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Kasseler Jieueftt -lachriAtea

©onnertftag 9. Jult 19dl i. 2kilag»

Mild blickt die heilige Frau vom hohen Postament

(Fortsetzung folgt.)'

Marburgs köstlichstes Guts Der Elisabethschrein

Majestätisch wölbt sich das Schiff der .Grabeskirche

tenhäuser, malt unten im herr­

lichen Lahnbad die Menschlein krebsrot und schoko­ladenbraun und läßt Wald und Tal noch einmal so verlockend erscheinen.

Auch durch die Butzenscheiben der wunderschönen Universität lugt sie, heut als einzige Neugierige, denn in den Hörsälen herrscht sonntägliche Ruhe. Und sie spielt in den Schleifen des Kranzes am Gefallenen- mal drunten an der Brücke, von der aus Universität und Schloß sich so trutzig ausnehmen und neben der eine uralte Mühle von einem Stück hessischer Ge­schichte kündet.

Heine der hohen Frau blieben, bk Geschichte kündet es nicht . . .

Aus kostbarsten hohen Glasfenstern, wie wir Epi­gonen sie nicht mehr zu schaffen wissen, fällt das

Noch immer hallt in der Grabkirche der heiligen Elisabeth das Pochen der Werkleute. Im hohen Chor aber und um den Grabschrein der Heiligen ist es still wirst auch du still in Ehrfurcht.

Durch zierliches Gitterwerk erschauen wir den Schrein, der an Kostbarkeit in Deutschland selbst nicht im Kölner Domschatz seinesgleichen hat. Millionen allein beträgt der Materialwert, aber das ist nicht das Wesentliche, sondern das wundervolle mittelalterliche Kunsthandwerk, der Meister, die wohl Jahrzehnte der Arbeit daran wandten. Die Zerstörerhände eines Jerome, der die wertvollsten Steine ausbrach, konnte die ergreifende Gotik der Figuren nur noch umso rüh­render machen. Anklagend schaut das Christuskind, dem er den ganzen Arm ausriß, uns an. Wo die Ge-

Schwälmer Puppen

Mitten im Werkeltag hat Ziegenhain für ein paar Stunden Festtag gemacht uns zu Ehren. Un­ter alten Bäumen vor dem schmucken »Ziegenhainer Hof" harren schon an langen Tischen bei Kaffee und Kuchen Schwälmer Buben und reizende Schwälmer Mädel von den Kleinsten bis zu den appetitlichsten, voll erblühten Semestern. Das kleine Städtchen über­bietet sich in Gastlichkeit: da marschierten Landwurst auf und Schwartenmagen und Landkäs auf herr­lichem Bauernbrot, und die prächtigen Ziegenhainer rühmen ihre Stadt und finden manch treffendes Wort zu den Nöten der Zeit, die auch vor der Schwalm nicht halten machen.

Da aber bläst die Kapelle den Schwälmer Marsch und die Niedergrenzebacher lasten sich nicht lange bit­ten, ihre Tanzkünste zu zeigen, bis die Gäste sich lu­stig mit ihnen drehen.

Ich aber stehle mich fort und feiere ein Wieder- sehen mit dem alten Schloß und den würdigen Ka-

Licht ins weite Schiff. Grabmäler der Komture der Deutschritter sagen ihr Sprüchlein von Macht und Vergehen. Nebenan aber ruhen die steinernen Land­grafen, die Nachkoinmen der heiligen Frau. Fromm falten sie die Hände. Ihre Rüstungen und Schwerter drohen nicht mehr und der Löwe, das Wahrzeichen der Macht, ist still wie sie. Nicht zu überbietende Rea­listik hält uns in ihrem Bann, bis wir aufätmend Ja, hessische Geschichte: wundervoller als Marburg hinaustreten in den herrlichen uralten Klosterhof kann keine Stadt den Charakter eines größeren alt- hinter der Kirche, von dem selbst so mancher Mar- hessischen Gemeinwesens repräsentieren mit seinen burger nichts weiß, der alten Deutschritter-Kommen- zahllosen Patrizierhäusern und reich verzierten Fach, Werkbauten. Jede neue Ecke der steilen Gassen end hüllt neue prächtige Ausblicke.

valiersgebäuden der alten Feste. Ehe wir uns los­reißen von diesem Hessenstädtchen, das im glücklichen Gegensatz zu Marburg, dermittelalterlichen Groß­stadt", die behäbigere Landstadt noch heute so glücklich verkörpert, treten wir ein in das liebevoll gehegte Heimatmuseum und können uns nicht genug tun im Schauen. Kleine Kostbarkeiten bildet der Hausrat, der hier zusammengetragen, die altväterliche Bauern» stube und der zierliche Kleinkram und die Bänder, mit denen zu Fest und Tanz 's Katharin und Liefet sich schmücken. Doch was blasen da die Burschen: Mutz i denn zum Städtele hinaus . . ." Ja, ade ihr gastlichen Schwälmer I

Gommernacktstraum und Burfchenlied...

Du liebes altes Marburg, endlich wieder einmal in dei­nen Mauern!

Strahlende Sonne flutet über die Bergstadt, vergoldet die Zinnen des Hohen Schlos­ses, strahlt wieder in den flat- ternden Bannern der Studen-

brinus sei« feuchtfröhliches Szepter längst haben sinken lassen .. .

Abends aber, wenn über den wunderschönen Aus­blick von der Schloßterrasse sich die Schleier der Däm­merung senken, wird es aus der Bühne des Natur­theaters lebendig. Puck und Oberon, Titania und Irrlichter, geistern im seligen Sommernachstraum ihn zu lebendigster Wirklichkeit erweckend, so packend und mitreißend, wie selten wohl der große Meister Shakespeare uns ergriff. Und die Natur webt her­über und spielt mit. Johanniswürmchen gaukeln durch die Büsche und durch die Spitzbogen lugt der Mond . . .

Ueber steile Treppchen, durch schlafversunkene Gäß­chen, durch die von den nahen Gärten ein Hauch von Rosen steigt, gehts dann herab. Auf einer der präch­tigen Terrassen, die in das Lahntal herabschauen, machen wir dann den Sprung ins Leben zurück. Hier feiern die Studenten Ahschied vom Wochenende, Ar­minen und Rheinfranken. Po« den Wänden grüßen ihre ehrwürdig alten Wappen. Von was sie reden? Richt nur von Burschensreude, von Mensur und Kon­vent, sondern auch von den Röten unseres Volkes, dessen bewußte Glieder sie heute sind . . .

Und dann scheiden wir von dir, Marburg. Un­auslöschlich aber bleibt der Besuch in der Erinne­rung: Die Reinheit deiner Architektur, die Schönheit deines Panoramas, ein Burschenlied und ein Sommernachtstraum.

gl. Pressefahrt Rosinen im Alltagsleben oes Zeitungs­mannes. Nun gar. wenn der Verkehrsverband Kurhessen Waldeck ruft zur Reise durch die Heimatfluren!

Und er mt recht daran. Hes­sen ist es wert, gezeigt zu wer­den. Doppelt recht aber, das schöne Land den Männern der Feder vom Rhein und Ruhr zu zeigen, deren Leser zu Freunden unserer ja noch viel zu wenig bekannten landschaft- lieben Schönheiten, unserer Berge, Bäver und Luftkurorte zu machen, von solch hervor­ragender Bedeutung ist.

Und sie kamen und schauten und schrieben nun auch und die Kollegin aus Duis­burg bekam ganz verträumte Augen, ein Wunder in den Zei­ten einer immer nackter wer­denden Sachlichkeit. Wir aber, die wir unser Hessen kennen und lieben, auch wir machten unsere Reverenz vor so viel Herrlichkeit . . .

Freilich ein bissel arg schnell grngs, und der gestrenge, stets wohl um uns besorgte Reise­marschall Dr. Rehorn variierte das Lied vom Wandern und Schauern ins Zeitraffertempo in den alten Vers:Kaum ge­grüßt. gemieden". Aber es gibt, ohne dem prächtigen Barcelo­naautobus künstlich eine ver­zögernde Panne beibringen zu müssen, ein probates Gegen­mittel; das heißt: Wieder- kommeu...

heut vor dem Versinken ins geistige Proletariat ret­ten kann. Werkstudenten kämpfen zu Hunderten um einen bescheidenen Arbeitsplatz, der ihnen die Mög­lichkeit zum Studium bieten soll. Aber wenn der Sonntag kommt. Dann dürfen Füre und Burschen wohl einmal fröhlich sein, mag auch der Gott Garn-

de mit ihrem verträumten Kreuzgang.

Hessenmädchen in den zarten Farben ihrer wun­derhübschen Tracht schlendern durch die Straßen und überall tauchen bunte Mützen auf und aus den offe­nen Fenstern der Häuser kommen frische Burschen­lieder. Wir sind ja in Marburg, der Studentenstadt, und sie lebt, sorgt und freut sich mit ihren buntbe- mützten Jungens. Freilich so sorglos wie die Stu- dentensilme uns glauben machen wollen, ist das Le­ben heute nicht mehr, und wenn man es dem ge­strengen Herrn Oberbürgermeister glauben will, arbeiten schon die jüngsten Semester ganz unheim-

Wir wollen zu Land ausfahren

Hessische Miniaturen, gesammelt auf einer preffefahrt

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Lan-friedens-ruch verneint!

Oer Ausgang -es Prozesses gegen die Nationalsozialisten

Am Spätnachmittag des zweiten Verhandlungs­tages des Großalmeroder Landfriedensbruchprozeffes wurde die Beweisaufnahme es waren rund 60 Zeugen vernommen worden geschlossen und die Verteidigung erhielt das Wort zur Begründung der Berufung. Rechtsanwalt Dr. Roland Freister kam zu dem Ergebnis, daß die Nationalsozialisten eigent­lich nicht auf die Anklagebank gehörten. Der Um­stand, daß vor dem 28. Januar schon zweimal natio­nalsozialistische Versammlungen gestört worden seien, daß unmittelbar vor der Versammlung noch eine gegnerische Kundgebung stattfand, daß die Gegner den Saal lange vor Versammlungsbeginn besetzt hielten, daß sie die eintrefsenden Nationalsozialisten mit Schmähungen und Drohrufen empfingen und schließlich die Versammlung auch durch Störungen zu einem vorzeitigen Ende brachten, das alles zeige, daß der Wille zu Gewalttätigkeiten allein bei den Gegnern der Nationalsozialisten gewesen sei Eine absolute Klarheit über die Vorgänge habe die neue Verhandlurtzz auch nicht gebracht, was aber fest- gestellt sei, müsse genügen, um die Angeklagten sämt­lich von der erhobenen Anklage freizusprechen.

Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Günther, Berlin, beschränkte sich aus die Feststellung, daß die eigentliche Schuld an den Vorgängen die Polizeiver- waltung in Großalmerode treffe, die für einen Abend zwei verschiedene politische Kundgebungen zuließ, ob­wohl ihr die erregte Stimmung aus beiden Seiten bekannt sein mußte. Auch Rechtsanwalt Günther for­derte die Freisprechung der Angeklagten.

Als Vertreter der Anklage hielt Staatsanwalt­schaftsrat Hennings die Feststellung des Schöffenge­richts als keineswegs erschüttert Im Gegenteil, es seien zahllose neue Punkte hervorgetreten, die die Anklage stützen. Er beantragte die Verwerfung der Berufung. Diesem Antrag schloß sich Rechtsanwalt Dr. Rocholl als Vertreter des Nebenklägers an.

Die Beratung des Gerichts dauerte über eine Stunde. Dann verkündete Laitdge»ich»sdice>ior Ullen­dorfs folgendes

Urteil:

Auf die Berufung der Angeklaiflen hin wird das Urteil des Schöffengerichts vom 28. März 1931 aufgehoben. Tie Angeklagten Schw., 23 Z.. G., G., B. und B. werden von der Anklage des Land- friedcnsbruches freigesprochen. Die Angeklagten W. und O. werden wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen jeder zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aus die die erlittene Untersuchungshaft angerechnet wird.

In der Begründung wurde ausgeführt, daß das Gericht den Feststellungen oes Vorilchrers hin­sichtlich des Landfriedensbruches nicht hätte folgen können, denn es sei nicht einwandfrei erwiesen, daß die im Hausflur und auf der Treppe gewesenen Na­tional,ozialisten von vornherein eine Zusammenrot­tung gebildet hätten. Zuerst habe man ohne jeden Zweck zusammengestanden. Als aber Bann aus an­derem Anlaß ein Angriff auf einen Nationalsozia­listen erfolgte, teilte sich den im Hausflur versammel­ten Kameraden des Angegrissenen die allgemeine Er­regung mit. Im Augenblick habe sich daraus eine all­gemeine Schlägerei entwickelt, ohne daß genau zu er­kennen fei, wer mit den Tätlichkeiten begonnen habe und ob den nunmehr zuschlagenden Nationaisoziali- ften das Bewußtsein Der Zusammenrottung und des Begehens von Gewalttätigkeien gekommen fei. Die­ses Bewußtsein müßte verneint werden, obwohl sich schwere und stark zu mißbilligende Ausschreitungen ereignet haoen. Die Strafkammer habe daher das Vorliegen eines Landfriedensbruches verneinen müs­sen. Hingegen seien die Angeklagten W. und O. aber überführt worden, ohne besonderen Anlaß jeder in Brei Fällen gefährliche Körperverletzungen verübt zu haben. Der Angeklagte sei auch als der Urheber des lichen Angriffs aus den Polizeioberwachtmeister Goebel anzusehen. Trotz Zubilligung mildernder Um­stände hätte auf Freiheitsstrafe erkannt werden müs- ;cn, damit den zu mißbilligenden politischen Aus- jchteituugen eiidlich ein Riegel vorgeschoben werde.

Hausbrsih-probleme

Im Haus- und Grundbesitzerverein berichtete Herr Er st mann, daß der Zeniraloer- bant> und der Verein von seilen der Finanz- behürden viel Berständnis und Entgegen­kommen bei der Umwandlung der Ein­heitsbewertung gefunden haben. End­gültige Bestimmungen feien aber noch nicht in allen Punkten erzielt. Es müsse auch festgestellt werden, daß einzelne Dezernate rücksichts­los und manchmal verständnislos gegenüber den Steuerzahlern vorgingen. Redner rügte, daß bei jedem Gerüstbau, auch wenn er im Vorgarten des Hausbesitzers stehe, zunächst 5 Mark Gebühren an die Stadt zu zahlen seien; daß die Stadt bei einem Ge­schäftshausumbau für einen Quadratmeter F-eiche zu Kellerschächten 600 Mark Vergütung verlangt habe; daß die Umsatzsteuer für gewerbliche Räume rück­wirkend eingehoben werden solle und daß man für 1932 nach dem Muster Berlins eine Wohnraum­steuer (für jeden einzelnen bewohnten Raum) ein» führen wolle.

Svndikus Schneider behandelte gleichfalls die Einheitsbewertung. Die Sätze, die in Kassel aufge­stellt worden, gelten für ganz Hessen-Nassau.

Die jetzige Bermögenserflärung sei besonders wichtig,

beim sie wirb maßgebend sein für acht verschiedene Steuern und die Einheitsbewertung. Die Steuern sind: Grundsteuer, Vermögenssteuer, Aufbringungs­steuer, Erbfchaft^teuer, Eewerbeertrag:steuer, Ge- werbekapitalfteuer, Hauszinssteuer und Grunderwerbs- steuer. Grundlegend für Den Einheitswert sei die Jahresrohmiete (Friedensmiete von 1914 mal 134 Prozent, ohne 5 Prozent Zuschlag der Stadt, abzüglich der auf die Mieter abwälzbaren Steuern und Um­lagen, zuzüglich aber der 4 Prozent für Cchönheits- reparaturen!) Diese Rohmiete werde mit einem Multiplikator vervielfacht, und diese Summe er­gebe den Einheitswert. Der Kampf in den Ver­handlungen ging also um Festsetzung des Multiplika­tors. Daß dabei noch tolle Dinge vorkommen können, zeigte der Fall eines Allftadthauses, das nach der Miete einen Einheitswert von 62 rDO M. hätte, wäh­rend die Stadt es nur auf 28 500 M. schätzte und bte ßan*frcbitt'Jfe nur 9500 M e sie Hypothek darauf gab! Wichtig sei die Einteilung des Hausbesitzes

I in vier Klassen: Villen, Geschäftsgrundstücke, Gemischte I Grundstücke, Reine Mietwohngrundstücke. Die letzten werden wieder in vier Klassen geteilt: zu sechs und mehr bewohnten Räumen, zu vier bis fünf, zu biet und zu zwei bis eins. Diese Einteilung soll wahr» scheinlich die , -

Grundlage der drohenben Wohnraumsteuer

werden! Der für den Einheitswert maßgebende Multiplikator solle für Kassel in den vier Klassen be­tragen 6; 6,5; 6 und 5; so daß also z. B. der Einherts» wert eines Miethauses (Klasse 4) mit 3000 M. Roh­miete sich auf 18 000 M. belaufen würde. In andere« Städten und Landgemeinden sind die Multiplikatoren anders, bis auf 12, festgesetzt!

Fieseler in Frankreich. Fieseler u n d D e troyat gaben in Douai (Nordfrankreich) eine Kunst» flugvorstellung. Die Leistungen beider Flieger waren, nach französischen Pressestimmen, großartig, fieseler, der in Frankreich einen recht guten Namen hat, zeigte besonders gut gelungene Figuren.

Neuer Fahrplan derKog". Ab 10. Juli tritt auch bei der Kasseler Omnibus - Gesellschaft ein ab­geänderter Fahrplan in Kraft.

Militjir-Groft Konzert. Die bcrcinirrtcn Musikkorvs deS 15 Inf.-Reg. aus Weimar, Eisenach und Kassel konzer­tieren heute abend in der Stadthalle mit einem ausgcwahl- ten Programm, das im ersten Teil Opern- und Konzert- musik, im zweiten Teil Armeemärsche bringen wird.

Wettervoraussage bis Freitag abend;

Fortdauer des unbeständigen und zeitweise regne­rischen Wetters, bei ein wenig schwächeren, aber noch immer lebhaften südlichen Winden geringe Er» wärmung.

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