In der Schule der Hausmütterchen
Was eine zukünftige Hausfrau alles erlernen muß / Zu der Ausstellung der
Städtischen
Haushaltungs» und Gewerbe - Schule in der Gießbergstraße
Die ersten Weihnachtsplätjchen duften in der Lehrküche
Das sind die zukünftigen Hausfrauen in ihrem Schulreich
Das ist die Küdienßarde: blau das Kleid, weift die Schürze und rot der TopflapnemGürtel
Ss ist aber nicht nur diese, sonven» aut^ gewerbliche Vorbildung für den Beruf der Hausfrau notwendig. Da Dor allem heißt es schneidern, Wäsche ital,en und, worauf heute ganz besonderer Wert gelegt wird, Hausstand erhal - ten. Ausbessern und Jnftandsetzen wie tm spateren „richtigen" Haushalt ist da bte ^«016. iüüt billigen Mitteln, durch praktisches Zugreifen und rechtzeitiges Vorbeugen die oft mühsam angeschafsten Werte zu erhalten: das ist ja eine der wichtigsten Aufgaben der tüchtigen Haus-
Äugeschlossen an die Gewerbeschule t|t auch eine Lehrwerkstätte, die in Ver- »tnouttS mit den Innungen arbeitet.
Praktische Arbeit, die Schülerinnen und Wermnen leisten, ist. auch die „Winter- bilfe , die aus eigenen Mitteln alljähr- 11(6 tn die Tat umgesetzt wird. Aus allen Bezirken der Stadt werden durch Vermittlung der Fürsorgestellen die Adressen der ärmsten kinderreichsten Familie einqe-' polt: und diese einzukleiden, ihnen mit Lebensmitteln und Heizung unter die arme zu greifen, ist das schöne Ziel der gemeinschaftlichen Arbeit. Auch Reutner- bund und Kinderhorte haben in der Schule eine freudige Helferin.
der Freude und der h/? 1*1 esk beJ ?as San3e Haus in
der Gießbergstraße beherrscht. Wer jetzt tn den Tagen vor der Ausstellung hin- 6111^01116 hinter der toten Fassade das quickle^ndige Bild eines summenden Bienenstockes sah — dieses fröhliche Durcheinander von Arbeitenden und Hellenden vom fünften Stockwerk hinunter bis tn die Kellerräume — wer zuschaute mit welchem Feuereifer an all den Herrlichkeiten gearbeitet wird, die nun heute morgen dem staunenden Auge her JJutroelt vorgeführt werden sollen als deugnis her geleisteten Arbeit: der wein, daß Lehrttirper und Schülerinnen auf dem rechten Wege sind. Und der nimmt hie Zuversicht mit, daß die jungen Mädchen me hier die Grundlage für ihr späteres «eben erhielten, ganze Kerle sind hie auch schwereren Zeiten als den gegenwärtigen fröhlich und mutvoll die Stirne bieten werden. Ed Schulz=Kcffpl
Gleichzeitig damit wurde auch einSchü - lerheim eingerichtet, das vielen auswärtigen Schülerinnen die Möglichkeit gibt, int Schulhause zu wohnen. Lehrgänge für Gewerbelehrerinnen sämtlicher Fachrichtungen, für technische Lehrerinnen und für Turn- und Sportlehrerinnen ergänzten den Aufgabenkreis der Schule außerordentlich glücklich. Leider mußte die Schule diese Semiuarklassen nach der Uebertragung der Ausbildung auf die Berufspädagogischen Institute abbauen, im Januar 1932 ist ihre letzte Stunde gekommen. lieber die Ausbildung der tech
nischen und Turnlehrerinnen sind neue Bestimmungen noch nicht ergangen. Durch den verfügten Abbau ist nicht nur der Schule ein dankbarer Aufgabenkreis, sondern leider auch vielen Kasseler Mädchen aus finanziellen Gründen die Möglichkeit eines Seminarbesuchs genommen.
Sils einen gewissen Ausgleich zeigen die höheren Fachschulen für Frauenberufe eine weitere Entwicklung. Sie find 6eiufen, junge Mädchen, die eine abgeschlossene Lyzeal-oder Mittelschulbildung befreit, in dreijähriger Schulzeit gründlich in die wirtschaftlichen und geistigen Aufgaben der gebildeten Frau einzuführen. Daneben vermitteln fie in Zukunft auch die Vorbildung für die berufspäda- gogifchen Institute und andere Bildungsstätten.— Mit der Einrichtung der Abi- turientinnenkurse für Absolventinnen der neunklasfigen Lehranstalten ist die Schule einem ost geäußerten Wunsche nachge- kommen.
.. Aufgabe der Haushaltungsschule ist es, bte Schülerinnen, zumeist Mädchen im Aller von 14 bis 18 Jahren, auf den Beruf ®er yau5fiau vorzubereiten. Die große Zahl ermöglicht eine Trennung nach per schulischen Vorbildung und damit heileres Vorwärtskommen. Parallel damit läuft die .Zrauenschule", die sich durch bte Einführung in die soziale Arbeit von ihr unterscheidet. Praktisches Arbeiten im Kinderheim und im Säuglingsheim sind angeschlossen. Nicht jeder weiß auch, daß eine Klasse der Haushaltungs- >chule wahrend der Sommermonate regelmäßig die kleinen Insassen der Waldschule verpflegte. Neben den schon erwähnten Abiturientinnenkursen ist für bte, die keine mittlere Reife besitzen und den Berufs der Hausangestellten ergreifen mvueu, gründliche Ausbildung zur zuverlässigen Hilfe im Haushalt möglich. Es gibt nichts, was in den modern und imedmägig eingerichteten Räumen der schule nicht gelehrt würde: von der Küche bis zur Waschküche fehlt keine Etappe der
- !$en Hausfrauenarbeit. Und über- .m stehen Lehrerinnen, die in mütterlicher Zusammenarbeit mit ihren Schutzbefohlenen rechte Hausfrauen aus ihnen machen.
Rechts, von oben nach unten:
Studien am Wickeltisch
Zwanzig Nähmaschinen rattern
(y ine tüchtige Hausfrau kann nicht ge- . . "ug gelernt haben. Die Aufgaben, bte in einer so unsicheren und unberechenbaren Zeit ihr täglich neu gestellt werden, versetzen fie in Situationen, denen nur gründliches Wissen gewachsen ist. Die Verantwortung gegenüber Familie und Staat, die die Frau von heute in erhöhtem Maße zu tragen hat, bedingt eine gewissenhafte Vorbildung für ihren Beruf. Sie setzt Kenntnisse voraus, deren Notwendigkeit in früheren Zeiten niemand ahnte. Sie verlangt Wissen und Weitblick, Kenntnis des Wirtjchasts- und des Kulturlebens. Der Aufgabenkreis einer 6 d) u I e, bie junge Mädchen für den Beruf der Frau und Mutter ausbilden will, ist also nahezu unbeschränkt und hat sich von Jahr zu Jahr erweitert.
Rein äußerlich schon tritt das in der Haushaltungs- und Gewerbeschule zutage: Seit 1894, dem Jahre, in dem Marie Calm als Vorfitzende des Frauenbildungsvereins, die „Berufsschule für konfirmierte Mädchen" ins eigene Heim in der Gießbergstraße verlegen konnte, haben sich zwei umfangreiche Erweiterungsbauten als notwendig erwiesen — in den ersten Kriegsjahren erstand ein vierstöckiger Neubau und im Jahre 1928 wiederum ein neues Haus im Anschluß an die alten Gebäude, das in vorbildlicher Weise allen Anforderungen an die besonderen Zwecke der Schule entsprach.
Lange ist es ja nicht bei der „Berufsschule &r konfirmierte Mädchen" allein geblieben. Die Frauen, die sich mit Herz und Verstand für die Ertüchtigung der ihnen anvertrauten Jugend einsetzten und Am Webstuhl wie zu Groftvaters Zeiten
Kasseler Sonntags-Bilderbogen
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Zuschneiden muft gelernt werden.
weder Arbeit noch Opfer scheuten, neue Gedanken zu verwirklichen, haben im Verkauf von über sechzig Jahren aus sich selbst heraus das Werk geschaffen, das, bahnbrechend für die Entwicklung der weiblichen Berufsschulen in ganz Deutschland, heute zu einem Vorbild geworden ist. Eng verknüpft mit diesem Aufstieg der Schule ist neben MarieCalm der Name Auguste Försters, die fünfundzwanzig Jahre lang die Anstalt leitete und deren Weitblick die Voraussetzung für den neuen Aufbau schuf. Als fte sich im Jahre 1912 zur Ruhe setzte, übernahm die derzeitige Leiterin, E. Änipping, als langjährige Mitarbeiterin bte Führung im Sinne ihrer Vorgängerin. Unter ihrer Slegibe entstauben die beiden Neubauten und ging die Schule in städtische Verwaltung über, damit für die Zukunft eine sichere Grundlage ihres Be- Sens und ihrer Weiterentwicklung er-
iend.
Theorie und Praxis zu vereinen und sowohl diejenigen Schülerinnen zu berücksichtigen, die ihre Kenntnisse zum Hausgebrauch zu erweitern suchten, wie auch die, die damit einem Erwerb nachgehen wollten, war von Anbeginn an das Ziel der Schularbeit. Neben den ersten Unterrichtsfächern wie Weißnähen, Buchführung, Französisch und Zeichnen wurde schon bald ein Sonderkursus für Handarbeitslehrerinnen eingerichtet — die Keimzelle der späteren Lehrerinnenbilbungsan- ftalten. Kurse zur Ausbildung von Jn- dustrielehrerinnen kamen hinzu, einKInder ho r t und eine Kochschu 1 e, die bürgerliche, feine und Volks-Küche um= faßte, fügten sich an, und endlich kam im Zähre 1894 der große Augenblick, in dem bas erste eigene Heim der Schule in der Gießbergstraße bezogen werden konnte.
Baoy wird, gebadet — (wie gut, daft es nicht schreien kann?)
Viele Taufende werben am Sonnabend und Sonntag die große Ausstellung der Haushaltungs- und Gewerbeschule in der Gießbergstraße besuchen — der Vertiefung des Verständnisses für die besonderen Aufgaben dieses einzigartigen Instituts soll auch unser heutiger Bilderbogen dienen.
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