preu­ßische Lehrerhochschule ernste Gefahr entstanden. Ab­gesehen davon, daß die Sparmaßnahme dem Mini­sterium gar nicht den erhofften finanziellen Erfolg bringen könnte^ muß die Studentenschaft vom Staats­ministerium Maßnahmen erwarten, die die vorge­sehenen harten Vorschriften mindern und wodurch alle neuen finanziellen Belastungen bet Studenten­schaft vetmieben werben.

Joies Ponten bat soeben einen neuen Roman ..Rhein und Wolga" vollendet — den streiten in sich abgeschlossenen Sin,elband 6e8 grotzangelegten Proia-Evos der deutschen Ausioanderung ..Vokk^aus dem Wege. Roman der deut­schen Untube . 3m Miltelountt des neuen Buches siebt die ?»erstöruna der Pfalz im Jahre tWS — der Brand von lsvever. die Austreibung aus Schwetzingen. die Herwii- ftuna Heidelbergs und im Hintergründe dieser Gescheh niste der Krtegsrat zu Versailles und die iobigenienbatte Gestalt Ser Liselotte von der Pfalz. Wie Ser erste Einzelbastd „Wolga, Wolga« erichein, Ser neue Band bri der Deut­schen Berlags-Snstalt Stuttgart.

Rene Werke »»« Andre Gide. Unter Sem Titel „Euto- variche Betrachtungen« erschöinr soeben ein non Ernst Ro­bert Eurtius übertragener Sffsnbavd von AndrS Gide. 3n Borbereitung befindet sich eine beurW Ausgabe von Gi­de« schausviel „Oedipus", das demirachu in Darmstadt mit vaul Wegener leine Urouffitbruttfl erlebt. Beide Serke eriäeineit bei der Deutschen Berlaas-Anstalt, Stuttgart. tot tot