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Handel»Wirtschaft»Börse

Kasseler Neueste Na dichten Hessische Handels zeitung Sonnabend, den 31. Oktober 1931

In Kürze:

End« September 1931 beliefen fi<6 die 3««rka fies* efnloaen bei den deutschen Kv « r k ässe u auf 10 218,79 Mill. RM gegenüber 10 »04.90 Mill.. RM Ende August 1931. Im einzelnen betrugen die Einraglungen 368,8« (August 354,08) Mill. RM. Die Auszahlungen stellten ftch aus 655,02 (654,85) Mill. RM.

Der rum 31. Dezember 1931 gekündigte W aa g ouv e r- trag zwischen der Reichsbahn und der Deutschn Wageu- bau-Bereiuiguua wird voraussichtlich um fünf Jahre ver­längert werden.

Mit der Arbeiterschaft der Stoewer.Werke A.-G. vormals toebt. Stoewer, «tettiu, «ft eine Einigung zustande gekommen. Indem die von der WerkSleitirng oorgefSlageneu Löhne angenommen worden fini>. fo das nunmehr ein Teil der Belegschaft wieder eingestellt wnrbe.

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Am 1. November kann der stellvertretende Borsitzeude des Berliner Börienvorstandes, Ksinmerzieurirt. Alfred 31 e le uriger, in bemerkenswerter ElaMmtat feinen 70. (Geburtstag feiern. Zielenziger gehört ru den ersten »ach- leuetn des deutschen Getreidehandels.

Durch Notverordnung, die im > Reichsanzciger vom 36. 10. unter dem 29.10. veröskeutlicht M. wurde Re Gel* tungsdaner der erhöhten Zollsätze für Fleisch und lebende Schweine bis 31. 3. 1932 verlängert.

Zwischen der Gewerkschaft Florentine (Preu. tzag> und der Aualo-Forefgu STil and General-Trust Go. Ltd.. London, ist ein JntereNeugemeinfchaftsvertrgg zuftau- degekommeu. Beide Gesellschaften haben in der Gemarkung Eddeffe (Provinz Hannover) Oelgerechtiame erwerben, die eine gemeinsame Aufschließung als wirtschaftlich wünschens­wert erscheinen lassen.

Weltkrise und Kreditmechanismus

Die Preiswaage

Etwas festere Warenpreise

Prof. Dr. Waaemann. Präsident deS Statiskikchen Reichsamts nnd Direktor des Instituts für Kouinnk- tnrforschnng äußert üch iu dem folgenden Aufsatz zu den Zusammenhängen zwischen der Weltwirtschasts- krlse nnd de« Bersagen des Kreditapvarates. Das Mittel zur Besserung steht er in einer internationalen Zusammenarbeit mit dem Ziele einer grundlegenden Währnngö- und Kreditreform. (Die Schriftleitung)

Der sensationelle parlamentarische Umschwung in England gehört zu den seltsamen politischen Blüten, die die Weltwirtschaftskrise überall in der Welt treibt. Darüber hinaus bedeutet aber dieser über­wältigende Erfolg des Protektionismus eine schwere Niederlage der wirtschaftspolitischen Ideale, die vor hundert Jahren gerade in England von einer fortschrittsgläubigen und erkenntnistrun­kenen Wissenschaft zum Siege geführt wurden. Wir muffen uns darüber klar fein, daß der Lehre wie der Politik des laissez faire fast auf allen wirtschaft­lichen Gebieten durch tief greifende Strufturumbil- dungen die Voraussetzungen entzogen sind, unter de­nen sie erwachsen war. Das Kernstück der Frei­handelslehre, die Vorstellung von den natürlich har­monisierenden Interessen aller aus sich selbst gestell­ten wirtschaftlichen Kräfte, hat zwar niemals der Wirklichkeit völlig entsprochen; denn die freie Er­trags- und Konkurrenzwirtschaft, die gemeinhin als Kapitalismus bezeichnet wird, hat zu keiner Zeit und in keinem Lande den Produktionsprozeß vor den Störungen zu bewahren vermocht, die periodisch in der Form von Wirtschaftskrisen austreten. Und doch hat sie dabei Großes geleistet; sie verstand es näm­lich, immer wieder aus eigener Kraft den Gesun­dungsprozeß zu entwickeln, der aus einer Krise von selbst wieder zum Aufschwung führt. Ein außer­ordentlich verwickeltes Reaktionsspiel, der sogenannte W i r t s ch a s t s a u t o m a 1 i s m u s", verwandelte allemal in verhältnismäßig kurzer Zeit eine in ihren Funktionen gelähmte Volkswirtschaft in einen ge­sund und kräftig pulsierenden Wirtschaftskörper.

Dieser die Störungen immer wieder überwin­dende Mechanismus scheint jetzt aber selbst | gestört zu fein.

Die gegenwärtige Krise ist nicht unerwartet hereingebrochen; feit 1928 war sie sozusagen über­fällig. Denn seit weit mehr als einem Jahrhundert sind in Abständen von durchschnittlich 8 Jahren weltwirtschaftliche Erschütterungen aufgetreten, von denen die letzte die von 1920 gewesen war. Freilich hat die Krise diesmal eine Schärfe und Ausbreitung gewonnen, wie sie nie zuvor auch nur annähernd beobachtet werden konnte. Ungeheuerlich ist der Rückgang der Produktion, deren Index um über 30 Prozent gesunken ist. Noch erschreckender ist der Rückgang der Preise, deren Großhandelsbilanz um annähernd 50 Prozent gefallen ist. Jedoch gibt die­ser schließlich nur graduelle Unterschied gegenüber Büheren Krisen nocb lange nicht der'Vielzahl der ropheien recht, die darin Vorboten eines wirtschaft­lichen Weltuntergangs sehen wollen.

Viel ernster ist ein Shmptom, das von den Wirtschaftspolitikern aller Länder wohl kaum über­sehen werden kann, das ihnen aber bisher noch nicht Peranlassüng gegeben hat, praktische Konsequenzen daraus zu ziehen:

Das ist die Tatsache, daß nach einer Krisen- ; dauer von 2 Jahren noch keine Tendenzen wahrzunehmen find, die auf eine Erholung der schwer ringenden Wirtschaft hindeuten.

Die Genesungskräste scheinen, gelähmt zu fein. Insbesondere ist ein Automatismus weitgehend außer Kraft gesetzt, der über das Geld- und Kredit- fystem hinweg bisher immer wirksam gewesen ist. Jede Krise ist durch schrumpfende Warenumsätze und sinkende Produktion gekennzeichnet. Diese Ein­schränkung des Güterkreislaufs ist die Folge eines Liquidationsprozesses, durch den Geldkapitalien frei gesetzt werden; sie werden teilweise aus der Pro- duktionswirtschast herausgezogen, ohne gleich wieder Anlage zu finden. Das Geldkapital staut sich gleich­sam an. Sein Ueberflutz in den Banken drängt zu neuer Verwertung, und so entsteht eine entscheidende Voraussetzung für einen neuen Konjunkturanstieg.

Der Kreditappara!, der bei Beginn einer Krise jedesmal erschüttert zu werden Pflegt, schien diesmal davon zunächst ziemlich unberührt zu blei­ben. Die Börsenkatastrophe in den Vereinigten Staaten im Herbst 1929 ergab sich inmitten einer Finanzkraft und einer Stärke der Banken, die den

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Die Wirifchaft der Woche

Kassel. 31. Oktober 1931.

Der Winter steht vor der Tür, der schwere Winter des Jrthres 1931, dem alle mit Bangen ent­gegensetzen. Fragen wir uns, was geschehen ist und getan worden ist, um die deutsche Wirtschaft und un­ser Volk Wer diesen Winter h.nwegzubrtngen, so stehen wir leider vor der Tatsache, daß alles Wichtige noch zu tun bleibt. Die entscheidenden Dinge sind bisher weder im internationalen, noch im nationalen Wirtschaftsraum getan worden, alles ist noch in der Schwebe. Je nachdem, ob man Optimist oder Pessimist ist, wird man diesen Schwebezustand als ein S.adium der Auflösung oder der rettenden Entscheidung ausehen. Da die Berufung des neuen Wirlfchaftsbeirats wenigstens die Aussicht auf ein konstruktives Programm eröffnet, darf man viel­leicht hoffen, daß in letzter Stunde noch das Not­wendige getan wird. Auf jeden Fall wird die Auf­gabe dieses Beirates ungeheuer schwierig sein, wenn er sich vor Augen hält, was alles in diesem Augen­blick auf dem Spiel steht.

Die Grundlagen und der Ausgangspunkt für qjn Notprogramm der deutschen Wirtschaft haben durch eine Re he internationaler Vorgänge in der letzten Woche eine wesentliche Verschiebung er­fahren. Von größter Bedeutung waren in dieser Hinsicht die Washingtoner Besprechungen Lavals mit Hoover. Man kann annehmen, daß dort weit mehr zur Sprache gebracht worden ist. als das farb­lose CommuniquS vermuten läßt. Entscheidend bleibt einerseits die Weigerung Frankreichs, der Welt­deflation durch eine Kreditausweitung bei den gold- reichen Ländern einen Riegel vorzuschieben; Amerika scheint sogar gezwungen worden zu sein, die Auti- Deflattonsbemühungen des zweiten Hooverplans einzusMen. Zum andern aber ist offertbar die Ent­scheidung über di« Zukunft der Reparationen und Kriegsschulden von Amerika nach Europa verlagert worden, und man kann sich vorstellen, was dabei in einem unter französischer Hegemonie stehenden Eu­ropa herauskommen wird.

Von außerordentlicher Tragweite für Deutschland und die Welt war ferner der große Wahlsieg der Schutzzöllner in England. Man braucht heute, im Zeital er allgemeinen Projektionismus, kaum noch auf die prinzipielle Bedeutung des Stimmungs­wandels in dem alten Freihandelsland England zu verweisen. Viel wijbttger für uns ist die Tatsache, daß durch die allenthalben erstarkenden Absck.luß- tendenzen Deutschland allmählich jede Möglichkeit

zur Rückzahlung feiner Schulden genommen wird. Und zwar der kurzfristigen wie der langfr.stigen, der privaten wie der politischen. Wir können bei der Struktur unseres Landes Schulden nur durch Waren­ausfuhr begleichen, und so verständlich das Bestreben der andern ist, sich nicht mit billigen deutschen Wa­ren Überschwemmen zu lassen, so selbstverständlich ist dann die Konsequenz, daß das Äuswnd sein Geld nicht wieder zurückerhält. Vor dieser Konsequenz steht jetzt die Schweiz, deren Jndusttie durch den sehr großen Jütport aus Deutschland stark geschädigt wird. Der schweizerische Vorschlag auf Kontingentie­rung der deutschen Einfuhr ist von deutscher Seite inzwischen abgelehnt worden, zumal dieser Vorschlag gleichzeitig eine teilweise Abbezahlung der deutschen kurzfristigen Schulden an die Schweiz enthielt. Auch in Frankreich, in Belgien und der Tschechoslowakei machen sich neuerdings Kontingentterungswünsche bemerkbar, nachdem Italien seine Einfuhr durch Zollzuschläge bereits gedrosselt hat. Wir stehen also vor der Tatsache einer zunehmenden Vermaue­rung der Welt, die sich dagegen wehrt, unsere Re­parationen auf dem Wege über die deutsche Waren­einsuhr mittragen zu müssen. So schwierig dadurch die allgemeine Situation wird, so hoffungsvcll er­scheint andrerseits doch der Umstand, daß damit jetzt aller Welt die Verfahrenheit des Reparations- und Schuldenproblems offenbar wird. Die Frage bleibt nur, ob man es dennoch zur Katastrophe kommen lassen will oder cb man im letzten Augenblick zur Vernunft zurückftndet.

Die deutsche Börse nsituation hat noch keine Veränderung erfahren. Die Wiedereröffnung der Effektenbörsen erscheint so lange ungewiß, wie die Devisenlage bei der Reichsbank noch inch. geklärt ist. Allerdings brachte der letzte Reichsbanlausweis eine stärkere Entlastung, sodaß die Nrtendeckung sich rach längerer Zeit wieder bessern konnte. Bedenklich bleibt nur, daß der Erlös an ExportdeVisen aus dem enormen deutschen Ausfuhrüberschuß immer noch nicht ausreichend an die Reichsbank zprückflietzt. Immerhin kann man bis zum Ablauf der Stillhalie- frtft mit einer einigermaßen gesunden Devisenlage rechnen, was ja an der recht festen Verfassung des Markkurses im Ausland deutlich zu ersehen ist. Eine Stütze dürste der Mart schließlich auch in dem zu­nehmenden Rückfluß geflüchteten deutschen Kapitals erwachsen. In welchem Umfang solche Kapitalien zurückgekehrt sind, zeigte der überraschende Erfolg der ReichAbahn-Amnestieanlerheeh.

Von Prof. Dr. Ernst Wagemann schwersten Wirtschaftsstürmen gewachsen schien. Wer hätte es daher für möglich gehalten, daß das Kredit- ivesen ins Schwanken kommen könnte, nachdem der Liquidationsprozeß der Wirtschaft weit fortgeschrit­ten ist. Das Unmögliche ist aber geschehen.

Die Kreditkrise, die sonst eine Hochkonjunktur beendet, tritt diesmal nach zwei Jahren stärk­ster Preissenkungen auf,

und die Folgen sind kaum ausdenkbar, wenn gerade infolge von Kreditschwierigkeiten eine erneute Baisse- Welle ausgelöst werden sollte. In diesem Punkte gilt es daher, noch rechtzeitig in letzter Stunde anzufassen. Wenn das Bankwesen, früher der vorsichtigste und weitblickendste Zweig der Wirt- sch ftsführung, in so verhängnisvoller Weise überall versagt hat, so hängt dies wohl hauptsächlich mit der internationalen Kreditvetflechiung zusammen, die nach dem Weltkriege teilweise als Folge der po­litischen Verschuldung, aber auch aus vielen anderen Gründen außerordentlich rasch zugenommen hat. Hier zeigt sich mit ganz besonderer Deutlichkeit, daß Widersprüche zwischen der nationalen und der inter- nationalen Wirtschaftsbetätigung in höchstem Maße krisenerregend wirken können. Inländische und aus­ländische Kreditpolitik wurden nämlich irrigerweise zum Teil ganz verschiedenen Methoden unterworfen,

wobei die Golddevisenwährung, wie sie sich nach dem Kriege als Streckungsmittel des Goldes allgemein verbreitete, eine verhängnisvolle Rolle ge­spielt hat. Für die nationale Wirtschaft nämlich be­deutet die Devise, die Anweisung auf ausländische Zahlungsmittel, ein volkswirtschaftliches Aktivum, das man dem Golde gleichsetzen zu können vermein­te. Darüber aber vergaß man, daß die Devise nichts weiter ist als eine Schuldforderung gegenüber der ausländischen Wirtschaft. Auch für sie gilt daher die goldene Bankregel", d. h. die Forderung, daß Aktiv- und Passivseite der Banken nicht nur nach der Grö­ße, sondern auch nach der Verfallfrist einander ent­sprechen müssen genau so wie im inländischen Üreditverkehr. Dieser Grundsatz ist aber bekanntlich weitgehend durchbrochen worden. Das Ergebnis ist eine Vertrauenserschütterung, durch die das Geld­kapital der Produktionswirtschaft fern gehalten wird.

Wenn es volkswirtschaftliche Möglichkeiten gibt, die die Gefahr einer immer tiefer greifenden Krise zu bannen vermöchten, fo liegen sie in einer inter­nationalen Kooperation mit dem Ziel der Neugestaltung eines gänzlich veralteten Kreditappa­rates. Die Einführung der Eolddevisenwährung stellte zwar den Versuch dar, ihn zu modernisieren. Dies ist aber in gänzlich verfehlter Weise geschehen. So wird eine grundlegende Währungs- und Kredit­reform den Weg zum Wiederaufstieg frei legen.

Die Lebensmittel- unb Rohstoffmärkte seiften jetzt einen etwas festeren Ton. Getreide, Baum­wolle und Metalle konnten zuletzt etwas anziehen, doch bleibt die Grundstimmung unsicher. Zu der leichten Be­lebung trugen Glattstellungen von Baisse-Engagements, aber auch grundsätzlicher Faktoren bei. Die Steigerung der englischen Exporte durch die Pfund-Entwertung fübrte au größeren englischen Rohstoffkäufen, und die Furcht vor der Einführung von Schutzzöllen nach dem konservativen Wahlsieg hat einzelne Abnehmer in England ebenfalls dazu veranlaßt, Boreindeckungen in Rohstoffen vorzunehmen und aus ihrer Reserve herauszutreten. Von einer eigentlichen Hause bann jedoch nirgends gesprochen werden.

Die Weltweizemuärkte

profitierten von dem Abschluß eines französisch-amerikani­schen Weizenfteschäftes, das den Verkauf von 20 bis 50 Mil­lionen Bushels vorsieht. Ferner machte sich das Fehlen größerer russischer Angebotes günstig geltend. Wie baisse» günstig jedoch die Marktlage ttotz alledem bleibt, geht z. B. daraus hervor, daß die australischen Weizenexpotte in den ersten acht Monaten dieses Jahres mit 137 Millionen Bushels um 82,7 Millionen Bushels höher als in der ent­sprechenden Zeit des Vorjahres gewesen sind. Der Zuk» k e r m a r k t konnte eine kurzlebige Erholung zuletzt nicht mehr ausrechterhalten. Namentlich am deutschen Markt sind größere Angebote zu beobachten gewesen. Auch die Kaffee­märkte sind auf die Befürchtungen einer weiteren Schwä­chung der internationalen Kaufkraft hin schwach.

Die BauMwollvreise ' "

haben jetzt eine bedeutend bessere Position inne aI8 noch vor kurzem, obwohl 6er unverkaufte amerikanische Ueber- schuß von 25 Millionen Bushels natürlich ein Faktor bleibt der sich nicht aus der Welt schaffen laßt und ständig auf die Preise drückt. Bisher sind tn U. S. A. erst 8,7 Millio- nen Ballen entkörnt gegen 9,2 Millionen zur gleichen Zeit des Vorjahres. Bezeichnend für die gesteigerte Aktivität in der Laneashire Baumwollindustrie ist ein Anwachsen der Ablieferungen an di ' Spinnereien auf 467 000 Ballen, die im Vorjahr nur 381 Ballen betrugen. Wolle tendierte sowohl in Bradford am Markt für Kammzüge und Garne als auch bei den Rohwollversteigerungen in Sidney freund­licher. iDe Kaufbeteiligung ist international sehr viel leb­hafter geworden, und es ist in Anbetracht der allgemeinen Warenbaisie immerhin sehr bemerkenswert, daß die Woll- gebote in Sidney vielfach Rekord-Höchstpreise für dieses Jahr üarstellen. Am Gummimarkt verstimmte die Meldung, daß die niederländisch-indische Regierung züm hundertsten Male wieder ertlärt hat, daß sie nicht gewillt ist, die Eingeborenen in Niederländisch-Jndien zu einer zwangsweisen Restriktion ihrer Zapstätigkeit au den Gummibäumen zu zwingen. Die Kautschuk-Ausfuhr aus Niederländisch-Jndien betrug im September d. I. 2160Ö Tonnen gegen 20 400 Tonnen im September 1930.

Die Metallmärkte

sind trotz der zu verzeichnenden Preissteigerungen im Grun­de sehr unsicher. Nur an den Zinkmärkte» ist eine Verschär­fung der Restriktion gelurzgen. Die Produzenten haben sich einet weiteten Drosselung ihrer Zinkerzeugung um wei­tere 5 Prozent auf rund SO Prozent ihrer Kapazität ver­pflichtet. iHngegen ist eine weitere Verschärfung der Sinn» restriktion abgelehnt worden. Durch die Pfundentwertung genießen jetzt die britischen Produktionsgebiete einen Va- lutavorfprung gegenüber Siam und Niederländisch-Jndien, woraus große Konflikte innerhalb der Produzeniengruppe zu erwachsen drohen. Das Schicksal der Kupserrestriktion ist noch ungewiß, da die internationale Kuvferkonferenz iu Nenyotk unterbrochen wurde. Der anfängliche Optimismus hinsichtlich der Aussichten dieser Konferenz bat jetzt doch einer kühleren Betrachtung Platz gemacht.

Das Handwerk im Oktober

Rur ganz unzureichende Saifonbelebungeu.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben sich für die große Masse der Handwerksbe riebe im Monat Oktober e r- deb11ch weiter verschärft. Industrie, Handel. Landwirtschaft und Hausbesitz hielten mtt der Auftragser­teilung in einem Umfange zurück, der zweifellos hausig über die durch die Kttse geforderte Nolwendigkeii hinaus- geht. Aehulich verhält es sich bei der Masse der Eimelver- braucher, so daß die Gewerbe, die jetzt normalerweise ihre saison haben sollten, nur über ganz unzureichende Belebungen berich.en können. Ties gilt vor allem für das Herren- und Damenschneidereihandwerk. das Elekiro- installateurhandwerk, das Tavezierhandwerk und das Buch­binder- und Buchdruckerhandwerk. Lediglich das Putzmache- rinnenhandwerf hatte unter dem Einfluß des Wandels in depHutmode ein ziemli »lebhaftes Berkaufsgefchäft auf au- weilen.

Der schärfste Druck der Wirtschaftsdepression lastete auf dem Baugewerbe, das fast keine Beschäl igung mehr aufäuroetfen hatte. Auch die Äaunebengewerbe, die sonst tm Oktober mtt der Fertigstellung von Neubauten sowie mtt Revaraturarbeiten in größerem Umfange gewöhnlich gut beschäftigt sind, liegen ziemlich still. In den länd­lichen Gebieten lagen die Verhallnisse nicht günstiger als in den Städten. Selbst die Nahrungsmittelhandwerke bekommen immer schütter die Auswirkungen der Witt- schaftskrise zu fühlen.

Umfatzsteuerrückvergütuug bei Export-Geschäften. Es wird nicht genügend beachtet: Nicht nurder direkte Umsatz nach dem Ausland ist umiaßfteiierfrei, sondern hier­über hinaus kann der Exporteur 92 Prozent Rückvergütung der Um,atz,teuer beantragen, die fein Lieferant für die Lie­ferung. an ihn zahlen mutzte.

Haftung und Strafe bei Stenerangelegeuheiteu. Nicht nur bei vonavlicher e-teuerhinterzietzung, sondern auch bei e t e u e r g e r ä 6 r b n n g werden Steuerstrafen verhängt. Im allgemeinen liegt ein strafbares Verhalten nicht not. wenn öte eteuerarbeiten durch eine Person ausgesüört wer­den, die sorgfältig ausgewählt und in Steuersachen geschult ist und der e-teuervfllchttge sich auf diese verließ. Strafrret bleibt, wer sich unter Darlegung des Sachverhaltes bei zu- verlaisigen Steuerberatern Auskunft einholte.

Geschäftliches.

Hnvothekenforgeu erfdjmeren heute jedem Grundbesitzer das Leben und hemmen ihn in feinem Fortkommen. Dabei gibt es heute für jeden Einsichtsvollen einen gangbaren Weg aus dieser sich fteigernoen wirtschaftlichen Not. Die feit 1925 in Deutschland bestehenden Bausparkassen haben ihren Bauwarern bereits über 300 000 000 RM billige Darlehen für die Ablösung teurer Hypotheken und für Bauzwecke zur Verfügung gestellt. Eine der ältesten Bausparkassen ist die xuS dem im Jahre 1926 gegründeten Deutschen Hilfs- und Siedlungsbund Thüringen e. G. m. b. H., hervorgegangene Sausparkaffe Töurtngia Aktiengefell schäft, Isiienach. Für dieses Jahr konnten bereits wiederum 1300 000 RM unkündbare zinsfreie Darlehen den Ban- parern der Thuringia zur Verfügung gestellt werden, zrötzere Zuteilungen sind in den nächsten Monaten noch,u