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Meler Neueste Nachrichten

Nummer 157*

Mittwoch, S. Juli 1931

21 Jahrgang

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Eine Krastleistung der deutschen Wirtschaft

Taufen» große »euische Sinnen greisen ein / Das Ziel der Silssaftion: Siützung »es normalen Kreditgeschäftes / Sachoerfiändigen-Beraiungen in London

Bürgschaft für die Golddiskontbank

Von unserer Berliner Schrtftleilung.

Berlin, 8. Juli.

Reichsbankprästdent Dr. Luther machte in einer Preffebesprechung davon Mitteilung, daß er einen Bries, unterzeichnet von allen maßgebenden deutschen Wirtschaftskreisen, den Banken, der In­dustrie, dem Handel und der Wirtschaft erhalten habe. Es handelt sich dabei um 1000 der größ­ten deutschen Firmen. Dieser Brief laufe darauf hinaus, daß diese Wirtschaftskreise der Deutsche» Golddiskontbank eine Aus- fallsbürgschast von 500 Millionen RM. zur Verfügung stellen.

_ Der Zweck soll sein, die Golddiskontbank so zu stärken, daß sie ein neues, sehr wirkungsvolles Kre­ditinstitut fair Deutschland wird, um vor allem den Abzügen von Auslandskrediten aus Deutschland entgegenzuwirken. Es soll eine Kraft le istu n g der deutschen Wirtschaft aufgezeigt werden, die Zeugnis macht, daß entgegen den Gerüchten und Anschauungen, die in einem Teil des Auslandes verbreitet sind, in der deutschen Wirtschaft der ernste Wille vorherrsche, gegen die gegen­wärtigen Verhältnisse anzukämpfen. In erster Linie komme es darauf an, den Kredit Deutschlands im Auslände wieder aufzubauen, nach­dem jetzt die Hoover-Mtwn abgeschlossen ist.

ReichsbaMiräsident Luther betonte, daß durch diese deutsche Krastleistung ein starkes, neues deut­sches Kreditinstitut geschaffen werden solle. Die entsprechenden Maßnahmen sollen mit größtmöglich­ster Beschleunigung durchgeführt werden, um dem Ausland zu zeigen, daß . die deutsche Wirtschaft von sich aus eine außerordentliche Krastleistung voll­bringe, die neben dem Zusammenwirken mit dem Auslands nötig sei. Das Ausland solle sehen, daß Deutschland von sich aus alles Notwendige tue, um der bestehenden Schwierigkeiten Herr zu werden.

Wie Reichsbankpräsident Dr. Luther weiter mit­teilte, handelt es sich um eine vorübergehende Hilfs­aktion in der gegenwärtigen Notzeit. Es soll durch sie dem normalen Kreditgeschäft zwi­schen den Privatbanken des In- und Auslandes eine Stütze gegeben werden. Die Hilfsaktion soll ein Anlaß dazu sein, die ausländischen Kreditgeber zu veranlassen, ihre Kredite nicht aus Deutschland zurückzuziehen. Das Reichsbankdirektorium erhofft von der bloßen Tatsache dieser Aktion eine erhebliche Stärkuna des Vertrauens im In- und Auslande zu Deutschland.

I

Der Brief der 1000 Zirmen

Berlin, 8. Juli.

Der Brief, den gestern abend 1000 groß­deutsche Firmen an den Präsidenten der Reichs- Lank gerichtet haben, hat folgenden Wortlaut:

Die Botschaft des Präsidenten Hoover hat der Welt den großen Ernst der deutschen Lage offenge- lggt. In der Zeit, die zwischen der Verkündung die­ser Botschaft und ihrer Annahme verstrichen ist, hat sich die Lage noch verschärft. Wir hoffen, daß die nunmehr erfolgte Zustimmung aller beteiligten Staa­ten zu dem Pakte die Grundlage für den wenn auch sehr schwierigen Wiederaufbau bietet.

Das Ziel muß jetzt sei», das Vertrauen auf Deutschland und in Deutschland wiederherzustellen. Weitere Kredftküudigougen zu vermeiden und dem Deoiseuabfluß Einhalt zu tun. Wir haben uns entschlossen, unsere Mitwirkung durch Zusammen­fassung der deutschen Wirtschaftskräfte in folgender Weise zur Verfügung zu stellen: Unter Führung der Deutschen Golddiskontbank wird von dentschen Unternehmen aus Industrie, Banken, Schiffahrt und Handel ein Earantiesyndikat gebildet, das eine Ausfallbürgschaft in Höhe »on 500 Millionen RM. übernimmt, um durch diese Earautiemasse die Aktionskraft der Dentschen Eold- diskontbank zu verstärken. Diese Haftsumme wird nach einem bestimmten Verfahren auf die 1000 größten deutschen Unternehmungen umzulegen sei», wobei an eine» bereits vorhandene» Berteil«»gs- schlüssel gedacht ist.

Wir sind uns bewußt, welches Oblige eine solche Summe für uns bedeutet, sind aber zu dieser Leistung bereit, um die Deutsche Golddiskontbank, die sich be­reits in schwieriger Lage als eine Hilfe für die deutsche Wirtschaft bewährt hat, so zu stärken, daß über ihren bisherigen Rahmen hinaus, namentlich in der jetzigen schwierigen llebergangszeit als Kreditin­strument wertvolle Dienste leisten kann. Diese unsere Garantieleistung kann jedoch nur wirksam werden, wenn es dem Reichsbankdirektorium gelingt, in der Zusammenarbeit mit den ausländischen Notenbanken die für die deutsche Wirtschafts- und

Kreditlage notwendigen Erleichterun­gen unter Mitwirkung der ausländischen Bankwelt uns zu verschaffen. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Reichsbankprästdent, die zur Verwirklichung die­ses Vorschlages notwendigen Maßnahmen alsbald in die Wege zu leiten."

Es folgen dann die Unterschriften der maßgeben­den deutschen Großbanken, sowie großen Provinzban- ken und der wichtigsten Firmen der Industrie, des Handels und der Schiffahrt.

*

Unsere Berliner Schriftleitung drahtet uns ferner in Ergänzung der obenstehenden Meldun­gen folgendes: Es handelt sich für die Reichsbank natürlich vor allem darum, den Geldmarkt von der jetzigen Versteifung zu befreien und dem Abzug der kurzfristigen Guthaben aus Deutschland Einhalt zu tun. In diesem Bestreben wird die Reichsbank jetzt durch die oben gekennzeichnete Selbsthilfeaktion der deutschen Wirtschaft unterstützt, denn der Wirtschaft muß vor allem daran liegen, zur Wiederbelebung der Produktion bessere Finanzierungsmöglichkeiten als bisher, d. h. also besser fließende Kreditquellen zu schaffen. Da nun ein großer Teil der ausländischen

. . London, 8. Juli.

Der diplomatische Korrespondent desDafly Tele­graph" erwartet, daß die britische Regierung unverzüglich Einladungen zu einer Konfe­renz in London an die alliierten Mächte, Deutsch­land und die Vereinigten Staaten von Amerika ab- senden werde. Die Vereinigten Staaten würden, da sie kein Unterzeichner des Youngplans sind, lediglich durch einen offiziellen Beobachter vertreten sein. Nach Ansicht der britischen Regierung solle die Konferenz, wie der diplomatische Korrespondent weiter schreibt, baldigst zusmnmentreten. Der erste Teil ihrer Arbei­ten, der bereits am M o nt a g beginnen und wahrscheinlich eine Woche beanspruchen wer­de, solle von Sachverständigen der verschie­denen Schatzämter ausgesührt werden. Hierauf soll­ten, etwa am 20. Juli, nach britischer Ansicht die Re­gierungen ihre Finanzminifter oder andere Kabinetts Mitglieder für die Schlutzverhand- lungen entsenden. Außer der Frage des G a r a n t i e- fonds und der Sachlieserungen dürfte auch die Mechode der Rückzahlungen der suspen­dierten Reparationen durch Deutschland eine aufmerk­same Prüfung finden müssen. Die britische Delegation werde naturgemäß von Schatzkanzler Snowden ge­führt werden.

Der Korrespondent erSärt zum Schluß, es verlau­tet, daß weder Washington noch London Bereitschaft gezeigt hätten, von Deutschland die politischen Garan­tien zu verladen, die Paris ursprünglich als Vor­bedingung internationaler Finanzhilfe für Deutsch­land bezeichnet hatte.

Washington, 8. Juli. Im Autzenamt wurde auf eine Anfrage erklärt, die Regierungder Verei­nigten Staaten werde sich gern an interna­tionalen Konferenzen beteiligen, die mit dem Hooverplan Zusammenhängen, und zwar so­wohl an einer Konferenz der Außenminister der in Frage kommenden Staaten wie an einer Konferenz der Finanzexperten. Sollte es auf der ersteren Kon­ferenz gelingen, Frankreich zu einer Verlängerung der gestern vereinbarten Frist zu veranlassen, in der Deutschland die auf ein Jahr gestundeten Beträge nachzahlen müsse, so würde die amerikanische Regie­rung das wärmstens begrüßen. Präsident Hoover hatte erst 35 Jahre, «dann 25 Jahre vorgeschlagen und -betrachtet eine Frist von 10 Jähren als zu kurz.

Keine Begeisterung in Paris

für die englische Einladung.

Paris, 8. Juli.

In der Pariser Morgenpresse stößt die englische Einladung auf keinerlei Begeisterung. Man schreibt es nur der französisch-englischen Freundschaft zu, daß Frankreich auf diese Einladung überhaupt eingegan­gen ist. Die Blätter betonen, daß Paris als Ver­handlungsort sehr viel günstiger gewesen wäre.

Geldinstitute sich trotz der Verkündung des Hoover- planes noch mit einem gewissen Mißtrauen von der Beteiligung an deutschen Finanzgeschäften zurückhält, so haben sich die 1000 großen Firmen zu ihrem Schritt entschlossen. Selbstverständlich muß bei die­ser Operation ein Wiederaufleben der zahlreichen kurzfristigen Auslandsguthaben unbedingt vermie­den werden. Der Reichsfinanzminister Dr. Die­trich hat gestern in einer Pressebesprechung aus­drücklich darauf hingewiesen, daß das Grundübel, dem die jetzigen schwierigen Vorgänge auf dem Geld­markt zuzuschreiben seien, in der Existenz dieser allzu zahlreichen kurzfristigen Auslandsguthaben zu erblik- ken ist, die in Deutschland vielfach langfristig ange­legt worden sind. Durch die Zurückziehung dieser Guthaben entstehen dann die gefährlichen Vorgänge auf dem Devisenmarkt, die wir in den letzten Wochen beobachtet haben.

Den Kapitalverlust, der der deutschen Volkswirt­schaft auf diese Weise sowohl in der Zeit nach dem 14. September tote vor allem in der Zeit vor dem 21. Juni und jetzt wieder in den letzten vierzehn Tagen entstanden ist, beziffert Dr. Dietrich auf ins­gesamt drei bis vier Milliarden Mark.

Deshalb wird die Reichsregierung alles unter­nehmen, um die kurzfristigen Ausländsanleihen in Deutschland einzuschränken, bzw. sie in langfri­stige Anleihen zu konvertieren. Soweit Länder und Gemeinden in Betracht kommen, sind dafür bestimmte Richtlinien für das Eingreifen des Reiches vor­handen.

Echo de Paris" unterstreicht, daß das Programm der Konferenz noch in keiner Weise festgelegt sei. Man wisse nicht einmal, ob Deutschland auf dieser Konferenz vertreten sein werde, ebensowenig wie sich jetzt schon Voraussagen lasse, ob sich die Sachverstän­digen nur mit den finanztechnischen Fragen befassen, oder auch die juristischen Fragen in Erwägung ziehen würden. ,

Oeuvre" glaubt zu wissen, daß Briand den eng­lischen Vorschlag für eine Zusammenkunft der Mi­nister der am Youngplan interessierten Länder nicht zurückgestellt oder glatt abgelehnt habe.

Berlin eniserrheiGachverständige

th. Berlin 8. Juli.

Nach dem Abschluß der Pariser Verhandlungen und der dabei erzielten Einigung zwischen Amerika und Frankreich bedarf es nach der in maßgebenden Berliner Stellen herrschenden Auffassung selbstver­ständlich noch einer diplomatischen Aktion, um den Plan des Präsidenten Hoover formell in Kraft treten ru lassen. Die Zustimmung der sämtlichen in Betracht kommenden Staaten war ursprünglich lediglich zum Hooverplan in der Gestalt feiner ersten Verkündung ausgesprochen worden und muß nun natürlich auch auf das in Paris abgeschlossene Kompromiß ausge­dehnt werden. Derartige Feststellungen können nach Ansicht der Berliner Stellen auf dem üblichen diplo­matischen Wege getroffen werden, ohne daß dazu eine besondere politische Konferenz nötig wäre. Dagegen ist eine Zusammenkunft der Sachverständigen erfor­derlich, die die Aufgabe haben, die technischen Fra­gen zur Lösung des Sachlieferungsproblems und andere hierher gehörende Dinge zu behandeln. Nach dem Abschluß dieser Verhandlungen wird bann die Reichsregierung alsbald in eine weitere

diplomatische Fühlungnahme mit Paris und Rom wegen des Zeitpunktes der dorthin geplante» Reise» des Kanzlers und des Außenministers eintreten. Der Termin für diese Reisen steht auch jetzt noch nicht fest, da man zunächst den Besuch der englischen Regierungsmitglieder und des amerikani­schen Staatssekretärs S t i m s o n abwarten wird. So können die Reisen nach Paris und Rom nicht mehr vor Ende Juli stattfinden.

Die englische Regierung hat bereits eine Ein­ladung für eine Konferenz bar Sachverstänbigen er­gehen lassen. Selbstverständlich werden auch die Sach­verständigen der deutschen Regierung nach London gehen, und zwar kommen dafür in erster Linie Mi­nisterialdirektor Ritter vom Auswärtigen Amt und Ministerialdirektor Berger vom Reichsfinanz­ministerium in Frage, die m Berlin die ständigen Sachbearbeiter der hier in Frage kommenden Pro­bleme sind.

Feierjahr Arbeitsjahr

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Nach dem 21. Juni, dem Tage der ersten Ver­kündung des Hoover-Programms, hat der 7. Jult in erster Linie Anspruch auf geschichtliche Bedeu­tung, denn erst nach Ueberwindung des überaus zähen französischen Widerstandes ist die Verwirk­lichung des vom amerikanischen Präsidenten vor­geschlagenen Reparationsfeierjahres gesicher'. Der Unmut, der sich in Deutschland während der letzten vierzehn Tage angesichts der immer neuen franzö­sischen Quertreibereien geltend machte, ist natürlich mehr als berechtigt, aber immerhin ist es nötig, des Näheren nachzuprüsen, inwieweit und vor allem mit welcher politischen Gesamtwirkung die Franzosen ihre bekannten Forderungen verwirkli­chen konnten. . Die Franzosen hatten u. a. die Ab­zweigung von 20 Prozent der ungeschützten deutschen Annuität für die kleinen Staaten, die Weitersüh- I rung des vollen Sachlieferungsprogramms, die so- I fertige Fälligkeit der gesamten geftunbeten Jahres­zahlung im Falle eines deutschen Transfermorato­riums und die Befreiung Frankreichs von der Pflicht der Einzahlung von 500 Millionen in den Garantiefonds der B. J.Z. verlangt. Demgegen­über bestehen die Zugeständnisse her Amerikaner nur darin, daß anstelle der Rückzahlungsfrist von fünf­undzwanzig Jahren (die Franzosen hatten fünf Jahre verlangt) eine mittlere Linie von zwölf Jahren vereinbart wurde, und ferner darin, daß die Weiterzahlung des ungeschützten Teiles der deutschen Annuität prinzipiell und formell bestätigt, in der praktischen finanziellen Wirkung jedoch durch das System der Rückgewährung eines Kredites wie­der ausgeglichen wurde. Der Grundgedanke des Hooverplanes hat sich also zweifellos weitgehend durchgesetzt.

Man kann freilich nicht darüber hinwegsehen, daß die ausdrückliche Bestätigung des R o u n g - S ch e m a s, die mit dem Hoovervlane als solchem nichts zu tun hat, einen schweren Schönheitsfehler des gesamten Kompromisses darstellt. Selbstverständlich würde die Reichsregie­rung es viel lieber gesehen haben, wenn diese Ab­machungen über die ungeschützte Annuität vermie­den worden wären. Andererseits darf man nicht vergessen: Präsident Hoover hat schon am 21. Juni betont, daß der amerikanische Vorschlag keinen Ein­griff in die inuereuropäischen Verhältnisse bzw. in das System des Aouugplanes bedeuten soll. Er ist sich zweifellos darüber im klaren gewesen, daß es mit dem einen Reparationsfeierjahr nicht sein Be­wenden haben kann, daß aber für den Augenblick auch dieser Baum nicht mit einem Streiche zu fällen ist. Somit wird man hoffentlich dem gegenwärti­gen Zugeständnis an das Noungsystem keinen Ewigkeitswert beizumessen brauchen. Es hat vielmehr von Anfang an kein Zweifel darüber be­standen, daß der Proklamation des Feierjahres weitere Schritte folgen muffe«, die in ihrem letzten Ziele geradlinig aus eine völlige Neu­regelung des Reparationssystems, also auf eine entsprechende Herabsetzung unserer Tributlasten hin- auslaufen. Ob nun die deutsche Reichsregierung im Laufe des Feierjahres diese Revision des Doungplanes in Angriff nehmen wird, ober ob bte Initiative dazu abermals von Amerika aus­gehen wird, muß zunächst natürlich dahingestellt bleiben. Man wird erst wohl einmal abwarten müs­sen, was der amerifanitoe Kongreß im Dezember zu den ersten wirtschaftlichen Wirkungen des Feier­jahres sagen wird, und ob die in dlmerika bereits weit verbreitete Ueberzeugung von der Notwendig­keit einer wirtschaftlichen Kräftigung Europas dort weiter an Boden gewinnt. Ob dann Vereinbarun­gen über ein zweites Feierjahr ober Anregungen zu einer Generalrevision gegeben werden, bleibt eben­falls dahingestellt. Das eine aber ist klar, daß die­ses Feierjahr auf dem Gebiete der internationalen ReparaKonspolitik ein Jahr intensiver diplo­matischer Arbeit fein wird, denn schon dis Tatsache dieses ersten Feierjahres allein ist ein der­art tiefgreifender Einbruch in das gesamte System der bisherigen Reparationsverträge, daß eine ein­fache Rückkehr zu diesem System nach dem Ablauf des Feieriahres WoM volllommen undenk­bar scheinen mutz. Präsident Hoover bat nicht um- vnst in seinen oben erwähnten Washingtoner Aeußerungen neben dem Wettrüsten die jetzt beste- benden Lasten als die Ursachen der gegenwärtigen Krrse bezeichnet. Darf man daraus wohl den Schluß ziehen, daß Amerika nicht nur der Abrii- stungsfrage, sondern auch der für die Weliwirt- chuft so wichtigen Reparationsfrage weiterhin volle Aufmerksamkeit schenken wird?

Intensive Arbeit wird während dieses Feierjahres aber auch in bei innerbeutfchen Wirt- chaftspolitik geleistet werden müssen. Der Reichskanzler hat wiederholt erklärt, daß die finan­ziellen Erleichterungen des Feierjahres ausschließlich zur Gesundung der Öffentlichen Finanzen und zur Ve-

Londoner Konferenzen

Beginn der Sachverständigen-Beratungen wahrscheinlich schon am Montag England auch für eine Ministerkonferenz?