Einzelbild herunterladen
 

Montag, 28. September 1931

Äeffeler 7!eueste TlachrlAbm

Seite 3

Die heutige Wimmer mW 12 Seiten

loffen mutz.

tot, und in der Beschaffung von Arbeiisrnoglichkett, welchem Zwecke vor allem Vie großarngen Bauten bienten, Vie schon gegen Ende der Republik begonnen und in de Kaiserzeit fortgesetzt wurden; ein drtttes Mittel jur Entlastung der Hauptstadt war die Aus- fenbuna von Kolonisten, so J- B. zum Wiederauchau von Korinth und Karthago, und die Massenauswet- sung. wovon im Jahre 187 v. Ehr. 12000 in Roiu ansässig« Latiner und im Jahre 6 n. Ehr. sämtliche Fremden mit Ausnahme der Aerzte und griechtschen Grammatiker betroffen wurden. In Konftantirwpel, wo in Be.rug auf Uebervölkerung und Arbeitslosig- koit ähnliche Verhältnisse herrschten, war eine Qua- stur, eine Art polizeilicher Melde- und Vermittlungs­stelle, eingerichtet, die den Zugang an Fremden kon­trollierte und dafür sorgte, daß diese nach Erledigung ihrer Angelegenheiten möglichst schnell aus der Stadt verschwanden. Erwerbslose wurden in öffentlichen Betrieben beschäftigt, wer es an Fleiß fehlen ließ, wurde ausgewiesen, unbehelligt blieben nur alters­schwache und gebrechliche Personen. Sogar in den überseeischen Verkehrsplätzen übte diese Quastur durch Zweigbüros ihre Fremdenüberwachung aus.

Di« Arbeitslosigkeit ist eines bet schwersten Pro­bleme, die Krieg und Weltwirtschaftskrise den von ihr betroffenen Ländern zu lösen aufgegeben haben, aber es wäre ein Irrtum, anzunehmen, datz sie erst eine Erscheinung der Neuzeit fei. An dem gleichen Nebel, so lesen wir in einem von Professor Dr. Rü­ger in den .Wiener Blättern für die Freunde der Antike- veröffentlichten Aufsatz, dessen Gedankengän- gsn wir folgen, litten schon die Grotzstädte des Alter­tums, besonders Rom und Konstantinopel. Die Ka­lamität in Rom begann, als das Proletariat der unbemittelten Freien durch die oft in großem Um­fang erfolgt Freilassung von Sklaven durch den Zu­zug kleiner, aus ihren Besitzungen von den Groß­grundbesitzern ausgekaufter Landeigentümer und durch die besonders seit Beginn der Kaiserzeit ein- setzende Masseneinwanderung ans Italien und den Provinze-n so stark vermehrt wurde, daß fast alle Be­rufe überfüllt waren und eine Arbeitslosigkeit ent­stand, die nur durch staatliche Fürsorge gemildert werden konnte. Diese bestand in der

Verteilung von Getreide und Geld, sowie in freiem Zutritt zu den Spielen,

von woher sich der Rus .panem et circenfes" ablei-

Eine Stunde Bach im Spohr-Konservatorium.

Ein recht interessantes Experiment führte Adolf Maser mit den Schüler« des SPohr-KonsvrvawriumL

Auf dem alten Friedhof in Blankenburg am Harz liegt ein einsames Grab, das heute noch von freundlichen Händen gehegt wird. Es birgt seit eben hundert Jahren die sterblichen Reste einer Frau, die in ihrer Zeit und in ihrem Lebenskreis eine unge­wöhnliche Rolle gespielt und ihr Wesen weniger viel­leicht in ihren geistigen Schöpfungen als in ihren zahlreichen Nachkommen der Welt lebendig hinterlas­sen hat. Me als verwitwete kurhessische Kriegsrätin Engelhard auf einer Reise fast fünfundsiebztg Jahre alt verstorbene Tochter Philippine des hervor­ragenden Historikers Callerer aus Nürnberg, der sich an der Universität Göttingen eine führende Stellung geschaffen hatte, war als junges Mädchen durch ihren Vater, der sich selbst aus der Tiefe des Daseins emporgearbeitet hatte, zu bewußter Geistig­keit erzogen worden. So kam sie früh mit geistigen Menschen, die in ihrem Elternhause verkehrten, zu­sammen, atmete die Atmosphäre des Hain­bundes ein und erlebte Vie Genugtuung, datz Ge­dichte von ihr ohne ihr Wissen in den Bossischen Musenalmanach aufgenommen wurden Beweglich­keit und Heiterkeit machten das junge Geschöpf dem Göttinger Dichterkreis lieb und teuer, und insbeson­dere wat es der problematische Bürger, der sich von der To-^er des Professors Gatterer angezogen fühlte und, wie er ihr später einmal wehmütig nach Kassel schrieb, .die hundert Haus- und Gartensleu- retten" mit ihr trieb, ein schnurriger Knabe", tote er selbst sich nannte, der in all' seinem .Homeren mit Phil'^vine feinerarmen Sündhaftigkeit" nicht quitt zu werden vermochte.

Ihn traf es denn wohl am härtesten, als Pbilip- pine Gatterer, di« sich in Kassel von dem hoch- berühmten Johann Tischbein für den Vossiscken Musenalmanach malen lietz, dort einen kurhesftscken Kriegssekretär namens Philipp Engelhard kennen gelernt hatte, einen Sohn von Regnerus Engelhard, dessen vorbildliche Beamreneigenschaflen in seinem Erstgeborenen sich wiederholten, und mit diesem Mann, der in allem das gerade Wideriptel des jungen Mädchens war, sich verlobte, um ihm als­bald zu lang« und glücklicher Ehe nach Kassel zu folgen _ r

Wer die poetischen Versuche, die Philippine Engel­hard in mehreren Bänden unr> in vielen Zeitschriften «nd Jahrbüchern veröffentlicht hat, auf ihren eige­nen Wert hin sachlich prüft, wird bald zu der Ueber- zeugung kommen, daß sie nur im engsten Zusam­menhang mit dem gelebte «geben, das st? nur allzu treulich spiegeln, einen Anspruch auf Be­achtung erheben können. Wie die Göttinger Dichter

der' Partei» d. h. irgend ' einer Zitierung endgültig beseitigt

Im Zentrum der Auseinandersetzung der nächsten Jahre wird das Problem der internationalen Ver­schuldung stehen. Soeben hat es ein neues Gesicht bekommen. England Hai die Einlösung des Pfundes in Gold aufgehoben. Es erhebt sich die bange Frage, was soll Deutschland tun? Zunächst mutz man die Nerven haben, die Wirkungen des englischen Vorgan­ges abzuwarten. Aber eins mutz man bei dieser Ge­legenheit feststellen:

Es darf deutscherseits nichts unternommen werden, was irgend nach einer Inflation auch nur aussieht. Sie wissen, daß ich de« Standpunkt eingenommen habe, daß man die Defla­tion nicht künstlich übertreiben darf, aber ich »erbe mich dagegen wehren, wenn von irgend einer Seite der Gedanke voraebracht werden sollte, durch eine Abwertung der Mark zu helfen.

Giaaispartei für Reichsreform

Der Reichsparteitag der Staatspartei Reichssinanzmimfier Dietrich: .Ich werde um Durchführung der Kleinsiedlung kämpfen

Verantwortlich für den politischen Teil. Dr. Walter P e b n t: für das Feuilleton: German M. Bo na», für -en lokalen Teil: Dr. Hans I o a ch i m G l a tz c r. für den H-imatt-tl: Rn do lf Gk« f er; für Handel: Dr Hans Lange »berg; für den Svorttett: H er - 6 c rt 2 vcich: Photo - Redakteur: Eduard »chulz- K e f f e l; fürJtoeiacnteU: i V. R o b e r t »arm e n er Berliner «chnttleitunä: Dr Walter Tbum Bei­lin SW. 68. Druck und Verlag: Kasseler Neueste Nachrichten G. m. b. H.. Kassel. Kölnische Straße 10.

Noch dem Vorbild Englands!

Schweden und Norwegen heben vorübergehend die Goldwährung aus.

Stockholm, den 28. September.

Die Regierung hat am Sonntag auf Antrag der Reichsbank und im Einverständnis mit der Reichs- schuldeiwerwaltuitg der Reichsbank die Genehmigung erteilt, für die Zeit vom 28. September bis 30. No­vember 1931 den Goldstandard zu suspen­dieren. Wenn die Verhältnisse es erlauben, kann die Bank schon früher zur Goldparität zurückkehren. Gleichzeitig hat die Regierung eine Bestimmung er­lassen, nach der nur die Reichsbank oder ausländische Zentralbanken Gold in Münzen oder Barren expor­tieren dürfen. .

Als Grund ihres Antrages erklärt die Reichsbank: Die Krise des internationalen Zahlungsverkehrs, die besonders während der deutschen Krise im Juli zum Vorschein kam, wurde durch die Suspendierung des Goldstandams durch England sehr verschärft. Durch diese Verhältnisse sind Schwierigkeiten entstanden, das schwedische im Auslände plazierte Kapital zurückzu­bekommen. Anläßlich der großen Unruhe, die die Maßnahmen Englands innerhalb und außerhalb Schwedens hervorgerufen haben, stieg in der letz­ten Woche die Nachfrage nach Gold und ausländischen Zahlungsmitteln sehr be- deutervd. Die Nachfrage mutzte größtenteils von der Reichsbank befriedigt werden. Der Bestand der Reichsbank an Gold und auslänidischen De­visen, der während des Sommers u. a. infolge der Zurückziehung ausländischen Kapitals aus Schweden stark vermindert wurde, ist während der letz­ten Woche um weitere 100 Millionen Kronen gesun­ken. Die Hoffnung der Reichsbankleitung, einen aus­ländischen Kredit zu erhalten, durch den den Abhe­bungen begegnet werden könnte, ist jedoch fehlge­schlagen. *

Oslo, 28. September. Me norwegische Re­gierung hat die vorübergehende Aufhebung des Goldstandards verfügt und die Ausfuhr von Gold verboten.

Mtmatum an Seyvewih

Berlin, 28. September.

das Talent Philippinens überschätzten, fo überschätzte Philippine selber das, was dieses Talent in leich­ter Anlehnung an Wieland, Gleim, Hagedorn he c- vorbrachte. Es ist für die Einstellung dieser Frau, die jede Gemütsregung unmittelbar zu P aprer brachte, die Umstände mochten fein, wie sie wollten, kennzeichnend, daß der Besuch, den Goethe ihr in Kassel machte, keinen Eindruck hinterließ. Die une> lerische Eedankenpoesie des Rokoko war Bereich und Grenze ihrer Reimkunst, als deren beste Eigenschaft die Unbefangenheit erscheint, mit der sie ihrer nickt selten selbstgefälligen, flüchtigen und formlosen Schwatzsucht ihren Lauf läßt. So sind ihre Gedichte beute nur mehr dem etwas, der ihrem Leben nackfpürt un» in diesem Leben das Wesen einer Zeit, die unwiederbringlich vorüber ist, ge­spiegelt finden will. .

Dabei war Philippine Engelhard eine keineswegs oberflächliche Natur. Mochte sie auch die Kasse­ler Gesellschaft, deren Umgangsformen an be­stimmte Anschauungen gebunden waren, zunächst brünieren durch die genialische Art, in der sie jich über diese Anschauungen hinwegsetzte sie letzte sich dennoch durck und genoß die Freund,chatt be­deutender PersönlicAeite«. Tas Dnbsknbentenvet- zeichnis ihres zweiten Gedichtbandes umfaßt,, den Landesherrn und den Hof mit eingefchloffen, fast alle fürstlichen, adeligen und vornehmen bürgerlichen Fa­milien des Landes, und unter den Besuchern des Engelhardschen Anwesens an der Wilhelms höher Allee es war das erste Bürgerbaus an biefer Straße finden sich Männer wie die Grimms, Lavater, Jung-Sttlling, und auch die Lcm- desnmtter verschmähte es nicht, die Frau Knegs- rätin Engelhard aufzusuchen, die selbst Mutter von zehn Kindern war: als dieser Besuch emmal sehr unerwartet kam uno Frau Engelhard eben in der guten Stube", das Iünaste badete und wickelte, warf sie kurz entschlcssen die Wäsche zum Fenster hinaus und brachte, den Säugling Ms Nebenzimmer, jo daß sie die Frau Landgräfin in gehöriger Weife begrüßen tonnte. . .

So war Philippine Engelhard, ernChampag- ner-Wefen, dessen Schwächen in feiner lrterari- fchen Betätiguna wie in ihrem menfchlichen Verhal­ten. beispielsweife in einer hemmungslofen Wohl­tätigkeit, zutagetraten und manchen Konflikt her­vorriesen, immer wieder jedoch überstrahlt wurden von einer persönlichen Anmut un d L i ebene« Würdigkeit, der sich nur die Spießbürger und der Pöbel entzogen. Deshalb darf und soll auch die Nachwelt an ihrem hundertsten Todestag nicht ver-

vor. Zur Anregung des Musikunterrichts wuroe eine Stunde int Saale des Konservatoriums veran­staltet, zu der Eltern und Freunde der Schuler ge­laden waren. Auf diese Weise hoffte nran einerseits den Unterricht abwechselungsreicher und fesselnder zu gestalten, andererseits aber den Eltern die erworbe­nen Kenntnisse in Theorie und Praxis in Form von anregenden Betrachtungen über die vorgetrageneil Werke sowie die historischen Zusammenhänge zu ver­mitteln.

Zur Diskussion' standen die 15 Inventionen von F S Bach und Adolf Maser verstand es in der Tat, diese von Bach selbst lediglich als Hebungen gedach­ten Stücke in fesselnder Weise den Zuhörern nahe zu bringen und versäumte auch nicht, einiges über die verschiedenen Gebiete der Musik-Ausbilduiig (z. T. durch Schallplatten-Beispiele, einzuflechten, so daß zwoiseUos Eltern wie Schüler viel neue Anre­gungen mit nach Hanse nehmen konnten. Die In­vention» sechst wurden sämtlich von Schülern des Konservatoriums vorgetragen. Es waren betcmgi: Fkl Kuchenbuch, Oberbauer, Eckhardt, AlberLiug, Werner Amthauer, Bock, Bräutigam, Lotze, Geißel, Gramitz und die Herren Lippol und Reutz, die sich aus die Klassen Maser, Grotefend und Berend ver­teilen. Ein interessanter Querschnitt durch die Mu- sik-Erziehuna an dieser Anstalt, der aller Anerken­nung wert ist. =CT-

gessen, sich ihrer zu erinnern als eines Menschen, der in aller Menschlichkeit doch mehr gewesen ist als jedermann. G« T-

Kasseler Konzerte

Konzert zu Gunsten einer Studienhilfsklasse im Kasseler Konservatorium der Musik.

Neben den Sorgen um die unmittelbar« und wei­tere Entwicklung unseres Wirtschaftslebens g'tbt es wohl keinen zweiten Faktor, der im Augenblick das Interesse der Oeffentlichkeit mehr in Anspruch nimmt, als die Sorge um den Fortbestand unserer Theater und Kunstinstitute. Daß die Not der Zett auch die Heranwachsende Musikergeneration nicht ver­schont, sagt uns eindringlich genug das am Sonn­tag vormittag in den Räumen des Kasseler Konser­vatoriums der Musik veranstaltete Konzert zu Gun­sten einer StudienhAfskasse für unbemittelte Stu­dierende.

Einige Herren vom Lehrkörper der Anstalt hat­ten sich in dankenswerter Weise in den Dienst der guten Sache gestellt. An erfter Stelle ist der Pianist Ulrich Seliger zu nennen, der sich wieder einmal von seiner besten Seite zeigte. Makellofe Technik, klarer Aufbau und tiefes Einfühlungsvermögen siiid die drei Faktoren, die feine hohe Künstlerschaft gewähr­leisten. Herr Jakobs gab schon wiederholt Proben feiner guten geigerischen Veranlagung. Sein spiel ist sauber und flüssig, man vermißt jedoch im allge­meinen noch das Persönliche in Auffassung und Durchführung. Hermann Schleidens Tenor spricht in der tieferen Mittellage recht gut an, wenn auch die Stimme durch eine allzu gewaltsame Behandlung der höheren Lagen von einem mehr oder weniger hal- sigen Beiklang nicht frei wird.

Die Konzerte zugunsten der Studienhilfskasse fal­len im Laufe diefes Winters in regelmäßigen Ab­ständen wiederholt werden. Hoffentlich wird der Zweck dank der Unterstützung eiyes verftändmsvollen Publikums erreicht werden. Förderung unferer musikstudierenden Jugend ist uns zweifellos eine ebenso ernste Pflicht, wie die Erhalmng der Theater; denn hier wird für die Zukunft gewirkt und gebaut und die Unmöglichkeit zur Fortsetzung der Studien ftir den musikbegabten Nachwuchs muß zwangsläufig in der Zukunft zu Verhältnissen führen, die des Ru­fes des deutschen Volles, als eines der mufikaliffch- ften und produktivsten in der Musik, unwürdig und für uns undenkbar sind.

ruhten, war et jeder Bewegung und Sprache be­raubt. Eine hinzutretende Lungenentzündung netz jede Hoffnung auf Genesung schwinden. Mit entern ruhigen, fast heiteren Ausdruck seiner Augen schlief mein Vater ein. Am Nachmittag des 27. September ging er, ohne Todeskampf, in die Ewigkeit Hinüber. Still und ohne Aufhebens wurde der Tote auzgebahrt. Ohne besonderes Geleit, geschmückt mit einem Kranz des Landestheaters, fuhr der Wagen mit dem Sarg zum Bahnhof, vorbei an dem Hause, das er sich kurz vorher zum Heim erkoren hatte. Am 1. Oktober fand der Schöpfer der deutschen Märchenoper auf dem Waldfriedhof zu Stahnsdorf bei Berlin die letzte Ruhestätte." ____________

Eine Orgel mit Flügel. In dem jetzt der Stadt Dresden gehörenden Lingner-Schloß auf dem rechten Ewufer ist die Orgel wiederhergestellt worden. Sie erklingt jetzt wieder in den regelmäßigen Orgel- und Kammerkonzerten, die von Dresdner Mitgliedern des Reichsbrmdes deutfcher Tonkünsfler veranstaltet werden. Die Orgel hat 50 Register und ift mit allen modernen Einrichtungen versehen. Sie ist insofern ein ungewöhnliches Instrument, als Gehennrat Lingner, der auch eine wahrhaft künstlerische Natur war einen Flügel in die Orgel hat einbauen lassen, dessen Klaviatur als viertes über dem dritten Ma­nual liegt. Der Flügel kann an die Orgel gekoppelt werden jedoch nicht umgekehrt. Unter den Registern ist ein sehr hübsch wirkendes Glockenspiel bemerkens­wert Durch zahlreiche Kopplungsmöglichkeiten kön­nen Klangfarbe, Klangstärke und Klangrelchtum des Instrumentes in der mannigfaltigsten Weise gestal­tet werden. Mit besonderer Sorgfalt ist die vox Humana ausgeführt, die als sog. Frrnwerk einzig­artige musikalische Wirkungen erzielen laßt. Der Flügel überrascht durch Größe, Fülle und Warme des Tones, der unnterlidj' von der Orgel übernom­men und weitergeführt wird.

Weingartner-Uraufführung itt Aachen. Das Städti­sche Orchester in Aachen veranstaltet in der kommen­den Konzertsaifon 8 Sinfonie-Konzerte unter Lei­tung von Prof. D. P. Raabe nick 3 Kammermusik- abeNde. Beim ersten Konzert, das am 8. Oktober stattsind ei, wird ein Werk Felix Weingartners, Frühling", eine sinfonische Dichtung, uraufgefnhrt werden.

Berlin, 28. September.

I» Plenarsttzun^Ssaal des Preußischen Landtages wurde am Sonnabend unter starker Beteiligung aus dem ganzen Reiche der außerordentliche Reichspanei- taa der Deutschen Staarspartei eröffnet. Das Haupt- thema des ersten Verhanolungstages lautete:

Reichsreform und Preußen.

Das Referat Hilt Ministerial-Direktor Dr. Poetzsch. Heffter, wählens in der Aussprache u. a. der preußische Finanzminister Höpker- Aschoff das Wort ergriff. Er bezeichnete die Ver- toirtlidtono des Entwurfs der Ländcrkonferenz als beste und brauchbarste Lösung. Preußen dürfe nicht zerschlagen werden, sondern es handele sich darum, daß Preußen im Reiche aufgsht. Der Minister be­tonte ausdrücklich, daß er auch heute noch zu dem imVolkswirt" erläuterten Plan einer kühnen Tat jur Schaffung der Verwaltungsgemeinschaft stehe.

In einer einstimmig angenommenen Entschlie­ßung wurde die sofortige Vorlegung eines Reichs- resormgesetzes verlangt, das den Dualismus zwischen Reich und Preußen beseitigt und eine einheitliche nationale Staatsmacht bildet. Wei­ter wird Errichtung eines Reichsverwaltungsge- gerichts und di« Schaffung der deutschen Staatsan­gehörigkeit verlangt. Eine weitere Entschließung ries alle Parteimitglieder auf, sich in die große Kampffront gegen die Not Dort Millionen von Volks­genossen einzureihen.

Auf der Sonntogssitzung hielt ber Vorsitzende der Reichstagsfraktion und stellvertretende Parteiführer, Dr. August Weber, das Referat über die Ge- genwartsanfgaben der Partei. Der Redner befaßte sich u. a. auch mit den

Wöhrunfsfragen.

Die Gesundung der Wirtschaft kann nach Meinung des Redners nicht durch Währungsexperi­mente erzielt werden. Erste Voraussetzung sei vielmehr die Wiederherstellung des deutschen Kredits. Das Bestreben in der Wirtschaftspolitik müsse vor «llm auf weitere Aktivierung der Handelsbilanz aus­gehen. Deutschland könne nicht von sich aus durch Ankurbelung" seiner Wirtschaft die Weltkonjunktur wieder zum Ansteigen bringen. Es könne nur den Deflotionsdruck mindern. Auf diesem indi­rekten Wege werde man mehr zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erreichen als durch direkte Staats- eingriffe. Trotzdem dürfe man auch vor solchen nicht zurückschrecken, wo dadurch praktische Erfolge erzielt werden können. Die Staatspartei habe einen Prakti­schen Weg gewiesen. Es handele sich um die R ü ck - siedelnng der vorn Lande starnmenden Erwerbs­losen.

Reichsfinanzminister Die.rich

der Vorsitzende der Partei, führte u. a. folgendes aus: Die Tagung der Partei fällt in eine Zeit größ­ter Sorgen und weittragendster Umwälzung. Es ift in letzter Zeit so viel von den inneren Aufgaben des Reiches die Rede gewesen, von der filottoenöigleit, den unendlich vielen lawshungrigen Menschen ein Stückchen Land zu geben, auf dem sie eine Stätte neuer Tätigkeit finden.

Ich kann Ihnen verfprcchen, daß ich vor allem die Frage der sogenannten Kleinsiedlung in der Nähe der großen Städte mit edlen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, unter füllen werde. Ich habe den Gedanken ans den Plan gebracht, und ich werde um feine Durchführung kämpfen.

Die Reichsreform wird vielleicht weniger dringlich wenden aus der Tatsache heraus, daß eine große Anzahl der Länder sich in finanziellen Schwie­rigkeiten befindet, die eines Tages die Frage akut werden lassen könnten.

Aber diese Problem« treten heute zurück hinter dem außen politischen Geschehen. Die fran­zösischen Minister sind hier eingetrosfen, und man wird sich mit ihnen darüber unterhalten, wieweit eine Zusammenarbeit zwischen ihrem Land und dem unsrigen möglich ist. Ich möchte der Hoffnung Aus­druck geben, daß die heutige Zusammenkunft dazu beitragen möge, die Verständigung unter den Völ­kern zu fördern, und die wirtschaftlichen Sorgen zu erleichtern.

Wie aus maßgebenden Kreisen der srzialdemokra- tischen Partei erklärt wird, dürfte die Gesah rei- ner Spaltung der Partei, d. h. i nennenswerten Absplitterung endgültig sein, nachdem sich herausgestellt habe, daß in Amckau niemand hinter Seydewitz steht, wenn er ine Einheit (Der Partei zu verletzen suche. Mau könne das glet= ch« annehmen für alle übrigen Bezirke, da Sachsen bereits früher als Hochburg der Opposition galt. Der Parteivorstand der SPD. hat an die Reichstagsabge­ordneten Seydewitz und Rosenfeld brieflich die Aufforderung gerichtet, bis zum 28. September zu erklären, ob sie ben Beschluß des Parteiausschusses respektieren wollen oder nicht. Da Seydewitz bereits erklär!, daß er die ZeitschriftDie Fackel" trotz dieses Parteiausschutzbeschlusses weiter herausgeben will, kann man annehmen, daß Seydewitz die Partei vcr-

Bürgers Kasseler Freundin

Zum 10 0. Todestag der Kasseler Dichterin Philippine Engelhard.

Geistliche Abendmusik in der Lutherkirche.

Die Mitwirkenden bei der geistlichen Abendmusik waren dieses Mal außer Organist Heinrich Möller, Maraarethe Meyer-Hermann (2Üt) und Bruno Seesselberg (Cello). In der Sängerin lernten wir einen Alt kennen, der besonders nach der Tiese klin­gend und umfangreich ift; die Höhe kann dagegen nut mit Vorsicht gebraucht werden, da der Bruch nicht aus­geglichen ist und der Brustklang zu hoch geführt wird. Sie sang mit ruhigem Vortrag ausSamion von HändelO hör mein Flehu. allmächtiger Gott", .zwei' geistlich« Lieder" von I. S. Dach, und von Händel .Frühlingsauen, hold zu schauen". Bruno Deesselberg spielte von Marcello .Cellosonate tu e mit vier gleichwertig schönen Sätzen, von denen be­sonders der zweite .Allegro" in feiner Spielfreudig­keit a «spricht; von Friede«!. Bach »Grave in c", und von LooatelliAdagio in d spielte er mit schönem weichen Gesangston. Heinrich Möller sühne mit Präludium und Fuge in f* von I. S. Bach das Konzert ebn, und endete es mit HändelLargo und Allegro aus der Sonate in h, in der Mitte spielte er uns noch drei Choralbeaibeitungen über »Wer nur den lieben Gott läßt walten" von Ioh. G Wal­ter. Die Fuge von Bach und das Allegro von Han­del waren ein wirkungsvoller Rahmen für die Vor- tragssolgc. Hng.

Arbeitslosigkeit im Altertum

Und was der vtaat dagegen tat

Wie Humperdinck starb

Aus den (Erinnerungen seines Sohnes.

Als am 27. September vor 10 Jahren die Trauer­kunde die Welt durcheilte, daß der Schöpfer der klas­sischen MärchenoperHänsel und Gretel" in der meck­lenburgischen Landeshauptstadt Neustrelitz dahinge­schieden sei, da fragte man sich, wie der längst in Ber­lin heimisch gewordene Rheinländer nach der stillen Residenz am Zierker See verschlagen worben sei. Die Antwort darauf gaben uns die Erinnerungen, die sein Sohn Wolfram in denMecklenburgischen Mo­natsheften" veröffentlicht.

Der Vater war seinem Sprößlina gefolgt, der da­mals als Oberspielleiter in Neustrelitz wirkte. Hum­perdinck, den es stets nach dem Süden zog und der viele Reisen nach Italien, Spanien, Griechenland und Aegypten unternommen, ftitn erst am Ende seines Le­bens dazu, den herben Reiz der norddeutschen Land­schaft zu schätzen. Im Oktober 1919 wurde in Rostock die kurz vorher vollendete StudentenoperGau­deamus" von Humperdinck zum ersten Male aufge­führt, und auf den Rat des Komponisten würbe die Inszenierung des lustigen Werkes seinem Sohne übertragen. Der Erfolg war stark, und Humperdinck, der den Verlust seiner innigstgeliebten Lebensgefähr­tin noch nicht verwunden hatte, ließ sich durch die reiche Rostocker Geselligkeit wieder aufheitern. Zum zweiten Male kam er im September 1921 nach Meck­lenburg, und zwar zur Eröffnungsvorstellung der neuen Saison nach Neustrelitz, wo sein Sohn den Freischütz" inszenierte. Humperdinck fühlte sich in der neuen Umgebung sehr wohl, besonders in der hübschen Wohnung, die ihm einen Blick auf den ehe­mals großherzogltchen Trerpark mit den frei sich darin bewegenden Dammhirschen gewährte. Die ab­solute Stille des Ortes tat dem Kränkelnden wohl, und da «r immer ein großer Freund vom Pläne- schmieden war, so dachte er sogar Daran, sich ganz hier anzusiedeln, obwohl in Wannsee bei Berlin das Spielmannshaus" mit allen Bequemlichkeiten zum Üeberwintern auf ihn wartete. Mit dem Theater in Neustrelitz stand er in engerer Fühlung, besuchte Pro­ben und Aufführungen und war voller Interesse für die Einstudierung der neuen Oper von d AlbertRe­volutionshochzeit . Aber seine Tage waren gezählt.

Bei der ersten Wiederholung desFreischütz" am 25 Dezember," berichtet der Sohn,wurden mtr auf der Bühne bedenkliche Zeichen einer völligen Apathie meines Vaters mitgeteilt. Mit Mühe konnten wir ihn aus dem Theater ins Hotel bringen. Als ich mich nach der Vorstellung dort erkundigte, hörte ich, et {et eingeschlafen. Am nächsten Morgen wurde ich tns Hotel gerufen und sand dort alles in heller Aufre­gung. Die Katastrophe war eingetreten; ein Schlag­anfall hatte meinen Vater gänzlich gelähmt. Während seine Augen lebendig und mit tiefem Ausdruck auf mit

1