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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 165*

Freitag, 17. Iuli 1931

21. Jahrgang

Zwei Milliarden-Kredii für Deutschland?

Paris erwartet die deutschen Minister / Oer Rus nachGarantien" / Englische Kritik an Lavals Plänen / Stimmungsumschwung in Washington

Frankreichs Anleihe-Bedingungen

(Eigener Drahtbericht.)

Minister unterhalten sich...

Zur bevorstehenden pariser Ministerkonferenz / Von Dr. A. v. Wilke

London. 17. Juli.

Der französische Vorschlag finanziellen Beistandes Dr Deutschland, den der französische Ministerpräsi­dent Laval angeblich heute zu veröffentlichen ge­denkt, soll wie ein französischer Korrespondent des »Daily Telegraph" aus Paris meldet darauf hin­aus laufen, dast die Bank von Frankreich, die Bank von England und die Bundesrefervcbank Deutschland einen kurzfriftigenKreditvonzweiMil- liarden Mark gewähren würden, der allmählich durch eine Anleihe in gleicher Höhe ersetzt werden solle, die Amerika, Frankreich, England, Italien und Belgien garantieren würden. Diese Anleihe solle in zehn Jahre« zurückgezahlt werden. Als Gegenleistung für diesen Beistand würden von Deutschland weit­gehende finanzielle Garantien verlangt werden.

Der Pariser Mitarbeiter desDaily Tele­graph" meldet weiter, als Sicherheit sollten die deutschen Zolleinnahmen dienen. Ferner solle die Reichsregierung versprechen, die Zahlung der Reparationen, wie sie im Aoungplane vorge­sehen ist, nach einem Jahr wieder aufzu­nehmen (!!) Die deutschen Zolleinnahmen sollten den Gläubigermächten verpfändet werden, die einen Ausschutz einsetzen, der die Zolleinnahmen und die Aufnahme weiterer Kredite durch Deutschlano zu überwachen hat. Außerdem müßte sich Deutschland verpflichten, seinen Jahreshaushalt nicht zu regeln, solange die Anleihe nicht zurttckgezahlt ist. In dieser Zeit sollte es eine Art politisches Morato­rium in Europa beachten, das die Erhaltung des status quo sicherstellt.

Der diplomatische Mitarbeiter desDaily Herald" der der Regierung nahesteht, bemerkt hierzu, daß die Verpfändung der Zolleinnahmen Deutschland auf die­selbe Stufe wie China zur Zeit der Mand- schus oder der Türkei z. Zt. Abdul Hamids stellen würde. Deutschland könnte diese Forde­rung nicht annehmen. Ebenso unmöglich könnte sich Deutschland mit einer ausländischen Kon­trolle einverstanden erklären. England könnte auch die Tatsache nicht übersehen, daß solch ein Plan eine Herabsetzung der Zölle aus viele Jahre überaus sihwierig oder gar unmöglich machen werde.

Der ganze französische Plan liefe darauf hinaus, die Deutschen während der Verhandlungen in Paris schon festzulegen, besonders soweit die politischen Fra­gen i» Betracht kämen. Sollte dies nicht gelingen, so seien die Aussichten für die Londoner Konferenz sehr ungünstig. Möglicherweise würden die Franzosen zu einigen Zugeständnissen bereit sein. Der ganzen Lage nach könnte aber kaum viel mehr erreicht wer­den als die berühmteFormel"

Oer Ton macht die Musik...

I London, 17. Juli.

Der Gedanke, die Deutschen nach Paris zu rufen, ist englischen Blättermeldungen zufolge auf die Ein­wirkung von Henderson zurückzuführen. Laval, so meldet derDaily Herald", sei nicht ermächtigt Worden, eine offizielle Einladung abzuschicken. Der rechte Flügel seines Kabinetts hätte diese einfache Höflichkeit abgelehnt. Die französische Regierung sei vielmehr lediglich damit einverstanden, daß Dr. Brüning nach Paris kommt. Der Unterschied möge vielleicht nur gering sein, aber er sei abf icht- sich gemacht.

*

Paris, 17. Juli. Die ganze französische Presse er­wartet mit Spannung die Ankunft der deut­schen Minister für Sonnabend nachmittag. In­zwischen ergeht man sich in Mutmaßungen über die Beschlüsse des Ministerrates. Dieser soll Garantien als unumgängliche Vorbedingung für die Hilfe an Deutschland fordern. Nach der Auffasiung des Exzelsior" besteht der französische Plan aus fünf H a u p t p u n k t e n, die sich auf die französische Hilfe und die verlangten Sicherungen beziehen. Die euro­päischen Großmächte und Amerika sollen danach der B. I. Z. die Kredite, die für Deutschland notwendig sind, zur Verfügung stellen. Diese soll sie an die Reichsregierung weiter leiten. Die Kredite sollen durch die Auslandseinnahmen des Reiches garantiert werden.

Die Reichsregierung soll außerdem verpflichtet werden, während einer bestimmten Zeit nichts zu tun, wasdas Vertrauen unter­graben" könnte und geeignet sei, den Markkurs zu schwächen. Deutschland soll dem Finanz- ausschußdesVölkerbundes jährlich sei­nen Haushalt mitteilen.

Tas Blatt ist der Ansicht, daß diese Bedingungen die Würde und Ehre des Reiches nicht verletzen. Die

Höhe seiner Ausgaben festzusetzen, bleibe Deutsch­land vollkommen unbenommen.

DerPetit P a r i s i e n" unterstreicht, daß ein Plan von solchen Ausmaßen wie vorgesehen, unbe­dingt politische Garantien notwendig mache. Diese müßten sich auf die Panzerschiffe und auf die Zollunion beziehen.

DasJournal" sagt nur, bi» französische Re­gierung sehe der Ankunft der Reichsminister mit Ver­gnügen entgegen. Ihr Besuch sei geeignet, eine Ent­spannung der französisch-deutschen Beziehungen her­beizuführen. DasEcho de Paris" befürchtet, daß in dem politischen Teil des französischen Planes nichts vom Anschluß gesagt wird. Man müffe daher unbedingt darauf dringen, daß die Deutschen hier­über eine Erklärung abgeben.

Berlin, 17. Juli.

In der heutigen Sitzung des Aeltestenrates des Reichstages werden die Wirtschaftspartei, die gestern ihren Beschlutz gefaßt hat, auch die Sozialdemokraten gegen die Einberufung des Reichstages stimmen, so­daß eine Mehrheit gegen die Einberufung sicher ist.

Uebrr die Aenderung der Äotvttord- nung vom 6. Juni sollen in den nächsten Tagen Verhandlungen geführt werden, von denen man, dem gleichen Blatt zufolge, in parlamentarischen Kreisen annimmt, daß sie zu einer Verständigung zwischen der Regierung und den Parteien führen werden.

th. Berlin, 17. Juli.

Heute abend werden der Reichskanzler und der Außenminister die von uns gestern ange- kündigtc ReifenachParisundLondon an­treten. Nachdem dieser Beschluß gestern abend end­gültig gefaßt worden ist, stehen natürlich die mit die­ser Reise zusammenhängenden Probleme vollkommen int Mittelpunkt der politischen Erörterungen in Ber­lin. Das Reichskabinett hat noch gestern abend eine Beratung über den Reiseplan und die politischen Fragen abgehalten, die in Paris und London er­örtert werden sollen. Dabei wurde unter anderem der Personenkreis festgelegt, der in Betracht kommt. Außer dem Kanzler und dem Außenminister werden der Staatssekretär von Bülow vom Auswärtigen Amt, und Dr. Schäffer vom Finanzministerium mit nach Paris fahren. Die Reichsbank wird durch Geheimrat Vocke vertreten sein. Außerdem begibt sich der Ministerialdirektor im Finanzministerium, Krosigk, der sich jetzt bei den Sachverständigenver­handlungen in London befindet, nach Paris, um an den dortigen Besprechungen teilzunehmen. Als per­sönlicher Begleiter des Reichskanzlers wird Ministe­rialrat Feßler von der Reichskanzlei und als persön­licher Begleiter des Außenministers der vortragende Legationsrat Reinebeck vom Auswärtigen Amt mit nach Paris gehen. Die Reife wird heute abend mit dem sogenannten Nord-Expreß angetreten.

Am Sonnabend nachmittag treffen die Deutschen in Paris ein und der Sonnabend nachmittag wie der Sonntag sind für die Verhandlungen in Paris be­stimmt. Wenn diese Verhandlungen ein poptives Er­gebnis bringen,

soll Montag früh, gemeinsam mit den Franzosen die Reise nach London angetretrn werden.

Die dortigen Beratungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen, jedoch läßt sich die genaue Dauer dieser Konferenz selbstverständlich nicht ^Vor­aussagen. Es wird sich um eine sogenannte S i e- benmächte-Konferenz handeln, denn es wer­den außer Deutschland, England und Frankreich auch Amerika, Italien, Japan und Belgien vertreten sein, wobei besonders bemerkenswert ist, daß die Amerikaner zum ersten Mal auf einer derartigen Konferenz sich nicht durch einen sogenannten bloßen Beobachter vertreten lasten, sondern daß

Schatzamtssekretär Mellon als offizieller Ver­treter des amerikanischen Präsidenten an der Konferenz teilnimmt.

Ueber den Inhalt der Pariser Besprechungen lassen sich jetzt natürlich nur Vermutungen anstellen. Wahr-

Jn den dreizehn Jahren, die dem Versailler Frie­den gefolgt sind, ist die Menschheit, gleichviel welcher Nation und welcher Partei, allmählich abgestumpft geworden gegenüber den vielen Konferenzen der Mi­nister jener Länder, die einander im Weltkriege feind­lich gegenüberstanden, und die noch immer nicht zu einem vernünftigen Modus vivendi gelangen können. Es müßten schon Ereigniste von solcher Schwere und Bedeutung, wie wir sie in den letzten Wochen erlebt haben, vorangehen, um die bevorstehenden Mini­sterkonferenzen in Paris und London in den Mittelpunkt unserer Interessen, unserer'Sorgen und Hoffnungen zu stellen. Freilich: Vielfache schmerz-

Jnzwischen wird in Berlin der Vizekanzler Dr. Dietrich die weiteren Beratungen des Reichskabi- netts leiten. MZ nächste Ausgabe ist die Ausgabe einer neuen Verordnung zu beraten, in der der Zahlungsverkehr der Banken vom nächsten Mon­tag an geregelt werden soll. Diese Verordnung ist für den morgigen Sonnabend zu erwarten. Dagegen ist der in der Presse sehr lebhaft erörterte Plan der E etzung eines besonderen Reichskommissars für das gesamte Bankwesen und für bestimmte Zweige der Wirtschaft durch das in dieser Frage veröffent­lichte amtliche Dementi inzwischen als erledigt zu betrachten.

scheinlich werden die wirtschaftlichen und finanziel­len Fragen stark im Vordergründe stechen und daraus wird sich eine politische Diskussion entwickeln. Die Vorgänge ander Pariser und Londoner Börse haben in Frankreich und England in den letzten Tagen die entscheidende Aussprache mit der deutschen Regierung offenbar dringend nahegelegt, und nach den Meldungen der letzten Tage ist ein Stimmungswechsel in Paris und London immerhin insoweit eingetreten, daß die bekannten sranzösi- fd>en Sonderwünsche (Panzerkreuzer, Zoll­union etc.) nicht in der Form von Forderun­gen vorgetragen werden. Man weiß in Paris und London heute sehr gut, daß das Reichskabinett un­möglich in der Lage wäre, auf derartige Forderun­gen einzugehen. Dagegen wird man damit zu rech­nen haben, daß die Franzosen mancherlei Wünsche über einige zwischen den europäischen Staaten zu treffende Vereinbarungen vorbringen werden.

Amerika in Verlegenheit

Die Abkehr von der traditionellen Politik.

Reuyork, 17. Juli.

Der Entschluß Hoovers, den Staatssekretär Stim- son und Mellon für Amerika an der Londoner Mini- fterkonserenz teilnehmen zu lasten, hat in Washing­toner politischen Kreisen Ueberraschung hervor­gerufen.

In einiger Verlegenheit soll man in Regierungs­kreisen darüber sein, wie man die Aufgabe Stimsons und Mellons auf der Konferenz festlegen soll, da eine grundsätzliche Abkehr von der tra­ditionellen amerikanischen Politik, der Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten, zu­gegeben werden muß. Es wurde daher erklärt, daß die beiden amerikanischen Vertreter lediglich ver­mittelnd eingreifen sollten.

Die Londoner Konferenz wünscht man im Augen­blick als eine freimütige Aussprache, mit dem Ziel der Ausarbeitung eines großzügigen Sanieruugspla- nes für die notleidenden mitteleuropäischen Staaten. Den französischen Plan, wonach Deutschland gegen die Berpsändung seiner Zolleinnahmen eine aus zehn Jahre lausende Anleihe in Höhe von 500 Millionen Dollar, unter Führung der Bank von Frankreich erhalten soll, lehnt man in hiesigen Kreisen ab, siebt aber im übrigen der Londoner Konserenz zuverji< ren

liche Erfahrung hat uns gelehrt, unsere Hosfnungen nicht allzu hoch zu spannen.

Künftige Generationen werden vielleicht Mühe haben, zu verstehen, daß da, wo ein Wille zur end­lichen Beruhigung unseres alten, abgekämpften Erd­teils überall vorhanden sein müßte, der Weg zur Be­friedung Europas nicht längst freigelegt und erfolg­reich beschritten wurde. Sie werden das vermutlich umso weniger verstehen, als für die moderne Ver­kehrstechnik Entfernungen, die einst hemmender wirk­ten als chinesische Mauern, heute nicht mehr existie­ren. Luftschiff und Flugzeug haben den Begriff der räumlichen Entfernung zwischen einzelnen Ländern ihrer ausschlaggebenden Wichtigkeit beraubt.

Doch wenn wir gegenwärtig hören, daß ein deut­scher Reichsbankpräsident aus der sieberhaften Suche nach Kapitalhilfe für das seiner Leitung unterstellte Zentralgeldinstitnt in London mit englischen Mi­nistern frühstückt, in Paris mit französischen Poli­tikern zu Mittag speist und in Basel mit internatlv- nalen Hochfinanziers sein Abendbrot verzehrt, dür­fen wir nicht außer Acht lassen, daß in manchen an­deren Staaten die Macht zum Teil in den Händen von Männern liegt, die sich innerlich noch nicht von den Methoden und Gepflogenheiten der Vergangen­heit befreit haben. Ohne Unbescheidenheit dürfen wir behaupten, daß jeder Fortschritt auf tech­nischem Gebiet in Europa am ehesten in Deutschland praktisch nutzbar gemacht wird. Wie ein Märchen'klingt es, daß Sir Edward Grey, der im August 1914 als britischer Staatssekretär des Aeußeren sein Land in das Lager Frankreichs wider die Mittelmächte führte, niemals England verlassen, ja, nicht einmal den Aermelkanal je überquert hatte, um Frankreich aus eigener Anschauung kennen zu lernen Deutschland kannte er kaum aus Buchern, und in seiner Freizeit las er als leidenschaftlicher Angler vorwiegend Schriften die sich auf den Angel­sport bezogen. Einstmals wurden Ministerkvnferen- zen nur bei außergewöhnlichen Anlässen, bei Frie­densschlüssen, wie in Münster, Osnabrück, Rym- wegen, Hubertu-sburg Aachen, Wien, Verona usw. mit vieler Feierlichkeit inszeniert oder man umgab sie mit dem dichten Schlesier des Geheimnisses. Die Zu- sammenkunft des sardinischen Ministerpräsidenten Cavour mit dem Franzosenkaiser Napoleon Hl. nn Badeort Plombiens, die dem Feldzuge von 18o9 ge­gen Oesterreich zur Befreiung der appeninischen Halb­insel voranging, wurde so ängstlich vor der Außen­welt verborgen, wie die Vorbereitung zu einem frevelhaften Attentat aus die glückselige Ruhe Euro­pas, indeß die Einigung Italiens seit langem un­aufhaltsam auf dem Marsche war.

Bismarck, mit dem eine neue Acra in der Diplomatie anhub, hat nicht, wie so häufig geschrie­ben wird, die Geheimdiplomatie einfach abgeschafft und jederzeit mit offenen Karten gespielt. Hätte er so plump gehandelt, wäre er eine leichte Beute feiner Gegenspieler und Rivalen geworden. Man verklei­nert sein Bild nicht, wenn man feststellt, daß ihm, wie die Kunst des Schweigens, so auch die Kunst, seine Gedanken zu verberge« und seinen Widerpart zu täuschen, souverän zu Gebote stand. Hingegen ver­blüffte er die Diplomaten, die zuralten Schute ^ailleyrands und Metternichs schwuren, durch die Rückhaltlose Offenheit, mit der er feine Ideen darlegte, wenn er erkannt hatte, daß die Osfen- heit (hinter der allerdings eine Autorität wie die seine stehen mutzte) im Moment die beste Schutz- und Trutzwaffe bildete. Nun kamen sie von nah und fern, die Staatsmänner, die Minister, um von ihm, der seßhafter geworden war als in rüstigeren Zähren, Ratschläge einzuholen und mit ihm die Probleme zu lösen, die sich zwischen ihren Landern und Deimch- land oder seinen Verbündeten aufgetan batten. An­fangs Varzin, später Friedrichsruh wurde, um das allerletzte diplomatische Schlagwort anzuwen­den jahrzehntelang das europäischeChequers. Aus Rußland kamen u. a. Giers und Schuwalow, aus Oesterreich Kalnoky, aus Italien Crispi, und es ist bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt, ob nicht Leon Gambetta, vom Grasen Guido Henckel einge­führt, einmal insgeheim Bismarcks Gast gewesen ist, um mit ihm zu erörtern, wie Deutschland und Frank­reich ausgesöhnt werden könnten.

Nach Bismarcks Sturz, der Deutschlands Niedergang einleitete, überstürzten sich die Zusammenkünfte vo« Ministern und von Monarchen, die so Eduard VH. und Wilhelm II die äußere Politik als ihre persön­liche Domäne auffaßten. Es liegt wie ein Druck auf den Gemütern der Verantwortlichen, wie eine Vor­ahnung, daß ein Gewitter heraufzieht am Horizont, um sich mit fürchterlichen Blitzen und Einschlägen zu entladen über Gerechte und Ungerechte. Kein Außen-

Reichsiagseinberufung unwahrscheinlich!

Lieber Paris nach London

Neue Verordnung über Zahlungsmittel