Nummer 251*
Moniaa 26. Oktober 1931
21 Jahrgang
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Hessische Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung MWWD
Laval aus Washington abgereist!
Laoal- »tplvmaüschee Sieg: Frankreich- europäisch- Stellung emeul gefestigi / W-ii-rb-han»lnng »er R-parasion-srag« im Rahmen »es tzonngplanes
Die Ankunft des italienischen Außenministers Grandi vollzog sich am Sonntag früh in aller Ruhe und ohne irgendwelche Iiörungsversuchc. Die Poli- zei hatte wieder sehr weitgehende Absperrungsmaß- nabmen getroffen, während diesmal das Publikum weil geringeres Interesse als bei der Ankunft der französischen Kabinettsmitglieder zeigte. Der Reichskanzler, der Staatssekretär von Bülow und der Botschafter von Schubert empfingen den Außenminister Grandi am Anhalter Bahnhof. Im früheren Fürsten-
Grandis Ankunft in Berlin.
Auf dem Bahnsteig: Reichskanzler Dr. Brüning mit dem italienischen Außenminister Grandi (rechts).
zimmer des Bahnhofes sprach Grandi dann einige Worte für den B e r l i n e r R u n d f u n k und wuroe dann auf dem Bahnhofsvorplatz von den Mitgliedern der italienischen Kolonie stürmisch begrüßt. Bon I hier ging die Fahrt nach dem Hotel Esplanade. Bor dem Hotel Esplanade kam cs dann zu einer neuen italienischen Kundgebung, da die in Berlin weilenden Italiener sich dort versammelten und den Minister Grandi, als er auf dem Balkon erschien abermals lebhaft begrüßten. Im Laufe des Tages fanden die üblichen Höflichkeitsbesuche statt. Am nachmittag hielt Grandi einen Empfang der italienischen Kolonie in der italienischen Botschaft ab. Abends gab der Reichskanzler ein S t aa t s b a n k e t si bei welchem die offizielle Begrüßungsansprache gehalten wurde.
Für den heutigen Tag ist die A u d i e n z G r a n dis beim Reichspräsidenten von Hindenburg vorgesehen, ferner ein Ausflug nach Potsdam und Sanssouci und weiterhin am Nachmittag die große politische Konferenz. Der Abend wird mit einem Bankett in öer italienischen Botschaft abgeschlossen. Für den Dienstag hat Grandi eigentlich nur noch inoffizielle | Besprechungen und Besuche vorgesehen, aber man wird I den Montag voraussichtlich ebenfalls noch für politische Besprechungen benützen müssen. Am Tienstaa af-enb wird Grandi Berlin wieder verlassen.
komme„ darLber notwendig sein dürste, durch das die Periode geschäftlicher Depression überbrückt wird, über dessen Einzelheiten und Bedingungen jedoch die beiden Regierungen alle Vorbehalte nicht verfehlen wird, sich des Vorteils der sich ihr bietenden großen Gelegenheit zu bedienen, und daß sie imstande sein wird, ihre wirkliche Aufgabe tatsächlich zu erfüllen, die in der Organisation einer festen Grundlage für dauernden Frieden besteht. Hinsichtlich der zwischen den Regierungen bestehende» Verpflichtungen erkennen wir an, daß vor Ablauf des Hoover-Moratoriums irgendein Ab
deutsch . italienische Abmachungen treffen.
Was man inzwischen von Washington gehört hat, ist allerdings wenig erfreulich. Wenn der Präsident Hoover einen Fortschritt in der Abrüstungsfrage zu erzielen glaubte, so hat er sich getäuscht gesehen, obwohl er gerade dieses Problem besonders sorgfältig behandeln wollte, denn für die bevorstehende Sitzung des amerikanischen Kongresses hätte Hoover aus innerpolitischen Gründen einen derartigen Erfolg in der Abrüstungsfrage sehr notwendig brauchen können. Laval hat statt dessen die Sicherheitsfrage in den Vordergrund geschoben, aber natürlich nicht im militärischen, sondern im politischen Sinn, d. h. er wünscht eine Garantie des status quo in Europa, selbstverständlich einschließlich der deutschen Ostgrenzen. Die Franzosen wissen, daß eine derartige Sicherheitsgarantie weder von Deutschland noch von Washington jemals zugestanden werden wird, und infolgedessen hat Laval auf diesem Gebiet nichts erreichen können, hat aber infolgedessen auch jedesZugeständ- nis in der Abrüstungsfrage
Washington, 26. Oktober
Ter französische Ministerpräsivent ist um 1 Uhr iwchts (7 Uhr MRZ.) aus Washington abgereist. Er wirb sich am Nachmittag in Neuyork an Bord der «Jsle de France" nach Frankreich einschiffen.
Laval lehnte jode Pressounterrodung ab. Er verwies darauf, daß sie amtliche Verlautbarung in ihrem Text klar genug sei, als daß er zu ergänzen brauche. B o r a h verweigerte ebenfalls jede Acuße- rung. In S en atskreisen ist die Meinung über das Ergebnis des Besuches Lavals durchaus geteilt. Der republikaner Reer zeigte sich sehr befriedigt, während Lafallette Brockhart sei- per bitteren Enttäuschung Ausdruck gab.
*
Die Besprechungen des französischen Ministerpräsidenten Laval mit den amerikanischen Staatsmännern sind beendet. Ihr Ergebnis ist in einem amtlichen Kommuniquk wieder- gegebr«, das wir weiter unten veröffentlichen. Abschließend ist zu sagen, daß die Zustimmung Amerikas zu dem französischen Standpunkt, daß die weitere Behandlung der Reparationsfrage im Rahmen desYoungplancszu erfolgen hat und die Feststellung, daß weder Frankreich noch Amerika den Goldstandard aufzugeben wünschen.; die einzigen sichibaren Ekgeonisse des Besuches La- I valS in der amerikanischen Hauptstadt sind. Darüber hinaus sollen sich aber Hoover und Laval über eine Anzahl von Fragen geeinigt haben, die in der amtlichen Verlautbarung nicht erwähnt worden sind.
Falls der Ausschuß der BIZ., der nach einer Moratoriumsverkündung durch Deutschland selbsttätig I zusammentreten mutz, die Zahlungsunfähigkeit des I Reiches feststellen und die Abänderung des Doung- I planes empfehlen sollte, will Hoover, wie Meldungen I aus Washington behaupten, den Kongreß auffordern, die Kriegsschuldenkommission wieder ins I Leben zu rufen. Die Aufgabe dieser Kommission I wäre es dann, die Zahlungsfähigkeit der Schuldner- I Nationen erneut zu prüfen und eine Herabsetzung der interalliierten Schulden anzubahnen.
Von allergrößter Wichtigkeit für Amerika ist das I Versprechen Lavals, weiteren Goldabzügen der franz. Banken in Amerika Einhalt zu ge-I bieten. Wie man erfährt, ist ein jederzeit abrufba- I rer Betrag von 250 Mill. Dollar, der auf französische I Rechnung bei der Federal Reservebank in Neuyork eingelegt war, in Auswirkung der Washingwner Einigung zum Ankauf von Bankakzepten verwendet worden.
Frankreich dagegen kann für sich den ungeheuren Erfolg buchen, daß die Vereinigten Staaten, wie die Neuyorker „Times" sich ausdrückt, Frankreich die politische Führerschaft in Europa überlassen und sich lediglich für den Fall einer unmittelbaren Kriegsgefahr in Europa die Anteil I Nähme an europäischen Verhältnissen Vorbehalten.
In diesem Zusammenhang wird behauptet, daß eine recht merkwürdig anmutende Richtigstellung des Weißen Hauses hinsichtlich der Aeutzerungeu Borahs durch Hoover aus ausdrücklichen Wunsch der Fran- I zosen erfolgt sei. Die französische Abrü-I stungsthese blieb unberührt. Laval lehnte es rundweg ab, irgendwelche Zugeständnisse in Aus- ficht zu stellen, nachdem Hoover die sehr weitgehenden Sicherheitsforderungen Lavals als annehmbar für Amerika erklärt hatte.
Keine bindende Verpflichtungen!
Das amtliche Kommunique.
Washington, 26. Oktober.
Die Besprechungen Lavals mit Hoover find gestern durch die Herausgabe eines gemeinsamen Kommuniques abgeschlossen worden, i» dem es u. a. heißt:
Die traditionelle Freundschaft zwischen den Der- I einigten Staaten und Frankreich und das Fehlen jeden Streitpunktes zwischen unseren beiden Regierungen machen es beit- Vertretern unserer Regierungen mög- I lich, jede Seite der zahlreichen Probleme zu erforschen, I an denen wir beiderseits interessiert sind. In der Tat ist es die Pflicht der Staatsmänner, keine Mittel praktischer Zusammenarbeit für das allgemeine Wohl außer Acht zu lassen. Wir haben uns an diese Aufgabe mit voller Aufrichtigkeit herangemacht. Wir haben dabei einen wirklichen Fortschritt erzielt. ,
Es ist nicht unsere beiderseitige Abfi ch t gewesen, unsere Regierungen bindende Verpflichtungen eiuzugeheu, sondern eher , durch die Entwicklung des Tatbestandes jede der bei- de» Länder instand zu setzen, wirksamer auf seinem ei- j jenen Gebiet zu arbeiten.
Es ist unsere gemeinsame Absicht, daß die Kon- j ferenj für die Rüstungsbeschränkung | «
verweigert. In der Reparaiionsfrage ist das für Deutschland sehr betrübliche Zwischenergebnis herausgekommen, daß der Aoungplan vorläufig aufrechterhalten bleibt, sodaß ein weiterer Zahlungsaufschub nur auf dem Wege über ein von Deutschland erklärtes Moratorium erfolgen könnte.
Das Programm für den Grandibesuch hat mit Rücksicht auf diese Washingtoner Verhandlungen eine gewisse Aenderung erfahren. Ur- sprünglich war geplant, die Politischen Besprechungen lediglich auf die für heute nachmittag 5 Uhr äuge» setzte große Konferenz der italienische., und deutschen Staatsmänner zu beschränken. Nunmehr wird es aber notwendig sein, auch noch am morgigen Dienstag weitere Verhandlungen zu sühren. I
Betrübliche Bilanz
Eigener Drahtbericht.
Von Anfang an hat die Reparationspolitik an tl^en inneren Widersprüchen gelitten. Man will be- tol“ keinen Fall deutsche Waren als Bezahlung entgegennehmen. Man zieht enorme Wechsel auf Deutschlands ZaUungsvermögen, । ?;ber2"a“ ^ßerst ängstlich, daß Deutschland durch ein wlrtschasckiches Aufblühen wieder zu großer starke gelangen könnte, und so verlangt man Repa- ratlonen, um Deutschland niederzuhallen. Der letzt- genannte Gesichtspunkt spielte bekanntlich ein- sehr große Rolle beim Dawesplan, und von dieser ünter- Druckungspolirik konnte sich Frankreich auch jetzt nicht freimachen, als es galt, in Washington zu verhandel» ^„7^ren 1024 bis 1930 bezahlte Deutschland 10,3 Milliarden Mark an Reparationen. Nicht einen Pfennig davon konnte Deutschland Mts eigenen Mit- ausbrrngen. Der gesamte Betrag ist mit Hilse auslandlicher Kredite gezahlt worden. Darüber hi i- aus mußte Deutschland für eigene Rechnung Kapital aufnehmen, und die Folge davon ist eine Erhöhung der Auslandverschuidung Deutschlands um nicht we- ntger als 18,2 Millardcn Mark! Jetzt kann Demsch- land weitere Kredite nicht mehr erhalten. Im Gc- I genteil, das Ausland versucht so weit wie möglich. I leine kurzfristigen Kredite zurückzuziehen. Mo» fragt I Nch in der ganzen Welt, was geschehen wird wenn das jetzt laufende Moratorium für diese Kredite cb- lanft. Man möchte ja immer hoffen, daß Deutschland mit Hilfe seiner augenblicklichen aktiven Han- delsbllanz nach und nach seine kurzfristigen Kredite zurückbezahlen kann, oder seinen Kredit so sehr stärkt I daß eine Umwandlung der kurzfristigen in lang' sr-stigc möglich wird. Voraussetzung ist natürlich eine pünktliche Zinsenzahlung für die von Deutschland früher aufgenommenen festen Kredite Q& ist kaum zu erwarten, daß Deutschlands Exportüberschuß über diese Ansprüche hinaus etwas ausrichten kann. Es ist also für Deutschland ganz unmöglich, in nächster Zukunft überhaupt irgendwelche Reparationen zu leisten.
Wie gesagt, Deutschland hat Reparationen nie aus eigener Kraft bezahlen können, und jetzt haben die privaten Kapitalisten in der ganzen Welt keine Lust mehr, das für Deutschlands Rechnung zu tun. Aber Frankreich entwickelte in Washington ein Programm tut das diese Tatsachen scheinbar nicht bestandc» Lc.ldem Frankreich Mitte 1928 zum Goldmünsiuß Ulruckkehr.e, ist das Gold in unerhörten Mengen nach Frankreich und den Vereinigten Staaien geströmt. Dies hat die Geldknappheit in anderen Ländern außerordentlich verschärft. Und die Folge davon ist die, daß das Preisniveau immer weiter herunterac- preßt wird. Die Gold sammelnden Länder haben das Gold nicht als Basis für eine vcrnünf.iqe W bungsmittelvßrsorgung benutzt, die die Warenpreise
Washington enttäuscht...
Von Professor Dr. Gustav Cassel, Stockholm.
Die Ansfübrnugen des bekannten schwedischen Volks. Wirtschaftlers sind schon vor Bekanntwerden des ame» rikanisch-franzüfischen Sommnnianes, das wir an an« °.6bru<fc“- niedergeschrieben worden. Das
MESS.«
ÄÄleÄt"* lllovvrigbt bei
LE befindet ' sich in Washington bei Hoover ?xe 0anje Wekk hat mit Spannung berfolgt wie sich dieses Zusammentreffen zwischen den beiden Ltaatsmännern abwickelte, auf denen in Verantwortung für die Zukunft sind gewiß mit einem etwas zustandeznbringen, an die Arbeit gegangen, und sie haben unendliche Macht- quilllen hinter sich. Mer haben sie auch begriffen. Was «mf dem Spiele stcht? Haben sic sich in dem Kriegstraditionen und unstunigen Wirt- schasAichen Wahnvorstellungen freimachen können, um schroff genug mit jener Politik brechen zu können die letzt die Weltwirtschaft an den Wgrund des Unterganges gebracht hat?
• Das sche.nl kaum so. Das Programm das sich abloHt' kvurde in allen wesentlichen SÄÄ ? u 2enent ®eift beherrscht, der Frmik- Polltik seit dem Kriege immer bestimmt hat, ^raei,Ä^Sriege?
• ■ '-.--tnch ^„-,,.<>rier Anspruch auf Neda--'
ratutnen o-yne den geringsten Gedanken daran ov ?Eschlo>iL sie überhaupt bezahlen könne oder Frankreich sie überhaupt entgegennehmen wolle. ~“nn. notgedrungen Reduktionen mit viel Rühmens £ NoronLT 'Nachsehens", aber ohne Klarheit über die Voraussetzungen für die Durchführbarkeit der
^Nnsen 10 gründlich wie nur irgend "roglich zunichte gemacht sind, ist Frankreich bereit nachzugeben — aber nur soweit Amerika bezahlt' ?^^kr^chs eigener Anteil an den deutschen Schul- v-" "^er keinen Umständen herabgesetzt wer- den. Wie Deutschland nach dieser Katastrophe, die nnA 23611 hereingebrochen ist, überhaupt
L Reparationen bezahlen können soll, ist eine Frage, die unbeantwortet gelassen wird.
machen. Die Initiative hierfür sollte baldigst von den europäischen Mächten ergriffen werde», die im Rahme» der vor dem 3L Juli 1931 bestehende» Abkomme» hauptsächlich daran beteiligt find.
Mit besonderem Eifer prüfte» wir die wichtigere» Mittel, durch welche die Bemühungen unserer Regie- rungeu für dieWiederherstelluug,der wirisch a f t l i ch e u Stabilität und des Vertrauens eingesetzt werde» könnten. Insbesondere find wir überzeugt von der Wichtigkeit der Eeldftabilität als eines wesentlichen Faktors bei der Wiederherstellung normalen wirtschaftlichen Lebens der Welt, wobei die A u f-r echt e r h a l t« n g d e s E o l d st a n d a r d s in Frankreich und itt den Bereinigten Staaten den größten Einfluß ausüben wird. Es ist unsere Abficht, die Prüfung der Methoden znr Anfrechterhaltung der Stabilität in den internationalen Währungen sortzufetze«.
Grandi in Berlin
(Von unserer Berltner SchrtftlettunH, th. Berlin, 26. Oktober.
Der Besuch des italienischen Außenministers Grandi fr Berlin gewinnt seine eigentliche politische Bedeutung erst im Zusammenhang mit de» gleichzeitig geführten Besprechungen, die zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Laval und dem amerikanischen Präsidenten H o o v er in Washington stattfinden. Es ist selbstverständlich, daß die jetzigen Washingtoner Besprechungen in Berlin mit der größten Spannung verfolgt werden, denn erst aus ihrer Basis lassen sich weitere