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Nummer 169*

Mittwoch, 22. 3tili 1931

21. Zahrgang

Hessische Abendzeitung

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Scharfe englische Kritik an Frankreich

England wünscht Deutschlands Rettung ohne erniedrigende Bedingungen / Macdonald reist mit Brüning nach Berlin? / Hoovers Vorschläge

Eine neue Konferenz im Herbst?

Eigener Drahtbertchl.

London, 22. Juli.

Heber die Verhandlungen der Siebenmächte-Kon- serenz berichtet der diplomatische Mitarbeiter des 2.'aily Telegraph", datz Stimson genaue Angaben über die Gesamthöhe der Kredite gewünscht habe, die nach Ansicht der deutschen Regierung be­nötigt würden, um die Krise zu überwinden. Er habe aber im Augenblick keine genauen Zahlen erhalten können. Stimson habe anscheinend die Gesamthöhe der ausländischen Kredite, die in Deutschland gehal­ten werden sollen, auf rund 44,8 Milliarden Mark geschätzt.

DerDaily Expreß" wendet sich in scharfen und klaren Worten gegen Frankreich. Es sei notwen­dig die Wahrheit zu sagen.

Frankreich bereite dadurch, daß es sich weigere Deutschland zu helfen, es sei denn unter ernie­drigenden Bedingungen ein wirtschaftli­ches Bündnis zwischen Amerika, Eng­land und Deutschland vor. Man solle sich nicht täuschen, daß ein derartiges Bündnis, das sich nicht auf Verpflichtungen sondern auf rein wirt­schaftliche Notwendigkeiten stütze, die beste Lösung für Europa und Deutschland sein würde.

Die englisch-amerikanisch-deutsche Gruppe wolle den Frieden der Welt und die Sicherheit der In­dexierung erhalten. Frankreich und seine Trabanten würden isoliert sein und ihre militärische Vorherr­schaft würde zur Ohnmacht verurteilt werden. Es sei erwiesen, daß Frankreich den Geist des Krieges verewigen wolle. Frankreich müsse sich bewußt sein, daß wenn die wirtschaftliche Herr­schaft in Europa in den Händen dieser drei Länder liege, die Zukunft der Kriegsschulden und Reparatio­nen auf der Grundlage der Lebensnotwendigkeiten des Augenblicks entschieden würde.

Die großen Eoldabslllsse von der Bank von Eng­land nach Paris veranlassen auch denDaily Herald" zu ganz energischen Aeußerungen gegen­über Frankreich. Die Bank von England könne die Beanspruchungen durch Paris noch lange aushalten, aber die Vorgänge zeigten, daß es in Paris an Ver­ständnis für eine Zusammenarbeit der Zentralbanken fehle, und daß man dort stark nervös sei.

Hinter Macdonald und seine« Ministern stiind« einig die gesamte englische Nation in dem Wunsche, einen Plan zu finden, Deutschland zu retten, ohne es zu erniedrigen. Z« gleicher Weise unterstütze die amerikanische Nation den Willen Hoovers, der die Probleme, die jetzt in Paris und London erörtert werden, als wirtschaftliche Fragen und nicht als Angelegenheit betrachte, um Deutschland schwere und erniedrigende Bedingungen politischer Natur aufzu­erlegen.

Daily Mail" meint, daß in englischen offi­ziellen Kreisen gemeint ist das Foreign Office der Wunsch sich verstärke, daß D e u t s ch I a n d zur Erleichterung der Lage von sich aus bestimmte Vorschläge machen sollte, die sich auf die Garantien für einen Kredit oder andere Methoden zur Wiederherstellung des Kredits beziehen, wobei das Blatt auf die Einstellung des Baues des II. Pan­zerkreuzers hinweist.

Oer gestrige Tag

Berlin, 22. Juli.

lieber den Verlauf des gestrigen Verhandlungs­tages ist im einzelnen folgendes zu berichten: Die Siebenmächtekonferenz trat um 20 Uhr im Foreign offiee zusammen. Tie Konferenz wurde um 12,45 Uhr vertagt. In dem Kommunique wuroe, wie schon in einem Teil unserer gestrigen Auflage gemeldet wurde, u. a. mitgeteilt, daß die Finanzminister der aus der Konferenz vertretenen Mächte sowie Reichskanzler Brüning nachmittags unter dem Vorsitz Macdonalds zu einer neuen Sitzung zusammentreten sollen, in der die Prüfung der aufgeworfenen Fragen fortgesetzt werden solle. Diese Besprechungen haben den ganzen Nachmittag über gedauert; während einer Unter­brechung von Stunden wurde Tee auf der Ter­rasse des Parlamentshauses eingenommen. Um 21 Uhr fand die Konferenz ihr Ende. Wie verlautet, wurde beschlosien, der heute stattfindenden Vollsitzung der Konferenz mehrere Vorschläge zu unterbreiten, über die gestern verhandelt worden ist. Macdonald, der der Konferenz bis zu Ende beigewohnt haltr. be­gab sich sofort zu dem von ihm zu Ehren der fran­zösischen Minister veranstalteten Esten.

Hilfe für die drei nächsten Monate!

London, 22. Juli.

In einem Artikel des diplomatischen Korrespon­denten desDaily Telegraph" heißt es u. a.: Das Ziel der britischen Regierung besteht jetzt darin, auf

der gegenwärtigen Konferenz eine Vereinbarung über die Deutschland während der n ä ch st e n drei Monate zu gewährenden Hilfsmaßnahmen her- beizusührcn. Im Oktober, wenn Vertrauen und Kredit wieder hergestellt sind, soll dann eine um­fassendere Konferenz stattfinden.

Auch demDaily Herald" zufolge werde die Ueberzeugung immer allgemeiner, datz es im Herbst eine neue Konferenz geben müsse, um die ganze Frage der europäischen finanziellen Stabilität, be­sonders Reparationen und Kriegsschulden, zu erwä­gen. Es dürfe nicht vergessen werden, daß in elf Monaten das Hoover-Moratorium zu Ende gehe und die FrageMrs nun?" müsse lange vor diesem Zeitpunkt gestellt und beantwortet werden.

Schließlich sei noch erwähnt, daß der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" von Gerüchten über Meinungsverschiedenheiten zwischen Macdonald und Henderson Notiz nimmt und dazu zu berichten weiß, während seines Aufenthaltes in Paris sei Hen­derson so weit gegangen, mit seinen dortigen britischen Ratgebern einen Plan für einen politischen Waffen­stillstand in Europa auszuarbeiten, der beinahe eben­soweit gegangen sei, wie der politische Moratoriums­plan der Franzosen. Macdonald und die britische Regierung aber hätten den Plan Hendersons ent­schied en m i tz b il l i g t, Trotzdem habe Henderson

Washington, 22. Juli.

Unterstaatssekretär 6a ft I e «ab einer Pressekonfe­renz am Dienstag den Inhalt der neuen amerikani­schen Vorschläge bekannt, die Staatssekretär Stim­son wie bereits gestern angekündigt wurde der Londoner Ministerkonferenz unterbreitet hat. Die Grundgedanken des Hooverprogramms sind folgende:

1. Die politische Atmosphäre in Europa muß durch gegenseitigen guten Willen und durch eine Verständigung zwischen den einzelnen Nationen, hauptsächlich aber zwischen Deutschland einerseits und Frankreich sowie dessen osteuropäischen Verbündeten andererseits, geklärt werden.

2. Die ausländischen Bankiers sollen die bisher an Deutschland gewährten Kredite in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Dollar nicht abberufen

3. Ein internationaler Ausschuß soll ein­gesetzt werden, um Deutschlands finanzielle und wirt­schaftliche Struktur einer Prüfung zu unterziehen, und um darüber hinaus zu entscheiden, ob für Deutsch­lands Wiederaufbau neues Kapital erforderlich ist.

4. Die kurzfristigen Kredite sollen, wenn es notwendig erscheint, in langfristige umgewandelt werden.

Im einzelnen entnehmen wir dem amerikanischen Vorschläge, der bereits im Wortlaut vorliegt, folgen­des: Der Hauptdruck auf Deutschlands Wirtschaft in der Zeit der Depression ist durch den gemeinschaft­lichen Schritt der Gläubigermächte mit der Suspen­dierung aller Zahlungen aus Regierungsschulden für ein Jahr erleichtert worden. Deutschland hat aber sein Wirtschaftsleben zu einem sehr beträchtlichen Grade mittels ausländischer kurzfristiger Kredite finanziert. Es liegt kein Grund vor, die Sicherheit der Grundlage, auf der diese Kredite ruhen, anzu­zweifeln. Aber die in den letzten Wochen herrschende allgemeine Unsicherheit brachte einen solchen Ver­lust an Vertrauen mit sich, daß Deutschlands Bant- und Kreditwesen einer sehr schweren Be­lastung ausgesetzt war. Diese Belastung nahm zwei ganz bestimmte Formen an, deren Folge ein Ab­fluß der Bankmittel und eine Verminderung des Gold- und Devisenbestandes war.

Erstens gab es eine Flucht aus der Mark in Deutschland selbst, zweitens wurden ausländische Depositen abgezogen und die Kredite seitens aus­ländischer Banken beschnitten. Diese Bewegung ist durch nichts zu rechtfertigen, und wenn sie durch eine gemeinsame Aktion aufgehal­ten werden kann, io besteht fein Grund, daß die gegenwärtige Notlage nicht sofort und endgültig überwunden werden könnte.

Was das Nächstliegende 'betrifft, nämlich «die in­nere Flucht vor der Mark, so tonn dies und es

sich gestern noch immer vergeblich bemüht, einzelne Mitglieder der Konferenz für seinen Plan zu ge­winnen.

Konferenzschluß am Donnerstag?

Eine französische Darstellung der Lage.

Paris, 22. Juli.

Der Außenpolitiker desMatin" berichtet aus London über die Aussichten der Londoner Konfe­renz. Er führt u. a. aus, der allgemeine Eindruck sei, daß die Konferenz etwas zustandobringen werde, damit Deutschland anstelle einer langfristigen An­leihe durch eine Reihe von Maßnahmen sofortige Hilfe erhalten werde. Es werde sich dann ergeben, ob in Zukunft die Besserung der internationalen Atmosphäre es gestatten werde, weitere Maßnah­men zu ergreifen. Don deutscher Seite werde darauf hingewiesen, daß eine einfache Konsolidierung der Krvite nicht genügen werde, um die deutsche Wirt­schaft zu retten, denn Deutschland benötige neue Zahlungsmittel. Auf französischer Seite bleibe man bei der während der Pariser Konferenz geäußerten Anschauung, daß für. Deutschland langfristige Kre­dite notwendig fein würden. > Frankreich sei geneigt, unter der Bedingung daß volle Garantien für eine politische Beruhigung gegeben werden, sich an einer solchen Aktion zu beteiligen.

Der Sonderberichterstatter der Havasagcntur schreibt, man rechne bereits für Donnerstag mit der Abreise der auswärtigen Delegationen. Macdonald und Henderson würden die deutsche Delegation nach Berlin begleiten, um dort das Wochenende zu ver­bringen. i'

geschieht dies bereits erfolgreich bekämpft werden durch die entschiedenen Maßnahmen der deutschen Regierung und der Reichsbank. Was die auswärtigen Kredite betrifft, so glauben 'wir, datz eine erste Annäherung an dieses Problem in der Ausstellung eines Programms besteht, das eine Verlängerung der laufenden Kre­dite um eine angemessene Frist ermöglicht.

Es dürste klar fein, daß, sofern für die Aufrecht­erhaltung der Kredite keine Maßnahme getroffen wird, ein Versuch, neue kurzfristige oder langfristige Kredite zu beschaffen, unwirksam sein würde. Bei der Entwicklung eines solchen Programms könnten die Länder, die Bankzentren besitzen, einschließ­lich der Vereinigten Staaten, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens, Hollands, Italiens, Japans und der Schweiz und andere wichtige Bankzentren, es gut auf sich nehmen, ihren Bankiers anzuempfehlen, in der Weise organisatorisch vorzugehen, daß es er­möglicht wird, die laufenden Kredite für Deutsch­land für einen angemessenen Zeitraum aufrechtzuer- halten. Die Verantwortung für die Ausarbeitung der Einzelheiten eines solchen Programms sollten den Bankgemeinschaften der betreffenden Länder überlassen werden. Derartige freiwillige Abmachun­gen sollten für die gegenwärtige Zeit ihre Ergän­zung finden in einer strengen Kontrolle aller Devisentransaktionen durch die Reichsbank, derart, daß die Integrität des Pro­gramms aufrechterhalten werden kann, und daß die Banken, die daran teilnehmen, versichert sein können, daß keine willkürlichen Abziehungen stattsinden weder von deuffcher Seite noch außerhalb Deutschlands. Das wird zur Austechterhaltung des Gesamtbestandes der Kredite aus jedem Lande beitragen.

Wir find der Ansicht, daß, wenn ein derarliges Sy­stem schnell zur Ausführung gebracht würde, eine un­mittelbare Wiederherstellung des Vertrauens die Folge sein würde, und datz in verhältnismäßig kurzer Zeit die Notwendigkeit für eine Beschränkung dieser Art verschwinden und dann wieder normale Verhältnisse zur Herrschaft gelangen würden.

Von der B. I. Z. sollte ein Komitee ernannt wer den, oder es sollte ein Komitee auf irgendeine andere angemessene Methode geschaffen werden, um ein Zn sammeuwirken in betreff der folgenden Frage zu ge­währleisten; um zunächst im Einvernehmen mit den Bankintercssen in den verschiedenen Ländern von die­sen Ländern Vorsorge zu treffen für die Wieder- erncuerung des gegenwärtigen Bestandes der laufen­den kurzfristigen Kredite. Um zweitens über die un­mittelbaren weiteren Kreditbedürsnissc Deutschlands eine Untersuchung anzustellen. Drittens über die Entwicklung von Plänen während des Ver­laufes der nächsten sechs oder acht Monate für eine teil­weise Umwandlung der kurzfristigen Kredite in l a n g= f r i ft i ge Kredite.

Selbsthilfe

Dr. Th. Der außerordentlich wechselvolle Verlauf der Pariser und Londoner Verhandlungen hat bis jetzt deutlich erkennen lassen, daß die Hilfe, die Deutschland in seinen jetzigen Finanzschwierigkeiten braucht, nicht vom Auslände allein kommen kann. Offensichtlich haben in den letzten Wochen die An­schauungen über die richtigen und möglichen Wege etwas zu rasch und zu häufig gewechselt. Das auf­geregte Pendel der öffentlichen Meinung hat allzu stark zwischen den beiden Polen der internationalen Hilfsaktion und der nationalen Selbsthilfe hin und her geschwankt, und es muß sich erst in eine normale Mittellage zurückfinden, ehe über den richtigen Weg, der nun einzuschlagen ist, Klarheit gewonnen wer­den kann. Schon jetzt machen sich jedoch bestimmte Anzeichen dafür bemerkbar, daß dieser Weg in der Richtung einer Zusammenfassung der von außen kommenden Unterstützung mit den im Innern ein zu leitenden energi­schen Maßnahmen zu suchen ist, durch die der Boden für ein Ausreifen der ausländischen Stützungspläne vorbereitet werden muß.

Nach dem Inkrafttreten des vom Präsidenten Hoover verkündeten Feierjahres, dessen grundsätzliche Bedeutung auch durch die in den letzten Wochen ein­getretenen schweren wirtschaftlichen und politischen Rückschläge nicht erschüttert wird, war man sich dar­über klar, daß diese Atempause sowohl zu einer durchgreifenden Revision unserer Tributverpflichtun­gen, wie auch zu einer durchgreifenden Wiederauf­bauarbeit unserer Wirtschaft ausgenutzt werden mußte. Auch daran konnte kein Zweifel bestehen, daß dieser Wiederaufbau und die Neubelebung der Pro­duktion nur mit Hilfe fremden Kapitals möglich ist. Deshalb fetzten sofort die Bemühungen um eine großzügige Kreditaktion ein, aber die Ziel­setzung dieses Unternehmens wurde durch die tatsäch­lichen Vorgänge der letzten Wochen leider total überholt und verschoben. Das Geld des Auslandes, bag planmäßig der positiven Wiederaufbauarbeit dienen soll, wurde statt dessen sehr eilig und drin­gend benötigt, um den wachsenden finanziellen Not­ständen Einhalt zu tun. Allerdings haben die glei­chen politischen Hindernisse, auf die das rapide An­wachsen dieser Schwierigkeiten und Gefahren zum großen Teil zurückzuführen war, gleichzeitig dazu geführt, daß in den Verhandlungen über die auslän­dische Finanzhilfe Verzögerungen schlimm­ster Art eintraten, so oaß bis heute noch kein end­gültiges Ergebnis dieser Anstrengungen vorliegt. Andererseits sind diese politischen Zwischenspiele durch die Verhandlungen der letzten Tage zwar nicht überwunden, aber- doch vorläufig so weit ausgeschaltet worden, daß die Rückkehr der Fi­nanzverhandlungen von der politischen auf die wirt­schaftliche Basis gesichert erscheint, besonders nachdem man auch an der Pariser und Londoner Börse fest- gestellt hat, >daß man die deutschen Finanzen und die deutsche Wirtschaft nicht ungestraft dem Abgrund entgegentreibt.

In der 'bangen und verhängnisvollen Pause, die zwischen der Verkündung des Hooverplanes uns der jetzigen Londoner Konferenz liegt, und in der die Bemühungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther um einen sofortigen großen Auslandskredit scheiter­ten, konnte man jedoch im Innern nicht untätig bleiben. Man hat vielleicht in der festen Erwartung dieser fremden Kredithilfe fogar fchon zu lange gewartet, ehe man durchgreifende Maßnahmen im Rahmen der Möglichkeiten einer Selbsthilfe er­griff. Auch hierbei handelt es sich leider noch lange nicht um Schritte auf dem Wege zum positiven Wie­deraufbau, sondern zunächst nur um den Versuch der Rettung vor einer unmittelbar drohenden Kata­strophe. Zunächst ist mit der Fülle von Nowerord- nungen, die jetzt in rascher Folge verkündet werden mutzten, dem weiteren Abgleiten auf der bisherigen abschüssigen Bahn Einhalt getan worven, dann aber hat die Aktivität der Reichsregierung auch im Aus­land einen recht starken Eindruck hervorgerusen. Diese beiden Gesichtspunkte muß man bei der Be­urteilung der dieser Tage verkündeten Notverord­nung berücksichtigen, wenn man kein allzu ungerech­tes Urteil darüber fällen will. Es hat sich erst nach­träglich herausgestellt, datz die Durchführung jeder ausländischen Finanzhilfe durch derartige Maßnah­men der innerdeutschen Selbsthilfe nicht nur geför- oerr werden würde, fonbern daß hier geradezu ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, so daß eine zurei­chende ausländische Kreditaktion von den Gläubi­gern an die Voraussetzung weitgehender innerdeut­scher Sanierungsmatznahmen geknüpft wurde.

Die Grenze freilich, bis zu der unsere Selbsthilfe wirksam sein kann, und bis zu der andererseits eine internationale Kreditakiion wirklich eine Erleichte­rung in großzügigem Maßstabe verspricht '(denn an­dernfalls hat sie überhaupt keinen Zweck) wird nicht ganz leicht zu finden sein. Zwischen einem beinahe zwecklosen kleinen kurzfristigen Kredit und einer gro­ßen langfristigen Anleihe gibt es viele Zwischenstufen

Hoovers neuer plan

(Eigener Drahtbericht.)