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DAS BLATT DES LANDWIRTS

Wochen-Beilage o e r Kasseler Neuesten Nachrichten / Verantwortlich: Bernhard Schorbach / Freitag, den 23. Oktober 1931

Landwirtschaftliche

Wochenschau

* Kassel, den 23. Oktober.

Nachdem die Entscheidung über das zweite Kabi­nett Brüning gefallen ist, hat die Regierung wieder völlig freie Arbeitsmöglichkeit erhalten. Einerlei, wie man sich grundsätzlich zur Regierung Brüning stellen mag, erscheint es nunmehr als ihre dringendste Auf- fta.be, die für die Landwirtschaft notwendigen Maß­nahmen auf schnellstem Wege du"chzufübr oas

Wirtschaftsminisler.um ist mit Professor .old

ein der Grünen Front nahestehender W -aftler eingezogen, von dem man erhoffen darf, daß er den landwirtschaftlichen Interessen Verständnis entgegen­bringt. Die Regierung har nun Gelegenheit, zu zei­gen, ob sie die in der Regierungserklärung angekün- diten agrarpolitischen Maßnahmen durchzuführen im­stande ist. Dringende Hilfe tut not, man verlasse sich nicht allzusehr auf den Wirtschaftsbeirat, der erst noch zusammentreten muß, so daß wieder wertvolle Zeit vergeht.

Für jede entbehrliche Einfuhr muß die Devisenzuteilung aufs schärfste eingeschränkt werden. Im September ist die Einfuhr von lebenden Tieren dem Werte nach gegenüber dem Vormonat auf fast das Doppelte gestiegen, die Einfuhr von Lebensmit­teln zwar nur um wenige Prozent, wobei aber be­rücksichtigt werden muß, daß infolge des Preisrück­gangs die mengenmäßige Einfuhr bedeutend stärker gestiegen ist. Unmittelbar nach der Ernte ist eine der­artige Einfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen überflüssig und doppelt gefährlich, sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Devisenlage der Reichsbank.

Besonders katastrophal ist die Lage am Butter­markt, an dem die Preise unter den Vorkriegs­stand gesunken sind. Der Deutsche Landwirtschastsrat hat infolgedessen sofortige Hilfsmaßnahmen für die deutsche Milchwirtschaft gefordert. Die Devisenzutei­lung ist für die entbehrliche Einfuhr an Butter, Käse usw. zu drosseln. Eine wirksame Butterzoller­höhung und eine entsprechende Gestaltung der Zölle für Käse und sonstige Molkereierzeugnisse würde der deutschen Milchwirtschaft wieder einigermaßen sichere Kalkulationsgrundlagen geben, stößt aber aus den energischen Widerstand der Verbraucher, und die vom Landvolk beantragte Butlerzollerhöhung ist daher vom Reichstag abgelehnt worden.

An praktischen Maßnahmen brachte der abgelaufene Berichtsabschnitt die Verlängerung der vom Reiche gewährten Zinsverbilligung für die zu Getreidekäufen von getreideverarbeitenden Betrieben in Anspruch genommenen Wechselkredite vom 20. Ok­tober bis zum 3. November. Bis zum selben Termin ist die Zinsverbilligung für Bevorschussungen auf ab­geschlossene Lieferungsverträge verlängert worden. Zur Entlastung des Hafermarktes sollen nunmehr ähnlich dem Austauschsystem Roggen-Weizen, Hafer­ausfuhrscheine ausgegeben werden, die zur Wieder­einfuhr von Futtergcrste berechtigen. Hierfür ist ein Kontingent von 150 000 Tonnen Hafer vorgesehen.

Deutlicher als lange Artikel und Reden beleuchtet eine von derDeutschen Bergwerkszeitung- ver­öffentlichte statistische Uebersichi der »Indexzahlen von Einnahmen und Ausgaben des Landwirts die Notlage der Landwirtschaft. Setzt man die Ein­nahmen und Ausgaben von 1913 100, so betragen heute

die Einnabme»

Kühe Schafwolle Hofer, Kartoffeln

Schweine Roggen Butter Weizen Milch

68

77

91

92

96

104

110

111

113

die Ausgabe»

künstlicher Dünger Maschinen Hausrat Löhne

Baukosten

Zinsen

Handwerkerkosten Steuern sozial« Lasten

73 128 136 140 143 200 250 450 450

Solange dieses schreiende Mißverhältnis besteht, kann mit einer nachhaltigen Besserung der Lage der deut­schen Landwirtschaft nicht gerechnet werden. Die Tabelle zeigt gleichzeitig auch, wo die Maßnahmen zur Wiederherstellung auskömmlicher Rentabilität einsetzen müssen.

Die auf den Stichtag des 14. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer hat sich gegen die Vorwoche um 0,6 Prozent gesenkt (106,7 gegen 107,3). Die Agrarstoffe gingen um 1,6 Prozent zurück (97,4 gegen 99,0). Die Indices für Vieh senkten sich um 4,7 Prozent (75,6 gegen 79,3), für pflanzliche Nah­rungsmittel um 0,1 Prozent (112,1 gegen 112,2) und für Vieherzeugnisse um 2,0 (104,5 gegen 106,6). Fut­termittel blieben mit 95,1 auf dem Stand der Vor­woche. hl.

Preise ohne Gewähr

Getreide tZnIand) pro 1000 kg ta RM.

21. 10.

Berlin

Ham­burg

Königs­berg

Frank­furt M.

Wehen ....

212-215

221-223

210-220

227-228

Roggen ....

185-187

200-202

192-194

217 50

Gerste <Br.). . .

163-173

112-180

158-165

175-177

Gerste (Futter). .

154-162

167-169

Safer.....

139-148

153-155

135-140

162-170

Heu und Stroh (pro 50 kg)

(Kassel)

Roggenstroh .......

Laferstrob

Gerstenstroh........

Weizenmoh .......

Ro^genlangstroh......

Leu...........

Kleeheu .

Luzerne Tlülvrhee .

23. 10.

16. 10.

1.00

1 00

0 9>

0 9)

1.1«

1 50

2 30

2.50

2 50

1.20 1.10 1.10

1 20 1.23 1.80 2.50 2.60 3.00

Kartoffel» .pro 50 kg)

Weist«

Siele

Getbst-Nchts«.....

LvenwLlder blaue ...

Berit» 1.301.40 1 40-1.60 1 601.81 1 401.10

«anal

Kleinoerkaut 8rftL 31/144 P.Pfd. Eroßoerkaus 2.80-3J0 M. P.Ztr.

Milch ie 1 Liter ms 23 io.

Raffel...............22-24

Eier in s pro Stück Lonverklaff» .... «lasse .....

«lasse «lasse C - Ausland (Lollönder) . Ausland (Dänen) - Cnttneier . . . .....

13. 10.

12-121/, 119»

11-11'/, K100, l 1-1 l'st

10. 10.

12'/, i2

11'/, 1011, 12", IW«

Butter pro '/. kg (Kassel) 23. io.

Moltereiburter

1. Sorte . .

L Sorte . .

1.80

1 60

1.45

Kirmes im Hessendorfe

IL

Zweiter Kirmeöiag

Es ist zehn Uhr. Bor dem Wirtshaus treten Platz­burschen und Musikanten an, um von Haus zu Haus dieSiännchr" oderGesundheiten" zu spielen.

In den meisten Fällen werden die Musikstücke vou den Burschen angegeben. Die wissen schon, was der einzelne Bauer gerne hört oder war ihn ärgert. Aber auch die Verwandten und Bekannten, die zu Besuch anwesend sind, bekommen ihr Ständchen oder lustiges Gesundhettchen" und müssenberappen". Das Et ja die Hauptsache. Die Kirmes wird auf diese Weise vom ganzen Dorfe finanziert.

Bei den reichsten Bauern werden sie zum Früh­stück eingeladen. Da geht eS hoch her, bei kaltem Gan­se- oder Schweinebraten und Brot dazu. Nicht sel­ten wird dabei auch noch mit des Bauern Tochter getanzt. Extratänze sind das und werden von diesen als hohe Ehre angerechuet.

Der Nachmittag sieht die gesamt« Dorfjngend wie­der auf dem Tanzboden und abends kommen die Alten auch wieder angerückt.

An diesem Abend, wo es nicht mehr so großes Ge­dränge gibt, bekommen die Jüngeren von den Ael- teren das Tanzen gelehrt. Tas geht natürlich ohne Puffe und Tritte auf die Hühneraugen nicht ab. und irgendwo in einem Nachbarhause ist die Schuliugend unter Aufsicht des Lehrers oder eines Kirchenaltesten versamnielt und tanzt nach den Klängen einer Zieh­harmonika, natürlich nur Polka oderSchottisch .

Wieder verschlägt sich die Rächt in die Winkel der Alten auch wieder an.

Da bläst der Trompeter im Saale ..Feierabend" und kündet damit das Ende der Kirmes an. Tänze­rinnen und Tänzer schleichen tanzmüde nach Äaui#. Tie Kirmes hat ein Loch, eS ist wieder einmal vor­bei mit aller Lust und Fröhlichkeit dieser schönen Feier. Bon irgendwo wird lautes und langes Gäh­nen hörbar, daS sich hinter Kammerfenstern noch leise sortsetzt.

Am anderen Morgen sieht man die Kirmesburschen noch einmal zum WirtShauS schleichen. Abrechnung mit Win und Musikanten. Langes Frühstück bei He- rinasfalat und Butterbroten, daS natürlich vom Wirie spendiert wird für daSgute Geschäft" ---

Doch der Wirt gähnt furchtbar dabei und seine Aeuße- rungen gehen dahin, daß die Kirmes von Jahr zu Jahr schlechter werde.

Irgendwo, am Ende des Dorfes, haben inzwi­schen einige Burschen das Sirmesloch auSgegraben in das jedes Jahr die Kirmes begraben wurde. In diese Grube soll auch diesmal die Kirmes versenkt werden.

Im KirmeswinShaus hat der Win die Schüssel und Teller mit Brot und Heringsfchwänzen wieder von den Tischen geräumt. Die Musikanten spielen

noch eht Lied aber es klingt schon jämmerlich. Der Katzenjammer geht um.

Oie Kirmes wird begrabe«

Draußen nehmen sie Aufstellung. Es ist ein im­posanter Zug. An der Spitze tragen zwei Burschen mit alten Zylindern auf dem Kopfe eine Tragbahre, auf her irgend ein alter Karwn liegt. Die tote Kir- mes. Nebenher trottet ein sog.Bär" nebst Führer. Vor den Türen der Bauernhäuser wird noch ein Bärentanz aufgeführt zur allgemeinen Weiterleit, der Bewohner. Dabei wird noch einmal Geld gesammelt. Hinter dem Zug schreiten vermummte Gestalten mit brennenden Besen und aufgespiesten Heringen.

So geht es zum Kirmesloch. Hier nehmen sie Aus­stellung und unter Absingen von Klagetonen wird dte Kirmes begraben. Einer hält eine Ansprache, in der er noch einmal kurz den schönen Verlauf des Festes schildert und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß eS im nächsten Jahre noch schöner werden wird auf der Kirmes. Die Musik spielt ein jämmerliches Klage- lieb. Die einzelnen Kirmesburschen werfen Pfenntg- stücke in die Grube. Auch die brennenden Besen und Seringsköpfe werden hinein versenkt. Dann poltert die rde wieder in die Grube. Dabei wird in den mei­sten Fällen ein wilder Tanz ausgeführt, der Wohl zum Ausdruck bringen soll, daß man nicht länger der Kir- mes nachirauem, sondern voller Hoffnung aus die nächste, schönere Feier warten will.

Tie Abrechnung mit den Musikanten ist erfolgt. Bei klingendem Spiele werden diese noch ein Weg­stück begleitet. Bald kehren die vermummten Gestal­ten wieder in das Dorf zurück, wo Bär und Bären­führer noch von Haus zu Haus ihre Kunststücke zeigen. Sie schließen sich ihnen an und bummeln so den Nachmittag im Dorfe herum mit dem Erfolg, daß noch manche Mark bähet eingenommen wird.

Der Abend webt in den Ecken sein dunkles Ge­wand. Aus den Ställen dringt das Hummen der Haustiere. Da verläßt der Letzte das Wirtshaus. Er schleicht den Feldweg entlang zur Habermühle und vor sich hin summt er:

Mädel, komm mit, kommt mit.

Wir gehen nach Haus.

Kirmes ist auitt, ist quitt, Kirmes ist aus.

Schatz dein Gesicht wird rot.

Hin ist die Nacht.

Kirmes ist tot, ist tot Wirtin sie lacht

Kirmes ist quitt, ist quitt.

Schatz übers Iabr

Nehm ich dich mit, ja mit Zum Traualtar.

Schorbach.

Staatlich geprüfter Landwirt"

10 Jahre Höhere Lehranstalt für prattifche Landwirte in Wolfsanger bei Kassel

Bon Direttor Dr. Grauer, Wolfsanger.

Vor 10 Jahren, am 24. Oktober 1921, wurde von der Lanswirtschastskammer Kassel die Höhere Lehr­anstalt für praktische Landwirte in Wolfsanger er­öffnet.

Die Höheren Lehranstalten für praktische Lünd- toirte sollen künftigen Leitern mittlerer und größerer landwirtschaftlicher Betriebe (Besitzern. Pächtern und insbesondere Gutsbeamten) Gelegenheit bieten, sich in möglichst kurzer Zeit die zu sachgemäßer Aus­übung chres Berufes erforderlichen theoretischen Fachkenntnisse gründlichst anzueignen.

Der Lehranstalt Wolfsanger ist die Berechtigung zur Abhaltung von Abschlußprüfungen vor einem vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten eingesetzten Prüfungsausschuß sowie zur Ausstellung von Zeugnissen nach Maßgabe der hier­über erlassenen Vorschriften durch Ministerialerlatz vom 13. Juli 1921 zugesprochen worden.

55 junge Landwirte hatten sich für den ersten Lehrgang angemeldet; an den folgenden 10 Lehr­gängen nahm etwa die gleiche Zahl teil, sodaß bis letzt über 500 Landwirte nach Wolfsanger gekommen sind, um sich cheoretisch auszubilden; davon konnten 440 Hörer mit dem Abschlußzeugnis entlassen werden.

Die Aufnahmebedingungen sind in Wolfsanger dieselben tote an allen übrigen Höheren Lehranstal­ten für praktische Landwirte: vierjährige praktische Ausbildung, daneben Obersekundareife oder Nach­weis eines erfolgreichen Besuches einer landwirt­schaftlichen Schule.

In die Höheren Lehranstalten werden also auch ehemalige Landwirtschaftsschüler aufgenommen, die über 20 Jahre alt sind und eine mindestens vier­jährige landwirtschaftliche Praxis einschließlich der praktischen Lehrzeit hinter sich haben.

Strebsamen zweiten und dritten Bauernsöhnen, die das väterliche Gut nicht übernehmen können, ist somit in Wolfsanger Gelegenheit geboten, sich auf die Laufbahn eines landwirtschaftlichen Beamten, eines Versuchstechnikers, eines Beamten im Ge­nossenschaftswesen und dergleichen vorzubereiten.

Besonders fei darauf hingewiesen, daß ehemalige Landwirtschaftsschüler nach dem erfolgreichen Besuch einer Höheren Lehranstalt für prattifche Landwirte dieMittlere Reife" (ähnlich dem früheren Einjäh­rigenzeugnis) erhalten.

Der Lehrgang dauert ein Jahr. Er beginnt ht der Lehranstalt Wolfsanger Mitte Oktober und endet Mitte September des darauffolgenden Jahres.

Das Unterrichtsverfahren besteht darin, daß der Lehrstoff in Vorlesungen b«geboten wird. Vor Be­ginn der nächsten Vorlesungen wird ein Bericht über den vorangegangenen Stoff erstattet, woran sich eine Aussprache schließt. Während der Vorlesungen haben die Hörer das Recht, Fragen zu stellen, die sich auf das gerade behandelte Thema beziehen, und Erfah­rungen aus ihrer eigenen Praxis mitzuteilen. Aus diese Weise wird von Anfang an das Interesse der Hörer wachgehalten und ein immer größeres Ver­trauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler ge­schaffen.

Die Höhere Lehranstalt in Wolfsanger verfugt über eine reichhaltige Lehrmittelsammlung. Für jedes Hauptfach, also für Ackerbaulehre, Tierzuchtlehre und Betriebslehre, ebenso wie für Landarbeitslehre ist ein besonderes Lehrmittelzimmer eingerichtet. Den Dozenten und Hörern der Lehranstalt steht eine um­fangreiche Bücherei zur Verfügung.

Außer dem großen Hörsaal und den sonstigen gut ausgestatteten Diensträumen sind Laboratoriums- räume zur Anstellung von Boden-, Milch- und an­

deren Untersuchungen vorhanden sowie ein großes Lesezimmer, in dem Fach- und Tageszettungen aufliegen und ein Lautsprecher usw. aufgestellt ist. Neu eingerichtet wird eine Maschinenwerkstätte; in dieser können sich die Hörer im Auseinandernehmen und Wiederzusammensetzen von Maschinen üben so­wie den Bau verschiedener Motoren eingehend kennen lernen.

In dem mit der Lehranstalt verbundenen Inter­nat. dessen gute Einrichtung von jedem Besucher an­erkannt wird, können etwa 30 Hörer wohnen; für Verpflegung, Wohnung, Heizung, Licht und Be­dienung werden nut die Selbstkosten berechnet.

Jede Woche wird ein Lehrausslug unternommen, und zwar im Winter in die gewerblichen Betriebe und sonstigen Sehenswürdigkeiten Kassels; Im Som­mer werden vorbildliche landwirtschaftliche Betriebe besucht. Besonderer Beliebcheit erfreuen sich die im Sommer stattfindenden großen Lehrausflüge,, ans denen immer ein anderer Landesteil unseres schönen Vaterlandes besucht wird. 1927 war die Lehranstalt in Bayern, Württemberg und Tirol, 1928 im Frei­staat Sachsen, 1929 in der Niederlausitz und in Schle­sien. 1930 in der Rheinprovinz und zugleich auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschastsgesellschast

Eine besondere Bedeutung gewinnt unter den heutigen Verhältnissen die landwirtschaftliche Sied­lung. Diese, mit Nachdruck betrieben, ist geeignet, bte Seßhaftmachung der Bevölkerung auf dem Lande zu fördern und damit den Zustrom nach den Städten zu verhindern und gleichzeitig den Arbeitsmarkt, ins­besondere die Bauwirtschaft, günstig zu beeinflussen.

Um mit den vorhandenen Mitteln einen möglichst großen Erfolg zu erzielen und wirtschaftttch gesunde Siedlerstellen zu schaffen, müssen alle Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden, die Siedlungskosten so weit als irgend vertretbar zu senken. Die Notverordnung (IV. Teil, Kap. 2) schafft hierfür die rechtlichen und vertoaltungsmäßigen Voraussetzungen.

Den Ländern wird vom Rechnungsjahr 1932 an die Verpflichtung auferlegt, von den Mitteln, die nach den Vorschriften über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken zur Förderung der Bau­tätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungs- und Sied- lungswesens bestimmt sind, für die landwirtschaft­liche Siedlung, die vorstädtische Kleinsiedlung und die BereitstellMig von Kleingärten für Erwerbslose einen Teilbetrag an das Reich oder die von der Reichsregierung bestimmte Stelle abzuführen. Die Bemessung dieses Betrages erfolgt durch die Reichs­regierung im Benehmen mit den zuständigen Bei- ratsausschüssen.

Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich mit der landwirtschaftlichen Siedlung. Hier ist vorgesehen, daß die hiernach für die landwirtschaftliche Siedlung zur Verfügung gestellten Gelder dem Zweckvermögen bei der Deutschen Siedlungsbank zuflietzen. Die Deutsche Siedlungsbank darf das Zweckvermögen auch für sonstige der landwirtschaftlichen Siedlung Me­

in Köln; in diesem Jahre wurde Baden. Hohen« zollern und Württemberg besichtigt.

Tüchtigen und fleißigen Hörern kann eine Er­mäßigung des Lehrbeitrages aewährt werden.

Urft den Hörern Gelegenheit zum Nachweis des erfolgreichen Besuchs der Höheren Lehranstalt für praktische Landwirte sowie zur Erlangung eines Zeugnisses hierüber zu geben, findet am Schluß eines jeden Lehrganges eine Prüfung vor einem Herrn Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten eingesetzten Ausschuß statt. Den Prüflingen, die diese Abschlußprüfung bestanden haben, wird die Berech­tigung zur Führung des PrädikatsStaatlich ge­prüfter Landwirt" verliehen.

Die Höhere Lehranstalt für prattifche Landwirte in Wolfsanger ist vom Bahnhof Kassel aus in 25 Minuten Straßenbahnsahrt zu erreichen; sie liegt am Ausgang des an die Stadt Kassel grenzenden Dorfes Wolfsanger. Die Fulda fließt unmittelbar an dem in herrlicher landschaftlicher Umgebung gelegenen Ge­lände der Lehranstalt vorbei. Die Anstaltsgebäude selbst sind von einem 12 Morgen großen Park um­geben. Fern vom Lärm der Straße können hier die jungen Landwirte ihren Studien obliegen.

Der Lehrgang 1931/32 Hai am 20. Oktober be­gonnen; jedoch werden Anmeldungen, die an die Di­rektion der Höheren Lehranstalt für praktische Land­wirte in Wolfsanger bei Kassel zu richtig sind, noch bis spätestens 31. Oktober entgegengenommen. Die Direktion ist zur Erteilung von Auskunft über die Aufnahmebedingungen, den Lehrplan, sowie über die Kosten des Lehrganges und das hier bestehende In­ternat stets gern bereit

nenbe Zwecke, insbesondere die Auswahl und Schu­lung der Landwirte verwenden.

In jedem beteiligten Lande soll ein Staatskom­missar mit besonderen Befugnissen die einheitliche Durchführung der landwirtschafttichen Siedlung ge­währleisten.

Unter Umständen können zur Beschleunigung und Verbilligung der Begründung von Siedlungen im Sinne des Reichssiedlungsgesetzes vom Staatskom­missar Bestimmungen erlassen werden, die von den landesrechtlichen Vorschriften abweichen. Diese können sich insbesondere erstrecken auf das Verfahren, in dem die Aufwendungen zur Regelung der öffentlichrecht- lichen Verhältnisse festgesetzt werden, auf die Ueber- nahme der Siedlerstellen in das Grundbuch und auf das Verfahren der Siedlungsbehörden.

Wenn ausreichende landesrechtliche Vorschriften nicht bestehen, kann die Reichsregierung bestimmen, daß nach der Einleitung eines Siedlungsverfahrens int Sinne des Reichssiedlungsgesetzes auf das Er­suchen der zuständigen Landessiedlungsbehörde im Grundbuch ein Vermerk über das eingeleitete Ver­fahren einzutragen ist Dieser Siedlungsvermerk hat die Wirkung, daß die später eingetragenen privat- rechtlichen Belastungen dem Siedler gegenüber un­wirksam und Veräußerungen des Grundstücks durch den Eigentümer ohne Genehmigung der Siedlungs­behörde nichtig sind. Die Löschung des Vermerks er­folgt nur auf Ersuchen der Siedlungsbehörde.

Neben die landwirtschaftliche Siedlung tritt als neue wichtige Aufgabe die Ansiedlung geeigneter Er­werbsloser in den Randgebieten größerer Städte. Sie soll den Erwerbslosen ermöglichen, sich im Laufe der Zeit den Lebensunterhalt zu einem wesentlichen Teile aus ihrer Scholle zu beschaffen. Dadurch sollen auch die Ausgaben für Unterstützung der Erwerbs­losen allmählich vermindert werden.

Bei der Bedeutung der vorstädtischen Kleinsied­lung ist vorgesehen, daß die praktische Durchführung in den Länden eines Reichskommissars liegt, der dem Reichskanzler unterstellt ist.

Warum Giedlungskommiffare?

Oie landwirtschaftliche Siedlung in der Notverordnung

Kommt eine Dermiiilungsffette

für heimische Produkte in Kassel?

In dem schweren Ringen um feine Existenz, das der Landwirt heute führt, wird jede Landsrau ihren Mann durch den Verkauf der chrer Fürsorge unter­stellten Produkte gern unterstützen ganz gleich, ob es sich um den Verkauf von @(ern, Geflügel ober Erzeugnissen der Schlachterei handelt.

In ihrem Vortrag anläßlich der Werbewoche für deutsche Ware sprach die erste Vorsitzende des Ver­bandes ländlicher Hausfrauenvereine Frau von der Malsburg-Escheberg u. a. auch über diesen Punkt, betonte dabei aber, daß selbstverständlich nur beste, einwandfreie Ware Käufer in der Stadt finden werde.

Frau von der Malsburg äußerte nach ihrem Vor­trag auf die Frage:Warum in Kassel keine Ver­kaufsstelle für Derartige Waren bestehe", daß eine sol­che bestanden, sich aber nicht rentiert habe und ein- gegangen fei. Ein großzügiger Verkauf sei nur auf dem Wege über die Genossenschaft zu erreichen. Das aber sei mit hohen Kosten verbunden und Geld sei eben nicht vorhanden.Sehr schade", entgegnete ich, denn es geht doch nichts über kernigen, gutgeräu­cherten Landschinken und feste, derbe Landwurst. Ich weiß, daß jum Beispiel in Hommerschen Städten Verkaufsstellen bestehen und von den städtischen Hausfrauen eifrig in Anspruch genommen werden". Frau von der Malsburg erklärte mir diese Tatsache aus der Struktur der pommerschen Landwirtschaft, die zum überragenden Teile aus Großgrundbesitz be­stehe. während in Hessen die kleinen Wirtschaften überwiegen. Leider seien diese noch zu wenig auf den Verkauf derartiger Produkte, der natürlich eine «e Aufmachung der Ware voraussetze, eingestellt.

nt fei allerdings, eine Vermittlungsstelle> vielleicht mit Hilfe des Kasseler Hausfrauenvereins einzurichten, die Proben der Waren vorrätig habe und dann Käufer und Produzenten direkt zum Kauf­abschluß zusammenfuhre. Das wäre gewiß ein gang­barer Weg, bei dem jeder Teil aus seine Rechnung käme: die Stadtfrau erhielte gute, frftche Ware zu annehmbaren, nicht so hohen Preisen und die Landfrau hätte ein dauerndes Absatzgebiet. Aber nicht nur ein materieller Vorteil könnte aus dieser Verbindung von Hausfrau zu Hausfrau er- sprießen auch der ethische Wert eines solchen Zu­sammengehens ist nicht zu unterschätzen. Die Land­frau lernt die Nöte und Lasten der Großstädterin kennen und verstehen und umgekehrt erhält die letz­tere Einblick in die mühsame Arbeit und die heute so schweren Sorgen der Landfrau. Gegensätze wür­den überbrückt, alte Vorurteile über Bord geworfen, ein Vertrauensverhältnis würde da entstehen, wo heute noch Zurückhaltung und Fremdheit herrschen. Und das alles würde die für das Zustandebringen des Planes aufgetoenbete Mühe reichlich lohnen. =ck=