Kasseler Gvort-Heitung
Kasseler Neue st e Nachrichten ✓ Donnerstaq, den 9. 3 uli 1931
Lteber 200 Teilnehmer
bei den westdeutschen Leichtathletik-Meisterschaften am 11. und 12. Juli in Kassel.
icn an beiden Orten im Mit»
Kasseler Ireichsbahu-Sporiler in Darmstadt erfolgreich
Was gibt es Neues?
Das Regattaprogramm verzeichnet wieder eine große Anzichl von Leranstaltungen. Zweitägige Veranstaltungen
Wie wir bereits mitteilten, konnten die Kasseler Teilnehmer bei den in Darmstadt ftattgesundenen Meisterschaften des Bundes der deutschen Reichsbahn- Turn- und Svortvereine gute Erfolge erzielen. Unser BUS zeigt: Im Viereck den Wcit- svrungmeister Waldeck- Kaffel. Weiter von links erfolgreiche Kaffeler Reichsbahn-Boxer: M e b u s. Meister im
anftalter weiter Mitteilen, wird die Italienische Strett- macht bestimmt ans Sacelli, Toctti, Carlini und Beccali bestehen.
___..us dem Ausland ist die 11. Etavve der „Tour de France" von Perpignan »ach Mont» vellicr über 168 Km zu erwähnen.
RevancheSawall — Kreme r «nd U r a a o. Tse Berliner Olvmviababn bringt am 19. Juli eine Revanche des „Goldenen Rades" mit Lawall, Srewer. Urago nnd drei weitere« Danerfahrern der internationalen Erlrallasse.
Motorsport.
„Rund um die Solitude 1931" beißt das wichtigste Sonn» tagsereignis im Motorsport, das in diesem Jahre eine besondere Anziehungskraft auf die internationalen Fahrer ausüben dürste.
Einiel - Gesamtwert»««: 1. M a « « e 81:V8M
2 Pesenti 61:12,03 Lid„ 3. Demupsere 61:13,15 Ltd„ 4 Tewacle 61:14,06 Ltd., 5. Ästchi 61:18,88 Ltd„ 6. Peglio« 61:19,46 Ltd.
8ä«derklasseme«t: 1. Frankreich 183:42.31 Std.. 2. Belgien 183:51,25 Ltd., 3. Italien 184:03,30 Ltd.. 4. Anftralien/Lchweiz 184:26,42 Std.. a. Dentschlano 184:31.01 Std.
Abendsporifest in Bochum
3000 Zuschauer und gute Leistungen.
Da«z verliert knavv gegen Peltzer.
Mittwoch abend von TuS. B o ch u m veranstaltete Sportfest wurde von einem Dauerregen empfindlich betroffen. Dennoch kamen 3000 Zuschauer und wenn diesen zunächst auch die Absagen von Körnig, Berger und einigen anderen Athleten eine weitere Enttäuschung bereiteten, so wurden sie doch im Lause des Abends durch eine Anzahl von schönen Kämpfen entschädigt. Ergebnis: 100 m: 1. Jonath-Brühum 10.8 Sek. 200 m: 1. Jonalb 32,5 Sek. 400 m: 1. Socke-Köln 50,6 Sek. 800 m: 1. Dr. Peltzer-Stettin 1:59,6 Min., 2. Danz-SC. Cbarlottenburg 1:59,8 Min. 1'500 m: 1. Schaumburg-Oberhausen 4:03,4 Min. Kugelstoßen: 1. Hirschfeld-Allenstein 14,53 m. Diskuswerfen: 1. Hirschfeld 43,71 m. Weitsprung: 1. Mölle- Köln 7.09 m. 4 mal 100 m: 1. Duisburg 99 43,6 Sek. 8 mal 1000 m: 1. Preußen Stettin 8:19 Min.
Fliegengewicht: S ch« r f, 2. im Bantamgewicht: D re s» feit, Meister im Federgewicht: Marcks, Trainer der Borabteiluna des Rcichsbahn-Turn- und Sportvereins Kaffel. Auch die übrigen Teilnehmer des Bezirks konnten annehmbare Plätze im Ringen und in der Leichtathletik belegen. So ergibt sich in der Gesamt- wertuna ein recht günstiges Bild für den hiesige» Direktionsbezirk.
Arbe ier-O ympiade
Deutschlands Vertretung im Fußball.
Die deutsche Arbeiter-Fußballmannschaft für die Arbeiter- Olympiade in Wien hat folgendes Aussehen erhalten:
Mayer (Karlsruhe): K r e c e l i u s (Leipzig), Lauer (Nürnberg): Müller (Chemnitz), Drebik (Weitz,vas- fet). Streb IMiinch.): Bastler (Hamburgs, Schmidt (Bielefeld), Seeler (Hamburgs. Heitmann (Frank- furt/M.i. Schneider (Dresden): Ersatz: Wendland (Luckenwalde), Müller (Hamburgs, Springer (Hamburg), John und Bogen (Leipzig).
Das Tennistreffe« Deutschland — Süd» a k r i k a, offiziell Rot/Weiß Berlin — Berea-Clob-Johau- nesbnra genannt, wird folgende Mannschaften im Kampf sehen: Berlin: Prenn, Gramm, Landman«, Henckel «ad Zander: Johannesburg: Raymond, Kirby, Faranhar- sou «nd Harris (für de« verletzte« Dr. Svences. Der a«f drei Tage verteilte Wettstreit wird in Form eines doppelte« Daoisvokalkampfes abgehalle«.
„Tour de France”
9. Etappe Pan-Luchon / Die deutschen Fahrer enttäuschten.
Am Mittwoch wurde die 9. Etappe der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt zur Durchführung gebracht. Die Fahrer halten die Teilstrecke Pau—Luchon über 231 km »u durchfahren und damit die erste schwierige Etavve zu absolvieren. Die Fahrt stellte an alle Beteiligten die größten Anforderungen, denn schon nach 55 km war der Aublsauc (1750 in hoch und zum Teil Steigungen »on ,8—40 Proz.) zu erklimmen. Danach folgte der 1650 m Hohe Tortespaß und nach 101 km begann der 18 km lange Ausstieg zum Tourmalet mit Steigungen von 14—16 Prozent. Die deutsche Maunschajt enttäuschte. Sie fuhr nicht
Bei den weftdeuttchen Meisterschaften am kommenden Sonntag wird auch die Kasseler Svortjugend beteiligt fein. Hierzu bittet uns der V. f. 8. Hesse » - Preußen Kassel folgendes mitzuteilen:
Anläßlich der westdeutschen Leichtathletikmeisterschaften versammeln ffch am Sonntag, den 12. Juli alle Jugendlichen des Vereins morgens 9 Uhr vor der Heffen- kampsbahn zur Teilnahme an der Morgenfeier. Mittags 1 Uhr Treffpunkt im Vereinslokal „Stadt Stockholm". Geschloffene Teilnahme der gesamten Abteilung am E i n z u g der Jugend aus der Heffenkamvfbabn. Zum Aufmarsch werden nur Mitglieder in Leichtathletikkleidung zu- gelaffen. Abmarsch vom Vereinslokal %2 Uhr.
Leichtathleten und Schwimmer beherrschen das Programm des Sonnrags. In Heiden e-vortarten finden mit den Meisterschaften der Landesverbände bezw. Kreiie die letzten Vorvroben zu den deutschen Meliterlchatten des Jahres statt. Daneben gibt es aber auch im Tennis, im Rudern sowie im Rad- und Motorsport noch zahlreiche wichtige Veranstaltungen.
Leichtathletik.
Die ffeben Landesverbände der D. S. B. halten am Samstag und Sonntag mit ihren Melstertchaften die letzte Heerschau vor den am 1. und 2. August statttlndenden ersten „Deutschen Meisterschaften", die bekanntlich erstmals von Sportlern und Turnern g e m e i n > am veranstaltet werden. Der Westen ermittelt seine Meister ,m K a.si e l. Ueber 200 Leichtathleten werden sich, harte Kampfe liefern, die bei der westdeutschen Klaffe auch gute Leistungen versprechen. Die westdeutschen Frauen liesern sich m Duisburg die Titelkämpse. S ü d d e u ts ch la n d hat D a r rett ab t als Austragungsort der Titelkämpse gewählt, die norddeutschen Leichtathleten treffen »ch in Hamburg, Südostdeutschland nennt B r e s l a u als Austragungsplatz und die Balten werden in K ö n , a sb e r q ver-nchen. durch gute Leistungen angenehm zu überraschen. Branden- o u r g s Leichtathleten treffen sich tn Berlin.
Tennis.
Eine schwere Aufgabe hat sich Rot-Weiß Berlin.mit der Verpflichtung der Davisvokalmannichaft von Südafrika gestellt, die bekanntlich Deuttchland in der ersten Runde der Cupspiele erledigte. Um den Davispokal liefern sich England und die Tschechoslowakei in Prag das Endspiel der Europa,one, deffen Sieger dann acht Tage später in Paris auf Amerika trifft.
Rudern.
Gport-Liieraiur
Rolf Jiakiaanber „So lernte ich segelfliege«". Mit einem Brief oo« Staatsminister o. D. Dominieus als Vorwort. Was Jungens erzählen, Bd. 12. Abb. nach 41 Photographien nnd 38 Zeichnungen des Versagers. 167 S. Geb. Fr. 4,75 M. 3,80. Orell Fützli Verlag. Zürich »nd Leipzig. So lernte ich segelfliegen: dies ist 6er beste Titel für das Buch von Rolf Jialiaander, bas soeben in der Bet unfern Buben so rasch zu Geltung und Ansehen gelangte» Bücherreihe „Was Jungens erzählen" (Orell Fiitzli Verlag, Zürich und Leipzig) erschienen ist. Rolf Jtaliaan» der ist ein Leipziger Junge, der mit 16 Jahren von der Schule in eine Fabrik übersiedelt, im vierten Monat Urlaub nimmt, um Berichterstatter mehrerer Zeitungen für den Rhön-Segelflua zu werden: was ihm so gut gefällt, daß er heimlich ans Verkehrsministerium und andere Behörde» schreibt, um Erlaubnis und Mittel zum Besuch der Segelfliegerschule zu erlange».
gerade schlecht, aber doch noch schlechter, als man crroortd hatte, «ei der Ankunft in Luchon wurden. Thierbach und Metze, die in den Bergen so tapfer gekämpft batten, durch Mißgeschick aber wieder zurückgeworsen wurden, von ihren ausländischen Gegnern lehr herzlich begrüßt.
Ergebnisse: Neunte St°vv e ¥««-8«*«« (231 km): 1. «. Masse (Frankreich) 8:56.03 StB.. 2. Pesenti (Italien) 9:00.45 Std., 3. Demunlcre (Belgien) 9:03 47 Std.. 4. Dewaele (Belgien). 5. Büchi («ckweiz), 6. Peglio« (Frankreich) 9:09.02 Std.. 7. Le Calve, hvroat. reich). 8. Lcheevers (Belgien) 9:16,»0 Ltd,, la- Me tze (Deutschland) 9:17,59 Stil.. 17. Thierbach (Deutschland) 9:1943 Ltd., 26. Stapel (Deutschland).
Nunmehr liegt Las endgültige Meldeergebnis für die Westdeutschen Meisterschafien am 11. und 12. Juli vor. Wie bereits vorausgesagt. ist das Ergebnis überaus günstig ausgefallen, 173 Einzelkämvfer und 12 Staffeln sind gemeldet worden, fo daß also die Zahl von 200 Teilnehmern noch überschritten worden ist. Dies Meldeergebnis allein beweist, welch erfreulich große Beachtung den Lies- iährigen Meisterschaften im gesamten Westdeutschland geschenkt worden ist.
Ganz ausgezeichnet ist die Besetzung der Wurf- und Sprungkonkurrenzen. Im Diskuswersen, seit Jahren die Domäne Westdeutschlands, ist Hoffmeister- Münster, der deutsche Rekordmann, Favorit. Seine Konkurrenten sind Seiber g-Effen, der deutsche Polizeimeister G o i t sch-Duisburg, sowie unsere heimischen Werser K i l o-Wetzlar und Junghenn. Alle 5 Konkurrenten find sichere 40 rn-Werfer und haben auch schon mehrfach verschiedene Meter mehr geworfen. Im Speerwerfen ist das Feld kleiner, dafür aber von Klaffe, B o e g e l i n, Schnackertz und M e b d o r f erreichten bereits die 60 rn- Grenze und dürften mit ganz Betonieren Leistungen auswarten. Im Hammerwerfen besteht das Feld aus 7 Teilnehmern, H e i 6 e r a ist der Titelverteidiger, Grimm der Heeresmeifter und G o i t f ch sind seine gefährlichste» Konkurrente».
Im Kugelstoßen gehen 14 Teilnehmer in den Kampf. Werrin g-Gronau, dessen vorjährige Jahresbest- leiftung 14,44 m betrug, ist Favorit. Doch im Kreis seiner Konkurrenten sind mehrere, die sicher 13 m und mehr bereits schafften. — Glänzende Leistungen dürfen auch im Weitsprung erwartet werden von dem bekannten Kölner Mölle. Naber t-Effen und Lehman n-Bticke- burg, die alle 3 die 7 rn-Grenze bereits in diesem Jahr erreichten. — Nicht so hervorragende Leistungen können im Hochsprung und S t a b h o ch erwartet werden. 1,80 m wird im Hochsprung wohl erreicht werden von Busch, Grotze, Blumenberg und vielleicht auch vom Kaffeler K r a a tz, während im S t a b b o ch die Konkurrenz zwischen den 3,60 m-Lpringern Baltes, Born und Bünte entschieden werden dürfte.
Es dürfte sicherlich allgemein interessieren, daß die Meisterschaften aus Wunsch der westdeutschen Kinobesitzer vom Kaffeler Filmverleih und Vertrieb g e s i l m t werden. Der Film wird eine glänzende Werbung für Kaffel und untere hiesige Sportbewegung bedeuten: er wird in Kaffel nach seiner Fertigstellung zuerst gezeigt werden.
Alle Sportanhänger werden darauf hingewiesen, baß die S o n n a b e n d - K ä m v s e bereits um 5 Uhr beginnen. Zu diesen Kämpfen haben alle Jugendlichen freien Zutritt.
gibt es in Hamburg (mit Amiettia Mannheim), in Gieße» und Passau. .
Schwimmen.
In allen Schwimmkreisen des Deutschen S ch w i m m» Verbandes werden im Wochenende ixte St t e t s m e t ft e r- schasten ausgetragen. Süddeutichland hat die feine» dem 1. Schwimmverein Neu-Ulm übertragen, der sie tm Rotz- mannbaü zu Ulm zur Durchführung bringt. Die west- deutschen Meisterschaften werden tn Elberfeld ausgetragen und der Kreis Südwestdeuttchland vergab seine Titelksmvte nach Kaiserslautern. Die Meisterschaften der übrige» SHwimmkreise des DSB. werden wie folgt zum Austrag gebracht. Schlesien in Breslau, M i 11 e l d e u ts ch l a » d in Magdeburg, Sachsen in ® r ü n a. Thüringen tn Sömmerda, Brandenburg in Franksurt/Oder und Nord» deuttchland in Harburg-Wilhelmsburg.
Radsport.
Oer Sport -es Sonntags
Hochbetrieb in Leichtathletik und Schwimmen.
Tennis
10:0 geschlagen / Damen-Tenniskamps gegen England.
Auch bei den beiden Doppelspiele» des Mittwochs mutzten Deutschlands Damen beim Tenntskamps gegen England in Birmingham Niederlagen hinnehmen, so Latz die britischen Damen nun den Kamps mit dem für unsere Vertretung vernichtenden Resultat von 10:0 gewonnen haben. Nuthall/Wbittingstall siegten über Krahwinkel / Peitz 6:3, 9:7, während Shevherd-Barron/ Mudfovd über Hammer/Roft 6:0, 6:2 erfolgreich bliebe».
Eine« neuen 2000 Parbs-Weltrekord lief Pnrie am Dienstag abend in Helsingsors nnd zwar mit 4:57,5. Der 2000 Meter-Weltrekord Ladonmegnes pp« 5:21,8 blieb bestehen, Pnrie erreichte hier „nur“ 5:25,9.
Die Liste der 1,90 Meter-Hochspringer beS letzten Sonntags wird jetzt vervollständigt durch den Norweger Birger Hang, der in Oslo ans 1,905 Meter kam.
Auch Jonath in Köln. Znnt internationalen Abendfportfeft des Kölner Rafenfvortoerbandes ent 22. Jnl, hat jetzt auch Tns Bochum feine ausgezeichnete Vierer- Staffel mit Jonath und Borchmeyer gemeldet. Wte die Ber-
Englands 4 mal 200 Meter-Freistilstaffel ist jetzt ebenfo wie die britische Wasserball-Mannschaft für die Länderkämpse gegen Deutschland am 18. und 19. Juli ausgestellt worden.
Der nächste Berliner Bor » Großkampftag wird am Sonntag, dem 30. August im Berliner Poststadion dnrchgefnhrt werden. Allein 45 000 Plätze werde« zum Preise voa 1—2,50 RM vorhanden fei«.
3»e Jakobs und Leon See, die Manager von Schmerling und Carnera, wolle« Ende der Woche in Nenyork die Berhandlnngen zu dem für September geplanten Weltmeisterfchaftstreffen Schmeling—Earnera rum Abschluß bringen.
Innerhalb Deutschlands muß man dem 48. Dundesfeff des Bundes Deutscher Radfahrer, das vom 10. bis 15. Juli in Chemnitz ausgetragen wird, den Vorzug der beiondere» Erwähnung geben. Weitere Bahnmeifterichaften trage» auch die übrigen Radfportvcrbände aus und zwar die „Concordia" in Bamberg und die „DÄU" in Stettin. Meisterschaften über 1 und 10 Km stehe telvunkt des Programms. Ar
Christacker /
I.
Christacker hieß ein Mensch. Er war nm die Zeit unserer Geschichte ungefähr sechzig Jahre alt, und sein Name war nicht eigentlich Christacker, sondern etwas aiwers. Wer weil er ihn später mit Erlaubnis der Obrigkeit veränderte, denn der ursprüngliche Name war nicht eben schön, so sei er auch deswegen mit dieser letzten Form seines Namens genannt.
Dieser Christacker stand in einem öffentlichen Dienst. Er hatte den Titel eines Rates, obwohl seine Arbeit weniger darin bestand. Jemanden oder Etwas zu raten, als in lauter durchaus nicht rätselhaften und festgelegten Dingen: Schreiben, Rechnen, Ordnen von Zahlen oder Papieren oder Akten, was nicht näher beschrieben zu werden braucht.
Unsere Geschichte beginnt mit dem Augenblick, wo Christacker, beim morgendlichen Herantreten an sein Pult ein Blatt darauf fand, das eine etwas ungewöhnliche Neuigkeit enthielt. Es war nämlich eine Anweisung vom Ministerium selbst, die unter Hindeutung auf gewisie gesellschaftliche Veränderungen der Zeit den öffentlichen Beamten im Verkehr mit dem Publikum eine bisher nicht übliche Zuvorkommenheit zur Pflicht machte. Als Christacker dies las, bemerkte er, deffen Gewohnheit es sonst war. Nichts zu bemerken, daß die sein Zimmer teilenden Schreiber hinter seinem Rücken, obwohl er sie gar nicht scheu konnte, mit ihren Federn innehielten und ihn beobachteten. Er las iusolgodeffen die Anweisung drei Mol und konnte sie auswendig, allein, wie alles, was er machte, nur mit dem Verstand: in seinem wesentlichen Innern hatte er beschlossen, keine Kenntnis davon zu nehmen.
Dies war am Samstag. Am Sonntag nachmittag ging er in den älteren Stadtteil, wo er vier Treppen eines altes Hauses erkletterte, um schließlich an einer Tür zu klingeln, die ein reinliches Mädchen ihm austat. Gleich darauf stand er in einem altmodisch eingerichteten Zimmer und begrüßte eine ihm gleichaltrige Dame, die in Fenster-Sonne und farbigen Blumenstöcken mit einer ruhigen Freundlichkeit saß und seine Begrüßung sacht erwiderte.
Dies war die Schwester eines großen Astronomen, deffen Leben und Arbeit sie als fleißige Gefährtin geteilt, der sie aber vor einem Jahrzehnt verlassen und in einer ratlosen Einsanckeit, weil Untätigkeit zurückgelaffen hatte. Doch bl.eb sie in einem lebendigen, nicht nur schriftlichen, sondern auch perfon-
Don Albrecht Schaeffer
lichen Verkehr mit vielerlei Menschen, gelehrten und ungelehrten, die sie verehrten; und an den Sonntag- Nachmittagen versammelten sich Manche davon, jung und alt, um ihre nichtalternden Augen und mitunter so Viele, daß man sich Wundern mußte, wie Christacker es unter ihnen aushielt. Es läßt sich auch nicht ergründen, Mein er war da; denn die alte Frau war eine Jugendfreundin von ihm und möglicherweise der einzige noch schimmernde Ueberrest aus lebendigeren Tagen. Er hatte einen Sitz, bequem genug, in einer Ecke des Zimmer, aus dem er gemeinhin still saß, sobald Gäste erschienen, und den niemand ihm streitig machte.
An diesem Sonntag fand Chrifiacker bereits einen Gast vor und zwar nicht nur dies, sondern einen ganz fremden, und zwar obendrein auf dem ihm höchst eigenen Sitz; und schließlich war es nicht einmal eine menschliche, sondern eine Tiergestalt, nämlich ein ungewöhnlich großer grauer Kater, der sich auf dem Sitzkissen ausgestreckt hatte. Ich weiß nicht, ob Christacker ihn schön sand; aber er hatte die ganze, nur verkleinerte Majestät eines gelagerten Tigers und war überdies unter der Kehle und der Schwanzwurzel mit je einem Weißen Fleck verziert. Christacker, in zögerndem Nähertreten, sagte: „Was ist denn das?' Die Freundin überhörte die eigentliche Albernheit dieser Frage und beantwortete sie mit der sachlichen Erklärung, es fei ein finnischer Kater; kein hiesiger hätte dieses tiefe und weiche Grau noch auch diese Größe. Christacker, jetzt vor dem Fremdling stehend, beugte sich über chn und bemerkte nach einer Weile: „Er stinkt". Die Freundin antwortete nichts, und nach einem Schweigen fuhr Christacker fort: „Er sitzt auf meinem Stuhl."
„Jage chn wrg", befahl die Frau.
Christaaer zauderte, denn es war ihm Peinlich, vielleicht nicht nur ein Tier, fandern überhaupt etwas Lebendiges zu berühren. Weil aber das Tier durchaus keine Miene machte, sich etwa von Chriftackers Blick wegzaubern zu lassen, beförderte er es mit einem plötzlichen Aufwallen der Ungeduld und mit einer An Hieb feiner vollen Hand gegen das Hinterteil halb schiebend vom Stuhl herunter. Der Kater flog gegen ein Tischchen, von dem Tffchchen flog etwas Zerbrechliches; der Kater quietschte, und die alte Dame blickte mißbilligend über ihre Brille hinweg. Christacker jedoch setzte sich; die Freundin begann nach wenigen Augenblicken unbeeinflußt das gewohnte Gespräch. Als späterhin Gäste gekommen
waren, als man um den runden Tisch saß und Tee trank, bemerkte Christacker mit großem Mißfallen die allgemeine Anerkennung und Zuneigung, die das Tier sich erschlich, nur vermittels seines Vorhandenseins. Es wurde von jedermann gefüttert und gestreichelt, ausgenommen natürlich von Chrifiacker, der sich vielmehr gewissermaßen etwas daraus zugute tat, daß der Aufdringlichliche sich an jedermann her- anmachte, außer an ihn. Plötzlich aber hatte er ein schweres, wenn auch weiches Gewicht auf seinem Schoß und erkannte erstaunt den Kater, der auch bereits über den Tellerrand vor ihm mit kleiner Zunge hinwegliangte.
Diese Vertraulichkeit einen erklärten Feindes war so unverschämt, so unübersteiglich, daß sie Christackers Witz betäubte, er den Beleidiger bei der Kehle packte, aber auch schon auffchrie unter einem brennenden Ritz über seine Hand. Er aber faßte doch kräftiger zu, trug aufspringend die Bestie zum offenen Fenster und schleuderte sie hinaus.
Mes schrie auf, und zwei Kinder, die am Tisch
nicht Platz hatten und auf einem Stuhl zusammen saßen wie ein siamesischer Zwilling, umschlungen uno rechts und links ein Bein seitwärts gestellt, rissen auseinander und stürzten, zum Fenster das eine, das andere zur Tür. Christacker, selffam mit etwas niemals Empsundesiem übergossen, beugte sich über das Kind hinaus und sah in der Tiefe der Straße unten die Katze ganz still, aber, soviel aus der Höhe schien, sitzend. Und im nächsten Augenblick war sie verschwunden. Christacker wandte sich langsam gegen viele empörte Augen um, die jedoch auswichen, als ihre Blicke sich mit Christacker kreuzten. Es war still. Mer nach einer Weile wurde das Geräusch der Wohnungstür hörbar, die Schritte des Kindes tappten* allein bevor es selbst sichtbar wurde, sah Christacker durch die Türspalte einen grauen Schatten heranschleichen, der unter allerlei Mädeln hinweg an der Wand unter das große Sofa verschwand. Die weiblichen Anwesenheit fielen auf die Kniee, um ihn hervorzulocken. Während der allgemeinen Verwirrung verfchwand Christacker. (Schluß folgt).
Sensation in 3Reno!
Die amerikanische Stadt Reno, das Ehescheidungsparadies, ist an und für sich auch die langweiligste Stadt Amerikas. Wo eine Menge amerikanischer Millionäre und schöner Millionärinnen zusammenhau- sen, die nichts anderes zu tun haben, als ihre Zeit abzusitzen, um vor dem Gericht dann aus den Fesseln der Ehe prompt befreit zu werden, wo die Ehe- skandale also sozusagen die conditio fine qua non bilden, ohne die ein Aufenthalt in Reno gegenstandslos wäre, wo jeder feinen eigenen Skandal an dem des anderen mißt und feststellt, wie wenig interessant sie alle — nur nicht sein eigener — sind, da erhält das Leben allmählich eine Blasiertheit und Langweiligkeit, die schwerlich übertroffen werden können.
Und es brauchte schon eines Wettlaufes durch die nächtlichen Straßen Renos, eines Wettlaufs in Frack und mit Zylinder, gespielt von Peter Arno, dem bekannten Karikaturisten, der von dem nicht weniger bekannten Cornelius Vanderbilt fr., dem Sprößling einer der berühmtesten Familien Amerikas verfolgt wurde, um Reno aufhorchen zu lassen. Vanderbilt war ins Theater gegangen, feine Frau war mit Peter Arno ebenfalls ins Theater gegangen. Hier muß erwähnt werden, daß Cornelius unter dem fpitzen Bleistift des Karikaturisten in letzter Zeit außerordentlich litt. Verständlich daher, daß ihm beim Anblick seines Gegners, der sich dazu noch in Begleitung seiner
Frau befand, das Blut in den Kops stieg. Revolverziehend ging er auf Peter zu. Angesichts der Ungleichheit ihrer Waffen — Peter kämpft immer nut mit dem Bleistift — zog biefer es vor, auszureißen. Cornelius hinterher. Die körperliche Ausdauer der beiden wurde leider nicht auf die letzte Probe gestellt, denn Cornelius merkte unterwegs, daß fein Revolver verfagte, und gab das Wettrennen auf. Der Revolver war nämlich ungeladen. „Sonst hätte ich ihn sicher getötet" sagte Cornelius. „Erst treffen", sagte sei« Gegner.
Und die Moral von der Geschichte? Cornelius wird, so munkelt man, gegen feine Gattin, die er int Jahre 1928, eine Stunde nach ihrer Scheidung von ihrem ersten Mann, und ein Jahr, nachdem er sich selbst von feiner ersten Frau trennte, geheiratet hat, eine Scheidungsklage einreichen.
M regelmäßige Kontrolle
Ihrer Augengläser ist unerläßlich, wenn Sie Ihr« Augen schonen wollen. Besuchen Sie daher in Ihrem Interesse von Zeit zu Zeit Has seit mehr als 100 Jahren bestehende Fachgeschäft von
Optiker Heß, dem „Brillenspezialtsten", Kassel, Schloßplatz