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Mild blickt die heilige Frau vom hohen Postament
(Fortsetzung folgt.)'
Marburgs köstlichstes Guts Der Elisabethschrein
Majestätisch wölbt sich das Schiff der .Grabeskirche
tenhäuser, malt unten im herr
lichen Lahnbad die Menschlein krebsrot und schokoladenbraun und läßt Wald und Tal noch einmal so verlockend erscheinen.
Auch durch die Butzenscheiben der wunderschönen Universität lugt sie, heut als einzige Neugierige, denn in den Hörsälen herrscht sonntägliche Ruhe. Und sie spielt in den Schleifen des Kranzes am Gefallenen- mal drunten an der Brücke, von der aus Universität und Schloß sich so trutzig ausnehmen und neben der eine uralte Mühle von einem Stück hessischer Geschichte kündet.
Heine der hohen Frau blieben, bk Geschichte kündet es nicht . . .
Aus kostbarsten hohen Glasfenstern, wie wir Epigonen sie nicht mehr zu schaffen wissen, fällt das
Noch immer hallt in der Grabkirche der heiligen Elisabeth das Pochen der Werkleute. Im hohen Chor aber und um den Grabschrein der Heiligen ist es still — wirst auch du still in Ehrfurcht.
Durch zierliches Gitterwerk erschauen wir den Schrein, der an Kostbarkeit in Deutschland selbst nicht im Kölner Domschatz seinesgleichen hat. Millionen allein beträgt der Materialwert, aber das ist nicht das Wesentliche, sondern das wundervolle mittelalterliche Kunsthandwerk, der Meister, die wohl Jahrzehnte der Arbeit daran wandten. Die Zerstörerhände eines Jerome, der die wertvollsten Steine ausbrach, konnte die ergreifende Gotik der Figuren nur noch umso rührender machen. Anklagend schaut das Christuskind, dem er den ganzen Arm ausriß, uns an. Wo die Ge-
Schwälmer Puppen
Mitten im Werkeltag hat Ziegenhain für ein paar Stunden Festtag gemacht uns zu Ehren. Unter alten Bäumen vor dem schmucken »Ziegenhainer Hof" harren schon an langen Tischen bei Kaffee und Kuchen Schwälmer Buben und reizende Schwälmer Mädel von den Kleinsten bis zu den appetitlichsten, voll erblühten Semestern. Das kleine Städtchen überbietet sich in Gastlichkeit: da marschierten Landwurst auf und Schwartenmagen und Landkäs auf herrlichem Bauernbrot, und die prächtigen Ziegenhainer rühmen ihre Stadt und finden manch treffendes Wort zu den Nöten der Zeit, die auch vor der Schwalm nicht halten machen.
Da aber bläst die Kapelle den Schwälmer Marsch und die Niedergrenzebacher lasten sich nicht lange bitten, ihre Tanzkünste zu zeigen, bis die Gäste sich lustig mit ihnen drehen.
Ich aber stehle mich fort und feiere ein Wieder- sehen mit dem alten Schloß und den würdigen Ka-
Licht ins weite Schiff. Grabmäler der Komture der Deutschritter sagen ihr Sprüchlein von Macht und Vergehen. Nebenan aber ruhen die steinernen Landgrafen, die Nachkoinmen der heiligen Frau. Fromm falten sie die Hände. Ihre Rüstungen und Schwerter drohen nicht mehr und der Löwe, das Wahrzeichen der Macht, ist still wie sie. Nicht zu überbietende Realistik hält uns in ihrem Bann, bis wir aufätmend Ja, hessische Geschichte: wundervoller als Marburg hinaustreten in den herrlichen uralten Klosterhof kann keine Stadt den Charakter eines größeren alt- hinter der Kirche, von dem selbst so mancher Mar- hessischen Gemeinwesens repräsentieren mit seinen burger nichts weiß, der alten Deutschritter-Kommen- zahllosen Patrizierhäusern und reich verzierten Fach, Werkbauten. Jede neue Ecke der steilen Gassen end hüllt neue prächtige Ausblicke.
valiersgebäuden der alten Feste. Ehe wir uns losreißen von diesem Hessenstädtchen, das im glücklichen Gegensatz zu Marburg, der „mittelalterlichen Großstadt", die behäbigere Landstadt noch heute so glücklich verkörpert, treten wir ein in das liebevoll gehegte Heimatmuseum und können uns nicht genug tun im Schauen. Kleine Kostbarkeiten bildet der Hausrat, der hier zusammengetragen, die altväterliche Bauern» stube und der zierliche Kleinkram und die Bänder, mit denen zu Fest und Tanz 's Katharin und Liefet sich schmücken. Doch was blasen da die Burschen: „Mutz i denn zum Städtele hinaus . . ." Ja, ade ihr gastlichen Schwälmer I
Gommernacktstraum und Burfchenlied...
Du liebes altes Marburg, endlich wieder einmal in deinen Mauern!
Strahlende Sonne flutet über die Bergstadt, vergoldet die Zinnen des Hohen Schlosses, strahlt wieder in den flat- ternden Bannern der Studen-
brinus sei« feuchtfröhliches Szepter längst haben sinken lassen .. .
Abends aber, wenn über den wunderschönen Ausblick von der Schloßterrasse sich die Schleier der Dämmerung senken, wird es aus der Bühne des Naturtheaters lebendig. Puck und Oberon, Titania und Irrlichter, geistern im seligen Sommernachstraum ihn zu lebendigster Wirklichkeit erweckend, so packend und mitreißend, wie selten wohl der große Meister Shakespeare uns ergriff. Und die Natur webt herüber und spielt mit. Johanniswürmchen gaukeln durch die Büsche und durch die Spitzbogen lugt der Mond . . .
Ueber steile Treppchen, durch schlafversunkene Gäßchen, durch die von den nahen Gärten ein Hauch von Rosen steigt, gehts dann herab. Auf einer der prächtigen Terrassen, die in das Lahntal herabschauen, machen wir dann den Sprung ins Leben zurück. Hier feiern die Studenten Ahschied vom Wochenende, Arminen und Rheinfranken. Po« den Wänden grüßen ihre ehrwürdig alten Wappen. Von was sie reden? Richt nur von Burschensreude, von Mensur und Konvent, sondern auch von den Röten unseres Volkes, dessen bewußte Glieder sie heute sind . . .
Und dann scheiden wir von dir, Marburg. Unauslöschlich aber bleibt der Besuch in der Erinnerung: Die Reinheit deiner Architektur, die Schönheit deines Panoramas, — ein Burschenlied und ein Sommernachtstraum.
gl. Pressefahrt — Rosinen im Alltagsleben oes Zeitungsmannes. Nun gar. wenn der Verkehrsverband Kurhessen Waldeck ruft zur Reise durch die Heimatfluren!
Und er mt recht daran. Hessen ist es wert, gezeigt zu werden. Doppelt recht aber, das schöne Land den Männern der Feder vom Rhein und Ruhr zu zeigen, deren Leser zu Freunden unserer ja noch viel zu wenig bekannten landschaft- lieben Schönheiten, unserer Berge, Bäver und Luftkurorte zu machen, von solch hervorragender Bedeutung ist.
Und sie kamen und schauten — — und schrieben nun auch und die Kollegin aus Duisburg bekam ganz verträumte Augen, ein Wunder in den Zeiten einer immer nackter werdenden Sachlichkeit. Wir aber, die wir unser Hessen kennen und lieben, auch wir machten unsere Reverenz vor so viel Herrlichkeit . . .
Freilich ein bissel arg schnell grngs, und der gestrenge, stets wohl um uns besorgte Reisemarschall Dr. Rehorn variierte das Lied vom Wandern und Schauern ins Zeitraffertempo in den alten Vers: „Kaum gegrüßt. gemieden". Aber es gibt, ohne dem prächtigen Barcelonaautobus künstlich eine verzögernde Panne beibringen zu müssen, ein probates Gegenmittel; das heißt: Wieder- kommeu...
heut vor dem Versinken ins geistige Proletariat retten kann. Werkstudenten kämpfen zu Hunderten um einen bescheidenen Arbeitsplatz, der ihnen die Möglichkeit zum Studium bieten soll. Aber wenn der Sonntag kommt. Dann dürfen Füre und Burschen wohl einmal fröhlich sein, mag auch der Gott Garn-
de mit ihrem verträumten Kreuzgang.
Hessenmädchen in den zarten Farben ihrer wunderhübschen Tracht schlendern durch die Straßen und überall tauchen bunte Mützen auf und aus den offenen Fenstern der Häuser kommen frische Burschenlieder. Wir sind ja in Marburg, der Studentenstadt, und sie lebt, sorgt und freut sich mit ihren buntbe- mützten Jungens. Freilich so sorglos wie die Stu- dentensilme uns glauben machen wollen, ist das Leben heute nicht mehr, und wenn man es dem gestrengen Herrn Oberbürgermeister glauben will, arbeiten schon die jüngsten Semester ganz unheim-
Wir wollen zu Land ausfahren
Hessische Miniaturen, gesammelt auf einer preffefahrt
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Lan-friedens-ruch verneint!
Oer Ausgang -es Prozesses gegen die Nationalsozialisten
Am Spätnachmittag des zweiten Verhandlungstages des Großalmeroder Landfriedensbruchprozeffes wurde die Beweisaufnahme — es waren rund 60 Zeugen vernommen worden — geschlossen und die Verteidigung erhielt das Wort zur Begründung der Berufung. Rechtsanwalt Dr. Roland Freister kam zu dem Ergebnis, daß die Nationalsozialisten eigentlich nicht auf die Anklagebank gehörten. Der Umstand, daß vor dem 28. Januar schon zweimal nationalsozialistische Versammlungen gestört worden seien, daß unmittelbar vor der Versammlung noch eine gegnerische Kundgebung stattfand, daß die Gegner den Saal lange vor Versammlungsbeginn besetzt hielten, daß sie die eintrefsenden Nationalsozialisten mit Schmähungen und Drohrufen empfingen und schließlich die Versammlung auch durch Störungen zu einem vorzeitigen Ende brachten, — das alles zeige, daß der Wille zu Gewalttätigkeiten allein bei den Gegnern der Nationalsozialisten gewesen sei Eine absolute Klarheit über die Vorgänge habe die neue Verhandlurtzz auch nicht gebracht, was aber fest- gestellt sei, müsse genügen, um die Angeklagten sämtlich von der erhobenen Anklage freizusprechen.
Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Günther, Berlin, beschränkte sich aus die Feststellung, daß die eigentliche Schuld an den Vorgängen die Polizeiver- waltung in Großalmerode treffe, die für einen Abend zwei verschiedene politische Kundgebungen zuließ, obwohl ihr die erregte Stimmung aus beiden Seiten bekannt sein mußte. Auch Rechtsanwalt Günther forderte die Freisprechung der Angeklagten.
Als Vertreter der Anklage hielt Staatsanwaltschaftsrat Hennings die Feststellung des Schöffengerichts als keineswegs erschüttert Im Gegenteil, es seien zahllose neue Punkte hervorgetreten, die die Anklage stützen. Er beantragte die Verwerfung der Berufung. — Diesem Antrag schloß sich Rechtsanwalt Dr. Rocholl als Vertreter des Nebenklägers an.
Die Beratung des Gerichts dauerte über eine Stunde. Dann verkündete Laitdge»ich»sdice>ior Ullendorfs folgendes
Urteil:
Auf die Berufung der Angeklaiflen hin wird das Urteil des Schöffengerichts vom 28. März 1931 aufgehoben. Tie Angeklagten Schw., 23 „ Z.. G., G., B. und B. werden von der Anklage des Land- friedcnsbruches freigesprochen. Die Angeklagten W. und O. werden wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen jeder zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aus die die erlittene Untersuchungshaft angerechnet wird.
In der Begründung wurde ausgeführt, daß das Gericht den Feststellungen oes Vorilchrers hinsichtlich des Landfriedensbruches nicht hätte folgen können, denn es sei nicht einwandfrei erwiesen, daß die im Hausflur und auf der Treppe gewesenen National,ozialisten von vornherein eine Zusammenrottung gebildet hätten. Zuerst habe man ohne jeden Zweck zusammengestanden. Als aber Bann aus anderem Anlaß ein Angriff auf einen Nationalsozialisten erfolgte, teilte sich den im Hausflur versammelten Kameraden des Angegrissenen die allgemeine Erregung mit. Im Augenblick habe sich daraus eine allgemeine Schlägerei entwickelt, ohne daß genau zu erkennen fei, wer mit den Tätlichkeiten begonnen habe und ob den nunmehr zuschlagenden Nationaisoziali- ften das Bewußtsein Der Zusammenrottung und des Begehens von Gewalttätigkeien gekommen fei. Dieses Bewußtsein müßte verneint werden, obwohl sich schwere und stark zu mißbilligende Ausschreitungen ereignet haoen. Die Strafkammer habe daher das Vorliegen eines Landfriedensbruches verneinen müssen. Hingegen seien die Angeklagten W. und O. aber überführt worden, ohne besonderen Anlaß jeder in Brei Fällen gefährliche Körperverletzungen verübt zu haben. Der Angeklagte sei auch als der Urheber des tä lichen Angriffs aus den Polizeioberwachtmeister Goebel anzusehen. Trotz Zubilligung mildernder Umstände hätte auf Freiheitsstrafe erkannt werden müs- ;cn, damit den zu mißbilligenden politischen Aus- jchteituugen eiidlich ein Riegel vorgeschoben werde.
Hausbrsih-probleme
Im Haus- und Grundbesitzerverein berichtete Herr Er st mann, daß der Zeniraloer- bant> und der Verein von seilen der Finanz- behürden viel Berständnis und Entgegenkommen bei der Umwandlung der Einheitsbewertung gefunden haben. Endgültige Bestimmungen feien aber noch nicht in allen Punkten erzielt. Es müsse auch festgestellt werden, daß einzelne Dezernate rücksichtslos und manchmal verständnislos gegenüber den Steuerzahlern vorgingen. Redner rügte, daß bei jedem Gerüstbau, auch wenn er im Vorgarten des Hausbesitzers stehe, zunächst 5 Mark Gebühren an die Stadt zu zahlen seien; daß die Stadt bei einem Geschäftshausumbau für einen Quadratmeter F-eiche zu Kellerschächten 600 Mark Vergütung verlangt habe; daß die Umsatzsteuer für gewerbliche Räume rückwirkend eingehoben werden solle und daß man für 1932 nach dem Muster Berlins eine Wohnraumsteuer (für jeden einzelnen bewohnten Raum) ein» führen wolle.
Svndikus Schneider behandelte gleichfalls die Einheitsbewertung. Die Sätze, die in Kassel aufgestellt worden, gelten für ganz Hessen-Nassau.
Die jetzige Bermögenserflärung sei besonders wichtig,
beim sie wirb maßgebend sein für acht verschiedene Steuern und die Einheitsbewertung. Die Steuern sind: Grundsteuer, Vermögenssteuer, Aufbringungssteuer, Erbfchaft^teuer, Eewerbeertrag:steuer, Ge- werbekapitalfteuer, Hauszinssteuer und Grunderwerbs- steuer. Grundlegend für Den Einheitswert sei die Jahresrohmiete (Friedensmiete von 1914 mal 134 Prozent, ohne 5 Prozent Zuschlag der Stadt, abzüglich der auf die Mieter abwälzbaren Steuern und Umlagen, zuzüglich aber der 4 Prozent für Cchönheits- reparaturen!) Diese Rohmiete werde mit einem Multiplikator vervielfacht, und diese Summe ergebe den Einheitswert. Der Kampf in den Verhandlungen ging also um Festsetzung des Multiplikators. Daß dabei noch tolle Dinge vorkommen können, zeigte der Fall eines Allftadthauses, das nach der Miete einen Einheitswert von 62 rDO M. hätte, während die Stadt es nur auf 28 500 M. schätzte und bte ßan* •frcbitt'Jfe nur 9500 M e sie Hypothek darauf gab! Wichtig sei die Einteilung des Hausbesitzes
I in vier Klassen: Villen, Geschäftsgrundstücke, Gemischte I Grundstücke, Reine Mietwohngrundstücke. Die letzten werden wieder in vier Klassen geteilt: zu sechs und mehr bewohnten Räumen, zu vier bis fünf, zu biet und zu zwei bis eins. Diese Einteilung soll wahr» scheinlich die , -
Grundlage der drohenben Wohnraumsteuer
werden! Der für den Einheitswert maßgebende Multiplikator solle für Kassel in den vier Klassen betragen 6; 6,5; 6 und 5; so daß also z. B. der Einherts» wert eines Miethauses (Klasse 4) mit 3000 M. Rohmiete sich auf 18 000 M. belaufen würde. In andere« Städten und Landgemeinden sind die Multiplikatoren anders, bis auf 12, festgesetzt!
• Fieseler in Frankreich. Fieseler u n d D e • troyat gaben in Douai (Nordfrankreich) eine Kunst» flugvorstellung. Die Leistungen beider Flieger waren, nach französischen Pressestimmen, großartig, fieseler, der in Frankreich einen recht guten Namen hat, zeigte besonders gut gelungene Figuren.
Neuer Fahrplan der „Kog". Ab 10. Juli tritt auch bei der Kasseler Omnibus - Gesellschaft ein abgeänderter Fahrplan in Kraft.
Militjir-Groft Konzert. Die bcrcinirrtcn Musikkorvs deS 15 Inf.-Reg. aus Weimar, Eisenach und Kassel konzertieren heute abend in der Stadthalle mit einem ausgcwahl- ten Programm, das im ersten Teil Opern- und Konzert- musik, im zweiten Teil Armeemärsche bringen wird.
Wettervoraussage bis Freitag abend;
Fortdauer des unbeständigen und zeitweise regnerischen Wetters, bei ein wenig schwächeren, aber noch immer lebhaften südlichen Winden geringe Er» wärmung.
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