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21. Jahrgang

Mittwoch, 29. 3uli 1931

Nummer 125*

Hessische Abendzeitung

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Meler Neueste NüchMm

Macdonald zum Mckflug gestartet!

Oer Abschied von der Keichshauptstadt / Erfreuliches Ergebnis der Besprechungen / Oie englisch-französischen Kreditverhandlungen unterbrochen

Heimreise im Militärflugzeug Krise und Abrüstung

E t g e n e r D r a h 1 b e r i ch 1. Don Staatssekretär z. O. Freiherr« v. Meinbaben

Während wir in Dentschlanv die allergrößten Sor­gen 'haben, wie unser Wirtschaftsleben und die Funk­tion des Geldes unter stärkstem Krisenvruck ausrecht

Berliv, 29. Juli.

ou Ehren des scheidenden englischen Premier­ministers Macdonald, der heute vormittag 10 Uhr vom Tempelhoser Flugplatz in einem Militärflug zeug nach London zurückgekehrt, hat der Flughafen Tempelhof rin fesüiches Gewand angelegt. Am Sturmmast ist die englische Flagge gezogen, während an den anderen Fahnenmasten die deutsche Reichsflagge, dir preußische Staatsflagge, der Ber­liner Bär und dir Fahnen der Lufthansa und der Flughasengesellschaft im Winde flattern. Die Vor­halle und der Gang zum Flughafen sind reichlich mit Grün und Blumen geschmückt und mit roten Läufern belegt.

Die drei englischen Militärflugzeuge werden vor­aussichtlich, da sie starken Gegenwind haben wer­den, in Hannover und Rotterdam zwi- schenlanden muffen, um nochmals zu tanken.

*

Berlin, 29. Juli. Premierminister Macdonald ist um 10 Uhr 7 Minuten vorn Flugplatz Tempelhos nach London gestartet

Stimsons Berliner Emdrücke

; Reuyork, 29. Juli.

Die hiesigen Morgenblätter bringen ausführliche Berichte aus London über die Eindrücke, die Staats­sekretär Stimfon während seines Berliner Ausent- HÄtes gewonnen hat. In erster Linie wird in diesen Berichten der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die akute Niedergeschlagenheit in Deutschland bald einer zuversichtlicheren Stimmung Weichen werde.

Tribüne" bringt dir Forderung des Präsidenten der Columbiauniversität Nicholas Bi. Butler, den Hooverplan weiter zu entwickeln, ausführlich und an hervorragender Stelle.Herald Tribüne" zufolge hat Butler ferner erklärt,daß er die Wiederherstellung Mit­teleuropas als einen Faktor der Weltwirtfchaft sowie die deutsch-französische Annäherung für die dringend­sten Probleme des Augenblicks halte. Außerdem habe Butler die nationalsozialistische Bewegung in Deutsch­land mit der Agitation verglichen, die William I. Bryan vor 40 Jahren im amerikanischen Westen be­trieben habe.

Befriedigung in Berlin

Der Besuch der englischen Gäste in Ber­lin hat gestern abend mit einem Empfang in der englischen Botschaft feinen Abschluß gefunden. Noch gestern abend ist Henderson mit dem fahrplan­mäßigen Zuge über Amsterdam wieder abgereist, während Macdonald heute vormittag in einem englischen Militärflugzeug von Berlin nach London zurückfliegen wird.

Zu diesem Zweck sind gestern nachmittag drei Flugzeuge unter der Führung englischer Offiziere nach Berlin gekommen. Es handelt sich um offene Doppeldecker, bei denen der Fluggast hinter Dem Füh­rer Platz nehmen muß. Macoonal schätzt bei feinen zahlreichen Flügen vor allem die Fahrt in offenen Flugzeugen. Macdonald wird in der Maschine des Flugkapiräns Platz nehmen, während die beiden Be­gleitmaschinen unter der Führung von zwei Leut­nants stehen. Die Rückreise von Berlin nach London dürfte in etwa 4)4 Stunden zurückgelegt werden.

Am gestrigen Tage haben vormittags und nach­mittags eingehende Besprechungen der deutschen und der englischen Minister, vormittags in der Reichs­kanzlei und nachmittags auf einem Haveldampser stattgefunden. Am Mittag sand ein Frühstück beim preußischen Ministerpräsiden­ten Braun statt, zu welchem aber keine Regie­rungsvertreter, sondern lediglich vie Führer der sozialdemokratischen Partei geladen wa­ren, mit denen Macdonald und Henderson, die ja ihrerseits der englischen Arbeiterpartei angshören, Fühlung nehmen wollten. Bon da aus begaben sich die Gäste nach der Havel, wo sie gemeinsam mir dem Kanzler, dem Außenminister, Minister Treviranus und Staatssekretär von Bülow eine Fahrt mit einem kleinen Dampfer antraten, die nach der Pfauen- i n s e l und nach W a n« s e e führte. Bei dieser Ge­legenheit und auch am Vormittag wurden politische Unterredungen geführi, über die in einem amtlichen Kommunique gesagt wird, daß

die Besprechungen zu einem lebhaften Gedanken­austausch führten, und daß sie einen außerordent lich freundschaftlichen Charakter tru­gen. Es herrscht die allgemeine Uebereinstimmung, daß die persönliche Fühlungnahme, wie sie in Che- quers, Paris und London stattgefunden hatte, fort­gesetzt und ausgebaut werden soll. Selbstverständ­lich find dabei keine Spezialfragen, wie die j. Zt.

von den Franzosen aufgeworfene Panzerkreuzer­frage oder die Zollunivnsfrage erörtert worden, sondern die Unterredungen bewegten sich in gro ßem Rahmen auf der Linie der Wirtschaftsfragen und der notwendigen politischen Beschlüsse in Europa, die zur Befriedung und Verständigung der Rationen dienen können.

Von den Ausführungen, die Macdonald bei dem Presscempfang machte, verdient vor allem die Er­klärung Beachtung, daß die englifche Regierung be­müht bleibe, die Politik der Verständigung in Europa fortzuführen, nicht aber die frühere Politik des soge- nannten Gleichgewichtes der Kräfte, weil diese Poli­tik stets mit Rüstungen verbunden sei, während man jetzt daraus hinwirken müsse, die Sicherheit der Na­tionen nicht durch Rüstungen, sondern durch gegen­seitige Verständigung zu gewährleisten.

Alles in allem kann dieser Besuch der englischen Minister als erfolgreich und befriedigend bezeichnet werden, und auch in der Wilhelmstraße gibt man der Zufriedenheit mit dem Verlauf der letzten Tage unumwunden Ausdruck.

Loyd George operiert

Loudon, 29. Juli.

Lloyd George ist heute früh operiert worden. Unter den Aerzten, die der Operation beiwohnten, befand sich auch der Leibarzt des Königs, Lord Dawson.

Paris, 29. Juli.

In den seit Sonnabend geführten Verhandlungen zwischen der Bank von England und der Bank von Frankreich ist heute eine Pause eingetreten. Sir Kindersley ist nach London gefahren, um sich mit der Bank von England und möglicherweise der englischen Regierung zu besprechen.

Nach einer Meldung desJournals" find gestern wieder 1967 Kilo Gold im Werte tron 33)/, Millionen Franes aus London auf dem Flugplatz Le Bourget angekommen.

Wenn in der obenstehenden Meldung von einer Verhandlungspause gesprochen wird, so lasten die nachstehenden Kommentare der französischen und der englischen Presse doch erkennen, daß offenbar bei die­sen Vorgängen doch noch ernstliche politische Mei­nungsverschiedenheiten mit tm Spiel sind. Anschei­nend verfolgte die Bank von England bei den Kre­ditverhandlungen die Absicht, durch einen Rediskont­kredit, die englischen Banken in die Lage zu versetzen, ihre noch in Deutschland vorhandenen Guthaben zu belassen. Es handelte sich also um eine Vorberei­tungsmaßnahme, die zur Durchführung der inter­nationalen Stillhalteaktion dienen sollte. Nachdem gestern dieGoldschlacht geschlagen" zu sein schien, lassen nun die neuen Meldungen erkennen, daß Frankreich fortfährt, auf England seinen Druck aus­zuüben. Sollten etwa die BerlinerChequcrs-Ge- spräche" diese Wirkung ausgelöst haben?

Paris ist mißtrauisch

Paris, 29. Juli.

Die Verhandlungen zwischen dem Gouverneur der Bank von Frankreich und dem Unterhändler der Bank von England Kindersley haben bisher noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis geführt. Es fcheint fogar, daß ganz Plötzlich ernste Mei­nungsverschiedenheiten ausgetreten sind, die nicht etwa finanzieller, sondern politischer Natur find.

Man macht französischerseits der englischen Regie­rung den Vorwurf, daß sie die in Frankreich zu nie­drigem Zinsfuß geliehenen Gelder an Deutschland weiter verleihe. Dadurch würden die politischen Be­dingungen, von denen Frankreich seine Hilfe abhän­gig gemacht habe,, unwirksam gemacht.

Sauerwein gibt imMati n" noch eine andere französische These wieder, wonach man in Pariser Finanzkreisen die Auffassung vertritt, daß England mit französischem Gelde übersät sei, und daß es des­halb bester sei, die Unterstützung der Mark durch andere Gelder vorzunehmen als über den englischen Markt. " "

erhalten werden soll, und währen« neue internatio­nale Konferenzen kümmerliche und ungenügende Älaßnnhmen zur Behebung «er deutschen Krise Vor­schlägen, Hai die französische Politik einen wuchtigen Schlag zur Aufrechterhaltung ihrer einzig­artigen und in der Geschichte bisher unerhörten Machtstellung getan. In Beantwortung «er Aufsor- Verung des Völkeribunvsrates vom Mai d. Js. hat Herr Briand dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Memorandum über die französische Auffas­sung der A'brüstungsmöglichkeiten übersandt, das nach idem üblichen Zeitungsausdruck in vielen Ländern ,Me eine Bombe" gewirkt hat. Es enthält in glat­ter Foren zusammengefaßt alle feit 1918 bekannten Sicherheitsthesen"; es behauptet das Vorhandensein einer freiwilligen französischenAbrüstung" auf das im Artikel 8 des Völkerbundspaktes für die nationale Sicherheit vorgesehene Mindestmaß und es macht je­den eventuellen weiteren Schritt in der Herabsetzung der französischen Rüstung von einer allgemeinenOr­ganisierung des Friedens" in den bekannten franzö­sischen Zielsetzungen des status quo bei

Anffechterhaltung der Versailler Eutwasfnungs- Bestimmungen und Sonderverbote

abhängig. Mit diesem Memorandum hat also, ge­treu ihrer Tradition, die französische Politik vor einer großen internationalen Auseinandersetzung sich selbst

Das Journal" erklärt ganz offen, daß die Vorbedingung zur Wiederherstellung des Vertrauens die Beilegung politischer Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und London sei. Macdonald habe in Berlin erst jetzt wieder seine Absicht bekundet, in die deutsch-französischen Beziehungen einzugreifen. Er habe außerdem von einemsreienDeutsch- land gesprochen, indem er ziemlich deutlich an eine Rede erinnert habe, die er früher einmal zu­gunsten der Vertragsrevision gehalten habe.

DerE x c e l s i o r" dagegen glaubt, daß die eng­lisch-französischen Verhandlungen am Mittwoch zum endgültigen Abschluß kommen werden und zwar in dem Sinne, daß die Bank von England einen Re- diskontkredit bis zur Höhe von Wi Milliarden Fran­ken eröffnen wird.

Snowden gegen den Kredit

London, 29. Juli.

Die Auffassung der englischen Presse über die Na­tur des französischen 20 Millionen Pfund-Kredits für die Bank von England ist nicht einheitlich.Daily Telegraph" will erfahren haben, daß sich in den Verhandlungen Schwierigkeiten ergeben hätten. Wäh­ren« die Bank von Frankreich zu einem Abkommen bereit sei, seien zwischen Snowven und dem Gou- tiernciir der Baak von England Mcii.ungsoerschie- dencheiten entstanden.

Der Schatzkanzler habe erklärt, daß dieser Kredit nicht notwendig sei.

Daily Mail" wendet sich ganz scharf gegen die Behauptung, daß England Hilfe brauche, um seine internationchen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Bank von Englano habe weder um Hilfe gebeten, noch brauche sie eine Unterstützung. Wenn ein fran­zösisches Syndikat gebildet worben fei, um wieder rund 25 Millionen Pfund in England zu investieren, so fei die City der Ansicht, daß diese kurzfristigen französischen Gelder besser in Paris bleiben füllten. Ter Versuch, den englischen Kredit zu schädigen, in­dem man zuerst das Geld aus London zurückzog, um es nun wieder zurückzusenden, habe in der City er- hedlich verschnupft.

Die Franzosen täuschten sich, wenn fie glaubten, durch diese Gerüchte den englischen Kredit er­schüttern zu können.

Das Mattstellen des Hooverplans, das Abtöten der Londoner Konferenz und ber daunernde Widerstand gegen die Abrüstung zielten alle nur daraufhin, Amerika zu enttäuschen und zu verärgern, um es wieder in feine alte Isoliertheit zurückzu- treiben.

nach Innen und Außen auf eine Maximalp o s r - tion festgelegt, von der ein Abgöhen nur äußerst schwer möglich ist und wenn es dennoch in Einzelnen minserwichtigen Teilen geschehen sollte, stünde das friedliebende Frankreich wieder einmal als eine Ra­tion großmütigsterVerständigungsbereitschaft" da.

Wir wollen uns angesichts des Ernstes unserer eigenen inneren Lage und angesichts eines so schwer­wiegenden Aktes der französischen Politik nicht das Geringste vormachen: Seit den Sommermonaten des Ruhrkampses 1923 ist die Lage unseres Vaterlandes nicht so bedrohlich gewesen, wie heute. Die Gesahr ist riesengroß, daß Frankreich in zäher, systematischer Arbeit doch noch sein Ziel erreicht und nachträglich das verwirklicht was es sogar im Siegesräusche des Versailler Friedensdiktates nicht hat erreichen können. Fast dreizehn Jahre lang hat es nach milr- trischem Siege mit dem Mittel der finanziellen und wirtschaftlichen Tribute Deutschland ausgepreßt und wirtschaftlich geschwächt. Es trägt die Hauptschuld an der Inflation und an der Vernichtung einer nach vie­len Milliarden zählenden Substanz deutscher Wirt-, schäft. Es ist nach 1924 ebenso die Hauptursache da- für, «atz Deutschland durch gefährlichste kurzfristige Verschuldung an das Ausland sich die Gelder zur Be­zahlung der weiter herausgepreßten untragbar hohen Tribute borgen mußte. Es hat infolge der »^-treie- mannschen Politik zwar sein Ziel der Abtrennung des Rheinlandes und der Saar nicht erreicht, aber ähnlich wie im Herbst 1923 Poincare der sranzopschen Kammer ankünvigte, das der deutsche Zusammenbruch und damit die Verwirklichung des französischen Rheinlandzieles nahe bevorstände, klingt es heute aus mancher französischen Zeitung kaum nod) ver- hüllt wie ein Triumph heraus, daß Deutichlands finanzielle Ohnmacht die Verwirklichung der ftanzo- fischen Vorherrschaft in Europa auf viele Jahre bringen muß. Pax gallica!

Die französische Wunschliste aus diesem Gebiete ist groß und lang. Der Kanzler hat sie in Paris mit einer energischen Handbewegung beiseite geschoben, und die Haltung der französischen Minister in London war in erster Linie eine Reaktion auf diese feste Ab» wehr der leitenden deutschen Persönlichkeit. Seiest wir uns darüber klar, daß, so wichtig für die Fran­zosen die Ausgabe der deutsch-österreichischen Zoll­union oder die feierliche, freiwillige Anerkennung detz deutsch-polnischen Grenzen durch Deutschland odetz Aehnliches fein mag, doch der

Hauptstoß gegen Deutschland auf dem Gebiete ] der Rüstung geführt

werden wird. Hatten schon die vorbereitenden Ab­rüstungsverhandlungen in der Genfer Kommission die französische' Intransigenz gegenüber einer Min­destforderung deutscher Souveränität erwiesen, so ist heut ein Zweifel darüber nicht mehr möglich, daß sie durch die deutsche Finanzerrüttung noch sehr viel stärker geworden ist. Oder anders herum betrachtet; Die vor uns liegenden außerordentlichen inneren An­strengungen zur Aufrechterhaltung einer geordneten deutschen Wirtschaft und Finanzgebarung sind gleichzeitig das allererste und wichtigste Mittel der deutschen Politik, den französischen Versuch einer dauernden politischen Knebelung Deutschlands auf unabsehbare Zeit zu vereiteln. Ich lasse es dahinge­stellt, ob dieser nationale Abwehrkampf, vor dem wir ähnlich wie im Jahre 1923 heute Frankreich gegenüber stehen, zweckmätzigerweise mit den Worten Verständigung" überhaupt noch zu decken ist. In Wahrheit handelt es sich doch darum, ob ans der Abrüstungskonferenz von 1932 Deutschland endlich ein Mindestmaß von nationaler und un­abhängiger Existenz zugebilligt oder weiter­hin verweigert wird. Ich bin der Auffassung, daß das klare Herausstellen dieser Tatsache nach Innen und Außen sehr viel bessere Wirkungen erzielen wird auch den Franzosen gegenüber! als das Klammern an Formeln, die in einer früheren Periode Berechtigung hatten, heut aber infolge einer im Machtrausch verblendeten Haltung der französischen Politik am Kern der Dinge Vorbeigehen und einer großen Anzahl ruhiger, deutscher, patriotischer Men­schen täglich wie bitterster Hohn klingen!

Im selben Gedankengang bin ich der Auffassung, daß zur Einleitung des bevorstehenden schweren Kampfes auf der Abrüstungskonferenz die Zeit ge­kommen ist, von schematischer Wiederholung der Genfer Thesen 1925 bis 1930 Abstand zu nehmen und die ,

einfache klare Forderung deutscher Gleichberechtigung in prägnanter Form in den Vordergrund zu rücken. Nach Lage der heutigen Machtverteilung in der Welt schließt diese deutsche Forderung keineswegs ans, daß 1932 für eine Reihe von Jahren die große quan­titative Ueberlegenheit der französischen Rüstung in« ^national anerkannt wird und Frankreich selbst jede

Frankreichs Druck auf England

(E i g e n e.r D r a h t b e r i ch t.)