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Kasseler Neueste NachMen

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 278* > j 7

Sonnabend * Sonntag, 28. 29. November 1931

21. Lahrgang

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Hessische Abendzeitung

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Tumulte auf dem pariser Abrüsiungskongreß

Französische Nationalisten inszenieren bei der öffentlichen £ gebung Krawatte / Oie amerikanischen Bankiers zur Stillhaltefrage

Kampf der Korruption!

7.

. erklären den König des Hochverrats schul­

dig. / Der Lebensroman des spanischen Ex- Königs.

Dr. Georg Kuhn: Gut und bequem wohne«.

Beilage:

Die Auferstehung der Parias. / Ein 60-Milliorew Volk tritt in die Geschichte.

Beilage:

Ernst Humprecht: Wie lebt der deutsche Arbeiter«

nicht umzugehen versteht. Je länger je mehr wird auch im Kreise seiner politischen Anhänger bemän­gelt, daß der Kanzler in steigendem Maße eine völlig verfehlte Methode der geheimen Kabi-- nettspolitik ohne die geringste Fühlungnahme mit der Oeffentlichkeit treibt. Der Wert der politi­schen Trümpfe, die Dr. Brüning in zweifellos nur geringer Zahl noch in der Hand hat, könnte htbet nationalen wie in der internationalen Pokitikzwe!

W. P. Wenn man nach den Quellen forscht, aus denen die immer noch wachsende politische Unzufrie­denheit des deutschen Volkes gespeist wird, kann man auch an jenen unerfreulichen Affären nicht vorüber­gehen, bei denen Eigennutz und geschäflliche Un­moral die Patenschaft übernommen hatten. Sie spiel­ten stch in den verschiedensten Bezirken des öffent­lichen Lebens ab, diese Skandale und Skandäl- chen: In der Politik fanden ste dort geeigneten Bo­den, wo die Protektion wichtiger war als der Lei­stungsnachweis, wo das Parteibuch und nur das Parteibuch regierte und über Sachlichkeit und Allge­meinwohl triumphierte; in der Wirtschaft wurden die Regionen betroffen, in denen aller Glanz und otte materiellen Vergünstigungen aus die gewissen­losen Spekulanten fielen, in denen, anders ausge­drückt, diePiraten" und dieFreibeuter" den ehr­baren Kaufmann an die Wand gedrückt hatten. Ob Politik oder Wirtschaft, der bescheidene und notlei­dende Unterton machte und macht da nicht viele Un­terschiede. Er sieht den Schlutzeffekt, wenn eine von

Vor wenigen Tagen hat der Reichskanzler Dr. Brumng seinen 46. Geburtstag gefeiert, aber bei der strengen asketischen Abgeschlossenheit, in der er seine Tage in ununterbrochener Arbeit verbringt, hat man selbstverständlich nichts davon gehört, was er sich bei einer solchen Gelegenheit etwa gewünscht haben mag. Soweit nicht seine Person, sondern seine Politik in Frage kommt, kann man sich jedoch unschwer ein Bild davon machen, in welcher Richtung derartige Wünsche gehen könnten. Es ist nicht alles so verlaufen, wie der Kanzler es sich vor einem Jahre, oder noch vor einem halben Jahre gedacht hat. Das Tempo seiner Sanierungspolitik ist ganz erheblich langsamer ae- woUien. Die Schwierigkeiten sind gewachsen, und die Basis seiner politischen Arbeit ist schmäler geworden.

Wenn man schon jetzt mit Sicherheit weiß, daß die bevorstehende Notverordnung nur zum Teil die bren­nenden wirtschaftspolitischen Fragen betreffen und uns im übrigen neue Steuerlasten bringen wird, so ist nicht zu verkennen, daß Dr. Brüning sich mit den bevorstehenden Kabinettsbeschlüssen aber­mals eine schwere politische Belastung aufladen wird. Der Kanzler muß trotz der Vertagung des Reichstages auf den 23. Februar jederzeit mit ber Möglichkeit rechnen, daß das Parlawcnt ftüher zt.jammenberusen wird, womit dann der offene Aus­bruch einer Krise unweigerlich gegeben wäre. Noch arbeitet er Hand in Hand mit den Sozialdemokraten, aber das Anwachsen der Nationalsozialisten hat schon seit längerer Zeit eine Diskussion über die Frage in Gang gebracht, ob es nicht ratsam erscheine, noch vor irgend welchen neuen Wahlhandlungen das Kabi­nett umzubauen und die Nationalsozialisten zur Miwerantwortung an der Regierung heranzuziehen. Der Kanzler hat zu dieser Frage noch nicht Stellung genommen, aber es ist unverkenn­bar, daß sich zwischen der Parteileitung der National­sozialisten in München und dem Reichsinnenmini­sterium als dem gegebenen Vertreter des Kabinetts für derartige Fragen, ebenso aber auch mit maßge­benden Persönlichkeiten des Zentrums eine gewisse Fühlungnahme herausgebildet hat.

Die enge Verknüpfung der innerpolitischen und der wirtschaftspolitischen Arbeit mit der parteipolitischen Grundlage, auf der sie ausgeübt wird, bleibt trotz der Vertagung des Reichstages bestehen Es ist aber deutlich, daß der Kanzler im Hinblick auf eine Ver­ständigung mit den Nationalsozialisten keine besondere Eile an den Tag legt, einmal, weil er der Ueberzeu- gung ist, daß das Zentrum und die Bayerische Bolks- partei einen beinahe unerschütterlichen Bestand an Wähler hinter sich haben, und zum andern, weil er offenbar glaubt, daß die Nationalsozialisten die Grenze der absoluten Majorität nicht überschreiten werden und daher stets auf die Bundesgenossenschast des Zentrums angewiesen wären. Und in der Außenpolitik? Hier wird-der Kanzler voraus­sichtlich im Laufe der nächsten Wochen, spätestens im Januar, Gelegenheit haben, seine Karte auszuspielen. Freilich ist der Sicherheitsfaktor, ob diese Karte wirklich stechen wird, nicht groß, aber wenn auch sie sich als ein Trumpf erweist, könnte Dr. Brüning damit manche Verluste seines innerpoli­tischen Spiels ausgleichen. Die bevorstehende Zu­sammenkunft des beratenden Sonderausschusses in Basel und die für Januar angekündigte neue Repa­rationskonferenz find Angelegenleiten von allerersten europäischem Range. Trotz der jüngsten Rede Lavals wird man die Erwartung keineswegs aufzugeben ha­ben, daß auf diesen Konferenzen ein Maß der deut­schen Leistungsfähigkeit festgestellt und eine Grenze der deutschen Verpflichtungen gezogen wird, die uns wesentliche Erleichterungen bringen wird. Es ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß England, Italien und Amerika den Franzosen nicht gestatten werden, den gegenwärtigen kümmerlichen Rest der deutschen Leistungsfähigkeit für fich allein auf dem Wege über das Reparationskonto in Anspruch zu neh­men. Sie werden ihre Forderungen auf kreditpoliti­schem Gebiete nicht um unseretwillen, sondern auf Grund ihrer eigenen Interessen geltend machen, und der Ausgleich, der dabei gefunden werden muß, wird stch voraussichtlich unter Einschaltung einer mehrjährigen vollständigen Zahlungs­pause eben im Rahmen der vorher festzustellen­den deutschen Eesamtfähigkeit zu irgendwelchen Lei­stungen bewegen müssen. Der von ^französischer Seite angeregte Plan einer Kommerzialisierung der deut­schen Verpflichtungen auf dem Wege über bestimmte Sachleistungen wird dabei vermutlich noch viel Schwierigkeiten machen, wird aber zuletzt wohl an der Unmöglichkeit seiner Finanzierung sche..ern. Von dem Ausgang der jetzt bevorstehenden entscheidenden Aus­einandersetzungen über die auswärtigen deutschen Verpflichtungen hangt aber das Schicksal der Regie­rung Brüning (sei es in der jetzigen oder in einer

| der Ausspruch des Kanzlers, der in einer seiner letz­ten Reden die Wiederherstellunggesunder Prinzi­pien in der Privatwirtschaft" forderte, ebenso deut­lich wie der R u n d e r l a ß, den der preußische Justizminister in diesen Tagen an die preußi­schen Justizbehörden erlassen hat. Auf der anderen Seite hat aber auch jetzt die Wirtschaft in aller Form den Kampf gegen jene üblen Zeitgenossen, die mit laxen Moralbegriffen arbeiten, eröffnet, sie hat mit der Erklärung, die Krupp von Bohlen und Hal­bach im Reichsverband der Deutschen Industrie im Namen aller Wirtschaftsverbände abchrb, zwischen sich und den anderen einen dicken Trennungs- st r i ch gezogen, und sie hat als Parole das gute Wort von derSelbstbereinigung der deutschen Wirtschaft" ausgegeben.

Wir haben in der jüngsten Vergangenheit eine wahre Hausse von Skandalaffären erlebt. Vom Skla- rekprozetz und dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz, von diesen uner­quicklichen Vorgängen, die vom Wirtschaftlichen mehr oder minderstark ins Politische hinübergreisen, bns zu den Dingen um die Favag, um Nordwolle und Katzenellenbogen was da geschah, waren Sze­nen aus einem Film, der die Zuschauer mit sei­nen schmutzigen Sensationen zunächst überraschte und I dann aufs heftigste «upörte, der schließlich die Auf­merksamkeit so stark in Anspruch nahm, daß über diesen tvüben Bildern das andere, das Gesunde, das ehrlich und tapfer um seine Existenz Ringende, das gottlob das Wesen der deutschen Wirtschaft immer noch bestimmt, beinahe vergessen wurde.

Eine Fülle von Einzelfragen, mit denen der ge­wöhnliche Sterbliche garnicht recht fertig werden konnte, wurde durch dieses Geschehen aufgerührt. War es unbedingt nötig, daß Herr Katzenellenbogen gegen eine Summe, die für den einfachen Gehalts­empfänger, für den kleinen Handwerksmann und erst recht für den Mann mit dem Stempelbuch etwas Märchenhaftes an sich hat, aus der Haft entlassen wer­den sollte? Ist es denn wirklich möglich, daß in einer Zeit ungeheuren Not, in der soviel von Dchicksalsge- | meinschaft geredet wird, Leute deraxtige Riescngehäl- ter und Riesenvergünstigungen erhalten, wie sie im Favag-Prozetz in sechsstelligen Zahlen ausgedrückt wurden? Gab es denn gar keine Kontrolle, wo wa­ren die Aufsichtsräte, kannten sie wirklich, wie im Frankfurter Gericht gesagt wurde, keine andere Auf­gabe als ,Has Ausüben von Vertrauen"? Das ist gleich eine ganze Fülle von Fragen, die man da so schnell an den fünf Fingern herzählen kann, und es ist doch nur ein Ausschnitt aus dem reichlichen, allzu reichlichen Stoff, der der öffentlichen Meinung zu­geflossen ist.

Alle Einzelfragen aber führen schließlich doch im­mer wieder zu dem Versuch, die letzten Gründe des Geschehens aufzuspüren, die große Haupt- und Kern­frage zu beantworten: Wie ist und war das möglich aus welchen Trieben und Neigungen der Akteure sind diese Skandale geboren? Vielleicht haben diejenigen recht, die meinen, daß sich in diesem oder jenem Falle der Geist der Inflationszeit jener Zeit, die im Rausch der Zahlen alle gute Sitten vergaß, die den guten Grundsatz der Vergangenheit.,Mehr sein als scheinen" ins Gegenteil verkehrte und die Gier nach Riesengewinnen entfachte noch aus­wirkte. Eng verwandt mit dieser Antwort ist die Ansicht, alles liebel sei darauf zurückzuführen, daß

Wigqins reist heute auf dem DamnferOlympia zur Teilnahme an der Stillho'iekonserenz nach Ber­lin ab. -- - -

umgebildeten Gestalt) um so mehr ab, als inner­politisch für den Kanzler nicht allzuviele Chancen zu erblicken sind.

Immer deutlicher hat man in letzter Zeit beobachten können, daß innerhalb und außerhalb der Reichs­grenzen bereits Erwägungen darüber angestellt wer­den, ob mit dem gegenwärtigen Kabinett noch große politische Geschäfte zu machen sind, oder ob man fich nicht allmählich auf eine kommende Regierung der Rechten einzustellen habe, in der Dr. Brüning viel­leicht das Außenministerium behalten könnte. Die Nationalsozialisten zeigen aber wenig Neigung, vor der Bereinigung der außenpolitischen Schuldensrage einen Teil der Verantwortung zu übernehmen.

Uebrigens hätte Dr. Brüning die Möglichkeit, auch noch eine dritte Karte auszuspielen, mit der er leider

Beachten Sie besonders folgende Artikel:

Hauptblatt:

Sonderbericht: Hungergespenst über dem Erzge­birge.

Fritz Müller-Partenkirchen: Vorweihnacht beim Pererbaueru.

1. Beilage:

500 Mädchen wollen Hausfrauen werden. Sozialpolitik durch Berufsverbände.

2. Beilage:

Literaturbeilage: Martin Andersen-Nexö. I See­lenwende: Steht eine neue Geistesepoche bevor? / Dichtung und Menschenliebe (zu Stefan Zweigs 50. Geburtstag).

3. Beilage:

Immerhin verschaffte fein bekannter Name ihm Ge­hör.

Ungeheurer, nicht endenwollender Beifav emp­fing und begleitete den Hauptredner Frankreichs, Painlevs,

dessen Eintreten für die französische A b- rüstungsthese am Donnerstag abend durch Vie Presse bekannt geworden war. Heftige Unruhe ent­stand wiederum, als Pichot eine allgemeine, gleich­zeitige und kontrollierte Abrüstung forderte, sowie für die Schaffung einer internationalen Polizeitruppe eintrat. Wiederum ertönte die Marseillaise und die Prügelei im Saal flammte erneut auf. Schließlich konnte Jouvenel, um der Form zu genügen, die Schlußworte sprechen.

DasMeisterstück"

Paris, 28. November.

Die gesamte Morgenpresse beschäftigt sich mit den lärmenden und störenden Kundgebungen im T r o c a d e r o, die zum Schluß der öffentlichen Kund­gebung für die Abrüstung zu einem Sturm auf die Rednertribüne geführt haben.

Petit Parisien" nennt als Urheber der Kund- gebung die Action srancaise, die Frontkärnpfervereini- gungCroix du fett und die Jugendorganisation der Patriotenliga. Das Blatt räumt ein, daß es zu Schlä­gereien gekommen ist, will aber behaupten können, daß I die Polizei nicht habe einzugreifen brauchen. Dies ent­spricht nicht den Tatsachen. Jeder Besucher der Ver­sammlung konnte das Gegenteil feststellen.

Das radikale OrganLa Republique" wendet sich scharf gegen die Urheber der Ausschreitungen. Ange­worbene junge Leute, die noch nicht einmal in dem Alter stehen, um ihrer Milirärdienstpflicht Genüge ge­tan zu haben, hätten stch in einem herausforderndem Betragen gefallen, das geeignet sei, dem Ansehen Frankreichs Abbruch zu tun. Aehnlich äußert stchOeuvre".

sclios erheblich gesteigert werden, wenn er in i.z«~,> i wortlsch z-- machen. Gerade daraus aber ergibt stch dlesen vedeutiamen Fakwr stärker zu beachten ver- das Politische Gefahrenmoment, und daß diese Gefahr *tunDe- I von öen verantwortlichen Stellen erkannt ist, beweist

diesen Giftblasen aufplatzt, er verfällt der Neigung zu verallgemeinern. Die Abwehrbewegung und das Durchgreifen der staatlichen Instanzen erfolgen ihm nicht schnell und nicht gründlich genug, und er ist am Code geneigt, das ganze Stiftern, in dem für ihn Staat und Wirtschaft zusammengefaßt sind, vorant-

Einigung der Aeuyorker Bankiers

Reuyork, 28. November.

Die Neuyorker Bankiers hielten am Freitaa eine Sitzung ab, in der ste stch mit der Stillhaltefrage be­schäftigten. Sie gelangten zu einer grundsätzlichen Einigung über die Verlängerung der kurzfristigen Kredite an Deutschland.-Tage-Wechsel, die nach den, I. Dezember ausgestellt werden, sollen zur Ein­lösung der Medioverpflichtungen dienen. Es wurde

Trümpfe im Spiel?

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Paris, 28. November.

.Die große öffentliche Abrü stungskundge- b u n g in dem mit den Farben aller beteiligten Län­dern geschmückten Riesensaal desTrocadero" begann am Freitag um 21.30 Uhr MEZ. unter dem Vorsitz Herriots. Wie ein um die Rundung der Kuppeln herumlaufendes Band in Riesenbuchstaben verkün­dete, nähmen an der Veranstaltung 1043 Vertreter von 362 Verbänden aus 30 verschiedenen Län­dern teil. Der mehr als 5000 Personen fassende Raum war nahezu bis auf öen letzten Platz besetzt.

Schon die kurze Eröffnungsansprache Herriots wurde durch Protestrufe und Gegenkundgebungen mi­nutenlang unterbrochen.

Von der Kuppelgalerie erklangen immer wieder Rieder"-Rufe,

die von starkem Särum gefolgt waren. Der größte Teil der Rede ging im Lärm unter und erst am Schluß konnte sich der Beifall der Anhänger durch- etzen. Im Anschluß daran versuchten die Vertreter >er konfessionellen Verbände sich Gehör zu verschal­en, was jedoch nur zum Teil gelang. Ausgesperrte Ruhestörer versuchten durch die Seitentüren in die Logen einzudringen und vergrößerten den Tumult durch dauerndes Klopfen an die Wände. Von der Botschaft des Pariser Erzbischofs Kardinal Ver­di e r s wurde nichts vernommen, da Sprechchöre je­de Verständigung unmöglich machten. Kaum eine halbe Stunde nach Eröffnung der Sitzung entwickelte ich bereits

eine heftige Prügelei in einer Seitenloge,

die vom Publikum mit leidenschaftlicher Parteinah­me verfolgt wurde.

Als der deutsche Reichstagsabgeordnete Joos das Wort erhielt, erhob sich ein durch Sprech chöre unterstütztes Pseiskonzert.

das jeden Laut verschlang. Der Tumult erreichte einen aller Erfahrung spottenden Höhepunkt. Die Prügelszenen nahmen immer tollere Formen an. Kein Mensch mehr horte auf den Redner, so daß der Reichstagsabgeordne er Joos eine Unterbrechung eintreten lassen muhte und erst forifuhr. als einiger­maßen Ruhe eingetreten war Joos führte u. a. aus: Kein Volk könne ein aufrich igeres Bedürfnis nadt einem positiven Ausgang der allgemeinen Abrüstungs- konserenz des nächsten Jahres haben, als das beut che, denn das deutsche Volk habe auf Grund der Be- timmungen des Versailler Vertrages die eigene Ab­rüstung bereits seit vielen Jahren durchgeführt.

Fast ebenso unfreundlich wurde der italienische Redner Se tor Scialoja ausgenommen, doch ebbte die Erregung im Saale langsam ab. Lord Cecil wurde als Sprecher Englands mit starkem Beifall empfangen, doch erregte er sowrt die Un­zufriedenheit der Massen, da er englisch sprach.

Pfeifkonzert um Zoos

painlevö, der Vertreter der französischen These/ erhält Sonderbeifall

hervorgehoben, daß Deutschland in den letzten drei Monaten bereits 250 Millionen Dollar, also mehr alt 1 vorgesehen war, zurückgezahlt hat.