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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 207*

Fre'iog. 4. September 1931

21 Jahrgang

Der Widerhall der Genfer Erklärungen

Gedrückte Stimmung in Berlin und Wien / Frankreichs weitere Pläne /Die Chance des Europa-Ausschusses" / Neue pariser Schikanen

Kritik an Curtius und Schober

Von unserer Berliner Schristleitung.

Gespräche in -er Halle

(Von unserem nach Gens entsandten Dr. Pz.=®titatbeiter.)

th. Berlin, 4. September.

Die Berzichtcrklärung des deutschen Außenmini- stcrs über die Weiterversolgung des deutsch-österrei^ chischen Zollunionplanes in der gestrigen Sitzung des Europaausschusses in Genf hat den rechtsstehen­den Politischen Kreisen bereits de» Anlaß gegeben, einen neue« Feldzu^ gegen den Außen­minister Dr. Curtius zu unternehmen. Man wirft Dr. Curtius vor, daß er vor dem französischen Drucke zurückgewichen sei und den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion geopfert habe.

Darüber hinaus wird von deutschnationaler Seite auch behauptet, daß Dr. Curtius sich nicht an die Instruktionen gehalten habe, die ihm das Reichskabinett mit nach Genf gegeben hat. Demgegenüber muß festgestellt werden, haß der deutsche Außenminister im Rahmen der vom Reichs­kabineti gebilligten Politik gehandelt hat, und daß zwischen Berlin und Genf während der letzten Tage ein mehrfacher telephonischer Meinungsaustausch stattgefunden hat.

Die Reichsregierung in Berlin war über die Absichten des Außenministers weitgehend unterrich­tet. Für die Konstruierung eines Gegen­satzes zwischen dem Kabinett in Berlin und der deutschen Delegation in Gens liegt kein begründeter Anlaß vor.

*

Jin einzelnen führen wir folgende charakteristi­sche Aeußerungen Berliner Blätter an: Die Vossische Zeitung" nennt die Zollunion eine Frühgeburt, die nicht recht lebensfähia war, als sie zur Welt kam. Wenn es zutrifft, so jcmeibt das Blatt, daß der Vertreter Frankreichs nicht nur einen Verzicht für die Gegenwart, sondern auch ein feier­liches Versprechen für alle Zukunft gefordert hat, dann stellt die gleichlautende Erklärung, die Scho­ber und Curtius gestern abgegeben haben, ein ge­schicktes und annehmbares Kompromiß dar. Es wäre unter den fetzigen Verhältnissen kindliche Prestigepolitk gewesen, wenn Deutschland und Oesterreich nicht Verzicht geleistet hätten, zu­gunsten eines Planes, der mehrere größere Zollunio­nen vorsieht.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" spricht von dem traurigen Zusammenbruch der deutschen Zollunionspolitik in Genf. Die Zoll­union war bereits im Mai endgültig verloren, und der Verzicht darauf unausbleiblich geworden. Selbst gestern noch konnte man sich vielleicht, wenn nicht mit Anstand, so mit Geschicklichkeit, einigermaßen aus der Affäre ziehen, gestützt auf das Urteil der höchsten richterlichen Autorität der Welt, wenn sie gegen uns entschied. Fiel der Richterspruch jedoch günstig aus, so konnte aus dem politisch unter der Peitsche Frankreichs doch unumgänglichen Verzicht vielleicht noch einiges Kapital geschlagen werden.

DerT a g" bezeichnet es als müßig, jetzt darum zu streiten, ob die Zollunionspolitik richtig oder falsch gewesen sei. Es sei eben jede Politik, wenn sie zur rechten Zeit und mit den rechten Mitteln ar­beitet, fruchtbar und möglich. Ter Rücktritt des Außenministers sei längst überfällig. Es wäre aber eine merkwürdige Auffaflung. wenn man Cur­tius allein als Sündenbock für eine Politik in die Wüste schickte, für die doch das ganze Kabinett ver­antwortlich sei.

DieDeutsche Zeitung" ist der Ansicht, es sei sehr wohl denkbar, daß uns unter Stresemann dieser wirklich uneingeschränkt vernichtende Ausgana erspart geblieben wäre. Man steuere jetzt auf die Zollunion mit Frankreich" zu, was nichts anderes bedeute, als daß wir wirtschaftlich Stück um Stück noch mehr als ohnehin schon an die französische Kette gelegt würden. In keinem Lande könnte eine Regierung eine solche Niederlage hinnehmen. Dar­um müßte auch in Deutschland dafür gesorgt wer­den, daß die Regierung Brüning nach dieser autzen- politischen Bloßstellung das Feld räume.

Cano'a"

Wien, 4. September.

Zu den jetzigen Verhandlungen des deutschen und des österreichischen Außenministers in Gens schreiben dieWiener Neuesten Nachrichten", die dem Vizekanzler nahestehen, unter anderem, die fran- zöstsche Erpressung könne es zwar verhindern, in die­sem Augenblicke die Zollunion zu verwirklichen, sie könne aber nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß Oesterreich wirtschaftlich und poli­tisch lebensunfähig ist, was gerade diejeni­gen Krisenvorgänge am deutlichsten bewiesen haben, die Frankreich die Waffen gegen uns in die Hand gedrückt haben.

DieR e i ch s p o st" versieht ihren Leitartikel mit der UeberschriftCanossa" und sagt unter ande­rem, das angerichtete Unheil ist groß geworden. Es wurde in unterrichteten Kreisen schon nach Ostern bekannt, daß Frankreich kredit­politisch antworten werde. Warum man sich damals nicht zu einer Verständigung zusammengefun­den hat, warum man nicht wenigstens, als die Kredit­anstalt in Brand geschossen war, eine Formel fand, die den Frieden leichter als heute vermittelt hätte, darüber wird noch Klarheit geschaffen werden müssen, wenn die gesamten Akten veröffentlicht werden können.

DieReue Freie Presse" betont, daß der Verzicht auf die Zollunion nichts an Oesterreichs wirtschaftlicher Krise ändere. Die Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich ist zunichte gemacht, aber nicht getötet ist die Not der unterdrück­ten Millionen. Positives müsse geschaffen wer­den, sonst werde der pan-europäische Gedanke selbst zugrunde gehen.

Das Hauptorgan der Sozialdemokraten, dieAr­beiterzeitung", wendet sich gegen den französi­schen Imperialismus, der nunmehr aus der Höhe seiner Macht stehe, da das französische Geld Europa regiere, wie es wolle. Das Blatt wendet sich auch gegen die deutsche und österreichische Politik in der Zollunionsfrage. Der Kampf habe mit einer demüti­genden Niederlage geendet.

linier in Genf «eilender Dr. Pz.=$litarbeiier schil­dert hier einmal denBetrieb", die eigenartigeAt- moiobäre", die im Genier Palast der Nationen herrscht. Wir glauben, dah seine Aussübrungen eine recht interessante Ergänzung zu den bisher recht uuersreulichen Tagesmeldungen, die aus der Böl- kerbuudöftadt komme«, daritellen.

Dr. Pz., Genf, Anfang September.

Der heutigePalast her Nationen", Sitz des Sekretariates merkwürdigerweise ist in Genf das Wortinternational" gänzlich außer Gebrauch: der Schuhputzer, die Blumenverkäuferin, der Milch­händler, der Eisfabrikant nennen sich ausnahmslos Schuhputzer der Nationen",Blumenverkäuferin der Nationen" usw., nicht anders, ist bekanntlich das ehemaligeHotel Natwnal", und es verleugnet auch heute noch seine ursprüngliche Bestimmung nicht. Nachdem man an ein paar uniformierten Por­tiers, Pardon, Saaldienern, die jeden mit psycholo­gisch geschärften Blicken mustern, vorübergegangen ist, gelangt man in die große Halle, die sich von ähnlichen Räumen in jedem besseren Hotel nicht im geringsten unterscheidet. Die üblichen Maße, 20 Me­ter lang und 8 Meter breit, reichlich abgenutzter Tep­pich, Büro für Anmeldungen; 2 Treppen, die zu den Stockwerken führen, Auszug, Bank, rechts und links abzweigende Gänge, der eine zum Journa­listensaal, der andre zur Bibliothek und jenem be­rühmtenGlaspalast", einem zur Seeseite hin errichten Anhängsel, das den Tagungen des Rates

Befnedigung in Paris

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 4. September.

Die Pariser Morgenpreffe beschäftigte sich einge­hend mit den in Gens geführten Verhandlungen zur Frage der Zollunion und stellt mit großer Be­friedigung fest, daß Deutschland und Oesterreich auf den Anschluß verzichtet hätten. Um zu einer Li­quidierung der Angelegenheit zu gelangen, fordern die linksstehenden Blätter die Verwirklichung des Zriandschen Europaplanes. Hingegen glaubt die Rechtspresse, ein Wiederaufleben des deutsch-österrei­chischen Planes durch politische Mittel verhindern /u können.

Besondere Erwähnung verdient dieJournee Industrielle", deren Chefredakteur, der Abgeordnete G i g n o u x, der gestern offiziell zum Nachfolger Francois Poncets als Unterstaatssekretär für Volkswirtschaft ernannt worden ist. sich dagegen wehrt, daß der gestern in Genf errungene diplo­matische Erfolg dazu benutzt werde,den fran­zösischen Sparstrumpf z» leeren".

Sauerwein schreibt imMatin", der Verzicht aus die Zollunion sei die Feststellung der Tatsache, daß der Plan die europäische Zusammenarbeit erschwere, anjtatt sie zu erleichtern. Reichsaußenminister Dr. Curtius habe in seiner Erklärung weiter als Schober aysgeholt, den Verzicht aber unzweideutiger ausgesprochen. Das sei ein Beweis dafür, daß der französische Standpunkt in Genf gesiegt habe, was als ein gutes Vorzeichen für den französischen Mi­nisterbesuch in Berlin angesehen werden könne (?).

Der offiziösePetit P a r i s i e n" betont, daß die deutsche und oie österreichische Regierung aus freien Stücken den Anschlußplan ad acta gelegt hätten, und erwartet, daß er nicht wieder her­vorgeholt werde.

Oeuvre" erklärt, daß es jetzt auf Frankreich ankomme, ob der zoll- und der staatspolitische Zusam­menschluß Deutschlands und Oesterreichs am euro­päischen Horizont vtetoen würde. Man miiffe so schnell wie möglich praktische Aufbauarbeit leisten.E r e N o u v e l l e" erklärt, damit der Ver­zicht auf den Anschluß endgültig sei, gebe es nur eines, Organisierung der internationalen Zusammen­arbeit und ocr europäischen Einigung. Aber hierzu sei nur Briands Politik geeignet.

Die Coty-Presse,Figaro" undAmi du Peuple". machen sich über die Franzosen lustig, die an einen endgültigen Verzicht auf den Anschluß glauben.Echo de Paris" schreibt, Curtius und Scho­ber hätten sorgsam ihre gestrige Demarche und die gegenwärtige europäische Lage in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht. Das heiße soviel, daß der Zollunionsplan wiederauftauchen wür­de, wenn die gegenwärtige Lage sich ändere.

DerFigaro" bestätigt am Freitag, daß Francois Poncet den Botschafterposten in Berlin am 20. Sep­

tember antreten und die französischen Minister bei ihrem für die Zeit vom 26.-28. September angesetz­ten Besuche dort empfangen wird.

Oie Chance -es Europa-Ausschusses

London, 4. September.

Der Verzicht Deutschlands und Oesterreichs auf die Zollunion und der dadurch sichergestellte Besuch Lavals und Briands in Berlin wird nach Ansicht der Times" die deutsch-französische Annäherung ein we­sentliches Stück vorwärts bringen. Wenn man in Europa als ganzes genommen, eine Katastrophe ver­meiden wolle, dann bedürfe es mehr denn je der auf­richtigen Zusammenarbeit aller Regierungen. Der Europaausschutz des Völkerbundes habe jetzt seine große Gelegenheit, Europa einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Es lägen aber noch ge­nügend Gefahren in der Lust, denn je größer die Zahl der interessierten Regierungen sei, desto größer sei auch die Schwierigkeit, eine endgültige Einigung zu erzielen und zu einer befreienden Tat zu kommen.

Nur Frankreich weigert sich ...

Washington, 4. September.

Die Pariser Meldungen über die Unterredung EdgeLaval kommentierte Unterstaatssekretär Castle dahin, daß Botschafter Edge angewiesen sei, der fran­zösischen Regierung dringlichst nahe zu legen, die Zahlungen des amerikanischen Schatz­amtes an deutsche Reederei en nicht wei­ter aufzuhalten. Deutschland schulde nach dem Schuldenabkommen mit Amerika jährlich etwa neun Millionen Dollar für Bezahlung privater amerika­nischer Ansprüche gegen die Reichsregierung aus dem Weltkriege. Andererseits schulde Amerika deutschen Privatleuten als zweite Rate der im Freigabegesetz ton 1928 für die Beschlagnahme deutscher Schiffe, Patente und der Funkstation SSLville zugebilligten Entschädigung etwa 18 Millionen Dollar. Diel? Summe dürfe das Schatzamt aber nach dem Frei­gabegesetz nur zahlen, wenn die Reichsregierung obige private Ansprüche befriedige. Nun hatte sich die Reichsregierung im Jahre 1930 im Haaa ver­pflichtet, im Falle eines Moratoriums an keine Gläu­bigerregierung zu zahlen. Amerika betrachte obige 9 Millionen Dollar nicht als Verpflichtung zwischen zwei Regierungen, sondern als Zahlung Deutsch­lands an private Amerikaner und habe daher alle Zeichner des Haag-Abkommens um ihre Zustimmung ersucht. Alle hätten bereitwilligst sofort zugestimmi, nur Frankreich weigere sich. Amerika be­dauere diese Verzögerung, da man wisse, daß gewisse deutsche Anspruchsberechtigte in großen finanziellen Schwierigkeiten seien und sei an sich bereit, diese 18 Millionen Dollar morgen zu zahlen, falls obige Schwierigkeit beseitigt werden kann. Man müsse nunmehr versuchen, einen anderen Modus zu finden.

und neuerdings auch des europäischen Ausschusses dient, vorne endlich ein paar Säle, die mit Buckz- stahen bezeichnet sind und die verschiedenen Kom­missionen aufnehmen.

Seit aus Gründen einer bequemeren lieber- wachung der Zugang vom See her gesperrt ist, muß der gesamte Völkerbund in dieser Halle buchstäblich Spießruten laufen: Hier passiert alles: vom Erstminister und Botschafter bis zum letzten Hilfs­sekretär; alle tauchen sie unter in dem gewaltigen Meer von Journalisten, der Neugierigen, der Gläu­bigen uüd Illuminierten, vermischt mit den Beam­ten des Bundes, an ihrem etwas blasierten Ge- stchtsausdruck sofort erkennbar. Das Ganze scheint in einer steten Bildung und in einer steten Auf­lösung begriffen zu fein; Gruppen treten zuein­ander, um sich sofort wieder zu trennen und andern Formationen Platz zu machen; im Augenblick steht man allein, bildet im nächsten Moment den Kern einer größeren Masse, will anstandshalber etwas Bedeutendes sagen, um dann plötzlich zu merken, daß man wieder ganz isoliert ist. Alles dies ge­schieht ohne jeden Zwang, ohne Form, noch sicht­baren Plan; man begrüßt sich nicht, außer am ersten Tag, nimmt beim Fortgehen nicht Abschied, fällt beim Gespräch wortwörtlich mit der Türe ins Haus. Am besten noch läßt sich dieses merkwürdige Ge­triebe mit einer Börse vergleichen, wöbet die Werte durch Gerüchte dargestellt werden. Nur merkt man nichts von irgendwelcher Leidenschaft: gespann­te Aufmerksamkeit auf fast allen Gesichtern, doch ge­dämpft durch eine grundsätzliche Skepsis, die man in der Schule des Völkerbundes längst gelernt. Spie­len wir eine Weile den ruhigen Beobachter. 1

Da steht die behäbige Gestalt desMatm"-Re- dakteurs Jules Sauerwein neben dem gutmüti­gen Bundeskanzler Dr. Schober. Zwei Menschen, ne sich im Grunde stark ähnlich sehen. Der Jour­nalist spricht eindringlich aus den Politiker ein. Ist er doch das Sprachrohr des Quai d'Orsay und des abwesenden Briand. Unschwer errät man Gegen­stand und Inhalt hat man übrigens gar nicht nötig, denn die Reden klingen laut genug. Es wird behauptet, in sehr vielen Fällen bereits hätten füh­rende Politiker in Genf sich durch solche völlig un­diplomatischen Unterhaltungen zu einer radikalen Aenderung ihrer Haltung bestimmen lassen. Bei­spiele dafür zu nennen, wäre übrigens nicht schwer. Vornehm und rassig plaudert der gefürchtete Kri­tiker P e r t i n a x mit dem Belgier Hymans, der ebenso schlau wie andächtig zu lauschen scheint. Voll Pakten und Diskriminationen geht die Rede, kein aufregendes Thema. Der kleine, bewegliche weiß­haarige Minister ist Freihändler, wie es das In­teresse seines Landes erheischt, und der sonst so skep­tische Pertinax will ihn unbedingt von dem Nutzen hoher Zollmauern überzeugen. Um die hohe Gestalt des amerikanischen Reporterfürsten Glarner drängt sich gleich ein halbes Dutzend Politiker: heißt es doch, er sei in die Geheimnisse der Wallstreet- Götter eingeweiht wie kein andrer. Etwas weiter tauschen Havas und Wolff ihre Ansichten aus, Temps" und Journal" treten sofort hinzu, bis die viel umworbene russischeDaß" den einen,Ex­change Telegraph", den andern entführt.

Hier in der Halle gibt es so etwas wie einen Barometerstand für die Politiker; hier ermessen sie genau, nicht ihre Popularität, sondern ihre relative Wichtigkeit, ihren moralischen und ma­teriellen Kredit. Einige sind umschwärmt wie Bie­nenköniginnen, andre stehen einsam und verlassen, trotz der Bitte in ihrem Blick, sie dochauszufragen". Drei oder vier Minister verweilen nie in der Halle; von einer schützenden Leibgarde umringt, die ihnen fast mit Gewalt Platz macht, stoßen sie hastig vor, jede Berührung vermeidend, so etwa Litwinow, Grandi. Letzterer fft so erstaunlich jung, fast jun­genhaft, daß man ihn immer wieder ansehen muß und jeden Augenblick einen tollen Streich erwartet. Sehr viele Minister sind redselig, fast schwatzhaft, und es bildet sich rasch um sie herum eine Gemeinde, die sich aber auch ebenso rasch wieder zerstreut. An­dere sind verschlossen und schweigsam, ihre seltenen Worte werden gierig aufgesogen und bilden gewöhn­lich das, was man dieSensation des Tages" nennt. Noch andere stechen im Rufe, witzig zu sein, und -das Leben mehr von der heiteren Seite aufzufassen: es fehlt ihnen nie an Zuhörern. Jetzt, auf ein Klingel­zeichen hin, verschwinden sie alle in irgend einem Ausschußsaal. Ist die Sitzung öffentlich, so leert sich die Halle im Nu, ist sie aber .privat" oder gar .ge­heim", so bleiben natürlich die Journalisten zurück und warten. Nicht eben lange. Denn bald schon tritt irgendein , .Verbindungsoffizier" her­aus und berichtet haargenau über alles, was sich drinnen so geheimnisvoll zugetragen. Hie und da fft es sogar ein Minister, der seiner Landespresse et-