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Kaffeler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 215*
IFonfda, 14. <^eviember 1Q31
21 Jahrgang
Oesterreich nach dem Heimwehr-puisch
Oie Ordnung wieder völlig hergesteltt / Verschiedene Heimwehrführer verhaftet / Das Ausland über den putsch / Gandhi und Macdonakd
Indiskretionen vom Mlsonkai
Dr. Pz. Genf, Mitte Sept.
Man kennt die Aufregung, die den Völkerbundsrat packte, als das wohlversiegelte, authentische Exemplar des Haager Entscheids nicht in Genf eintrefsen wollte. Die Herren vom Sekretariat hatten mit vieler Mühe erreicht, daß die Angelegenheit ohne weitere „Geschichten" erledigt würde: Briand. hatte das Versprechen erst in letzter Stunde abgegeben, und man mußte befürchten, daß er schon am nächsten Tage aus den Druck der Pariser Chauvinisten hin umfallen könnte.
Um vier Uhr eröffnete der Ratsvorsitzende Ler- roux die Sitzung und erteilte dem bulgarischen Vertreter Malinoff das Wort. Das Sekretariat atmete auf: Venizelos war auf seinem Posten. Man wußte nun: Die Sache mit der Entschädigung für die Flüchtlinge, die an sich keinen Menschen interessierte, ließ stch jetzt so weit hinausziehen, wie man nur wollte. Denn Herr Venizelos ist mindestens ebenso redselig wie ein armenischer Toppichhändler, und sein Gegner Malinofs ließ stch nach und nach anstecken. Es wurde 5 Uhr, es wurde 6: die beiden diskutter- ten noch immer, und auf das Flugzeug von» Haag her war kaum noch zu rechnen. In der Verzweiflung einigte man sich schließlich dahin, den diplomatischen Formen einen kleinen Schlag zu versetzen und nach einer berühmten Theorie so zu tun, als ob das Schriftstück vorläge. Nicht »bue Mübe wurde Herr Venizelos, der gerade zur elften' Tuplik aushtztte, zum Schweigen gebracht, und die ,Historische Minute- Verlies ohne jeden Zwischenfall.
Allgemein aber zerbrach man sich den Kopf darüber, was eigentlich mit dem Dokument geschehen sei, und stellte die gewagtesten Hypothesen auf, deren wahrscheinlichste folgende ist: An der holländischen Grenze wurde das umfangreiche Paket trotz der diplomatischen Siegel von den Zollbehörden beanstandet, weil eine geheime Meldung eingetrosfen war, es werde aus raffinierte Weise ein umfangreicher Kokainschmuggel versucht. Die BcanAen wagten zwar nicht, die Siegel zu zerbrechen, hielten aber die Sendung so lange zurück, bis alle Zweifel behoben waren.
*
Herr Etienne Flandin, Finanzminister im Kabinett Laval und erklärter Feind Briands, ist bekanntlich ein hochgewachsener, schöner Mann mit blendenden Umgangsformen, dazu ein Liebling der Frauen, was in dieser kleinen Geschichte nicht ganz so nebensächlich ist, wie es dem Leser vielleicht scheinen mag. Als er am Lyoner Bahnhof in Paris von seinen Freunden Abschied nahm, riefen ste ihm halb im Scherz, halb im Ernst das Wort zu: „Halten Sie Ihre Taschen fest verschlossen, Herr Finanzmim- ster!" Worauf dieser antwortete: „Keine Angst, meine Herren, Marianne hat sie mir vor der Abreise zu- genäht."
Nun aber geschah es dieser Tage, daß ausgerechnet Herr Flandin morgens beim Aufstehen seine Brieftasche vermißte, die er am Abend zuvor — es hatte irgendwo ein mondäner Empfang stattgefunden — verloren haben mußte. Man suchte, forschte nach, setzte alle Hebel in Bewegung — das Portefeuille blieb verschwunden. Die Schätze der Banque de France befanden sich zwar nicht darin, aber doch immerhin Geldeswert genug, um einen sparsamen Franzosen, selbst wenn er Minister ist, ernstlich zu betrüben. Angesichts eines solchen Unglücks hätte das Hotel des Bergues die Fahnen am liebsten auf Halbmast gesetzt: der Einzige, der keinerlei Trauermiene zur Schau trug, war Aristide Briand. Er machte seinen Höcker noch runder und spitzer als sonst und schlürfte umher, schadenfroh flüsternd:
„Geschieht der Marianne nur recht, warum hat sie ihren Liebhaber gewechselt? Mit mir hatte sie wenigstens nach der Se-te hin nicknä jU befürchten.. .*
Im Namen eines Organisationsausschusses hat der englische Vertreter Lord Cecil eine strenge Philippika gegen, die prunkvollen Empfänge und die kostspieligen Bankette gehalten, die bei den heutigen schweren Zeiten nur geeignet erschienen, Genf und den Völkerbund in Mißkredit zu bringen; er ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat in der Bundesversammlung einen dahingehenden Antrag gestellt, über den ste beraten wird. Genützt hat die ganze, äußerst lobenswerte Aktion bis jetzt noch nicht das Mindeste, und das Sekretariat selber tut das Menschenmögliche, sie in irgendeiner Unterkom- misston verpuffen zu lassen: es weiß nämlich sehr wohl, daß dann die „Genfer Saison" all ihren Glanz verlieren würde, und vom Glanz leben zwar nicht die Völker, wohl aber zu einem guten Stück der Völkerbund. Im übrigen sei bemerkt, daß an dem gleichem Abend des Tages, wo der Antrag gestellt wurde, Lord Cecil selber als erster Delegierter Großbri'an- niens im Hotel Beaurivage eines der splendidsten Diners gab, wovon die Genser Annalen berichten...
Zm wunderschönen Park der Ariana, dicht vor
3m ganzen Lande wieder Ruhe!
Eigener Drahtbericht.
th. Berlin, 14. September.
Die Nachrichten von dem Putsch, den ein Teil der österreichischen Heimwehren in der Nacht zum Sonntag unternommen hat, haben auch in Berlin starke Beachtung gefunden (Eingehenden Bericht stehe 2. Seite!) Die Reichsregierung hat sich im Laufe des Sonntags mit der Wiener Regierung direkt in Verbindung gesetzt und beruhigende Nachrichten erhalten.
lieber die Ursache der Aktion werden verschiedene Ansichten geäußert. Man nimmt aber an, daß die Vorbereitungen in großer Stille getroffen wurden, und es liegt nahe, daß der Führer der Heimatwehrbewegung den Versuch machen wollte, die österreichische Bundesregierung noch vor den Verhandlungen zu stürzen, die in den nächsten Tagen in Genf über das österreichische Kreditersuchen beginnen sollen. Die Heimwehrbewegung hatte sich gegenüber den Plänen der deutsch-österreichischen Zollunion sehr freundlich ausgesprochen. Rach dem Zusammenbruch dieses Planes und der Unterwerfung der österreichischen Regierung unter Frankreich scheint der Führer der Heimwehrbeweguna den Augenblick zum Losschlagen für richtig gehalten zu staben
Auf der o ft c r r e t ck i s ch e n G e s a n o t Ar a 11 in Berlin beurteilt man den Putsch mit jener Ruhe, die einer bereits in ihren Anfängen zur völligen Ausstchtlosigkeit verurteilten und auch schon erledigten Episode zukommt.
Der österreichische Gesandte Dr. Frank bezeichnete die ganze Aktion des Heimwehrsührers Psriemer als einen „verrückten Putsch".
Wien, 14. September. Die Ruhe ist in ganz Oesterreich an keiner einjigrn Stelle mehr gestört worden.
Wie aus Linz gemeldet wird, sind der Bundesführer des Heimatschutzes, Starhemberg, und Gutsbesitzer C o r e tz verhaftet und dem Gericht eingeliefert worden. Die Verhaftung der Generäle Puch- mayer und Englisch-Poparic wird bestätigt.
Aus Graz wird berichtet, daß Stabsleiter R a u- t h e r dort ’n seiner Wohnung verhaftet und dem Landgericht eingeliefert worden ist.
Gefahren für Europa
London, 14. September.
lieber den Putsch in Oesterreich berichtet die englische Presse sehr ausführlich. Die Firnes" sagt in
London, 14. September.
Gandhi batte am Sonntag abend eine längere Unterredung mit Macdonald. Er betonte dabei, daß er willens sei,, die Verhandlungen fortzusetzen, wenn die englische Regierung bereit sei, die grundsätzlichen Fragen zu besprechen, so wie sie vom Allindi- schen Kongreß festgelegt seien; andernfalls hätte es überhaupt keinen Zweck, in Erörterungen einzutreten. Die Einzelheiten sollten Sachverständigen überlassen werden.
Pressevertretern gegenüber erklärte Gandhi, daher großen Wert auf eine baldige Aussprache mit seinen beiden Hauptgegnern Churchill und Lord Rothermere lege. Am Nachmittag sprach Gandhi im Rundfunk zu den Amerikanern.
Gandhi schlief die erste Nacht in London in eine
dem Museum stand aus hohem Stuhle eine mächtige Glocke, deren Kupfermaniel über und über mit geheimnisvollen, kabbalistisch anmutenden Zeichen bedeckt war; auch waren daran künstlerisch wertvolle Figuren angebracht, deren Köpse jedoch sämtlich abgeschlagen waren. Wo kam die Glocke her? Welcher Meister hatte sie gegossen, welcher Künstler sie verziert? Niemand in Genf wußte darüber etwas Bestimmtes und Einwandfreies zu sagen. Ta kam vor etlichen Jahren ein japanischer Gelehrter, der zugleich in seiner Heimat Priester des Buddha war, und stellte fest: Die Glocke ist japanischen Ursprungs un. hing in etne.n Tempel, ehe sie während des großen Aufstandes die eindringenden Europäer raub-en. Man staunte und zweifelte, aber schon nach wenigen Monaden kam der Gelehrte mit Abbildungen und unumstößlichen Beweisen, zugleich auch mit einer Bitte der japanischen Regierung an die Stadt Genf, das Kunstwerk wieder auszuliesern. Was war unter sol-
ihrern Leitartikel, daß dadurch die allgemeine Spannung in Europa noch verschärft werde. Seine Bedeutung sei nicht groß, aber er sei charakteristisch für die Gefahren, die infolge der gegenwärtigen ungleichen Verteilung der finanziellen, politischen und Wirtschaftskräfte für die Beziehungen der europäischen Völker entstanden seien. Diese Gesahren könnten nur durch die freie Zusammenarbeit aller europäischen Mächte, insbesondere Frankreichs und Deutschlands, die sich ernsthaft um einen Ausgleich bemühen müßten, beseitigt werden. Die Abrüstungskonferenz werde nur er- erfolgreich sei, wenn sich bis dahin die französisch- deutschen Beziehungen gebessert hätten. Man habe Grund zur Annahme, daß die französischen Minister konkrete Vorschläge in Berlin unterbreiten werden, die sich auf eine finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit beziehen (?) Politisch, finanziell und militärisch sei Frankreichs Vorherrschaft in Europa absolut, vielleicht absoluter als die Deutschlands zur Zeit des Sturzes von Delcasss.
„Daily Telegraph" führt den Putsch der Heimwehr auf die politischen und wirtschaftlichen Enttäuschungen der letzten Zeit, wie z. B. den Zusammenbruch der Zollunion zurück. Dies berechtige jedoch
",‘ zu <uvelÄniworllichcn ./'ewattuttrßnahtNen hmreißen zu lassen.
pariser Kommentare
Paris, 14. September.
Die Pariser Morgenblätter messen den Unruhen in Oesterreich große Bedeutung bei und füllen ganze Spalten mit den letzten Nachrichten aus Wien, ohne schon ausführlich dazu Stellung zu nehmen. Lediglich der . „Petit Parisien" läßt sich von seinem Wiener Sonderberichterstatter melden, daß die Zwischenfälle, so bedauerlich ste auch seien, den Beweis dafür lieferten, daß die Mehrheit des österreichischen Volkes den Bürgerkrieg verurteile. Sie wiesen jedoch andererseits auch auf die beunruhigende Lage hin, in der stch Oesterreich befinde und die der Winter nur noch verschlimmern werde.
Das linksgerichtete „Oeuvre" ironifiert den Putsch und meint, in Oesterreich habe man versucht, Krieg zu spielen und darum den regulären Truppen Gelegenheit gegeben, einige Hebungen auszuführen. Den Ausgang der Bewegung könne man als ziemlich beruhigend ansehen.
Wolldecke gehüllt auf dem Zementboden seines Kämmerchens in Kingsley Hall.
3m Zeichen der „Abrüstung"
Reuyork, 14. September.
Das Washingtoner Marine-Departement veröffentlicht eine Aufstellung über den Fortschritt der Flottenrüstungender einzelnen Länder seit dem Londoner Vertrag vom April 1930. Das Mavne-Departement versucht, wie die „Herald Tribüne" hervorhebt, den Nachweis zu erbringen, daß die Vereinigten Staaten praktisch bereits den Flottenseiertag durchsüh- ren, weil sie mit den vertraglich zulässigen Schiffsneubauten am weitesten zurück sind. Frankreich und Italien bauten am meisten. England sei bisher mit 57156 Tonnen und Amerika mit 100 240 Tonnen hinter der erlaubten Tonnagezahl nach dem Londoner Bauvertrag zurück.
chen Umständen zu tun? — Nichts anderes, als dem Wunsche zu entsprechen. Mit aller erdenklichen Vorsicht hoben eigens herübergesandte japanische Arbeiter die Glocke von ihrem Stuhl herab, schlugen sie sorgfälng ein, und ein halbes Jahr später stand sie wieder im Buddhaiempel; an der Stelle im Ariana- Park steht jetzt ein nichtssägender Steinblock, den die Regierung von Tokio gestiftet.
Aber die Geschichte ist nicht zu Ende. Unter den vielen fremden Arbeitern, die jetzt im Park der Ariana am neuen Völkerbundspalast tätig sind, tauchte, man weiß nicht wie, das Gerücht auf, die verschwundene Glocke bringe Unglück und Verderben. Eine Reihe von unliebsamen Zwischenfällen konnte als Bestätigung angefehen werden, und heute ist in gewissen Kreisen der Glaube allgemein: es werde sich vor Beendigung des Palastes etwas Schreckliches ereignen. Vielleicht der Zusammenbruch des Völkerbundes überhaupt i
Der neue Weg!
Das System der täglichen Kabinettssitzungen wird nun wieder aaifleben, nachdem sich die verantwortlichen Persönlichkeiten der Reichsregierung eine Gesetzgebungspause gegönnt haben. Das Kabinett Hot sich für die Ausarbeitung des großen Winterprs- gramms einen Termin gesetzt. Bis zum 22. September will man unter allen Umständen die große Notverordnung herausbringen, durch die die Ueber- leitnng in den Winter herbeigeführt weroen. soll. Dieser Termin ergibt sich aus der Natur der - ache, denn ein großer Teil der Maßnahmen soll am 1. Oktober in Kraft treten. So drängt sich die eigent.iche gesetzgeberische Arbeit wieder auf acht oder zehn Tage zusammen, nachdem fast acht Wochen feit der großen Krisis vergangen sind, die das System der täglichen und nächtlichen Äabinettäberatungen zum ersten Male einführte. In dieser Feststellung liegt Kritck — liegt vor allem die Frage, ob man die Arbeiten nicht etwas gleichmäßiger hätte »crtcuen können.
Daß so lange Zeit hindurch im Kabinett noch Ungewißheit über die wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten bestand, erklärt stch aus der ganz verschiedenartigen Aufgabenstellung, vor der das Kabinett während der Bankenkrise und vor der cs bei der Bekämpfung der kommenden Winterschwicng- leiten stand. Während der Bankenkrise mußte man Maßnahmen treffen, die im Augenblick wirksam waren, die eine Katasttophe in den nächsten Tagen verhüteten, selbst wenn man voraussehen konnte das diese Maßnahmen wenige Tage oder Wochen später c>Is Ksirkscktckft •3f66t*TU) wied-r verschwi"den Jetzt, nach dem Sturm handelt es sich darum, «hebet auf den richtigen Kurs zurückzusinden. Entscheidend ist dabei vor allem die Frage, ob jener Prozeß der Deflation, der die ganze Krise verursacht batte, sich fortsetzen würde, oder nicht. Die Frage war deshalb: Kann man sich daraus etnrWett, dal. die Weltwirtschaft stch auf dem herabgesetzten wirtschaftlichen Niveau stabilisiert, oder muß man in bet ganzen Wetli mit weiterem Sinken der Preise mit weiterer Verknappung und Verteuerung des Bargeldes, mit weiterer Konkurrenz aller nationalen Jndnstrieen gegen Alle auch im kommenden Winter rechnen. Prophezeiungen über die weltwirtschaftlühe Entwicklung sind auch heute noch nicht möglich, -wer die Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden, und unter dem Druck der Unsicherheit hat man zu einem neuen Weg entschlossen. Man kann sich ni*t auf eine Stabilisierung der Wirtschaft eup richten, ohne Gefahr zu laufen, daß durch ein weiteres Absinkcn der internationalen Preise Teuttm- land konkurrenzuniästig wird. Man kann nicht oj&ne Not an eine Förderung der Deflation Herangehen, weil eine staatliche Förderung der Geldverknappung zum Absinken der Einkommen und damit auch der Steuererträge führen würde, und solche Belastungen unerträglich erscheinen würden, wenn stch etwa nach- träalicb zeigen sollte, daß sie überflüssig waren. Infolgedessen will man ehren dritten Weg gehen, und versuchen, die Deflation auf$ufangea.
Dieter Gedanke, die Deflation auszufangen, beherrscht das Winterprogramm der Retchs- regierung in seiner jetzigen Gestalt. Die Hauptpunkte des ganzen Programms Zielen daraujhtn, eine wirtschaftliche Umstellung herbelzu- fübren, bei der man dort stabilisiert, wo ein gewisser Stillstand der Niedergangsbewegung erkennbar ist, und neue Wirtschaftskräfte an den Stellen weckt, die durch ein neues Absinken der Preise, dürft, eine neue Bargeldverteuerung bedroht werden könnten. DaS Stabilisierung-tvrmziv wird zunächst gegenüber den Beamtengehältern angewandt. ®te zlmi- jübrige Sperre für das Aufrücken in die höhere Gehaltsklasse, also eine Art Aulagemorawrmm, entspricht dem Zustand, der sich in der Privatwirts^ft ohnehin herausgebildet hat, in der ja seit langem keine Gehaltszulagen mehr gezahlt werden, so soll zunächst wenigstens der jetzige Stand der Beam en= besoldung erhalten und nicht eine weitere Kürzung vorgenommen werden. Es entspricht diesem Prmztp auch, wenn man die Höchstbension etwas herunter» setzt, denn die Pension in Höhe von 80 Prozmt des zuletzt bezogenen Gehalts ist erst vor einigen Jahren eingeführt worden, diese Erhöhung stellte also gewissermaßen eine Konjunkturzulage für d-c Pensionäre dar. Der Grundsatz der wirtschaftlichen Umstellung im Kambs gegen die affin weitgehende Senkung des Lebensniveaus macht sich fernere bemerkbar bei dem Plan der Arbeitslosensiedlung.
Der Grundgedanke, die Wirtschaft trotz einet etwaigen Steigerung der Deflation beweglicher zu gestalten, kommt in dem Plan eines Steuerumbaus z„m Ausdruck. Man will die Hauszinsfieuer fallen lassen, und zum Ersatz der Einnahmeverminderung, die sich daraus ergibt, die Umsatzsteuer erhöhen. Dabei araumentiert man in Regierungskreisen folgendermaßen : Die Beseitigung der Hausftnssteuer soll nach den Berechnungen der Verantwortlichen Stellen eine Entlastung um etwas mehr als 16 Prozent bringen. Wenn davon, wie man es berbeifuhren w'll 14 Prozent den Mietern zugutekommen. aho eine’ Senkung der Mieten um 14 Prozent vorgenommen wird, so würd- eine erhebliche Verbilligung der Lebenshaltung erreicht. Die Umsatzsteuer wird allerdings, um diesen Emnahmeauswll für die staatlichen Kassen zu deck-m. fast verdopvelt werden müssen. Da aber der ütb'ati ohnehin stockt, Wird diesmal b*e Nnttahfl-ueeerlwbung n'ckt voll auf den Verbraucher abgewälzt werden können, sondern Pro-
Gandhi konferiert mit Macdonald
Eigener Drahtbericht.