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Vom Hotel zum Kurheim

Das deuffche Kurheim der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Bad Aauheim

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In der Fischgasse werden beachtliche Umsätze ge- tütiat in Sicken Aasen zu Mk. 1.20, tiitjen und ausge­wachseneren Hechten zu Mk. 1.101.20, Barschen M 90 Psg., Braflen M 80 Pfg., Schupperten zu 70 Psg. und Fuldafischen zu 40 Pfg. Als Parasestücke eine Lachsforelle zu Mk. 1.50- Schellfisch zu 4045 Psg., Seelachs zu 35 Ps., Goldbarsch zu 45 Pf., Rotzunge zu 60 Pfg., Scholle zu 50 Pfg., blausilberne Makre­len zu 50 Pfg. und Fischfilets zu 5575 Pfg.

Er bittet um WochenMe

Warnung vor einem Unterstütznngsbetrüger.

Nach Meldungen auswärtiger Verwaltungsstellen der Barmer Ersatzkasse ist wiederholt ein Betrüger un­ter Vorlage einer Geburtsurkunde, sowie einer Ar­beitgeberbescheinigung und einer Hebammenrechnung vorstellig geworden und hat um Bewilligung der Wochenhilfe gebeten. Hinterher stellte stch aber her­aus daß die vorgelegten Urkunden sämtlich gefälscht waren Da er das Gleiche auch bei anderen Kassen versuchen dürfte, sei vor ihm gewarnt. Der Mann ist etwa 30 Jahre alt, zirka 1,75 Meter groß, schlank hat blondes, gewelltes, gut gepflegtes und rechts geschei­teltes Kopfhaar, ohne Bart. Er war mit hellgrauem Straßenanzug bekleidet. Falls er hier auftreten sollte, wird um Mitteilung an d,e Kriminalpolizei gebeten.

Die Fulda steigt. Am oberen Lauf der Fulda ha­ben seit Tagen starke Niederschläge stattgefunden, denn nachdem der Wasserspiegel in den letzten Tagen um 60 Zentimeter gestiegen war, stieg in der letzten Nacht das Wasser um weitere 20 Zentimeter und führen die jetzt lehmgelben, dicken Fluten viel Saum, Baum­stämme, alte Eisenbahnschwellen, Zaunteile und Ee- sträucher mit stch. Zu Befürchtungen für die Unter­

neustadt liegt aber kein Anlaß vor, da der Abfluß der Wassermengen durch das Walzen- und d«e Nadel« wehre geregelt wird.

Aquarien-Sckau'. Der Aquarien-Verein Rymphaea Kassel, veranstaltet auch in diesem Jahr in der Zett vom 29. August bis 1. September eine Aquanen- Schau verbunden mit Zierfischverkauf im Restaurant Znm Braustüb'l" Holländische Straße. D«e vorzah- riqe Ausstellung dürfte noch sehr gut in Erinnerung fein. Gezeigt werden alle Arten Zierftjche vom Se- qelfisch (Pterophvllum scalare) bis zum Schleier- schwanz und dürste es sich lohnen, obige Veranstal­tung zu besuchen.

Mit der Kog zur Edertalsperre. Am kommenden Sonntag veranstaltet die Kasteler Omnibusgesellschaft eine Gesellichaftsfahrt zur Edertalsperre^ D«e Fahrt beginnt um 9 Uhr ab Friednchsplatz Staats- theater, Rückkehr gegen 20 Uhr.

PcrsonalverSndcrungcn des Relchsheeres. Mit dem 1. Juli 1931 wurden befördert: zum Oberltn.: Leutnnnt Schuette, Piionier-Batl. 5: zum Oberarzt: Ass.-Arzt Dr. Kultes, San. Abt 5. Mit dem 1. August 1931 wurden befördert: zum Oberltn.: Leutnant Praescle, In, Real. Nr 13 zum Leutnant ($?), Obersübnr. Blankenburg. Reuaamt Kassel. Mit dem 1. September werden ernannt. Oberst T s ch « r n i n g , Stab des, Ar«. Regis. 6 zum »trt. des Artl. Regts. 5; Major Guntzel, Stab des Ar«. Jübrers V zum Kdr. der Fabr-Abt. 1 Mit dem 1. sev- lembcr werden versetzt: Generalmajor Beck, Kdr. des Artl. Regts. 5 in den Stab des Gr. Kdos. 1; Rittm. Ra b« von P a p p e n ü e t'm , Reiter-Regt. 15 in den «tab der 3. Kav. Div.: Oberltn. Frhr. von B o d e n h u u 1 e n , Stab der 3 Kav. Div in das Reichswehrmin.: Oberarzt Dr. T s ch i e r s ch r« , San. Abt. 2 in die San. Abt. 5, «an. Staffel Münsingen.

Wettervoraussage bis Freitag abend-

Heiter, trocken, nachts recht frisch, Tagestemperatur stark ansteigend, später aufkommende Bewölkung, öst­liche Winde.

Rotzeichen im Alltag

Sorge und Hunger sprengen die Ordnung

y-in Leser unseres Blattes, der in dem Nauheimer Kurheim weilte, sendet uns die folgenden Ausführungen:

Nachdem das in der Kurstraße gelegene Haus den an ein Kurheim zu stellenden Anforderungen nicht mehr genügte, entschloß sich die Reichsversicherungs­anstalt für Angestellte in Berlin im Jahre 1928 zum Ankauf des Hotels Metropole. Die wenigen baulichen Veränderungen und Instandsetzungen wurden Ende 1928 durchgeführt, so daß die ersten, von der Reichs- Versicherungsanstalt überwiesenen Angestellten mit Beginn des Jahres 1929 das neue Heim beziehen konnten. Bei der Ueberweisung von Angestellten bandelt es sich vorwiegend um solche, die an Herz­leiden oder Rheumatismus erkrankt sind. Die ärzt­liche Oberleitung liegt in den Händen von Herrn Professor Dr. Weber, Leiter des staatlichen medizini­schen Instituts. Als Hausärzte sind Herr Dr. Grun­dig und Herr Dr. Langebartels, unterstützt von einem Assistenzarzt, tätig. Sie alle bemühen sich, tatkräftig unterstützt durch die Krankenschwestern, um die Wie­derherstellung bezw. Besserung des Gesundheitszu­standes ihrer Patienten in aufopferungsvoller, aner­kennenswerter Weise.

Nach der Ankunft erfolgt die Aufnahme und Zu­weisung eines Zimmers, welches meist mit einem anderen Patienten geteilt wird. Nach Erledigung der Formalitäten wird der neu angekommene Kranke möglichst schnell dem Arzt zur ersten Untersuchung zugeleitet, damit die entsprechenden Bäder, die Form 1, 2, 3 oder 4 im Essen und die sonstige Behandlung verordnet werden kann. Nach der hausärztlichen Untersuchung erfolgt am folgenden Tag die Unter­suchung durch Herrn Professor Dr. Weber. Alsdann die Röntgendurchleuchtung im medizinischen Institut, der sich auf Grund dieses Ergebnisses vielfach noch Sonderbehandlungen und Messungen im medizini­schen Institut in den nächsten Tagen anschlietzen. Die Verordnung der Bäder erfolgt ganz gewissenhaft dem Grad des Herzleidens entsprechend, so daß die ge­wöhnlich vier Wochen dauernde Kur, in der 18 Bäder verabfolgt werden, bei Schwerherzleidenden noch ver-

Oie Richtsätze bleiben!

Der Magistrat beschließt unveränderte Beibehaltung.

Vom Städtischen Presseamt wird mitgeteilt:

Der Magistrat hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Frage der Neusestsetzung der Richtsätze für Unterstützungsempfänger in Verbindung mit der allge­meinen Finanz- und Kassenlage beschäftigt. Bon einer Herabsetzung der Richtsätze wurde Abstand genommen.

Dieser Beschluß des Magistrats ist außerordentlich zu begrüßen; zeigt er doch, daß man nicht gewillt ist, die notwendigen Sparmaßnahmen ausschließlich von unten her zu betreiben. Aber in der richtigen Er­kenntnis, daß man das Maß sozialer Fürsorge für die von der Wirtschaslskrise am härteren betroffenen Bevölkerungskreise nicht noch weiter eiaschränken kann als es bisher schon durch die im Verwaltungswege durchgeführten Maßnahmen geschehen ist, hat den Ma­gistrat auf die ihm zugegangene Anregung verzichten lassen. Nicht wenig dürften dabei wohl auch die ent­schiedenen Proteste beigetragen haben, die von den großen Organisationen der Rentner, der Invaliden und der Kriegsbeschädigten gegen die angekündigte Herabsetzung der Richtsätze eingelegt worden waren.

Wie sich im übrigen die städtische Verwaltung die Aufstellung und Sicherung des fogeuannten Not­etats denkt, dürfte man wohl in der nächsten Zeit näher erfahren. Nachdem sich der Finanzdezernent schon seit einigen Wochen um die Fertigstellung des Nothaushalts bemüht, dessen Durchführung ohne ge­nerelle Befragung der Stadtverordnetenversammlung im Verwaltungswege im Rahmen des im Frühjahr verabschiedeten Gesamthaushalts erfolgen soll, ist jetzt durch die Ermächtigungs-Notverordnung über die Sicherung der Haushalte in Ländern und Gemeinden eine gänzlich neue Situation geschaffen worden. Denn möglicherweise werden die bereits von den Gemeinde­verwaltungen erwogenen eigenen Maßnahmen von den in Aussicht stehenden grundsätzlichen Anweisun­gen der obersten Landesbehörde, also der Regierung, überschritten oder gar noch erweitert werden. Was bisher möglicherweise noch als Selbpverwaltungsakt angesprochen werden konnte, wird in den nächsten Tagen vielleicht schon gesetzliche Auslage fein, der sich feine städtische Verwaltung entziehen kann. Es wäre zu wünschen, daß die preußischen Ausführungsbe­stimmungen zu der neuen Notverordnung bald er­lassen werden, damit der allmählich unerträglich wer­dende Zustand der Unsicherheit endlich aufhört.

f ,r Reichstagsabgeordnete

und die Justiz

Herr Lohagen erscheint zum sechsten Male nicht vor Gericht.

Seit mehr als Jahresfrist ist vor dem hiesigen Schöffengericht eine Strafsache wegen Vergehens ge­gen das Republikschutzgesetz gegen den kommunisti­schen Reichstagsabgeordneten Ernst Lohagen an­hängig. Obwohl der Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung erteilt hat und Polizei und Staatsanwaltschaft sich alle Mühe gegeben haben, «st es bisher nicht möglich gewesen, den Abgeordneten

längert werden mutz. Die Bäder müssen vor dem ersten Frühstück in den staatlichen Badehäusern ge­nommen werden.

Nach Rückkehr ins Heim gibt es Frühstück, dann 23 Stunden Bettruhe. Nach dem Nachmittagskaffee ist der Patient meistens frei. Um 7 Uhr ist Abend­essen, 10,20 mutz alles in den Betten liegen. Nach 814 Tagen fühlen die meisten Kranken schon Besse­rung und Erleichterung. Letzteres im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Herzkranke darf nicht zu-, son­dern muß abnehmen. Mindestens alle acht Tage fin­den weitere Unterfuchungen und Prüfung des Ge­wichts statt. Alle sind dankbar für die strenge Diät, die ihnen auferlegt worden ist, sie haben gelernt, wie man leben muß, um sein Leiden leichter tragen zu können. Die Heilwirkung der Bäder, deren Sprudel meist in der erforderlichen Badetemperatur aus dem Innern der Erde kommen, ist überraschend und wirkt noch lange nach. Frisch gekräftigt kann der Ange­stellte wieder seinem schweren Bruf nachgehen und das ist der Zweck der Verordnung von Kuren durch die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Ber­lin. Die Arbeitsfähigkeit der Angestellten, meist Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre soll erhalten und ihr Leiden soll gebessert werden. Er, der heute schwer um seine Existenz kämpfende Angestellte soll seinen Angehörigen noch lange erhalten bleiben.

Zum Schluß soll auch noch über die Verwaltung des deutschen Kurheims etwas gesagt werden.

Die Reichsversicherungsanstalt konnte in Herrn Direktor Lüssow keinen geeigneteren Mann für die Verwaltung des deutschen Kurheims finden. Jeden dritten Tag bittet er die inzwischen neu angekomme­nen Gäste zu sich, um dieselben mit der Hausord­nung des Heims bekannt zu machen und weiß durch feine humorvolle Art und Weise auch diejenigen zu gewinnen, welche nicht so ganz damit einverstanden sind. In taktvoller liebenswürdiger Weise versieht er es, die Brücke zwischen ihm und seinen Gästen, denn für ihn sind sie alle nur Gäste, zu schlagen.

So ist das Deutsche Kurheim in Bad Nauheim ein Heim im wahrsten Sinne des Wortes.

an Gerichtsstelle zu bringen. Vier oder fünf Vor­führungsbefehle sind ohne Erfolg geblieben, denn der Angeklagte hat angeblich feit Monaten keinen festen Wohnsitz mehr. Selbst die Fahndung im Deutschen Kriminalblatt ist ergebnislos verlaufen. Am 12. August erschien Herr Lohagen aber plötzlich bei der hiesigen Staatsanwaltschaft und erklärte, daß er sich einer erneuten Ladung zum Termin nunmehr stellen würde, wenn der gegen ihn ergangene Vor­führungsbefehl aufgehoben würde. Die Staats­anwaltschaft glaubte dem Reichstagsabgeordneten auch und stellte ihm eine Ladung zu einem Termin zu, der heute vor dem Schöffengericht ftattfinben sollte. In diesem Termin war alles anwesend nur der Angeklagte nicht! Infolgedessen wurde die Verhandlung zum sechsten Male! vertagt, nach­dem ein neuer Vorführungsbefehl gegen Lohagen erlassen worden war. Man hofft nun, ihn bis zum 10. September an Gerichtsstelle zu bringen.

Quer über -en Wochenmarki

Im Frühjahr und im Herbst muß man etwas für seine Schönheit tun. Das ist für den modernen Menschen eine feststehende Regel. Wer nicht die un­erläßlichen Dukatenmengen für eine Traubenkur in Wiesbaden im Säckel hat, braucht trotzdem nicht hintenan zu stehen. Für ihn sorgt das Warenhaus für alle Magenangelegenheilen, der Wochenmarkt. Zentnerweise winken die herrlichsten blauen und gel­ben Trauben zu 2535 Ps. das Pfund zur Beseiti- gung allerUnebenheiten*. Das übrige besorgen rot­bäckige mürbe Aepfel zu Butterbirnen undKlapps Siebiing, Pfirsiche für den Weck und die Obstschale, blaue und gelbe Eierpflaumen, Zwetschen, Pflau­men und Mirabellen. In hervorragender Qualität und zu kaum veränderten Preisen paradieren Rot-, Weitz- und Wirsingkohlhäuptlinge, fleischigeSpeck*- Unterkohlraben, Riesenoberkohlraben und -möhren, Blumenkohl schon von 20 Pfg. das Stück an, Spinat zu 15 Pfg. und Tomaten zu 1520 Pfg. Die Sa- läter haben eine Bereicherung in der Auswahl durch Nüßchen zu 15 Pfg. das Viertel und Endivien zu 25 Pfg. das Stück erfahren. Neben den grünen Boh­nen und Wachsbohnen schimmern in kleinen Körb­chen die schneeweißen, vertrauenswürdig dicken Kerne ber Türkenbohne zu 30 Pitz, bas Pfund. Die Qual der Wahl hat man in Pilzen. Die dicken Mengen von Pfifferlingen zu 3540 Pfg., hervor­ragend schönen Steinpilzen zu 80 Pfg. und 1 Mark für die kleinen festen Knirpel, appetitlichen Cham­pignons zu 8090 Pfg. und noch ein halbes Dutzend diversen Sorten im Preise von 3050 Pfg. können einen kleinen Markt für sich aufmachen.

Butter und Eier sind im Preise unverändert. Die Geflügelhäivoler machen Sturmangriffe auf die Por­temonnaies der Käuferinnen mit zarten jungen En­ten zu Mk. 1, fettgepolsterten Suppenhühnern zu 8090 Pfg., jungen Hähnchen zu Mk. 1 das Pfund und Tauben zu 5570 Pfg. das Drück. Für einen Festschmaus gibt es prima Puter zu 90 Psg. das Pfund. Vom Rech ist für jedermann das da, was seinem Beutel liegt: für 60 Pfg. die Kochstücke, für Mk. 11.10 ein Blatt, für Mk. 1.20 ein Ende Ruk- ken und für Mk. 1-30 Oie feiste Keule

schk. Wir wären nichts, wenn wir die Hoffnung nicht hätten. Wir haben jeden Schicksalsschlag, der das Land, der die Stadt, der uns selbst traf, geduldig ertragen. Wetter kann es ja nicht gehen jetzt muß es überwunden fein, redeten wir uns ein jetzt mutz der Tiefstand erreicht fein, jetzt muß es wieder auf­wärts gehen. Die Hoffnung auf Besserung stand als beruhigende und lindernde Trösterin vor jedem: dem Arbeitslosen, dem Abgebauten, dem Unternehmer oder dem Arbeiter. Hoffnung auf die Zukunft half ihnen allen, eigene und anderer Sorgen mit zu tragen.

Notzeichen einer Abkehr von diesem Letzten, das uns hielt, zerreißen den Alltag. Nicht jeder hört sie oder will sie hören. Nicht leder findet sie zwischen den Zeilen ber Zeitungen, unter ben kleinen Notizen, im Polizeibericht ober in ber Unfall-Chronik. Unb manches bleibt bitteres Geheimnis berer, bie es an- gcht.

»Ich habe Hunger...^

Wir lasen es gestern im Polizeibericht: in einem Kaufhaus enttoenbeten iunge Leute einige Paar Strümpfe leugneten ben Diebstahl nicht, als Po- lizefbeamte sie sistieren wollten aber setzten stch zur Wehr, hatten im Augenblick eine vielhunbertköpfige Menge auf ihrer Seite unb ließen sich felbft burch Schreckschüsse in bie Luft nicht von ihrem Wiberstand abbringen. In normalen Verhältnissen ließe sich ein solcher Vorfall nicht erklären. Auch nicht ber vor eini­gen Tagen, als feftgenommene Rabfahrer, bie gestoh­lene Lebensmittel mit sich führten, mit einer Fahr- rabpumpe auf einen Schutzpolizisten einschlugen, um ber Festnahme zu entgehen.

Und auch nicht der, der sich in einer Metzgerei er­eignete unb von bem keine Zeitungsnotiz berichtete: ein Mann kommt in ben Laben, geht zu ben Wurst- Haken. schneibet sich eine Wurst ab unb verläßt mit ben WortenIch habe Hunger!" das Geschäft, Un­gehindert. Denn niemand konnte die Ungeheuerlich­keit fassen.

Und doch ist gerade dieser Vorfall kennzeichnend für den Ernst der Zeit. Not, die Geduld nicht mehr zu überwinden vermag, verwischt die Gesetze der Ord­nung. Augenblicke kommen, in denen der Vernünf­tigste dem Zusammenbruch feiner Sinne nicht zu wi­derstehen vermag. Ist es nicht sinnlos, daß jemand mit einer Luftpumpe sich gegen Polizei verteidigt? Nicht Wahnwitz, auf offener Straße einer Festnahme durch Balgerei entgehen zu wollen? Und liegt in dem Wurstdiebstahl am Hellen Tage nicht die Ver­zweiflung, die zu diesem Schritt trieb, auf bei Hand?

Keiner, ber zu essen unb zu trinken hat, wirb biefe Dinge verstehen. Er wirb nach Orbnung rufen

nach der Polizei. Unb der Schutzpolizist, bet als Diener bes Staates und der Ordnung die Pflicht hat, sich schützend zwischen Ordnung und Unordnung zu stellen, wird Zielscheibe des Hasses.

Keiner von den hunderten von Leuten, die am Martinsplatz sich schützend zwischen Diebe und Poli­zei stellten, sah in dem Polizisten einen - Men­schen, einen, den Beruf und Pflicht beseelen muß im Interesse der Gesamtheit. Die Menge sah nur den Polizeistern am Tschako.

Wir können in keines Menschen Inneres schauen. Wir wissen nicht, wie es im Zuhause dieser Leute aussieht. Wir wissen nicht, ob sie heute Mittag Essen im Tops ober ein Dach über benuKopf haben. Wir könnten ihr Gebulb prebigen mnb würben Hohn­lachen ernten. Wir könnten Hilfe versprechen, aber nicht durchführen. Wir können nur eines: baran erinnern, baß wir alle Menschen vom gleichen Fleisch unb Blut sind, daß in eines Jeden Leib ein fühlen­des Her; schlägt und auch unter dem Polizeistern Menschen stehen.

Ein Kind ein Brot

Der Vorfall im Metzgerladen hat eine erschüt­ternde Parallele. Auch sie war nicht in ben Zeitun­gen zu finben. Aber sie ist so furchtbar in ihren Ein­zelheiten, baß sie, nach biefen Vorkommnissen, ge­sagt werben muß.

In einen Bäckerlaben kommt ein Kind recht sich ein Brot vom Regal und rennt davon. Der Bäckermeister ruft nach Polizei ein Schupo folgt> durch bas Gewirr bei Altstadtgassen hetzt bas Kind verschwindet im zweiten odei brüten Hof bie Trep­pen hinauf bie Tür schlägt zu. Der Polizist findet sie: in bem bumpfen Zimmer sitzt bie Familie beim Mittagessen. Schon will bei Beamte bie Herausgabe bes Brotes bedangen, ba fällt sein Blick auf ben Tisch: gekochte Kartoffelschalen finb bas, was ber Familie als letzte Nahrung blieb.

Er breöt sich um unb geht. Er legt bem Bäcker­meister auf Heller unb Pfennig ben Preis bes Bro­tes auf den Ladentifch. Aus seiner Tasche, die weiß Gott nicht, gerade gesegnet ist.

Diese Geschichte klingt wie eine Szene aus einem Kitschfilm. Aber sie erhellt deutlicher als alles andere die furchtbare Rot, seelische und materielle, in der sich alle Schichten unseres Volkes befinden.

Wir werden später einmal alle gleich wo wir heute stehen zur Rechenschaft gezogen werden. Und werden erkennen müssen, daß Schuld auf beiden Seiten lag.

Heute fehlt uns ber Abstanb zu ben Geschehnissen der Zeit. Wir würden sonst mit einander statt gegeneinander gehen.

Die Marburger Ortskrankenkasse im neuen Haus

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phot. Naumann.

In diesen Tagen bezog die Verwaltung ber Allgemeinen Ortskrankenkasse in Marburg an der Lahn ihr neuerbautes Heim. Es ist ein stattlicher Bau, Dessen originelle Fassade in rötlich-braunen Klin­kern mit blaßblaueu Fugen ausgeführt ist und durch die eigenartige schmiedeeisGite Einfassung stimmungsvoll ergänzt wird.