Orientalischer Oiplomatenstil
Der Orient hat auch in unserer so nüchtern gewordenen Zeit sich noch nicht ganz von der romantisch Poetischen Stimmung trennen können, die ihm so lange eigen war, und die besonders in der blumenreichen Sprache zum Ausdruck kommt. Diese Ueppig» keit des Ausdrucks fehlt auch in den diplomatischen Kundgebungen orientalischer Regierungen nicht. Dafür führt Friedrich Rosen in seinem im Trans- mare-Verlag zu Berlin erschienenen Buch „Aus einem diplomatischen Wanderleben" ein bezeichnendes Beispiel an.
Rosen, Sohn eines berühmten Orientalisten und Diplomaten, widmete stch ebenfalls der Wissenschaft des Orients, bevor er in die Dienste des Auswärtigen Amtes trat, und dies« Kenntnis von Sprache, Sitten und Volkscharakter kam ihm dann zugute, als er in schwierigen Zeiten als deutscher Gesandter nach Tanger ging. Als der Sultan von Marokko Abdul Asis gestürzt und durch Mulay Havid ersetzt wurde, gewährte Vie deutsche Gesandtschaft diesem von den Franzosen verfolgten Herrscher mchrsach Schutz und Anlehnung. Das Handschreiben, das Mu- lai Havid nach seinem Einzug in Fes ihm zugehen ließ, teilt er mit, weil es für die Denkungsart de? Marokkaner bezeichnend ist; es lautete:
„3m Namen des Barmherzigen, Gnädigen. Es ist keine Macht außer 'bei Gott dem Hohen, dem Gewaltigen. Dem Einsichtsvollen, der gesessen hat aus dem Podium des Ruhmes und der Führerschaft, >der die Lanze des Wettrennens errungen hat auf den Feldern der Politik und der Staatsklugheil, dem Gesandten der deutschen Regierung, Herrn Dr« Rosen. Nach Ausdruck des Wunsches, daß es Di? Wohlergehen möge. Dir sind nicht verborgen die Banden der Freundschaft, welche die hohe, befreundete, ruhmvolle, großmächtige deutsche Regierung pflegt, deren Anzeichen immerfort leuchten und deren Ursachen fortwährend wachsen und sich ausdehnen und verbreiten. Infolgedessen ist es für erforderlich erachtet worden, ihr Mitteilung zu machen von der Ankunft des siegreichen, erhabenen scherifischen Hofstaates in seiner gWcklichen. gesegneten, einzigarti-gen Residenz der Hauptstadt Marokkos, Fes, der von Rosendüften duvchhauchten, gleich wie die Glücksgestirne erscheinen an chren Ausgangspunkten und wie der Vollmond leuchtet zwischen den Sternen. Hierbei wehten die Winde des Sieges und der Zufriedenheit, lautes Zeugnis ablegend von dem vollen Erfclg« und der trefflichen Fügung. Aus lauter Freude und Begeisterung waren dem scherifischen Heereszugs mehrere Marsche weit die Ulema, die Scherffen und. Notabeln von eFs voller Freude und Jauchzen ent, gegengeeitt.
,/$r warf von sich den Wanderstab, Und die Ermattung ließ die Glieder; Des Wandrers Auge leuchtet hell, Es sieht die alte Heimat wieder."
Wir wollen nun dies Euer hohen Regierung aus Allerhöchsten Befehl Mitteilen damit sie Kenntnis nehme von dem bedeutenden Erfolg und dieser allumfassenden Gottesgnade, und daß sich die Bande ihrer Freundschaft $u unseren gnädigen Herrn und die Wahrzeichen ihre Fürsorge und -ihres WchNvol- lens festigen. Möge sie unter allen Mächten ttt hohen Ehren bestechen und der Raum auf der Erd« ihr weit sein."
Die Schneider der englischen Mädt jIsotzkshtr« Haden einen neuen Rekord aufgestellt: sie haben zu einem Anzug für den Kolonialminister Thomas vom Scheren der Schafe an bis zur Fertigstellung 3 Stunden 20 Minuten gebraucht. Der Minister hat Zugesagt, diesen Rekordanzug bei der Eröffnung d«r nächsten englischen Wolle-Ausstellung zu tragen.
Kasseler Neueste Nachrichten
Achtung! Hier werden Giftschlangen gezüchtet!
Im Schlangeninstitut von Butantan / Schlangen als Haustiere
W. H. Sao Paolo, im Juni.
Eines der sonderbarsten und dabei auch erfolgreichsten Forschungsinstitute, die es auf der Welt gibt, ist das Schlangeninstitut von Butantan, im Süden von Sao Paolo in Brasilien gelegen. Deutsche Gelehrte wirken in ihm und trugen nicht wenig dazu bei, die große Achtung, die der Brasilianer vor der deutschen Wissenschaft hat, zu mehren.
Das Jnstttut selbst ist ein großes, weißes Gebäude. aus einer Anhöhe hinter Pinheiros gelegen, einer typisch brasilianischen Vorstadt mit niederen Häusern, viel Staub, aber auch mit herrlicher tropischer Vegetation- Es enthält Ar-
Hier werden die gefährlichen Giftschlangen gezüchtet.
beitsräume, Stallungen, ein Museum für Schlangen und ihre Gegner. Der wichtigste Teil des Instituts aber liegt vor dem eigentlichen Bau, der Platz, in dem die Schlangen e gehalten werden: eine ellipsenförmige Rasen-
, am Rande abgegrenzi durch einen Wassergraben und eine niedere Mauer, die den Besucher vollkommen schützen. Aus der Rasenfläche befinden sich weiße Betonkuppeln, Termitenbauten ähnlich, in denen Schlangen so gerne hausen.
Und dort sieht man nun die gefürchteten Tiere, große und kleine, schöne, in Farben gezeichnete und einfach graue, andere wie leblos daliegend.
arten und ein Mischserum gegen solche aller Schlangen, das z. B. anzuwenden wäre, wenn die Art der anfallenden Schlange nicht festgestellt werden konnte. Das Serum wird aus dem Blute von Pferden gewonnen, die durch regelmäßiges Einspritzen von Schlangengift, beginnend mit den kleinsten Mengen, dagegen immun gemacht worden sind. Das Gift nimmt man den lebenden Schlangen vorn auf der Rasenfläche ab. Ich ließ mir zeigen, wie das gemacht wird. Ein Wärter, der übrigens kaum von einem Schlangenbiß genesen war, faßte mit schnellem, gewandtem Griffe die Schlange hinter dem Kopf, drückte ihr die Backen zusammen und
In Butantan werden Sera, d. s. die Gegengifte, hergestellt, gegen Bisse der einzelnen Schlangen-
-■ * Schlangen, deren Gift zur Herfiellmtg^ von Gegengiften benutzt wird.
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ließ das dem Giftz-chne entttäufelnde Gift in eine bereitgehaltene Glasschale laufen.
Die Pferde, denen das so gewonnene Gift ein- geimpft wird, sind gesunde, junge Pferde, die na- tüMch anfangs durch diese regelmäßigen Einspritzungen stark leiden und sich in lang anhaltendem Fieberstadium befinden. Doch gewöhnen sie sich verhältnismäßig schnell. Wie jedes Lebewesen, an die Gifte und sind dann ein unschätzbarer Serum- spender.
In einem besonderen Teile hinter dem Jnstituts- gebäude werden die Riesenschlangen gchalten, die bekanntlich sämtlich ungiftig und dem Menschen ungefährlicher sind, als ihr Ruf es besagt. Dort befinden sich auch die giftlosen kleineren Schlangen, insbesondere die prachtvoll gezeichnete, glänzend lackschwarze Mussurana. Die letztere hat der Brasilianer beinahe für heilig erklärt. Sie ist
ein grimmiger Gegner der Giftschlangen,
und selbst die besonders gefährlichen Jararacas sind vor chr nicht sicher. Mr haben einen Kamps zwi- I scheu zwei Vertretern beider Schlangenarten gese- f hen: die Müffutäna griff mtt" unglaublicher'Dap- I ferkelt die Gegnerin an, packte sie trotz heftiger
Bisse, die sie einstecken mutzte, und die ihr trotz der Giftigkeit nichts ausmachten, und bald hatte sie die ihr an Größe doch gleichkommende Jararaca verschlungen, so daß nur die rückwärtige Hälfte der Feindin aus chrem weit aufgerissenen Maule heraushing. Zum Verspeisen dieser Hälfte ließ sie sich lange Zeit.
Die Mussurana wird natürlich, wo immer sie sich zeigt, gehegt und geduldet, und, wenn möglich, ein Exemplar in jedem Gehöft aus dem Lande als Haustier und sicherster Schutz gchalten.
Gewiß ist die Schlcmgengesahr in Brasilien groß, wir haben sogar in einem öffentlichen Park der Hauptstadt Rio de Janeiro eine giftige, tödlich Wirkende Schlange angetroffen. Aber alle Schlangen, selbst die Riesenschlangen, greifen den Menschen nie an. Sie wehren sich nur, wenn sie gereizt oder getreten werden. Hat doch die Klapperschlange an ihrem Scüwanzende sogar eine Art Ringe, mit denen sie zur Warnung rasselt, wenn sie einen Gegner spürt. Trotzdem bleibt aus dem Lande die Gefahr. unversehens eine Schlange im Hause oder gar im Bett, wo sie der Wärme nachgcht, zu berühren oder bei der Feldarbeit zu treten.
Heute hat jeder brasilianische Farmer für sich und seine Leute die Gegengifte, die er dazu noch umsonst erhält, wenn er lebend gefangene Schlangen dem Institut dafür einsendet. So wirkt Butantan unvergleichlich segensreich und rettet tausenden von Menschen jährlich das Leben.
MU geMindttm Griff fassen die Wärter die Schlange hinter dem Kopf.
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Entsprechend den Fahrplnnände rangen der Große Raffelet Straßenbahn A G. tritt ab 10. Juli 1931 auf unserer Linie H der neue, in den Wagen und an den Haltestellen ausgehängte Fahrplan in Straft
Kasseler OmniDusgesellscliafliii.il. H.
Pfaff
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Wegen Unfalls fällt die Sprechstunde aus Dr. Hepe,
Vertreter:
Der Landesbauinfpektor Michels, beabfichtigt auf feinem tm Entenbusch, auherbalb der im Zusammenhänge gebauten Ortschaft telegenen Grundstück, Gemarkung Münden, Karkenbla't 25 (Beiblatt), Parzelle 92 j. K. ein Wohnhaus zu errichten.
Gemäß § 16 des Ges. ». 10. 8. 1904 bett, die Gründung neuer Ansiedlungen und 8 2 d. Ges. o. 23. 5. 1930 (®. S. S. 99) machen wir dies mit dem Be- merken bekannt, daß gegen den Antrag von den Eigentümern, den Rutzungs», Gebrauchsverechiigten und Pächtern der benachbatten Grundstücke, innerhalb von 21 Tagen bei der städtischen Polizeiverwaltung hier Einspruch erhoben werden kann. Der Einspruch muß durch Tatsachen begründet we den, die die An- nähme rechtfertigen, daß die Ansiedlung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus der Land- oder fVorftwirifdiaft. aus dem Gartenbau, der Jagd- oder der Fischerei gefährden werde.
Sin Lageplan über das zu bebauende Grundstück ist während der Einspruchsfrist in dem Zimmer Nr. 17 ors NDauses zur Einsichtnahme aasgelegt.
den 8. Juli 1931.
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