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Kasseler Abendzeitung JM. Hessische Abendzeitung

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Kummer 248*

Donnersiaa 22 Oktober 10^4

21 Jdbrgana

Pierre Lavals Ankunft in Aeuyork

Amerikanische Besorgnisse / Professor Cassel zu den Washingtoner Verhandlungen / Oer Wirtschaftsbeirat tritt am 29. Oktober zusammen

Das Kollegium her Fünfundzwanzig

Oie Sachverständigen für den Wirtschaftsbeirat ernannt

Männer und Methoden

Von Staatssekretär z. O. Frhr. v. Rheinbaben

th. Berlin, 22. Oktober.

Gestern abend ist die B e r u f u n g d e r 2 5 Sach-, verständigen in den neue« Wirtschafts­beirat anUlich bekannt gegeben worden. Damit ist der erste Schritt zur Verwirklichung der wirtschafts- und sozialpolitischen Pläne erfolgt, die das Kabinett Brüning in der nächsten Zeit durchführen will.

Bekanntlich soll die in Aussicht stehende neue Not­verordnung sich in erster Linie auf eine Reform der Wirtschaft und der damit zusammenhängenden Fra­gen auf dem Gebiete der Lohn- und Preis­bildung erstrecken, und die Vorbereitungen dafür sollen in dem paritätisch zusammengesetzten neuen Wirtschaftsbeirat geleistet werden, damit die Reichs­regierung bei ihren Beschlüssen sich auf die Stellung­nahme der Sachverständigen aus allen Lagern der Wirtschaft berufen kann. Ein K r e i s v o n 2 5 Per­sonen ist zwar für eine derartige Körperschaft ziemlich groß, aber man mutz dabei berücksich­tigen, daß der neue Wirtschastsbeirat nur die Er­öffnungssitzung und die Schlußsitzung im Kreise aller seiner Mitglieder abhalten wird, während im übrigen die positive Arbeit von einer Reihe von Unter­ausschüsse» geleistet werden soll, die jeweils aus nur einigen wenigen dieser 25 Mitglieder zusammen­gesetzt sein werden.

Die erste Sitzung des neuen Wirtschaftsbeirates wird am Donnerstag, den 29. Oktober, unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten von Hindenburg stattfinden, und damit wird die­ser Körperschaft ein besonderes Matz von Autorität gegeben.

Bei der Zusammensetzung dieses Wirtschaftsbei­rates ist vor allem darauf Rücksicht genommen wor­den, daß nicht nur die verschiedenen Zweige der Wirtschaft und der beiden großen Gruppen der Ar­beitgeber und der Arbeitnehmer, sondern auch die verschiedenen Landesteile des Deutschen Reiches in jeder Weise berücksichtigt worden sind.

Die Ernennung des Wirtschaftsbeirates erfolgt, wie dieG e r m a n i a" dazu bemerkt, in einer Stunde, in der das ganze Volk tief einschneidende Maßnahmen im Kampfe gegen die Wirtschaftskrise erwartet. Die Ueberwindung der Krise wird zum guten Teil davon abhängen, daß es gelingt, über eine parlamentarische Mehrheit hinaus alle schassen­den Stände und Schichten des Volkes zu einer opfer­bereiten Schicksalsgemeinschaft zusammenzuführen. Der Weg dazu sei durch den neuen Wirtschastsbeirat freigemacht. DieGermania" gibt weiter der Er­wartung Ausdruck, daß der Wirtschaftsbeirat seine historische Aufgabe in seiner ganzen Bedeutung er­fassen und seinen Einfluß dafür einsetzen werde, das Sanierungswerk der Reichsregierung, welches nur mit der Wirtschaft gelingen könne, zum Erfolg zu führen.

Einige Kritik an der Zusammensetzung des neuen Wirtschaftsbeirates wird imBerliner Tageblatt" geübt, wo es unter anderem heißt: Es scheine, daß man den Jnteressentenwün- s ch e n wieder einmal wesentlich weiter ent- g e g e n g e k o m m e n ist, als es dem Zwecke der Ak­tion entspreche. Man finde nicht einen interessen­mäßig nicht gebundenen Sachverständigen. Gerade bei einer so umfassenden Berücksichtigung der verschiede­nen Gruppen hätte man nicht auf die Männer ver­zichten sollen, die nur das Ganze im Auge hätten und die deshalb besonders geeignet gewesen wären, die Gegensätze der Sachverständigen der einzelnen Gruppen zu mildern und die notwendigen Synthesen zu schaffen.

Bon Borsig bis Wittke

Die Liste der für den Wirtschastsbeirat berufenen Persönlichkeiten nennt folgende Namen: Geh. Kom­merzienrat Dr. ing. h. c. Ernst von Borsig, Fa­brikbesitzer in Berlin-Tegel. Dr. Brandes, Prä­sident des Deutschen Landwirtschafrsrats, Königsberg. Reichskanzler a. D. Geh. Oberregierungsrat Dr. Cuno, Vorsitzender des Vorstandes der Hapag, Hamburg. Gewerkschaftssekretär Wilhelm Eggert, Berlin. Gewerkschaftsführer Peter Graßmann, Berlin. Maurer- und Zimmermeister Robert G r o tz- Königsberg. Kaufmann Dr. jur. ing. h. c. Bernhard Grund, Präsident der Handelskammer Breslau. Kaufmann Dr. jur Dr. Phil. Albert Hackelsber­ster Oeflingen in Baden. Papierfabrikant Georg Hai'ndel, Augsburg. Wagenbaumeifier Wilhelm Hecher Präsident der Handwerkskammer Düssel­dorf Gutsbesitzer Dr. Holtmeier, Linen. Kreis Tecklenburg, Westfalen. Gefchäftsführer des Deut­

schen Gewerkschaftsbundes Dr. Joseph Jahn, Ber­lin. Kaufmann Louis Körner, Berlin. Ritterguts­besitzer von Oppen, Präsident der Landwirtschafts­kammer Brandenburg, Dannenwalse. Bernh. Otte, Vorsitzender des Gesamtverbandes der christlichen Ge­werkschaften Deutschlands, Berlin. Direktor Dr. rer. pol. e. b. Robert Pserdmenges, Köln. Bäckermeister Ernst Pflugmacher, Magdeburg. Direktor der Kommerz- und Privatbank Friedrich Reinhart, Eharlottenburg. Max Rössiger, Vorstandsmitglied des Gewerkschaftsbundes der An­gestellten, Berlin-Zehlendorf. Dr., jur. Schmitt, Generaldirektor der Allianz und Stuttgarter Verein A.-G., Berlin. Geh. Kommerzienrat Dr. jur. h. c. Hermann Schmitz, VorstantSsmitgtied der I. G. Farben-Jndustrie A.-G., Berlin. Dr. jur., Dr. ing. h. c. Paul Iilverberg, Industrieller, Köln. Otw Suhr, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Ange­stelltenbundes, Beilin. Generaldir^tor Dr. ing., Dr. phil. h. c. Albert Vögler, Dortmund. Fabrikdirek- tor Willy Wittke, Dresden.

An der Eröffnungssitzung werden auch Reichs­bankpräsident Dr. Luther und der Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller teilnehmen.

RegierungsprSfident Saasscn zum Stedkungslam- miffar ernannt. Der Regierungspräsident von Trier, Saassen, wurde gestern, wie angekündigt, zum Reichs­kommissar für die vorstädtische Kleinsiedlung und die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose er­nannt.

Reuyoick, 22. Oktober.

Der DampferJsle de France" mit dem franzg- sche» Ministerpräsidenten an Bord traf in der Qua­rantäne um 3 Uhr morgens (9 Uhr MEZ) ein. Die offizielle Begrüßung des französischen Ministerprä­sidenten Laval an Bord sindct jedoch erst um 8 Uhr (14 Uhr MEZ) statt.

Der offizielle Empfang des französischen Ministerpräsidenten wird an Ausmatz alles bisher Dagewesene übersteigen. Im Namen Hoovers wird Staatssekretär Stimson den Ministerpräsiden'en empfangen und ihn zunächst über den Broadway nach dem Reuyorker Rathaus begleiten, wo die offizielle Begrüßung durch die Stadt Reuyork ftattfindet. Mi­litärische Formationen werden vom Hafen bis $um Rathaus Spalier bilden, während etwa 400 Auto­mobile den Ehrenzug abschließen.

Um elf Uhr (amer. Zeit) erfolgt die Abfahrt nach Washington. Um 18 Uhr stattet Laval dem amerika­nischen Staatspräsidenten einen Besuch ab und um 20 Uhr findet im Weitzen Hause ein grotzes Essen statt. In den frühen Rachmittagsstunden des Frei­tags beginnen dann die eigentlichen Besprechungen mit Präsident Hoover.

*

Reuyork, 22. Oktober. Während sich Reuyork zum Empfang des französischen Ministerpräsidenten rüstet, zeigen sich die Washingtoner Regie­rungskreise besorgt über die hartnäckigen Ge­rüchte, datz Laval beabsichtige, die Sicherheits­paktforderung in den Vordergrund zu stellen. In Washington wird erneut unzweideutig zu ver­stehen gegeben, datz die amerikanische Regierung nicht in der Lage sei, derartige Wünsche zu berück­sichtigen. Die wichtigste Frage sei die. der Wieder­belebung der kranken Weltwirtschaft. Daher mühten in erster Linie die Fragen der Kriegsschulden, des Goldstandards, der Kredi Verteilung und der Abrüstung behandelt werden. Die Frage eines Sicherheits- oder Garantiepaktes zur Sprache zu bringen, sei für Hoover eine zu starke Belastung und daher nicht erörterungssähig.

Berichte von Bord der ,ZÄr d« Francs lassen vermuten, datz Laval in der Erwiderung aus die Be­grüßungsansprache des Bürgermeisters Walker die Sicherheitsfrage anschneiden werde.

Cassel warni Laval

Stockholm, 22. Oktober.

In einem Leitartikel imSvenska Dagbladet" be­schäftigt sich Professor Gustav C a s s e l mit dem fran­zösischen Ministerbesuch in Washington. Er schreibt unter anderem:

Haben Laval und Hoover verstanden, was es gilt Haben sie sich jo sehr von Kriegstraditionen und teilt»

Wir leben in einer wirren Zeit. Mit wenig Stimmen-Mehrheit hat die amtierende Reichsregie­rung in nicht wesentlich veränderter Zusammen­setzung das Mandat der auseinanderstrebenden Volks­vertretung erhalten, ihre Arbeit fortzusetzen. Noch ist die Presse voll von Mutmaßungen, wann und wie dies im besonderen auf dem Felde der inneren Poli­tik geschehen kann. Gleichzeitig geht es im Völker- bundsrat in Genf um eine weltpolitisch eminent wichtige Angelegenheit, die einst in für Deutschland glücklicherer Vorkriegszeit schwerste weltpolitische Konflikte bis zum offenen Kriege hcrvorgerufen hat. Wenn man den Aeußerungeu gewisser Beobachter glauben soll, dann entscheidet sich zurzeit schon in Genf anläßlich der schleppenden Diskussion über das japanische Vordringen in der Mand­schurei die Schicksalsfrage über die Existenzberech­tigung des Völkerbundes oder doch zumindesten in der Bedingtheit von militärischer Rüstung unv na­tionaler Sicherheit die Grundfrage der kommenden internationalen Abrüstungskonferenz. Und weiter: In England tobt der Wahlkampf, und es geht für uns andere in erster Linie darum, ob dieses tra­ditionelle Freihandelsland, nach dem Kriege wieder der beste Kunde deutscher Ausfuhr, zum Schutzzoll übergeht und ob die Interessen der deutschen Wirt­schaft, die ohnehin durch das Abgleiten des Pfundes stark beeinträchtig, wurden, nicht schweren Nachteil erleiden werden. Schließlich landet soeben der Ministerpräsident Frankreichs auf amerikanischem Boden, und im vollen

schaftlichen Zwangsvorstellungen freimachen können, daß sie, radikal mit der Politik zu brechen vermögen, die die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes geführt hat?" Cassel stellt fest, daß die Tributforderun- gen ohne die geringste Rücksicht auf Deutschlands Zah­lungsschwierigkeiten festgesetzt worden sind. Trotz der Katastrophe, die jetzt über die Welt hereingebrochen sei, habe man sich noch nicht die Frage vorgelegt, ob es für Deutschland möglich sei, auch nur einen kleinen Bruchtell der Reparationen zu zahlen.

Mau befürchte, daß Deutschland durch wirtschaft­liches Aufblühen wieder erstarken könne

und fordere die Tribute, um es am Boden zu halten. Deutschland sei nicht imstande gewesen, auch nur einen Pfennig der Reparationen selbst zu zahlen. Die deutsche Auslandsverschuldung sei um 18,2 Milliarden RM gestiegen: Jetzt könne Deutschland nichts mehr borgen, im Gegenteil: das Ausland entziehe die kurz­fristigen Kredite. Nun frage man sich, was denn eigentlich geschehen solle, wenn das Moratorium ab­laufe. Es sei

für Deutschland unmöglich, in nächster Zukunft irgendwelche Zahlungen aufzubringen.

Frankreich komme jedoch nicht nach Washington mit einem Programm, in dem diese Tatsache berücksichtigt werde. Es gebe kein Anzeichen dafür, daß sich die Staatsmänner, die sich jetzt in Washington treffen wollten, über die Gefahr einseitiger Gold­verteilung klar seien.

DRu^lanh unh das Rüstungsfeierjahr

Moskau, 22. Oktober.

Außenkommiflar Litwinow erwiderte auf den Brief ver Generalsekretärs des Völkerbundes, in dem angefragt wurde, ob die Sowjetregierung zu dem von der letzten Völkerbundstagung vorgefchlagenen Rüstungsftillstanü bereit sei, er habe bereits am 21. September telegraphisch Vie Bereitwilligkeit ver Sow­jetregierung mitgeteilt, gemeinsam mit den anderen Regierungen und auf gleichen Grundlagen Verpflich­tungen zur Einstellung der Rüstungen während der Abrüstungskonferenz zu übernehmen. Die Sowjet­regierung sei auch bereit, jetzt die vorgeschlage­ne Frist von einem Jahre an;unehmen. Natürlich müßten alle Staaten analoge Erklärungen abgeben, und diese müßten für sie obligatorischen Charakter haben. Weiter müsse vollkommen klar sein, ob sich die Verpflichtung auf alle Arten Rüstungen beziehe.

. prunkvoller Empfang

Eigener Drahtbericht.

Glanze des. erhöhten Prestiges berät er mit dem amerikanischen Präsidenten über das Schicksal der Welt,

Demgegenüber erscheint vieles, was bei uns als deutsche Außenpolitik" über diese weitgreifenden in­ternationalen Geschehnisse und Entwicklungen ge­schrieben wird, oft genug als außerhalb des wirk­lichen Geschehens liegend. Deutschland ist leider noch immer ganz überwiegend Objekt der großen Politik und mutz zunächst alle inneren Kräfte anstrengen, um überhaupt als Faktor in ihr gewertet zu werden. Aber doch ist in zahl­reichen Kombinationen, die wir heute alle mit­einander anstellen, auch manches sachlich Richtige, das sich als Realität in der nächsten deutschen Zukunft auswirken wird. Schwierig ist allein die Er­kenntnis, wo die eine aushört und die andere be­ginnt. Dies soll an drei Beispielen gezeigt werden: Zu oberst steht nach wie vor

das deutsch-französische Problem.

Nach Vorantritt Frankreichs ist jetzt auch das verein­barte deutsche Wirtschaftskomits vom Reichspräsiden­ten ernannt worden. Imneuen Geiste" will man wirtschaftlich" zusammenwirken, damit beide Seiten Nutzen erzielen. Das ist in jedem Einzelfall, ob es sich um Kartellpreise, um Positionen des Handelsver­trages oder um ähnliches handelt, eine sehr langwie­rige und nüchterne Angelegenheit. Keinesfalls ist aus solchen Beratungen eine wirksame Hilfe für Deutsch­land in den nächsten schweren Monaten zu erwarten. Aber man will ja wieder einmal mit derWirtschaft" anfangen und dann zu Größerem, zurPolitik" über­gehen. Und auf diesem Gebiete gibt es scheinbar doch etwas Neues. Einflußreiche Stellen der heutigen sogenanntennationalen Opposition" wiederholen nicht mehr die Formeln des Vorwurfs gegen den Ver­such einer deutsch-französischen Annäherung, sondern machen selbst positive Vorschläge für eine deutsch­französische Verständigung auf Grund nationaler Gleichberechtigung. Auf der anderen Seite ist Frank­reichs Machtstellung und Machtwillen heut auch Leu­ten klar geworden, die an sich däs Wort und den Be­griff derMacht" aus ihrem internationalen Lexikon gestrichen hatten. Aus solchen und ähnlichen Symp­tomen geht hervor, daß die alte Aera senti­mentaler und gefühlsmäßiger Ableh­nung oder Zustimmung im ganzen über­wunden ist und von deutscher Seite die Realität der französischen Politik, mit der wir uns unter allen Umständen mehr als je auseinandersetzen müssen, in voller Klarheit erkannt ist. Wenn ein namhafter deutscher Journalist in einer Broschüre neuerdings die jetzige Periode mit der letzten Phase des Ruhr­kampfes von 1923 vergleicht, so hat er weitgehend Recht: Gerade weil Frankreich so mächtig ist, müssen wir mit ihm verhandeln. Fraglich ist lediglich die Methode, nach welcher verhandelt wird, und ver­ständlich der Ruf nach Männern, die verhandeln können!

Noch weiter als um das Wunschbild einer nahen deutsch-französischen Verständigung gehen die Kombi­nationen in dem Gebiet von

Wirtschaft und Währung.

Alles scheint hier im Erdrutsch der Weltkrise im Flusse zu sein und nichts, was eben noch als unmög­lich galt, braucht es morgen noch zu sein. So heißt es ja auch, daß Laval und Hoover in erster Linie und gestützt auf gleichzeitige Verhandlungen ihrer Finanz­experten der Frage der Aufrechterhaltung der inter­nationalen Goldwährung und der Goldver­teilung ihre größte Aufmerksamkeit schenken wollen.

Erst vor teenigen Wochen haben uns die Blätter Kunde vom Abgleiten des englischen Pfundes von der Goldwährung gebracht. Heut lieft wohl man­cher über Betrachtungen hn Handelsteil hinweg, in denen auch auf das Abgleiten des amerikanischeu Dollars, als eine nicht ganz unwahrscheinliche Zu- kunftsperspcktive hiugewiesen und esstl. der deut­schen Währung empfohlen wird, sich dannan den Dollar anzuhängen". Wieviel Zeitungsleser wird es bei uns geben, die bei solcher Lektüre einen Augen­blick innehalten und sich einmal die gigantischen Veränderungen klar zu machen suchen, die dann über die Weltwirtschaft gehen würden. Und ein anderer Gedanke drängt sich auf: Wenn umgekehrt Frank­reich mit Amerika zur Sicherung der Goldwährung gemeinsame Schritte tut, wird da nicht womöglich wiederum Deutschland vor die Frage gestellt werden, ob es mitmacht und für sragwürdige Unterstützungen feiner eignen erschütterten Goldwährung nicht nur Trihutleistungen fortsetzen, sondern erneute Politische Kompensationen zahlen soll?

Ein weites Feld würde Theodor Fontane sa­gen, wenn er noch lebte. Auf alle Fälle aber das Auszeigen der schweren Auseinandersetzungen, vor