35000 öeutfcbc Gchulf inder kObne deutschen Unterricht
DienStag, 15. Septem?« IM
Kasseler Xtwfft RachriLtra
Oer lauernde Tod
Unfälle an Eisenbahnübergängen
durch den
Der
mit ständiger
M Trinkt Kaffee mit Coffein 3 Gramm die Tasse
Schont Herz und Kasse
Das neue Bauen. Architekt W. D. A. Schmidt/Knatz- Frankfurt a. M. spricht heute 20 Uhr im Landesmuseum über: „Die wirtschaftlichen und technischen Ergebnisse der letzten fünf Jahre des frankfurter Bauwesens."
Ednscho, Import-
GroBrästerel. Bremen.
Bette 2 — 1 Beilage
Segelflugerfolge am Dörnberg
4 C-Priisungen au einem Tage.
OieRechtlosmachung der Gemeindebeamten
Oer Bundestag des Keichsbundes der Kommunalbeamten
Di« Reichsbahn sendet uns solaende beherziseus- wetten Aussübrungen: ,
Das Bestreben, durch die Unfallverhütungspro- paganda Unfällen an Bahnübergängen vorzubeugen, wird nicht zu dem gewünschten Erfolg führen, wenn nur unter dem Stichwort gewarnt wirv: .Schützt die Bahnübergänge besser!" Die Warnung mutz vielmehr an erster Stelle auch unter dem Leitwort erfolgen .Fahrt vorsichtig an allen Bahnübergängen!", denn sonst wird bei der Steigerung der Sicherheit am wenigsten auf die Möglichkeiten htn- gewiesen, die am leichtesten zum Ziele führen.
Wir haben in Deutschland allein auf den Haupt- und Nebenbahnstrecken der Reichsbahn rund 77 000 Bahnübergänge, von denen 41000, also etwa 53 Prozent unbeschrankte Uebevgänge sind. Der sicherste Schutz gegen Unfälle wär« natürlich die Beseitigung der schienengleichen Ueberwege und die schienenfreie Ausgestaltung durch lieber- und Unterführungen. Seitens der Reichsbahn ist aber wiederholt aus gerechnet worden, daß dies einen Kostenaufwand von 7 Milliarden Reichsmark erfordert, also einen Betrag, den Weber die Reichsbahn noch das Deutsche Reich in den nächsten Jahrzehnten aufbringen kann.
Wenn aber eine Beseitigung der schienengleichen Wegübergänge nicht möglich ist, dann mutz für gefahrloses Befahren gesorgt werden, an welchen Maßnahmen sich natürgemäh die Äahnverwaltun- gen und die Kraftwaqenführer beteiligten müssen. In diesem Zusammenhang wird nun oft gefordert, datz die unbeschrankten Wegübergänge beschrankt werden sollen. Diese Forderung ist schon finanziell deswegen kaum zu erfüllen, weil neben den erheblichen einmaligen Aufwendungen für das Aufstellen der Schranken und Wärterhäuschen, neben den nötigen Wohnungsbauten für das Bedienungspersonal nach überschläglicher Berechnung etwa 120 Millionen Reichsmark jährlich an Bedienungs- und Unterhaltungskosten aufgebracht werden müssen, ein Betrag, der der Reichsbahn nicht zur Verfügung steht und der außerdem im wesentlichen auch den Wegebaupflichtigen nach dem Reichsbahngesetz zur Last gelegt werden müßte. ,
Die Beschränkung"der heute unbeschrankten Weg- Übergänge würde auf der anderen Seite wahrscheinlich aber auch nicht das zweckmäßigste Schutzmittel sein, denn die Unfallstatistik zeigt, daß die Schranken häufig von den Kraftwagen durchbrochen werden. Im Jahre 1930 z. B. wurden geschlossene Schranken der Reichsbahn 1228 mal beschädigt, davon 1023 mal von Kraftwagen. Bei 31 Fällen wurden die Kraftwagen vom Zuge erfaßt, bei 263
Erschütternde Notschreie
Vergessene Kriegsopfer
Das Mitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Witwe P. Sch., schilderte dem Reichskanzler unter Beifügung des ihrem Mann seinerzeit gegebenen Eisernen Kreuzes, die Not der Krie- gerwrtwen:
.Auf Ihre Veranlassung, Herr Reichskanzler, wurde uns Kriegsopfern die Not im besonderen Ausmaße verordnet.
Mir als Kriegerwitwe wurde mit meinem Sohne von der Rente monatlich 6,25 RM. und für meinen Sohn — der als Malerlehrling ein wöchentliches Kostgeld von 7 RM. erhält — di« Zusatzrente gekürzt.
Wie ich davon, da ich sonst kein Einkommen habe, mit meinem Sohne leben soll, darüber möchte ich Sie, Herr Reichskanzler, um Auskunft bitten, zumal mir vor der Kürzung der Zusatzrente monatlich 101,80 RM. zur Bestreitung des Lebensunterhaltes zur Verfügung stehen."
Der Reichskanzler hat darauf noch keine Antwort erteilt . . .
dient. Ein Stück Weltgeschichte hat feine Filmkamera drüben eingefangen, als sie durch den Osten der Vereinigten Staaten wanderte — und wenn, wie Dreyer in seinem lebendigen Vortrag nicht unerwähnt ließ, auch zwischen diesen grandiosen Schöpfungen das Gespenst der Weltkrise schon umgeht, so nötigt das, was der Amerikaner in den letzten Jahren schuf und was Dreyer hier zeigt, doch ehrfürchtige Bewunderung ab. Nichts vergaß er auszunehmen: nicht den Bau der größten und schönsten Wolkenkratzer, neuer Städte und Straßenzüae, nicht die Fabrikation der Automobile, die Methoden der Landwirtschaft — aber auch nicht die Kunststätten, die Vergnügungsparks und die Erholungsplätze. Ein Querschnitt durch Amerika von heute — nichts kennzeichnet bester diesen Film und seinen Vortrag. Wer über Amerika informiert sein will (und jeder sollte das heute sein) wird ihn besuchen müssen. Er ersetzt eine Studienreise nach drüben — er zeigt Amerika so, wie er es selbst in der Kürze der Zeit nie sehen könnte. Man mutz Herrn Dreyer für diesen Film dankbar sein.
Auf dem Erfurter Bundestage des 203 000 Mitglieder umfassenden Reichsbundes der Kommunalbeamten und -angestellten Deutschlands sprach über „Die deutsche Beamtenpolitik in der Krisenzeit" der Bundesdirektor des Reichsbundes, Stadtrat a. D. Ehrmann - Berlin. Er zweifelte, ob die diktatori- schen Maßnahmen, die gegen die Kommunalbeamten in Anwendung kommen sollen, die Voraussetzungen für den richtigen Geist schaffen, der notwendig sei, wenn die Diener des Staates gerade in dieser schweren Zeft ihre Aufgaben voll erfüllen sollen, und wandte sich entschieden gegen die preußischen Durchführungsbestimmungen zur Notverordnung zur Sicherung der Haushalte in Ländern und Gemeinden. Die Uebertragung diftatorischer Befugnisse an die Gemeindeverwaltungsbehörden zusammen mit der Aufhebung des Grundsatzes der besoldungsmäßigen Gleichstellung der Gemeindebamten mit den unmittelbaren Staatsbeamten mache die Kommunalbeamlen zum Freiwild und entziehe ihnen jede Rechtsgrundlage. Man solle die Gefahren nicht verkennen, die aus einer solchen Behandlung der Menschen entstehe. Der Reichsbund werde sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln schützend vor seine Mitglieder stellen.
In der Aussprache geißelte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, die Methode, die Wirtschaftskrise mit Lohn- und Gehaltskürzungen beheben zu wollen. Es sei besonders schlimm, datz man durch die neueste Nowerordnung glaube, in die Besoldungssysteme und das Recht eingreifen zu können. Derartiges sei nicht der Sinn des Artikels 48 der Reichsverfassung. Der geschäftsführende Präsident des Reichsstädtebundes. Dr. H a e k e l, schilderte die Notlage der Gemeinden und betonte deren ernsten Willen zu vernünftiger Sparsamkeit.
Er befürchtete von den neuesten Maßnahmen gegenüber den Sommunalbeamten eine Unzahl mm Prazeffen, die nicht geeignet seien, die sachliche Arbeft zu fördern.
Nach einer sehr lebhaften Aussprache, in der umfang-
Die Bemühungen der Reichsbahn zeigen sich deshalb auch darin, daß im Jahre 1930 die Zahl der überfahrenen Kraftwagen um 21 Prozent auf 129 abgenommen hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Zahl der Kraftfahrzeuge in Deutschland m der gleichen Zeit (1929 bis 1930) um 207 000, d. h. um 17 Prozent, zugenommen hat. Dies läßt den Schluß zu, daß die Bemühungen der Reichsbahn um bessere Uebersicht an den Uebergängen und um deutliche Kenntlichmachung der Uebergänge und Schrarcken nicht vergeblich gewesen sind.
Alle diese Schutzmittel können jedoch nur dann ihren Zw«k erfüllen, wenn gleichzeitig der Straft* wagen an Wegübeigängen vorsichtig fährt. Nach der amtlichen Unfallstatistik sind aber von den Straft* wagenunfÄlen an Bahnübergängen 80 Prozent aut die Schuld von Bahnbediensteten zurückzuführen. Alle aufgestellien Signale, feststehende ober Blinklichter, verfehlen ihre Wirkung, wenn der Fahrer sich dem Bahnübergang zu schnell nähert und bei der Annäherung eines Zuges nicht mehr rechtzeitig bremsen kann. Da die meisten Bahnübergänge Uebersichtsverhältnisse besitzen, die wohl für den gewöhnlichen Fuhrwerksverkehr, aber nicht für die mit großer Geschwindigkeit sich bewegenden Kraftfahrzeuge ausreichen, kann die Forderung, daß sich die Kraftwagenfahrer nur mit stark verringerter Geschwindigkeit vorsichtig den Bahnübergängen nähern, nicht eindringlich genug erhoben werden. Selbst wenn die Geschwindigkeit für das Befahren der Ueberwege auf 10 Kilometer in der Stunde ermäßigt wird, — ein entsprechender Antrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Mittelmann ist bis zur Neuregelung des Straftverkehrsgesetzes zurückgestellt worden—, würde kein nennenswerter Zeitverlust entstehen.
Der Allgemeine Deutsche Auwmobilclub (ADAC) hat in seiner Denkschrift »Zur Sicherung des Verkehrs auf den Bahnübergängen" ausgerechnet, daß man bei Fahrten ungefähr alle 20 Kiwmeter mit einem Wegübergang rechnen kann. Aus der Strecke Berlin — München müßten also ungefähr 30 Bahnübergänge mit aus Vorsichtigkeit eingestellter und verringerter Geschwindigkeit befahren werden. Die 30 mal 15 Sekunden oder insgesamt 7% Minuten, die der Kraftwagenführer selbst auf einem so großen Wegstück nur opfert, würden gegenüber den zahlreichen anderen Verkehrshindernissen in den Städten und Dörfern gar keine Rolle spielen.
Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands hat sich für längere Zeit so schwierig gestaltet, daß wir namentlich auch auf dem Verkehrsgebiet nur solche Wege beschreiten können, die ohne große Investitionen gangbar sind und am billigsten zum Ziele führen. Deshalb muß die von den Bahnverwaltungen durchgoführte bessere Kenntlichmachung der Wegübergänge in erster Linie unterstützt werden durch „noch vorsichtigeres Befahren der Wegübergänge durch di« Straf t» Wagenführer."
darunter 9 Anfänger und 6 Fortgeschrittene.
Zum ersten Male wurden die beiden neuerbauten Schulmaschinen Typ ESE-Erunau eingesetzt und bewiesen neben hervorragenden Flugeigenschaften auch eine große Stabilität, so daß sie selbst bei einer unfreiwilligen Baumlandung und der etwas unsanften Berührung einer Telegraphenstange ohne Bruch da-
Dontamen. u ,
Sämtliche neun Anfänger konnten dann auch, zvm Teil schon in der ersten Kursuswoche, ine erste Glett- flugprüfung, die A-Prüfung ablegen. Unter ihnen befand sich auch die erste Schülerin der Segelflugschnle Dornberg, Fraulein Lena Stetlein aus Magdeburg. Die B-Prüfung, die 5 Gleitflüge von mindestens einer Minute Dauer und eine 8-Kurve verlangt, wurde von zwei Teilnehmern erfüllt, von denen enter erst einige Tage vorher die A-Prüfung abgelegt hatte.
Der letzte Kursussonntag brachte dann programmgemäß den von den Fortgeschrittenen schon mit Ungeduld erwarteten Segelwind, einen frischen Nord- West von 12—14 Sekundenmeter Geschwindigkeit. Ans der Rumpfmaschine „Zierenberg", Typ Prüfling, fand der Start vom Hohen Dörnberg aus statt, und tn der Mittagszeit konnten drei Kurfusteilnehmer in l-eson- bers gut durchgeführten Segelflügen die C-Prüfung, die eigentliche Segelflugprüfung, die einen to’gelf.ug von mindestens 5 Minuten Dauer mit ständiger Heber« Höhung der Startstelle erfordert, oblegen. Es waten dies dte Herren Blanck, Hannover, mit einem Flug von 16 Minuten, Faatz, Wiesbaden, 18 Minuten, und Schulz, Quedlinburg, 13 Minuten. Als vierter fchwß sich dann noch außerhalb des Kursus Herr H o r I b o g, Kassel, mit einem Flug von 12 Minuten Dauer an. Besonders beachtlich war die Leistung von Blanck, der, allerdings als Mowrflieger, den Kursus als Anfänger begann und nach Ableistung der A-Prü- fung unter Ueberfpringung der B-Prüfung sofort zur Segelflugprüfung schulen konnte. ,
Kursusteilnehmer und der Niederhessische Verein für Luftfahrt können mit diesem hervorragenden Ergebnis wieder recht zufrieden sein. Auch die ständig wachsende Besucherzahl des Fliegerlagers wmmt jetzt stets, auch an Wochentagen, auf ihre Kosten. Denn neben diesem Kursus unseres Kasseler Vereins schulen noch 20 Burschenschafter, so daß es immer etwas zu sehen gibt. Von beiden Gruppen zusammen fanden in den letzten 14 Tagen über 500 Starts statt. St.
Der 141 ä gi g e Segel f l u g k urfus des Niederhessischen Vereins für Luftfahrt konnte dieses Mal mit besonders gutem Erfolg durchgeführt werben. An den Kursen beteiligten sich 15 Flugschüler,
Anklage einer Witwe
Das Mitgfieb des Reichsbunbes ber Kriegsbeschädigten, die Witwe E. L., fchreibt:
„Ich gehöre zu den Kriegerwitwen, die noch unter 45 Jahre alt, aber schon zu 50 v. H. in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt sind. Meinen erst kürzlich verstorbenen Ehemann, der 100 V. H. schwer- kriegsbeschäbigt war, habe ich unter Aufbietung all meiner Kräfte unb unter Aufopferung meiner Gesundheit gepflegt. Nachdem ber Tod meinen Mann von seinem furchtbaren Leiden erlöst hat, blieb ich krank und zermürbt zurück. Als ausreichende Versorgung wird uns kranken Witwen angeblich Arbeit versprochen, doch überall werden wir abgewlesen, weil es entweder keine geeignete Arbeitsstelle gibt oder weil auch wir viel zu trank und zu schwach sind, um die angewiesene Arbeitsstelle ausfüllen zu können. Was sollen wir tun, und was soll geschehen? Will der Reichspräsident und will die Reichsregierung, daß wir am Hungertuche nagen und elendiglich zugrunde gehen sollen? Besteht der Dank des Vaterlandes darin, daß wir uns sechs Bretter unb zwei Brettchen hobeln, weil nichts weiter für uns übrig bleibt? Wo bleibt der Dank des Vaierlanbes?"
Fällen wurde ein Unfall durch besondere Aufmerksamkeit der Bahnbediensteten verhindert. In einigen europäischen Ländern (Italien, Holland, Oesterreich) hat man eine große Anzahl von Wegschranken — selbst an mehrgleisigen Schnellzugstrecken) wieder beseitigt unb ist dabei dem Vorbild ber Vereinigten Staaten von Amerika gefolgt, wo man meist auf Schranken verzichtet unb wo von rund 250 000 Planübevgängen nur rund 6000 mit Schranken versehen sind. Auch die neue deutsche Elsen- bahnbau- und Betriebsordnung vom, Jahre 1928 trägt übrigens den veränderten Verhältnissen weitestgehend Rechnung, indem sie an Hauptbahnen den Ersatz ber Sck'nnken durch andere Vorrichtungen grundsätzlich zuläßt.
Zur Minderung ber Unfallgefahr bleibt daher nur übrig, daß auf der einen Seite die Sßegübei> gänge seitens der Bahnverwaltungen gut kenntvlch gemacht werden unb baß auf ber anberen Seite bie Kraftwagenfühver so vorsichtig wie nur möglich bie Schranken auf ben Wegübergängen kreuzen.
Hinsichtlich der besseren Kenntlichmachung ber Wegübergänge hat die Reichsbahn in den letzten Jahren — das muß man. anerkennen — außerordentlich große Anstrengungen gemacht, denen ein Erfolg nicht versagt geblieben ist.
Die Reichsbahn hat auf die Einführung nach Form und Farbe verbesserter Kraftsahrzeug-Warn- twseln hingewirkt. Sie hat weiterhin einen einheitlichen weiß-roten Schrankenanstrich eingefühtt, dessen Zweckmäßigkeit von den Krastwagensührern allgemein anerkannt wird. Sie hat mit erhEchen einmaligen und dauernden Ausgaben die Schrankenbeleuchtung durch die Einführung von
elettrischen Tiefstrahlern
verbessert. Sie hat schließlich den Ersatz der kleinen unmittelbar an den Wegübergängen stehenden, nur schwer erkennbaren Warntafeln durch weiß-rot gestrichene Warnkreuze erstrebt. Obwohl eine Beteiligung der Wegebaupflichtigen an diesen Kosten auf Grund des Reichsbahngesetzes verlangt werden konnte, hat die Reichsbahn, um die Fortführung ber Aufstellung nicht zu verzögern, trotz ihrer schlechten Finanzlage die 6 bis 8 Millionen RM. betragenden Kosten freiwillig übernommen. Dte Reichsbahn macht ferner zurzeit an einer Reihe von schienengleichen Uebergängen
Versuche mit Warnsignalen, bie vom Zuge selbst bedient werden.
„Amerika heute"
Oberingenieur Dreyers Film vom Aufbau der Vereinigten Staaten im Stadtparksaal.
schk. Oberingenieur Dreyer, in Kassel durch seine zahlreichen Filmvorträge bekannt und beliebt, kennt Amerika feit Jahrzehnten. Kein Wunder, daß in periodischen Abständen in seinen Filmen immer wieder das gleiche Thema angeschnitten wird, daß das Land der unbegrenzten Möglichkeiten immer neuen Stoss für sie liefert. Das ist nicht zu unterschätzen: mit seinen Filmen schreibt Dreyer als objektiv Außenstehender eine lebendige Geschichte der größten Macht der Welt. Wir erleben als regelmäßige Besucher seiner Vorträge die Weiterentwicklung ber Vereinigten Staaten bewußt mit — unb könnten in vielem Beispiel für unsere Arbeit sehen . . .
So schöpft auch ber Film „Amerika heute", ber gestern im Stadtparksaal anlief und heute noch gezeigt wird, aus den technischen Wundern dieses Landes feine suggestive Straft. Stärker noch als seinerzeit im „Schassenden Amerika" enchüllt Dreyer in ben grandiosen Bildern aus der amerikanischen Industrie, aus der Landwirtschaft unb bem Städtebau Stärken unb Schwächen des Giganten U. S. A Weitab von einer Verhimmelung amerikanischer Mentalität läßt Dreyer aber dem Amerikaner und feinen Werken die Gerechtigkeit in der Beurteilung erfahren, die er ber»
reiches Material zu ben angeschnittenen Fragen hergebracht würbe, würbe eine
Entschließung
angenommen, in bei es u. a. heißt:
„Gegen bie Art, wie die Regierung wiederum die deutschen Beamten unb öffentlichen Angestellten einseitig unb unsozial belastet hat, wirb scharfe Verwahrung eingelegt.
Mit starker Entrüstung weifen aber bie deutschen Gemeindebeamten unb -angestellten diejenigen Maßnahmen in ber Notverorbnung vorn 5. Juni 1931 unb besonders auch in ber Notverordnung vorn 24. August 1931 sowie dem Begleitschreiben bes Reichsfinanzministers vom 27. August 1931 zurück, bie das gemeindliche Personal unter Auswertung bet gegenwärtigen Noizustänbe in den Gemeinden unb unter Mißbrauch der Finanzgewalt des Reiches wirtschaftlich und rechtlich von den übrigen Beamten trennen und sie unter deren Niveau herabdrücken wollen.
Eine unerhörte, geschickt ausgenützte Hetze gegen die Gemeinden und ihr Personal. Die immer wieder möglich gewesene schlüssige Widerlegung behaupteter gemeindlicher Ueberstufung hat der Reichsregierung ebensowenig bedeutet wie die unwiderleglichen Zahlen ihrer eigenen Reichsfinanzstatistik, die erweisen, daß die Besoldung der deutschen Gemeinbebeamten und erst recht bie der Gemeindeangestellten schon jetzt tiefer liegt als beim Reich unb daß bei der Neuregelung 1927 bie ©emeinben mit der Schaffung von gehobenen Stellen sparsamer waren als das Reich.
Di« deutschen Gemeinbebeamten unb -angestellten protestieren dagegen, datz ausgerechnet sie in ihren Lebensbedingungen ausgespielt werden gegen die Opfer einer Krise, die viel mehr auf verfehlten und unterlassenen Handlungen der Wirtschaft und der Reichsgesetzgebung als auf Fehlern der deutschen Gemeinden beruht.
Es wurde unter großem Beifall des Bundestages ber Vorstand einstimmig wiedergewählt.
Oer Protest des Lhinakämpfers
Das Mitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, F. V., sandte mit einem Begleitschreiben seine amtlichen Ehrenzeichen dem Reichspräsidenten von Hindenburg zurück. In dem Begleitschreiben führte unser Kamerad u. a. folgendes aus:
.Als aktiver Soldat machte ich den Ehinafeldzug mit. Bereits in den ersten Tagen des August 1914 wurde ich wieder zum Heeresdienst eingezogen. Im Mai 1915 wurde ich bei Ijpern das zweitemal verwundet durch schweren Kopfschuß. Als Folgen blieben zurück: rechtsseitige Lähmung, dauernde Kops- Nmerzey und andere innere Krankheiten. Für d'.e Beschädigung erhafte ich eine Rente von 80 v. H.
Im Jahre 1922 heiratete ich eine Kriegerwilwe mit zwei angenommenen Vollwaisen, deren Vater im Felde gefallen war und deren Mutter kurz vor dem Kriege starb. Ich nahm durch bie ©ctrat bem Reiche die Zahlungspflicht auf Rente für die Witwe ab. Das älteste dieser angenommenen Kinder ließ ich Schlosser lernen. Nach Beendigung ber Berufsausbildung ist es arbeitslos unb ist nunmehr schon feit fünf Jahren bet der Reichswehr. Das jüngste habe ich nach Beendigung ber Schulzeit auf meine Kosten drei Jahre die Handelsschule besuchen lassen unb bann in bie kaufmännische Lehre gegeben. Im bBitten Jahre ber Lehrzeit wurde ber Vollwaise auf Grunb des Einkommens vom Versorgungsamt Bielefeld bie Rente entzogen.
Aus Vorstehenbem ist zu ersehen, was ich als Schwerbeschäbigter alles für ben Staat getan habe, um mitzuhelfen, denselben wieder aufzubauen.
Durch bie Notverorbnung vorn Juli 1931 ist meine Rente wesentlich gekürzt. Seit Januar 1931 bin ich arbeitslos unb erhalte wöchentlich noch eine Krisenunterstützung unb 5 RM., da die Rente daraus angerechnet wird. Mein Einkommen von 54,50 RM. und 20 RM. Krisenunterstützung monatlich reicht eben aus für die hohe Miete, die ich zahlen muß. Ich glaubte daher, bereits genug für das Vaterland geopfert zu haben, ohne noch die Rentenkürzung erleiden zu müssen. Ich reiche daher dem Deutschen Reiche zu Ihren Händen die erhaltenen Auszeichnungen, China-Abzeichen unb Eisernes Kreuz 2. Klasse zurück."
Oie Rente dem Kanzler
Das Mitglied des Reichsbunbes ber Kiiegsbe- schäbigten, G. Sch., hat bem Reichskanzler den ihm verbliebenen Restbettag ber Rente aus Protest zur anderweitigen Verwendung Überwiesen. In dem Begleitschreiben an ben Reichskanzler brachte unter Kamerad folgendes zum Ausdruck: ...
.Ich erhalte für meine schwere Kriegsbeschädigung (Verlust des rechten Oberschenkels) bet einer Erwetbsbeeinttächttgung von 70 v. H. jetzt noch eine, monatliche Reute von 16,35 RM., weil ich als Angestellter ab 1. Juli b. I. 26 RM. Nettoeinkommen über bie gesetzliche Rente von 210 RM. hinaus verdiene.
Für diese geringe Rente und einen bisher füt mich wertlosen Beamtenschein gab ich Gesundheit und Lebensfreuden, trage ich ein hartes Schicksal, kämpfe unter großen Mühen um mein Lebensdasein, ohne zu wissen, was später wird, wenn die letzten Strafte versiegen.
Ich bin enttäuscht. Die mir für ben Monat August aus«zahlte Rente habe ich Ihnen, Herr Reichskanzler, zur anbertoettigen Verwendung mit Postanweisung überwiesen. Ich kann damit nichts anfangen. Zur Bestreitung der lausenden Kosten, die mir durch meine Kriegsverwundung und durch das Tragen einer Prothese erwachsen, reicht dieser Betrag nicht ans.
Ich bitte, mtt über Verwendung des überwiesenen Betrages Mitteilung machen zu wollen."
Die Annahme des Bettages ist jedoch vom Reichskanzler verweigert worden.