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Kasseler Neueste Nachrichten
Nummer 188*
Donnerstag, 13. August 1931
21 Jahrgang
Hessische Abendzeitung
«nzelMnEe: SeschSNS. »nd SamtNen-Anzetgen »te 80 mm.Bette « Pfennig. »Teilte Anzeigen au» Raflel bas Wort 7 4, «uäroarttge Kleine Anzeigen die 80 mm breite Zeile 11 4. Anzeigen im Reklameteil Mt 78 mm breite Zeile 45 4 Cffertgebübr 25 4 (bei Zustellung 85 4\. — Kür das Erscheinen von Anzeigen i» bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für televbonis» erteilte Aufträge keine Sewähr. Re», »ungsbetrage innerhalb von 6 Lagen zahlbar Gerichtsstand Kastel. — Postscheckkonto Krankiurt a. M 688a
Kasseler Abendzeitung
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Bor her Entscheidung über Lavals Misepläne
Doch keine Verschiebung des Besuchs? / Zentrumsvorstand für „Handlungseinheit" im Reich und in Preußen / Baseler Verhandlungen erfolgreich
Oie parteipolitischen Krönten
(Von unserer Berliner Schriftleitung).
Das deutsch-tschechische Problem
Von unserem ständigen Korespondenten.
nina Anlehnuna nach rechts suchen will. Er meint, es sei außerordentlich wünschenswert, wenn das Kabinett sich sehr bald offen über diese Pläne aus sprechen würde. Die Sozialdemokraten hätten zwar nicht das Recht, der Regierung irgendwelche Vorschriften zu machen über bnie Gestaltung ihrer parteipolitischen Grundlage, aber sie dürften doch verlangen, daß sie Gewißheit darüber erhalten, ob Brüning ans dem Ergebnis des Volksentscheides die Schlußfolgerungen zu ziehen gedenkt, die ihm nachgesagt werden. Denn es würde zum mindesten sehr merkwürdig sein, wenn man Hugen- berg für seinen Feldzuq gegen die preußische Regierung mit der Heranziehung zur politischen Mitarbeit im Reiche belohnen wollte. Falls Brüning diesen Weg einschlagen würde, müsse er sich darüber klar sein, daß dabei die Mitwirkung der Sozialdemokraten aufs SP>iel gesetzt werde. Wenn Brüning den Weg zu Hugenberg nehme, dann erweitere er die Basis der Regierung nicht, sondern er verengere sie, denn er werde für rechts optieren, und er werde sich alle Konsequenzen eines solchen Beschlusses bewußt sein müssen.
Brüning vor dem Retcksrat
th. Berlin 13. August.
Die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Vertretern der Länder haben gestern im Auswärtt- gen Ausschuß des Reichsrats begonnen und werden heule in den Vereinigten Ausschüssen des Reichsrates fortgesetzt werden, wobei der Kanzler wahrscheinlich im Laufe des heutigen Tages sein Finanz- und Wirtschaftsprogramm in vertraulicher Aussprache entwickeln wird.
X. Prag, im August.
Die Politische Situation, in der sich die Tschechoslowakei, dieser mitteleuropäische Völkerstaat, zur Zeit der parlamentarischen Sommerferien befindet, hält sich auch in diesem Jahre durchaus an das Vorbild der letzten fünf Jahre seit dem denkwürdigen Eintritt sudetendeutscher Parteien in die Prager Regierung. Es ist immer das gleiche Bild, das sich dem Chronisten darbietet: die sozialen Gegensätze spitzen sich innerhalb der Koalition immer mehr zu, so -daß die Regierung zum Schluß nur noch mit knapper Not und unter den dürftigsten Kompromissen zusammenhält, um sich dann mit mchr oder weniger An- stanD in die Ferien hinüberzuretten. Da die Außenpolitik hier noch immer ein Buch mit sieben Siegeln bedeutet, in dessen Seiten zu blättern lediglich dem unentwegten Außenminister Dr. Benesch und einem ganz kleinen, mit dieser Geheimwisfenschaft vertrauten Kreise Vorbehalten bleibt, so ist es nicht verwunderlich, datz man sich in Prag viel weniger mit den großen schicksalsschweren Problemen b e s ch ä f t i g t, die das europäische Gleich- gewicht zur Zeit erschüttern, als mit rein in- nerpolitischen Fragen. Die Sozialgesetzgebung, die Frage des Getreidemonopols und der Ex- portkrediwersicherung, sie Aushebung des Mieterschutzes und last not least die bevorstehenden Gemeindewahlen, das sind die zum Teil bereits erledigten, zum anderen Teil aber für den Herbst aufgehobenen Probleme, mit denen man sich in leidenschaftlicher Gegensätzlichkeit innerhalb der agrarisch-klerikal-sozialistischen derzeitigen Regierungskoalition in den letzten Wochen beschäftigte. Und nun sitzt der Mini
Oie offizielle Einladung
Wahrscheinlich heute Lleberreichung durch den deutschen Botschafter
th. Berlin, 13. August.
Mitten in den schwierigen Arbeiten zur Bekämpfung des finanz- und wirtschaftspolitischen Notstandes der Gegenwart beginnen sich jetzt die parteipolitischen Fronten allmählich abzuzeichnen, in der für den bevorstehenden Winter die unvermeidlichen Kämpfe und Auseinandersetzungen geführt werden sollen. Im Mittelpunkte dieser Entwicklung steht die Initiative der Zentrumspartei, die eine möglichst breite politische Basis für die Weitersllhrung der Politik des Kabinetts Brüning zu schaffen sucht. Gestern hat eine Sitzung des Parteivorstandes des Zentrums stattgefunden, an der der Reichskanzler und die sonstigen Zentrumsminister, sowie die führenden Persönlichkeiten der Partei aus dem Reich und Preußen teilnahmen. Man mißt dieser Zentrumstagung eine besonders große Bedeutung bei, weil von hier aus die Linie der Verständigung nach links wie nach rechts weitergefllhrt werden soll. Zunächst hat es sich jedoch
um eine innere Auseinandersetzung und eine Aktion zur Wiedervereinigung auseinaaderstrebender Kräfte innerhalb der Zentrumspartei gehandelt. Es wurde ein parteioffiziöses Kommunique ausgegeben, in welchem sich ein bedeutsamer Schlußsatz befindet. "Lieser spricht davon, daß für die wirksame Durchführung der äußerst schwierigen staatspolitischen Ausgaben im Reich und in Preußen die notwendige» sachlichen und methodischen „Handlungseinheiten- sowohl bei den verantwortlichen Instanzen der Partei, wie auch bei den Vertreter» in den beiden Kabinetten nach jeder Richtung hin gewährleistet sein müsse».
Dieser Satz enthält ebenso eine rückschlagende Kritik, wie eine in die Zukunft weisende Ermahnung an die Mitglieder der Zentrumspartei. So schreibt die „Germania" heute u. a.: „Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir sagen, daß die Kundgebung der preußischen Regierung Gegen st and eingehender und auch kritischer Aussprache gewesen ist. Wenn es aber bei den letzten Vorgängen in Preußen an notwendiger Fühlungnahme gemangelt hat — eine Panne, die auch schon anderen passiert sein soll — so ist jetzt jedenfalls durch die Aussprache int geschäftsführenden Vorstand Vorsorge dafür getroffen, datz die sachliche und methodische Handlungseinheit sowohl bei den verantwortlichen Instanzen der Partei wie bei ihren Vertretern in den beiden Kabinetten nach jeder Richtung hin gewahrt wird." Man kann aus dem Kommunique ferner herauslesen, datz alle denkbaren Mittel angewendet werden sollen, um die Stellung des Reichskanzlers zu stärken und zu stützen. Man ist sich offenbar darüber klar, daß dies auf die Dauer nur mit Hilfe anderer Parteien erfolgreich geschehen kann, und daß dazu eine Verständigung mit den Nachbargruppen des Zentrums erforderlich ist. Vom sogenannten Burgfrieden, von dem in den letzten Tagen viel gesprochen wurde, ist in der Veröffentlichung des Zentrums nicht die Rede, aber die nächsten politischen Ziele des Zentrums werden zweifellos darauf gerichtet sein,
alle parteimäßigen und parlamentarischen Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die dem Kabinett Brüning im Herbst zweifellos bevorstehen. Anscheinend ist dabei vom Zentrum keine einseitige Fühlungnahme mit den Sozialdemokraten, sondern vielmehr auch eine Verständigung mit der Rechten geplant, obwohl die angekündigte Unterredung zwischen Dr. Brüning und dem Abgeordneten Hugenberg bis auf weiteres nicht zustandekommt, da Hugenberg inzwischen verreist ist.
Inwieweit eine Verständigung zwischen den großen Parteien des Reichstags unter anderem dazu dienen kann, eine weitere Verschiebung der Reichstagstagung über den 13. Oktober hinaus zu erzielen, wird vor allem von den Bemühungen der Zentrumspartei abhängen. Die „Germania" stellt heute ferner noch fest, daß es nur eine Möglichkeit gebe, der jetzigen Notzeit Herr zu werden, nämlich, wenn alle, die verantwortungsbewußt denken und handeln wollen, Hand anlegen, um das deutsche Volk durch gemeinsame Arbeit aus der Rot herauszufübren. Auch aus diesem Satz ist die Neigung zu einer Verbreiterung der jetzigen Regierungsbasis deutlich zu erkennen.
Sozialdemokratische Kritik
Diese beim Zentrum hervo-rtretende Absicht hat bei den Sozialdemokraten starke Kritik hervorgeru- sen. Der Führer der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktirm, der Abgeordnete Dr. Breitscheid, ergreift heute im „Vorwärts" das Wort zu einem Artikel, in welchem er es in Frage stellt, ob Brü-
Paris, 13. August.
Wie berichtet wurde, hatte das Havasbüro die aufsehenerregende Meldung verbreitet, datz der Besuch des französische» Ministerpräsidenten und des französischen Autzenministers nicht in den letzten Augusttagen, wie man allgemein angenommen hatte, sondern vermutlich erst nach der Tagung des Völkerbundes stattfinden werde. Inzwischen wird in den Pariser Blättern gemeldet,datz diese Havasmcldung kein Kommunique der französischen Regierung sei.
„Matin" schreibt u. a., daß die deutsche Einladung sobald sie in Paris offiziell überreicht worden sei, von der ftanzösischen Regierung herzlich ausgenommen werde. Das Blatt stellt zwar ferner fest, daß von der französischen Regierung über den Termin noch (eien Entscheidung getroffen sei, es läßt aber immerhin durchblicken, daß unter Umständen eine Verschiebung der Reise mit Briands Gesundheitszustand begründet werden könne.
Die Uebermittlung der offiziellen Einladung der Reichsregierung an die französische Regierung durch den deutschen Botschafter von Hösch wird, wie weiter berichtet wird, i m Laufe des heutigen Donnerstags erwartet. Ein heute Vormittag stattfindender M i - nisterrat wird zu dem Zeitpunkt des geplanten Besuches Stellung nehmen. In gut unterrichteten Kreisen war man in den Abendstunde» des Mittwochs allgemein der Auffassung, daß die französische Regierung gegenüber der Reichsregierung schon aus Höflichkeitsgründen nicht umhin könne, den von dieser vorgeschlagene» Zeitpunkt anzunehmen.
Auch der „Figaro" rechnet damit, daß die Reise am 1. September stattfindet. Das meist gut unterrichtete „Journal" erklärt, datz der französische Ministerpräsident sich nach Berlin begeben werde, sobald er im Besitze einer offiziellen Einladung fei. Man vertritt an amtlicher französischer Stelle die Auffassung, daß eine Reihe politischer Fragen weder jetzt noch nach der Genfer Sitzung aufgeworfen werden sollten, da die augenblicklichen Umstände ihre Lösung unmöglich machten.
Oie Stillhalteaktion
Paris, 13 August.
Das Blatt „Excekfior" erfährt aus Basel, datz die Frage der Stillhalteaktion für die kurzfristige» Kredite in Deusckstand der Lösung nahe sei. Es will wissen, datz zwischen den Zentral-
notenbanken von Paris, London und Neuyork bereits ein grundsätzliches Abkomme» erzielt worden sei, das anscheinend auch die Zustimmung der französischen, englische» und amerikanischen Bankengrup- pen erhalten habe.
Ungeklärt sei »och, ob der Aktivnsplan, der allen interessierten Emissionsbanken übermittelt wurde, auch die Zustimmung der anderen ausländischen Banken erhalten werde. Denn, so schreibt die Zeitung, es sehe so aus, als ob namentlich die holländischen, schweizerischen und skandinavischen Banken, es aus verschiedenen Gründen gerne sehen würden, wenn sie möglichst bald ihre in Deutschland angelegten Kapitalien wieder zu- rückerhielte». „Excelsior" glaubt, datz diese Haltung von de» betr. Banken mit der relativen Geringfügigkeit der angelegten Summen begründet wird, und damit, datz die meisten Banken bereits den größten Teil ihrer Kredite zurückgezogen hätten.
Neuyorker Bankiers erteilen Vollmacht
Reuyork, 13. August.
Nachdem die Neuyorker Banken erneut ihr grundsätzliches Einverständnis mit allen endgültigen Baseler Abmachungen erklärt haben, hat W i g g i n telegraphisch die formelle Vollmacht erhalten, die Interessen der gesamten Wallstreet wahrzunehmen, wobei jedoch hinzugefügt wurde, daß vor Abschluß des endgültigen Abkommens eine vorherige Benachrichtigung erwünscht sei.
Die Neuyorker Bankiers sind offensichtlich zu weitgehendem Entgegenkommen bereit und grundsätzlich damit einverstanden, die kurzfristigen Kredite um weitere sechs Mon"te zu verlängern.
Unruhen in Irland
London, 13. August.
In Irland sind Unruhen ausgebrochen. Der Sonderkorrespondent der „Daily Erpreß" meldet aus Rewbliß (Grafschaft Monagham) an der Grenze von Ulster, daß Freistaatstruppen und „Irreguläre" sich gestern abend bei Eootehill in der Nähe der Ulster Grenze gegenübergestanden hätten. Die Gegend um die Stadt herum sei mit Schützengräben umzogen, alle Eisenbahnverbindungen sind in die Lust gesprengt oder aufgerissen und die Telegraphen- und Telephondrähte abgeschnitten. Die Stadt habe gestern drahtlos um die Entsendung von Truppen gebeten.
Diese überraschenden Verhältnisse sind zurückzuführen auf den Versuch einiger politischer Gruppen, die Abhaltung einer Kundgebung der Orangemänner in der Stadt zu verhindern —
sterpräsident Udrzal und mit ihm zahlreiche Regte- rungskollegen in den heilbringenden Weltbädern Novdböhmens, in Karlsbad, Joachimsthal und Ma- rienbad, während das unerträglich heiße und staubige Prag verödet erscheint, um hier dem altbewährten Sprudel samt den übrigen Glaubersalzquellen nicht nur die Beseitigung des überflüssigen Körpergewichts, sondern auch den Ausgleich der politischen Gegensätze zu überlassen.
Es scheint aber so, als wenn es diesmal doch nicht gelingen wird, in den parlamentarischen Ferien die auf gespeicherten Konflikts st offe zwischen den konservativen Agrariern und den sozialistischen Parteien aus dem Wege zu räumen. Die Gemeinde- Wahlen, die programmäßig im Herbst stattfinden sollen, werfen bereits ihren Schatten voraus und werden von den Parteien als eine entscheidende Kraftprobe angesehen. Der Vernunftsehe, die vor zwei Jahren auf übernationaler Grundlage zwischen den bürgerlichen und sozialistischen, tschechischen und deutschen Parteien zustande kam, ist man auf beiden Seiten überdrüssig geworden, denn die Koalition hat sich offensichtlich verbraucht. Also sucht man jetzt schon nach neuen Möglichkeiten, nach neuen Wegen und Kombinationen, wie man im Herbst eine arbeitsfähige Regierung zusammenbringen könnte.
Hierbei ist mm auch wieder einmal das deutsch- tschechische Verhältnis im Staate in der gesamten Presse zur Sprache gelangt, und der Eisenbahnminister N a j m a n, der Exponent der tschechischen Gswerbepartei in der Regierung, erhob als erster die Forderung, den Bund der Landwirte und die deutschen Sozialdemokraten, auszuschiffen und die allnationale tschechische Koalition seligen Angedenkens Wiedererstehen zu lassen. Nun ist ja Herr Najman nicht gerade als Leuchte der tschechischen Politik zu bezeichnen, und seine Ministertätigkeit beginnt bei der rücksichtslosen Ausmerzung aller Eisenbahnbeamten deutscher Rationalität und endet bei einem grandiosen Defizit der Staatsbahnen, aber die Kommentare der rechtsstehenden tschechischen Presse zu der von ihm aufgeworfenen Frage und zu dem 3^-Milltonen-Deutschtum im Staate müssen doch sehr nachdenklich stimmen. „Eine zeitliche Ausschiffung der Deutschen aus der Regierungskoalition könnte sie zu der guten Erkenntnis bringen, daß -das Reden von Dingen, die nie verwirklicht werden können, der Gipfel der Verrücktheit ist", schrieb ein so verbreitetes Organ, wie die den Nationaldemokraten nahestehende „Narodni Politika", und die „Narodni Lisch" gaben der Auffassung, wie sie im tschechischen Volke landläufig ist, sogar mit den Worten Ausdruck: „Das deutsch-tschechische Problem ist noch nicht gelöst und wird auch nicht gelöst werden, selbst wenn von tschechischer Seite noch so große Konzessionen gemacht würden." -
Diese Stimmen stellten gleichzeitig auch die Antwort auf eine Reihe von Artikeln dar, die der bekannte sudetendeutsche Politiker und ehemalige Leiter des Deutschpolitischen Arbeitsamtes in Prag, Abgeordneter Dr. Gustav Peters, ein leidenschaftlicher Verfechter des deutsch-tschechischen Verständigungsgedankens, in dem Prager deutsch-demokratischen Organ „Bohemia" vor kurzem veröfsentlicht hatte und in denen er die Ausfassung vertrat, daß nach bald fünfjähriger loyaler und selbstloser Mitarbeit sudetendeutscher Parteien in der Regierung nun doch endlich von tschechischer Seite dazu geschritten werden müsse, den Deutschen nicht nur Pflichten, sondern auch die ihnen zustehenden Rechte und politischen Garantie» zuzubilligen. Während die tschechische Außenpolitik die Tatsache der deutschen Regierungsbeteiligung im Auslande als Lösung des nationalen Problems in der Tschechoslowakei darstelle, schrieb Peters, tue die tschechoslowakische Innen-, Wirtschaftsund Handelspolitik sowie der ganze Verwaltungsapparat alles, um die sudetendeutsche Lebensbasis zu untergraben. Man müsse sich unter diesen Umständen fragen, ob die deutsche Regierungspolitik von der sudetendeutschen Bevölkerung noch als tragbar angesehen werden könne.
Tatsächlich haben die Antworten, die Peters <r= hielt, gezeigt, daß die tschechische Mentalität, die in den Sudetendeutschen lediglich Staatsbürger zweiten Ranges sieht, sich im Laufe der Jahre in nichts geändert hat. Der tschechische Publizist Ripka, der in dem gemäßigten Brünner Blatt „Lidove Novjny" und in der Zeitschrift „Pritomnost" für eine anständige Lösung des deutsch-tschechischen Ausgleichs mit anerkennenswertem Mut eintrat und die chauvinistischen Methoden gegenüber den Sudetendeutsehen geißelte, wurde von der gesamten bürgerlichen tschechischen Presse auf das heftigste angegriffen. Und es ist in gewissem Sinne charakteristisch für den pröble-