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Kasseler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Tiummer 217*
Miittvock, 16. Gepiernber 1931
21. Jahrgang
Oie Debatte über die Dankenaufsicht
Noch keine endgültige Stellungnahme des Kabinetts / Mellon für Moratoriums-Verlängerung / Ernste Zwischenfälle in der englischen Flotte
Konferenzen in der Reichskanzlei
(Von unserer Berliner Schriftleitung).
Oer rote Handel lockt!
Von H. X Knickerbocker
th. Berlin, 16. September.
Im Mittelpunkte der gestrigen Beratungen der Neichsregierung stand die Aussprache des Reichskanzlers und des Reichsfinanz- ministers mit den Ministerpräsidenten der Länder Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden und Hessen. Diese
Konferenz mit den verantwortlichen Leitern der ‘ ' süddeutschen Länder und Sachsens
trug einen rein informatorischen Charakter. Vor allem handelte es sich darum, die besonderen Finanzschwierigkeiten zu erörtern, die für diese Länder aus dem Rückgang der Ueberweisungssteuern entstanden sind, ferner uw eine Informierung über die Pläne der Reichsregierung bei der Verteilung der ersparten Reparationen und bei der kommenden Notverordnung. Es heißt weiter, daß in dieser Aussprache unter anderem auch der Wunsch einiger süddeutscher Länder, eine erneute Kürzung der Beamtengehälter vorzunehmen, von der Reichsregierung abgelehnt worden sei. Am Abend hatte der Kanzler dann noch eine
llnterrebvn« mit dem Führer der Deutschen ^vollsparlci, dem Abgeordneten Dingeldey.
An dieser Besprechung nahm auch der Zentrumsführer, Prälat Kaas, teil. Man kann wohl annehmen, daß es sich bei dieser Aussprache vor allem um den bekanntlich auch von gewissen Kreisen der Deutschen Volkspartei geforderten Rücktritt des Außenministers gehandelt haben dürfte. Außerdem dürfte der Führer der Volkspartei den Reichskanzler über das Wirtschaftsprogramm der Partei, das auf der Sondertagung am 23. September in Hamburg veröffentlicht werden soll, informiert haben. Man rechnet damit, daß diese Vorschläge der Deutschen Volkspartei einen programmatischen Charakter auch für die weitere Mitarbeit dieser Partei im Kabinett Brüning tragen werden.
Im Vordergrund der Beratungen der Reichsregierung steht gegenwärtig noch immer die
Frage der Bankenaufsicht.
Eine endgültige Stellungnahme der Reichsregierung liegt noch nicht vor, aber es scheint, als ob man in Regierungskreisen den Plan verfolge, ein Kuratorium einzurichten und die Stelle eines Reichs- kommissars für das Bankenwesen bei der Reichsbank zu schaffen. Dieser Reichskommissar soll die Befugnis haben, Auskünfte von den Banken über alle geschäftlichen Fragen zu verlangen, ferner die Einsicht in Bücher und Schriften zu fordern. Weiterhin soll er berechtigt sein, Mitteilungen an die satzungsmätzigen Organe und falls erforderlich an die Aufsichtsbehörden zu richten. Der Reichs- kommissar kann ferner an allen Generalversammlungen und Verwaltungsratssitzungen teilnehmen und kann die Einberufung dieser Sitzungen verlangen. Er ist schließlich berechtigt, Ordnungsstrafen zu verhängen.
Man rechnet damit, daß die Beratungen über die Bankenaufsicht im Reichskabinett in den nächsten Tagen endgültig abgeschlossen werden; es verlautet, daß als künftiger Reichskommissar für die Bankenaufsicht der Ministerialdirektor E r n st im preußischen Handelsministerium in Aussicht genommen ist, der früher Staatskommissar an der Berliner Börse war.
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Der „Vorwärts" kritisiert heute die Vorschläge, die das Reichswirtschaftsministerium zur Frage der Bankenaufsicht gemacht hat, recht scharf. Von der unbedingt erforderlichen Betriebskontrolle bei den großen Bankschuldnern, von der Kontrolle der Kreditlenkung zur Verhinderung von Fehlinvestitionen könne bei den unzulänglichen Vollmachten des Kommissars keine Rede sein. Zudem würden die Richtlinien für die Tätigkeit des Kommissars von einem Kuratorium bestimmt, in dem die Reichsbank ausschlaggebenden Einfluß habe. Die Politik der Reichsbank selbst hätte aber Gegenstand der Politik des notwendigen Bankenamts sein müssen, nachdem die Reichsbank heute noch von den privaten Kräften des Generalrats abhängig sei. Durch ihren Einfluß im Generalrat wären die Banken also schließlich wieder ihre eigenen Kontrolleure. Eine solche Konstruktion sei eine Unmöglichkeit.
Brianös Parole
Iangsam und vorsichtig Fühlung nehmen!"
Paris, 16. September.
Die gestrige Unterredung zwischen Briand und Currins hat, wie die Pariser Mütter bestätigen, die technische Vorbereitung des Berliner Besuches der französischen Minister zum Inhalt gehabt. Per-
tinax erklärt tat „Echo de Paris", daß Briand den deutschen Außenminister vor überspannten Hoffnungen gewarnt habe. Auf beiden Seiten sei es nötig, langsam und vorsichtig Fühlung zu nehmen, wenn man nicht Gefahr laufen wolle, der französisch-deutschen Annäherung eher zu schaden als dienlich zu sein.
Ferner behauptet Pertinax, daß der Reichsaußenminister versucht habe, die Meinungsverschiedenheiten abzuschwächen, die sich aus seiner Rede und derjenigen Briands ergeben hätten. Das „Oeuvre" unterstreicht, daß man in deutschen Kreisen des Völkerbundes die größten Hoffnungen auf ein gegenseitiges Jinvustrieabkommen setze, dessen Verwirklichung nach ihrer Auffassung eine historische Etappe auf dem Wege der Annäherung darstellc.
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Der außenpolitische Berichterstatter des „Petit Journal", Marcell Ray, der seine Informationen aus guter Quelle zu schöpfen pflegt, erflärtc heute, daß das Ergebnis der Berliner Reise der französischen Minister von der Haltung der Reichsregierung abhänge. Diese Reise könne zwar eine Verständigung darstellen, es sei aber überspannt, von einem außergewöhnlichen Erfolg, oder von einer Umwälzung der deutsch-ifranzösischcn Beziehungen zu sprechen.
Fünfzehn von fünfzig!
Genf, 16. September.
Die Frist, bis zu der nach einem Beschluß des Völkerbundsrats die zur Abrüstungskonferenz eingeladenen Staaten die Angaben über ihren Rüstungsstand einreichen sollten, ist gestern abgelaufen. Von den mehr als 50 eingeladenen Staaten haben bis jetzt lediglich 15 die erbetenen Angaben geliefert.
Sott H. R. Knickerbocker, bem Berliner Korrespondenten der „Nennork Evenins Poft", dellen Buch „Der rote Handel droht" überall starke Beachtung gesunden bat. erscheint in den nächsten Tagen bei Ernst Rowohlt, Berlin, unter de« Titel „Der rote Handel lockt" ein neues Rntzlaudbuch. Bon den verschiedensten europäischen Standpunkten ans nntersuM der amerikanische Journalist die Frage, bis zu welchem Ansmatz der Sowjethandel anwachseu, mit wem et in Widerstreit geraten und welchen Einslutz er auf die Weltwirtschaftskrise ausüben wird. Mit Genehmigung des Berlages können wir unseren Lesern bereite heute einen Abschnitt ans bem Buche mitteileu.
Für eine Untersuchung der Sowjetunion im europäischen Handelsverkehr, des Fünffahrplans von der Außenwelt her betrachtet, der Bolschewiken hinter dem Ladentisch, sowie der Bemühungen respektive des Fehlens von Bemühungen seitens der europäischen Nationen, die -„rote Handelsgefahr" einzudämmen, gibt es keine bessere Einführung als ein Besuch der Sowjetausstellung auf dem Mailänder Markt.
Ein Bummel durch dieses große, rechteckige, zweistöckige, massive, mit Hammer und Sichel und Sowjetstern geschmückte Gebäude, von dem in der Eeburts- stadt des Faschismus die rote Flagge des Kommunismus unbehelligt weht, ist instruktiver als Bände voller Prophezeiungen über die Aussichten des fow- jetistischen Außenhandels.
Hier vor uns, in dem Fleisch, in den Konservenbüchsen, in den Warenballen und in den Schraubenbolzen haben wir einen sichtbaren Teil des Inventars der größten Verkaufsorganisation der Welt, die bereit ist, alles zu liefern von Wurmmitteln für überfütterte Schoßhunde bis zu Grabsteinen aus Granit und Marmor oder Dessertservietten, die bereit ist, von der Baumwolle bis zur Kohle, die Preise jedes
Die atlantische Flotte besteht einschließlich der Hilfsfahrzeuge aus ungefähr 40 Schiffen mit einer Besatzung von zusammen 16 000 Offizieren und Mannschaften. Im Unterhaus wird heute d«ersteLord der Admiralität von einem Arbeitcrmitglied über die Angelegenheit befragt werden.
Mellon unterstützt die Bankiers
Washington, 16. September.
Wie der im allgemeinen gut unterrichtete Korrespondent der „Neuyork Evenina Post' meldet, haben die Mitglieder des Beirates des Federal Reserve Board, die gestern abend zum Ess-m bei Präsident Hoover geladen waren, diesem geraten, unverzüglich das einjährige Moratorium für Kriegsschulden und Reparationen jn ein dre i- bis fünfjähriges umzuwandeln.
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Die Washingtoner Berichterstatter erklären in den Morgenblättcrn übereinstimmend, daß Hoover keineswegs beabsichtige, weiteren europäischen Moratoriumsvorschlägen zuzustimmen oder auch nur derartige Vorschläge zu berücksichtigen. Präsident Hoover neige der Ansicht zu, daß angesichts des politischen Durcheinanders in Europa, insbesondere im Hinblick auf die deutsch- französischen Meinungsverschiedenheiten eine weitere Verlängerung des Zahlungsaufschubes praktisch wertlos sei. In den höchsten Berwaltungskreifen erklärt man erneut, daß die Hauptbedingung sür ein amerikanisches Entgegenkommen die vollkommene Klärung der europäischen Lage sei.
Inzwischen arbeiten, jedoch die amerikanischen Bankiers zielbewußt auf eine Moratoriumsverlängerung hin, worin sie besonders von Mellon unterstützt werden. Viele Bankiers halten es für möglich, daß nach der Ratifizierung des einjährigen Moratoriums durch den Kongreß eine weitere zweijährige Verlängerung des Zahlungsaufschubes möglich sei. Die Dementis des Weißen Hauses bezüglich der Bankiervorschläge in der Frage des Zahlungsaufschubes werden dahin ausgelegt, daß die Empfehlung nickt von der Federal-Reserve- Bank, sondern von führenden Privatmännern ausgegangen sei.
anderen zu unterbieten. Die Schaustellung wirkt erstaunlich.
Sowjetmakkaroni in Italien ist nur eine ihrer ' Offenbarungen.
Dort in einer Ecke befindet sich ein Stand, höher als ein Mann, strahlend erleuchtet von dünnhalsigen, kugelförmigen, elektrischen Glühbirnen. Diese Glühbirnen stehen zum Verkauf. Sie sind Sowjeterzeugnisse. Vor drei Jahren war das Höchste, was die Sowjetunion in Erzeugung von Beleuchtungskörpern mit Hilfe schwedischer Konzessionäre zu leisten vermochte, die Herstellung von Petroleumlampen minderwertiger Qualität. Heute exportiert Rußland elektrische Birnen, die der Laie nicht von den modernsten Erzeugnissen amerikanischer oder deutscher Fabriken zu unterscheiden vermag. Einschaltend sei hier bemerkt, daß Patente den Sowjets nicht im mindesten den Kopf beschweren.
In einem anderen Teile des Gebäudes befindet sich die Nahrungsmitte la bteilung. Man fragt sich, welche Augen wohl ein russischer Arbeiter oder Bauer machen würde, der plötzlich, ohne dazwischen Ueberraschungen in bürgerlichen, europäischen Restaurants erlebt zu haben, von seinem Mittagstisch aus Salzhering, Grütze und Schwarzbrot in diese Lebensmittelabteilung versetzt würde. Hier stehen
Regale und Regale voller Konserven, sämtliche mit englischen Etiketten;
Lachs konserviert und geräuchert, Pasteten aus Fischleber, ein Dutzend verschiedener Räucherdelikatessen, ein riesiger Kühlschrank vollgestopft mit allen Sorten Kaviar vom teuersten, graukörnigen Velugamalosol bis zu den billigeren roten Qualitäten, hier sieht man lange Borde mit eingemachten Früchten in Gläsern; Appetit anreizend spiegelt sich das Licht auf Erdbeeren, reifen Kirschen, Pflaumen, Birnen und Pfirsichen. Hohe Regale mit Jam- und Marmeladegläsern stehen anderen Regalen mit kandierten Früchten gegenüber, und alle Winkel und Ecken dieser opulenten Schaustellung find angefüllt mit hunderterlei Arten Konfekt.
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen, bei dem Vertrauen der Sowjetbevölkerung in den Fünfjahrplan, ist es durchaus möglich, daß der russische Besucher sich mit der Erklärung zufrieden geben würde, daß Rußland sich diese lukullischen Genüsse mit Recht um der Lira, des Pfunds und des Dollars, b* Maschinen und der Fabriken wegen, die zur Durchführung des Planes erforderlich sind, vom Munde abspare.
Dicht daneben lagern wichtigere Nahrungsmittel, die zum großen Teil seit Beginn des Fünfjahrplanes tatsächlich von den russischen Tischen fast verschwunden sind. Hier sieht man Weizen, 39 verschiedene Arten, und viererlei Sorten Weizenmehl für Weißbrot — seit 1928 in Rußland unbekannt; hier findet man 6 Sorten Maismehl, 11 Bohnenarten und Zucker in viererlei Qualitäten
Jeder Abteilung steht ein Direktor vor, eifrig bemüht, Aufklärungsliteratur zu verteilen und stets bereit zu erklären, daß die Ausstellungsgegenstände nur einen Bruchteil dessen darstellen, was die Sowjetunion zu liefern in der Lage sei. Die Ausstellung genügt völlig. Die Beschreibung lieft sich wie ein Katalog; bei jedem anderen Lande der Welt wäre ein solcher Bericht sinnlos. Einem Außenstehenden jedoch, der sich dasür interessiert, was der Fünfjahrplan für seine Welt bedeutet und dem die Zeit für eine Reise nach der Sowjetunion fehlt, dürste es nützlich fein, die Wanderung durch die Ausstellung fortzusetzen und sich die jetzt folgenden Stuhlplatten, Zigarettenschachteln, Schachbretter und Gelatinesorten anzusehen.
Eine ganz Abteilung ist dem Petroleum und jeder denkbaren Art von Petroleumprodukten gewidmet; wieder eine andere Holz- und Holzprodukten, gegenwärtig die beiden größten Exportartikel der Sowjetunion. Hier sieht man Parkettdielen, Sperrplatten, fertige Türen, Fensterrahmen, Bohlen, Bretter.
Im Obergeschoß lagern Teppiche, antike und neue, 41 Sorten Borsten, 18 Sorten Federn, 12 Arten Wurstdärme, 24 Sorten Hanfwaren, Taue, Matten und Netze, 25 Roßhaarqualitäten, 65 verschiedene Fellarten, 150 Sorten Porzellan, zwei Regale mit Steingut, eine ganze Abteilung mit Bauernarbeiten: Spielzeug, Puppen, gestickte Leinensachen, Balalaiken und Mandolinen.
Auf der anderen Seite des Erdgeschosses stoßen wir ans 3 Ballen russischer Baumwolle. 1928, in dem ersten Jahr des Fünfjahrplans, führte die Sowjetunion fast 500 000 Ballen Baumwolle, davon 300 000 Ballen aus den Vereinigten Staaten, ein. Amerikanische Bewässerungsingenieure haben während der
Oer Protest der englischen Matrosen
Eigener Drahtbericht.
London, 16. September.
Die Soldherabsetzung für die englische Marine hat bei der A t l a n titflotte zu Zwischenfällen geführt, die recht ernsten Charatter trugen. In einer amtlichen Mttteilung der Admiralität wird zwar nur gesagt, daß die „Bekanntgabe der Soldherabsetzungen für die Marine bei einem Teil der Besatzungen Erregung ausgelöst" habe, immerhin mutz es sich schon um ernstere Vorfälle gehandelt haben, da sonst der Ab b r u ch der F l o 11 e » rn a n ö v e r, zu dem sich die Flottenleitung entschlossen hat, nicht verständlich wäre. Die heutigen Berichte in der Londoner Presse bestätigen dann auch den Eindruck, daß die Bedeutung der Protestbewegung nicht unterschätzt werden darf.
So berichtet „Daily Telegraph" aus dem schottischen Hasen in Jnvergordon, wo die Hauptmacht der Flotte liegt: Daß große Erbitterung über die Herabsetzung der Löhnung herrschte, war schon bekannt, aber sie fand erst am Sonntag in der Seemannskantine in der Stadt alarmierenden Ausdruck. An diesem Tage befanden sich ungefähr 700 Urlauber an Land. Von verschiedenen Schiffen wurden darauf Nachtabteilungen gelandet, was die erwünschte Wirkung hatte. Als aber die Urlauber sich am Pier versammelt hatten, um auf ihre Schisse zurückzukehren, gab es eine weitere lärmende Kundgebung. Am Montag dauerten die Proteste an. Eine Versammlung in der Kantine wurde aufgelöst und 600 Seeleute begaben sich darauf zum städtischen Sportplatz, wo die Frage erörtert wurde, in welcher Weise gegen die Lohnverminoerung Widerstand geleistet werden könne. Am Dienstag erhielt niemand Urlaub, aber Gesänge und gelegentliche Beifallskundgebungen waren an der Küste hörbar, woraus geschlossen wurde, daß zum mindesten auf einigen Schiffen die Mannschaften ihre Beschwerden erörterten.
„Daily Mail" meldet: Als am Montag abend das Signal „Lichter aus!" gesetzt wurde, weigerten sich die Mannschaften, in die Hängematten zu gehen und blieben noch an Deck, von wo aus noch eine Stunde lang Gesang und Beifallsriffe hörbar waren.
„Daily Hreald" zufolge herrsch: auch in dem schottischen Marinestützpunkt R o s y t h Unzufriedenheit. 375 Seeleute eines nicht zur atlantischen Flotte gehörenden Schlachtschiffes hätten ih^em Kapitän ein Gesuch wegen der Verminderung der Löhnung überreicht. Der Kapitän habe ihnen erklärt, die Abstriche seien nicht aus Befehl der Admiralität sondern enffprechend der Sparpolitik der Regierung vorgenommen worden.