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Ar. 220*

Sonnabend, Sonntag, 19./20. September 1931

21.Jahrgang

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Neuert

Kasseler Abendzeitung Mt. Hessische Abendzeitung

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Deutschland fordert neue Kreditaktion

Schnelle Hilfe int not / Wieder Visumzwang in Spanien? / Die Bnleihepläne »er Reichsbahn / Schwere japanisch-chinesische Zusammenstöße

Vorstoß im Genfer Ausschuß

Eigene, Drahtberichl.

xx:

in ter entgegen!

Genf, 19. September.

Die deutsche Delegation hat im Wirt­schaftsausschuß der Völterbundsversammlung zwei Anträge eingebracht, die sich auf den Bericht der Wirtschaftssachverständigen des Europa-Ausschusses und auf den sogenannten Francqui-Plan beziehen. In der Entschließung über den Bericht der Wirtschaftssachverständigen heißt esu.a.:

Eine engere wirtschaftliche Zusammen­arbeit bildet eine wesentliche Voraussetzung für Milderung und Behebung der gegenwärtigen Wirt­schaftskrise.

Die geeigneten Mittel zur Erreichung dieses Zie­les gibt der Bericht des Ausschuffes der Wirtschafts­sachverständigen an. Der Ernst der Krise und die Not der kommenden Monate sondern die beschleu­nigte Durchführung aller Maßnahmen, von Venen eine Abhilfe erwartet werden kann. Aus diesen Er­wägungen nimmt die Völkerbundsversammlunz Kenntnis von der Entschließung des Europa-Aus­schusses, die europäischen Regierungen auszufordern, möglichst vor dem 1. Januar 1932 ihre Bemerkungen zu dem erwähnten Bericht einzureichen, und emp­fiehlt allen beteiligten Regierungen, bei ihren künfti­gen Beschlüssen den Grundsätzen dieses Berichtes Rechnung zu tragen."

Zum Francqui-Pla wird folgende Ent­schließung vorgeschlagcn: Die Schaffung der inter­nationalen Agrarkreditgcsrllschaft hat der Landwirt­schaft der beteiligten Länder die Möglichkeit geboten, zu mäßigem Zinssatz langfristige Kredite zu erhalten. In der gegenwärtigen Lage stellt die Erlangung lang- und inittelfristiger Kredite zu mäßigem Zinssatz auch für die anderen Wirtschaftszweige ein dringendes Be­dürfnis und eine notwendige Voraussetzung zur Ueberwindung der gegenwärtigen Krise und Mr Be­lebung des Handelsverkehrs dar.

Infolgedessen beschließt die Völkcrbundsversamm- lung, den Rat zu bitten, die zuständigen Organe des Völkerbundes zu beauftragen, unverzüglich unter Mit­wirkung des Herrn Staatsministers Francqui die Grundlagen der Schaffung eines internationalen Kreditinstitutes zur Gewährung lang- und mit­telfristiger Kredite in anderen Wirtschaftszweigen zu schaffen und so rasch wie möglich eine Konvention auf­zustellen".

Auf der Lauer..."

Paris, 19. September.

DerPetit Parisien" beschäftigt sich mit ver be­vorstehenden Reise der französischen Minister nach Berlin uns betont, daß es sich zweifellos um einen Höflichkeitsbesuch handele. Man sei es ver Emp­findlichkeit des französischen Volkes schuldig, nicht nur über Meldungen und politische Reden, sondern auch über die Form des Empfanges, den man in Berlin den Ministern zuteil werden läßt, Rechenschaft abzu­legen. Deutschland habe zwar von Frankreich keine Ratschläge entgegenzunehmen, aber es sei vielleicht erlaubt, auf gewisse Gelegenheiten aufmerksam zu machen, die man in Deutschland nicht immer ver­stehe. (!) In erster Linie sei da die französische Empfindlichkeit zu nennen, die an diesen Ta­gen mehr denn je auf der Lauer liege. Von ihren Ausströmungen seien die Aussichten einer deutsch- sranzösischen Zusammenarbeit abhängig. Das deutsch- französische Problem sei in erster Linie ein morali­sches Problem. Kein materielles Abkommen könne Dauer haben, solange Verdacht und Mißtrauen be­stehen. Man werde ja sehen, ob die Deutschen Fort­schritte in der Psychologie gemacht hätten.

Japanisch-chinesische Kämpfe um Mukden

Tokio, 19. September.

In der Umgebung von Mulden kam es zu einem Zusammenswß zwischen japanischen und chinesischen Truppen .nachdem Chinesen versucht hatten, die Brül­le der südmandschurischen Eisenbahn zu zerstören. Die Japaner nahmen die chinesische Garnison von Peita- hing gefangen.

Laut Mitteilungen der japanischen Militärstellen haben die Japaner den Gürtel der Stadt Mulden angegriffen und sind in den Platz eingedrungen, nachdem sic das chinesische Lager nördlich der Stadt besetzt hatten. Es kam im Innern Mukdens zu eini­gen Scharmützeln zwischen einzelnen Abteilungen ja­panischer und mandschurischer Truppen. Angesichts der ernsten Lage wurde beschlossen, das Hauptquartier der japanischen Kuangtung-Armee von Dairen nach Mulden zu verlegen. Ein neuer Zusammenstoß er­folgte bei Kuantschangtse nördlich Tschangtschun. Dort nahmen die Japaner die Stadt ein, die sie vorher beschossen hatten.

Eine unbestätigte Nachricht aus Mulden besagt, daß das japanische Geschützfeuer die Stadt Peitajing zerstört und mehrere hundert Todesopfer verursacht habe. Eine andere Meldung darüber sagt dagegen, daß die Japaner nur einige Schüsse abgefeuert hätten

*

Die Motive, die dem japanischen Vorgehen zu Grun­de liegen, werden von chinesischer Seite wesentlich an­ders als in der obenstehenden Meldung gedruckt. In Peking glaubt man, daß die japanischen Militär­behörden so unvermutet gehandelt haben, um die Chi­nesen zu zwingen, die Angelegenheit des Haupt­manns Nakamaru zu regeln, der dem japanischen Generalstabe angehörte und im Juli in der Mongolei ermordet wurde, angeblich von chinesischen Soldaten der Mukdener Armee.

Oie Kanarischen Inseln passiert!

Friedrichshafen, 19. September.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat dem Luftschiff­bau Zeppelin um 6 Uhr früh MEZ. folgenden Funk­spruch gesandt: 27,08 Nord, 16,40 West. Damit hat das Luftschiff die Kanarischen Inseln bereits passiert.

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Neupork, 19. September. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Pernambuco wird derGraf Zeppelin" vor seiner Rückfahrt zwei Fahrten über den Paulo-Afsonso-Fällen des Sao-Francisco-FIusses aus­führen. Der von diesen mächtigen Fällen aufgewor­fene Wasserstaub ist 16 Kilometer weit sichtbar.

th Berlin, 19. September.

Aus Madrid kommen Nachrichten, wonach die spa­nische Regierung plant, die E i n r e i s e b e st im m u n- g e n zu ändern. Es soll beabsichtigt sein, das deutsch­spanische Abkommen vom Oktober 1928, das den Sicht- vcrkehrszwang aufhebt, mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Das würde bedeuten, daß für Reisen nach Spanien wieder ein V i s u m cingeholt werden müßte, und zwar soll diese Regelung schon in den nächsten Tagen, man spricht vom 25. Seprember, in Kraft treten.

Entstanden ist dieser Plan sicherlich aus dem Be­streben der republikanischen spanischen Regierung, sich gegen unerwünschte politische Agenten des Auslandes zu schützen, also besonders wohl die r u s s i s ch e k o m- munistische Propaganda abzuwehren. Ob aber ein solcher Plan geeignet ist, den gewünschten Zweck zu erreichen, muß bezweifelt werden. Es hat sich bisher stets gezeigt, daß EinreisebeschränkungeE niemals unerwünschte Eindringlinge fernhalten konn­ten, sondern daß sie lediglich die Wirkung haben, den normalen Reiseverkehr zu behindern. Insofern würde die Einführung des Sichtvermerkzwanges einen Rückfall in Methoden bedeuten, die gerade von einer republikcnischen Regierung nicht angewandt werden sollten. Auch auf der Genfer Paßtonferenz vom Jahre 1926 wurde eine Erschwerung des internationalen Reiseverkehrs und der Beibehaltung oder Wiederein­führung des Sichtverkeßrszwanges ausdrücklich als unerwünscht bezeichnet.

Die Ablehnung solcher spanischen Pläne in Deutsch­land müßte besonders scharf ausfallen, weil man, wie es heißt, differenzierte Einreife be st im- m u n g e n schaffen will, sodaß etwa für Deutschland und bestimmte andere Länder ein derartiger Sichtver­merkszwang geschaffen würde, während Frankreich und Portugal von dieser Vorschrift befreit bleiben. Man muß wegen der Erschwerung der deutsch-spani­schen Beziehungen, die em solches Vorgehen mit sich bringen würde, erwarten, daß in Genf, wo ja zur Zeit der spanische Außenminister als Ratspräsident fun­giert, vorher Fühlung genommen wird. Es mutz jeden­falls versucht werden, auf diplomatischem Wege das Zustandekommen von Maßnahmen zu verhindern, die geeignet sind, die deutsch-spanische Zusammenarbeit zu schädigen.

(5m Interview Or. Wirths

Paris, 19. September.

DieRepubtique" veröffentlich: heute ein Inter­view, das eine Mitarbeiterin des Blattes mit Reichs­innenminister Dr. Wirth hatte. Nach bem Blatte, dem die Verantwortung für die richtige Wiedergabe der Unterredung überlassen bleiben muß, har Dr.

Dem:

W. P. Die Zeiten, in denen über unserem Leben ein schöner Schein lag, in denen der Optimismus die amtliche beglaubigte und allein zugelassene Weltan­schauung war, sino längst vorüber. Die Scheinblüte der Wirtschaft ist vergangen, seitdem die Flut der Auslandskredite verebbt ist, das Zauberwort Ratio­nalisierung hat seine Kraft verloren, und was frust etwa noch an optimistischen Vorstellungen in diesen oder jenen Kreisen erhalten blieb, hat in der jüngsten Vergangenheit so an Kurswert eingebützt, daß es nicht mehr notiert wird. Hinter uns liegen Monate, die reich an Enttäuschungen waren: Aus einem Sommer, der demWunder" der Hooverbot- schaft das Wunderbare genommen und die Welt um die besten Wirkungen eines großzügig gedachten Pla­nes betrogen hat, sind wir in diese Herbsttage ge­langt, über denen schon der Schatten der kommenden winterlichen Not liegt. Alle Illusionen sind verflogen, wir sehen die Wirklichkeit ohne Schleier, und wir wissen, daß die Zukunft, daß der Winter das deutsche Volk einer härteren Prüfung unterzie­hen wird, als es sie in der Nachkriegszeit zu bestehen gehabt hat.

Daß sich diese Erkenntnis überall, bei Regierenden und Regierten, durchgesetzt hat, ist der Gewinn, viel­leicht sogar der einzige Gewinn, den dieses Jähr un­seres Mißvergnügens bisher hinterlassen hat. Frei­lich auch hier gilt es eine Einschränkung zu machen: Nur dann darf dieser Posten auf der Aktivseite ver­bucht werden, wenn der Pessimisntus, der uns jetzt ergriffen hat, sich nicht überschlägt, wenn er vor allem nicht zur völligen Resignation, zur Verleugnung des Selbstbehauptungswillen führt. Die Gefahren, denen wir entgegengehen, zu erken-

Wirth unter anderem gesagt: Deutschland habe in letzter Zeit wie ein Schiff im Sturme mit den entfes­selten Elementen zu kämpfen gehabt. Die erste drohende Woge, rein politischer Natur, sei seiner Meinung nach abgeebbt. Jetzt handele es sich um die Gefahren der Wirtschaftslage. Die Frie­densverträge von Versailles müßten gemildet und humaner gestaltet werden. Als schlesischer Abgeord­neter müsse er besonders darauf Hinweisen, daß es notwendig sei, sich zu einer Revision der deut­schen Grenzen zu entschließen.

Hetchsbahnanleihe

und Arbeitsbeschaffung

th. Berlin, 19. September.

Das Reichskabinett, .das gestern keine Be­ratungen abhielt, wird heute vormittag über die fi- nanz-, wirischafts- und sozialpolittfchen Teile des Winterprogramms die Beratungen sortsetzen. Die Fertigstellung und Veröffentlichung der entsprechen- iren Notverordnungen wird für Ende der nächsten Woche erwartet, während die Veröffentlichung der Notverordnung über die Bankenaufsicht uno die Ak­tienrechtsreform bere»s heute erfolgt.

Ebenfalls wird sich das Kabinett heute mit den Anleiheplänen der Reichsbahn beschäf­tigen. Es handelt sich dabei um die Auflegung einer auf Feingotdbasis gestellten Anleihe, mit deren Er­trag ein Arbeitsbeschassungsprogramm, vor allem die Erneuerung von Rcichsbahnanlagen, vorsieht, finanziert werden soll. Man denkt an eine Anleihe von 200300 Millionen RM., die ähnlich wie die Hilferding-Anleihe von 1929 von der Ein­kommen-, Vermögens- und Erbschafts­steuer befreit fein soll, und infolgedessen einen verhältnismäßig niedrigen Zinssatz, etwa 4,5 Prozent, haben wird. Der Zinsendienst soll von der Reichs­bahn selbst übernommen werden.

Demnächst Rücktritt Dr. Curtius!

Düsseldorf, 19. September.

Ter volksparteiliche Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Düsseldorf, Staatssekretär z. D. Schmidt sprach vor einer dicht besetzten Verlrauensmännerver- sammlung der Ortsgruppe Düsseldorf über die gegen­wärtige außen- und innenpolitische Lage und über die Verhandlungen der volksparteilichen Reichstagsfrak­tion. Dabei betonte er unter anderem, paß die Haupt- soraen der nächsten Zukunft auf außenpolitischem Ge­biete liegen. Weiter sagte Schmidt, daß der Fall C u r t i u s wohl demnächst mit dem Rücktritt des Außenministers erledigt werden würde, was nach dem tragischen Ausgang des Zollunionsplanes als unver­meidbar erscheine

nen, ist notwendig, vor ihnen zu kapitulieren, ohne vaß der Versuch gemacht wäre, ihrer Herr zu wer­den, wäre alu: ebenso verwerflich wie jene Politik, die gern so tat, als o b alles in bester Ordnung sei. Hier tut, sich für den Kanzler und seine Mitarbeiter eine Ausgabe auf, deren Durchführung nicht weniger wichtig ist als die technische Vorbereitung des großen Notprogrammes, der sich das Kabinett jetzt widmet. Der Staatsmann muß heute mehr denn je auch Pädagoge sein. Es genügt nicht, daß er selbst von der Notwendigkeit seiner Maßnahmen überzeugt ist, es kommt vielmehr darauf an, daß er auch denen, in deren Schicksal er mit seinen Planen eingreift, diese Notwendigkeit begreiflich macht. Wer von einem Volke Opfer verlangt, muß auch beweisen, daß sich diese Opfer lohnen, und sein Appell an den nationa­len Selbstbehauptungswillen wird dann am ehesten Gehör finden, wenn feine Arbeit von einer großen Idee getragen ist, wenn fein Programm nicht nur nach fiskalischen Gesichtspunkten geordnet, sondern durch eine wahrhaft nationalpolitische Zielsetzung be­stimmt ist.

Wie bitter es sich rächt, wenn sich die Staatsmän­ner diesen Aufgaben verschließen, wurde der Welt in den letzten Tagen durch den Streik der englischen Matrosen vor Augen geführt. Vielleicht wäre diese ganze Affäre, die der Londoner Presse geradezu den Atem verschlagen hat, bei einer geschickteren psycho­logischen Behandlung derollen, ehrlichen" Seeleute, als sie Sir Austen Chamberlain ersann, über­haupt vermieden worden. Wie dem auch sei, für uns besteht jedenfalls herzlich wenig Anlaß, aus der Tatsache, daß selbst im klassischen Lande der Selbst­verwaltung und des Parlamentarismus der heiligen Bürokratie eine derartige Ungeschicklichkeit unterläuft, Trost für unsere Leiden zu ziehen. Eher mag man die Geduld des deutschen Volkes bewundern, das bis­her alle ihm nowerordneten Opfer geduldig auf sich genommen hat, obwohl diese Notverordnungen mit ähnlichen Mängeln psychologischer und sachlicher Art behaftet waren. Gewiß war es für die Reichsregie­rung schwierig, diese' Verordnungen, die akute Miß­stände beseitigen sollten und deshalb in aller Eile produziert werden mußten, in ein organisches Aufbauprogramm einzufügen. Umso dring­licher ist für sie aber auch Hie Verpflichtung, in der bevorstehendengroßen" Notverordnung das bisher Versäumte nachzuholen, über das Fiskalische hinaus zu neuen Zielen vorzustoßen und zu beweisen, daß Gehaltsabbau und ähnliche die Kaufkraft verrin­gernde uno damit in gewissem Sinne die Krise wie- toer verschärfendeSparmaßnahmen" nicht der Weisheit letzter Schluß sind.

Die Sparverordnung, mit der die preußische Regierung zu Beginn dieser Woche an die Oef- fentlichkeit getreten ist, vermeidet, wie es scheint, be­wußt uno zwar mit Rücksicht auf das in Vorberei­tung befindliche Programm Brünings, eine höhere Zielsetzung. Sie beschränkt sich auf den Versuch, das Loch im preußischen Etat auszufüllen, und da heutzutage neue Einnahmequellen kaum zu erschließen sind, geht dieser Ausgleich des Defizits wieder auf Kosten der Gehaltsempfänger, und zwar vor allem auf Kosten einzelner Beamtengruppen wie der Lehrerschaft. Eine besonders bedauerliche Folge der Sparmaßnah­men ist aber die Tatsache, daß durch diese Notver­ordnung einer großen Zahl junger und schaffensfro­her Menschen der Zutritt zu ihrem Beruf überhaupt verwehrt wird. So reizt vieles an dieser Verord­nung zur Kritik, und so fühlt man sich geradezu ver­pflichtet, die Frage aufzuwerfen, ob das preußische Kabinett nicht doch besser gefahren wäre, wenn es sich zu größeren Reformmaßnahmen, wie sie auf dem Gebsete der Verwaltungsreform auch schon von preu­ßischen Ministern erörtert wurden, aufgerafft hätte. Aber auch der schärfste Krittler muß kleinlaut wer­den, wenn er sieht, was aus dem einzigen grundsätz­lichen Reformvorschlag, den die Verordnung euchält, was aus diesem Plane, die Zahl der Land- tagsabgeordneten um etwa 150 herabzu­setzen, bereits in der Diskussion der Parteien gewor­den ist. Bei den Parteigewaltigen jeder Kulör ist es ja nun leider einmal Sitte, daß sie nicht danach fragen, was ein Vorschlag oder ein Antrag sachlich wert ist, sondern daß ihre Stellungnahme davon ab­hängig gemacht viro, ob der Antragsteller aus dem befreundeten oder aus dem feindlichen Lager stammt. Uno so scheint man denn auch in diesem Falle ver­fahren zu wollen, obwohl im Grunde von den paar um ihr Mandat zitternden Abgeordneten abgesehen im Volke so ziemlich Einigkeit darüber besteht, daß im Preußenhause 150 Mann gut und gern ent­behrt werden können, wie ja auch von den übrigen 1700 Abgeordneten, die so in Deutschland herum- wimmeln, noch etliche Dutzend überflüssig fein dürften.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten wird mich die Reichs- tegicrung, wenn sie, wie wir hoffen, doch noch den

Eine Extratour Spaniens

(Von unserer Berliner Schriftleitung).