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Wafferfcherze
In Wilhelmshöhe und anderswo.
Die Wasserkünste in Wilhelmshöhe sind bekanntlich eines Der gewaltigsten Beispiele für die Wasseranlagen der Barockzeit. Damals prunkte man gern mit .brausenden Kaskaden, hochsteigenden Fontänen und dem Sturz des breiten Gefälles über mächtige Becken Italien ging mit dieser Kunst der grandiosen Wasserführung voran, und die neuerwachle Technik gefiel sich darin, allerlei Spielereien und Scherze durch künstlich' Apparate upd Mechanismen zu erzielen. Die tüchtigen Handwerker von Nürnberg und Ausburg bildeten diese Kunstfertigkeiten noch weiter aus unv wurden berühmt als „Wasserkünstler", die mau nach andern Ländern berief. Tie herrlichen Brunnen unserer deutschen Städte aus unserer Zeit geben von dieser Fertigkeit Kunde; die Wasser wurden aus tiefen Gruben, emporgehoben und sogar in die Kammern hoher Herrschaften geleitet, die sich auf diese Weife in ihren vier Wänden eines Springbrunnens erfreuen konnten. Vor allem aber werden die Prunkgärten zur Stätte prachtvoller Wasserwe* e.
Als der Franzose Montaigne die Gärten der Fugger in Augsburg besuchte, da machten ihm die Wasserscherze einen besonderen Eindruck. „Wenn sich die Damen damit ergötzen, den Fischen zuzusehen/ schreibt er,
„dann sprudeln plötzlich kleine unsichtbare Bronzespitzen dünne, flinke Strahlen bis zur Manneshöhe empor und benetzen die Unterröcke und Schenkel.
Andererseits kann es beim Betrachten eines hübschen Springbrunnens passieren, daß man vor unsichtbare Röhrchen tritt, die einem das Wasser hundertfach in feinsten Strahlen ins Gesicht spritzen." In einem anderen Augsburger Garten, dem des Ambrosis Höchstetter, war ein Brunnen, der aus 200 Röhren gespeist wurde, und wenn man in dem „köstlichen Lustgebäude" am marmornen Tisch tafelte, dann wurde die Freude durch plötzlich von allen Seiten hervor- sprudelndes Wasser gestört, das die Gäste zur eiligen Flucht zwang. Solche mechanischen Spielereien durften in keinem vornehmen Garten fehlen; man hatte für einen derben Schabernack damals noch mehr Verständnis als heute und war z. B. entzückt, wenn in einer Grotte
„plötzlich ein so starker Wasserstrahl auf den Kopf stürzt, daß man vor Schrecken zu Boden fällt".
Den also „Getauften" tröstete dann wohl eine lateinische Inschrift mit der Lehre: „Du suchtest Abwechselung; nachdem Du sie gefunden, freue Dich!".
Bezeichnend für diese Mode der schönen Wasserkünste ist etwa eine Anlage im Garten von Hellbrunn: Drei Bassins sind durch schmale Kanäle verbunden; jedes hat eine Brunnengruppe, hinter der ein Steintisch mit 10 Sesseln zum Platznehmen einlädt. Aber wehe dem, der hier Ruhe sucht! Wasser sprudelt überall aus den Sitzen hervor, und wenn der Durchnäßte nach den einrahmenden Balustraden flüchtet, grüßt ihn ein feiner Sprühregen aus feinen kleinen Röhren.
fttffeler Neueste Nachrichte«
Freitag, 7. August 1931
Mit Wasser wurde auch eine originelle Garien- musik erzeugt. Man ließ es in hohle Röhren fallen, und indem es die Luft gewaltsam daraus vertrieb, brachte es mannigfache Töne hervor, bald starke Trompetenstöße, bald hohes Flötenspiel oder melodisches Vogelgezwitscher. Nus Wasserpfeifen stellte man Orgeln zusammen, die unsichtbar die Luft mit mächtigem Tonschwall erfüllten, ja sogar Kanonenschläge und Donner nachahmten.
Die großartigste Entfaltung der Wasserkünste brachte vas Barock, und das viel bewunderte Meisterwerk, das überall nachgeahmt wurde, waren die Wasserwerke von Versailles, die Millionen kosteten und den Parisern das notwendige Naß entzogen, lieber den weiten Wasserbassins ließen die Kaskaden, Fontänen und „Wasserlichter" ein vielgestaltiges „Wasser theater" entstehen, in dem die Strahlen sich in mächtigen Säulen aneinanderreihten, sich in Bogengängen zusammenfügten, zu Kreisen auseinanderstrebten und vorwärts schwangen, um plötzlich nach hinten zu stürzen. In Deutschland bietet das von der mächtigen Herkulcsgestalt gekrönte Oktogon der W i l h e l ms - höhe bei Kassel mit seinen Riesenkaskaden, Pexier- grotten und dem bunten Gewirr der kleinen Springbrunnen die bedeutendste Nachahmung dieser Wasserkunst.
Oer unartige Edison
P. Neuyork.
Thomas A. Edison, der 84-jährige Erfinder, der in seinem langen Leben weit über 1000 Erfindungen beim Patentamt angemeldet hat hat sich von seiner schweren Erkrankung wieder erholt. Die Nachricht von seinem Zusammenbruch ha: in der ganzen Welt lebhafte Teilnahme hervorgerufen, und auf die Kunde stürzte sich sofort ein ganzes Heer von Berichterstattern nach seinem Landsitz zu West Orange in New Ierseh.
Um diese Angreifer von dem Haus des Kranken, der dringender Ruhe bedurfte, fernzuhalten, hatte man seine Villa in eine Festung verwandelt; eine Linie von 25 Mtr. war um das Haus gezogen, und niemand durfte diese Grenze ohne besondere Erlaubnis überschreiten. Die Reporter nahmen die Belagerung in einer 200 Meter entfernten Garage auf, in der sie sich häuslich einrichteten. Uniformierte Wachen hielten das Gelände besetzt und paßten auf, daß sich niemand einschmuggelte.
Immerhin wurden die Neuigkeitsjäger mit einigen Sensationsmeldungen versorgt. Nach diesen, die in großer Aufmachung in der amerikanischen Presse erscheinen, ist der alte Edison kein leichter Patient. Er besteht darauf, sich sofort auf den Rand seines Bettes zu setzen, wenn er sich etwas besser fühlt. Seine Pflegerin geriet in Entsetzen, als sie ihn kurz nach dem schweren Anfall aufrecht sitzend vorfand, eine seiner dicken schwarzen Lieblingszigarren rauchend. Er nutzt seine Taubheit geschickt dazu aus, um die Anordnungen des Arztes und die Befehle des Pflegepersonals zu überhören. Der tiefere Grund für seine Ruhelosigkeit ist sein unermüdlicher Arbeitseifer. Der Mann,
der sich fein ganzes Leben lang keine Minute Ruhe I gegönnt hat, kann den Gedanken nicht ertragen, unta- I tig dazuliegen. obwohl der Arzt ihn versichert hat, wenn er sich schone, werde er bald wieder an sein Werk gehen können. Als eine der Ursachen feiner schweren Erkrankung wird die allzu strenge Milchdiät angegeben. Die er sich in der letzten Zeit auferlegt halle.
Oie schöne Cordobesita
Die einzige Stierkämpferin.
Eine zarte schlanke 17jährige, kaum 1,60. Meter groß, mit leuchtenden braunen Augen und blitzenden weißen Zähnen, betritt die Stierkampf-Arena von Juarez am Rio Grande, Jubel begrüßt die „einzige Maiadora der Well", auf die ihre mexikanischen Landsleute so stolz sind. In der kleinen feinen Hand hält sie das Schwert und zuckt nicht mit der Wimper, als das riesige Tier in wilder Wut gegen sie los- stürml. Ein Heben der Klinge — ein blitzschneller Dloß — und der Stier stürzt, wie vom Blitz gesollt, vor der kleinen Dame in den Staub. Die Musik spielt einen gellenden Tusch, und die dicht gedrängten Zuschauer rasen in sudelndem Beifall La Cordobesita, die Schöne, die unter den Frauen allein dies gefährliche Handwerk zu ihrem Berus erwählt hat, ist um einen neuen Sieg reicher und einen neuen Schritt naher ihrem hohen Ziel, in der Arena von Madrid oder San Sebastian Lorbeeren zu ernten.
La Eordobesila heißt im Privatleben Maria de Jesus Alguin-Garcia. Sie stammt aus einer Familie, die seit vielen Generationen so manchen hervorragenden Kämpfer für die mexikanischen Stierkampf- Ringe gestellt hat. Ihr Va:er war vor 20 Jahren ein berühmter Matador, und als er sich aus Der Arena zurückzog, nahm er auf Der Familten-Hazienda, südlich von Mexiko-Citv, die ebenfalls in der Familie traditionelle Beschäftigung auf, Kampfstiere zu züchten. So wuchs die kleine Maria in der Obhut ihres Vaters und ihrer älteren vier Brüder unter den Stieren auf, und der Stierkampf war für sie eine Alltäglichkeit, feit sie sich erinnern kann.
„Da ich vier Brüder und keine Schwester hatte", erzählt sie, „so war es ganz natürlich, daß ich mit Jungens spielte und Knabenkleider trug. Ich wuchs nicht in der Zurückgezogenheit der meisten mexikanischen Mädchen auf. Als meine Brüder für den Ring ausgebildet wurden, lernte ich mit ihnen. Mein Vater hielt es für einen trefflichen Spaß, daß auch ein Mädchen sich mit den spitzen Banderillas und dem scharfen Degen beschäftigte. Als ich mich geschickt und mutig anftetite, war er entzückt und fing an, mich im Ernst auszubilden. Es muß mir wohl im Blute liegen, denn ich hatte niemals Furcht, sondern bet Kampf war für mich eine große Freude.
Mit 13 Jahren trat Maria zum ersten Male als Stierkämpferin auf und ist seitdem über 200 Mal im Ring gewesen, hat mehr als 75 Stiere gelötet. Ihre größten Triumphe errang sie in der berühmten Arena von Juarez. Da sie noch immer als Anfängerin oder „Novillera" gilt, hat sie bisher nur Stiere mit stump-
Bildtelegramm aus Loudon: Oer Vizekönig von Indien heiratet seine Privatsekretärin
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Lord Reading mit seiner Verlobten, seiner früheren Privatsekretärin Stella Charnaud.
fen Hörnern zu Gegnern gehabt Aber sie hofft bald, in die Reihe der „großen Matadore" einzMreten und dann auch den spitzen Waffen der Stiere Widerstand zu bieten.
Vom Sudan bis zur Känguruh-Insel
führt der Weg in den neuen Lieferungen des Handbuches der geographischen Willenschaft (Akademische Verlagsgescll- schaft Atbenaion m. b. •£>.. Wildpark-Porsdams. Drei Erdteilen gilt die Darstellung, die sich wieder in Wort und Bild so fesselnd und farbig gibt, das, die Lektüre, die au, so angenehme Art Unterhaltung und Belehrung vermittelt, zum doppelten Genuß wird. - Pros, »lute der Herausgeber dieses großen und schönen Werkes, behandelt die Landschaft, Pflanzen und Tierwelt Nordasrikas. lieber das kubiere Abessinien führt er den Leser nach Ollafrtka. durch die. immergrüne Buschzone der Küste, durch Steppe und trovuchen Regen — und Höhenwald. Einer der interessantesten Abschnitte gilt der Bevölkerung und Kultur Afrikas, delle« 140 Millionen Einwohner sich in eine große Anzahl von Rallen- und Sprachgemeinschasten gliedern. — Mitten in das moderne Problem südamerikanischer Einwanderung führt dann die Schilderung von Pros. Kühn. Verkehr.und Wirtschast Argentiniens stehen tat Vordergrund der wieder durch eine ungewöhnlich sorgsältige und schone Bildauslese gekennzeichneten Darstellung. Die Pampa, eine der gwn- ten Kornkammern der Erde und zugleich ein .Idealgebiet für Viehzucht, ist das Hauptthema dieses Abichntttes. — Von dieser Kulturlandschaft bis zu den endlosen Trockengebieten des australischen Nordens ist cs ein weiter Weg. Aber in der mcisterbasten Schilderung Prof Geislers vergmt man den jähen Uebergang und wanden mit durch .-Zentral- und Südauftralien, erlebt diesen Erdteil grotesker Gegensätzlichkeiten mit allen seinen ost noch unerschlollcnen Wundern.
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