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Sette 2 1 Vellage

Kasseler Neueste Nachrichten

Montag, 19. Oktober 1931

Stadt und Land Hand in Hand

Es ist schon viel geredet worden davon, daß es notwendig erscheint, dem Bauernstände.zu Helsen und eine Drücke zu schlagen zwischen Stadt unv Sann. Es ist heute Zeit, alle guten Vorsätze in die Tot um- zusetzen und das scheint den Verband der Kaffeler- uwd der hessischen Frauenverbände mit ihrer Aus- stellunq im Rahmen der deutschen Woche tatsächlich zu gelingen.

Bei der Eröffnung am Sonnabendnachmittag führte Frau G r a p o w aus, daß die Ausstellung den Beweis dafür erbringe, daß nicht Kopfhängertum, sondern Mui und Tackrast geeignet sind, der allge­meinen Depression entgegen zu wirten. Das nötige Verantwortungsgefühl schaffe schon Mittel und Wege die WirtschastÄrise zu überwinden. Die jährliche Einfuhr von über 2% Milliarden Lebensmittel be­dinge für alle verantwortlichen Streife eine Ein­stellung auf nationale Wirtschaft und es sei vevauer­lich, daß nicht alle Wirtschaftszweige sich diesmal zu einer machtvollen Kundgebung in diesem Sinne zu­sammenfinden konnten.

Kammerherr von Kendel!

brachte zum Ausdruck, daß er von Dank und Freude erfüllt sei über diese mutige, gut gelungene Tat der Hausfrauen, die mit dieser Werbeausstel­lung Energie und Optimismus bewiesen hätten und den Gedanken propagierten, daß bi« deutsche Haus­frau in erster Linie deutsche Waren bevorzugen

Oer Samstagabend im Stadtpark

müsse im Interesse der heimischen Landwirtschaft und somit der gesamten deutschen Volkswirtschaft

Daß es dieser heimischen Landwirtschaft wieder schlecht gehe, brauche kaum noch besonders betont zu werben. Der Preisdruck schaffe eine immer schär­fere Not. Es erhebe sich die Frage, wie lange das noch auszuhalten sei, wenn nicht bald Hilfe komme und Zwar aus den Reihen eigener Volksgenossen.

Der Redner verbreitete sich sodann über Ur­sachen und Auswirkungen der Krise und ermahnte die heimische Landwirtschaft, sich immer mehr aus Erzeugung von Qualitätsware umzustellen, ime es in den Staaten Dänemark und Amerika schon durch- aeführt sei.

Diese Tatsache sei auch einer der Gründe, die die heimische Landwirtschaft in die Notlage gedrängt habe und es sei eine schwere Aufgabe, die MMo- nen von Bauern dazu zu erziehen, mehr Quali­tätsware auf den Markt zu bringen. Hier müsse aber auch die Hilfe des deutschen Volkes besonders der Konsumenten und Hausfrauen einsetzen, damit das große Ziel erreicht werde, das auch der Sinn der ganzen Veranstaltung fei, nämlich der Devise zu folgen: Nur deutsche Waren zu kaufen.

Die deutsche Landwirtschaft sei heute an einer Grenze angelangt, wo es nicht mehr weiter nach unten geht. Ein gesunder, kräftiger Bauernstand aber sei die Grundlage eines Staates und das Volk könne man als verloren bezeichnen, das sich auf die­sen Stand nicht mehr zu stützen vermag.

Bürgermeister Lahmayer

überbrachte mit Worten der Herzlichkeit die Grüße der Stadtverwaltung, die ganz besonders erfreut sei darüber, daß diese Ausstellung so recht zum Aus­druck bringe, daß es heute nicht so sehr auf deut­sches Denken, sondern auf das Handeln ankomme. Es müsse dahin kommen, daß die deutschen Ein­fuhrüberschüsse aus das Mindestmaß beschränkt wer­den, damit endlich die Gesundung der deutschen Wirtschaft eintrete. Wenn dabei der Einzelne seine Pslich tue, werde es schon aelingen.

Die Parole: Jede deutsche Mark für deutsche Ware, werde den Arbeitern Brot schaffen mti> könne als rechte Winterhilfe bezeichnet werden.

Frau von der Malsburg-Lfcheberg

brachte zum Ausdruck, daß die Ausstellung, die mit­ten in die deutsche Rot hineingestellt fei, ein Hoff­nungsstrahl bedeute, daß mit ihr der Keim gelegt werde zu einem starken deutschen Willen. Sie brachte im Namen ihrer Landsrauenorganisation den Dank für die schöne Ausstellung zum Ausdruck.

.Hand in Hand mit den Schwestern der Stadt" solle die Parole heißen. Aus deutschen Wochen möchten deutsche Zeiten gemacht werden.

Fräulein Pogg« (Klavier) und Herr Klin­ge l h ö f e r (Gesang) bestritten mit schönen Dar­bietungen den musikalischen Teil des Abends, was ihnen lebhaften Beifall eintrug. B. 8.

Film der Unfälle

Ein verhängnisvoller Irrtum. Ein junger Mann der einige feucht-fröhliche Stunden hinter sich hatte, entkleidete sich und wollte in sein vermeintliches Bett steigen. In der Dunkelheit glaubte er in dem geöff­neten Fenster das Lager für feine müden Glieder ge­funden zu haben. Ehe ihm der verhängnisvolle Irrtum zum Bewußtsein kam, hatte er jedoch schon das Gleichgewicht verloren und stürzte aus dem Fenster in die Tiefe, wo et schwer verletzt und bewußtlos liegen blieb. Andere Hausbewohner brachten den Verunglückten zunächst in sein richtiges Bett. Dann mußte er aber in ein Krankenhaus üb erführt werden, weil er einen Beckenbruch und wahrscheinlich auch eine Rückgratverletzung davongetragen hatte.

Die Unsitte, auf einen fahrenden Straßenibahn- wagen aufzuspringen, hat Sonnabend abend in bet Altstadt einen Unfall verursacht. Eine Hausangestellie glitt beim Aufspringen auf den Wagen ab und geriet mit dem linken Fuß unter das Fahrgestell. Der GeistesgegeniWtt des Wagenführers ist es zu dan­ken, daß kein größeres Unheil geschah. Immerhin war der Fuß der Unvorsichtigen so eingeklemmt, daß es einer mühseligen Arbeit von 15 Minuten bedurfte, um das Mädchen aus seiner qualvollen Lage zu be­freien. Da die Quetschungen des Fußes ernster Natur waren, mußte die Verunglückte von der Hauptsanitäts- wache in das Elisabethkrankenhaus gebracht werden.

Infolge des dichte» Nebels übersah heute nacht ein junger Motorradfahrer aus Besse das Schluß­licht eines wegen Motordefekt bei Hertingshausen haltenden Fernlastzuges und sauste mit voller Wucht dagegen. Er zog sich außer einem Bruch des Unter­armes Verletzungen an beiden Beinen sowie schwere Gesichtsverlehungen zu und mußt« durch die Sani­tätshauptwache (%ie selbst schwer mit dem Nebel zu kämpfen hatte, in das Rotekreuz^rankenhaus trans­portiert werden.

Der morsche Ast. Beim S-cmntaasausflua einer hiesigen Jugendgruppe stieg ein 14jähriger Schüler hinter der Knallhütte auf einen Baum, als der Ast brach und der Junge ziemlich hoch abstürzt«. Er trug außer einer Wirbelsäulenbeschäidigung einen Bruch des Unterarmes davon und wurde durch das Un­fallauto der Feuerwehr in das Diakoniffenkranken- haus eingeliefert.

Die gefährliche Brüderstratze. In der Brüder- stratze wurde eine Frau aus der Obersten Gasse beim Überschreiten der Fahrbahn von einem Motorrad­fahrer angefahren und zu Boden geworfen. Sie erlitt einen Bluterguß und Hautabschürfungen.

Was der Schupo notiert

Drei Haftbefehle gegen die Hauptbeteiligteu erlasse«.

Wege» der Unruhen vor bem Arbeitarnt, bei dem mehrere Schupobeamte tätlich angegriffen worden sind, hat die Kriminalpolizei dreibe­kannte Kasseler Kommunisten festge­nommen. Zwei von ihnen gelten als überführt, dem einen Polizeibeamten im Gedränge das Seitengewehr entrissen zu haben. Die Waffe wurde später bei einer Haussuchung wieder aufgefunden. Der dritte Fest- genommene hat inmitten der Menschenmenge er.e Ansprache gehalten, in der et zum Widerstand gegen die Polizei aufgefordert haben soll. Nach ihrer Ver­nehmung bei der Polizei wurden die Feftgenommenen dem Gericht zugeführt. Hier hat der Vernehmungs­richter gegen die drei Beschuldigten Hafch^ehl erlas­sen, weil gegen sie eine Anklage wegen Aufruhrs und Rädelsführerschast erhoben werden dürfte.

Die Zunft der Langfinger. Alls dem Königsplatz wurde an dem am Samstag dort herrschenden Markt- gewühl eine* Frau die Geldbörse mit über 30 Mark aus der Handtasche entwendet. Mit dem Sonntags-- schmaus war es nun nichts. In der Nacht zum Sonnabend statteten Einbrecher einem Zigarrenge- schäst am Lucherplatz einen nächtlichen Besuch ab, ln- dem sie die nach dem Hausflur führende Tür auf- fperrten. Sie entwendeten (fast durchweg die teuer­sten Sorten) Zigarren, Zigaretten, Pfeifen usw. im Werte von über 500 Mark und entkamen. An der­selben Nacht stiegen Einbrecher in das in Wolfs­anger, Fuldastraße befindliche Weißwarengeschäft von Volkwein durch die nach hinten gelegenen- chenfenster ein und räumten, trotzdem in den Neben­zimmern die Familie des Geschäftsinhabers schlief, den ganzen Laden aus. Die Svitzbuben erbeuteten soviel Ware, daß sie zum Fortschaffen mindestens einen Handwagen benötigten. Sie entlamen, nach den Spuren zu urteilen, in die benachbarten Fuldawiesen

Wem gehören die Zigarren? Am 21. September wurde in Gießen der Arbeiter Alfred Petri, ge­boren am 12. 4. 1930 zu Bockseisen, festgenommen. Derselbe hatte eine Zigarrenkiste mit 22 Päckchen Zigarillos «Marke .Drei Kätzchen-) bei sich. In seiner Vernehmung gab er an, sie aus einer Wirt­schaft aus einem Dorfe bei Holzhausen, Bez. Kassel, entwendet zu haben. Welches Holzhausen in Frage kommt kann er nicht angeben. Vermuttich handelt es sich um Holzhausen, Kreis Hofgeismar, da er sich unmittelbar nach dem Diebstahl über einen Fluß (vermutlich Fulda) setzen ließ. In welcher Wirl- tchaft ist der Diebstahl gefchehen? Nachrichten er­bittet die Kriminalpolizei Kassel, Zimmer 101,

Cs tut sich was im Stadtpark:

Kochen, Kleiderschau, Versammlungen im Rahmen der Hausfrauenausstellung

Die Ausstellung des Kasseler Haus­frau en vet ei ns und des Verbandes Länd­licher Hausftauenvereine, die bis zum Mittwoch abend geöffnet ist und in allen Sälen des Stadtpatts stattfindet, hatte sich am Sonntag eines regen Besuches zu erfreuen. Sicher hatte der eindrucksvolle Reklamezug, der am ganzen Nach­mittag durch die Straßen unserer Stadt gezogen war, Shlreiche Besucher veranlaßt, sich diese volks- und uswirtschaftlich« Schau amzusehen. Mehr noch aber als dieser Reklamezug werben die Besucher, die sich die Ausstellung schon betrachtet haben, denn hier wirb wirklich eine solche Fülle von lebendigem Lehrmate­rials geboten für di« Att hauswirtschastlicher Arbeit und für die Einrichtung des Heims und für dem Bau von Häusern und Wohnungen.

Am Sonntag nachmittag fand dann außer dem täg­lichen Kaffeekonzert eine Kleiderschau statt. Junge Dlädchen und Kinder aus Mitgliederkreissn zeigten praktische und geschmackvolle Hauskleider, farbenfrohe handgewebte Schürzen der Waldecker und Laupheimer Webschulen. Die Schneiderwerkstätten von Fräulein Frerichs, Fräulein Bertram und Frau S p re­gel b e r a zeigten dann kleidsame Nachmittagsklei­der, Abendkleider und pelzbesetzte Wintermäntel. Man hatte Wert darauf gelegt, keine uneMichibaren Luxus- schöpsungen zu zeigen, sondern mehr das im Preis Er­reichbare geschmackvoll und kleidsam gehaltene Klei­dungsstück vorzuführen. Der Beifall der Zuschauerin­

nen zeigte dann auch, daß man das Richtige getroffen hatte. _ Besonders anmutig wirkte die Vorführung der Kinderkleider (aus den Werkstätten von Fräulein Bertram). Zwanglos tanzten die Kleinen im Kinder­spiel ü6er die Bühne. Diese Kleideischau wird Mon­tag, Dienstag und Mittwoch nachmittag wiederholt werden.

Ebenso werben au allen Tagen die Koch Vor­führungen beider Hausfrauenvereine fortgeführt. Für 10 Pf. gibt es schmackhafte und reichliche Kost­proben, die von der Güte neuzeitlicher Kochkunst Zeugnis ablegen. Wer aber ganz umsonst speisen will, der hat auch dazu reichlich Gelegenheit. Die ver­schiedenen Schnellkochröpfe, die auf der Ausstellung arbeiten, versorgen ihn gern und reichlich mit Mit­tagessen. Oetker bietet ihm an seinem Stand Proben seiner bekannten Süßspeisen an, und Eostarica wie Klipps Kaffee kredenzen dann gastfreundlich in feinen Porzellantassen einen würzigen Mokka. Man kann also auf dieser Ausstellung nicht verderben. Wer be­sonders eindringlich sich das wissenschaftliche Schau­material. betrachten will, wird gut tun, in den Vor­mittagsstunden oder in den Mittagsstunden in die Ausstellung zu gehen, weil bann eine bessere Möglich­keit ist, albe Stände in Ruhe zu betrachten. Zeder aber wirb die Ausstellung verlassen mit bet lieber* zeugung, daß hier wirklich eine wertvolle Schau zu­sammengetragen ist. E. P.=L.

Wöchentlich 15 Pfennig Ltnterstühung

Weitere Kriegsopferschicksale

Not der arbeitslosen Kriegsopfer

Das Mitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschä­digten, B., teilt uns mit, daß er wegen einer Ver­letzung der Kiefer mit Knochendefekt und Artikula­tionsstörung sowie Schwerhörigkeit 50 v. H. erwerbs­beschränkt ist. Seit November 1930 ist er arbeitslos. Et bezog bis Mai 1931 Arbeitslosenunterstützung, seither für sich, feine Frau und feine vier Kinder an Krisenunterstutzung 1,50 RM. wöchentlich. Durch die Notverordnung vom 5. Juni 1931 wurden ihm selbst von diefem geringen Unterstützungsbettage ab 1. Juli 1931 1,35 RM. abgezogen, fo daß er jetzt pro Woche ganze 15 Reichspfennig erhält. Um biefe 1-> Pfennig alle Woche zu erhalten, mutz er dreimal wöchentlich einen Weg von 154 Stunde zum Stempeln zurück- legen Mit Recht stellt biefer bedauernswerte Kame­rad fest, daß er insgesamt 64,87 RM. einbüße, was doch etwas reichlich wäre und dringend der Abände­rung bedürse.

Die Not der Kurzarbeiter

Das Mitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschä­digten, M. Sch., schreibt uns:

Durch die Notverordnung ist meine persönliche Lage wie folgt verändert worden:

Max Schulz, geb. 29. Oktober 1892, Rügenwalde, Vereinsstt. 7, Packer, früherer Beruf Tischler, D. B. rechter Kniegelenksteckschuß in starker Beugestellung mit erheblichem Muskelschwund, rechter Lungensteck- schutz, Schultersteckschuß rechts mit erheblichem Ober­armmuskelschwund, Hüftgelenkschuß rechts, Handge- lenksteckschutz rechts, Genickverletzung, linker Unter« schenkelsteckschuß.

Einkommen aus Arbeitsverdienst monatlich........84,14 RM.

Bisherige Rente: für drei schul­

pflichtige Kinder...... 70,15 Zusatzrente.........39,

Abzüge:

Lohn verkürzte Arbeitszeit . 12,

Renten ..........7,1.5

Zusatzrenten fallen laut Notver­

ordnung ganz fort.....39,

Gesamtverlust: 58,15 RM.

Von dem übrigen Einkommen gehen monatlich für Miete 42 RM. ab, so daß für eine sünflöpfige Fami­lie nur monaUich 93,14 RM. zur Unterhaltung bleibt. Härter kann di« Nowerordnung wohl keinen treffen, wie einen in Kurzarbeit stehenden Schwerkriegsbe­schädigten/

Monatlich 34 RR. zum Leben

Die Gauleitung Hannover des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten teilt uns aus unserem Verbrei­tungsgebiet folgendes Beispiel, wie sich die Verschlech­terung des § 112a des Arbeitslosenversicherungsge- fetzes infolge bet Notverordnung vorn 5. Juni 1931 auswirrt, mit:

Der Kamerad W. F. bezog nach einer Erwerbs­minderung von 70 v. H. im Monat 66,85 RM. an

Rente. Dazu eine wöchentliche Erwerbslosenunter­stützung von 22,50 RM. gleich 109,20 RM. im Monat. Sein Gesamteinkommen betrug demnach 176,05 RM. Nach der Notverordnung hat er folgendes Ein­kommen:

Rente 63,10 RM., Erwerbslosenunterstützung 15,37 RM. gleich 78,47 RM. Davon sind allein im Monat 44,20 RM. an Miete zu zahlen. Es verbleibt ihm also zur Bestreitung des Lebensunterhaltes für sich und seine Ehefrau her Betrag von 34,27 RM. im Monat'

Die für die Notverordnung Verantwortlichen mö­gen diesem Ehepaar einmal vorrechnen, wie es mit diesem geringen Betrage seinen Lebensunterhalt be­streiten soll.

Das Llnheil der Kristsperre

Das Mitglied des Reichsbundes des Kriegsbeschä­digten, M. K., erhielt bisher vom Bersorgungsami Srade eine Rente von 50 v. H.. wegen Verkürzung des linken Beines und Versteifung durch Gewehrschuß. Anfang vorigen Jahres trat eine wesentliche Ver­schlimmerung in dem DB,-Leiden ein, so daß er ärzt­liche Behandlung in Anspruch nehmen mußte und vom August 1930 bis April 1931 im Krankenhaus lag und sich einer Operation unterziehen mußte. Am 8 Dezember 1930 stellte K. Antrag auf Erhöhung seiner Rente, da durch die Operation eine Besserung nicht eingetreten war. Auf Grund des Antrages erhielt K. vom Bersorgungsami folgende Nachricht:

Der Antrag vom 8. Dezember 19-30 fällt unter die Notverordnung vom 26. Juli 1930 Absatz 2a. Das neue Leiden, Versteifung des linken Hüftgelenks in­folge Rückenmarkentzündung und Beschwerden im rechten Oberschenkel, steht im ursächlichen Zusammen­hang mit dem DB-Leiden, für welches bisher Rente bezogen wurde. Die EM. beträgt 100 v. H., auch ist die einfache Pflegezulage als gegeben anzusehen. Die Rente kann aber zur Zeit nicht bewilligt werden. laut Rundversügung vom 31. August 1930. Die Entschei­dung über die Zahlung der Rente ist auszusetzen bis zum Eingang neuer Bestimmungen.'

Die Ablehnung jeder Serforgung trotz Anerken­nung einer Erwerbsminderung durch Kriegsdienstbe. schädigung von 100 v. H. stellt geradezu eine Unge­heuerlichkeit bar. Sie beweist die Unhattbarkeit selbst der Notverordnung vom 26. Juli 1930. Wie lange, will die Reichsregierung noch zögern, das zum Himmel schreiende Unrecht wieder gutzumachen und die Mög­lichkeiten weiteren Unrechts zu beseitigen?

Staatliches 3tttatet. Für die AufführungMinna von Barnhelm" am Montag, den 19. d. M., üic in der Sauer« kartenreihe B 3 In Szene gehl, sind, um weitesten Kreisen den Besuch der Vorstellung zu ermügttwen, Schauspiewreise II angesetzt. Dieselben Preise gellen für die Erstaufführung ,.R ina- am 21. Oktober.

Rundfunk. Dr. Paul La »en, ber bekannte Franksntter Runbfunkreporter und Leiter der Aktuellen Abteilung des Südwestfunks weilt heute in Kastel anläßlich einer von ihm geleitete» Mikrophon-Führung durch das neue Heim des Denrschnattonalen Hanblmrgsgebtlferrverüanbes ix Saud.

Freuden, die nichts kosten:

Himmelsschauspiele

Man Hai lange nicht mehr nach dem Himmel ge­blickt Das Gewühl ber Straße, Geschäft uns Ge­sellschaft und vor allem die immer wachen, immer angespannten Gedanken lassen es nicht zu. Es hilft ja nichts, die Erve hält uns fest mit klammernden Organen. So kann man nicht auf das achtem was da oben vorgeht Aber diesmal bleiben die eiligsten Leute stehen. Denn was M oben geschieht ist so selt­sam und so schön, vaß es zum Hinschauen zwingt. Hier draußen auf dem Siedlungsgelände läßt sich der Vorgang ven man einHimmelsschauspiel" zu nennen pflegt weithin verfolgen.

Es ist ein gewaltiger, hinreißender Kampf. Wolken türmen sich auf und schwimmen riesigen Schiffen gleich aufeinander zu. In fantasttsche Farben ge­taucht mit goldenen Rändern schweben sie über der Stadt. Und alles, was unter ihnen sich breitet, die weißen Häuser, die Grünflächen und die Sttaßenzei- len alles ist in ein gelblich rosiges Lickt gemuckt. Auch die Gesichter der Menschen, di« staunend nach oben schauen. Es ist, als hätte der Himmel mit ei­ner einzigen gewaltigen Ansttengung sich die ihm so lange verweigerte Beachtung erzwungen, und wie zum Zeichen seines Triumphes erglänzt vor den Wolkengebirgen ein mächtig glühender Regenbogen, dessen Enden irgendwo zwischen den Häusern die Erde berühren.

Wolken erregen Gedanken. Was ist es doch für ein seltsamer Gegensatz zwischen droben und drun­ten. Mit welcher großartigen Urobetümmertimt schafft da oben eine unergründliche Phantasie ihre immer neuen Gebilde. Wie arm ist das, was hier drunten sich begibt. Wie grau die Stadt, wie trüb und unförmig das MenschengewimmcL

Aber auch vie Herrlichkeit droben hat ihr Ende. Die Farben erblassen, die Ränder verglühen. Der Himmel entfärbt sich, wird tief und bodenlos. Nie­mand schaut mehr hin. Es war ein schönes Bild, Aber nun tut es Wohl, auf der Erde zu fein mit ihrer Nüchternheit.

Ob nicht doch einige unter den Leuten find, fefc gespürt haben, daß das Himmelsschauspiel nur eine Aufforderung war, noch länger zu verweilen, noch tiefer hinzuschauen? Eine Einleitung nur zu noch größerem Schauspiel? Denn ftiH und ohne Kampf ziehen inmitten des Verschwimmenden Gewölks die Sterne herauf und erfüllen die fchwärzliche Tiefe mit zitterndem Licht. , t _

So ist in dieser unserer Welt eines der Bote des anderen. Die Wollen erregen Gedanken. Aber die Sterne locken in uns die alten ewigen Fragen her­auf nach dem Wefen der Welt und ihren letzten Gründen. Und wer ihrer Botschaft lauscht, bem kom­men die Worte des Dichters Wilhelm Raabe, des viel gefeierten, in den Sinn:

Tas Ewige ist stille, Laut die Vergänglichkeit, Schweigend geht Gottes Willie lieber den Erdenstreit." K. I.

Rot 6er Verantwortungsvollen

Vostbeamtiuueutagnug ist Berlin.

I» Berlin tagte vorn 13. bis 15. Oktober bet Verbands» tag des Verbandes der deutschen Reichs-Post- und Telegra- vhenbeamtinnen. Die schwere Lage des weibliche» Perso­nals der Deutsche» Reichspost wurde in dem Vortrag der 1. Berbandsvorsitzenben Else Kolshorn dargelegt, der sach­lich wie zeitlich im Mittelpunkt der Tagung »and: ..Tie Poft- «nd TelegrapkenSeamtinnen ,m deutsche» Schicksal", Die Verflechtung des Berufsschicksals der Poft- und Tele- gravhenbeamtinuen mit dem deutschen Geschick durch idre vermittelnde Tätigkeit wurde deutlich. Verantwortungsbe­wußt stellt die Poitbcamtinnenschaft ifirc Wünsche und Kor­derungen unter die allgemeine Volksnot, indem sie nun tat­sächlich Erfüllbares innerhalb der durch die Notzeit gebo­tene» Grenzen fordett. Der häufig erwähnte Hinweis auf diealleinstehende" ledige Beamtin, deren Einkünfte ohne Schaden gemindert werden könnten, widerlegt durch die Darstellung der weitgehenden Fnrsorgepflichten gegenüber bilssbedürttigen oder erwerbsloie» Angehörigen, wodurch die öffentliche Fürsorge zu einem nicht geringen Teil ent­lastet wird. Erschütternd kam die wirtschaftlich eNoi zum Ausdruck, die durch die neue Notverordnung nach de» bereits früher erfolgte» Gehaltskürzungen (»ebe« Ledigensteuer, niedrigem Wohnungsgeldzuschuß, Sozialab- gaben usw.) über die geringstbesoldeten Gruppen, die Diätare und die ihnen vergleichbaren Angestellten als Poftbelferin- nen, verhängt worden ist. Der Verband wie der Deutsche Beamtenbund wird sich mit allen Kräften für die Beseiti­gung dieser Bestimmungen einsetzen. Eine zweite Haupt­forderung betrifft einStillhalten" in bezug auf weitere Technisierung für die Dauer ber jetzigen Notzeit und Maß­nahmen zusätzlicher Arbeitsbefchaffung. Zu der großen Be­rufsunsicherheit kommt die Erschütterung des Rechtsbodens des Berufsbeamtentums, dessen Erhaltung in den für die Oeffentlichkeit lebenswichtigen Tätigkeitsgebieten des werb­lichen Perfonals im Betriebsdienst der Deutschen Reichs- »oit ein gleich bedeutungsvolles Erfordernis für die Kund­schaft wie für das Perfonal felbft üt. Diefe Schädigungen für das Berufsbeamtentum der weiblichen Beamten der Deutfchen Reichspoft sind durch behördlich« Maßnahmen der letzten Zeit herbeigeflihtt worden: vor allem durch die Vor­enthaltung der unkündbaren Anstellung »nd die Nichtgewäh- rung von Beamtenftellen für de» Laufbahnnachwuchs nach langjähriger Tätigkeit. Unter ihrem Druck uns unter dem Zwange des derzeitigen Extstenzkampfes dieses Laufbahn­nachwuchses hat der Verband feinen grundsätzlichen Stand­punkt zur Frage ier verheirateten Beamtin: Recht auf Ar­beit und beim freiwilligen Ansfcheiden eine ausreichende Abfindungsfumme als Ausgleich für die aufzugebenden verfassungsmäßigen Rechte, für die Dauer der jetzigen Not­zeit znrückgeftellt. Er wünscht eine befristete gesetzliche Re­gelung. die zwar zwangsweises Ausscheiden der verheirate­te» Beanttin, aber Prüfung jedes Falles binfiditlitfi der wirtschaftlichen Versorgung, Sicherungen für die Entschei­dung darüber fowie die Möglickkett der Wiederannahme der ausgefchiebenen verheirateten Beamtin vorsieht. Eine an» gemeßene Abfindungssumme für die aufzugebende» An­wartschaften wirb -ringend verlangt.

Kasseler Bauanträge

8erwidmt6 ber beim Baupolizei«art eingegengeee« Bau- Anträge in ber Zeit vorn 1. bis 1. Oktober.

Pfafienbach, H. iAusf. D. D. Mees) Errichtung einer Ma» lerroerfitait, Weidstücker Straße 11.

Spangenberg, Nik. (Ä. Nündel) TeilungderWohnnngenim 1. bis 3. Stock Hohenzollernstratze 90.

Walger. Wilh., Bäckermeister (Ina. Karl Grandjot) Ein­bau einer Glasveranda, Hohenzollernstratze SO.

Drude. Emil lA. Dörtngshoff) Entwässerungsanlage Golb- bergstratze 11.

Säckel, H., Polizeimeifter tzG. Sauer jun.), Errichtung einet Garage Bölkeftratze 1.

Marstaller. 6. (Tech». Damm) Anbau einer Abortanlage Leipziger Straße 821.

Käckel, H., Errichtung einer Etntriedigung Bölkefttaße 1

Rhenania-Osiag Mineralölwerke, Tankstelle bei Krönet, Wolfhagerftraße 117.

Rbenania-Ossag Mineralölwerke, Versetzung bet Pumpe». Großtankstelle Letvzigerfttaße.

Glaslontor G. m. 6. H. (A. Hartmanns Wellölechgarage Söhreftraße 15.

Elie Koch und Karl Wille (K. Wille, Bergmanuftr. 41) Wohnhausneubau Wilhelmshöher Allee 168.

D. Noll. «egierungejCberieZretär (M. Kuhnert) Smstiedi. gütig, Döncheweg l 6.

Groß, Paul (Att Aerharbt u. Schäfer) Einfriedigung Es. matchstraße 62.

Kavve. H. (Att, Gerhardt u. Schäfers Einfriedigung Es-

Wedekind, W Einrichtung einet Wohnung im Stitenflugel (Lagers ZMgratenntaize 116)4.

Saiomberg, Wtlb. läng. Beghe, VerkaufshänSchen an bet Berliner Brücke

Müller, Ilfe (Ä.: Karl Wtttrocks Wohnungsneubau Große Steinbrette.

Salinski. I. u. 8. (B. ©reger) Einrichtung oon zwei Bäben Stahlbau Fulbabrücke.

Frank. Carl, öafenftr. 45. Einfamilieuwohuhaus, Umbachs­weg iEichwalbuedlung).

Nolte. Iah. iGg^Deifenroth) Errichtung einer Btlbbaner- werkftatt mit «chuppen Friedhofsweg.

Barte u. Zeriung (K. Büll, Bauing.i Berkatrfshäuscheu Holländtscheitraße, Ecke Strutr-aamtrea.

Wilhelm, C. (A.: Hartmann) Umbau und Wiederherstel­lung bet frühere» Auerbachskeller im Gilbebaus. Hollän­dische Straße 21.

Rüger, Georg (Schindler u. Schabe) Teilung ber Großwoh- nung int 2. stock Hohen,otzllernflraße 124.

Sigurd G. m. b. H. (3t.: Sichel-Leerss Um- und Erweite- innfläbau Leipziger Straße 134.

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