Kasseler Neueste Nachrichten
Freitag, 27. November 1931
in Händen der Kasseler
Vor -em Arbeitsgericht
nehmen. Da» Gericht führt nach an». Sah etn Mreertrag auch Sie Ptticht in sich schliesse. den jungen Menschen zu er- ziehen. utth wir wünschen Lew Jungen. iah er mit etwa« liebevollerer Strenge angeiaht wtri als btsber.
ühemith in Aaathninn. Ongvion w4 woMüigtv/iaWiäee
"et.
aus
konnte, dem Buche nicht doch
schenswert, bai auch das, was an politischen Aus- : *)° Zeichnungen Eulenburgs noch vorhanden ist, recht bald i“ publiziert würde, nicht allein, um das Verhältnis Bü-
[inte
und Bei feile den
M
Berte <
De der ®i
ein Loch und stiegen ein. Angestellten ihre Zimmer Die Angelegenheit liegt Polizei.
Kunst gegen die Zeit
Ernst Barlach und sein Werk.
. jert ge- '6 einige Etliche, zu verständlichen Grün-
gan$en Vorgang erzählen »nd man merkt, iah er noi hat. GM ----- ' ' 1 — ' ■*" ‘
Wir trotzen Regen u. Kälte
durch Kaisers
Brusr-Caramellen
) mit den 3 Tonnen
Oer Geist -er Gotik
Dr. Doldinger im Verein für Heimatschütz.
Saffet, 9?, November.
Mit dem Kaiser auf der Nordlandreise
Philipp Eulenburgs Briefe und Tagebuchblätter.
Einbruch bei der Zeche Müncheberg. Heute nacht schnitten Einbrecher in die Fenster der Büroräume Heute morgen sanden die in wüster Unordnung vor.
Auf -er schiefen Ebene
Jugend, die sich selbst verliert
Der Beklagte mu6 sich auch sagen laffen, -ah ,u einem ofortigen Ende des Lehrlingsvertrages Dinge gehören rote Diebstahl, Betrug, liederlicher Lebenswandel mm. und da so etwas nicht vorlag, blieb nichts anderes übrig, als -em Vorschlag des Voriitzenüen zu folgen uni Srtti wieder tu
Zwischen dem 22jährigen Maurer Walter S. und der Polizei besteht seit langer Zeit alles andere als ein ungetrübtes Verhältnis, denn E. macht sich anscheinend einen Spatz daraus, der Polizei von Zeit zu Zeit eine Posse zu spielen. Und da er sich jebee»
Ma« die Form -er Gotik »erbrochen fein, ihr Geist wirkt «>er ihren äußeren Tod hinaus, und tn diesem Sinne ist uguftc Ro-tns Wort zu vergeben, Los -er Vortragende als Leitwort Doranitetlie; ,.t$ine üunft. -j« Leben in sich hat. restauriert -ie Werke -er Berggngenheti nicht, sondern
Was wir als getfttgen Ausdruck der gotischen Formen emvtinden: der Spitzbogen als Symbol -es berensen Gläubigen. das Verneinen -er Sie in maße und deren .ssmom« menzteben in Rmven, Pseuerbündel, Fenfterpteiler und -atz außer retnneryige Ltrebewstem als Ueberwtnduttg des Jrdisch-Sfotilichen, ist ebenso stark ein technischer IrtumM über -ie hierin noch tastende Unfitnerfiett und konstruktiv« Unfreiheit -er Romanik. Wer aber sich dies vor Augen iu halten nutz aus feiner Kenntnis -er EntrotcklunargesLiMe heraus fit niet oeitep »u tomaieren nermptfite. der durste freudig den «ustuhrungen Dr. Dol-tnaers folgen und sich von fetney Begetsterung Zür ein itbertontynaneueS J|jrt* stenkum, tnt
Er wurde nun verklagt, IM RM! zu zahlen oder Fritz wieder einzustellen bis zur Beendigung der Sehre. Auch Fritz war zur Verhandlung erschienen, mit ängstlichem Ge- sicht -1« Dinge versvlgend, denn es wurde ta über sein «chicktal beickloffen. Ein netter kleiner Herl mit roafferge- tämmten Haaren und einem guten Gesicht. Er muh den
:: ....... l..' ..och Angst
Sein Sehrberr. aber sagt, der Fritz sei nicht so ohne, lche Kletterpartien in fein Zimmer, tci faul, frech und ......Id), eS wird ihm ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt. ?lber dem Vorsitzenden macht Fritz keinen schlechten Eindruck während er das sagt, mutz der Junge natürlich vor die Tür geben) und was die Alettervartttn anbelange, so sollte man nicht vergessen, daß man auch jung war uni einmal Kletter- vartien gemacht habe. Dummheiten macht feder Lehrinnge, dafür sind es noch halbe Kinder.
Von den vier jugendlichen Angeklagten sind zwei „alte Bekannte". Man sah sie in den letzten Monaten schon oster auf dem Armesünderbänkchen sitzen. Sie werden jetzt auch aus Her Strafhaft voraeführt. unlängst hat ihnen ein Staatsanwalt angefünfcigt, sie würden noch einmal das Zuchthaus kennen lernen, wenn sie auf der schiefen Bahn fortschreiten sollten. Und cs scheint, als wollten sie dem Staatsanwalt die Genugtuuitg verschaffen, sein« Prophezeiung bald erfüllt zu sehen.
Die Diebereien, die sie fortgesetzt begehen und wegen deren sie diesmal mit zwei anderen Kumpanen, für das Gericht „Neulinge", erneut vor Gericht er« scheuten muffen, sind zwar nicht erschütternd, aber sie laffen wenn auch nicht eine erschütternde Verwirrung aller moralischen Begriffe erkennen. Denn diese Jungens, die seit langer Zeit arbeitslos sind unö mit den wenigen Groschen Unterstützung auskmnmcn müssen, denken sich nämlich nichts dabei, sich die Dinge, die sie brauchen, einfach „zu holen". Da sie fedoch noch alle bei ihren Litern wohnen, handelt cs sich bei dem „Bedarf" immer um Dinge, die man eigentlich entbehren kann, wie Zigaretten, Naschereien und hin und wieder einmal alkoholische Getränke.
Vielleicht könnten die Jungens diese Dinge vermissen, wenn ihr sonstiges Leben in einiger Sicherheit verlaufen und die Arbeitslosigkeit mit ihrer zermürbenden Langeweile nicht künstlich die Bedürfnisse nach Zerstreuung erwecken würde.
Es ist eine Tragik dieser kriminell gewordenen Jugend, daß das Gefängnis die Rolle überneh- muß, die eigentlich dem erzieherischen Einfluß einer geordneten Arbeit überlassen bleiben müßte.
Da haben sich diese vier Jungens mehrmals am Alt- markt getroffen. Das einzige, was sie alle hatten, war viel Zeit, die Raum gab für allerlei dumme Ueberlegungen. Einer hatte eine Möglichkeit ausgeknobelt, der Gastwirtschaft P. einen unerbetenen Besuch abzustatten, um sich vor allen Dingen einmal Zigaretten „zu holen". Der Besuch wurde auch gemacht und noch einmal wiederholt, wobei die Burschen aller- dings auch einige Flaschen Spirituosen und Geld aus der Wechselkasse mitgehen hießen. Die „Neulinge" machten von der Bkute der beiden Einbrüche unvorsichtigen Gebrauch, so daß die Kriminalpolizei das Kleeblatt bald hinter Schloß und Riegel hatte. Ohne große Umstände legten sie vor der Polizei ein umfassendes Geständnis ab, das sie dann auch dem Vernehmungsrichter gegenüber bestätigten.
Bor Gericht hatten die jungen Herren die Geschichte anders überlegt, und zwar in einer Weise, die jetzt merkwürdig oft vor Gericht in Erscheinung tritt. Die Bürschchen bestritten nämlich jetzt rundweg die Richtigkeit ihrer polizeilichen Aussagen. Man hätte sie durch Drohungen oder durch das Versprechen, sic nicht in Untersuchungshaft zu bringen, zu den Geständnissen veranlaßt. Die Häufigkeit dieser Art von Ver- tetbigung gerade bei Untersuchungsgefangenen erzielt, daß vor Gericht kein Mensch den sich so verteidigenden Angeklagten ein Wort glaubt. Außerdem macht sie eS dem Richter schwer, dem Angeklagten die Milde widerfahren zu lassen, die sich bei einem offenen Geständnis allental rechtfertigen läßt.
In diesem Falle waren die Ausreden wirklich zu dumm. Infolgedessen verurteilte das Gericht die beiden „Bekannten" mit Rücksicht auf die schon erlittenen Vorstrafen zu 10 und 12 Monaten Gefängnis, während die „N-ulinge" jeder 6 Monate Gefängnis zudikticrt erhielten, und zwar gab das Gericht sie ihnen entsprechend ihrem Wunsch „auf Bewahrung".
Nun müßte man diesen beiden JmigenS Arbeit geben, damit sie sich auch wirklich bewähren können ...
handelte sich für ihn darum, zu erlernten, in welcher Kunstgattung er sein Innerstes am unmittelbarsten und am stärksten auszudrücken vermag. So zieht es ihn einmal zum Zeichenstift und zum Meißel, ein an- deresmal zur Feder.
Da« künstlerische Werk Barlach, ist die Tat eines Geiste«, der tief in die Hintergründe de, Lebens und der Welt einbnngt und aus innerer Uebennältigung die Welt umschafft und neufchafst. Seine Kunst hat in sich die Kraft, über die Zeit hinaus zu währen und zu wirken. — Carl Dietrich Carls hat e, verstanden, uns in seinem Werk das Schaffen des gegenwärtig eigenwilligsten Künstlers verständlich nahezubringen.
mal reichlich rabiat benimmt, hat man ihn schon mehrfach wegen Widerstandes und Körperverletzung abgeurteilt.
Am 4. August sollte er in einer solchen Sache als Aimeklagter vor Gericht erscheinen. Er kam aber nicht, so daß der Richter den Polizeibeamten, die in der Verhandlung als Zeugen austreten sollten, kurzerhand den Auftrag gab, den säumigen Maurer zur Stelle zu schaffen. Gewitzigt durch frühere Erfahrungen, bereitete der verantwortliche Polizeibeamte die Aktton gegen E. gründlich vor, so daß sich daraus so etwas wie eine Derbrecherjagd amerikanischen Stils entwickelte. Ein Ueberfallwagen mit fünf Mann Besatzung rollte vor dem Neubau an. auf dem E. seiner Arbeit nachging. Die Beamten stiegen aus, luden ihre Dienstrevolver und umstellten den Neubau. Dann wurde E. angerufen und zum Herunterkommen auf. gefordert.
Er kam zwar nicht gleich, machte aber schließlich doch Anstalten, sich den Beamten zu stellen. Halb aus der Letter stehend, rief er den Beamten zu, er habe sich die Geschichte doch anders überlegt, er werde noch erst eine Flasche Bier trinken. Mer schon hatte» ihn zwei Beamte gepackt und zogen ihn von den Sprossen herunter. Dabei fetzte sich E. energisch zur Wehr und soll auch versucht haben, mit dem in feiner linken Hand befindlichen Werkzeug, Siner Wasserwaage, auf dic Beamten einzuschlagcn. Auf dem Erdboden gab es noch einen erbitterten Ringkampf zwischen E. und zwei Beamten, der erst dadurch beendet wurde, daß noch zwei weitere Beamte hinzusprangen und den rasenden Maurer an beiden Händen festen. Derweil standen die übrigen Beamten mit geladenen Pistolen in den Händen dabei.' Nach heftigem Sträuben wurde E. bann schließlich zum Wagen gebracht und dem Gericht vorgeführt. Bei einer Durchsuchung fand man in der Zollstocktgsche seiner Maurerhose einen Dolch.
Wege» dieses bösen Auftritts und wegen des unbefugten Waffenbesitzes hatte sich E. nun wieder vor dem Schöffengericht zu verantworte». Zu feinet Verteidigung machte er geltend, daß er durch das Vorgehen der Beamte» sehr erregt gewesen sei und daß man ihn bei der Festnahme auch mißhanoelt hohe. Das Gericht hielt ihm die Gvreguna auch zugute und verurteilte ihn nur zu drei Wochen Gefängnis. Do» der Anklage des unerlaubten Waffenbesitzes wurde er ftsigesprochen, weil festgestellt wurde, daß ein derartiger Dolch von den Maurern als Arbeitsgerät verwendet wird.
low—Eulenburg noch Heller zu beleuchten, sondern auch um manche politisch und geschichtlich wichtige Frage noch weiter zu klären.
Der politische Ertrag, den die Lektüre dieser beiden Bände hinterläßt, ist, wie gesagt, nur gering. Am bedeutsamsten sind noch die Austeichnungen über den Tod Bismarck», den Eulenburg bezeichnenberweife den „großen bösen Kanzler" nennt. Sonst wird die Politik von dem Fürsten in seinen Berichten als .unverdauliche Speise" abgetan, und wer bieie 700 Seiten Eulenburgscher Briefe unb Tagebuchaufzeichnungen burchgelesen hat, kommt, selbst wenn er die lat« lache, daß die Nordlandreisen Ferien von der Politik fein sollten, nie außer Betracht.läßt, beinah zwangs- läufig zu dem Schluß, daß Eulenburg im Grunde doch eine unpolitische Natur, daß er mehr Künstler als Politiker gewesen sei.
Das menschliche Gesicht
Paul Retzlaffs BUdniss« deutscher Menschen.
Unter den modernen Photographen ist bet Düsseldorfer Erich Retzlaff der Entdecker bes Menschenge- fichts, bas er bis in bie geheimsten Winkel ausleuchtet, das er uns in ganz ungewohnten Perspektiven nahrückt, das er in Ausschnitten wesentlicher unb stärker auf uns wirken läßt al« aus bet verklärenden Entfernung, die unser Auge gern von den Mitmenschen nimmt. Retzlaff räumt vor allem mit dem alten Schönheitsbegriff auf, der nur nach Ebenmäßigkeit, Glätte unb Jugenb orientiert wat. Er zeigt uns, bah bas verwitterte Gesicht eines alten Bauern unendlich viel schönet, weil seelenvoller sein kann als bas mchtssagenbe Schablonengesicht einer monbänen Frau.
Eine Sammlung von Retzkaffs besten Bildnissen ist jetzt in zwei Banden in bet Reihe „Deutsche Menschen" erschienen, bie her Göttinger Verlag bet Deuet- lichschen Buchhandlung hetausgibt. In bem ersten Band „Sie von bet Scholle" (mit einem Geleitwort von Han« Friedrich Bkunck) schildert Retzlaff in 56 Bildnissen • bas Gesicht bes deutschen Bauern, Köpfe von der Waterkant, au« Friesland, Niedersachsen, Hessen, vom Rhein unb aus Schwaben, Köpfe, bie von Arbeit, Sonne unb Luft verwittert sind, aber Köpfe, aus benen Leben,freube, Kraft, Zähigkeit spricht. Bilder von Menschen, die uns Mut geben, an eine bessere Zukunft zu glauben. Daneben, in bem zweiten Banb „Menschen am Werk", eine Reihe von Stadtmenschen, Arbeitet mit allen Zeichen ihrer zetmürbenben Tätigkeit im Gesicht, Arbeitet am Hochofen, Maschinisten, Schlosser, Transport- unb Erdarbeiter, Pslasterer unb Flußschiffer, Arbeitslose unb Invalide. Alles Menschen mit erstaunlich klugen Augen, die noch nicht stumpf geworden sind in der
Kasseler Allerlei
Massenandrang im Mehlispryzetz erwartet. Z» der Schwurgerichtzsttzung am 30. November --Anklage gegen de» Drehet Ernst Mehlis wegen Mordes — ist »ei Zutritt zum ZuHörervam» nach Anord- nu.ng des Vorsitzenden des Schwurgerichts nur gegen Einlaßkarte gestattet. Die Karte», deren Zahl sich nach da» zur Verfügung stehende» Plätzen richtet, werden am Sonnabend ve» 28. November vorm. 8 Uhr in der Geschäftsstelle der Strafkammer, Zimmer 106/107 dos Landgerichts, an jedermann ausgegeben.
Der Oberbefehlshaber der Gruppe 2. General bet Kavallerie von Kayser scheidet bekanntlich aus dem aktiven Heeresdienste aus. Im Rahme» einet schlichten, rein militärischen AbschiedSfeiet findet zu Ehren des scheidende» Oberbefehlshabers am 28. 11.. um 22 Uht, ein Zapfenstreich aus dem Kafernenhofe der Iägerkaserne statt.
Einwanderungsmtzglichkett nach Kanada. Wie bas Reisebüro bet Hamburg-Amerika-Linie, Obere König- straße 21. mitfeilt, bat bie kanabische Regierung auch für oos Jahr 1932 bie Genehmigung zur Einwanderung von landwirtschaftlichen Familien deutscher Staatsangehörigkeit zur Ansiedlung in den Seepromn- zen New Brunswick und Nowa Scotia erteilt. Solche Familien müssen außer dem verbilligte» Fahrpreise bis zum Bestimmungsort 1000 Dollar in bar besitzen. Sie dürfen in Kanada in der Zeit vom 1. April bis L November 1932 ankommen.
Fleischverkauf an dritten Weihnachtsfeiertag? Auf Anregung des Fleischergewerbe, beschäftigen sich die zuständigen Stellen zur Zeit mit bet Frage, ob in diesem Jahre bet britfe Weihnachtsfeiertag
Für Barlach ist nicht bie Wirklichkeit, bie Umwelt bas Priinäre, sonbern wichtiger ist ihm bas innere Bilb, in bem her Mensch bie Umwelt sammelt: bas innere Erlebnis, das ihr.dort wirklich Gestalt verleiht. Er gelangt nicht dadurch zum Bewußtsein der Wirklichkeit, daß er sie objektiv wahrnimmt, sondern, daß er auf sie als auf ein Lebendiges von vornherein fubjettiD in bestimmter Weis» reagiert Barlach betrachtet die einzelnen Kunstgattungen nicht als Felder, auf denen man sich tummelt, weil man hier seine besonderen Fähigkeiten spielen lassen möchte. Er sucht in der Kunst vielmehr eine Erfüllung innerer Notwendigkeiten, eine Perleiblichung feinet inneren Welt, der er unter einem Zwang Recht verschaffen muß gegen bie Zufälligkeiten der äußeren Welt. Es
Richtige Ausgeburten bei Flegeljahre waren es, die bie Freundschaft bet Angeklagten Wilhelm B., Heinrich F. unb Ferdinand E. zustande brachte und wieder zu Bruch gehen Ueß. Auch diese jungen Burschen hatten nichts auszustehen, einer von ihnen stand in Arbeit unb für bie beiben anberen gab es im Anwesen der Eltern hinreichend zu tun. Nichtsdestoweniger bildeten sie sich zu einer wahren Plage für ihr Heimatdorf aus.
Vor allem hatten sie es auf bie Wurstkammern ihrer Mitbürger abgesehen, aber auch sonst ließen sie nichts unberührt, was ihnen bes Mitnehmens wert erschien. Nicht weniger al» vier schwere unb brei
Deinen Eltern jedoch war daran gelegen, »atz Fritz etwas wür-o und er seine Lehre beenden könne. Lchon wan man mit -em Lchrlingsheim so weit einig geworden, dass Fritz mit einem kleinen Zuschuss des Gartners darin wohnen und effen könne, aber die Verhandlungen scheiterten an dem Widerstand -es LebrLerrn.
Wertvoll ist die Veröffentlichung vor allem burdj bie auf intimster Kenntnis beruhende Darstellungdes Milieus der wilhelminischen Zeit und durch die Mitteilung zahlreicher, psychologisch höchst interessanter Züge, die das Eharakteibild des ehemaligen Kaiser« vielfach ergänzen. Der schwierigen Aufgabe, den vierzehn Fahrten, die vierzehnmal bas gleiche Reiseziel hatten unb fast stets bie gleiche Reisegesellschaft sahen, immer neuen Stoff für bie Berichte abzugewinnen, ist freilich auch Philipp Eulenburg mit feinem zweifellos starken Erzählertalent nicht fti worben, unb es ist bie Frage, ob einige Str denen sich die Herausgeberin den nicht entschließen könnt«, ...
dienlich gewesen wären. (Eulenburgs Aufzeichnungen sind in zwei Bänden — brosch. 15 M.. geb. 22 M. — beim Carl Reitzner-Perlag, Dresden, erschienen.) -r.
aus ihren Reihen, sagt dazu in Worten, was da« Bild verschweigt, sagt Über die Not unserer Tage aus, die aus Arbeitern nutzlose Mitglieder bet menschlichen Gesellschaft macht, unb Übet ben Segen bes Berufs, her bem Leben erst Sinn gibt unb bem Gesicht Ausdruck unb Kraft. V.
Zu ben vielen Opfern, bie Bülow in seinen „Denkwürbigkeiten" feiner Eigenliebe brachte, gehörte auch Philipp zu Eulenburg. Gegen bie Ee- Sfeiten, bie Bülow gegen seinen früheren Freund :eute, hat bereits der Biograph Eulenburgs, Johannes Haller, in dem Sammelwerke „Front wider Bülow" Stellung genommen. Es ist aber begreiflich, daß sich auch bie Eulenburgsche Familie veranlaßt gesehen hat, bas Andenken ihres verstorbenen Familienoberhauptes durch eine Veröffentlichung von Briefen und Tagebuchaufzeichnungen des Fürsten vor den Bülowschen Angriffen zu schützen. Vielleicht ist es bedauerlich, daß die Fürstin Augusta, die selbst die Herausgabe des Buches übernommen hat, aus den, wie sie im Vorwort "sagt, „vielen hinterlassenen Aufzeichnungen" ihres Mannes gerade die fast ganz unpolitische Brief- unb Tagebuchblättersammlung ausgewählt hat, in der Philipp Eulenburg die Nordlandreisen von 1889 vis 1908 schildert. Den Vorwurf Bülows freilich, den die Fürstin mit dieser Veröffentlichung in erster Linie entkräften will, diesen Vorwurf, daß Philipp Eulenburg gegen die Kaiserin Intrigen geschmiedet habe (Bülow-Denkwüt- digkeiten I 4501), lassen bie unter bem Titel „Mit dem Kaiser als Staatsmann unb Freund auf Nordlandreisen" veröffentlichten Briefe, bie zumeist an bie Kaiserin gerichtet stich, höchst unglaublich erscheinen. Aber es wäre wiin-
Larlach ist ein Künstler, her nie Kompromisse mit bem Zeitgeschmack schloß, der stets, bewußt oder unbewußt, gegen seine Zeit lebte und schuf. Ein Künstler, der sich jedoch trotz feinet Isolierung durchgesetzt hat. Wer sich mit seinem Werk befaßen will, greife tu der ausgezeichneten Darstellung von Carl Dietrich Z/arls „Barlach, das plastisch«, graphische und dich, terische Werk" (Rembrandt-Verlag, Berlin. Mit 85 Abbildungen. Halbleinen 6,— Mk).
einfache Diebstähle hatte her Staatsanwalt in feinet Anklage aufgesühtt. i
Die schweren Diebstähle sollte das Terzett gemeinsam unternommen haben, während die einfachen Diebstähle nur auf das Konto von Wilhelm B. kamen. Sie waren mit Leitern in fremde Häuser ein« gestiegen, um die Wurstkammern zu plündern: bann hatten sie aus einem Keller etwa 30 Flaschen Wein gemaust unb einem Metzger neben Wurstwaren auch Gelb aus ber Ladenkasse gestohlen Schließlich hatte Wilhelm B. noch aus einem Auto einen Revolver ent- wendet. Er hatte die Waffe jedoch versteckt, während Ferdinand E. eine in seinem Besitz befindliche Waffe einmal auf einem Ausflug mitgesührt unb baraus leichtsinnigerweise mehrere Schüsse abgegeben hatte, so baß er auch noch wegen Waffenmißbrauchs angeklagt worben war.
Vor Gericht spielten die Burschen eine törichte Komödie aus. Während Wilhelm B. im allgemeinen geständig war, wollten bie beiben anberen von nichts wissen unb versuchten alle Schuld auf ihren Mitangeklagten abzuwälzen. Das führte zu allerlei »rregten Auseinandersetzungen, in denen mehrfach dunkle Andeutungen über andere Streiche gemacht wurden, so daß der Richtet dem Staatsanwalt empfahl, diesen Dingen doch ebenfalls einmal nachzugehen. Am Ende überzeugte sich das Gericht aber von der gemeinsame» Schuld aller Angeklagten und verhängte folgende Strafen: gegen Wilhelm B. wegen vier schwerer und drei einfacher Diebstähle zusammen 10 Monate Gefängnis und gegen Heinrich F. und Ferdinand E. wegen vier schwerer Diebstähle je 8 Monate Gefängnis. Die Bewilligung einet Strafausfetzung soll von den Auskünften abhängig gemacht werden, bie bie Eerichtshilfe über bie Angeklagten einholen wirb.
Ein beherzigenswerter Beschluß. Die Zwangs- innug der Stcinbildhauer und Inhaber von als Handwerk betriebenen Grabmal- unb Marmorgeschäften im Landesverband 15 a des Reichsverbanhes des Deutschen Steinmetz- u. Steinhildhauergewerbes e. V. faßte folgenden Beschluß: Der Besuch von Hinterbliebenen durch den Geschäftsinhaber oder einen Beauftragten zu geschäftlichen Zwecken vor Mlaus einer Frist von drei Monaten vom Tage der Bestattung a» gerechnet, ist verboten; ebenso jede schriftliche Anpreisung oder Enrpsehlung inncrhailb einer Frist von sechs Wochen nach ber Bestattung, um jedes belästigende, unfaire Verhalten unb mehr als zweimal unauffleforberte Besuchen bet Hinterbliebenen. Zu Widerhandlungen werden in Strafe genommen.
Unfall einer Äünfticrin. Eine bekannte hiesige Künstlerin, die Malerin Frau Anna Heidtmann- hat dieser Tage einen ernsten Unfall erlitten. Die Künstlerin kam von der Ausstellung ihrer Bilder i» ber Kunstausstellung, als sie in der oberen Wilhelm» trabe auf bem nassen Bürgersteig, der durch ab» liebendes Seifemvaffer glatt geworden war, ausglitt. 5rtau H. erlitt einen schweren Schenkelhalsbruch, ber hre sofortige Ueberführung in bie Möhringsche Klinik nötig machte.
Oer Einspruch gegen Kündigung
auch für Belegschaften kleineret Betriebe.
Obwohl die Zahl der stellenlose» Angestellten heute bereits eine früher nie gekannte Höhe erreicht hat, werde» in jedem neuen amtlichen Monatsbericht über die Arbeitsmarktlage für Angestellte weitete Ver- fchlechtetungen gemeldet. Diese kaum noch erträgliche Entwicklung des Stellenmatkies, sowie bie Tatsache, daß an den Entlassungen alle Betriebsgrößen betet- figt sind, veranlaßte» ben GDA., das Reichsarbeitsministerium erneut auf eine Lücke im Betriebsrätegesetz hinzuweisen, bie sich unter ben heutigen Ver« hältnissen mehr als je nachteilig für die Arbeitnehmer kleinerer Betriebe bemerkbar macht. Es handelt sich um bas Einspruchsverfahren gegen unbillige Kün- digungen unb Entlassungen, bas nach bem Bettiehs- rategesetz lebtgttch ben Belegschaften ber Betriebe mit mindestens 20 Arbeitnehmern zugute kommt, während die Arbeitnehmerschaft in kleineren Betriebe», ja schon mit 19 ober 18 Arbeitnehmern, auf bieses wertvolle Recht verzichten mutz.
Nahe würbe es liegen, wie ber GDA dazu ausführt, bie Rechte aus ben §§ 84 ff. beS Betriebsräte- gesetzes auch ben Betriebsobmännern kurzerhand ein« zuräumen unb damit wenigstens den Angehörigen der Betriebsgrößenklasse» 5—20 Arbeitnehmer die Ein- spruchSmögttchkeit zu sichern. Noch weitgehender würde die Einräumung eines Einspruchsrechtes gegenüber den zuständigen Arbeitsgerichten an alle Arbeitnehmer fein. Das Reichsarbeitsministerium wird jedenfalls dringend ersucht, die Beseitigung der nun fett länger alS einem Jahrzehnt bestehenden Lücke in Angriff zu nehmen und allen von Entlassung bedrohten Arbeitnehmern bie gleichen Rechte zu sicher«.
Vir gratulieren
Der Schneiberineister i. R. Friedrich Schäfer, Bernhardistraße 2 begeht am Sonntag in Gesundheit feilten 70. Geburtstag. Er siedelte im Jahre 1882 von Bad Carlshasen nach Kassel Über unb genügte von 1882—1885 im Inf.«Reg. 83 seiner Militärpflicht. Seit Gründung der KNN. ist das GeburtStagSkind treuer Leser unserer Zeitung unb so soll es «och mancher Jahrzehnt bleiben.
C.uett< für ihre aeiwtigen Lci- ■ ^ .rdk. Den« euatfuiMmg wie der
Ur-btten nur «onürutteur un- nur Sauanwalt irf, ebcnwivknia waren Mt Meiner -er Gotik nur wem «tbischen Empfinden und aus ihrer Aenntms tombeltf heraus schaffende Menschen.
Der Verein für Heimaischutz batte für den zweiten Vor. trag in -er kulturellen ilf6ett0semeinid)aft Tr. T o 16 t n« g c r aus Freiburg gewonnen. Der übersltM »aal des Landesmuseums Bewies an einem kleinen Peifviel. wie grob -ie Sehnsucht unseres Volkes im Grunde ist. aus dem Matcrialidmu» und -em scheinbar nur Körverlichen der Aetztzeit heraus,»kommen. Kenn der Vortraaende dickem den Geist des gotischen AeitalterS gegenübersMN, wo y ück überragen» in der »unit -er sväimtttelglterlichen Form äußert, fo geschah das nicht, um ben w rural en .Problemen -er ganschen Kumt nachzuaeben,,sondern eLlag ihm daran, das innere stieben der damaligen Menschheit aus ihren Bauten iu erkennen. Cs ist natürlich, m bei einem Betrachten -er gotischen Baukunst von Metern einen Genchts« vunkt aus. -Ie andere Luelle für ihre gewaltigen Leistungen nichr erkennbar wurde. Denn ebenlowenig wie -er
!s Kläger trat ein junger Gärtnerlehrling auf und ior» Scbaüenerfafc wegen iu Unrecht beendeter Seht,eit.
er ISiäbriae Fritz wurde von auswärtigen filtern bei ... Järtntrei G. tn die Lehre gegeben. Anfänglich war man mit ihm iufrie-en. dann entdeckte man einmal, -atz er Aevfel für feinen eigenen Magen in einer Stile aumesta« »eit hatte. Nach und nach füll fein Kleitz und feine Führung nachgelassen haben, öfters fei er mit Bastelarbeiten überrascht worden. Bei einer solchen Gelegenheit Balte ihm der. wie Fritz erklärt, Geselle, -er für den allen Besitzer -as männliche Regiment führte, derart kräftig auf den hierzu Se- lonöers geeigneten Körverieil getreten, -atz Fritz Schaden daran nahm unh ein andermal (Barum dreht sich der Pro- zehj, als man ihn wiederum vergeblich im Betrieb gesucht Basteleien gefunden bat. schlug angeblich -er Gc- --------Jungen mit einem Gummifchlauch. Fritz enttarn schliesslich tn den Keller, wohin ihm der Geselle folgte, aber Fritz war flinker und floh au» dem Sellersensier. Nun wurde er ins LehrlingShetm geschickt, dessen Leiter dem Fritz einen Bries mitgab. worin es heisst, der Lehrberr solle die Äüchtigungen unterlassen hezw. verbieten. Als er abends wieder in Sei Gärtnerei ankgm, liess man ibn zwar in Ruhe, sah aber in seinem langen Foribleiden eine Ausgabe -er Leürsieile und gab dem kleinen Fritz am andern Morgen Fahrgeld »um Heimsahrcn. Das ist der Sachverhalt.
etn ü6ertotttefnonenes gört«
—„. „ iteit. wie er sic Im aotinjtn
Menschen und in feinen Wreken mit den F-een der hrrr- ichen-cn Kirche ringen sieht, fortreissen zu lassen. In -ex Baukunst de» Mittelalters sieht Dofbinser. «»» »er Kirche notgedrungen seduidet. den äusserlich bedrückten, iitncrli# freien KM sich entwickeln. Selten Werft er allseitig befrie, dtgende Werke, datnr aber enirchul-tacn reich -te tztnMi- heiien: gm einer »rachivoll bis ins «letn-w durchemwund«- nen Fassade oher tn den sehnigen Strebebogen der äst!*, orale von Reims etwa, oder auch tn den. hoch steigenden Türmen -euiicbei Dome. Bis in die xlattischen Details hinein gebt die tteberwin-uttg der Masse, Aus neftn Schatten heraus treten -ie Figuren als ?
sie sichtbar werdenden Helligkeit, und der Bau wird zur Kol», zum „Regan« für »e» Sichten,
_____________________________3. Sette — 3. Beilage
in einigen Morgenstunben für ben Fleischvers kauf freigegeben werben soll. Die Tatsache, baß ber dritte Feiertag diesmal auf einen Sonntag fällt, bedeutet für bie Verbraucherschaft insofern eine Härte, daß an drei Tagen keine Einkäufe, vor allem von frischen Lebensmitteln, gemacht werden können. Preußen hat sich bereits zustimmend zu bei Anregung geäußert
Netzkarte». Die Einführung bei Karten, über die hier Näheres schon berichtet worben ist, wirb zmn L Januar erfolgen.