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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 253*

Mittwoch 25. Oktober 1931

21 Jahrgang

Wahlsieg des englischen Regierungsblocks

Große Erfolge -er Konservativen / 400 Eitze für -ie Anhänger Daltwins? / Henterson nicht gewählt / Dor Veränderungen im Kabinett

Schwere Verluste -er Arbeiterpartei

Eigener Drahtbertcht.

Los vom ^foungplan!

Oie neuen außenpolitischen Aufgaben des Reichskabinetts

London, 28. Oktober.

Die englischen Wahlen find durchweg ruhig ver­laufen. Um 21 Uhr wurden gestern die Wahllokale geschloffen. Am Wahltag herrschte in London dich­ter Nebel, der den Verkehr in den Vormittags­stunden ganz außerordentlich behinderte. Gegen Mittag waren die Straßen in so tiefes Dunkel ge­hüllt, daß sogar die Nebelfackeln angezündet werden mußten. Durch die ungünstigen Wetterverhältniffe waren auch die Wahlkraftwagen, die Schlepperdienste leisten sollten, stark behindert. Trotzdem war die Wahlbeteiligung recht gut; aus den östlichen Teilen Londons wurde sogar Rekordbeteiligung gemeldet.

Charakteristisch für die Wahlen ist die über­raschend schwere Niederlage der Ar­beiterpartei. Selbst die optimistischsten Er­wartungen der Konservativen find übertroffen. Bon den frühere» Kabinettsmitgliedern kehren nur sehr wenige ins Parlament znrück. Henderson, Haqst, Herbert Morrison, Greenwood Cleyns, Alexander, S. Smith, Pcthick-Lawrence, Ammon, Roberts, Thurtle, Bondjield find geschlagen.

Miß Ellen Wilkinson, Ben Tillett, Ben Turner und andere bekannte Arbeiterabgeordnete haben das gleiche Schicksal erlitten. Den Sozialisten sind Sitze abgerungen worden, die für ganz sicher galten. In London haben sie ihre Hochburgen im Camberwell, in Hackney und anderen Stadtteilen verloren. Birming­ham. Liverpool, Manchester sind verlorengegangen. Zn den Industriebezirken von Preston, Bolton und anderen sind die Sozialisten dank der Vereinbarungen zwischen den bürgerlichen Parteien geschlagen wor­den. Der Minister Thomas, der mit Macdonald zur Nationalregierung gehört, ist wiedergewählt wor­den, doch findet in seinem Wahlkreis nochmals eine Nachprüfung der abgegebenen Stimmen statt.

Gewaltig ist der Wahlsieg der K o n s e r v a t i v e n. Es fehlen ihnen nur noch 90 Sitze, um die Mehr­heit über alle anderen Parteien zu erlangen. Wahr­scheinlich werden sic mehr als 400 Sitze bekommen, was ihnen eine Mehrheit von 185 Stimmen ver­schaffen würde. Die Rationalregicrung würde dann über eine überwältigende Mehrheit verfügen.

Ter sozialistischeDaily Herold" führt einen Teil

der Verluste auf den schweren Nebel zurück, der es vielen Arbeitern in den Abendstunden wegen der Ver­spätung der Züge und Autobusse nicht möglich machte, ihr Wahllokal zur rechten Zeit zu erreichen.

*

Nachdem sich nunmehr die ersten Schlüffe aus den vorliegenden englischen Wahlergebnissen über die Zu­sammensetzung des nächsten Parlaments ziehen lassen, bespricht ein Teil der Presse die Möglichkeit gewisser Veränderungen im englischen Kabinett Man rechnet damit, daß nach dem wahrscheinlichen Rücktritt Snowdens, der aus Gesundheitsrücksichten nicht kandidierte, Neville Chamberlain eingela­den wird, das Schatzamt zu übernehmen. Da hier­durch das Gesundheitsministerium frei wird und dem jetzigen Kriegsministcr Lord Crewe Amtsmüdigkeit nachgesagt wird, so würden sich allein hieraus schon Möglichkeiten für den Ministerpräsidenten ergeben, sein Kabinett der durch die Wahlen geschaffenen Lage anzupaffen. Im Zusammenhang mit einer Neube­setzung etwa freiwerdender Kabincttspoften wird hauptsächlich Sir John Simon genannt:

Vergnügte Wahlnacht

London, 28. Oktober.

Trotz dichten Nebels und ungeachtet der schlechten Zeilen haben es sich Vie Londoner nicht nehmen las­sen, aller Gewohnheit gemäß, die Wahlnacht möglich' vergnügt zu verbringen. Aus der Provinz find viele Tausende nach der Hauptstadt geströmt. Hotels und Restaurants erfreuen sich glän­zenden Zuspruchs. Während des Tanzes und wäh­rend des Essens werden Wahlergebnisse bekannt ge­geben, die je nach der Parteieinstelluna mit lauter Freude oder mit Hohn ausgenommen werden.

Die Zeitungen geben sich alle Mühe, die Ergeb­nisse einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. An den belebten Punkten der Stadt werden die Wahlergebnisse auf der Leinwand ge­zeigt. Eine Zeitung des Lord Rothermere hat das Publikum in die Albert Halle, eingeladen. An­nähernd 8000 Menschen sind dort versammelt und erfreuen sich an Darbietungen aller Art, die jeweilig der Bekanntgabe der Wahlergebnisse folgen.

Die bisherigen Ergebnisse

Loudon, 28. Oktober.

Nach den bis h«ute früh vorliegenden Ergebnissen sind gewählt worden:

Rationale Arbeiterpartei (Gruppe Macdonalds 4

Konservative 382

Arbeiterpartei (Gruppe Hendersons 23

Splitterparteien 2

Liberale (aller Richtungens 37

davon Gruppe Simon 14

Die Konservativen haben bisher 101 Sitze gewonnen und keine« Sitz verloren.

Die Arbeiterpartei (Gruppe Hendersons hat bisher keinen Sitz gewonnen und 111 Sitze verloren.

Die Liberalen (aller Richtungens haben bisher 13 Sitze gewonnen und 2 verloren. Ihr bisheriger Gesamtgewinn beträgt 11 Sitze.

Bon den bisher gewählten Abgeordneten unter­stützen 263 die Politik der gegenwärtigen nationalen Regierung. Bisher sind acht grauen gewählt, die sämtlich der konservativen Partei angehören.

Das englische Wahlsystem

Insgesamt waren 615 Abgeordnete (je einer auf 79 000 Wähler) zu wählen, und zwar in all""m'^r. gleicher, geheimer und direkter Wahl von allen über 21 Jahre alten Männern und Frauen. Schon vor Beainn der Wahl als gewählt zu betrachten waren insgesamt 68 Abgeordnete, da in den betreffenden Wahlkreisen nur je ein Kandidat aufgestellt worden war Diese 68 Abgeordneten verteilen sich auf die ein­zelnen Parteien wie folgt: 49 Konservative, 7 Libe­rale Nationalisten, 6 nationale Liberale und sechs Arbeiterpartciler, das sind 62 Anhänger der Natio- nalregierung und 6 Oppositionelle.

Das englische Wahlsystem, grundverschieden von dem deutschen Wahlsystem, kennt nur Einzel- Wahlkreise. Es stammt aus jener Zelt, da es tn England nur zwei große Parteien gab. Derjenige Kandidat, der die absolute Mehrheit erhielt, galt als gewählt. Obwohl durch das Hinzutreten der Arber- terpartei, die in den Jahren nach dem Kriege in Eng- sland einen großen Aufschwung nahm, sich die Vor­

aussetzungen für dieses Wahlsystem end än­derten, wurde an dem Verfahren nichts geändert.

Die innerpolitischen Verhältnisse in England haben sich seit dem Sommer so geändert, daß bei den Wah­len am Dienstag nicht weniger als zehn Par­teien auftraten, nämlich die offizielle Arbeiterpartei, die Unabhängige Arbeiterpartei, die Kommunisten, die Nationale Arbeiterpartei (Macdonald), die Kon­servative Partei, die Nationalen Liberalen (Samuel), die Liberalen Nationalisten (Simon), die Unabhän­gigen Liberalen (Lloyd George), die Unabhängigen Kandidaten und die Neue Partei (Mosley). Da eine Verteilung der Reststimmen nicht in Frage kommt, kann es beispielsweise Vorkommen, daß in einem Wahlkreis, in dem die Kandidaten dreier Parteien aufgestellt wurden, von denen der erste 4 000 und die beiden anderen je 3000 Stimmen erhielten, derjenige Kandidat als gewählt zu betrachten ist, der die 4 000 Stimmen erhielt, obwohl insgesamt 6000 Gegenstim­men abgegeben worden sind.

Amerikanische Befürchtungen

Neuyork, 28. Oktober. Ter überwältigende Wahl­sieg der Nationalregierung in England hat in Ame­rika keineswegs überrascht. Der gewaltige Erfolg der Konservativen läßt aber in amtlichen Washingtoner Kreisen die Befürchtung aufkommen, daß England nunmehr den Weg der Schutzzollpolitik be­schreiten wird. Diese Politik ist für Amerika umso schwerwiegender, als Kanadas Angebot für Waren englischer Herkunft einen lOproz-rtigen Abschlag auf die geltenden Einfuhrzölle zu gewahren, nunmehr ernsthaft in London erwogen werden könnte. Immer­hin erwartet man, daß England den Freihandel nicht völlig aufgibt, iondern lediglich bic am mciften ge = fährdeten Industrien schützen wird.

Graf Zeppelin"

aus-amerika zurück

Friedrichshafen, 28. Oktober.

Graf Zeppelin" ist heute kurz --ach 6,30 Uhr nach f*riedri<*>shafen zurückgekehrt. Um 6,48 "hr ist das Luftschiff nach rund hundert stündiger Fahrt auf dem äSerftgelänb- glatt gelandet.

tb. Berlin, 28. Oktober.

Neben der Behandlung der innerpolitischen Pro­bleme wird sich die Reichsregierung alsbald auch mit den nächsten außenpolitischen Schritten zu befassen haben. Auf Grund der aus Amerika vorliegenden Nachrichten über die Bespre­chungen zwischen Hoover und Laval, sowie aufgrund der in Berlin geführten Unterredungen mit dein ita­lienischen Außenminister Grandi, handelt es sich nun darum, einen neue« Weg zu finden, um nach dem Ablauf des Hooverjahres und nach dem Ablauf der Stillhalteaktion die Uebergangsschwierig- keilen zu verhindern, die sich bei Aufrechter­haltung des Youngplanes ergeben müssen.

Hoover uns Laval haben ausdrücklich bestätigt, daß der Aoungplan in seiner jetzigen Form bestehen bleiben soll, währens Vie Reichsregierung selbstver­ständlich das hauptsächlichste Ziel haben muß, noch während der Dauer Ser jetzt laufenden Schonfristen eine grundsätzliche Aenderung und Her­absetzung unserer Zahlungsverpflich­tungen herbeizuführen. Im Rahmen des Aoung- planes bestehen dazu zwei Möglichkeiten. Einmal die Einberufung des beratenden Sonderaus­schusses der Bank für internationale Zahlungen in Basel und zweitens die Verkündung eines Moratoriums.

Die in der Presse geäußerten Vermutungen, daß die Reichsregierung den beratenden Sonderaus­schuß in Bafel anrufen werde, findet vorläufig noch keine Bestätigung. Die Reichsregicrung will sich selbstverständlich im gegenwärtigen Augenblick noch

nicht auf ein bestimmtes Verfahren innerhalb des Rahmens des Youngplanes festlegen, weil sie ge­rade dahin strebt, sich von dem Schema des Nonng- planes freizumachen. Diesem Zwecke könnte na­türlich nur eine neue internationale Kon­ferenz dienen, welche nach einer vom Wolfs-Büro weiter verbreiteten Meldung der Assoeieted Preß angeblich bereits von der französischen Regierung ins Auge gefaßt worden ist.

Die Stillhalteaktion läuft im Februar und das Hooverjahr im Juni ab. Da nun die Rückzahlungen der kommerziellen Schuld und die Reparationszah­lungen kaum noch voneinander zu trennen sind, so würde eine generelle Neuregelung des gesamten Pro­blems im Dezember oder Januar anzustreben sein. Eine derartige internationale Konferenz findet aber sicherlich nicht vor Dezember statt, weil der italieni­sche Außenminister Grandi im November nach Amerika fährt. Andererseits würde durch eine solche Konferenz die Reise des deutschen Reichs­kanzlers nach Amerika um die Weihnachtszeit sehr unwahrscheinlich werden.

Wn wird in Berlin festzustellen hoben, wie in diesen wichtigen Fragen die Einstellung der Ameri­kaner und Franzosen sich entwickelt. Die Berichte des deutschen Botschafters in Washing­ton werden bereits in den nächsten Tagen Gegen­stand eingehender Besprechungen im Auswärtigen Amt sein, denn die nächste außenpolitische Aktion muß selbstverständlich sehr gründlich vorbereitet werden.

Was enischied die englische Wahp

Von unserem Londoner O. ?.-Korrespondenten.

London, im Oktober.

Volle Klarheit darüber, welche Probleme und Er­wägungen letzten Endes den Ausgang der englischen Wahlen bestimmten, brachte erst die zweite Hälfte der Wahlkampagne mit sich. Zu Anfang schien die FrageProtekionismus oder F.reihan- del?" über allen anderen Losungen zu dominieren. Doch in der zweiten Wahlwoche erkannten die An­hänger der Nationalen Regierung deutlich, daß die Tariffrage, so wichtig sie an und für sich auch sein mag, dennoch in keiner Weise die große Frage des Augenblicks darstellte. Und daß, bei den tiefwurzeln­den Sympathien, deren der freihändlerische Gedanke sich bei einem großen Teil des britischen Volkes noch immer erfreut, ein Austragen des Wahlkampfes aus­schließlich unter dieser Parole sich für die Sache der Nationalen leicht verhängnisvoll erweisen könnte. Uich so hämmerten die Vertreter der nationalen Regierung der Wählerschaft in den letzten Tagen mit verdoppel­ter Energie immer wieder den Satz ein, daß der britische Bürger an diesem Wahltage weit mehr als bei früheren Gelegenheiten über Verelendung oder Wohlstand der Nation, über Sein oder Nichtsein der britischen Weltmacht zu entscheiden habe. Diese Pa­role war klarer und verständlicher, als alle anderen politischen und fiskalischen Losungen. Und was vor allem den Ausgang der Wahlen entschied, war die Angst, die entsetzliche Ang st vor dem Ruin!

In ihrem Kampf gegen die sozialistische Gegner­schaft haben die Anhänger der nationalen Regierung das abschreckende Beispiel der deutschen Inflation in reichlichstem Maße und mit viel Erfolg ausgenutzt. Dix Linie gab der Premier Macdonald in eigener Person an. Macdonald ist von der Furcht einer englischen Inflation geradezu besessen. Schon vor zwei Monaten, am Tage der Bildung der Nationalen Regierung, hatte er eine große Tonfilmrede über die Gefahren eines Abgleitens Englands in wirtschaft­liches Chaos gehalten und habet nachdrücklichst an die Erfahrungen der deutschen Inflation erinnert. Wäh­rend der gegenwärtigen Wahlkampagne ist er auf diesen Punkt bei jeder nur möglichen Gelegenheit zurückgekommen. Ja. er bat im Laufe der letzten zwei Wochen kaum eine größere Rede gehalten, in der er nicht so oder anders aus das böse Beispiel der deut­schen Inflation zu sprechen kam. Von Stadt zu Stadt von Dorf zu Dorf ziehend, führte er stets einen Bündel deutschen Inflationsgeld es mit sich und fuchtelte mit diesen bunten, wertlosen Papier­fetzen vor den Augen der britiichen Wähler herum, von denen die meisten derartiges noch nie in ihrem Leben gesehen hatten.

Das Programm der Sozialisten, sagten die An­hänger der Nationalen Regierung, würde mit seiner

Verstaatlichung der Banken, der Bergwerke, der Ver­kehrsmittel, der Stahl- und EiseninSustrie uns «es Grund und Bodens das ohnehin schon hart auf die Probe gestellte Vertrauen der Welt in die britische Währung noch weiter erschüttern. Es würde eine nie dagewesene Teuerung Hervorrufen, Arbeiter und Kleinbürger um ihre Löhne uns Ersparnisse bringen uns ganz Großbritannien in eine heillose Verwir­rung stürzen. Gegen diese düsteren Behauptungen haben die Führer 6er Labour-Party (Ar­beiterpartei) natürlich nach Kräften protestiert. Doch nur mit sehr geringem Erfolg. Es 'hals ihnen nichts, darauf hinzuweisen, daß die Labour-Regierung das Land im Laufe von über zwei Jahren leidlich gut verwaltet hatte; daß die Parteileitung sich strikt ge­gen jode Art von Inflation ausgesprochen habe; daß dem Pfund Sterling unter einer neuen Labour-Re­gierung nicht Sie geringste Gefahr? drohen werde, und Saß sie keineswegs übereilte und unvorsichtige Wirtschaftsreformen vorzunehmen beabsichtigten. Das alles half den Führern der Labour-Partey nur we­nig. Mit ihrem britischen Busineß-Verstand war die Wählerschaft Ser Meinung, daß gegenwärtig die Wiedergewinnung des Weltvertrauens die wichtigste Aufgabe sei, und sie hat sich deutlich genug dahin entschieden, daß dieses Vertrauen von einer nichtar­beiterparteilichen Regierung am ehesten zurückgewon- nen werden könne.

Zählt man die Umstände auf, Sie für den Ausgang dieser bedeutsamen Parlamentswahlen entscheidend waren, so darf ferner nicht verschwiegen werden, daß in diesem Kampfe eine Persönlichkeit vor allem einen ganz besonderen und ausschlagge­benden Einfluß auf Sie große Masse der Wäh­lerschaft ausgeübt hat. Dieses war die Persönlichkeit des Schatzkanzlers Philipp Snowden. Mr. Snow­den hat sich nicht als Wahlkandidat aufstellen las­sen. Er hat angekündigt, daß er sich in Bälde in Sen Ruhestand zurückziechen werde. Er war also am Aus­gang Sieser Wahlen persönlich nicht interessiert. Er ist Schatz'anzler der letzten Labour-Regierung, ebenso wie der Nasionalen Regierung gewesen. Keiner kennt die wirkliche Finanzlage des Landes so gut, wie er. Seinen Worten mutzte also ein besonderes Gewicht beigemessen werden. Daher

horchte ganz England auf, als Snowden es nun für erforderlich chielt, nochmals seine war­nende Stimme zu erheben.

,Zch warne alle meine Mitbürger davor," sagte er mit ernster Betonung eines jeden feiner Worte, die Geschicke der Nation jenen Männern auszulie­fern, die in der Stunde ernster Gefahr llar bewiesen haben, daß sie eine so hohe Verantwortung zu tragen nicht fähig sind." Diese Worte haben, in Anbetracht