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Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
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Nummer 232*
Gonnabend/Sonntag/ 3./4. Oktober 1931
21. Jahrgang
Oie Umschuldung der Gemeinden
Oie Pläne der Reichsregierung / Verkündung der neuen Notverordnung erst Anfang nächster Woche / Amerikanischer Vorstoß in der Abrüstungsfrage?
Scharfe Kontrollmaßnahmen
Eigener Drahtbertchl.
Oer Witte zur Führerschaft
at. Berlin, 3. Oktober.
Wir find in der Lage, aus dem Projekt zur Umschuldung der Gemeinden einige Einzelheiten mitteilen zu können. Die kurzfristigen G e - m e i n d e s ch ul d e n, deren Regelung für die Vertrauenskrise des deutschen Kredits auch gegenüber dem Ausland von großer Bedeutung ist, werden in den Städten über 10 000 Einwohner einschließlich der Werkschulden auf 1,7 Milliarden veranschlagt, während die reinen Kommunalschulden 1,45 Milliarden betragen. Hiervon werden nach Abzug der reinen Kassenkredite, die durch den laufenden Betriebsbedarf gerechtfertigt sind, sowie nach Absetzung direkter Barablösungen na^ dem Plan der Reichsregierung
noch 800 Millionen konsolidiert werden müssen, d. h. sie werden unter Garantie des Reichs und der Länder in längerfristige Kredite umgewandelt, für die ein fester, in die Wirtschaft der Gemeinden voraussichtlich tief einschneidender Tilgungsplan aufgestellt wird. Das Verfahren wird wahrscheinlich so ausschen: Es wird eine „Umschuldungs- stelle" beim Reichsfinanzministerium zur Umschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten der Länder und Gemeinden gebildet. Ihr gehören an: je ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums, des Reichsbankdirekto- rtums, oes private» Vant- und Hypoihekengergcrves, der Reichskreditgesellschaft und der Regierung oder der Staatsbank des beteiligten Landes. Als ständigen Ländervertreter wird der Reichsrat einen preußischen Bevollmächtigten entsenden. Handelt es sich um die Umschuldung einer Gemeinde, so müssen noch ein Vertreter sowohl der Deutschen Girozentrale wie des zuständigen kommunalen Spitzenverband«» zugezogen werden.
Die Umschuldungsstelle -rt gegenüber dem Schuldner, d. h. der Gemeinde oder dem Lande, eine Reihe wichtiger Befugnisse.
So kann sie vom Schuldner die namentliche Angabe der übrigen Gläubiger verlangen. Die Gemeinde muß einen Ueberblick über ihre H au shalt s-, Kasse n - und Vermögenslage geben und selbst einen Tilgungsplan für ihre sämtlichen kurzfristigen Schulden vorlegen.
Das Verfahren der Umschuldung geht so vor sich, daß durch Ausgabe von Schuldverschreibungen und eine Festsetzung von Tilgungsraten oder durch eine dieser beiden Maßnahmen die bisherigen kurzfristigen Schulden abgedeckt werden. Die Umschuldungsstelle kann die Umschuldung davon abhängig machen, daß die Gemeinde sich verpflichtet, ihren Haushaltsfehlbetrag mindestens in Höhe der Hälfte der Zinsen- und Tilgungsraten durch Aus- gabensenkung und nur den Rest durch „sonstige Maßnahmen" zu decken. Im übrigen muß sie auf Verlangen der Umschuldungsstelle ihre Werkbetriebe (Gas, Wasser, Verkehr usw.) zunächst auf ihre Ertragsfähigkeit hin revidieren lassen, sodann aber auch kann verlangt werden, daß sie
aus die Tarife der Werkbetriebe besondere Abgaben oder Zuschläge
erhebt und deren Ertrag treuhänderisch verwalten läßt. Die Haftung für die oben erwähnten Schuldverschreibungen übernimmt das Reich, ihm gegenüber haftet das Land mit einem Drittel der Garantiesumme. Von der Gemeinde kann die Umschuldungsstelle 'verlangen, daß sie zwecks Mithaftung Ver- mögensteile treuhänderisch übereigne^, und ohne Einvernehmen mit der Umschuldungsstelle für die Dauer der Reichsgarantie keine neuen Schulden macht. Bleibt ein Land oder eine Gemeinde mit Zins- und Tilgüngsleistungen länger als einen Monat im Rückstand, so kann das Reich die Steuerüberweisungen entsprechend kürzen.
Die Schuldverschreibungen, mit deren Hilfe die Umschuldung erfolgen wird, sollen mit 7,% Prozent verzinst und in 17jähriger Laufzeit getilgt werden.
Diese Umschuldungsbestimmungen sollen bereits durch die bevorstehende Notverordnung in Kraft gesetzt werden.
Notverordnung erst Dienstag
th. Berlin, 3. Oktober.
Die Reichsregierung hat auch gestern den ganzen Tag über bis in die Nachtsmnden die Beratungen an der neuen Notverordnung fortgesetzt, aber es wird trotzdem nicht möglich sein, die Verordnung, wie es ursprünglich geplant war, am heutigen Sonnabend zu verkünden. Vielmehr rechnet man jetzt mit dem Dienstag abend als Termin der Veröffentlichung. Die Verordnung wird insgesamt etwa 30 einzelne Punkte umfassen,
von denen wir die wichtigsten bereits vor einigen Tagen mitgeteilt haben.
Es ist nun noch die Frage aufgetaucht, ob eine Ermächtigung an die Privatindustrie zur Herabsetzung von Gehaltsbezügen ebenfalls in die Verordnung ausgenommen werden soll. Nachdem dies bisher allgemein bezweifelt wurde, glaubt heute die dem Kanzler nahestehende „Germania", daß dieses schwierige und stark umstrittene Problem doch noch in diese Notverordnung mit ausgenommen werden soll.
Erst nach der Veröffentlichung dieser Notverordnung wird die Reichsregierung an die eigentlichen Wirtschastssragen Herangehen, und zum Zwecke der Vorbereitung des großen Wirtschaftsprogramms wird der Reichskanzler im Laufe der nächsten Woche eine Besprechung mit den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer herbeiführen. Selbstverständlich wird es sich dabei vor allem um die L o h n 1 a r i f e drehen, da die Frage einer Herabsetzung der Tariflöhne den Kernpunkt der neuen Maßnahmen bildet. Es ist dagegen noch nicht entschieden, ob dieses Wirtschaftsprogramm schon binnen kurzer Zeit ebenfalls durch Notverordnung verkündet werden wird. In Gewcrkschaftskreisen vermutet man allerdings, daß schon in der zweiten Oktobe r h ä l f t e eine neu- Notverordnung folgen soll, die dann das große Problem der Löhne und der Arbeitsmöglichkeiten betreffen wird.
Die österreichische BUdgetsanierung. Der Finanz- uiD Budgetausschuß des Nationalrates hat Sonnabend früh mit allen Stimmen gegen die eine Stimme des Heimatblocks die im Budgetsanierungsgesetz enthaltenen Vorlagen genehmigt. Ueber die Vorlage wird in der heute nachmittag stattfindenden Sitzung des Nationalrates abgestimmt werden.
Washington, 3. Oktober.
Im Staatsdepartement fand gestern eine siebenstündige Besprechung Mischen Staatssekretär S t i m s o n und dem Sachverständigen für Abrüftungsfragen, Senator Morrow, statt. Ueber den Gegenstand der Konferenz, an der auch der Generalsekretär der amerikanischen Delegation der Genfer Abrüstungskonferenz, ferner der Referent für Westeuropa und der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung teilnahmen, wird Stillschweigen bewahrt.
„Baltimore Sun" will aber aus angeblich guter Quelle erfahren haben, daß man den Entwurf eines Sicherheitspaktes ausgearbeitet habe, der entsprechend französischen Wünschen weitergehe als ein bloßer Konsultitavpakt. Diesr Plan solle es Frankreich und Polen ermöglichen, Abstriche bei >' ihrem Landheer vorzunehmen und einer den deutschen | Wünschen entgegenkommenden Regelung der polnischen Korridorfrage zuzustimmen, damit im Osten Europas das Gefühl stabiler Verhältnisse hergestellt werde.
Oie Vorbedingung
„Journal" über die Fortsetzung der deutsch-franz. Annäherungspolitik.
Paris, 3. Oktober.
Im „Journal" erklärt Saint-Brice am Sonnabend, daß das Weiterbestehen des Kabinetts Brüning die erste Vorbedingung für die Fortsetzung der deutschfranzösischen Annäherungspolitik sei. Diese Tatsache liege auf der Hand, da die in Paris und Berlin angebahnte Verständigung in hohem Maße auf dem Vertrauensverhältnis zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Laval und dem Reichskanzler Brüning beruhe. Man müsse jedoch feststellen, daß Dr. Brüning schwere Stunden durchmache, da der Sturz des Pfundes die deutsche Finanzkrise noch schwieriger gestalte. Die Bilanz der Reichsbank lege für die Rückwirkungen der englischen Vorgänge auf Deutschland beredtes Zeugnis ab. Die Kredite seien eingefroren und alle Versuche, eine Rückführung der Kapitalien aus dem Auslande zu veranlassen, hätten sich als nutzlos erwiesen. Deutschland halte sich nur noch durch seine Handelsbilanz. Das einzige Mittel, die Aktivität der Handelsbilanz aufrecht zu erhalten, bestehe in einer Herabsetzung der Produktionskosten, was wieder- 'mn eine Herabsetzung der Löhne und Gehälrer zur Be-
W. P. Nun kommt allmählich auch für die letzten der fast sechsmal hundert Mann, die hinter ihrem Namen das M. d. R. setzen können, die Zeit, daß die Koffer für die Fahrt nach Berlin gepackt werden müssen. In den Fraktionszimmern und in den anderen kleinen Sitzungssälen, die das „Dem deutschen Volk" geweihte Haus am Platz der Republik enthält, herrs<Ä schon jetzt Hochbetrieb: Man formiert Fronten, man schreibt seine parteipolitischen Wunschzettel, man fitzt in den Ausschüssen zusammen, man zitiert das oder jenes Mitglied des Kabinetts vor diese Gremien, und man verdaut je nach Temperament um» parteipolitischer Stellung leichter oder schwerer die Enttäuschung, die der Minister oder der Ministerialdirektor mit der in höflichem, aber bestimmtem Don vorgetragenen Auskunftsverweigerung weckt. Und wie lange wird es noch dauern, dann ist der dreizehnte Oktober da! Dann werden die Kolonnen der Abgeordneten auch in den Plenarsitzungssaal einmarschieren, und dann wird der Reichstagspräsident durch ein Glockenzeichen verkünden, daß die parlamentslose Zeit für ein paar Tage ihr Ende erreicht hat!
Sie sind wie im Fluge dahingegangen, diese sechs -Monate Ferien vom Parlament, von Mißtrauensvoten und anderen parteipolitischen Attacken, die sich der Kanzler so um Ostern herum erkämpft hatte. Damals glaubten die Männer um BrOuiNg, daß die Frist, die ihnen gewährt wurde, reiasttey genug bemessen fei, um die große Sanierungsaktion vorzubereiten und dann in Ehren vor dem Reichstag zu bestehen. In jenen Frühlingstagen lobten sie noch in der Hoffnung, daß sich im Laufe des Sommers vieles, wenn nicht sogar alles zum Guten wenden werde, und daß die Bilanz: die im Herbst vor dem Parlament aufzumachen sei, manchen ansehnlichen Posten auf der Aktivseite ausweisen werde. Und heute? Heute wäre es ihnen vielleicht am liebsten, wenn diese Rechenschaftslegung noch ein paar
dingung habe. Es frage sich nur, ob die Arbeiterschaft und die politischen Parteien zu derartigen Opfern bereit seien.
Neue Schwierigkeiten in London
London, 3. Oktober.
Die Schwierigkeiten innerhalb des englischen Kabinetts sind entgegen der am Freitag abend in politischen Kreisen herrschenden Ansichten noch nicht behoben.
Wichtig für die weitere Entwicklung ist, daß der linksliberale Lorv Grey eingegrifsen hat und in einem Briefe, der in der „Times" veröffentlicht wird, die Liberalen äuffordert, das Programm der Arbei- terpatei zu bekämpfen. Im Anschluß hieran setzt sich die „Times" für ein Gentleman-Abkommen zwischen den Konservativen und Libera- l e n ein, um so Sir Herbert Samuel das Verbleiben im Kabinett zu ermöglichen. Sie fordert von den Rechts-Konservativen, im Interesse der nationalen Einheit, ihre extremen Zollforderungen zu dämpfen.
Pfund-Entwertung und englische Industrie
London, 3. Oktober.
„Daily Telegraph" bringt eine Zusammenfassung über die Auswirkungen der Pfundentwertungin derenglischenJndustrie nach dem Fallenlassen des Goldstandards. Besonders stark macht sich diese Auswirkung bisher wieder in der Schiffahrt, dem Kohlenbergbau sowie in der Maschinen-, Woll-, Kunstseiden- und Holzindustrie bemerkbar. Die Erwerbslosenziffer ist hierdurch z. B. im nordwestlichen Jndustriebezirk von etwa 21000 auf 13865 in den letzten 14 Tagen zurückgegangen.
Im Gebiete von Lancashire hat die Beschäftigung der Baumwollindustrie den besten Stand seit drei Jahren erreicht. Sogar chinesische Bestellungen sind zum ersten Male seit drei Jahren wieder eingelaufen.
Die Frachtsätze nach der Ostsee hatten bereits eine Steigerung von 3 Schilling Pro Tonne erfahren, sind jedoch in pen letzten Tagen wieder etwas zurückge- gangen.
Monate hinausgeschoben werden würde. Gewiß, in mancher Hinsicht ist mehr, ist Bedeutsameres geschehen, als erwartet werden konnte! Die Botschaft Herbert Hoovers war schlechthin ein Wunder, ihre Verkündung war ein Ereignis, das die Diskussion über die Reparationsfrage energischer in Gang brachte, als es je eine Moratoriums-Erklärung oder sonst ein deutscher Schritt vermocht hätte. Aber dann kam das andere, das Bittere, das.uns um den Ertrag dieser amerikanischen Hilfsmaßnahmen brachte: Der Abzug der Auslandskredite, der Zusammenbruch der Banken, die Auswirkungen der Deflation, die Verschärfung der Wirtschaftskrise auf der ganzen Linie und schließlich der Abbruch der Zollunionsaktion in Gens. Und wenn uns auch die tröstliche Gewißheit geblieben ist, daß es in der Reparationsfrage nach dem Ablauf des Stillhalteabkommens kein Zurück geben kann, so verblaßt doch dieser Trost vor den vielen Sorgen, die uns geblieben sind, und die wachsen werden, je mehr wir uns dem Winter nähern. Irgendwie fühlen wir alle, daß die Ordnung, die von der Regierung durch ein Massenaufgebot von Notverordnungen geschaffen worden ist, nichts Dauerhaftes ist, daß die Gefahren noch nicht endgültig gebannt sind, weil nur die Symptome und nicht die Ursachen der Krise beseitigt wurden. Und dieses Gefühl hat jene Spannungen geschaffen, unter denen das deutsche Volk heute lebt; es hat die Kritik geschärft, der die Reichsregierung ausgesetzt ist, und es mündet schließlich in die große unrnhevolle Sehnsucht, die immer wieder und überall hervorbricht: In die Sehnsucht, daß die zu Führern Berufenen endlich Beweise ihres Führerwillens und ihres Führenkönnens geben möchten!
Niemand wird die Anklage erheben wollen, daß die Mitglieder der Reichsregierung und daß insbesondere der Kanzler es während der letzten Monate an Eifer hätten fehlen lassen. Sie sind unermüdlich tätig gewesen, und Wenns auch auf diesem oder jenem Posten der Regierung Versager gegeben hat, so ist es im großen und ganzen doch gelungen, die Folgen der Katastrophe^ die während dieses Sommers über uns hereingebrochen sind, abzuschwächen, in manchen Fällen sogar auszugleichen. Mit dieser' Feststellung wird anerkannt, was an der Arbeit der Regierung anerkennenswert war, es wird aber zugleich auch angedeutet, daß das Letzte, das Höchste, das Entscheidende undurchgeführt blieb, ja daß seine Durchführung bisher überhaupt nur selten versucht wurde: Der wirkliche Staatsmann und der wahrhafte Führer wird sich niemals damii begnügen, die Schäden, die der Sturm auf dem von ihm befehligten Schiffe angerichtet hat, zu reparieren, sondern er wird feine vornehmste Aufgabe darin sehen, das Schiff aus der Gefahrenzone hinauszu- führen und die Ausrüstung überdies so zu vervollkommnen, daß es neuen Ueberraschungen besser als zuvor zu trotzen vermag. Reichskanzler Brüning hat sich vor kurzem, als er Carl Duisberg, dem Führer der Deutschen Industrie, zum siebzigsten Geburtstage die Glückwünsche der Reichsregierung überbrachte, ausdrücklich zu dem so verstandenen Führergedanken bekannt. Dürfen wir diese Worte als ein Gelübde für die Zukunft nehmen, als ein Versprechen, daß die Mechode der Vergangenheit überwunden wurde, und daß statt der Reparaturen nach dem Unglück ein alle ungünstigen Möglichkeiten berücksichtigendes Arbeiten aus weite Sicht treten soll?
Wir wünschen nichts dringender, als daß die Brü- ningsche Politik diese Deutung der Kanzlerrede rechtfertigen werde. Und wenn etwas diesen Wunsch verstärkt, dann ist es die Erkenntnis, daß unser Volk gerade heute eine starke Führerschaft braucht. In einer Zeit, in der das Alte und das Neue in erbittertem Kampfe liegen, in der die Frage, ob das bischerige System des wirtschaftlichen uns des geistigen Lebens erhalten, ob es erneuert oder ob es beseitigt werden soll, entschieden wird, ist bei einem führerlosen Volke die Gefahr riesengroß, daß es das allen Klassen Gemeinsame, das Verbindende über dem, was die einzelnen Gruppen in materieller und weltanschaulicher Hinsicht trennt, vergißt. Wir haben in den letzten Tagen die Kundgebung der Wirtschaftsverbände gelesen, und wir haben dann die Antwort, die den Unternehmern von den Gewerkschaften erteilt wurde, vernommen. Diese Erklärungen ließen erkennen, welche Kräfte heute um die Gestaltung unseres Weltbildes ringen, und sie gaben uns zugleich eine Vorstellung davon, wie stark der Zusammenstoß der Meinungen und Interessen ist: Hier die Ansicht, daß das kapitalistische System an sich gesund sei, und daß nur die Rückkehr zum unverfälschten »/individualistischen Wirtschastsprogramm" die Rettung bringen werde, und dort die Ueberzeugung, daß alle Nöte unserer Zeit Fehler des bisherigen Systems seien, und daß der Weg zur Gesundung nur über die Verwirklichung staatssozialistischer Ideen gehen werde. Diese Geensätze beherrschen — in der-
Ein neuer Sicherheiispaki?
Eigener Drahtbertchl.