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Kasseler Neueste Nachrichten

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Nummer 174*

Drensiaa, 28. Juli 1934

21. Jahrgang

Frankreich und der englische Ministerbesuch

pariser Kommentare zur Jteife Macdonalds / Heute Empfang der englischen Gäste durch Hindenburg / Weitere Lockerung des Zahlungsverkehrs

Lebhafte Spannung in Paris

Eigener Drahtbericht.

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elf braucht Deutschland!

Herzlicher Empfang Macdonalds in Berlin z Eine Rede des englischen Premiers

Paris, 28. Juli.

Der Berliner Besuch der englischen M i n i st e r hat in der französischen Presse eine Auf­merksamkeit ausgelöst, wie sie nicht größer sein könnte, wenn es sich um den Besuch französischer Ka- bincttsmitglieder handelte. Man versucht, der Reichs­regierung auf Umwegen zu verstehen zu geben, daß cs ganz von ihrer Haltung abhänge, ob die K r e d i- t e, die augenblicklich noch in Deutschland investiert sind und für deren Verbleiben sich die Londoner Kon­ferenz eingesetzt hat, zurückgezogen werden sollen oder nicht. Ein Teil der Blätter weist schon jetzt darauf hin, daß die großen Banken, wenigstens zu einem Teil, trotz der dringenden Bitte der Regierung, auf der Zurückziehung beständen.

DasEcho de Paris" beurteilt die Aussichten für eine doistsch-französische Verständigung ziemlich ungünstig. Es liege absolut kein Grund vor, sich des­halb zu beunruhigen.

Das Elend in Deutschland werde die Reichs­regierung dazu zwingen, die Anschlußabsichtcn und die Revision der polnischen Grenze fallen zu lassen.

DasO e u v re" versucht ebenfalls einen Druck auf die Haltung Deutschlands auszuüben und erklärt, daß man mit einer Reihe von Maßnahmen rechnen müsse, die wohl die französischen Kredite in Deutsch­land verhindern würden. Die Folge sei, daß Deutsch­land endlich zugeben werde, daß es den Artikel 8 des Völkerbundspakt es falsch auslege, wenn es ihn so auffasse, daß die Abrüstungskonferenz dazu dienen müsse, ihm das Recht zur Ausrüstung zu geben. DasJournal" weist darauf hin, daß infolge des englischen Besuches in Deutschland, Frankreich mehr denn je auf der Hut sein müsse.

Die französische Regierung müsse an ihrem Stand punkte festhalten, keine Mittelspersonen zwischen Frankreich und Deutschland zu dulden.

DerPetit Parisien" erinnert daran, daß die deutschen Minister sich gelegentlich der Pariser und Londoner Besprechungen darüber klar geworden seien, daß die englische Hilfe nicht genüge, und daß das Schicksal von Deutschland in erster Linie von Paris und Washington abhänge. Brüning wisse sehr wohl, '' daß eine zu starke Annäherung an Frankreich im gegenwärtigen Augenblick den Verzicht auf die Revisionspolitik nach sich ziehen würde. Er schwanke deshalb zwischen der Finanz- und der Revisionspoli­tik. Der englische Besuch sei deshalb schon in dieser Beziehung sehr nützlich.

DerFigaro" hebt hervor, daß Frankreich gegenüber den Berliner Besprechungen nicht interesse­los bleiben könne. Die Geste, die man von Deutsch­land verlange, sei bestimmt, die französische Ab­rüstung vorzubereiten.

Deutschland gewährten Kredite im bisherigen Um­fange aufrecht zu erhalten." Sie hätten ihre deutschen Kunden verständigt, daß die bereits bewilligten Kre­dite nicht zurückgezogen oder vermin­dert werden sollen. Es verlautet, daß die führenden Banken in Neuhork dieselbe Politik verfolgen. Es sei notwendig, daß Bankiers in anderen kreditgewähren­den Zentren ihren deutschen Kunden die gleiche Er­klärung geben, bis derartige Zusagen von allen aus­ländischen Gläubigern vorliegen und die deutschen Banken imstande seien, ihre normale Tätigkeit wieder aufzunehmen. Dies sollte so bald wie möglich ge­schehen.

In Bankkreisen ist die Einsetzung eines inter­nationalen Ausschusses als zweckmäßig an­geregt, damit die verschiedenen Kredit gebenden Zen­tren bei der Kreditgewährung in Deutschland in engster Zusammenarbeit eine einheitliche Politik be­folgten.

th. Berlin, 28. Juli.

Die Reichshauptstadt steht stark im Zeichen des eng­lischen Besuches; seit langem ist einem auswärtigen Gaste kein so herzlicher Empfang bereitet wor­den, wie gestern abend dem englischen Minister Mac- donald, der auf dem Bahnhof Friedrichstraße von einer großen Menschenmenge mit lebhaften Hochrufen begrüßt wurde. Macdonald trat an das Mikrophon und sprach einige Sätze, in denen er seiner Freude Ausdruck gab, wieder einmal in Berlin zu sein. Die Polizei hatte zwar umfangreiche Vorkehrungen ge­troffen, um die Begrüßung der Gäste ungestört vor sich gehen zu lassen, aber es war doch dem Publikum gelungen, in recht beträchtlicher Anzahl aus den Bahn­steig zu kommen und dort die erwähnte freundschaft­liche Kundgebung zu veranstalten, die diesmal durch keinerlei Eegenkundgebungen gestört wurde.

Am Abend fanden zwei Veranstaltungen statt, ein Empfang der Deutsch - englischen Gesell­schaft im Hotel Kaiserhof und dann das Diner in der Reichskanzlei, bei welchem zwischen dem Reichskanzler und dem englischen Premierminister die

Zurück zum freien Zahlungsverkehr!

Vor weiteren Lockerungsmaßnahmen /

th. Berlin, 28. Juli.

Angesichts des englischen Besuches haben die Beratungen des Reichskabinetts gestern nur kurze Zeit gedauert. Es wurde in erster Linie eine neue Verordnung vorbereitet, die im Lause des heu­tigen Tages fertiggestellt und verkündet werden soll, und die sich auf die Lockerung des Zahlungs­verkehrs bezieht. Vom morgigen Mittwoch ab wird bekanntlich eine weitere weitgehende Erleichte­rung im Verkehr der Banken und Sparkassen ein- treten; allerdings noch n ich t die re st lose Frei­gabe des Verkehrs, die erst in einer neuen Verfü­gung Anfang der nächsten Woche zu erwarten ist. Jedoch werden schon heute sehr weitgehende Erleich­terungen beschlossen werden, die bann von der völli­gen Freigabe des Bankenverkehrs nicht mehr weit entfernt sein werden.

Außerdem hat das Reichskabinett gestern eine Ber- orvnung beschlossen, die noch gestern vom Reichsprä- stdenten unterzeichnet und verkündet worden ist und die von der Anmeldung von Auslands­schulden handelt. Diese (im Wortlaut auf Seite 2 mitgeteilte) Verordnung hat den Zweck, der Regie-

Heute Verkündung der neuen Verordnung

rung die Möglichkeit eines genauen Ueberblicks über die in Deutschland noch vorhandenen kurzfristi­gen und langfristigen Kredite zu geben; .man will da­mit offenbar eine Vorarbeit für die Ingangsetzung des Stillhalte-Komitees leisten, zugleich aber auch Material für die demnächst ihre Arbeit beginnen­den Bankier-Komitees in Berlin und Basel beschaffen.

Auflösung des Oevisen-Oezernais?

Berlin, 28. Juli.

Kriminalrat Vorwerk, der Leiter des Sonderdezer­nats zur Bekämpfung des Devisenschleichhandels, hat gestern beim Polizeipräsidium den Antrag gestellt, sein Dezernat zum 1. August aufzulösen.

Kriminalrat Vorwerk begründet seinen Antrag auf Auflösung damit, daß alle Streifen auf Devisenschieber ergebnislos verblieben sind. Tas Sonderdezernat hat in seiner Tätigkeit, | die am 16. Juli nachmittags begann, bis heute keine 1 einzige Verhaftung vorgenommen.

Londoner Hoffnungen

London, 28. Juli.

Die Londer Presse nimmt zum Teil in Leit­artikeln zu dem Berliner Besuchderenglischen Minister Stellung. DieTimes" führt aus, die Minister würden in Berlin nicht nur Hindenburg, sondern auch Braun sehen und ernstliche Besprechun­gen mit dem Reichskanzler haben. Mehrere Blätter berichten aber auch von den Beziehungen Brünings zu den Deutschnationalen und Nationalsozialisten. Wie weit es sür Dr. Brüning notwendig gewesen sei, sich zum mindesten in außenpolitischen Fragen nach rechts zu orientieren, sei eine Frage, über die sich die englischen Minister am besten in Berlin selbst unter­richten könnten.

Auf die innere Lage Deutschlands übergehend, er­klären die Blätter, die Ausnahmebestimmungen seien zum größten Teil sehr eilig entworfen worden und zeigten daher wesentliche Mängel. Man müsse hassen, daß der Besuch der Minister weiter zur Beruhi­gung Deutschlands beitrage.

TerDaily Herald" erblickt in dem Besuch die Erklärung einer Freundschaft, die rein pazifistisch sei und keine Spitze gegen Ruß­land habe. Nicht Rüswngen, sondern der Friede gebe das Gefühl der Sicherheit. Der Berliner Besuch stelle, wie der Chequers-Besuch, einen Versuch dar, diese Tinge richtig zu klären.

England erfüllt seine pflicht

London, 28. Juli.

Im Finanzteil derSime§" heißt es, die sühren- ben Banken in London hätten bereits die Ancmpseh- lungen der Lrmdo-ner LoMereoz befolgt, »die

Macdonalds Ankunft in Berlin

Die Minister verlassen den Bahnhof.

Bo» links nach rechts: Ministerpräsident Macdonald, Außenminister Henderson, Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußemuluifter Dr. Curtius.

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Begrüßungsansprachen gewechselt wurden, die auch politisch recht bedeutungsvolle Sätze enthielten.

Oer Reichskanzler

führte in feinem Toast u. a. aus: Im Namen der Reichsregierung heiße ich Sie, Herr MinisterprLst- dent, und Sie, Herr Henderson, in der Reichshaupt­stadt auss herzlichste willkommen. Das deutsche Boll hat ein lebhaftes und dankbares Gefühl für die Be­deutung dieses ersten Besuches der führenden eng­lischen Staatsmänner in Deutschland. Mir ist es eine besondere Freude, die liebenswürdige Gast« freundschaft erwidern zu können, die Sie Herrn Cur- tius und mir vor nicht langer Zeit in Chequers und auch jetzt in London haben zuteil werden lassen.

Sie kommen nach Deutschland in einer sorgen? vollen Zeit. Ich habe bei unseren wiederholten Be­gegnungen im Laufe der letzten Zeit Gelegenheit ge­habt, Ihnen die Lage in Deutschland und die schwe­ren Probleme, die uns gegenwärtig beschäftigen, ausführlich zu schildern.

Deutschland setzt alle seine Kräfte daran, der Krise Herr zu werden. Es muß aber auch darauf rechnen, daß das Ausland, das mit Zurückziehung kurzfristiger Kredite die Krise auf die Spitze ge­trieben hat. an diesem Ziele mitarbeitet.

Wir erkennen dankbar an, was Ihre Regierung durch die vorbehaltlose Annahme des Hoover-Planes sowie durch ihre Bemühungen um das Zustande­kommen und das Ergebnis der Londoner Konferenz bereits für uns getan hat. Wir wissen, daß auch Sic in England schwere Zeiten durchmachen. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in der gegenwär­tigen finanziellen Krise Deutschlands, die heute in­ternationale Bedeutung gewonnen hat. Ich bin da­her auch überzeugt davon, daß eine wirkliche und gründliche Sanierung der wirtschaftlichen Verhält­nisse Europas nur durch loyale Zusammenarbeit aller Nationen und durch gegenseitige Hilfe möglich sein wird. Der Grundstein für die Zusammenarbeit ist in London gelegt worden. Die weitere Auf-t bauarbeit mutz nunmehr beginnen. Ihr heutiger Besuch ist ein Beweis dafür, daß es auch Ihr Wunsch ist, die glücklich begonnene Arbeit fort« zusetzen. Möge sie der Welt den wahren grietfcü bringen! NaHdem

Macdonaw

für die freundlichen Worte, die der Reichskanzler an ihn gerichtet hatte, seinen Dank ausgesprochen hatte, erklärte er folgendes: Wir sind nicht nur nach Berlin gekommen, um für den deutschen Chequers-Besuch einen Gegenbesuch abzustatten, sondern auch, um der Welt. zu zeigen, daß trotz der Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage unser Vertrauen in Deutschland unvermindert fortbesteht.

Ein freies und sich selbst achtendes Deutschland ist für die Gemeinschaft der Zivi­lisation unentbehrlich. Genau so, wie kein Sperling voi Dache fällt, ohne daß der Schöpfer aller Dinge davon weiß, so kann auch keine Ration, die sich selbst achtet, aufhören zu existieren, ohne daß für alle anderen Glieder der internationalen Gemeinschaft sich daraus das schwerste Unglück er­gibt. Es wäre undenkbar, daß einem Land, das sich in der Kunst, in der Wirtschaft, im Geisteswissen so ausgezeichnet hat, wie Deutschland, das den Kör­per und den Geist gleichermaßen fest in der Gewalt, das in einer langen und wechselvvllen Geschichte seine Qualitäten erwiesen hat, von den anderen Völkern die Hilfe in der Not verweigert würbe.

Die Ergebnisse der Londoner Kon­ferenz sind nicht sensationell gewesen. Es hat sich darum gehandelt, die Stellung zu halten, während die Vorbereitungen für eine gründlichere Behartdlung der Schwierigkeiten getroffen wurden. Das, vorüber man sich in London geeinigt hat, ist zu einem großen Teil bereits durchgeführt worden. Das Studium «der deutschen Finanzlage hat begonnen, die Ratgeber Deutschlands, die von der Londoner Konse­ren; vorgesehen worden sind, 'befinden sich hier in Berlin, und der Apparat ist auf diese Weise in Be­wegung gesetzt worden. Das Wichtigste aber ist, daß die Nationen, die auf der Londoner Konferenz ver­treten waren, sich auf Zusammenarbeit zur Hilfe für Deutschland haben einigen können. Obwohl das Ver­antwortungsgefühl des Bankiers sich von der Politik fernzuhalten hat, so «missen trotzdem die Banken und die Kreditinstitutionen alle ihre Anstrengungen dar­auf richten, den internationalen Wohlstand zu er­höhen. Alle finanziellen Hilfsquellen

Las» verwandt werde», das Gebilde der